SigPhi · Gotthold Ephraim Lessing

Die Erziehung des Menschengeschlechts

Page 2 of 2

Darauf zwecke die menschliche Erziehung ab: und die göttliche reiche dahin nicht? Was der Kunst mit dem Einzeln gelingt, sollte der Natur nicht auch mit dem Ganzen gelingen? Lästerung! Lästerung!

Nein; sie wird kommen, sie wird gewiß kommen, die Zeit der Vollendung, da der Mensch, je überzeugter sein Verstand einer immer bessern Zukunft sich fühlet, von dieser Zukunft gleichwohl Bewegungsgründe zu seinen Handlungen zu erborgen, nicht nötig haben wird; da er das Gute tun wird, weil es das Gute ist, nicht weil willkürliche Belohnungen darauf gesetzt sind, die seinen flatterhaften Blick ehedem bloß heften und stärken sollten, die innern bessern Belohnungen desselben zu erkennen.

Sie wird gewiß kommen, die Zeit eines neuen ewigen Evange- liums, die uns selbst in den Elementarbüchern des Neuen Bundes versprochen wird.

Vielleicht, daß selbst gewisse Schwärmer des dreizehnten und vierzehnten Jahrhunderts einen Strahl dieses neuen ewigen Evan- geliums aufgefangen hatten; und nur darin irrten, daß sie den Ausbruch desselben so nahe verkündigten.

Vielleicht war ihr dreifaches Alter der Welt keine so leere Grille; und gewiß hatten sie keine schlimme Absichten, wenn sie lehrten, daß der Neue Bund ebensowohl antiguieret werden müsse, als es der Alte geworden. Es blieb auch bei ihnen immer die nämliche Okonomie des nämlichen Gottes. Immer — sie meine Sprache 562 Theologische und philosophische Schriften sprechen zu lassen — der nämliche Plan der allgemeinen Erzie- hung des Menschengeschlechts.

Nur daß sie ihn übereilten; nur daß sie ihre Zeitgenossen, die noch kaum der Kindheit entwachsen waren, ohne Aufklärung, ohne Vorbereitung, mit eins zu Männern machen zu können glaubten, die ihres dritten Zeitalters würdig wären.

Und ebendas machte sie zu Schwärmern. Der Schwärmer tut oft sehr richtige Blicke in die Zukunft: aber er kann diese Zukunft nur nicht erwarten. Er wünscht diese Zukunft beschleuniget; und wünscht, daß sie durch ihn beschleuniget werde. Wozu sich die Natur Jahrtausende Zeit nimmt, soll in dem Augenblicke seines Daseins reifen. Denn was hat er davon, wenn das, was er für das Bessere erkennt, nicht noch bei seinen Lebzeiten das Bessere wird? Kömmt er wieder? Glaubt er wiederzukommen? — Sonderbar, daß diese Schwärmerei allein unter den Schwärmern nicht mehr Mode werden will!

Geh deinen unmerklichen Schritt, ewige Vorsehung! Nur laß mich dieser Unmerklichkeit wegen an dir nicht verzweifeln. — Laß mich an dir nicht verzweifeln, wenn selbst deine Schritte mir scheinen sollten, zurückzugehen! — Es ist nicht wahr, daß die kürzeste Linie immer die gerade ist.

Du hast auf deinem ewigen Wege so viel mitzunehmen! so viel Seitenschritte zu tun! - Und wie? wenn es nun gar so gut als ausgemacht wäre, daß das große langsame Rad, welches das Ge- schlecht seiner Vollkommenheit näher bringt, nur durch kleinere schnellere Räder in Bewegung gesetzt würde, deren jedes sein ein- zelnes ebendahin liefert?

Nicht anders! Eben die Bahn, auf welcher das Geschlecht zu seiner Vollkommenheit gelangt, muß jeder einzelne Mensch (der früher, der später) erst durchlaufen haben. — »In einem und eben demselben Leben durchlaufen haben? Kann er in eben demselben Leben ein sinnlicher Jude und ein geistiger Christ gewesen sein? Kann er in eben demselben Leben beide überholet haben?« Das wohl nun nicht! — Aber warum könnte jeder einzelne Mensch Die Erziehung des Menschengeschlechts 563 auch nicht mehr als einmal auf dieser Welt vorhanden gewesen sein?

Ist diese Hypothese darum so lächerlich, weil sie die älteste ist? weil der menschliche Verstand, ehe ihn die Sophisterei der Schule zerstreut und geschwächt hatte, sogleich darauf verfiel?

Warum könnte auch ich nicht hier bereits einmal alle die Schritte zu meiner Vervollkommnung getan haben, welche bloß zeitliche Strafen und Belohnungen den Menschen bringen können?

Und warum nicht ein andermal alle die, welche zu tun, uns die Aussichten in ewige Belohnungen so mächtig helfen?

Warum sollte ich nicht so oft wiederkommen, als ich neue Kennt- nisse, neue Fertigkeiten zu erlangen geschickt bin? Bringe ich auf einmal so viel weg, daß es der Mühe wiederzukommen etwa nicht lohnet?

Darum nicht? — Oder, weil ich es vergesse, daß ich schon dage- wesen? Wohl mir, daß ich das vergesse. Die Erinnerung meiner vorigen Zustände würde mir nur einen schlechten Gebrauch des gegenwärtigen zu machen erlauben. Und was ich auf itzt ver- gessen muß, habe ich denn das auf ewig vergessen?

Oder, weil so zuviel Zeit für mich verloren gehen würde? — Ver- loren? — Und was habe ich denn zu versäumen? Ist nicht die ganze Ewigkeit mein?

Die Erziehung des Menschengeschlechts Entstehung In den »Gegensätzen des Herausgebers«, die Lessing seiner Veröffent- lichung der Fragmente des Ungenannten (Anfang 1777) als Wider- spruch beigegeben hatte, heißt es am Schluß der Ausführungen zum 4. Fragment (»Daß die Bücher des Alten Testaments nicht geschrieben, eine Religion zu offenbaren«): »Unter einem gewissen Zirkel von Freunden ist vor einiger Zeit ein kleiner Aufsatz in der Handschrift herumgegangen, welcher die ersten Linien zu einem ausführlichen Buche enthielt und überschrieben war: »Die Erziehung des Menschenge- schlechts«. Ich muß bekennen, daß ich von einigen Gedanken dieses Aufsatzes bereits wörtlich Gebrauch gemacht habe. Was hindert mich also, oder vielmehr was ist also schicklicher, als daß ich den Anfang desselben in seinem ganzen Zusammenhange mitteile, der sich auf den Inhalt unsers vierten Fragments so genau bezieht? Die Indiskretion, die ich damit begehe, weiß ich zu verantworten, und von der Lauter- keit der Absichten des Verfassers bin ich überzeugt. Er ist auch bei weitem so heterodox nicht, als er bei dem ersten Anblicke scheinet, wie ihm auch die schwierigsten Leser zugestehen werden, wenn er ein- mal den ganzen Aufsatz oder gar die völlige Ausführung desselben bekanntzumachen für gut halten sollte.« Dieser Einführung folgen die ersten 53 Paragraphen der »Erziehung des Menschengeschlechts« — also bis zum Ende des alttestamentlichen Zeitalters mit den Worten: »Christus kam«, danach ein kurzer Ausblick auf den Fortgang bis zum Schluß. Daraus geht klar hervor, daß die Erziehungsschrift bereits An- fang 1777 im Manuskript abgeschlossen vorlag. Allein erst Ostern 1780 erschien sie als Ganze, nunmehr eingeleitet durch den »Vorbe- richt des Herausgebers«, als welchen Lessing sich hier bezeichnet. Obwohl Anonymität und Pseudonymität eines Schriftstellers im 18. Jahrhundert keine Seltenheit waren, so ist doch das von Lessing auch seinen nächsten Freunden und Verwandten gegenüber gewahrte Inkognito des Verfassers der Erziehungsschrift überaus auffällig. Schon anläßlich des Erscheinens des ı. Anti-Goeze hatte Lessing unter dem 6. April 1778 an Johann Albert Heinrich Reimarus — also in einem Privatbrief! — geschrieben: »Die Erziehung des Menschengeschlechts ist von einem guten Freunde, der sich gern allerlei Hypothesen und Systeme macht, um das Vergnügen zu haben, sie wieder einzureißen. Diese Hypothese würde nun freilich das Ziel gewaltig verrücken, auf welches mein Ungenannter im Anschlage gewesen. Aber was tuts? Jeder sage, was ihm Wahrheit dünkt, und die Wahrheit selbst sei Gott empfohlen.« Und noch am 25. Febr. 1780 berichtet Lessing an den Bruder Karl in Berlin: »Auch habe ich ihm (d. h. dem Buchhändler Voß in Berlin) die »Erziehung des Menschengeschlechts< geschickt, die er mir auf ein halbes Dutzend Bogen ausdehnen soll. Ich kann ja das Ding vollends in die Welt schicken, da ich es nie für meine Arbeit erkennen werde, und mehrere nach dem ganzen Plane doch begierig gewesen sind.« Warum diese Zurückhaltung? G. Fittbogen (Die Religion Lessings, 690 Erläuterungen 1923, S. 184) hat dafür auf die Herzogliche Resolution vom 17. Aug. 1778 verwiesen, nach der es Lessing auch fernerhin verboten war, ir- gend etwas in Religionssachen sowohl innerhalb wie außerhalb des Herzogtums, sei es unter eigenem, sei es unter fremdem Namen ohne vorherige Genehmigung des Herzoglichen Ministeriums drucken zu lassen. Mit der Anonymität der »Erziehung des Menschengeschlechts« hätte Lessing also die Verfügung jener Resolution einfach umgangen. Freilich spricht gegen solche Annahme, daß Lessing »das Ding« ja schon in den »Gegensätzen des Herausgebers« von 1777 nicht als seine Arbeit anerkannt hat und die Briefstelle vom 6. April 1778 an J. A. H. Reimarus schon vor das Herzogliche Verbot der » Anti-Goeze« vom 6. Juli 1778 fällt. Auch wäre zu fragen, ob die »Erziehung des Men- schengeschlechts« von der Zensur wirklich mit den Anti-Goeze auf die gleiche Stufe gesetzt worden wäre. So vermag also die Herzogliche Verfügung vielleicht ein Motiv nicht aber den Hauptgrund für Les- sings Verhalten abzugeben.

Zu ergänzen bleibt noch, daß sich aus der von Lessing selbst so ener- gisch bestrittenen Verfasserschaft die — heute erledigte — Streitfrage entwickelt hat, ob nicht statt Lessing der junge Arzt und spätere Be- gründer der wissenschaftlichen Landwirtschaftskunde, Albrecht Thaer, als der wahre Verfasser der »Erziehung des Menschengeschlechts« an- zusehen sei.

Überlieferung Erstdruck: Die Erziehung des Menschengeschlechts. Herausgegeben von G. E. Lessing. Berlin 1780. Bey Christian Friedrich Voß und Sohn. Die $$ 1-53 zuvor in: Zur Geschichte und Litteratur. Aus den Schät- zen der Herzoglichen Bibliothek zu Wolfenbüttel, Vierter Beytrag, Braunschweig 1777, S. 522-539.

Erläuterungen 544 Haec omnia: Augustin, Selbstgespräche II, 10. - positive Reli- | gionen: d. h. durch Stifter »geoffenbarte« geschichtliche Religionen im Unterschied zur »Naturreligion«. In seinem unvollendeten Aufsatz »Über die Entstehung der geoffenbarten Religion« (aus den soer Jah- ren) hatte Lessing die positive Religion noch als eine — freilich not- wendige — Einschränkung der ursprünglichen Naturreligion betrachtet und beide wie natürliches und positives Recht unterschieden: »Die beste geoffenbarte oder positive Religion ist die, welche die wenigsten konventionellen Zusätze zur natürlichen Religion enthält, die guten Wirkungen der natürlichen Religion am wenigsten einschränkt.« Dem- gegenüber bedeutet die »Erziehung des Menschengeschlechts« insofern einen wichtigen Fortschritt, als sie die positive Religion von vorn- herein an den Anfang der geschichtlichen Entwicklung stellt, um dar- aus schließlich die Religion der sittlichen Vernunft zu entwickeln.

s45s Offenbarung ist Erziehung: Dieser aus dem jüdisch-christlichen Offenbarungsanspruch und dem griechischen Erziehungsdenken zu- sammengesetzte Grundgedanke unserer Schrift findet sich schon bei den Kirchenvätern der ersten Jahrhunderte, vor allem bei Clemens von Die Erziehung des Menschengeschlechts 691 Alexandrien (um 200), der Christus — i. S. der hellenischen »Paideia« (Erziehung) — zum ersten Mal als »Pädagogen« verstand. Hierauf hat sich Lessing auch in den »Sogenannten Briefen an verschiedene Gottesgelehrten« (1779/80) an den Göttinger Theologieprofessor Walch berufen: »Wegen der Stelle aus dem »Pädagogen« sind mir Ew. Hoch- würden bereits selbst mit der Antwort zuvorgekommen. Der Päd- agog zeigt, »wie Kinder aus der Hl. Schrift des Alten und Neuen Te- staments in der Moral zu unterrichten. Daß dieses sehr wohl gesche- hen könne, besonders wenn der Pädagog den Kindern die Bibel nicht selbst in die Hände gibt, sondern ihnen das bloß stellenweise beibringt, was ihren Einsichten und Umständen angemessen ist, wer wird das in Zweifel ziehen?« Neben Clemens von Alexandrien ist aber auch auf den von Lessing gern gelesenen Tertullian von Karthago (t nach 220) zu verweisen, zumal in seiner letzten antikirchlichen Pe- riode, als er zur Sekte des »Montanismus« übergetreten war. In seiner bereits montanistisch gefärbten Schrift »De virginibus velandis« (Über die Verschleierung der Jungfrauen) Kap. ı (vor 207) entrollt nämlich Tertullian eine in streng heilsgeschichtliche Etappen eingeteilte Erzie- hungsgeschichte Gottes, die sich genau wie bei Lessing allein auf den sittlichen Fortschritt der Menschheit beschränkt: Dem natürlichen Ge- setz entspricht das Säuglingsalter, dem mosaischen Gesetz samt Pro- pheten die Kindheit, dem »neuen Gesetz« Christi die Jugend und dem asketischen Gesetz des Montanistengeistes das Mannesalter des Vol- kes Gottes. Mit dieser Zeitalterfolge stimmt Lessings Erziehungs- schrift auffallend überein. Sie unterscheidet sich jedoch darin von ihr, daß Lessing die göttliche Erziehungsgeschichte mit einer Entwicklungs- geschichte der Menschheit verbindet. — Maß halten müssen: Der Ge- danke göttlicher »Akkomodationen« (Anpassungen) an das mensch- liche Fassungsvermögen war in Lessings Zeit nicht neu. Schon Spinoza bedient sich seiner, ebenso Johann Salomo Semler. — mit einem Begriffe von einem Einigen Gotte ausgestattet: Mit der Vorstellung eines im Rahmen einer »Uroffenbarung« der Menschheit vermittelten »Ur- Monotheismus« (d.h. einer anfänglichen Ein-Gott-Erkenntnis) — die dem Gedankengang der »Erziehung des Menschengeschlechts« an sich widerspricht — ist Lessing von den gängigen Ansichten seiner theolo- gischen Zeitgenossen abhängig; vgl. z.B. die »Fortgesetzten Betrach- tungen über die vornehmsten Wahrheiten der Religion« des mit Les- sing persönlich bekannten Braunschweiger Abtes Friedrich Wilh. Jeru- salem (Band I, 2. Aufl. 1777) oder Joh. Aug. Eberhards »Neue Apo- logie des Sokrates« (1772) — s. dazu bei »Leibniz, Von den ewigen Strafen« —. Historisch ist die Ur-Monotheismus-Theorie nicht haltbar, obwohl ihr die biblischen Grundstellen entsprechen. Die heutige wis- senschaftliche Erkenntnis sieht den Monotheismus nicht als Anfang, sondern als Endpunkt religionsgeschichtlicher Entwicklungen an.

546 Ägypten hatte: Die Sinaioffenbarung (II. Mose 19 ff.) liegt zeitlich erst nach dem Auszug Israels aus Ägypten. — transzendentalen Be- griffe: (latein. = übersteigend) d.h. im vorkantischen Gebrauch: ein Begriff, der alle Vorstellung und Erfahrung überschreitet. — mit Sicher- heit schließen lernen: Anspielung auf Spinozas Ethik (Buch I, bis Lehr- 692 Erläuterungen satz 14), der den Begriff des Einzigen aus dem des Unendlichen ab- leiter.

547 künftigen Leben: Die Erwartung eines Fortlebens nach dem Tode ist der altisraelitischen Religion fremd. — in die Fremde: Anspielung auf die Babylonische Gefangenschaft der Juden (Erste Wegführung i. J. 597 v. Chr., zweite und eigentliche Exilierung nach der Einnahme Jerusalems durch Nebukadnezar von Babylon i. J. 586 v. Chr.

548 Sanktion: (latein.) feierliche Festsetzung.

549 Warburton: Gemeint ist William Warburtons »Divine Legation of Mosis« (Göttliche Sendung des Mose) 2 Bände 1737-1741, dessen 1. Band (deutsch 1751) Lessing in der Berlinischen Privilegierten Zei- tung besprochen hatte, mit dem sich auch Reimarus im 5. Fragment auseinandersetzt. Warburton versuchte den englischen Deismus mit dessen eigenen Waffen zu schlagen, indem er das Mosaische Gesetz als die Erfüllung des Naturgesetzes darstellte. — Theokratie: (griech.) Gottesherrschaft.

sso Hiob geschrieben zu haben: Der Gedanke individueller Vergel- tung bei Gott setzt sich in Israel erst seit dem babylonischen Exil (vgl. bes. Hes. 18, 1-22) durch. Das Hiobbuch (zwischen 600 und 300 v. Chr.) dokumentiert weniger den Vergeltungsgedanken als das Scheitern an ihm und ist in dieser Hinsicht eine der großartigsten Dichtungen der Weltliteratur.

551 lebenssatt starb: Anspielung auf den Tod Abrahams nach I. Mose 25, 8. Ein Leben nach dem Tode wird hier nicht erwartet. — Jehova: Eine aus der verhüllenden hebräischen Schreibweise des Gottesnamens Jahwe entstandene Fehlartikulation. — gefürchtet als geliebt: Anspie- lung auf die Zusammenfassung der ro Gebote in Luthers Kleinem Katechismus (nach II. Mose 20, 5) und die Anfänge von Luthers Er- klärungen zum r. Hauptstück (»Wir sollen Gott fürchten und lie- 552 weisen Perser an» Gemeint ist der Perserkönig Cyrus, der i. J. 538 v.Chr. nach der Eroberung des neubabylonischen Reiches die Heimkehr der nach Babylon exilierten Judenschaft gestattete. — Gott erkannten: Das exilische und nachexilische Judentum vertritt den | Monotheismus weit strenger als manche alttestamentlichen Quellen aus vorexilischer Zeit.

553 Sabäismus: Die sagenhafte Religion des schon im Alten Testament erwähnten südarabischen Reiches von Saba, die zur Zeit Lessings auch mit der Gestirnreligion der Babylonier in Beziehung gesetzt wurde. — bemächtigt hatten: Die Gestattung der Rrückkehr der babylonischen Judenschaft nach Palästina durch Cyrus (s. o.) hatte freilich nicht reli- giöse, sondern politische Gründe. — Chaldäern: Im Alten Testament die Babylonier. — Unsterblichkeit der Seele: Diese Vorstellung gehört zu den: Lieblingsdogmen der theologischen und philosophischen Auf- klärung und wird auch von Lessing als Inbegriff der »letzten Dinge« betrachtet. Philosophisch ist die Lehre von der Unsterblichkeit der Seele von Plato begründet worden. Dem Alten Testament ist sie fremd. Paulus und andere Schriften des Neuen Testaments vertreten eine mehr oder minder gegenwartsbezogene Form der spätjüdi- ' Die Erziehung des Menschengeschlechts 693 schen Auferstehungshoffnung vgl. I. Kor. ıs, ı2fl; II. Kor. s, 1 fl.; Joh. 5, 25; 6, 54; Offb. 20, 12 ff.). Dagegen haben die Kirchenväter, z.B. Augustin, die Unsterblichkeitslehre mit dem christlichen Denken verschmolzen. — Philosophen in Ägypten: $ 42 schließt sich direkt an die Darlegungen des Ungenannten (Reimarus) im Fragment »Daß die Bücher des AT nicht geschrieben worden, eine Religion zu offen- _ baren« an. Dort vertritt Reimarus mit philologischer Sachkenntnis die Überzeugung, daß der Unsterblichkeitsglaube (d.h. die spätjüdische ‚ Auferstehungshoffnung, s. die vorige Anm.) überhaupt erst durch die Pharisäer der jüdischen Religion hinzugefügt worden sei. »Alle diese Veränderungen«, sagt Reimarus, »können wir keiner anderen Ursache zuschreiben, als daß die Juden durch ihre Gefangenschaft und Zer- ‚ streuung mehreren Umgang mit andern Völkern...Umgang mit den Weltweisen hatten und ihre Bücher lasen. Die Babylonier und Perser ‚als Herren der Juden waren wegen ihrer Weisheit berühmt, und be- sonders hatten die alten Perser eine ziemlich gesunde und reine Gottes- gelahrtheit; und wo jemals ein Regent zugleich ein großer Weltweiser gewesen, so ist es gewiß Cyrus. Ägypten, wo sich die Juden seit Alexandri M.(agni) Zeiten häufig aufhielten und große Freiheiten hatten, war eine alte, jetzt noch durch die Griechen verbesserte Schule ‚der Weltweisheit, wo alle Wissenschaften gelehrt wurden, wo Philo, \ Aristobulos und andere das ihrige erlernet.« 554 zu strafen: II. Mose 20, 5. — versammlet werden: vgl. I. Mose (35; 295 49, 33; V. Mose 32, 50. — und Jakobs: Gemeint ist Jesu Ant- wort auf die sog. »Sadduzäerfrage« (Mark. 12, 26 f parr.): »Habt ihr nicht gehört, wie Gott zu (Mose) sprach beim Dornbusch (= II. Mose 3,2 ff): »Ich bin der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs!« Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebenden.« Der Gedanke ist: Gott nennt sich als lebendiger nach den Erzvätern, also können auch diese nicht als tot gedacht werden. Die Art dieser Beweisführung ist rabbinisch. — abstrakten Wahrheiten in Allegorieen: d.h. die unan- schaulichen Wahrheiten in bildhafter Verkleidung. - Babel usw.: Inhalt der sog. »biblischen Urgeschichte« (I. Mose 1-11); es fehlt lediglich die Sintflutsage. Die Darstellung der Schöpfung unter dem Bilde des werdenden Tages (I. Mose 1, 3) stammt aus Herder »Die älteste Ur- kunde des Menschengeschlechts« (1774). — Tantologieen: (griech.) Dar- stellung der gleichen Sache durch mehrere gleichbedeutende Ausdrücke. Lessing scheint an den sog. »Parallelismus der Glieder«, vor allem in der Psalmendichtung, zu denken.

555 Rabbinen: jüdische Schriftgelehrte.

556 Unsterblichkeit der Seele: Im Gegensatz zu Reimarus (s: o.) sieht Lessing im Gedanken der »Unsterblichkeit« keine zeitgebundene, son- dern eine zeitlose Wahrheit, d. h. Christus eröffnet durch sein Auftre- ten, nach Lessing, nicht eine neue Existenzmöglichkeit jenseits des Todes, sondern er lehrt(!) eine Wahrheit, die immer schon vorhanden war (vgl. zu $ 71). — Person dieses Christus: Gemeint ist nicht Jesu historische Person, sondern ihre dogmatische Deutung i. S. der Gottes- sohnschaft. Vgl. zum ganzen $ 59 Lessings »Beweis des Geistes und der Kraft«.

694 Erläuterungen 557 weniger erheblich war: Wie im »Testament Johannis« so ordnet Lessing auch hier die praktisch-sittliche Seite des Christentums der theoretisch-dogmatischen über. - nach einiger Zeit aufbewahret fanden: Vgl. dazu Lessings Schrift »Neue Hypothese über die Evangelisten als bloß menschliche Geschichtschreiber betrachtet«.

558 Didaktik: (griech.) Unterrichtslehre. — geprediget, nicht...ge- lehret: $ 71 (vgl. $ 58) wird nur mit $ 70 zusammen verständlich. Von Hause aus ist die »Unsterblichkeit der Seele« keine Offenbarungswahr- heit, sondern eine Wahrheit der Vernunft. Freilich ist sie, »um sie ge- schwinder zu verbreiten«, schon »im Kindheitsalter des Menschenge- schlechts«, d. h. vor der Zeit, »unmittelbar offenbaret« worden. So wird sie als Offenbarung »geprediget«, obwohl sie ihrem Wesen nach dazu bestimmt ist, »als Resultat menschlicher Schlüsse gelehret« zu werden. Vernunft und Offenbarung verhalten sich aber für Lessing nicht im herkömmlich theologischen Sinne wie das Niedere zum Höheren, son- dern in Wahrheit gerade umgekehrt, wie Lessing es bereits in dem Fragment »Womit sich die geoffenbarte Religion am meisten weiß, macht mir sie gerade am verdächtigsten« (1778?) näher ausgeführt hatte. Denn dort wird der Satz, daß »die völlig ungezweifelte Ver- sicherung von der Unsterblichkeit der Seele« allein der »geoffenbarten Religion« zukomme, während uns die Vernunft nur »mit bloßen Wahrscheinlichkeiten« abspeise, genau auf den Kopf gestellt. Gerade die Glaubwürdigkeit der Offenbarung kann »nur höchstwahrscheinlich gemacht« werden. Mithin bleibt die »ungezweifelte Versicherung« der Unsterblichkeit der Vernunft vorbehalten. — auch des Neuen Testa- ments entbehren: Lessing meint freilich nicht einfach die neutesta- mentlichen Schriften, vielmehr greifen die in den folgenden Paragraphen gewählten drei Beispiele christlicher Glaubenssätze tatsächl c weit über den engeren Bereich des Neuen Testaments hinaus, sofern sie erst im Laufe der Dogmengeschichte zu Zentralpunkten der Kir- chenlehre herangewachsen sind. D. h. mit dem Neuen Testament zu- gleich wird auch jene erleuchtete Vernunft als »antiquiert« betrachtet, die ihr Licht von dort empfing, um es in das Neue Testament wieder hineinzutragen ($ 65), mit anderen Worten: das Zeitalter des »Neuen Bundes« überhaupt. — die Lehre von der Dreieinigkeit: Schriftgrund ist z.B. Matth. 28, 19. Es handelt sich um das von der Kirche des 4. Jahrhunderts errichtete Dogma von der Wesenseinheit bzw. Wesens- { gleichheit der drei göttlichen Personen, des Vaters, des Sohnes und des Hl. Geistes, vor und unabhängig von aller Schöpfung.

559 von Ewigkeit zeugt: $ 73 gehört zu den umstrittensten Außerun- gen Lessings. Als geistigen Vorläufer kann man zunächst Lessings (vor 1753) angefertigte "Aufzeichnungen über »Das Christentum der Ver- nunft« ansehen, wo es in $$ 4-6 und 13-14 heißt: »Gott kann sich nur auf zweierlei Art denken; entweder er denkt alle seine Vollkom- menheiten auf einmal, und sich als Inbegriff derselben; oder er denkt seine Vollkommenheiten zerteilt, eine von der andern abgesondert, und jede von sich selbst nach Graden abgeteilt. Gott dachte, sich von Ewigkeit her in aller seiner Vollkommenheit; das ist, Gott schuf sich von Ewigkeit her ein Wesen, welchem keine Vollkommenheit mangelte, Die Erziehung des Menschengeschlechts 695 die er selbst besaß. Dieses Wesen nennt die Schrift den Sohn Gottes oder, welches noch besser sein würde, den Sohn Gott...Gott dachte seine Vollkommenheit zerteilt; das ist, er schaffte Wesen, wovon jedes etwas von seinen Vollkommenheiten hat; denn um es nochmals zu wiederholen, jeder Gedanke ist bei Gott eine Schöpfung. Alle diese Wesen zusammen heißen Welt.« — Friedrich Heinrich Jacobi hat in den nach Lessings Tode veröffentlichten Mitteilungen über seine Ge- spräche mit Lessing im Sommer 1780 im $ 73 der »Erziehung« ein authentisches Zeugnis für Lessings späten »Pantheismus« (All-Gott- Lehre) spinozistischer Prägung erblicken wollen. Allein zu einem sol- chen Urteil reichen die Indizien im $ 73 nicht aus (vgl. hierzu vor al- lem H. Thielicke, Offenbarung, Vernunft und Existenz; Studien zur Religionsphilosophie Lessings, 3. Auft. 1957, S. 93 ff.). — Lehre von der Erbsünde: Schriftgrund ist Ps. 51,7 und Röm. ş, ı2. Für die Aufklä- rung und ihren Glauben an die Güte des Menschen war das Dogma von der Erbsünde, zumal in seiner Augustinisch-naturalistischen Zu- spitzung (Übertragung durch Zeugungsakt) mit der problematischste Punkt der christlichen Glaubenslehre. Ihren Höhepunkt erreichte die theologische Diskussion hierüber in den 7oer Jahren des 18. Jahrhun- derts (s. K. Aner, Die Theologie der Lessingzeit, S. 298). In $ 74 blickt Lessing noch einmal auf seine Auseinandersetzung mit Reimarus zu- rück. Gegen dessen These, daß »unsere ersten Eltern eben darum gefallen wären, weil sie ihrer Vernunft sich nicht bedient hätten«, hatte er sich bereits in den »Gegensätzen des Herausgebers« gewandt: »Mit einem Worte; die Macht der sinnlichen Begierden, unsrer dunkeln Vorstellungen über alle noch so deutliche Erkenntnis ist es, welche zur kräftigsten Anschauung darin gebracht wird...in dieser Macht allein liegt die Quelle aller unsrer Vergehungen, die dem Adam des göttlichen Ebenbildes unbeschadet, eben sowohl anerschaffen war, als sie uns angeboren wird. Wir haben in Adam alle gesündigt, weil wir alle sündigen müssen: und Ebenbild Gottes noch genug, daß wir doch nicht eben nichts anders tun, als sündigen; daß wir es in uns haben jene Macht zu schwächen, und wir uns ihrer eben sowohl zu guten als zu bösen Handlungen bedienen können.« Dies Argument liegt ganz auf der Linie, die Lessing auch in der Schrift »Von den ewigen Stra- fen« einhält. — Genugtuung des Sohnes: D. h. die dogmatische, im Abendland vor allem durch Anselm von Canterbury (f 1109) ausge- bildete Lehre von der stellvertretenden Genugtuung Christi in seinem Tode für die Sünde der Menschheit. Auch diese Grundlehre der Kirche wurde von der Neologie bestritten (s. K. Aner a.a.O. S. 285 ff.). - Das Wort Geheimnis: Lessing ist in diesem Punkt von der englischen Auf- klärung abhängig, insbesondere von dem berühmten Buch des Deisten John Toland »Christianity not mysterious« (Christentum ohne Ge- heimnis) von 1696, wonach die Offenbarung im Urchristentum nur so lange als »Geheimnis« galt, als sie noch in Gottes Ratschluß verborgen, also noch nicht »offenbart« war; ähnlich der deutsche Neologe Fr. Ger- manus Lüdke in seinem umfassenden Werk »Über Toleranz und Ge- wissensfreiheit« (1774). Freilich entspricht diese aufgeklärte Interpre- tation nicht dem neutestamentlichen Sachverhalt; denn dort wird das 696 Erläuterungen s >Geheimnis< durch »Offenbarung« nicht entschleiert, sondern selbst ver- kündet (vgl. z. B. I. Tim. 3, 16). — Ausbildung geoffenbarter Wahrheiten in Vernunflswahrheiten: Schon der englische Philosoph John Locke hatte in seinem Werk »Reasonableness of Christianity« (Vernunftge- mäßheit des Christentums) von 1695 die Offenbarung als volkstümliche | Erzieherin zu sittlicher Vernunft hingestellt.

s60 selbst nimmermehr gekommen wäre: Zwischen $ 4, wonach die Offenbarung dem Menschen grundsätzlich nichts gibt, »worauf die menschliche Vernunft, sich selbst überlassen, nicht auf kommen würde« | und $$ 77, wonach die Religion den Menschen »auf...Begriffe vom göttlichen Wesen...« leitet, »auf welche die menschliche Vernunft | von selbst nimmermehr gekommen wäre«, scheint ein flagranter Widerspruch zu bestehen. H. Thielicke hat diesen Widerspruch seiner | Arbeit über »Offenbarung, Vernunft und Existenz« (s. o.) zugrunde gelegt und auf die Formel gebracht, daß $ 4 nur von einer möglichen Vernunft rede, während $ 77 den tatsächlichen Befund darstelle (s. bes. | S. 134). Allein damit ist § 4 doch stark unterbelichtet. Die Schwierigkeit löst sich, wenn man $$ 4 und 77 in ihrer Stellung im Ganzen von Lessings Erziehungsschrift beachtet. Lessing stellt darin das herkömmliche Verhältnis von Vernunft und Offenbarung auf den Kopf | schlechts« geht nicht die Vernunft der Offenbarung, sondern die Offen- barung der Vernunft voran; denn sie hat den Zweck, den Weg, den die Vernunft — wenn auch auf jahrmillionenlangen Irrwegen ($$ 7 und 73) — schließlich von selbst finden würde, ganz erheblich abzukürzen ($$ 4 und 70). So kommt es, daß der Weg der »Erziehung« durch »Offenbarung« (vgl. $ 70-72) zunächst auf jene dogmatisch gebunde- nen Vernunfterkenntnisse führt, wie sie in $ 73-75 behandelt werden, »auf welche die menschliche Vernunft« — allerdings — »von selbst nim- mermehr gekommen wäre« (vgl. dazu W. v. Loewenich, Luther und Lessing, 1960, S. 16 Anm. 14). — um ihrer selbst willen zu lieben: Vgl.

Spinoza, Ethik V,42: Die Glückseligkeit ist nicht der Lohn der Tugend, sondern die Tugend selbst.

561 weil es das Gute ist: Vom »kategorischen Imperativ« Kants ist Lessings Einstellung insofern unterschieden, als das »Gute« hier — trotz Ablehnung des Verdienstdenkens — nach wie vor ein inhaltlich qualifizierter (daher auch von der Offenbarung her anerziehbarer) Be- griff ist, während Kant sein Ideal rein am formalen Imperativ der Pflicht entwickelt hat: »Handele so, daß die Maxime (d. h. der Grund- satz) deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.« — Elementarbüchern des Neuen Bundes: vgl. Offb. 14, 6. — Schwärmer des dreizehnten und vierzehnten Jahrhunderts: Anspielung auf die apokalyptischen Weissagungen des kalabrischen Abtes Joachim von Fiore (f 1202), der auf Grund typologischer Schriftauslegung zur Weissagung eines noch innerhalb der Geschichte bevorstehenden heilsgeschichtlichen Wendepunktes kam. Während das in 42 Generationen vorgestellte patriarchalische’Zeitalter den Raum des Alten Bundes umfaßt, bringt Christus das priesterliche Zeitalter des Neuen Bundes (kath. Kirche), welches um die Wende des Die Erziehung des Menschengeschlechts 697 ‚Jahres 1260 durch das dritte (mönchische) Zeitalter des hl. Geistes und des »ewigen Evangeliums« abgelöst. werden wird. Die Lehren Joachims wirkten weiter auf die Franziskaner-Spiritualen und ver- schiedene ketzerische Bewegungen des 14. Jahrhunderts. — antiquieret \werden müsse: d.h. als veraltet anzusehen sei. - Ökonomie: (griech.) Heilsplan.

562 Glaubt er wiederzukommen? Die im Abendland bis auf die Pytha- ‚goräer zurückgehende Lehre von der Metempsychose (Seelenwande- rung) war ein beliebtes Thema der Spekulation des 18. Jahrhunderts (vgl. vor allem das Werk von Charles Bonnet, »Id&es sur l’&tat futur des êtres vivants, ou Palingenesie philosophique«; d. h. Ideen über den ‚zukünftigen Zustand der Lebewesen oder philosophische Wiedergeburt, von 1769, ferner Herders 3 Gespräche »Über die Seelenwanderung« ivon 1781 und Goethes hierhergehörige Ansichten (s. dazu H. A. Korff, »Geist der Goethezeit« Bd. II, S. 66 ff.). Lessing scheint sich in den zoer Jahren stark mit der Seelenwanderung beschäftigt zu haben. In seinen Anmerkungen über J. H. Campes »philosophische Gespräche« (1778) heißt es: »Ist es denn schon ausgemacht, daß meine Seele nur einmal Mensch ist? Ist es denn schlechterdings so ganz unsinnig, daß ich auf meinem Wege der Vervollkommnung wohl durch mehr als eine Hülle der Menschheit durchmüßte. Vielleicht war auf diese Wan- ‚derung der Seele durch verschiedene menschliche Körper ein ganz neues eignes System zum Grunde? Vielleicht war dieses neue System kein andres, als das ganz älteste...« Ebenso beruft sich das kurz hernach entstandene Fragment »Daß mehr als fünf Sinne für den Menschen sein können« am Schluß abermals auf dies »älteste aller philosophi- schen Systeme...welches nicht allein schon Pythagoras und Plato, sondern alle Weisen des Orients gedacht haben.«