fl Steuer legen, statt auf einen einzigen eine hohe, da das Volk sich sehr schwer vom Gelde trenne (fort dur ä la desserre sei), so macht diese Begründung ihren Angelpunkt gar nicht namhaft; denn das Geld hergeben muß das Volk in der einen Form so gut wie in der anderen; nur daß die einzelne Hergabe in der einen unterhalb der Schwelle des ökonomischen Bewußtseins bleibt und so die einzelne hergegebene Summe nicht ebenso in die Kategorie des wirtschaft¬ lichen Rechnens, Empfindens, Reagierens aufsteigt — gerade wie zwei Gewichte, deren jedes unterhalb der Schwelle des Druckbewußt¬ seins bleibt, nacheinander auf die Hand gelegt, gar keine Empfindung auslösen, dies aber sogleich tun, wenn sie gleichzeitig wirken.
Läßt sich dies als ein passiver Widerstand an unseren einfachen oder komplizierten Empfindungen denken, nach dessen Überwindung sie den Einfluß erst dem Bewußtsein übermitteln, so kann nun dieser Widerstand auch ein aktiverer werden. Man kann sich vorstellen, unsere aufnehmenden physisch -psychischen Organe befänden sich in jedem gegebenen Moment in einem Zustand von Bewegtheit be¬ stimmter Richtung und Stärke, so daß die Wirkung eines eintreten¬ den Reizes von dem Verhältnis abhängt, das die von ihm ausgehende innere Bewegung zu jener Vorgefundenen besitzt: sie kann sich dieser gleichgerichtet cinordnen, so daß sie ungehemmte Ausbreitungs¬ möglichkeit gewinnt, sie kann ihr auch zuwiderlaufen, so daß sie in ihrer Wirkung ganz oder teilweise aufgehoben wird und sozusagen das empfindende Organ erst nach Überwindung eines positiven Widerstandes in der ihr eigenen Richtung zu bewegen vermag. Das durch diese Vorstellung bezeichnete Verhalten begegnet nun der weiteren Tatsache, die wir als Unterschiedsempfindlichkeit be¬ zeichnen: wir besitzen in der Empfindung kein Maß für absolute, sondern nur für relative Größen, d. h. nur durch den Unterschied einer Empfindung von der andern können wir jeder ein Maß be¬ stimmen. Diese Erfahrung — deren Modifikationen hier außer acht bleiben können und die für uns nur soweit, wie auch ihre Kritiker sie zugeben, zu gelten braucht — ist ersichtlich das Fundament der ganzen oben besprochenen Erscheinungsreihe. Denn wenn — so hat man dies an einem einfachsten Beispiel ausgedrückt — eine Be¬ wegung im Tastnerven von der Stärke i um Vs zugenommen hat, so ist dies das nämliche, wie wenn eine Bewegung von der Stärke 2 um 2/ä zugenommen hätte. Die Tatsache also, daß wir die gleiche Reaktion an den relativ gleichen Unterschied von dem gegebenen Empfindungszustand knüpfen, bewirkt es, daß die objektiv gleichen Reize sehr verschiedene subjektive Folgen haben. Je weiter die Empfindung, die ein neuer Reiz fordert, von der Vorgefundenen Verfassung des Empfindens abweicht, als desto stärker und merklicher wird sie zum Bewußtsein kommen. Dies kreuzt sich nun, wie er¬ wähnt, mit der Tatsache, daß der Reiz oft erst eine, seiner Richtung entgegenstehende Stimmung unserer physisch -psychischen Organe zu überwinden hat, ehe er sich für unser Bewußtsein geltend machen kann. Denn während gemäß jener Unterschiedsempfindlichkeit der Reiz um so merklicher ist, je weiter er von dem vorhergehenden Zustand absteht, so ist er nach dem andern Prinzip — bis zu einer gewissen Grenze - um so unmerklicher, je differenter seine Rich¬ tung von der der bestehenden inneren Bewegungen ist. Das hän°t mit der Beobachtung zusammen, daß Empfindungen bei gleich- bleibendem Reize eine gewisse, wenn auch sehr kurze Zeit brauchen ehe sie auf ihre Höhe gelangen. Während die erstere Erscheinungs¬ reihe auf die Tatsache der Ermüdung zurückgeht — der Nerv ant¬ wortet auf den zweiten gleichartigen Reiz eben nicht mehr mit gleicher , nftergle’ JeÜ_er darch den ersten ermüdet ist — zeigt die letztere, daß sich die Ermüdung keineswegs unmittelbar an die Reizreaktion anschheßt sondern daß zunächst diese Reaktion sich bei unver¬ ändertem Reue wie aus sich selber akkumuliert - vielleicht aus dem angeführten Grunde, daß erst ein Widerstand der perzipierenden Organe uberwunden werden muß, ehe der Reiz die Höhe erreicht ™ 7 freidch durch die eintretende Ermüdung wieder herab- inkt. Dieser Dualismus der Wirkungen tritt auch an den kompli- Fr^rT ErScheiaunfe" Sehr deutlich hervor. Eine Veranlassung zu eintretenH ’’ •" Z* TeS im ganzen “"glücklichen Individuums eintretend, wird von demselben mit einer leidenschaftlichen Reaktion Zen dTn M «m°niStiSChen Ener^en> stärkstem Sichabheben gegen den dunklen Hintergrund seiner sonstigen Existenz empfunden werden; andrerseits aber bemerken wir, daß auch zur Freude eine gewisse Gewöhnung gehört, daß der Glücksreiz gar nicht recht auffes eT™? TI ’ WCnn dlC Sede S1Ch SCh°n an fortwährend entgegen¬ gesetzte Erfahrungen angepaßt hat. Insbesondere feinere Lebensund Zfr 2Unachst wirkungslos von einem inneren, durch Not und Leid bestimmten Lebensrhythmus ab, und die Stärke ihres UeTstemZh T diC geradC dCr GegenSatz zu J'enem voraussetzen Momfn i w n!, langerer Stornierung der eudämonistischen Momente ein. Wenn diese nun andauert und die gesamte Verfassune der Seele schließlich in die ihr entsprechende Rhythmik oder Struktur ubergefuhrt hat so wird das Reizquantum, zu dessen voller Per¬ zeption es damals nicht kam, derselben auch jetzt, und zwar aus der gerade entgegengesetzten Konstellation heraus, entbehren: weil jetzt eine erartige eudamomstische Gewöhnung eingetreten ist, daß der zur Merklichkeit erforderte Unterschied mangelt. Diese Antinomie äußert ihre große teleologische Bedeutung auch im wirtschaftlichen Leben; die Unterschiedsempfindlichkeit treibt uns aus jedem ge¬ gebenen Zustand zum Erwerb neuer Güter, zur Produktion neuer Genießbarkeiten; die Begrenzung der Unterschiedsempfindlichkeit durch den zu überwindenden passiven oder aktiven Widerstand der bestehenden organischen Verfassung zwingt uns, diese neue Richtung auch mit andauernder Energie zu verfolgen und den Gewinn der Güter bis zu erheblicherer Quantität fortzusetzen. Dieser Steigerung aber setzt die Unterschiedsempfindlichkeit wieder ihre obere Grenze, indem die Gewöhnung an diesen bestimmten Reiz ihn abschwächt und schließlich den Zuwachs nicht mehr empfinden läßt, sondern zu qualitativ neuen forttreibt. In derselben Weise wie hier die Steige¬ rung der Objektquanten, gleichmäßig fortschreitend, eine Alter¬ nierung innerer Folgen bewirkt, können die Geldwerte der Dinge durch ihre einfache Erhöhung zu einem Umschlagen der Be¬ gehrungen ihnen gegenüber führen. Zunächst wird ein Gegenstand, der gar nichts oder nur ein Minimum kostet, sehr oft eben deshalb überhaupt nicht gewertet und begehrt; sobald sein Preis steigt, ent¬ steht dann auch seine Begehrenswürdigkeit und hebt sich eine Weile mit jenem bis zu einem äußersten Reizpunkte. Wird dann der Preis immer noch weiter gesteigert, so daß die Erwerbung für den Be¬ treffenden außer Frage tritt, so wird das erste Stadium dieses Ver¬ zichts vielleicht die größte Leidenschaft des Verlangens zeigen, dann aber wird eine Anpassung an ihn, ein Niederkämpfen der unnützen Sehnsucht eintreten, ja, nach dem Typus der »sauren Trauben« eine direkte Aversion gegen das doch nicht Erreichbare. Auf sehr vielen Gebieten knüpft sich ein solcher Wechsel des positiven und negativen Verhaltens an die quantitative Änderung der ökonomischen Forde¬ rung. Der Steuerdruck, der auf dem russischen Bauern lastet, wird als Ursache seiner schlechten, primitiven und wenig intensiven Wirt¬ schaft angegeben: der Fleiß lohne sich für ihn nicht, da er doch nichts übrig behalte als das nackte Leben. Offenbar würde ein etwas geringerer Druck, der ihm bei sehr fleißiger Arbeit einen Gewinn ließe, ihn gerade zu möglichst intensiver Bewirtschaftung ver¬ anlassen; sänken aber die Abgaben noch mehr, so würde er vielleicht wieder zu seiner früheren Trägheit zurückkehren, wenn er nun schon mit dieser einen Ertrag hätte, der allen Bedürfnissen seines Kultur¬ niveaus genügte. Oder ein anderes Beispiel: wenn eine Klasse oder ein Individuum zu niedriger Lebenshaltung gezwungen ist und des¬ halb nur rohe und gemeine Freuden und Erholungen kennt, so führt ein etwas erhöhtes Einkommen nur dazu, diese Genüsse häufiger und ausgedehnter zu suchen; wird es nun aber sehr erheblich höher, so steigen die Ansprüche an den Genuß in eine generell andere Sphäre. Wo z. B. die Schnapsflasche die Hauptfreude bildet, werden erhöhte Löhne zu gesteigertem Schnapsverbrauch führen; werden sie aber noch weiter und bedeutend erhöht, so wird sich das Be¬ dürfnis nach ganz anderen Kategorien von Genüssen einstellen. End¬ lich kommt es hier zu einer aller Analyse spottenden Komplikation durch den Umstand, daß die Bewußtseinsschwellen für die ver¬ schiedenen Lust- und Schmerzgefühle offenbar ganz verschieden hoch Hegen. Auf physiologischem Gebiet zunächst haben neuere Untersuchungen den immensen Unterschied der Schmerzempfindlich- keit ergeben, der zwischen den Nerven verschiedener Körperteile be- steht und für einige das Sechshundertfache des Schwellenwertes anderer aufweist, und zwar charakteristischerweise so, daß der Schwellenwert für die DruckempfindHchkeit eben derselben Stellen gar kein konstantes Verhältnis zu jenem besitzt. Nun ist es aller- ngs äußerst mißHch, die Schwellenwerte für verschiedenartige höhere und nicht -sinnHche Gefühle zu vergleichen, weil ihre ver¬ anlassenden Momente ganz heterogen und nicht so nach ihren Quanten zu vergleichen sind wie mechanische oder elektrische Reize er Sinnesnerven. Trotzdem hiermit jede Messung ausgeschlossen erscheint, wird man die ungleichmäßige Reizbarkeit auch der höheren Gefuhlsprovmzen zugeben und damit - da die bisher fraglichen Lebenssituationen immer eine Vielheit solcher betreffen - die un- geheuere und für die Theorie undurchdringHche Mannigfaltigkeit der Verhältnisse zwischen äußeren Bedingungen und innerer Ge- iuhlsfolge.
Gerade die durch den Geldbesitz bestimmten Gefühlsschicksale mögen allein einen annähernden Einblick in diese Schwellenwerte und Proportionalitäten gestatten. Denn das Geld wirkt als Reiz auf alle möglichen Gefühle und kann dies, weil sein qualitätloser, unspezifi¬ scher Charakter es von jedem in eine so große Entfernung stellt, daß es zu aUen eine Art gleichmäßigen Verhältnisses gewinnt; frei- Hch wird dies Verhältnis nur selten ein unmittelbares sein, sondern vermittelnder Objekte bedürfen, die nach einer Seite hin unspezifisch sind - insoweit sie nämHch für Geld zu haben sind -, nach der andern Seite hin aber spezifisch, indem sie bestimmte Gefühle aus- losen Dadurch, daß wir am Geld die Genußwerte der damit be¬ schaffbaren spezifischen Objekte vorempfinden, daß der Reiz der¬ selben auf das Geld übertragen und von ihm vertreten wird — haben wir am Geld den einzigen Gegenstand, in bezug auf den die Schwellen¬ werte der einzelnen Genußempfindlichkeiten eine Art von Vergleichn barkeit erhalten. Der Grund, der hier dennoch ein gegenseitiges Messen auszuschließen scheint, liegt auf der Hand: die außerordent¬ liche Verschiedenheit in den Geldwerten derjenigen Dinge, die auf den verschiedenen Gebieten das als gleich beurteilte Genußquantum erzeugen. Wenn die Genußschwelle in der aufsteigenden Geldreihe für einen Gourmand, einen Büchersammler, einen Sportsman ganz verschiedene Höhen zeigt, so liegt dies nicht daran, daß die hierbei ins Spiel kommenden Genußenergien verschieden reizbar wären, sondern daß die Gegenstände, die sie in gleichem Maße reizen, sehr verschieden teure sind. Dennoch wäre es denkbar, daß die Zufällig¬ keit der Schwellenwerte zwischen Geldquanten und eudämonistischen Erfolgen einer Ausgleichung zustrebte, mindestens in dem Sinn, daß es für die Individuen (oder auch für die Typen) charakteristisch wird, welchen Geldwert die erkaufbaren Objekte oder Eindrücke besitzen, die für sie die Genußschwelle überschreiten. Diese Entwicklung wird durch die Tatsache eingeleitet, daß, zunächst für unsere gefühls¬ mäßige Taxierung, Angemessenheit oder Unangemessenheit des Preises eines Objekts sich nicht nur an dem anderweitig geforderten Preise des gleichen ergibt, sondern auch an den ganz andern absoluten Preisen von qualitativ ganz andern Warengattungen; die Aus¬ gleichung hiervon bedeutet das Aufwachsen eines gleichmäßigen Geldpreisstandards, der sicher erst das Endergebnis sehr vieler sub¬ jektiver und zufälliger Schwankungen ist. Soweit wir z. B. die ökono¬ mischen Verhältnisse der früheren palästinischen Juden kennen, frappieren sie durch außerordentliche Billigkeit gewisser Artikel und enorme Preise für andere. Das Verhältnis zu den jetzigen Preisen ist ein so schwankendes, nicht auf einen rationalen Ausdruck zu bringen¬ des, daß man nicht sagen kann (und vielleicht von keiner Periode des Altertums), der allgemeine Geldwert sei um so und so viel anders als der jetzige gewesen. Denn es hat einen solchen damals überhaupt nicht gegeben. Diese Erscheinung will man durch die ökonomische Kluft zwischen Reichen und Armen erklären, die durch keine Ambitionen der letzteren in bezug auf Lebenshaltung verringert wurde: die unteren Stände seien eben von einer sehr großen und stabilen Genügsamkeit gewesen, so daß gewisse Waren von ihnen prinzipiell nicht begehrt wurden; es hätten sich also zwei ganz ver¬ schiedene Geldpreisstandards herausgebildet: für das, was die Armen bezahlen konnten und wollten, und das, was die Domäne der Reichen war, denen es auf das Geld nicht ankam; das sei vielleicht bei allen älteren Völkern mehr oder weniger der Fall gewesen. Im Anschluß daran wird nun betont, daß gemäß den sozialen Anschauungen der neueren Zeit die mittleren Stände es in Bezug auf Kleidung, Nahrung, Bequemlichkeiten, Vergnügungen den höheren gleichtun wollen und die niederen den mittleren. Dies erst habe die Möglichkeit eines ein¬ heitlichen und allgemeinen Geldwertes ergeben. Man könnte nach dieser Richtung hin den Weg der ökonomischen Kultur so formu¬ lieren: sie gehe dahin, das ursprünglich Billige zu verteuern und das ursprünglich Teure zu verbilligen. Diese Ausgleichung zeigt sich zunächst nach der objektiven Seite hin und findet ihre wahrhaft wunderbare Erscheinung in der »Durchschnittsprofitrate«. Durch eine fast unglaubliche und gar nicht als bewußter Verlauf nach¬ zuweisende Anpassung aller wirtschaftlichen Faktoren aneinander ist erreicht, daß die nach ihrem Material, ihren Arbeitsbedingungen ihren Ertragnisquanten verschiedenartigsten und voneinander unab¬ hängigsten Betriebe in der ausgebildeten Wirtschaft den in ihnen investierten Kapitalien dennoch die — ceteris paribus — gleiche Rente hefeml Daß eine ebensolche Ausgleichung für die subjektiv- eudamomstischen Erfolge der Geldwerte sich herstelle, kommt natür- ch angesichts der individuellen Differenziertheit der Menschen nicht in Frage, wohl aber könnte, vermöge der allmählichen Ausdrückbar- Geldes für alle Waren — vermöge dieser könnte der Kultur- verwandten Zustand nähern: auf der Quantitäts¬ skala des Geldes konnten eventuell gewisse Punkte als Äquivalente derjenigen Objekte hervortreten, die für ein bestimmtes Individuum oder einen Typus entweder die ökonomische Schwelle oder die Genu߬ schwelle oder die Blasiertheitsschwelle bezeichnen. Auf diesem, durch seine Komplikation und seine Individualisierten schwierigsten Gebiet der Schwellenerscheinungen zeigt sich immerhin das Geld als das einzige Objekt, das, durch seinen rein quantitativen Charakter und sein gleichmäßiges Verhalten zu allen Verschiedenheiten der mge, noch am ehesten die Möglichkeit gibt, die mannigfaltigsten Reizbarkeiten in eme einheitliche Reihe zusammenzuordnen. Außer¬ dem aber weisen gewisse Vorkommnisse auf eine ganz unmittelbare Bedeutung hin, die das Geld für die Schwelle des ökonomischen Be¬ wußtseins hat, und zwar derart, daß das Bewußtsein überhaupt erst auf einen ge dmaßigen Reiz hin als spezifisch ökonomisches reagiert lehnt die Zumutung altruistischer habe rWh1 reSi?bjeiktS ^ BeSründunS ab> der Gegenstand habe doch Geld gekostet - dies wird wirklich als rechtfertigende Begründung dafür empfunden, daß man hier nach dem hart egoisti¬ schen Prinzip bloßer Ökonomie verfahre! Ebenso suchen törichte Eltern ihre Kinder von mutwilligen Zerstörungen dadurch zurückzuhalten, daß sie betonen, die Dinge hätten doch Geld gekostet! Statt den Kindern den Wert der Objekte selbst klarzumachen, beginnen sie die ökonomische Reaktion erst auf die Vorstellung des aufgewen¬ deten Geldes hin. In sehr bezeichnender Weise tritt dies bei zwei äußerlich ganz entgegengesetzten Erscheinungen hervor. Geschenke werden von vielen Seiten erst als voll gerechnet, wenn der Schenker Geld dafür ausgegeben hat; zu schenken, was man selbst besitzt, er¬ scheint als schäbig, illegitim, unzureichend. Nur bei ganz feinsinnigen und hochstehenden Menschen begegnet es, daß sie ein Geschenk am höchsten schätzen, das der andere selbst besessen hat. Das Bewußt¬ sein also, daß der Geber ein Opfer für ihn gebracht hat, tritt dort bei dem Beschenkten erst ein, wenn dieses Opfer in Geldform ge¬ bracht ist. Andrerseits wirkt doch gerade ein Geldgeschenk in höheren Kreisen direkt deklassierend, und auch dienende Personen, Kutscher, Boten usw. sind oft weit erkenntlicher für eine Zigarre als für ein Trinkgeld, das vielleicht den dreifachen Wert jener hat. Hier ist das Entscheidende, daß die Gabe eben nicht als ökonomische wirken darf oder daß wenigstens das Zurücktretenlassen ihres ökono¬ mischen Charakters als besondere Kordialität wirkt. In dem ersteren wie in diesen Fällen reizt also der Wert erst in der Geldform das Be¬ wußtsein als ökonomisches, und je nach den Empfindungen, die dies weiterhin auslöst, wird das gleiche Verfahren erwünscht oder perhorresziert sein. In eine so kontinuierliche Reihe die ausgebildete Geldwirtschaft die wirtschaftlichen Objekte fügen mag — zwischen diesen und dem Geld selbst schafft sie (was Warengeldepochen weni¬ ger tun werden) einen so generellen Unterschied, daß das Entstehen einer gerade nur auf den Geldwert reagierenden Bewußtseinsschwelle durchaus erklärlich wird.
Ein anderer Grund, der die Erscheinungen der Bewußtseins¬ schwelle in besonders merkbare Beziehung zum Gelde setzt, ist dieser. Das Bestehen und die Summierung von Ursachen, deren eigentlich proportionale Wirkung ausbleibt, um erst oberhalb einer gewissen Grenze einzutreten, wird um so ausgedehnter sein und diese Grenze um so höher hinaufrücken lassen, je unbewegter, in sich stabiler das ganze System ist, in dem der Vorgang sich abspielt: so kann man bekanntlich Wasser bis erheblich unter den Nullpunkt abkühlen, ohne daß es gefriert, wenn man es nur vor jeder Bewegung bewahrt, wäh¬ rend die leiseste Erschütterung es sofort zu Eis werden läßt; so kann man die Hand in allmählich erhitztem Wasser halten, weit über den sonst erträglichen Grad hinaus, wenn man nur jede Bewegung ihrer oder des Wassers vermeiden kann; so rufen, auf höheren und kompli¬ zierten Gebieten, vielerlei Einflüsse und Verhältnisse die ihnen entsprechende Gefühlsreaktion erst dann hervor, wenn unser ganzes Wesen, vielleicht von einem ganz anderen Punkte her, aufgerüttelt wird; sowohl der Besitz von Werten wie die Entbehrung derselben oder die Unwürdigkeit gewisser Situationen können lange bestehen und sich sogar allmählich steigern, ehe wir uns der Bedeutung davon bewußt werden; es muß erst ein Anstoß erfolgen, der die inneren Elemente sich gleichsam aneinander reiben läßt, so daß wir uns ihrer wirklichen Stärke gerade an ihren jetzt erst bemerkten Relationen oder Unterschieden gegen alle anderen bewußt werden. Ja, Gefühle wie Liebe und Haß können lange in uns leben und gleichsam unter¬ irdisch sich akkumulieren und gewisse verkleidete Wirkungen üben, bis irgendein Anstoß, meistens eine Unterbrechung der äußeren Regelmäßigkeit der Beziehungen, jene Gefühle in das Bewußtsein hinein explodieren läßt und ihnen nun erst die ihnen zukommende Ausbreitung und Folgenreichtum verschafft. Nach demselben Typus verlaufen auch soziale Entwicklungen. Sinnlosigkeiten und Mi߬ bräuche schleichen sich nicht nur in einmal konsolidierte Ver¬ fassungen ein, sondern sie häufen und steigern sich unterhalb der Schwelle des sozialen Bewußtseins, oft bis zu einem Grade, dessen Ertragenwerden man von dem Augenblick an nicht mehr begreift in dem ein allgemeines Aufräumen, oft auf ganz andersartige An¬ regungen hin, jene Mißstände zum Bewußtsein gebracht hat. Oft sind es bekanntlich erst die Erschütterungen durch einen äußeren Krieg, die die Widersprüche und eingerotteten Schäden eines Staates offenbar machen. Dies begründet z. B. die schon sonst hervor¬ gehobene Beobachtung, daß sehr krasse soziale Unterschiede, unver¬ söhnliche Höhenabstände der Klassen voneinander, in der Regel mit sozialem Frieden Hand in Hand gehen. Der Ruf nach ausgleichen¬ den Reformen oder Revolutionen pflegt sich erst zu erheben, wenn die Starrheit der Klassenschranken sich gemüdert hat und lebhaftere Bewegungen innerhalb der Gesellschaft gewisse vermittelnde und Übergangserscheinungen, eine Seh- und Vergleichungsnähe zwischen den Standen erzeugt haben. Sobald dies aber geschehen ist, tritt den unteren Klassen ihre Unterdrücktheit, den oberen teils die sittliche Verantwortung dafür, teils der Trieb, ihren Besitzstand zu verteidigen ins Bewußtsein, und der soziale Friede ist unterbrochen. Innerhalb der Geldwirtschaft nun ist die Bewegtheit des Lebenssystems, durch die das Bewußtsein zu Unterschieds- und Schwellenempfindungen gereizt wird, eine ganz besonders verbreitete und lebhafte. Die Fixie¬ rung von Verhältnissen, die den gesteigerten Veranlassungen zu Be¬ wußtseinsreaktionen diese Folge vorenthält, wird bei ihrer Begrün¬ dung auf Geld immerzu unterbrochen, weil alle solche etwas Labiles n und der Ruhelage Widerstrebendes haben, und zwar insbesondere, weil das Geld keine sachliche Beziehung zu Persönlichkeiten hat und nicht, wie eine Rangstufe oder eine Deklassierung, wie ein Beruf oder ein moralischer Wert, eine Gefühlsbeziehung oder eine Tätigkeit, gleichsam an jene anwächst. Alle auf solche Lebensinhalte gegrün¬ deten Verhältnisse haben wegen der relativen Festigkeit, mit der sie den Personen zugehören, eine Art von Stabilität und setzen dem Ein¬ fluß abändernder Elemente eine gewisse Trägheit entgegen, die erst bei einer erheblichen Summierung jener ihnen die ganz proportio¬ nierte Folge verschafft. Das Geld dagegen, das wegen seiner Qualitätlosigkeit auch zu keiner qualitativ bestimmten Persönlich¬ keit als solcher eine Beziehung hat, gleitet ohne innere Widerstände von der einen ab und zur anderen hin, so daß die darauf gegründeten Verhältnisse und Zustände jeder Veranlassung zu Änderungen leicht und adäquat nachgeben, oder, unser jetziges Interesse genauer aus- drückend: daß die Summierungserscheinungen des Geldes, die den Charakter bloßer Quantität am reinsten an sich darstellen, zugleich am häufigsten und deutlichsten ihre Wirkungen auf die inhaltliche Bestimmtheit des Lebens fühlbar machen werden. Die am Geld so häufig auftretenden Schwellenerscheinungen machen aber nur die Gesamtbestimmung seiner deutlicher, zu der jenes Superadditum ge¬ hörte, ja, dieses ist im Grunde nur eine einzelne aus den so charak¬ terisierten Erscheinungen. Denn es sagt doch aus, daß die Bedeutung von mehr Geld nicht nur in einem proportionalen Vielfachen der Be¬ deutung von weniger Geld besteht, sondern daß dieser Bedeutungs¬ unterschied, trotz der rein quantitativen Änderung seines Substrates, ein Umschlagen in qualitativ neue, ja entgegengesetzte Folgeerschei¬ nungen darbietet.
Diese Tatsache hat eine zwar selbstverständliche, aber der Er¬ örterung dennoch bedürftige Voraussetzung. Man kann jene selbst doch so ausdrücken: jede Geldsumme hat, auf eine Mehrheit von Personen verteilt, eine andere qualitative Bedeutung, als wenn sie sich in einer Hand befindet. Die Einheit der Persönlichkeit ist also das Korrelat oder die Bedingung für alle Quantitätsunterschiede des Besitzes und ihre Bedeutung; das Vermögen juristischer Personen steht ersichtlich wegen der Einheitlichkeit seiner Verwaltung in der hier fraglichen funktionellen Hinsicht auf derselben Stufe. Auch wo man von einem Volksvermögen spricht, ist das nur möglich, insofern man das Volk als ein einheitliches besitzendes Subjekt denkt, bzw. die auf die einzelnen Bürger verteilten Besitze durch die Wechsel¬ wirkung, die sie innerhalb der nationalen Wirtschaft eingehen, als so einheitlich vorstellt, wie das Vermögen eines Individuums durch solche Wechselwirkungen (Einteilung, Rücksichten der Einzel¬ aufwendung auf das Ganze, Balance zwischen Einnahme und Aus¬ gabe usw.) zu einer praktischen Einheit zusammengeht. Das Geld, als ein nur seiner Quantität nach bedeutsamer Wert, tritt an sich in einem extensiven Nebeneinander auf, so daß jede Summe, um eine zu sein, um als Einheit zu wirken, eines ihr äußerlichen Prinzips be¬ darf, das die einzelnen Teilquanten in Zusammenhang und Wechsel¬ wirkung, kurz, in eine Einheit zwingt. Wie die einzelnen Vorstellungs¬ inhalte dadurch das Bild einer Welt ergeben, daß sie sich in einer persönlichen Bewußtseinseinheit zusammenfinden, und wie eben da¬ durch die Summe der Weltelemente mehr als eine bloße Summe wird, jeder Teil und das Ganze eine neue Bedeutung über das bloße Nebeneinander hinaus erhält: so wirkt die Einheit des persönlichen Besitzers auf das Geld und verleiht dem durch sie zusammen¬ gehaltenen Quantum erst jene Möglichkeit, sein Mehr oder Weniger in qualitative Bedeutung umzusetzen. Der Erkenntnis wert hiervon wird vielleicht im Anschluß an eine Bestimmung der Grenznutzen¬ theorie deutlicher. Man kann dieselbe doch etwa folgendermaßen kurz zusammenfassen. Jegliches Teilquantum eines Gütervorrates hat den Wert des am niedrigsten bewerteten, d. h. zur entbehrlichsten Nutzung verwandten Teiles. Denn wenn ein beliebiger Teil verloren ginge, so würde man vernünftigerweise mit dem Rest alle wichtigeren Bedürfnisse decken und nur das unwichtigste ungedeckt lassen; welcher Teil also auch entbehrt werden müßte, es wäre der unwich¬ tigste. Der Wert eines Gütervorrates ist also nicht bestimmt durch den Nutzen, den man tatsächlich aus ihm zieht, d. h. nicht durch die Summe der sehr verschieden hohen Nutzungen seiner einzelnen Be¬ standteile, sondern durch den Nutzen des am wenigsten nutzbaren Teiles, multipliziert mit der Anzahl solcher gleich großen Teile über¬ haupt. Von dieser Theorie wird nun ganz allgemein eine Ausnahme zugegeben, nämlich da, wo eine Summe von Gütern eine Einheit bildet und als solche einen gewissen Nutzeffekt entfaltet, der nicht gleich der Summe der Nutzungen ihrer einzelnen Teile ist. Es habe z. B., so hören wir, der Bestand eines Waldes einen Einfluß auf Klima und Witterung, damit auf die Bodenfruchtbarkeit, die Gesundheit der Bewohner, die Beständigkeit eines Teiles des Volksreichtums usw.,