, i,D;eS 1St dlf philosoPhische Bedeutung des Geldes: daß es inner¬ halb der praktischen Welt die entschiedenste Sichtbarkeit, die deut¬ lichste Wirklichkeit der Formel des allgemeinen Seins ist, nach der „1C “g? lhren Sinn aneinander finden und die Gegenseitigkeit der Verhältnisse, in denen sie schweben, ihr Sein und Sosein ausmacht.
__ Es gehort zu den Grundtatsachen der seelischen Welt, daß wir Verhältnisse zwischen mehreren Elementen des Daseins in besonderen Gebilden verkörpern; diese sind freilich auch substanzielle Wesen für sich, aber ihre Bedeutung für uns haben sie nur als Sichtbar¬ keit eines Verhältnisses, das in loserer oder engerer Weise an sie ge¬ bunden ist. So ist der Ehering, aber auch jeder Brief, jedes Pfand wie jede Beamtenuniform Symbol oder Träger einer sittlichen oder intellektuellen, einer juristischen oder politischen Beziehung zwischen Menschen, ja, jeder sakramentale Gegenstand das substanziierte Ver¬ hältnis zwischen dem Menschen und seinem Gott; die Telegraphen¬ drähte, die die Länder verbinden, sind nicht weniger als die militäri¬ schen Waffen, die ihre Entzweiung ausdrücken, derartige Substanzen, die kaum eine Bedeutung für den Einzelmenschen als solchen, 98 sondern einen Sinn nur in den Beziehungen zwischen Menschen und Menschengruppen haben, die in ihnen kristallisiert sind. Gewiß kann die Vorstellung der Beziehung oder des Verhältnisses schon als eine Abstraktion gelten, insofern nur die Elemente real sind, deren wechselseitig bewirkte Zustände wir so zu eignen Begriffen zu¬ sammenfassen; erst die metaphysische Vertiefung, die das Erkennen in seiner empirischen Richtung, aber über seine empirischen Grenzen hinaus verfolgt, mag auch diese Zweiheit aufheben, indem sie über¬ haupt keine substanziellen Elemente mehr bestehen läßt, sondern jedes derselben in Wechselwirkungen und Prozesse auflöst, deren Träger demselben Schicksal unterworfen werden. Das praktische Bewußtsein aber hat die Form gefunden, um die Vorgänge der Be¬ ziehung oder der Wechselwirkung, in der die Wirklichkeit verläuft, mit der substanziellen Existenz zu vereinigen, in die die Praxis eben die abstrakte Beziehung als solche kleiden muß. Jene Projizierung bloßer Verhältnisse auf Sondergebilde ist eine der großen Leistungen des Geistes, indem in ihr der Geist zwar verkörpert wird, aber nur um das Körperhafte zum Gefäß des Geistigen zu machen und diesem damit eine vollere und lebendigere Wirksamkeit zu gewähren. Mit dem Gelde hat die Fähigkeit zu solchen Bildungen ihren höchsten Triumph gefeiert. Denn die reinste Wechselwirkung hat in ihm die reinste Darstellung gefunden, es ist die Greifbarkeit des Abstrak¬ testen, das Einzelgebilde, das am meisten seinen Sinn in der Über¬ einzelheit hat; und so der adäquate Ausdruck für das Verhältnis des Menschen zur Welt, die dieser immer nur in einem Konkreten und Singulären ergreifen kann, die er aber doch nur wirklich ergreift, wenn dieses ihm zum Körper des lebendigen, geistigen Prozesses wird, der alles Einzelne ineinander verwebt und so erst aus ihm die Wirklichkeit schafft. Diese Bedeutung seiner würde sich nicht ändern, auch wenn die Gegenstände der Wirtschaft die Relativität ihres Wertes nicht von vornherein, sondern erst als ein Entwicklungs¬ ziel besäßen. Denn den Begriff, mit dem wir das Wesen einer Er¬ scheinung definieren, können wir häufig gar nicht aus ihr selbst, sondern nur aus einer vorgeschritteneren und reineren schöpfen. Das Wesen der Sprache werden wir nicht den ersten Stammellauten des Kindes entnehmen; an einer Definition des tierischen Lebens wird es uns nicht irre machen, wenn sie an den Übergangswesen von der Pflanze her nur sehr unvollkommen verwirklicht ist; erst an den höchsten Erscheinungen des Seelenlebens erkennen wir oft den Sinn seiner niederen, trotzdem wir ihn an diesen selbst vielleicht über¬ haupt nicht nachweisen können; ja, der reine Begriff einer Er¬ scheinungsreihe ist oft ein Ideal, das in ihr selbst nirgends restlos 99 verwirklicht ist, aber dennoch dadurch, daß sie ihm zustrebt, ihren Sinn und Gehalt gültig deutet. So ist die Bedeutung des Geldes: die Relativität der begehrten Dinge, durch die sie zu wirtschaftlichen Werten werden, in sich darzustellen — dadurch nicht verneint, daß es noch andere, jene herabsetzende und verundeutlichende Seiten besitzt. Insofern diese an ihm wirken, ist es eben nicht Geld. Wenn der wirtschaftliche Wert in dem Tausch Verhältnis von Objekten gemäß unserer subjektiven Reaktion auf sie besteht, so entwickelt sich eben ihre wirtschaftliche Relativität erst allmählich aus ihrer anderweitigen Bedeutung und kann in ihrem Gesamtbilde, oder auch Gesamtwerte, nie völlig über diese Herr werden. Der Wert, der den Dingen durch ihre Tauschbarkeit zuwächst, bzw. diese Metamorphose ihres Wertes, durch die er zu einem wirtschaftlichen wird, tritt zwar mit der extensiven und intensiven Steigerung der Wirtschaft immer reiner und mächtiger an den Dingen hervor — eine Tatsache, die Marx als das Ausgeschaltetwerden des Gebrauchswertes zugunsten des Tauschwertes in der warenproduzierenden Gesellschaft aus¬ druckt —, aber diese Entwicklung scheint nie zu ihrer Vollendung kommen zu können. Nur das Geld, seinem reinen Begriff nach hat diesen äußersten Punkt erreicht, es ist nichts als die reine Form der Tauschbarkeit, es verkörpert das Element oder die Funktion an den Dingen, durch die sie wirtschaftliche sind, die zwar nicht ihre 1 otahtat, wohl aber die seine ausmacht. Inwieweit nun die historische Verwirklichung des Geldes diese Idee seiner darstellt, und ob es nicht in jener noch mit einem Teil seines Wesens nach einem anderen Zentrum gravitiert — nächsten Kapitels darstellen.
sollen die Untersuchungen des Zweites Kapitel.
Der Substanzwert des Geldes.
i.
Die Diskussion über das Wesen des Geldes wird allenthalben von der Frage durchzogen: ob das Geld, um seine Dienste des Messens, Tauschens, Darstellens von Werten zu leisten, selbst ein Wert sei und sein müsse, oder ob es für diese genüge, wenn es, ohne eigenen Substanzwert, ein bloßes Zeichen und Symbol wäre, wie eine Rechen¬ marke, die Werte vertritt, ohne ihnen wesensgleich zu sein. Die ganze sachliche und historische Erörterung dieser, in die letzten Tiefen der Geld- und Wertlehre hinunterreichenden Frage würde sich erübrigen, wenn ein oft hervorgehobener logischer Grund sie von vornherein entschiede. Ein Meßmittel, so sagt man, muß von derselben Art sein, wie der Gegenstand, den es mißt: ein Maß für Längen muß lang sein, ein Maß für Gewichte muß schwer sein, ein Maß für Rauminhalte muß räumlich ausgedehnt sein. Ein Maß für Werte muß deshalb wertvoll sein. So beziehungslos zwei Dinge, die ich aneinander messe, auch in allen ihren sonstigen Bestimmungen sein mögen — in Hinsicht derjenigen Qualität, in der ich sie ver¬ gleiche, müssen sie übereinstimmen. Alle quantitative und zahlen¬ mäßige Gleichheit oder Ungleichheit, die ich zwischen zwei Ob¬ jekten aussage, wäre sinnlos, wenn sie nicht die relativen Quantitäten einer und derselben Qualität beträfe. Ja, diese Übereinstimmung in der Qualität darf nicht einmal eine allzu allgemeine sein; man kann z. B. die Schönheit einer Architektur nicht der Schönheit eines Menschen gleich oder ungleich groß setzen, obgleich in beiden doch die einheitliche Qualität »Schönheit« ist, sondern nur die speziellen architektonischen oder die speziellen menschlichen Schönheiten er¬ geben je untereinander die Möglichkeit eines Vergleichs. Wenn man aber doch eine Vergleichbarkeit, bei völligem Mangel jeder gemein¬ samen Eigenschaft, in der Reaktion erblicken wollte, die das emp¬ findende Subjekt an die Gegenstände knüpft; wenn die Schönheit des Gebäudes und die Schönheit des Menschen vergleichbar sein sollen nach dem Maß von Beglückung, das wir bei der Betrachtung 7 des einen und der des anderen empfinden: so würde auch hier, unter abweichendem Scheine, eine Gleichheit von Qualitäten ausgesprochen sein. Denn die Gleichheit der Wirkung, an demselben Subjekt hervortretend, bedeutet unmittelbar die Gleichheit der Objekte in der hier fraglichen Beziehung. Zwei völlig verschiedene Er¬ scheinungen, die demselben Subjekt die gleiche Freude bereiten, haben unter aller ihrer Verschiedenheit eine Gleichheit der Kraft oder des Verhältnisses zu jenem Subjekt, wie ein Windstoß und eine menschliche Hand, wenn sie beide einen Baumzweig brechen, unter aller Unvergleichbarkeit ihrer Qualitäten, dennoch eine Gleichheit der Energie beweisen. So mag der Geldstoff und alles, dessen Wert man mit ihm mißt, einander ganz unähnlich sein, aber in dem Punkte, daß beide Wert haben, müssen sie übereinstimmen; und selbst wenn der Wert überhaupt nichts anderes ist, als ein subjektives Fühlen, mit dem wir auf die Eindrücke der Dinge antworten, so muß wenigstens diejenige — wenngleich nicht isolierbare — Qualität, durch welche sie überhaupt sozusagen auf den Wertsinn der Men¬ schen wirken, bei beiden dieselbe sein. So soll wegen der Tatsache, daß es mit Werten verglichen wird, d. h. in eine quantitative Gleichung mit ihnen eintritt, das Geld die Wertqualität nicht ent¬ behren können.
Dieser Uberlegungsreihe stelle ich eine andere mit abweichen- dem Resultate gegenüber. Wir können allerdings in dem obigen Bei- spiel die Kraft des Windes, der den Baumzweig bricht, mit der der Hand, die dasselbe tut, nur insofern vergleichen, als diese Kraft in beiden quahtativ gleich vorhanden ist. Allein, wir können die Kraft es Windes auch an der Dicke des Zweiges messen, den er geknickt at. Zwar druckt der geknickte Zweig nicht an und für sich schon das Energiequantum des Windes in demselben Sinne aus, wie der Kraftaufwand der Hand es ausdrücken mag; allein das Stärkever- haltnis zwischen zwei Windstößen und damit die relative Stärke des einzelnen ist wohl daran zu messen, daß der eine einen Zweig zerbrochen hat, den der andere noch nicht verletzen konnte. Und ganz entscheidend scheint mir das folgende Beispiel. Die ungleich¬ artigsten Objekte, die wir überhaupt kennen, die Pole des Weltbildes die aufeinander zu reduzieren weder der Metaphysik noch der Natur¬ wissenschaft gelungen ist - sind materielle Bewegungen und Be¬ wußtseinserscheinungen. Die reine Extensität der einen, die reine Intensität der anderen haben bisher keinen Punkt entdecken lassen der allgemein überzeugend als ihre Einheit gälte. Dennoch kann der Psychophysiker nach den Änderungen der äußeren Bewegungen die als Reize unsere Sinnesapparate treffen, die relativen Stärken änderungen der bewußten Empfindungen messen. Indem also zwischen den Quanten des einen und denen des anderen Faktors ein konstantes Verhältnis besteht, bestimmen die Größen des einen die relativen Größen des anderen, ohne daß irgendeine qualitative Beziehung oder Gleichheit zwischen ihnen zu existieren braucht. Da¬ mit ist das logische Prinzip durchbrochen, das die Fähigkeit des Geldes, Werte zu messen, von der Tatsache seines eigenen Wertes abhängig zu machen schien. Das ist freilich richtig: vergleichen kann man die Quanten verschiedener Objekte nur, wenn sie von einer und derselben Qualität sind; wo also das Messen nur durch un¬ mittelbare Gleichung zwischen zwei Quanten geschehen kann, da setzt es Qualitätsgleichheit voraus. Wo aber eine Änderung, eine Differenz oder das Verhältnis je zweier Quanten gemessen werden soll, da genügt es, daß die Proportionen der messenden Sub¬ stanzen sich in denen der gemessenen spiegeln, um diese völlig zu bestimmen, ohne daß zwischen den Substanzen selbst irgendeine Wesensgleichheit zu bestehen brauchte. Es lassen sich also nicht zwei Dinge gleich setzen, die qualitativ verschieden sind, wohl aber zwei Proportionen zwischen je zwei qualitativ verschiedenen Dingen. Die beiden Objekte m und n mögen in irgendeiner Beziehung stehen, die aber absolut nicht die der Qualitätsgleichheit ist, so daß unmittel¬ bar keine von ihnen zum Maßstab für die andere dienen kann; die zwischen ihnen bestehende Beziehung mag die der Ursache und Wirkung, oder der Symbolik, oder des gemeinsamen Verhältnisses zu einem dritten oder was sonst sein. Es sei nun das Objekt a ge¬ geben, von dem ich weiß, daß es 1/4 m ist, es sei ferner das Objekt b gegeben, von dem man nur weiß, daß es irgendein Teilquantum von n ist. Wenn nun eine Beziehung zwischen a und b entsteht, welche der zwischen m und n entspricht, so folgt daraus, daß b gleich 1/4 n sein muß. Trotz aller Qualitätsungleichheit und Unmöglichkeit eines direkten Vergleiches zwischen a und b ist es so doch möglich, die Quantität des einen nach der des anderen zu bestimmen. So besteht z. B. zwischen einem gewissen Quantum von Speisen und dem mo¬ mentanen Nahrungsbedürfnis, zu dessen völliger Stillung es aus- reichen würde, gewiß kein Gleichungsverhältnis; allein, wenn so viel Speisen gegeben sind, daß gerade die Hälfte jenes Bedürfnisses da¬ durch befriedigt wird, so kann ich demnach unmittelbar bestimmen, daß dieses verfügbare Quantum gleich der Hälfte jenes ersteren ist. Unter solchen Umständen genügt also das Bestehen eines Gesamt - Verhältnisses, um die Quanten der Glieder aneinander zu messen. Wenn es nun möglich ist, das Messen der Objekte am Gelde als ein nach diesem Schema erfolgendes anzusehen, so ist die direkte Vergleichbarkeit beider und damit die logische Forderung des Wert¬ charakters des Geldes selbst insoweit hinfällig.
Um von dieser gleichfalls nur logischen Möglichkeit zur Wirk¬ lichkeit zu kommen, setzen wir nur ein ganz allgemeines Maß- verhältnis zwischen Güterquantum und Geldquantum voraus, wie es sich in dem freilich oft verdeckten und an Ausnahmen reichen Zusammenhänge zwischen wachsendem Geldvorrat und steigenden Preisen, wachsendem Gütervorrat und sinkenden Preisen zeigt. Wir bilden danach, alle nähere Bestimmung Vorbehalten, die Begriffe eines Gesamtwarenvorrates und eines Gesamtgeldvorrates und eines Abhängigkeitsverhältnisses zwischen ihnen.
Jede einzelne Ware ist nun ein bestimmter Teil jenes verfüg¬ baren Gesamtwarenquantums; nennen wir das letztere a, so ist jene etwa 1 m a; der Preis, den sie bedingt, ist der entsprechende Teil jenes Gesamtgeldquantums, so daß er, wenn wir dieses b nennen, gleich 1 in b ist. Kennten wir also die Größen a und b, und wüßten wir, einen wie großen Teil der verkäuflichen Werte überhaupt ein bestimmter Gegenstand ausmacht, so wüßten wir auch seinen Geld¬ preis, und umgekehrt. Ganz unabhängig davon also, ob das Geld und jenes wertvolle Objekt irgendeine qualitative Gleichheit haben, gleichgültig also dagegen, ob das erstere selbst ein Wert ist oder nicht, kann die bestimmte Geldsumme den Wert des Gegen¬ standes bestimmen oder messen. — Man muß hierbei immer den vollständigen Relativitätscharakter des Messens im Auge behalten. Absolute Quanten, welche einander äquivalent gesetzt werden, messen sich damit in einem ganz anderen Sinne, als die hier fraglichen Teil¬ quanten. Wenn etwa vorausgesetzt würde, daß die Gesamtsumme des Geldes — unter bestimmten Restriktionen — den Gegenwert für die Gesamtsumme der Verkaufsgegenstände bildete, so brauchte man dies noch nicht als ein Messen des einen am anderen anzuerkennen. Es ist eben nur das Verhältnis beider zu dem wertsetzenden Menschen und seinen praktischen Zwecken, das sie untereinander in eine Be¬ ziehung von Äquivalenz setzt. Wie stark die Tendenz ist, Geld über¬ haupt und Ware überhaupt ohne weiteres als einander entsprechend zu behandeln, zeigt eine Erscheinung wie die folgende, die an mehr als einer Stelle aufgetreten ist. Wenn ein roherer Stamm eine naturale Tauscheinheit hat und in Verkehr mit einem höher entwickelten Metallgeld besitzenden Nachbar tritt, so wird häufig die naturale Einheit als gleichwertig der Münzeinheit dieses letzteren behandelt. So setzten die alten Iren, als sie in Beziehung zu den Römern traten, ihre Werteinheit, die Kuh, gleich einer Unze Silber- die wilden Bergstämme in Anam, die nur Naturaltausch treiben’ haben den Büffel als Grundwert, und bei ihrem Verkehr mit den kultivierteren Bewohnern der Ebene wird die Werteinheit dieser, eine Silberstange von bestimmter Größe, gleich einem Büffel gewertet. Derselbe Grundzug ist bei einem wilden Volksstamm nahe Laos wirk¬ sam: diese treiben nur Tauschhandel, ihre Einheit ist die eiserne Hacke. Aber sie waschen Flußgold aus, das sie den Nachbarstämmen verkaufen und das der einzige Gegenstand ist, den sie wägen. Dazu haben sie kein anderes Mittel als das Maiskorn; und nun verkaufen sie je ein Maiskorn Gold für je eine Hacke! Da die Wareneinheit des Naturaltausches ebenso die Wertidee des ganzen Objektskreises versinnlicht oder vertritt, wie die Geldeinheit die des Münzkomplexes, so ist diese Formulierung: Eins gegen Eins — nur die naiv aus¬ gedrückte Äquivalenz der fraglichen Gesamtheiten. Man darf wohl annehmen, daß das Verhältnis der Einheiten als mindestens symbo¬ lische Darstellung des Verhältnisses der Ganzheiten empfunden wird.
Liegt nun aber einmal die Äquivalenz der letzteren gleichsam als wirksames, wenn auch nicht gewußtes Apriori zum Grunde, so stellt sich über dessen subjektiver Zufälligkeit eine objektive Proportion zwischen den Teilquanten her. Denn nun ist wirklich etwas da, was auf beiden Seiten das genau Gleiche ist: nämlich der Bruch zwischen jeder der beiden vorliegenden Teilgrößen und dem absoluten Quan¬ tum, zu dem die einzelne gehört. Vollkommene Ausgeglichenheit aller Verschiebungen und zufälligen Ungleichmäßigkeiten in der Preis¬ bildung vorausgesetzt, würde sich in dem Bezirke des Geld-Waren- Tausches jede Ware zu ihrem Preis verhalten, wie alle momentan ökonomisch wirksamen Waren zu allem momentan wirksamen Geld. Ob dieses letztere mit dem anderen eine begriffliche, qualitative Ver¬ wandtschaft hat, ist hierbei völlig irrelevant. Wenn eine Ware also 20 m kostet, so ist dies 1/n des Geldvorrats überhaupt; d. h. sie ist an Wert 1/n des Gütervorrats überhaupt. Durch diese Vermittlung hindurch können 20 m sie völlig messen, obgleich sie generell von ihr völlig verschieden sind; wobei immer wieder betont werden muß, daß die Voraussetzung einer einfachen Beziehung zwischen allen Waren und allem Geld eine ganz vorläufige, rohe und schematische ist. Daß die Ware und ihr Maßstab gleichen Wesens sein müssen, wäre eine richtige Forderung, wenn man eine einzelne Ware un¬ mittelbar einem Geldwert gleich zu setzen hätte. Aber man hat ja bloß für Zwecke des Tausches und der Wertbestimmung das Ver¬ hältnis verschiedener (bzw. aller) Waren zueinander (also das Re¬ sultat der Division der einzelnen durch alle anderen) zu bestimmen und der Geldsumme, d. h. dem entsprechenden Bruchteil des wirk¬ samen Geldvorrates gleichzusetzen; und dazu bedarf es nur irgend - einer numerisch bestimmbaren Größe. Wenn sich die Ware n zu der Summe A aller verkäuflichen Waren verhält, wie a Geldeinheiten zu der Summe B aller vorhandenen Geldeinheiten: so ist der ökono¬ mische Wert von n ausgedrückt durch a/B. Daß man dies meistens nicht so vorstellt, liegt daran, daß B ebenso wie A ganz selbst¬ verständlich sind — weil ihre Wandlungen nicht leicht in unsere Wahrnehmung treten — und deshalb in ihrer Funktion als Nenner gar nicht besonders bewußt werden; was uns im einzelnen Falle interessiert, sind ausschließlich die Zähler n und a. Daher konnte die Vorstellung entstehen, daß n und a sich an und für sich, un¬ mittelbar und absolut entsprächen, wozu sie allerdings gleichen Wesens sein müßten. Daß jener allgemeine, das Verhältnis überhaupt begründende Faktor in Vergessenheit geriete, bzw. nur tatsächlich aber nicht bewußt wirkte, wäre ein Beispiel für einen der durch¬ greifendsten Züge der menschlichen Natur. Die beschränkte Auf¬ nahmefähigkeit unseres Bewußtseins einerseits, die kraftsparende Zweckmäßigkeit seiner Verwendung andrerseits bewirkt, daß von den unzähligen Seiten und Bestimmungen eines Interessenobjekts immer nur eine geringe Zahl wirklich beachtet werden. Den verschiedenen Gesichtspunkten, von denen die Auswahl und Rangierung der bewußt - werdenden Momente ausgeht, entspricht es, daß diese letzteren in eine systematische Stufenfolge gegliedert werden können; dieselbe beginnt damit, daß von einer Reihe von Erscheinungen nur dasjenige, was ihnen allen gemeinsam ist, beachtet wird, an jeder nur die Grund¬ lage, die sie mit den anderen teüt, ins Bewußtsein tritt; das ent¬ gegengesetzte Endglied der Skala bezeichnet es, wenn an jeder Erscheinung gerade nur das zum Bewußtsein kommt, was sie von jeder anderen unterscheidet, das absolut Individuelle, während das Allgemeine und Fundamentale unter der Schwelle des Bewußtseins bleibt. Zwischen diesen beiden Extremen bewegen sich in den mannigfaltigsten Abstufungen die Punkte, an welche sich, als an Seiten der Gesamterscheinungen, das höchste Bewußtsein heftet Ganz durchschnittlich kann man nun sagen, daß theoretische Inter¬ essen das Bewußtsein mehr auf die Gemeinsamkeiten, praktische mehr auf die Individualität der Dinge hinweisen werden. Dem meta¬ physisch interessierten Denker verschwinden oft genug die indivi¬ duellen Differenzen der Dinge als unwesentlich, bis er etwa an so allgemeinen Vorstellungen wie Sein oder Werden haften bleibt die allen Dingen schlechthin gemeinsam sind. Umgekehrt verlangt das pra tische Leben allenthalben, an den uns angehenden Menschen und Verhältnissen die Unterschiede, Eigenheiten, Nuancen mit schärfstem Bewußtsein aufzufassen, während die allgemein menschliehen Eigenschaften oder die gemeinsame Grundlage aller der frag¬ lichen Verhältnisse als selbstverständlich keiner besonderen Auf¬ merksamkeit bedürfen, ja selbst eine solche sie sich oft nur mühsam klar machen kann. Innerhalb des Familienlebens z. ß. bauen sich die Verhältnisse der Mitglieder untereinander bewußterweise auf der Erfahrung derjenigen persönlichen Qualitäten auf, durch welche sich jeder allen anderen gegenüber unterscheidet, während der allgemeine Familiencharakter gar kein Gegenstand besonderer Beachtung für die an ihm Teilhabenden zu sein pflegt, so wenig, daß oft nur Ferner¬ stehende denselben überhaupt zu beschreiben vermögen. Das ver¬ hindert aber nicht, daß diese allgemeine und unbewußte Grundlage dennoch psychisch wirksam wird. Die individuellen Eigenschaften der Familienmitglieder werden tatsächlich sehr verschiedene Ver¬ hältnisse unter ihnen hervorrufen, je nach dem allgemeinen Charakter und Ton, der in der ganzen Familie herrscht; erst dieser gibt doch den freilich unbeachteten Untergrund ab, auf dem jene ihre ein¬ deutig bestimmten Folgen entfalten können. Ganz dasselbe gilt für weitere Kreise. So sehr alle Verhältnisse zwischen Menschen über¬ haupt auf den besonderen Bedingungen beruhen, die jeder Einzelne hinzubringt, so kommen sie doch in ihrer bestimmten Art tatsächlich nur dadurch zustande, daß außer ihnen gewisse ganz allgemein - menschliche Tatsachen und Voraussetzungen selbstverständlich vor¬ handen sind und gleichsam den Generalnenner bilden, zu dem jene individuellen Differenzen als die bestimmenden Zähler treten und erst so die Totalität des Verhältnisses erzeugen. Ganz dasselbe psy¬ chologische Verhältnis könnte nun bezüglich der Geldpreise ob¬ walten. Die Gleichsetzung zwischen dem Werte einer Ware und dem Werte einer Geldsumme bedeutet keine Gleichung zwischen ein¬ fachen Faktoren, sondern eine Proportion, d. h. die Gleichheit zweier Brüche, deren Nenner einerseits die Summe aller Waren, andrerseits die Summe alles Geldes — beides natürlich noch erheblicher Deter¬ minationen bedürftig — eines bestimmten Wirtschaftskreises ist. Als Gleichung kommt sie dadurch zustande, daß diese beiden Summen aus praktischen Gründen a priori als einander äquivalent gesetzt werden; oder genauer: das praktische Verhältnis, in dem wir beide Kategorien handhaben, spiegelt sich im theoretischen Bewußtsein in der Form einer Äquivalenz. Allein, da dies die allgemeine Be¬ gründung aller Gleichungen zwischen einzelnen Waren und einzelnen Preisen ist, so kommt sie nicht zum Bewußtsein, sondern bildet zu jenen allein interessierenden und deshalb allein bewußten Einzel¬ gliedern den unbewußt mitwirkenden Faktor, ohne den jene über¬ haupt nicht die Möglichkeit einer Beziehung hätten. Die ungeheure Wichtigkeit jener absoluten und fundamentalen Gleichung würde ihre Unbewußtheit so wenig unwahrscheinlich, ja eigentlich gerade so wahrscheinlich machen, wie es entsprechend in den angeführten Analogien der Fall ist.