SigPhi · Friedrich Engels

Der Briefwechsel zwischen Friedrich Engels und Karl Marx 1844 bis 1883, Erster B

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dem bekannten _clair-obscur_[2] des Räsonnements muß ihnen viel fruchtloses Kopfzerbrechen gekostet haben; sie haben auch gerade nur die unrechten Stellen groß drucken lassen. Heiter nimmt es sich aus, daß die großen Windmiller jetzt vor der ganzen Welt herausgeschmissen aus der eigenen Partei dastehen, der große Willich gepaart mit Haude, Gebert und anderem unbekannten Pack, einem gewissen „Schopper“ (von „Schoppen“ abgeleitet), dessen seltene Verdienste so wenig bekannt sind, daß selbst in Köln sein Name nicht einmal richtig gedruckt wird! _So far all right._[3] Aber der erste Artikel der Statuten ist schlimm für die Verhafteten: „Alle Mittel der revolutionären Tätigkeit“, oder wie es dort heißt. Das führt die Sache aus dem Gebiet der bloßen verbotenen Verbindung heraus auf das des Hochverrats. Übrigens, nach einer Andeutung der Kölnischen Zeitung zu schließen, scheint meine Vermutung richtig zu sein, daß man vorhat, die ganze Gesellschaft vor den für diese grandiose Gelegenheit eigens ins Leben zu rufenden Berliner Staatsgerichtshof zu stellen.

Ein gutes Zeichen für die Stimmung der Bourgeois ist, daß die Regierung mit ihrem Versuch, die große Dresdener Entdeckung als Schreckschuß zu exploitieren, so komplett durchgefallen ist. Der Bürger fürchtet sich so wenig mehr vor dem roten Gespenst, daß er vom großen Kommunistenkomplott nichts hören will und schon fürchtet, daß das Haussuchungssystem nächstens auch auf ihn ausgedehnt werde.

Kein einziges Blatt will anbeißen, und die Verzweiflungsexperimente der Regierung, bei Turnvereinen, freien Gemeinden und demokratisierenden Schneidermeistern weitere Umtriebe zu entdecken, beweisen einerseits, wie sehr sie sich über die Gleichgültigkeit der Bürger ärgert und die Neugier derselben zu kitzeln sucht, und andererseits, zu wie wenig weiteren Entdeckungen die Statuten und das Rundschreiben geführt haben.

Bei Miquel scheint auch fruchtlos gehaussucht zu sein.

Dein F. E.

[2] Halbdunkel.

[3] Somit [ist] alles in Ordnung.

[4] Was gibt es Neues in London?

92 [Undatiert. Etwa zwischen 6. bis 10. Juli 1851.]

Lieber Marx!

Nachdem ich meinen Alten hier acht Tage herumgeschleift, habe ich ihn glücklich wieder fortexpediert und kann Dir heute endlich inliegend Post Office Ordre für 5 Pfund schicken. Im ganzen kann ich mit dem Resultat meiner Entrevue mit dem Alten zufrieden sein. Er hat mich auf wenigstens drei Jahre hier nötig, und Verpflichtungen für die Dauer, nicht einmal auf die drei Jahre, habe ich keine eingegangen, sind auch weiter nicht verlangt worden; weder in Beziehung auf Schriftstellerei noch auf Hierbleiben im Falle einer Revolution.

An diese scheint er gar nicht zu denken, so sicher ist das Volk jetzt!

Dagegen habe ich mir Repräsentations- und Tafelgelder gleich im Anfang ausgemacht – zirka 200 Pfund jährlich, was auch ohne große Schwierigkeiten bewilligt wurde. Mit einem solchen Salär geht die Sache schon, und wenn es bis zur nächsten Bilanz ruhig bleibt und das hiesige Geschäft gut geht, wird er noch ganz anders bluten müssen – ich komme schon in diesem Jahre weit über die 200 Pfund. Dabei hat er mich in seine ganzen Geschäftsverhältnisse sowohl hier wie drüben blicken lassen, und da er sehr gute Geschäfte gemacht und seit 1834 sein Vermögen mehr als verdoppelt hat, so versteht es sich, daß ich mich nicht mehr geniere, als nötig ist.

Der Alte ist übrigens auch verschlagen genug. Sein Plan, der aber nur sehr langsam und schwierig durchzuführen und wegen der Tuckereien mit den Ermens schwerlich je durchgeht, ist der, den Peter Ermen nach Liverpool ziehen zu lassen, was dieser selbst wünscht, und mir dann die ganze Leitung des hiesigen Kontors – wo G. Ermen dann die Fabrik führen würde – in die Hände zu spielen. Damit wäre ich dann gebunden. Natürlich erklärte ich, daß mir das doch über die Kräfte ginge, und spielte den Bescheidenen. Wäre mein Alter indes noch ein paar Tage hier geblieben, wir wären uns in die Haare geraten.

Die Kölner Zeitung ist seit Anfang Juli hier nicht mehr zu sehen, wahrscheinlich wegen vergessener Abonnementserneuerung. Ich weiß also nicht, ob weiter noch etwas vorgefallen ist. Wenn Du Neues weißt, so lasse mich es ja wissen. Ich werde endlich wieder anfangen können, ordentlich zu arbeiten, da die Exhibitionsstörungen jetzt so ziemlich vorüber sind und der Athenäumskatalog endlich fertig ist. Auch habe ich vor, bald aufs Land zu ziehen, damit ich ganz ungestört bin. Da ich binnen eines Jahres meinen Alten nicht wieder herbekomme, kann ich mich ganz nach Konvenienz einrichten und die Repräsentationsgelder zum großen Teile anders verwenden.

Grüße Deine Frau und schreibe bald Deinem F. E.

---------- [1] Dies unter uns.

Lieber Engels!

Ich habe meinen Brief von Tag zu Tag aufgeschoben, um Dir vollständig die Dokumente zu geben, die unten mitgeteilt werden. Da die Vollständigkeit aber erst in einigen Tagen möglich wird, schreibe ich heute, um nicht noch länger Dich auf Antwort warten zu lassen.

_D’Abord._[1] Scheint mir aus Deinem Briefe hervorzugehen, daß Du während der Anwesenheit des Alten in Manchester nicht erfahren hast, daß ein zweites Aktenstück in der Kölnischen Zeitung abgedruckt war, unter der Überschrift „Der Bund der Kommunisten“. Es war dies die von uns beiden verfaßte Ansprache an den Bund – _au fond_[2] nichts als ein Kriegsplan gegen die Demokratie. Nach einer Seite hin war die Veröffentlichung desselben gut, im Gegensatz zu dem der Form nach _plus ou moins_[3] absurden und dem Inhalt nach wenig tröstlichen Aktenstück des Bürgers. Andererseits erschweren einige Stellen die Situation der jetzt Gefangenen.

Wie ich durch Louis Schüler [oder Schöler] aus Köln erfahre, schreibt Bürgers sehr trübselig aus Dresden. Dagegen glaubt man in Köln allgemein an die Freisprechung von Daniels, gegen den nichts vorliegt und für den die ganze Heulerei in der heiligen Stadt heult. Sie hält ihn natürlich für unfähig solcher „Narreteien“.

Miquel hat aus Göttingen geschrieben. Mehrmalige Haussuchung bei ihm.

Man fand nichts. Ist nicht eingesperrt worden. Es sind von Göttingen aus fünf neue Emissäre – Gentlemen – nach Berlin usw. ausgegangen. Die Judenverfolgung erhöht natürlich den Eifer und das Interesse.

Das drolligste ist, daß die alberne Augsburger Allgemeine Zeitung das von uns verfaßte Aktenstück zu einem Kinde der Herren Mazzini-Ruge macht, sich ein über das andere Mal an die Brust schlägt und ihre Begriffserschütterung über das Ungeheure nicht besser zu formulieren weiß, als indem sie verschiedentlich Wahnsinn! schreit. Wahnsinn!

Wahnsinn!

Die Triersche Zeitung hat sich natürlich – _id est_ Karl Grün – aufs hohe Pferd gesetzt und aus dem ersten Aktenstück die materielle, aus dem zweiten jedoch die „geistige“ Ohnmacht der Partei bewiesen. Die lichtfreundlichen und am weitestgehenden „anarchischen“ Phrasen fehlen natürlich nicht. Alles von oben machen! Polizeistaat! Andersdenkende förmlich in Bann tun und ausschließen. _Mon Dieu!_ Da hört am Ende alles auf!

Nun zu den hiesigen Stürmen, die in einem Regentropfen sich zu ereignen gewohnt sind.

Erstens. Vater Willich ist aus der Kaserne – deren Auflösung, wie es scheint, beschlossen war – ausgekniffen und in tiefen Krakeel mit den meisten seiner Leibgarde geraten.

Zweitens. Der große Fickler arrivierte hier. Lupus war einige Tage vor seiner Ankunft in England mit ihm in Straßburg zusammengewesen.

Liebknecht ist seit alter Zeit mit ihm vertraut. Beide begaben sich also zu ihm am 5. Juli. Er schwatzte sehr freundlich, sprach von der Notwendigkeit der Aussöhnung der Parteien usw. Da kam auch der Amand Goegg hinzu. Er nannte Willich einen „bloßen Phantasten“, Schapper ein „ekelhaftes Subjekt“ – nachdem er den Kerl einigemal in der Windmill poltern gehört, habe er sich von ihm getrennt und sei nicht mehr in die Herberge gegangen. Fickler und Goegg zogen beide besonders stark über den großen Kinkel los, der hier nun den glücklichen Parvenü spielt und sich daher den Ärger der anderen großen Männer zugezogen hat. Ruge wurde dagegen als eine Art von _lumen_[4] betrachtet.

Fickler fragte nach meiner Adresse, und Lupus und Liebknecht entfernten sich, düpiert von den nach „Eintracht“ ringenden Biedermännern.

Einige Tage nachher schickte mir Freiligrath folgenden Brief zu, der ihm zugegangen war: 4 Brunswickplace, North Brighton, 4. Juli 1851.

Lieber Freiligrath!

Wir projektieren eine Art Klub und Verein, der das Privatwesen aufhebt und niemand von der revolutionären sozialdemokratischen Partei ausschließt, als den, der exklusiv sein will oder der sich durch Charakter und Antezedentien selbst unmöglich gemacht hat.

Fickler, Goegg, Sigel, Ronge, Ruge betreiben die Sache, und ich habe es übernommen, Dich zu unterrichten und Dich einzuladen, wenn Du Dich, wie ich vermute, interessierst, an einem Meeting zu dem Zwecke am 14. Juli (Montag 8 Tage) 11 Uhr morgens in _Ficklers_ Wohnung, 26 Yorkbuildings, die einen Teil von New Road bilden, unterhalb Bakerstreet, teilzunehmen.

Wir haben etwa 24 Leute eingeladen, die wir als zuverlässig und treugeblieben kennen. Mehr wissen wir für den Augenblick nicht.

Ich hätte Dich gern gesprochen. Wenn wir reussieren mit dem Projekt, so wird dergleichen sofort in allen Fällen möglich. Wenn Du auch nicht in London bleibst, sollst Du doch hinkommen.

Mit Gruß und mit Händedruck Dein A. Ruge.

_Qu’en dis-tu?_[5] Freiligrath hat nun den großen Fehler begangen, seine Antwort erst gestern, 12. Juli, abzuschicken, so daß Ruge ihn [sie] nicht einmal vor seiner Abreise aus Brighton nach London erhalten wird. Überhaupt nahm Freiligrath die Sache etwas zu pomadig. _Mais enfin, chacun a sa manière d’agir._[6] Lupus, dem ich den Brief mitteilte, schrieb sofort an Fickler: 3 Broadstreet, Golden Square, 10. Juli 1851.

Bürger Fickler!

Am 5. dieses Monats war ich mit Liebknecht bei Ihnen auf Besuch. Aus der Art und Weise, wie Sie sich gegen uns aussprachen, konnte ich durchaus nicht schließen, daß schon tags zuvor nachstehender Brief an Freiligrath abgesandt worden war. (Folgt obenstehender Brief.) Hätte ich am 5.

dieses Monats entfernt ahnen können, daß Sie mit A. Ruge, diesem albern-schamlosen Lumpenhunde, in derartiger Verbindung stehen, ich würde Ihre Wohnung gewiß nicht betreten haben.

Da Sie nun aber, wie ich aus vorstehendem ersah, mit einem Menschen zusammengehen, „_der sich durch Charakter und Antezedentien_“ (zum Beispiel durch sein feiges Davonlaufen aus Berlin usw.) für jede wahrhaft revolutionäre Partei „_selbst unmöglich gemacht hat_“ und der bereits von der ganzen kommunistischen Partei in Deutschland in Verruf getan ist: so soll durch diese Zeilen konstatiert werden, daß ich mit Leuten, die sich so intim in der Sphäre eines Individuums wie Ruge bewegen, nichts zu schaffen haben will und kann.

W. Wolff.

_P. S._ Sie können von diesen Zeilen einen beliebigen Gebrauch machen.

Ich für meinen Teil werde sie meinen Parteigenossen zur Kenntnis bringen.

Der Obige.

Lupus erhielt darauf folgende Antwort: 11. Juli 1851.

Lieber Bürger Wolff!

Mein Ahnungsvermögen ist in der Tat so schwach, daß es mich auch nicht entfernt den Verlust Ihres Wohlwollens und Ihres Besuchs befürchten ließ, wenn ich mit dem „Lumpenhund“ Ruge im Umgang mich befinde. Ja, ich wußte nicht einmal, daß ich in solcher Hinsicht schon unter der Vormundschaft einer Parteiabteilung und unter der Polizeiherrschaft der Männer der Zukunft stehe. Dieser Stumpfsinnigkeit, sowie der Erfahrung, welche ich in zwanzigjährigem politischen Wirken dahin machte: daß es nicht _eine_ politische Partei gebe, die vermeiden könne, mit Lumpenhunden zusammenzuwirken, verdanke ich den Entschluß, jedem befähigten Manne die Hand zu bieten, der gemeinsam mit mir die revolutionäre Bahn wandeln will; – ob derselbe bloß halbwegs zum Ziele gehe, welches ich mir vorgesteckt; – ob er mich bis dahin begleite oder ob er darüber hinausschreite.

Politische wie religiöse Achtserklärungen sind Anachronismen, selbst wenn sie vom Kaiser und Papst ausgehen; um wieviel lächerlicher erscheinen dieselben, wenn die Königlein und Päpstlein einer Partei sie ausschleudern, welche nach offenkundig gewordenen Bekenntnissen so zerfahren ist wie die Ihrige, und welche heute aus ihrer eigenen Mitte diejenigen zu „Lumpenhunden“ umformt, welchen sie gestern noch fast göttliche Ehre erwiesen!

Auf meinem Lebensweg habe ich ungleich mehr „Lumpenhunde“ als ehrliche Leute gefunden und bin von den ersteren ungleich weniger betrogen worden als von den letzteren. Deshalb verliere ich keine Zeit mit Sonderung dieser Sorten und sehe hauptsächlich auf Befähigung, deren man in der verschiedensten Weise bedarf.

Wollen Sie daher mit Marx und Liebknecht – um deren Verständigung ich Sie bitte – an dem erwähnten „Meeting“ teilnehmen, so lade ich Sie dazu mit dem Bemerken ein: daß es sich lediglich um eine Vorberatung handelt und die Hauptunannehmlichkeit für Sie wie für die Hälfte der Gesellschaft überhaupt darin bestehen dürfte, für die unedleren Körperteile der Sitze zu entbehren, was aber wesentlich zur Beschleunigung der Beratung beitragen wird.

Mit freundlichem Gruß Ihr Fickler usw.

Das komischste an der ganzen Sache ist und bleibt die unendliche Anstrengung des Ruge und seiner Clique, sich mit stets neuen Kombinationen dem Publikum aufzudrängen. Geht es nicht als Abcdef, so geht es sicher als Fedcba. Rechne einmal aus, wieviel Variationen und Permutationen der Art noch möglich sind. Hat es je eine ohnmächtig lächerlich-anspruchsvollere Clique gegeben?

Dein K. M.

Apropos, die 5 Pfund erhalten. Sie kommen wie ein _deus ex machina_, denn die _circumstances_[7] sind „öklich“ und schwer zu sehen, wie herauszukommen. Schreibe _direkt_ an den Klose (6 Upper Ruppertstreet, near Princeßstreet, Soho), da der Tropf sonst glaubt, sein an Dich gerichteter Brief, Du erinnerst Dich wegen der 10 Pfund, sei nicht an Dich gelangt.

[2] Im Grunde.

[3] Mehr oder weniger.

[4] Licht.

[5] Was sagst Du dazu?

[6] Aber schließlich handelt jeder auf seine Weise.

[7] Umstände.

Lieber Marx!

Dem Klose wird heute noch geschrieben – es ist gut, daß Du seine Adresse beigefügt, da ich sie nicht hatte. – Daß Du arg in der Klemme bist, glaube ich gern, und um so ärgerlicher ist es mir, daß ich bis Anfang nächsten Monats über keinen Centime mehr zu disponieren habe. Wenn Du bis dahin nicht warten kannst, wäre es nicht einzurichten, daß Weerth Dir bis dahin einiges pumpte? Ich kann am 1. August 5 Pfund und am 1.

September wieder 5 Pfund zurückzahlen, und das ist so sicher wie bar Geld.

Die Zeitungsabonnements sind hier endlich wieder in Ordnung, und so habe ich denn endlich unser altes Aktenstück in der Kölnischen Zeitung zu Gesicht bekommen. Die Augsburger erzählt übrigens in einem sonst anscheinend gut unterrichteten Artikel Dresden, man habe den Nothjung endlich durch schikanöse Verhöre breitgeschlagen, und dieser habe die umfassendsten Geständnisse gemacht. Ich halte es allerdings für leicht möglich, daß geschickte Inquirenten ihn bald in die Enge treiben und in die tollsten Widersprüche verwickeln können. Ein preußischer Beamter soll hingegangen sein, um noch mehr aus ihm herauszuquetschen. Der König von Hannover soll sich geweigert haben, die Verfolgungen in seinen Staaten zu betreiben, wenigstens in der _cruden_[1] Weise, wie dies in Preußen, Hamburg usw. geschieht. Der Brief Miquels scheint dies zu bestätigen. Daß Martens in Hamburg verhaftet ist, weißt Du. Die Dummheit der Preußen geht übrigens aus nichts mehr hervor als aus der Haussuchung bei „Karl am Rhein“, den man ebenfalls im Verdacht hatte, im komm[unistischen] Bund zu sein, und bei dem man nur Briefe von Raveaux fand!

Das alte Aktenstück kann nur durch die eine Stelle über die „Exzesse“ den Verhafteten schädlich sein, alle übrigen Stellen gehen gegen die Demokraten, und würden nur in dem Fall ihre Position erschweren, wenn sie vor eine halbdemokr[atische] Jury kämen; wie es aber den Anschein hat, wird man sie vor eine exquisite Spezial- oder Bundesjury stellen, wenn man sie überhaupt davor stellt. Und selbst diese Sachen waren schon in dem Bürgersschen Dokument, das gleich anfangs gefaßt war, großenteils wieder verarbeitet. Dagegen ist es in jeder anderen Beziehung von enormem Vorteil, daß das Ding publiziert und durch alle Blätter gegangen ist. Die einzelnen stillen Cliquen von angehenden Kommunisten, die man gar nicht kennt und die nach den bisherigen Erfahrungen in allen Teilen Deutschlands sitzen müssen, werden daran einen famosen Halt bekommen, und selbst dem Artikel der Augsburger sieht man an, daß das Ding sie ganz anders affiziert hat als die ersten Entdeckungen. Ihre Zusammenstellung des Inhaltes zeigt, daß sie den „Wahnsinn“ nur zu gut verstanden hat – _en effet il n’y avait pas moyen de s’y méprendre_.[2] Dabei galoppiert die feudale Reaktion so toll und blindlings darauf los, daß der ganze Schreckschuß bei der Bourgeoisie nicht den mindesten Effekt macht. Es ist zu heiter, zu sehen, wie die Kölnische Zeitung jetzt täglich das _il faut passer par la mer rouge_[3] predigt und alle Fehler der Konstitutionellen von 1848 eingesteht. Aber freilich, wenn man einen Kleist-Retzow zum Oberpräsidenten nach Koblenz bekommt, und wenn die unverschämte Kreuzzeitung in ihren platten Possen und Knittelversen immer injuriöser wird, was soll da die gebildete und gesetzliche konstitutionelle Opposition anfangen! Es ist schade, daß wir die Kreuzzeitung nicht hier haben. Ich sehe allerlei Auszüge draus. Von dieser hundsordinären, gassenbubenhaften, stinkenddummpreußischen Manier, mit der das Blättchen jetzt über die anständigen, wohlhabenden und respektablen konstitutionellen Größen herfällt, hat man keine Vorstellung. Wenn man Kerlen wie Beckerath und Konsorten noch ein bißchen Taktgefühl und Widerstandsfähigkeit zutrauen könnte, sie müßten die Mißhandlungen und Schimpfereien eines Père Duchesne in Rheinschürgermanier und die ganze _terreur rouge_[4] einer Behandlung vorziehen, wie sie sie jetzt von den Junkern und der Kreuzzeitung täglich zu genießen haben.

„Und weiter sprach der Esel: Da ist auch der Gemeinderat von Wesel.

Wenn ich nicht wär ein Eselein, So möchte ich wohl Gemeinderat von Wesel sein“ – In solchen witzigen Reimen bepißt die Kreuzzeitung jetzt der Reihe nach sämtliche konstitutionelle Koryphäen, und die Kerle lassen sich das ruhig gefallen. Es ist aber den Hunden recht, die die besten Artikel der Neuen Rheinischen Zeitung als „gemeine Schimpfereien“ verschrien, daß sie jetzt auf ihren eigenen feigen Buckel den Unterschied angefuchtelt bekommen. Sie werden sich zurücksehnen nach den hiergegen unendlich attischen Verhöhnungen der Neuen Rheinischen Zeitung.

Aus der Geschichte mit Fickler werde ich nicht recht klug. Warum lief Lupus auch gleich zu Fickler hin und ließ nicht erst den Liebknecht sondieren, _puisque celui-ci n’aurait compromis que lui-même_?[5] Es sieht aus, als habe man Fickler keilen wollen. Und dann, nachdem er dagewesen, war der Brief von Lupus zu sackgrob. Entweder war der Fickler überhaupt nicht der Mühe wert, oder – nachdem in der Unterhaltung selbst von Fickler und Goegg Ruge als eine Art Lumen schon hingestellt war, reichte es hin, daß man mit ihm abbrach, ohne gerade ganz grob mit ihm zu brechen. Es war ein gemeiner Streich von Fickler, _c’est clair_.[6] Indes mußte man nicht dergleichen von süddeutschen Biedermännern von vornherein als möglich voraussetzen? Und er hatte ja aus seinem Respekt vor Ruge kein Geheimnis gemacht. Die Zudringlichkeit des Ruge ist freilich namenlos. Aber gerade diese ewig neuen Variationen sind Beweis genug, daß keine auch nur im geringsten ziehen will, und daß das „_comité allemand_“,[7] an das Mazzini seine Römerbriefe schreibt, noch immer nur im Kopfe von Ruge existiert.

Sorge ja dafür, daß Weerth hierherkommt, und schreibe bald wieder.

Dein F. E.

---------- [1] Roh, ungeschlacht.

[2] Wirklich, es war gar nicht möglich, es nicht zu verstehen.

[3] Es muß durch das rote Meer gegangen werden.

[4] Rote Schrecken.

[5] Da der nur sich allein bloßgestellt hätte.

[6] Das ist klar.

[7] Deutsches Komitee.

95 [Undatiert.] 28 Deanstreet, Soho, [Mitte] Juli 1851.

Lieber Engels!

Sei so gut und gib den einliegenden Brief an Schulz sofort auf die Post in Manchester.

Du erhältst einliegend den Brief Freiligraths an Ruge, den ich zurückzuschicken bitte, und den Brief von Bermbach an mich. Auch einen Brief von Miquel.

Ein gewisser „Ulmer“, Schuster, war bei den letzten Haussuchungen aus Köln entflohen. Er gab einem Straubinger bei „Schärttner“ einen Brief an seine Verwandten mit. Dieser Straubinger wurde sofort mit den Briefen an der holländischen Grenze abgefaßt. Kompromittiert sind dadurch nur die Leute, die ihn befreit haben. So gut ist die Polizei im Schärttnerschen Lokal organisiert.

Weydemeyer hat sich über die Grenze gemacht. Wir erwarten ihn hier.

Die elenden Heinzen-Ruge lassen sich allerlei dummen Klatsch über die Kölner Vorfälle, angeblich aus Deutschland, schreiben. Der ganze falsche Inhalt zeigt, daß sie ihre eigenen Korrespondenten sind.

Laß bald von Dir hören.

Dein K. M.

_P. S._ Es fällt mir eben ein, daß es besser ist, wenn Du selbst den Brief an Bermbach schickst. Nämlich auswendig: Louis Schulz, 2 Schildergasse, Köln. Inwendig den verschlossenen Brief an Bermbach. Du richtest es natürlich so ein, daß man keine inwendige Adresse sieht, und machst den Brief kaufmännisch zu.

96 [Undatiert. Offenbar zweite Hälfte Juli 1851.]

Lieber Marx!

Inliegend die Dokumente zurück. Der Brief von Miquel gefällt mir. Der Kerl denkt wenigstens und würde gewiß sehr gut werden, wenn er einige Zeit ins Ausland käme. Seine Befürchtungen wegen der nachteiligen Einwirkung unseres jetzt publizierten Aktenstücks auf die Demokraten sind für seine Gegend gewiß sehr richtig; diese niedersächsische, naturwüchsige Mittelbauerndemokratie, der die Kölnische Zeitung neulich in den Hintern kroch und ihr die Allianz anbot, ist aber auch danach und steht weit unter der spießbürgerlichen Demokratie der größeren Städte, von der sie doch beherrscht wird. Und diese kleinbürgerliche Normaldemokratie, obwohl schwer pikiert offenbar durch dies Aktenstück, ist selbst viel zu geklemmt und gedrückt, als daß sie nicht, mit der großen Bourgeoisie, viel eher auf die Notwendigkeit des _passer par la mer rouge_[1] käme. Die Kerle werden sich mehr und mehr in die Notwendigkeit einer momentanen terroristischen Herrschaft des Proletariats ergeben – das kann ja doch nicht von langer Dauer sein, denn der positive Inhalt des Aktenstücks ist ja so unsinnig, daß von permanenter Herrschaft solcher Leute und endlicher Durchführung solcher Prinzipien keine Rede sein kann! Dagegen der hannoverische große und Mittelbauer, der nichts hat als seinen Boden, dessen Haus, Hof und Scheune usw. usw. bei dem vorauszusehenden Ruin aller Assekuranzkompanien allen Gefahren ausgesetzt sind, der ohnehin seit Ernst August alle Süßigkeiten des gesetzlichen Widerstandes durchgekostet hat – dieser deutsche _sturdy yeoman_[2] wird sich hüten, eher als er muß ins rote Meer zu gehen.

Nach Beckers Brief wäre Haupt der Verräter – was ich nicht glauben kann.

Die Geschichte müßte übrigens jedenfalls ergründet werden. Verdächtig kann allerdings scheinen, daß, soviel ich weiß, Haupt noch auf freien Füßen ist. An eine Reise nach Hamburg von Göttingen oder Köln aus wird nicht zu denken sein. Was und wann man aus den Prozeßakten oder Verhandlungen darüber für Aufklärung erhält, ist nicht zu sagen. __S’il y a trahison__,[3] darf man es nicht vergessen, und ein Exempel bei passender Gelegenheit wäre sehr gut.

Ich hoffe, Daniels wird bald freigelassen, __après tout c’est la seule tête politique, qu’il y ait dans Cologne__,[4] und er würde trotz aller polizeilichen Überwachung doch imstande sein, die Geschichte im rechten Geleise zu erhalten.

Um noch einmal auf den Effekt unseres Aktenstücks auf die Demokraten zurückzukommen: Miquel sollte doch bedenken, daß wir die Herren fortwährend und ununterbrochen in Schriften verfolgt haben, die mehr oder weniger doch Parteimanifeste waren. Woher also nun das Geschrei über ein Programm, das bloß das schon längst Gedruckte in sehr ruhiger und besonders ganz unpersönlicher Weise resümiert? Hatten uns unsere kontinentalen Jünger denn verleugnet, hatten sie sich tiefer, als die Parteipolitik und Parteiehre zuließen, mit den Demokraten eingelassen?

Wenn die Demokraten eben aus Gegensatzlosigkeit so revolutionär schrien, wer machte sie gegensatzlos, doch nicht wir, sondern höchstens die deutschen Kommunisten in Deutschland. Da scheint allerdings der Haken zu liegen. Jeder irgendwie intelligente Demokrat mußte von vornherein wissen, was er von unserer Partei zu erwarten hatte – das Aktenstück konnte ihm nicht viel Neues bringen. Alliierten sie sich _pro tempore_ mit den Kommunisten, so waren sie über Bedingung und Dauer der Allianz vollständig instruiert, und es kann bloß hannoverischen Mittelbauern und Advokaten eingefallen sein zu glauben, die Kommunisten hätten sich seit 1850 von den Prinzipien und der Politik der Neuen Rheinischen Zeitung bekehrt. Waldeck und Jacoby haben sich das gewiß nie träumen lassen. In jedem Falle werden alle derartigen Veröffentlichungen auf die Dauer weder gegen „die Natur der Dinge“ noch gegen „den Begriff des Verhältnisses“, um mit Stirner zu sprechen, etwas ausrichten, und die demokratische Schreierei und Wühlhuberei wird bald wieder in voller Blüte stehen und mit den Kommunisten Hand in Hand gehen. Und daß uns die Kerle den _lendemain_[5] der Bewegung doch schlechte Streiche spielen werden, wissen wir längst und wird durch keine Diplomatie verhindert.

Dagegen, daß sich überall, wie ich voraussetzte, kleine kommunistische Cliquen auf Grundlage des Manifestes bilden, hat mich sehr gefreut. Das fehlte uns gerade bei der Schwachheit des bisherigen Generalstabs. Die Soldaten finden sich von selbst, wenn die Verhältnisse so weit sind, aber die Aussicht auf einen Generalstab, der nicht aus Straubingerelementen besteht und größere Auswahl zuläßt als der bisherige von 25 Mann, die irgendwelche Bildung besitzen, ist sehr angenehm. Gut wäre eine allgemeine Empfehlung, überall unter den Kommis Propaganda zu machen. Für den Fall, daß man eine Verwaltung organisieren müßte, sind die Kerls unentbehrlich – sie sind ans Schanzen und an übersichtliche Buchführung gewöhnt, und der Commerce ist die einzig praktische Schule für brauchbare Bureauschreiber. Unsere Juristen usw.

taugen dazu nicht. Kommis für die Buchführung und Komptabilität, talentvolle Studierte für Redaktion von Depeschen, Briefen, Aktenstücken, _voilà ce qu’il faut_.[6] Mit 6 Kommis organisiere ich einen Verwaltungzweig tausendmal einfacher, übersichtlicher und praktischer als mit 60 Regierungsräten und Kameralisten. Diese letzteren können ja nicht einmal leserlich schreiben und versauen einem alle Bücher, so daß kein Teufel draus klug wird. Da man doch mehr und mehr gezwungen wird, auf diese Eventualität sich einzurichten, so wäre die Sache nicht ohne Wichtigkeit. Ohnehin sind diese Kommis an anhaltende mechanische Tätigkeit gewöhnt, weniger anspruchsvoll, leichter vom Bummeln abzubekommen und bei Unbrauchbarkeit leichter zu beseitigen.

Der Brief nach Köln ist fort – sehr schön besorgt; wenn der nicht richtig ankommt, weiß ich’s nicht. Sonst ist die Adresse von Schulz nicht sehr empfehlenswert – Ex-Cogerant!

---------- [1] Das rote Meer passieren.

[2] Handfester Freisasse.

[3] Wenn Verrat vorliegt.

[4] Schließlich ist er der einzige politische Kopf in Köln.

[5] Der folgende Tag.

[6] Das ist’s, was wir brauchen.

97 30. Juli 1851.

Lieber Marx!

Ich wundere mich, seit vierzehn Tagen nichts von Dir gehört zu haben.

Unsere Voraussetzung in der letzten Revue wegen der enormen Ausdehnung der ozeanischen Dampfschiffahrt hat sich schon jetzt bestätigt.

Abgesehen von einzelnen kleinen Linien gehen jetzt schon zwei höchst wichtige neue große Linien: 1. die Schraubenschiffe von Liverpool nach Philadelphia, alle vierzehn Tage vier Schiffe auf der Linie; 2. die Dampfer zwischen Liverpool, Rio de Janeiro und Valparaiso usw. usw., alle sieben Wochen vier Schiffe auf der Linie. Dazu kommen in ein bis zwei Monaten die regelmäßigen Überlandfahrten nach Kalifornien – New York, nach San Juan, von dort per Steamer nach dem Nicaraguasee, über Land nach Leon, von da direkt nach San Franzisko – in Gang, die Reise nach Kalifornien wenigstens acht Tage abgekürzt.

Nächsten Monat kommt ein Zug in Gang zwischen London und Aberdeen, 550 englische Meilen oder 8 Breitegrade, in einem Tage.

Von Leeds nach London und zurück fährt man jetzt für 5 Schillinge auf einer, für 4 Schillinge und 6 Pence auf einer anderen Eisenbahn.

Nächsten Samstag sollen auch hier die Fahrten herabgesetzt werden. Wenn sie ebenso niedrig kommen, gehe ich wenigstens alle vierzehn Tage einmal nach London.

Wenn in den nächsten sechs Wochen nichts Besonderes passiert, so wird die Baumwollernte dieses Jahr 3 000 000 Ballen oder 1200 Millionen Pfund bis 1350 Millionen Pfund stark. _Jamais on n’a vu la plante aussi florissante._[1] Dazu Symptome eines abnehmenden Geschäftes: Ostindien ist überladen und schreit nach Stoppage der Einfuhr in Baumwollwaren, der hiesige Markt für Garn und Gewebe noch immer derangiert durch die schwankenden Baumwollpreise – wenn der Crash[2] im Markt mit einer solchen Riesenernte zusammentrifft, so wird er heiter. Peter Ermen macht schon jetzt in die Hosen, wenn er daran denkt, und der kleine Laubfrosch ist ein ganz gutes Barometer.

_Voilà_ ein industrielles Potpourri für heute.

Dein F. E.

---------- [1] Nie hat man die Pflanze so blühen gesehen.

[2] Krach.

Lieber Engels!

Soeben bekomme ich Deinen Brief, der sehr angenehme Aussichten zur Handelskrise eröffnet.

Ich habe seit ungefähr 14 Tagen nichts geschrieben, weil ich die Zeit, die ich nicht auf der Bibliothek zubringe, wie ein Hund gehetzt war, und so trotz des besten Willens immer wieder vom Schreiben abkam.

Nachdem mich die beiden Bamberger, Vater und Sohn, von Woche zu Woche, von Monat zu Monat hingezogen mit dem Versprechen, mir einen Wechsel zu diskontieren, nachdem ich endlich zu diesem Zwecke verflossenen Montag mir die beiden Bursche bestellt und schon die _stamped paper_[1] mitgebracht, eröffnet mir der Junge, daß der Alte, der auch da war, nicht könne usw. – – – Übrigens glaubst Du mir ohne weitere Beteuerung, daß ich meiner Situation verdammt müde bin. Ich habe nach Amerika geschrieben, ob es möglich ist, von hier aus eine Korrespondenz zusammen mit Lupus für ein paar Dutzend Journale zu machen, denn es ist _impossible_,[2] so fortzuleben.

Was die Unterhandlungen mit Ebner in Frankfurt angeht, so schreibt er, daß Cotta wahrscheinlich meine Ökonomie – deren Plan ich hingeschickt – nehmen wird, und daß, wenn nicht, er einen anderen Buchhändler auftreiben wird. Ich wäre längst auf der Bibliothek fertig. Aber die Unterbrechungen und Störungen sind zu groß, und zu Haus, wo alles unterm Belagerungszustand steht und Tränenbäche mich ganze Nächte lang ennuyieren[3] und wütend machen, kann ich natürlich nicht viel tun.

Meine Frau tut mir leid. Auf sie fällt der Hauptdruck, und _au fond_[4] hat sie recht. _Il faut que l’industrie soit plus productive que le mariage._[5] Trotz alledem erinnerst Du Dich, daß ich von Natur _très peu endurant_[6] bin und sogar _quelque peu dur_,[7] so daß von Zeit zu Zeit mein Gleichmut verloren geht.

Julius ist vor einer Woche ungefähr begraben worden. Ich war bei der Bestattung zugegen. Der edle Kinkel hielt eine Jammerpredigt über das Grab. Julius war der einzige in der Emigration, der studierte und mehr und mehr vom Idealismus auf unser Gebiet herübertrat.

Der edle Dulon befindet sich hier.

Heinzen und Ruge fahren fort, in der New Yorker Schnellpost gegen die Kommunisten und uns speziell zu poltern. Das Zeug ist aber so kreuzdumm, daß es unmöglich ist, anders darauf einzugehen, als bei gelegener Zeit einmal aus Ruges Machwerken das Komischste zusammenzustellen und den Deutschen zu offenbaren, von wem sie jetzt, _malgré eux_[8] regiert werden.

Hast Du vielleicht die neueste Schrift von Proudhon gelesen?

Weydemeyer hat mir von Frankfurt geschrieben. Karstens [Leßner] sitzt in Mainz. Er hatte einen vergeblichen Fluchtversuch gemacht.

Du wirst übrigens sehr wohltun, wenn Du womöglich mit Namensunterschrift einen Aufsatz für Jones machst. Er geht fort in seinem Blatte, er lernt.

_Ce n’est pas un Harney._[9] Die _Notes to the People_[10] kommen daher auf, während der Friend of the People kaputt geht.

---------- [1] Gestempeltes Papier.

[2] Unmöglich.

[3] Langweilen, quälen.

[4] Im Grunde.

[5] Die Erwerbstätigkeit muß wirklich produktiver sein als die Ehe.

[6] Sehr wenig geduldig.

[7] Ein wenig hart.

[8] Ohne es zu wollen.

[9] Der ist kein Harney.

[10] Notizen für das Volk [Titel einer damals von Ernest Jones herausgegebenen Wochenschrift].

99 Undatiert. [Anfang August] 1851.

Lieber Marx!

Inliegend die zweite Hälfte der Fünfpfundnote.

Weydemeyer will also nach Amerika und sehen, daß er die New Yorker Arbeiterzeitung, die Fenner v. Fenneberg jetzt hat, in seine Hände bekommt. Kann er sich in New York halten, so ist er uns dort jedenfalls nützlicher als in London, wo der _embarras_[1] nur vermehrt würde. Ein solider Bursche wie er hat uns in New York gerade gefehlt, und am Ende ist New York auch nicht aus der Welt, und bei Weydemeyer ist man sicher, daß er _le cas échéant_[2] doch gleich bei der Hand ist.

Der Plan mit der lithographischen Korrespondenz ist ganz gut. Nur müßt Ihr das Dings ganz geheim halten – der kleine Bamberger und andere, einmal die Idee gegeben, würden Euch sofort das Prävenire spielen. Ich würde an Deiner Stelle das Ding, sobald die ersten Einrichtungen getroffen, in den deutsch-amerikanischen Blättern annoncieren lassen, und zwar selbst als Direktor mich unterzeichnen, um das Ding ziehen zu machen. Geht das Ding so auf Deine Verantwortlichkeit und glaubst Du, daß es irgendwie nützlich sei, mich als Mitarbeiter zu nennen, so steht Dir das natürlich frei. Willst Du Deinen Namen indes aus dem Geschäfte