Sohoviertel, wo sie sich in engen Räumen behelfen muß und auch für diese oft die Miete fehlt. Die Versuche Marxens, sich durch schriftstellerische Arbeit zu ernähren, begegnen allen möglichen Schwierigkeiten. In Deutschland scheuen die Verleger ängstlich davor zurück, größere Arbeiten von Marx in Verlag zu nehmen, und diejenigen deutschen Zeitungen, die regelmäßig Korrespondenten zahlen können, sind Marx verschlossen oder werden von ihm als Blätter betrachtet, mit denen man sich nicht einläßt. Auch in den Vereinigten Staaten, wo es damals eine radikale deutsche Presse gab, die mit den Revolutionären sympathisierte, war gerade für Marx keines der größeren dieser Blätter zugängig. Es wäre zudem in den Augen von Engels eine Sünde gewesen, wenn ein Mann von der Bedeutung Marx’ sich für kleine Tagesschriftstellerei hätte abarbeiten sollen, statt in erster Reihe wissenschaftlichen Arbeiten nachzugeben. So veranlaßt er Marx, sich vor allem an die Vorarbeiten für das große ökonomische Werk zu machen, das Marx damals plante, und den unmittelbaren Broterwerb in zweite Linie zu stellen. Es ist nicht nur der Freund, der dem Freunde hilft, es ist der _Parteimann_, der der _Partei_ eine erste geistige Kraft erhalten und dafür sorgen will, daß diese Kraft sich in der ihren Neigungen und den Interessen der Partei dienlichsten Weise entfalten kann. Es spricht alles dafür, daß unter solcher Begründung Engels seinem Freunde Marx seine dauernde Hilfe angeboten und Marx sich entschlossen hat, sie anzunehmen.
Er würde indes doch weniger auf sie haben zurückgreifen müssen, wenn ihn nicht unter anderem immer wieder sehr bösartige Haut-, Darm- und Lebererkrankungen heimgesucht hätten, die meist wochenlang ihn ganz oder halb invalide machten. Ungemein viel Zeit nehmen ihm im Jahre 1852 die Verhaftung der Kölner und anderer Mitglieder des Kommunistischen Bundes und der gegen die Verhafteten eingeleitete Umsturzprozeß fort. In den Bemühungen, für die Angeklagten Entlastungsmaterial herbeizuschaffen, sieht er sich oft von Parteigenossen, die mehr Zeit und weniger zu sorgen haben als er, nur ungenügend unterstützt, was ihm gelegentlich recht bittere Reflexionen entlockt. Marx war eben nicht, wie die Kinder im Märchen, ausschließlich von Engeln umschwebt, sondern hatte Parteifreunde von recht verschiedenem Temperament und Charakter um sich; die einen, darunter namentlich Wilhelm Wolff, tüchtig und zuverlässig – echtes Gold mit nur wenig Schlacken –, andere aber wenig gefestete Naturen, die ihm mehr zu schaffen machten, als sie etwa sein Leben erleichterten. Marx hat zum Beispiel dem jung verstorbenen Konrad Schramm im „Herr Vogt“ ein rühmendes Andenken als dem „Percy Heißsporn“ der Partei gesetzt. Aber in der ersten Zeit seines Londoner Exils hat ihm dieser Hitzkopf durch leichtfertiges Handeln viel Ärger bereitet und nutzlose Arbeit verursacht. Ähnlich Ernst Dronke und der Philologe Wilhelm Pieper.
Auch der Verkehr mit den nahestehenden Chartistenführern Julian Harney und Ernest Jones brachte allerhand Unangenehmes mit sich, viel Arbeit und wenig Entschädigung. Meistens waren die beiden recht schlecht aufeinander zu sprechen und griffen sich zeitweise sogar öffentlich auf das feindseligste an, und dann war es auch mit ihrem politischen Verhalten nicht immer nach Wunsch bestellt. Wir werden Harney in Phrasen machen sehen, wie keiner der von Marx-Engels bekämpften „wahren Sozialisten“ sie verschwommener formuliert hätte, und Jones – unzweifelhaft der Bedeutendere der beiden – sehr geneigt, Kompromisse irgendwelcher Art einzugehen, was sich wohl aus der schlimmen Lage des im Niedergang begriffenen englischen Chartismus erklärte, aber durchaus im Widerspruch stand mit der von Marx und Engels verfochtenen Haltung.
Und dabei hatten diese noch Jones wie Harney mit Beiträgen für deren stets um Leben und Sterben ringende Blätter zu unterstützen. Auch das gehört zum Lebensbild, worüber uns nun der Meinungsaustausch unter den Freunden genauer unterrichtet.
Anfang August 1851 erhält Marx die Einladung des Charles A. Dana zur Mitarbeit an der New York Tribune und damit endlich den Ausblick auf einen auch geistig leidlich befriedigenden regelmäßigen schriftstellerischen Erwerb. Da er sich in der englischen Sprache nicht sicher fühlt, springt nun zunächst Friedrich Engels für ihn ein und teilt dann noch lange die Arbeit mit Marx. Im übrigen werden wir sehen, daß auch diese Verbindung für Marx mit allerhand Verdruß verbunden war, daß der biedere Dana mit den Korrespondenzen von Marx in der willkürlichsten Weise verfährt, sie nach Belieben verstümmelt, sie als Artikel benutzt, aber nicht als solche honoriert, sie mit Zusätzen ausstattet, die Marx’ Ansichten auf den Kopf stellen und was dergleichen Annehmlichkeiten mehr sind, die einen Schriftsteller, der auf seinen guten Namen hält, zur Verzweiflung bringen können. Immerhin war die Tribune ein Blatt, das sich neben den besten der damaligen Zeit sehen lassen konnte, und die Arbeit für sie bot Marx zu einer Zeit, wo ihm alle sonstigen Wege dazu abgeschnitten waren, die Möglichkeit, als Schriftsteller zu Zeitgenossen zu sprechen, und den Anlaß zu Studien, die im Rahmen des Gebiets seiner wissenschaftlichen Hauptbeschäftigung lagen und somit ihm auch geistige Genugtuung gewährten. Marx hat in der Tribune sehr bedeutsame Beiträge zur allgemeinen Geschichte wie zur Wirtschaftsgeschichte der neueren Zeit veröffentlicht.
Auch unter dem Gesichtspunkt des Erwerbs wurde die Mitarbeiterschaft an der New York Tribune für Marx nicht das, was er zuerst von ihr erwartete und mit gutem Grunde zu erwarten berechtigt war. Der Honorarsatz von 2 Pfund Sterling für den Brief oder Artikel war für einen Mann von der Bedeutung eines Marx mäßig genug, aber er wurde dadurch noch sehr wesentlich verringert, daß die Tribune Marx nicht die Beiträge oder Artikel bezahlte, die er lieferte, sondern nur diejenigen, welche die Redaktion abzudrucken für gut befand. Und da die Redaktion von dem ihr zukommenden Rechte der Sichtung im Laufe der Zeit Marx gegenüber zeitweise einen wahrhaft unanständigen Gebrauch machte, kam es vor, daß Marx manchmal knapp den dritten Teil der Artikel bezahlt erhielt, die er einsandte, und sein Honorar faktisch auf das unbedeutender Zeilenreißer herabsank. So gern die Redaktion der Tribune mit den Artikeln prahlte, die sie von Marx oder von Engels im Namen von Marx erhielt, hielt dies sie nicht ab, Marx die Bitterkeiten des taglöhnernden Schriftstellers gründlich auskosten zu lassen. Was Bezahlung nach dem Stücke heißt, hat Marx in der schlimmsten Form an sich selbst erfahren und furchtbare Wirklichkeit erhielten unter diesen Umständen immer wieder für ihn Freiligraths Worte: Er auch ist ein Proletar, Ihm auch heißt es: darbe, borge!
Es wäre übermenschlich gewesen, wenn diese Nöte seine Gemütsstimmung unberührt gelassen hätten.
Noch ein Wort über die Stellen in den Briefen, die sich auf den Kleinkrieg in der Londoner Flüchtlingsschaft beziehen. Manche der darin ausgedrückten Urteile geben nur den Eindruck der Stunde wieder. Gewiß lauten sie selten erbaulich, die Geschichte aller Emigrationen ist eine Geschichte des Widerspiels von Enttäuschungen und – um mit Marx zu reden – der „Narrheiten, die aus den außerordentlichen Umständen erwachsen, worin die Emigration sich plötzlich gestellt findet“. So schrieb Marx 1860 im Herr Vogt. Und bei den scharfen Titeln, mit denen er in den Briefen die Gegner in der Emigration bedenkt, bei der bitteren Kritik, die er an ihrem Verhalten übt, darf der Leser nicht vergessen, daß Marx, so wenig er geneigt war, sich mit Kinkel, Ruge, Willich usw. wieder zusammenzutun, doch an der Stelle, wo er jenen Satz schrieb, hinzufügte, daß ein Vergleich der Geschichte der 1848er deutschen Emigration mit der gleichzeitigen Geschichte der Regierungen und der bürgerlichen Gesellschaft als die glänzendste Verherrlichung der Emigration wirken würde.
Es wird von diesem Abschnitt an Abstand davon genommen, den Briefen Erläuterungen in bezug auf Einzelheiten vorauszuschicken, es würden ihrer zu viele werden. Vielmehr wird bei den Lesern allgemeine Kenntnis der Geschichte der 1848er Revolution und der deutschen Sozialdemokratie vorausgesetzt. Informierende kurze Noten über Personen und Dinge, die weniger bekannt geworden sind, findet der Leser im Register. Doch sind auch sie auf das Nötigste beschränkt geblieben, was um so eher geschehen konnte, als die Briefe meist einander ergänzen und so in ihrem Fortgang zur Genüge erkennen lassen, um was es sich jedesmal handelt. Eine Kommentierung der Briefe, die mehr geben wollte, müßte sich zu einer ganzen Geschichte der theoretischen und unmittelbar praktischen Kämpfe auswachsen, deren Mittelpunkt Marx-Engels bildeten. Das aber gehört nicht in den Rahmen dieser Ausgabe. Noch weniger konnte es Sache der Herausgeber sein, den überaus interessanten wissenschaftlichen Inhalt der Briefe, die oft viele Seiten füllenden Auseinandersetzungen über Fragen der Ökonomie, Geschichte, Naturwissenschaft usw. mit anderen als orientierenden Noten zu begleiten. Wie die jeweiligen Äußerungen über Personen, sind auch diese sachlichen Ausführungen nie schlechthin als Endurteile ihrer Verfasser zu verstehen, sondern oft nur Merkmale ihrer geistigen Entwicklung, Skizzen und Entwürfe aus der Werkstatt ihres Schaffens.
Die Briefe dieses Abschnitts beginnen mit zwei Schreiben von Marx an Engels aus dem November 1850, die den Leser gleich in die Atmosphäre einführen, die in dieser Epoche auf Marx und den Seinen lastet. Sie handeln vom plötzlichen Tode eines Söhnchens, der die Familie schwer trifft und den Marx und Frau – sicher nicht mit Unrecht – auf die bürgerliche Notlage zurückführen, in der das Londoner Exil sie sieht.
Die Bezeichnung „Pulververschwörer Föxchen“ bezieht sich darauf, daß der Knabe den Vornamen Guido mit dem Verschwörer Fawkes gemein hatte, der im Jahre 1605 das englische Parlament in die Luft zu sprengen unternahm.
Von den Gesinnungsgenossen in London steht keiner der Familie so nahe wie der soeben nach Manchester übersiedelte Engels, auch sind sie, wenn nicht von Hause aus Proletarier, doch in der Lage von solchen, Not und schwere Kämpfe ums Dasein überall, selbst bei den englischen Gesinnungsfreunden. George Julian Harney ist von einer Verurteilung wegen Umgehung des Zeitungsstempels bedroht, die sein Wochenblatt, den Roten Republikaner – _Red Republican_ – dem Tode widmen und ihn auf unberechenbare Jahre ins Gefängnis bringen kann. Der Prozeß der treugebliebenen Arbeiter Heinrich Bauer und Karl Pfänder, von dem Marx schreibt, scheint finanzielle Auseinandersetzungen mit der Fraktion Willich-Schapper zur Grundlage gehabt haben. Wir sind noch mitten in den Kämpfen der zwei ehemaligen Flügel des Kommunistenbundes miteinander. Es sind seit dem vollzogenen Bruch nur erst wenige Wochen verstrichen, die gegenseitige Erbitterung beherrscht die Geister noch in voller Stärke.
Dazu Taktlosigkeiten des jungen Konrad Schramm, der eben erst das Duell mit Willich gehabt hat und doch, wie aus dem nun folgenden Antwortbrief von Engels hervorgeht, im gegnerischen Lager Beziehungen unterhält. Nach diesem Brief zu schließen, gehörte ein Bruder Schramms der Gegenpartei an. Ein anderer Umgang Schramms, der Marx verdroß, war der mit dem Literat Sebastian Seiler, dem wir vor 1848 abwechselnd in Paris und Brüssel begegnet waren. Der Bamberger, an den Marx sich gelegentlich wegen Diskontierung von Wechseln wendet, war Finanzagent des famosen Ex-Herzogs Karl von Braunschweig, dem, ähnlich wie es gewissen Mitgliedern der Schwarzbrüderzunft ergeht, aus der Art, wie er sich bei seiner Verjagung aus Braunschweig die Krondiamanten „gerettet“ hatte, der Beiname Diamanten-Karl erwachsen war. Bamberger war indes nicht der Mann, für sich aus dem Herzog viel Geld herauszuschlagen; für einen Finanzmensch großen Stils war er zu stark von des Gedankens Blässe angekränkelt. In Artikeln des Marx feindlichen Literatentums der 50er und 60er Jahre stößt man unter anderem auch auf die Verdächtigung, daß Marx dem Diamanten-Karl politische Dienste geleistet und Bamberger den Vermittler dabei gemacht habe. Wenn es noch nötig wäre, so würden diese Briefe zeigen, wie sehr diese Verdächtigung selbst der scheinbaren Unterlage entbehrte.
Ein besonderes Interesse darf der Brief von Marx an Engels beanspruchen, der das Datum des 2. September 1853 trägt. Er reinigt Marx von einem Verdacht, der wiederholt und auch in jüngster Zeit wieder gegen ihn ausgestreut worden ist. Anhänger und Verehrer Michael Bakunins beschuldigen Marx, Bakunin gegenüber unehrliches Spiel getrieben zu haben, als er ihm im Jahre 1864 erklärte, an der im vorgenannten Brief behandelten Verdächtigung Bakunins als Regierungsagent durchaus unbeteiligt gewesen zu sein. Der Brief beweist, daß Marx in der Tat jener Anschuldigung durchaus fern stand. Wir erfahren ferner aus ihm, daß die im Jahre 1848 von der Neuen Rheinischen Zeitung gebrachte Meldung, Georges Sand habe Briefe, welche bewiesen, daß Bakunin Agent der russischen Regierung geworden sei, der Zeitung, außer von der Korrespondenz Havas, von Hermann _Ewerbeck_ zur Veröffentlichung übersandt worden war, der zwar deutscher Sozialist, aber kein Mitglied des Kreises der engeren Freunde von Marx war. Spätere Briefe, so namentlich der Brief von Engels an Marx vom 27. November 1861 über Bakunins Flucht und der von Marx an Engels vom 4. November 1864 über des ersteren Zusammentreffen mit Bakunin, beweisen überzeugend, daß die beiden Freunde diesem bis zu der Zeit durchaus wohlgesinnt gegenüberstanden, wo Bakunin in der Internationale als Gegner des Londoner Generalrats auftrat. Den Urheber der Beschuldigung, von der der Brief vom 2. September 1853 handelt, nennt Marx im Brief an Engels vom 22. April 1854 „einen sehr stupiden Urquhartiten“. Der Mann hieß auch Marx, aber nicht Karl sondern Franz oder vielmehr _Francis_, denn er war Engländer, der mit Karl Marx nichts als den Familiennamen gemein hatte.
Näheres über ihn findet man in N. Rjasanoffs Aufsatz Marx als Verleumder (Neue Zeit, XXIX, 1, S. 278 ff.).
Alles weitere aus den Briefen selbst. Wie im ersten Abschnitt, wechseln auch weiterhin Briefe von Marx an Engels und solche von Engels an Marx immer wieder der Zeitfolge nach einander ab. Einige dem Briefwechsel beigelegte Briefe von Frau Marx an Engels und von Engels an Frau Marx werden selbstverständlich wie Briefe von oder an Marx behandelt.
Lieber Engels!
Ich schreibe Dir nur zwei Zeilen. Heute morgen um 10 Uhr ist unser kleiner Pulververschwörer Föxchen _gestorben_. Plötzlich, durch einen der Krämpfe, die er oft gehabt hatte. Einige Minuten vorher lachte und schäkerte er noch. Die Sache kam ganz unverhofft. Du kannst Dir denken, wie es hier aussieht. Durch Deine Abwesenheit sind wir gerade in diesem Moment sehr vereinsamt.
In meinem nächsten Briefe werde ich Dir einiges über Harney schreiben, woraus Du sehen wirst, in welcher fatalen Lage er sich befindet.
Dein K. Marx.
Wenn Du gerade in der Stimmung bist, schreibe einige Zeilen an meine Frau. Sie ist ganz außer sich.
Lieber Engels!
Dein Brief hat meiner Frau sehr wohlgetan. Sie befindet sich in einer wirklich gefährlichen Aufgeregtheit und Angegriffenheit. Sie hatte das Kind selbst gestillt und unter den schwierigsten Verhältnissen mit den größten Opfern sich seine Existenz erkauft. Dazu der Gedanke, daß das arme Kind ein Opfer der bürgerlichen Misere gewesen ist. – – – Jones hat mir die eigentliche Lage Harneys auseinandergesetzt. Er ist _sous le coup de la justice_.[1] Sein Blatt mußte dem ganzen Inhalt nach gestempelt sein. Die Regierung wartet nur eine große Verbreitung ab, um ihn zu fassen. Der Prozeß gegen Dickens ist bloß als Präzedenz gegen ihn eingeleitet. Wird er dann gefaßt, so kann er außer der eigentlichen Strafe zwanzig Jahre sitzen für die Unmöglichkeit, die _security_[2] aufzubringen.
Dein K. M.
---------- [1] Unter dem Henkerbeil der Gerichte.
[2] Kaution.
Lieber Marx!
Ich schreibe Dir heute, bloß um Dir anzuzeigen, daß es mir leider heute noch unmöglich ist, Dir die in meinem Letzten auf heute versprochenen 2 Pfund Sterling zu schicken. Ermen ist auf ein paar Tage verreist, und da kein Prokurist beim Bankier beglaubigt ist, so können wir keine Anweisungen ausstellen und müssen uns mit den paar kleinen Einzahlungen begnügen, die gelegentlich einkommen. Es sind im ganzen nur zirka 4 Pfund in der Kasse, und Du begreifst daher, daß ich etwas warten muß.
Sobald Ermen zurückkommt, werde ich Dir das Geld sogleich schicken. Die erste Anweisung ist hoffentlich richtig eingegangen.
Die Geschichte mit Harney ist allerdings höchst fatal. Wenn sie ihn einmal fassen wollen, hilft auch das Namenändern des Blattes nichts.
Ganz aufgeben kann er’s auch nicht, und wenn _dies_ Blatt unter die Kategorie der Stempelpflichtigen fällt, so weiß ich nicht, wie es überhaupt möglich ist, ein ungestempeltes politisches Wochenblatt herauszugeben. Allerdings täte er besser, seinen _Labour Record_[1] von der achten Seite wegzulassen, das ist _News_ [Nachricht] und unzweifelhaft stempelpflichtig. Aber nach dem, was Du schreibst, scheint auch der Inhalt seiner räsonnierenden Artikel, in Jones Meinung, dem Stempel zu verfallen. Und da hört alles auf.
Hoffentlich geht es Deiner Frau besser. Grüße sie und Deine ganze Familie herzlich von Deinem F. E.
Im Lauf der Woche werde ich Deiner Frau eine Sendung von _Cotton thread_[2] zugehen lassen, von der ich hoffe, daß sie ihr gefallen wird.
---------- [1] Chronik der Arbeiterbewegung.
[2] Baumwollnähgarn.
46 69 Deanstreet, Soho, London, 2. Dezember 1850.
Lieber Engels!
Ich war einige Tage ernstlich unwohl und so erhältst Du diesen Brief nebst Anzeige von dem Empfang der beiden Post Office Ordres später, als mein Wunsch war. Dem Seiler habe ich die 7-1/2 Schilling zukommen lassen. Was die [Nummern der] Indépendance betrifft, so schulden wir beide ihm einstweilen nichts, da er, zu gelegener Zeit, sich von seinem Wirte hat herauswerfen lassen und ihm als Kompensation für die 10 Pfund, die er ihm schuldet, nichts hinterlassen hat als die unbezahlte Indépendance, für 18 Pence Mobiliareigentum und zwei oder drei Bücher, die er von mir und anderen geborgt hat. Er besitzt wirklich _in a high degree_[1] das Talent, auf amerikanische Weise den Überschuß seiner Ausgaben über seine Einnahmen zu liquidieren.
Von unserer Revue habe ich noch nichts gesehen und gehört. Ich stehe mit Köln in Unterhandlung wegen Herausgabe der Quartalschrift.
Teils aus Unwohlsein, teils aus Absicht komme ich in den _Pulteney stores_ mit den anderen nur noch an den offiziellen Tagen zusammen. Da die Herren so viel debattiert haben, ob diese Gesellschaft ennuyant ist oder nicht, überlasse ich es natürlich ihnen selbst, über die Komforts ihrer Unterhaltung sich wechselseitig zu verständigen. Mich aber mache ich rar. Wir haben beide die Erfahrung gemacht, daß man bei diesen Leuten in demselben Maße im Werte sinkt, als man sich ihnen liberal zuführt. Zudem bin ich sie müde und will meine Zeit möglichst produktiv ausnutzen. Freund Schramm, der seit mehreren Wochen den Malkontenten spielte und sich endlich überzeugt hat, wie man durchaus nicht geneigt ist, dem natürlichen Laufe seiner Gemütsstimmungen Hindernisse in den Weg zu legen, eignet sich nach und nach den mit dem _Model-Lodging-house_[2] verträglichen Humor wieder an.
Unterdessen haben die großen Männer der Great Windmillstreet[3] einen Triumph erlebt, wie folgt [wir geben das von Marx im französischen Texte mitgeteilte Manifest gleich in Übersetzung. D. H.]: „An die Demokraten aller Nationen. Bürger! Verbannte Flüchtlinge in England und _schon allein dadurch_ besser placiert, um die politischen Bewegungen des Festlandes zu beurteilen, haben wir alle Kombinationen der koalierten Mächte verfolgen und tätig überwachen können, die sich auf eine neue Besetzung Frankreichs rüsten, wo (sehr scheene!) die Kosaken des Nordens von ihren Mitverschworenen erwartet werden, um (noch einmal: erwartet, _um_) in seinem eigenen Heim (die Geburtsstätte von Barthélemy und Pottier) den Vulkan der Weltrevolution auszulöschen. Die Könige und die Aristokraten Europas haben begriffen, daß es Zeit sei, Dämme aufzuführen, um die Volksflut (hieße besser die Volksversumpfung) aufzuhalten, welche ihre wankenden Throne zu verschlingen droht. – Zahlreiche, in Rußland, in Österreich, in Preußen, in Bayern, in Hannover, in Württemberg, in Sachsen, kurz in allen Staaten Deutschlands aufgebotene Truppen sind bereits vereinigt. (Truppen...sind bereits vereinigt!) In Italien bedrohen 130 000 Mann die schweizerische Grenze. Der Vorarlberg ist von 80 000 Mann besetzt.
Der Oberrhein ist mit 80 000 Mann, Württemberger, Badenser und Preußen, besetzt, der Main von 80 000 Bayern und Österreichern bewacht. Während 370 000 Mann die von uns bezeichneten Punkte besetzt halten, hat Preußen 200 000 Soldaten mobil gemacht, die es bereit hält (_sic!_), gegen die Grenzen Belgiens und Frankreichs geworfen zu werden; Holland und Belgien werden durch die Koalitionen gezwungen, die Einmarschierungsbewegung mit einer 150 000 Mann starken Armee zu unterstützen. In Böhmen stehen 150 000 Mann bereit und warten nur auf Order, um sich mit der Mainarmee zu vereinigen, die dann 230 000 Mann stark sein würde. Um Wien herum sind 80 000 Mann konzentriert. 300 000 Russen lagern in Polen und 80 000 in der Umgebung St. Petersburgs. Diese Armeen bilden zusammen eine Heeresmacht von einer Million dreimalhunderttausend Kämpfern, die nur auf das Signal zum Angriff warten. Hinter jenen Truppen halten von den Kleinstaaten Deutschlands gestellte Mannschaften und 120 000 Russen, welche Armeen zusammen eine Reservetruppe bilden von 700 000 Mann, ohne die unzählbaren (_sic!_) Horden von Barbaren, welche der moskowitische Attila hervorbrechen lassen würde, um sie wie einst (!) auf die europäische Zivilisation zu werfen. Deutsche Blätter (wird nämlich in einer Note ein...Satz aus der Neuen Deutschen Zeitung zitiert, um Lüning günstig zu stimmen) und unsere _eigenen Ermittlungen lassen uns die geheimen Pläne der Mächte erkennen_, deren Bevollmächtigte am vergangenen 25. Oktober in Warschau versammelt waren. Es wurde in der (!) Konferenz _beschlossen_, daß ein Scheinkrieg (Teufel, was für Diplomatie!) zwischen Preußen und Österreich als ein Vorwand dienen solle für die Bewegung der Soldaten, die der _Wille_ des Zaren in blinde Werkzeuge und wilde Meuchelmörder gegen die Verteidiger der Freiheit verwandelt.
(Bravo!) Im Angesicht dieser Tatsache ist kein Zweifel mehr möglich: man organisiert in diesem Augenblick die schon begonnene (!!)
Niedermetzelung aller Republikaner. Die Tage des Juni 1848 mit ihren blutigen Hinrichtungen und den auf diese folgenden Ächtungen – die Verwüstung und Knechtung Ungarns durch Österreich –, die Auslieferung Italiens an den Papst und die Jesuiten nach der Erdrosselung der römischen Republik durch die Soldaten der französischen Regierung haben die Wut unserer Feinde nicht stillen können. Sie träumen von der Knechtung aller Völker, die für den Triumph der allgemeinen Freiheit kämpfen. Wenn die Demokratie nicht acht gibt, werden Polen, Ungarn, Deutschland, Italien und Frankreich bald wiederum dem Wüten der wilden Soldateska des Nikolas preisgegeben sein, der den Barbaren, um sie zum Kampfe anzustacheln, die Verwüstung und Ausplünderung Europas verspricht. – Gegenüber dieser Gefahr, die uns bedroht, auf, auf!...französische, deutsche, italienische, polnische und ungarische Republikaner, erheben wir uns aus dieser Erstarrung (Pot Schapper und Willich!), die unsere Kräfte entnervt und unseren Unterdrücker den Sieg leicht macht. Auf!...Lassen wir auf die Tage der Ruhe und jetzigen Schmach die Tage der Mühen und des Ruhmes folgen, die uns der heilige Krieg für die Freiheit vorbereitet! Wenn Ihr die Gefahren prüft, die wir Euch anzeigen, so werdet Ihr wie wir begreifen, daß es Wahnsinn wäre, länger den Angriff des gemeinsamen Feindes abzuwarten; wir müssen alles vorbereiten und der Gefahr, die uns umgibt, zuvorkommen. (Kommt einmal einer Gefahr zuvor, die Euch _umgibt_!) Bürger, Sozialdemokraten, unser Heil liegt nur bei uns selbst, wir dürfen nur auf unsere eigenen Kräfte rechnen, und aus den Beispielen der Vergangenheit belehrt, müssen wir uns gegen die Verrätereien im voraus waffnen. Vermeiden wir, vermeiden wir insbesondere die Falle, die uns von den Schlangen (!) der Diplomatie gestellt wird. Die Schüler der Metternich und Talleyrand sinnen in diesem Moment darauf, die Fackel der Revolution dadurch auszulöschen, daß sie Frankreich durch die Invasion, die sie vorbereiten, zu einem nationalen Kriege bewegen, in welchem die Völker zum Vorteil der Feinde ihrer Befreiung einander die Kehlen abschneiden würden! Nein, Bürger! Kein Nationalkrieg mehr! Die Schlagbäume, welche die Despoten zwischen den Nationen, die sie unter sich geteilt, errichtet hatten, werden fortan für uns niedergerissen sein, und die in eins verschmolzenen Völker haben nur noch eine Fahne, auf welche wir mit dem fruchtbaren Blut unserer Märtyrer geschrieben haben: ‚Universelle demokratische und soziale Republik!‘ Für ihre Vereine: Die Mitglieder des Komitees der geächteten französischen Sozialdemokraten in London: Adam (Combreur), Barthélemy (Emml), Caperon (Paulin), Favon, Gouté, Thierry, Vidil (Jules). Die Delegierten der ständigen Kommission der Sektion der polnischen Demokratie in London: Sawaszkiewicz, Waßkowski. Die Mitglieder des sozialdemokratischen Komitees deutscher Flüchtlinge und des Deutschen Arbeitervereins: Dietz (Oswald), Gebert (A.), Mayer (Adolf), Schärttner (A.), Schapper (Karl), Willich (August). Die Delegierten des Ungarischen Demokratischen Vereins in London: Molihary, Simonyi. London, den 16.
November 1850.“ Als ich das Manifest [Ledru-]Rollin, Mazzini, Ruge usw. an die Deutschen gelesen hatte, worin man sie auffordert, das Bardiet zu singen, [und] sie erinnert, daß ihre Vorfahren „Franken“ hießen, und worin der König von Preußen schon abgemacht hatte, sich von Österreich klopfen zu lassen, glaubte ich, etwas Dümmeres sei unmöglich. _Mais non!_[4] Kommt das Manifest Ganon Caperon Gouté, wie die Patrie es nennt, der _dii minorum gentium_,[5] mit demselben Inhalt, wie sie richtig bemerkt, aber ohne Chic, ohne Stil, mit den armseligsten Rednerblumen von _serpents_[6] und _sicaires_[7] und _égorgements_![8] Die Indépendance erzählt, indem sie einige Sätze aus diesem Meisterwerk mitteilt, es sei von den _soldats _les plus obscurs_ de la Démocratie_[9] abgefaßt, und diese armen Teufel hätten es ihrem Korrespondenten in London zugeschickt, obgleich sie konservativ sei. So sehr sehnten sie sich nach dem Drucke. Sie nennt zur Strafe _keinen_ Namen, wie die Patrie nur die obigen drei nennt. Zur Erfüllung der Mission geben sie von hier einem Straubinger (selbiges Subjekt hat die klägliche Geschichte gestern dem Pfänder erzählt) 50 Exemplare nach Frankreich mit. Kurz vor Boulogne schmeißt er 49 Stück ins Meer, in Boulogne wird Bruder Straubinger wegen mangelnden Passes zurückgeschickt nach London und erzählt, „daß er jetzt nach Boston gehe“.
Lebe wohl und schreibe umgehend Deinem K. M.
Apropos. Schreibe doch einmal dem würdigen Dronke, daß er in Bundesangelegenheiten antwortet und nicht nur im Falle von Tretbriefen schreibt. Die Herren Kölner haben noch nichts hören lassen. Weydemeyer nennt „Haude“, der sein ganzes Fell in Deutschland eingebüßt hat und wieder hier ist, einen „sonst wackeren Burschen“.
Du mußt ernsthaft nachdenken, worüber Du schreiben willst. England geht nicht, da schon zwei Themata darüber, vielleicht drei mit Eccarius. Über Frankreich ist auch nicht viel zu sagen. Könntest Du nicht vielleicht, an Mazzinis neueste Sachen anknüpfend, die biederen Italiener samt ihrer Revolution einmal packen? (Sein „Republik und Monarchie usw.“ nebst seiner „Religion, der Papst usw.“) [Anschrift von Frau Marx.]
Lieber Engels!
Ihre freundliche Teilnahme an dem Schicksal, das uns in dem Verlust unseres kleinen Lieblings, meines armen kleinen Schmerzenskindes, so schwer getroffen, hat mir sehr wohlgetan, um so mehr, als ich mich in den letzten schmerzlichen Tagen recht bitter über unseren Freund S[chramm] zu beklagen hatte. Mein Mann und wir alle haben Sie sehr vermißt und uns oft nach Ihnen gesehnt. Dennoch freue ich mich sehr, daß Sie hier fort und auf dem besten Wege sind, ein großer _Cotton-lord_[10] zu werden. Keilen Sie sich nur recht fest ein zwischen die zwei feindlichen Brüder; dieser Kampf bringt Sie notwendig Ihrem verehrten Herrn Papa gegenüber in die Position der Unentbehrlichkeit, und ich sehe Sie schon im Geiste als Frederic Engels junior und Associé des Senior figurieren. Das Beste dabei ist, daß Sie trotz _Cottontrade_[11] und alledem der alte Fritze bleiben und sich, um mit den drei Erzdemokraten Friedrich Wilhelm [dem Vierten], Kinkel und Mazzini zu reden, „der heiligen Sache der Freiheit“ nicht entfremden werden...Gestern abend waren wir in der ersten Vorlesung von Ernest Jones über die päpstliche Geschichte. Sein Vortrag war wunderschön und für die Engländer avanciert; für uns Deutsche, die wir durch Hegel, Feuerbach usw.
Spießruten gelaufen sind, nicht ganz _à la hauteur_.[12] Der arme Harney war lebensgefährlich krank an einem Geschwür an der Luftröhre. Er darf noch nicht sprechen. Ein englischer Arzt hat zweimal geschnitten und die wehe Stelle nicht getroffen. Sein Red [Republican][13] ist umgewandelt in den Friend of the People.[14] Doch nun für heute genug. Die Kinder plaudern sehr viel vom Onkel Angels, und der kleine Till singt ganz famos nach Ihrer verehrten Instruktion, lieber Herr Engels, das Lied vom „Knotenpelz und von dem flotten Besen“.
Weihnachten sehen wir Sie hoffentlich.
Ihre Jenny Marx.
---------- [1] In hohem Grade.
[2] Wörtlich: Muster-Logierhaus, tatsächlich Name erbärmlicher Mietkasernen.
[3] In der Great Windmillstreet (Straße in London) befand sich der öffentliche, damals zu Willich-Schapper haltende kommunistische Arbeiterverein.
[4] Aber nein!
[5] Götter der niederen Gattung.
[6] Schlangen.
[7] Meuchelmörder.
[8] Kehlabschneidereien.
[9] Unbedeutendsten Soldaten der Demokratie.
[10] Baumwollbaron.
[11] Baumwollhandel.
[12] Auf der Höhe.
[13] Roter [Republikaner].
[14] Volksfreund.
Lieber Marx!
Ich bin die letzte Zeit ausnahmsweise sehr beschäftigt gewesen und habe andere Störungen gehabt, die mich aus meinem gewöhnlichen Lebenssystem herausrissen und mich am Schreiben verhinderten. Daher meine späte Antwort.
Das Manifest Ganon Caperon Gouté ist wirklich ein Meisterstück nach Inhalt und Form. Die _crânerie_[1] hat ihren vollendeten Ausdruck erreicht, und Monsieur Barthélemy hat der Welt endlich einmal ein Exempel davon gegeben, _ce que c’est que de parler carrément_.[2] Die militärische Aufstellung des _homme de marbre_[3] ist ebenso heiter: der _bonhomme_[4] hat die meisten Corps der österreichischen Armee zweimal gezählt, wie die oberflächlichste _reference_[5] zu den Zeitungen beweist. Übrigens geht die Unverschämtheit doch zu weit, nach all den Blamagen seit 1848 und bei der gegenwärtigen gemütlichen Stimmung aller Nationen, obenan der _crapauds_, von einer _marée populaire_ zu sprechen, _qui menace d’engloutir des trônes_.[6] Die Versammlung von Namen, die darunter steht, ist freilich die schönste _feature_[7] des Ganzen. Solch ein europäischer Kongreß ist noch nie gesehen worden.
Ledru-Rollin, Mazzini und Komp. erhalten ordentlich eine gewisse Wichtigkeit durch diese Kinderei. Übrigens möchte ich wissen, worin sich der Waschlappen Sawaßkiewicz, der darunter steht, von dem Polacken des Ledru-Rollin, Darasz, unterscheidet, und inwiefern die beiden Ungarn, die darunter stehen, dem Mazzini vorzuziehen sind. Schapper und Ruge stehen sich freilich ziemlich gleich, und falls nicht Dietz ein schweres Gewicht zugunsten des neuen europäischen Komitees in die Wagschale legt, so werden die Herren die Konkurrenz mit ihrem Original schwerlich bestehen können.
Neulich war ich bei John Watts, der Kerl scheint gut zu mogeln, er hat jetzt einen viel größeren _shop_ [Laden] in Deansgate, etwas höher hinauf. Er ist vollständiger radikaler Spießbürger geworden, kümmert sich um nichts als das _educational movement_,[8] schwärmt für _moral force_[9] und hat Herrn Proudhon zu seinem Herrn und Meister akzeptiert.
Er hat die _Contradictions économiques_[10] und anderes Zeug übersetzt und viel Geld daran verloren, da die englischen Arbeiter noch nicht „Erziehung“ genug haben, um diese famosen Sachen zu verstehen. Er erzählte mir verschiedene Exempel, aus denen hervorgeht, daß er sehr gut versteht, seinen Schneidercommerce vermittels Affichierung seines bürgerlichen Liberalismus zu poussieren. In den _Educational Committees_[11] sitzt er mit seinen ehemaligen wütenden Gegnern, den Dissenterpfaffen, brüderlich zusammen und läßt sich von Zeit zu Zeit Banknoten von ihnen geben _for the very able address he delivered on that evening_.[12] Der Kerl scheint mir in dieser Metamorphose allen Witz verloren zu haben; ich bin seitdem noch nicht wieder bei ihm gewesen. Für Leute, die derartige Wandlungen in die bürgerliche Solidität durchmachen, ist natürlich Proudhon hierzulande ein gefundenes Fressen; scheinbar am weitesten gehend, weiter als Owen, ist er doch Ich habe nichts dagegen, über Herrn Mazzini und die italienische Geschichte zu schreiben. Mir fehlen nur außer dem Ding im Red [Republican] alle Mazzinischen Schriften. Vor Weihnacht komme ich indes doch zu nichts, da ich in acht Tagen doch in London bin. Ich werde mir dann das Nötige mitnehmen. Vielleicht fällt uns bis dahin auch sonst noch was ein.
Deiner Frau meinen besten Dank für ihre freundlichen Zeilen. Mit dem _Cotton-lord_ ist’s so arg nicht, mein Herr Alter scheint gar nicht so geneigt zu sein, mich länger hier zu halten, als absolut nötig ist.
_Cependant nous verrons._[14] An Dronke ist geschrieben.
Grüße Deine Frau und Kinder.