SigPhi · Gustav Theodor Fechner

Elemente der Psychophysik, Band 1

German

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barkeit kleiner sichtbarer Grössen vom Grunde sehr von Irradia- tionswirkungen mit abhängig sei. Dieser Einfluss wird jetzt nä- her zu erwägen sein. Wir fassen dabei unter Irradiation die von optischen Abweichungen und Beugung abhängige physische Licht- aushbreitung des Eindruckes auf der Netzhaut zusammen.

Bei allen Versuchen über die kleinste erkennbare Grösse oder Distanz geht man bis zu-einer solchen Kleinheit mit der Grösse oder Distanz herab, oder entfernt sich so weit von derselben, dass abgesehen von der Irradiation das Bild auf der Netzhaut sich zu einem Puncte oder einer Linie von einem ganz unerheblichen Durchmesser zusammenzieht, und im Allgemeinen hat man, bis auf Volkmann in seiner neueren Abhandlung über Irradiation *), den Durchmesser des kleinsten erkennbaren Bildes oder die kleinste erkennbare Distanz ohne Rücksicht auf Irradiation be- rechnet. Aber Volkmann’s feine Versuche, deren Resultate unten folgen, haben ausser Zweifel gestellt, dass selbst bei den besten undbestaccommodirten Augen eine merkbare und messbare Ausbreitung des Lichteindruckes durch Irradiation stattfindet; und hält man seine Data über die Grösse des Irradiationskreises bei möglichst deutlichem Sehen zusammen sei es mit seinen oder mit den Angaben anderer Beobachter über noch kleinste erkenn- bare Grössen, so findet man, dass der Durchmesser des Irradia- tionskreises zum Durchmesser der abgesehen von Irradiation be- rechneten Bilder der kleinsten erkennbaren Grössen (oder zu den kleinsten erkennbaren Distanzen) nicht nur ein sehr erhebliches Verhältniss gewinnt, sondern selbst denselben im Allgemeinen um Vieles übersteigt, wonach der Lichteindruck erheblich aus- gedehnter, zugleich aber vermöge der Zerstreuung schwächer sein muss, als ihn diese Berechnung für die kleinsten erkennbaren Grössen finden lässt.

In der That, nach Volkmann’s unten folgenden Messungen verbreitert sich der Rand eines in Glanzlicht erscheinenden Silber- fadens auf schwarzem Grunde nach der Seite des Schwarz hin um 0,0042 bis 0,0032 **) Mill. = 0,000532 bis 0,001418 Lin. in Min. und Max. von 6 Personen bei bestmöglicher Accommodation des Auges, und, wenn der Faden schwarz gegen einen hellen *) Berichte der sächs. Soc. 4858. S. 429. **) Als Hälfte des später angegebenen Werthes AR.

Mai m Due ZW a FD u ir ou an, A Hintergrund gesehen wird, um 0,0003 bis 0,00185 Mill., indess z.B. nach Hueck der Sehwinkel, unter dem ein weisser Strich auf schwarzem Grunde eben verschwindet, der also die Gränze der noch eben erkennbaren Strichbreite bezeichnet, 2 Sec. be- trägt, was 0,000445 Mill. auf der Netzhaut repräsentirt, Da nun nach der S, 252 gemachten Bemerkung die Ausdeh- nung der von physischen Umständen abhängigen Irradiation nicht init der Stärke des Lichtes wachsen kann, so wird das Licht eines intensiven und eines lichtschwachen Punctes dadurch über den- selben Raum ausgebreitet, aber der des lichtschwachen kann da- durch bis zur Unmerklichkeit gegen den Grund abgeschwächt werden, indess der des lichtstarken noch merklich dadurch bleibt.

Wenn überhaupt ein Lichtpunet nicht intensiv genug ist, um im Gentrum des Irradiationskreises noch um die Unterschieds- schwelle vom Grunde unterschieden zu sein, kann er nicht mehr erkannt werden. Wendet man einen schwarzen Punct auf weis- sem Grunde statt umgekehrt an, so machen sich analoge Betrach- tungen geltend, sofern die umgebenden Lichtpuncte sich durch Irradiation verdünnen, und den schwarzen Punet mit Licht über- laufen lassen, wodurch eben so eine Ausbreitung des schwarzen Punctes durch Irradiation unter Abschwächung seiner Schwärze entsteht, als eine Ausbreitung weisser Puncte auf schwarzem Grunde, wie diess Volkmann näher (a. a. O. S. 120) erörtert und durch Versuche belegt hat.

Bergmann*) bemerkt, dass die Puncte oder Linien, die man zu Versuchen über kleinste erkennbare Grössen verwendet, in grösster Entfernung sehr blass erscheinen, so dass das sich anstrengende Auge leicht irgend einen leichten Schatten damit verwechseln könne, und dass jedesmal, wenn man sich einer Gitterzeichnung aus millimeterbreiten schwarzen und weissen Streifen von der Distanz an, wo man sie zuerst erkannte, allmä- lig nähert, das Weiss an Reinheit, das Schwarz an Tiefe ge- winne. Diess sind Umstände, ‚die sich leicht daraus erklären, dass bei grösserer Entfernung als der deutlichen Sehweite die Ausbreitung des Lichtes durch die optischen Abweichungen wächst.

Wegen des grossen, und nach Vorstehendem leicht erklärli- * Henle und Pfeufer Zeitschr. II. F. Bd. II. S, 93. Fechner, Elemente der Psychophysik. 18 EEE WER en: hen, Einflusses, welchen die Intensität des Lichtes auf die Er- kennbärkeit sehr kleiner Grössen hat, hat man die Versuche über erkennbare kleinste Distanzen für geeigneter erklärt, die Schärfe des Raumsinnes zu prüfen*). Inzwischen ist der Einfluss der Ir- radiation hier nur complieirter, nicht fehlend. Wenn zwei helle Puncte oder Linien sich so nahe kommen, dass ihre Irradiations- kreise in einander eingreifen, und das Minimum der Helligkeit im Zwischenraume sich von dem Maximum im Centrum der ir- radiirenden Puncte nicht mehr um die Unterschiedsschwelle un- terscheidet, so können sie ebenfalls nicht mehr unterschieden werden. Auch hiebei findet erfahrungsmässig ein gewisser Ein- fluss der Intensität des Lichtes statt. Denn ich finde in Stein- heil’s photometrischer Abhandlung (p. 17) die Bemerkung, dass schwach geschwärzte Gläser einen überraschenden Erfolg in Be- zug auf das Trennen sehr naher Doppelsterne fussern; gestehe aber, aus den mir bekannten Verhältnissen der Irradiation diesen Einfluss nicht ableiten zu können. Denn es schiene mir, ‘unter Veraussetzung, dass durch wachsende Intensität die Ausdehnung des Irradiationskreises nicht wächst, das Verhältniss der Mini- mum- und Maximumordinate der Intensitäten dasselbe bei star- kem und schwachem Lichte bleiben zu müssen, was die Merk- lichkeit des Unterschiedes ungeändert lassen würde; mit Rück- sicht auf die zutretende Intensität des Grundes aber ein gewisser Vortheil der Unterscheidbarkeit bei stärkerer Intensität stattfinden zu müssen.

Das Vorige zusammengenommen, so geht hervor, dass die bisherigen Versuche über die kleinsten noch erkennbaren Grös- sen und Distanzen auf der Netzhaut nicht benutzbar sind, sichere Schlüsse über die Feinheit des Raumsinnes oder den Grad der extensiven Empfindlichkeit zu ziehen; so lange nicht die Frage, wie viel Antheil die Irradiation dabei hat, aufs Reine gebracht, und dieser Antheil eliminirt ist, und dass die Berechnung der Grösse der kleinsten Bilder auf der Netzhaut aus Grösse und Ent- fernung der Objecte und die Beurtheilung des Verhältnisses, in dem solche zu den letzten Elementen der Netzhaut stehen, illuso- risch und irrig ist, insofern die Irradiation nicht dabei berück- sichtigt wird. In dieser Beziehung schliesst Volkmann seine *, Weber, Berichte der sächs. Soc. 4853, 8. 444.

en ee E Abhandlung über Irradiation (p. 48) wie folgt: »Alle bisher ge- machten Angaben über die Grösse der kleinsten noch wahrnehm- baren Netzbilder sind merklich falsch, nämlich sämmtlich zu gross, indem die Rechnungen, auf welche sie sich stützen, den Einfluss der Irradiation unberücksichtigt lassen. « Es entsteht die Frage, ob der Einfluss der Dimensionen der Componenten auf die Merklichkeit ihres Unterschiedes ganz auf den Einfluss der Irradiation zurückkommt, was voraussetzen würde, dass er wit wachsender Vergrösserung bald seine Grünze findet.. Hierüber fehlt es leider noch an absichtlich auf den Ge- genstand gerichteten hinreichend durchschlagenden Versuchen. Nur einige, jedoch nicht besonders bezüglich darauf angestellte, Versuche Förster’s*) wüsste ich auf die Frage zu beziehen, welche zu ergeben scheinen, dass der Einfluss der Grösse auf die Merklichkeit wirklich über das hinaus geht, was auf Irradiation zu schreiben. Diese Versuche wurden so angestellt: »Ein in- nen geschwärzter, parallelepipedischer, ‚allseitig geschlossener Kasten von circa 36 Zoll Länge und ungefähr 8 Zoll Breite und Höhe bildet die dunkle Kammer ‚ in: welcher das zu beleuchtende Object aufgestellt wird. An dem einen quadratischen Ende des- selben befinden sich zwei runde Oeffnungen von 24 Zoll Gentrum- distanz für die Augen und daneben in gleicher Höhe eine grös- sere, 25 [lCentim. im Geviert haltende für die Lichtquelle. Letztere Oeflnung ist an der Innenwand des Kastens mit feinem weissen Kanzleipapiere überspannt, und in 44 Zoll Entfernung von ihr befindet sich eine (möglichst gleichmüässig brennend erhaltene) brennende Wachskerze**). Das so ‚erleuchtete Papierquadrat \ dient als Lichtquelle für die im Innern des Kastens an der Wand u vis-A-vis anzubringenden ‚Objeete.. Die Grösse der Lichtquelle wurde durch Diaphragmen (Kartenschienen mit Oeflnung) von bestimmten Dimensionen, welche dicht vor dieselbe gescho- ben. wurden, nach Belieben verändert.« Nun bemerkt der Verf. (p. 40): »Die schwächste Beleuch- tung, ‚welche erfoderlich ist zur. Distinetion von A—2 Centim. breiten und 5 Gentim, langen (mit der langen Seite senkrecht ge- stellten) schwarzen Rechtecken auf weissem Grunde (bei einer *, Ueber die Hemaralopie. 4857. p. 5. 10. **) 42 Stück per Pfund, 44” lang, #” im Durchmesser.

Entfernung von 12 par. Zoll = 32,5 Centim. vom Auge) wird re- präsentirt durch eine Grösse der Lichtquelle von 2—5 Qu.- Mill. Sinkt die Lichtquelle unter diese Zahl herunter, so müs- sen die Objecte bedeutend grösser sein. « Es lässt sich berechnen, dass das Bild eines 2 Gentim. brei- ten Streifen, bei dem angegebenen Augenabstande, 0,9 Mill. auf der Netzhaut beträgt, was den Werth der Irradiaton bei acceommo- dirten Augen nach den obigen Datis (S. 272) weit übersteigt. Wenn nun bei schwächerer Beleuchtung noch grössere Objecte sichtbar werden, so kann der Einfluss der Grösse nicht allein von der Ir- radiation abhängen. Indessen müssen doch ausgedehntere, spe- ciell auf den Gegenstand gerichtete, Versuche mit Abänderung der Grösse und absoluten Helligkeit noch gewünscht werden.

Mit allem Vorigen ist überhaupt nur behauptet, dass die bis- herigen Bestimmungen der kleinsten erkennbaren Grössen und Distanzen ohne Rücksicht auf die Irradiation keine triftigen sind, nicht aber behauptet, dass es keine von Irradiation unab- hängige Schwelle der Extension für das Auge gebe. Es mag zwar sein, dass die Extension eines Eindruckes auf der Netzhaut oder Haut beliebig sich verkleinern und doch noch eine Empfindung entste- hen könne, wenn nur ein lebendiges Nervenende getroffen wird und der Eindruck den intensiven Schwellenwerth übersteigt; aber damit ist noch nicht gesagt, dass dieser Eindruck wirklich als ein ausgedehnter, d. h. so empfunden werde, dass eine Mehrheit von Puncten darin unterscheidbar sei, wenn die Ex- tension des Eindruckes unter eine gewisse«Gränze fällt, so wie auch, was wesentlich damit zusammenhängt, dass eine Distanz beliebig klein auf der Netzhaut ausfallen und doch noch als Di- stanz empfunden werden könne, indem eine solche Empfindung die Unterscheidung zweier Gränzen und hiemit auch einer Mehr- heit von Puncten voraussetzt.

Es ist in der That eine in der Physiologie des Nervensystems jetzt allgemein als gültig angesehene Annahme, dass Eindrücke nur unterscheidbar sind, sofern sie auf verschiedene Empfin- dungskreise gemacht werden, wenn unter Empfindungskreis das Ende oder im Falle der Verzweigung die Gesammtheit der En- den einer Primitivnervenfaser verstanden wird. Ein Empfin- dungskreis, sei er einer unverzweigten oder verzweigten Faser angehörig, hat aber nothwendig einen gewissen Durchmesser, und hienach können Eindrücke, die auf denselben Empfindungs- kreis neben einander fallen, nicht mehr unterschieden werden. Im Gebiete des Gesichts scheint nun freilich der experimentale Nachweis, dass dem wirklich so sei, unübersteiglichen Schwie- rigkeiten zu unterliegen, weil der Irradiationskreis eines Licht- punctes stets grösser als der Durchmesser eines Empfindungs- kreises sein dürfte; aber wir dürfen hiebei mit auf die Haut, das «ler Netzhaut analoge, Organ für extensive Empfindung hinüber- blicken. Zwar spielt die Irradiation auch bei den Tastversuchen eine Rolle, sofern sich der Druck einer berührenden Spitze noth- wendig auf die Nachbarstellen mehr oder weniger überpflanzen muss. Aber weder ist es möglich, das von Weber beobachtete Verfliessen zweier 30 Lin. von einander entfernten Zirkelspitzen auf Rücken, Oberarm und Oberschenkel in einen einzigen Ein- druck, noch die zwischen verschiedenen Hauttheilen in Betrefl der eben merklichen Distanz beobachteten Verschiedenheiten hie- von abhängig zu machen. Die Analogie der extensiven Empfin- dungsverhältnisse der Netzhaut mit der Haut ist aber durch We- ber nach anderer Beziehung zu gut festgestellt, als dass wir zwei- feln dürften, sie werde sich auch hier geltend machen.

Das Bisherige lässt erkennen, dass zur Beurtheilung und Deutung der Versuche über unseren Gegenstand einerseits die Kenntniss der absoluten Grösse der Irradiation wichtig ist, die bei bestmöglicher Accommodation des Auges vorkommen kann, an- dererseits die Kenntniss, welche Netzhautelemente man als Re- präsentanten der Empfindungskreise anzusehen Grund hat, und welche Dimensionen sie haben. In erster Hinsicht lasse ich ein- schaltungsweise die Resultate folgen, die Volkmann an sich und einigen anderen Personen erhalten hat; in letzter Beziehung bemerke ich kurz, dass mit vorwiegender Wahrscheinlichkeit jetzt die sogenannten Zapfen als die empfindungspereipirenden Netzhautelemente angesehen werden, und dass nach Kölliker’s Messungen der Durchmesser eines Zapfens am gelben Flecke, wo das deutlichste Sehen stattfindet, 2—3 Tausendtel Linien be- trägt. Bergmann*) fand bei einer Messung an der Fovea lutea nach aussen die kleinere dieser Angaben bestätigt.

*, Henle und Pfeufer Zeitschr. III. F. I. B.-S. 37.

er es 2 « Volkmann’s Versuche über Irradiation*).

Silberfäden von 0445 Mill. Durchmesser aus folgender deutlichster Seh- weite S,(in Millim.) ins Auge gefasst, gaben, je nachdem sie a) als schwarze Fäden gegen einen lichten Hintergrund, wie den Himmel, oder b) bei auf- fallendem Glanzlichte als weisse Fäden gegen einen schwarzen Hintergrund erschienen, im Mittel der folgenden Zahl Z Versuche, von denen die erste Zahl auf a), die zweite auf b) geht, Irradiationskreise von folgendem Durchmesser R ın Millimetern.

Beobachter — lm A. W. Volkmann (Verfasser). Dessen Sohn Otto V., 23 Jahre, gute Dessen Sohn, Edmund Y., "3 d., gute, sehr geübte Augen.." 45! 48/850 E. Appel, Student, sehr scharfe Junges Mädchen, 161., 4 sehr kurzsichtig, sonst gute Augen.. 40. 45. 1442,5%%*) Volkmann bemerkt, dass er ausser den Versuchsreihen, deren Re- sultate hier mitgetheilt sind, noch viele (gelegentlich von ihm veranlasste) einzelne Beobachtungen von den Professoren Knoblauch, Hankel, Rue- te, Czermak u. A. besitze, welche alle entsprechende Resultate (d. h. einen Beweis vorhandener Irradiation) geliefert. Diese Resultate wurden wie folgt gewonnen. Der Beobachter bringt das mikrometrische Instrument, von dem $. 220 die Rede war, mit parallelen Silberfäden von 0,0445 Mill. Durchmesser in die Entfernung vom Auge, in welcher er die Fäden am schärfsten sieht, und sucht durch Drehung der Schraube den parallelen Fä- den eine Distanz zu geben, welche dem Durchmesser der Fäden gle kommt. Es zeigt sich aber, dass er jedesmal die Distanz viel grösser her- stellt, als dem wirklichen Durchmesser der Fäden entspricht, weil dieser Durchmesser durch die Irradiation verbreitert erscheint. Diess ergiebt sich auf Rechnungswege so: Man kann mit; Rücksicht auf das Datum, dass der Kreuzungspunct der Richtungslinien in der Axe des Auges 9 Mill. hin- ter dem vordersten Puncte der Hornhaut, und 45 Mill. vor der Netzhaut liegt, nach der Entfernung der Mikrometerfäden vom Auge und ihrer ge- *) Berichte der sächs. Soc. 1858. $. 129, *#*) a) gab bei Heidenhain keine gleichförmigen, daher nicht ange- führten, Resultate; doch war die Mehrzahl der Versuche der Annahme statt- findender Irradiation nicht günstig, was Volkmann als einen Ausnahme- fall bezeichnet, der ihm nicht wieder vorgekommen.

genseitigen Distanz nicht nur den Durchmesser 2r des Netzhautbildes jedes Mikrometerfadens, sondern auch die Entfernung &. der Axe des einen Drahtes von der des anderen im Netzhautbilde, abgesehen von der Zerstreuung durch die Irradiation, berechnen; wonach sich durch eine einfache Betrach- tung für den, beim Versuche verwirklichten, Fall, dass die Distanz ö zwischen den verbreiterten. Drahtbildern dem Durchmesser 29 eines verbreiter- ten Drahtbildes gleich erscheint, der Durchmesser eines Irradiationskreises fand Volkmann im Mittel von 39 Versuchen eine helle Distanz = 0,207 Mill., dem dunklen Faden von 0,0445 Mill. Breite in einer Entfernung des Auges = 333 Mill. gleich erscheinend, wonach n- = 2%, = 0,0055 Mill.; 2r = 0,00499 Mill., und folglich -® an 2r = 0,0035 Mill. Zur Controle stellte Volkmann noch 40 Verkacnk so an, dass er die Distanzzwischen den Fäden scheinbar doppelt so gross herzustellen suchte, als den Durchmes- ser der Fäden. Nach. dem Ergebnisse der vorigen Versuche lässt sich be- rechnen (p. 444), dass diese Distanz 0,328 Mill, betragen sollte, womit das aus den 40 Versuchen hervorgehende mittlere Resultat 0,337 Mill. merklich übereinstimmte; was beweist, dass diese Versuchsweise Zutrauen verdient.

Noch verdienen folgende Puncte Beachtung: Die Irradiation verhält sich verschieden in verticaler und horizontaler Richtung. Wenn Volkmann die Drähte bei horizontaler Lage aus derselben Entfernung betrachtete, als in vorigen Versuchen bei perpendicularer, so: war das Bild im höchsten Grade undeutlich, so dass er eine schwache Convexbrille zuziehen musste, um noch dieselbe Sehweite 333 Mill. beizubehalten, wo sich bei lichtem Hintergrunde im Mittel von 40 Beobachtungen ein Durchmesser des Irra- diationskreises = 0,0047 Mill. ergab, statt dass er (ohne Brille) bei perpen- diculärer Lage nur 0,0035 Mill, war: Die Speecification der 5 Versuchstage bei der a-Meihode mit Rücksicht auf Helligkeit ergab für Volkmann folgende Distanzen D zwischen ‚den Mikrometerfäden, bei welchen scheinbare Gleichheit mit dem Dralitdurchmesser stattfindet (die unten an D angehängte Zahl bedeutet die Zahl der Versuche): 1} A. Versuchstag (ohne Angabe) D, = 0,1897 2. Tag, trübes Wetter...D,. = 0,2271 3. Tag, heller Himmel...D,, = 0,2153 4. Tag, sehr heller Himmel. D,, = 0,2074. Heidenhain’s Versuche nach der Methode b) gaben am 2. Tag, sehr helles Licht. Di, = 0,188.

Ein bestimmter Einfluss des Beleuchtungsgrades ergiebt sich nicht hieraus.

Specialbestimmungen über kleinste erkennbare Grössen.

Wenn schon nach Vorigem die bisherigen Bestimmungen über die kleinsten erkennbaren Grössen und Distanzen nicht geeignet erscheinen, reine Resultate irgendwelcher Art ziehen zu lassen, sind sie doch insofern wichtig, als sie theils eine Gränze bestim- men, unter welche jedenfalls die Leistungsfähigkeit des Auges nicht reicht, theils ein praktisches Interesse haben; daher eine Zusammenstellung darüber nicht unwillkommen sein dürfte.

Leider freilich zeigt diese Zusammenstellung nur eine geringe Uebereinstimmung der von verschiedenen Beobachtern erhaltenen Ergebnisse. Und da der prekäre Werth, der sich ihnen hienach nur beilegen lässt, völlig verschwinden würde, wenn nicht die Um- stände der Beobachtung genau specificirt würden, so’ gebe ich so viel thunlich dieselben mit den eigenen Worten der Beobachter wieder.

Insofern es dabei gilt, Gesichtswinkel in Grössen auf der Netzhaut zu übersetzen, oder umgekehrt, ist unter Zugrundele- gung von Listing’s Bestimmungen, der Abstand des Kreuzungs- punctes der Hauptstralen von der Netzhaut = 15,1774 Mill. = 6,735 par. Lin., und von der Hornhaut = 7,4696 Mill. = 3,315 par. Linien angenommen, und hienach für 1 Sec. Sehwinkel 0,00007357 Mill. oder 0,00003265 par. Lin. substituirt.

Fast am häufigsten findet man folgende Angabe in Smith’s Optik benutzt, die ich hier nach der mir zu ‚Gebote stehenden französischen Uebersetzung seines Werkes (T. I. p. 40) mittheile: »Le Dr. Hook nous assure que l’oeil le plus subtil ne peut pas bien distinguer une distance dans le ciel, comme une tache dans le corps de la lune, ou la distance de deux &toiles, qui com- prend dans l’oeil un angle moindre qu’une demi-minute (Voyez ses remarques sur Ja machine celeste d’Hevelius p. 8). Si l’angle n’est pas plus grand, les etoiles paraitront A l’oeil nud, comme une seule 6toile. J’ai assiste A une experience oü l’un de mes amis qui avait les meilleurs yeux de la compagnie, pouvait ä peine distinguer un cercle blanc sur un fond noir, ou un cerele noir sur un fond blanc ou oppos® A la lumiere du jour, lorsqu'il com- prenait dans son oeil un angle moindre que les deux tiers d’une minute; ou ce qui revient au m&me, lorsque sa distance ä l’oeil aa ai rn aan DZ a surpassait 5156 fois son propre diametre; ce qui s’accorde assez avec l’observation de Dr. Hook.« Tobias Mayer*) giebt das Resultat mehrerer Versuche wie folgt an: »Prima 'experimenta facta sunt in loco umbroso, apertis fe- nestris a sole tum meridiano aversis; objectis atramento sinico, Tusche vocant, in charta plana et albissima pietis. 4) Punctum nigrum, rotundum, diametri 4 lineae Paris. oculo myope, sed con- venienti lente munito spectatum, cum distaret oculus 10 pedes Parisienses, adhuc satis bene distingui poterat. In distantia 12 pedum dubie videbatur, in distantia vero 13 pedum jam prorsus evanuerat. — 2) Simile punctum, sed cujus diameter 0,44 lineae, adhuc videbatur distante oculo 44% pedes; distante autem eodem 17 pedes, vix vestigium ejus adparebat, sicut remoto oculo ad 48 pedum distantiam omnino evanuerit. — 3) Punctum aliud dia- metri 0,66 lin. cernebatur adhuc in distantia 244 pedd., aegerrime autem ac dubie in distantia 26 pedd. et oculo paulo plus remoto nihilum ejus spectari potuit. « Nach Erzählung noch mehrerer Versuche mit Gitterfiguren, von denen unten die Rede sein wird, fügt er hinzu: »Puncta et figurae, quae in superioribus adhibitae sunt, quamvis luce solis aestivi et meridiani, atque adeo fortissima collustrata, in iisdem tamen quam proxime distantiis, sub quibus supra, ineipiebant confusa apparere; discrepantia certe, si qua erat, repelito saepius experimento modo majores distantias, modo minores arguere videbatur. « Dieses Resultat, dass der Beleuchtungsgrad keinen Einfluss auf das Erkennen der Puncte habe, steht freilich in entschiede- nem Widerspruche mit dem unten folgenden Resultate von Pla- teau’s Versuchen.

Wenn man den Abstand des Auges, welcher nach Mayer’s Ausdrucke (p. 104) die Puncte bei den drei Versuchen e conspe- ctu eripere vermochte, mit ihm respectiv 12,17 und 26 Fuss setzt, so war der Durchmesser des Bildes im Auge hiebei respectiv 0,000973; 0,001126 und 0,001186 par. Lin.; der Sehwinkel 30, 35, 36 Secunden, also bei diesen verschiedenen Distanzen merk- lich gleich gross.

*) Comment. Soc. sc, Gotting. T. IV. 4754. p. 40.

E RR Plateau*) berücksichtigte bei seinen Versuchen zugleich Farbe und Beleuchtungsgrad. Kleine farbige Papierscheiben von 4 Gentimeter waren an einer im Freien vertical aufgestellten Tafel befestigt. Von diesen entfernte sich Plateau successiv so, weit, bis die farbige Scheibe nur noch als eine kleine, kaum wahrnehm- bare, Wolke erschien, und einige Schritte weiter vollständig ver- schwand, mass hierauf die Entfernung von den Gegenständen und berechnete danach den Gesichtswinkel. Die Resultate in zwei Fällen waren folgende: Im Schatten. Im Sonnenscheine.

Blau 5 26” der Unterschied, den die Farbe hiebei macht, beruht Br lich nur auf ihrem verschiedenen Helligkeitsgrade.

‚Hueck **) stellte Versuche in folgender Art an: ein deutlich gesehener Punct wird von einem normal gebildeten Auge scharf fixirt; allmälig entfernt sich der Beobachter von dem Objecte, bis dieses verschwindet, und die Tafel, auf welcher sich der Punet oder Strich befindet, durchaus rein eRschhine” »Aus mehreren hundert, von verschiedenen Individuen ‚ange- stellten, Beobachtungen ergab sich nun, dass ein weisser nicht glänzender Punct auf schwarzem Felde bei 40 Sec. Sehwinkel verschwindet, « was 0,00033 par. Lin. oder 0,00074 Mill. auf der Netzhaut entspricht. Ein weisser Strich auf schwarzem Felde | wird nach ihm noch unter 2 Sec. Sehwinkel gesehen; hingegen fand sich der Sehwinkel, unter welchem schwarze Puncte auf weissem Felde verschwinden, 20 Secunden. Ersteres entspricht 0,0000652 par. Lin. oder 0,0001470 Mill., letzteres dem A0fachen bievon auf der Netzhaut. Näheres über die Zahl der Versuche und den Grad der Uebereinstimmung, welcher dabei erhalten wurde, ist bezüglich letzterer Angabe nicht. mitgetheilt. Auch über die Beleuchtungsverhältnisse bei den Versuchen ist nichts gesagt. Volkmann***) vermochte einen einfachen Spinnefaden bis a auf eine Entfernung von 24 Zoll, und eine andere von ihm zur Beobachtung veranlasste Person denselben Faden bis auf 22 Zoll Entfernung wahrzunehmen. Ein 0,002 Zoll dickes Haar er- kannte Volkmann) auf 30 Zoll Weite. Ein Schüler Bär’ s:er- kannte**) ein Haar von - Dicke noch in einer Entfernung von 28 Fuss.

Ausführlichere Angaben mit manchen interessanten Neben- bestimmungen giebt Ehrenberg***), welche ich bisber selten berücksichtigt finde. Sie beziehen sich nicht auf Beobachtungen mit abgeänderten Entfernungen des Auges, sondern auf die deut- lichste Sehweite (nach Ehrenberg 4—6Zoll), bei der überhaupt sehr kleine Objecte erkennbar sind. Ich theile sie hier mit sei- nen Worten mit: »Bei der vielfachen Gelegenheit — sagt er — welche ich hatte, wissbegierige Leute zu beobachten, denen es angenehm war, die wunderbare Structur der Infusorien durch eigene Be- trachtung bei mir kennen zu lernen, fand ich zu meiner Verwun- derung die Verschiedenheit der Sehkraft der einzelnen bei Wei- tem übereinstimmender, als ich es erwartete und als man gemei- niglich ausspricht. Hatte ich einmal den so zarten Gegenstand in den richtigen Sehpunet des Instruments (Microscops) eingestellt, oder hatte ich die blossen Augen auf ein sehr kleines Object auf- merksam gerichtet, so sahen 15—20 Personen, welchen ich zu- weilen gleichzeitig diese Dinge demonstrirte, vollkommen gleich und mit gleicher Klarheit dasselbe, was ich selbst sah; selten nahmen sie eine andere, höchst unbedeutend verschiedene Ent- fernung des Objects vom Auge nach ihrem Bedürfnisse. Um ganz sicher zu sein, nicht durch Höflichkeit oder Scham von solchen getäuscht zu werden, die etwas nicht zu sehen nicht gern einge- stehen wollen, habe ich oft die gesehenen Gegenstände von den Beobachtern aufzeichnen, oder mir umständlich beschreiben las- sen, wodurch ich mit Ueberzeugung erfuhr, dass sie vollkommen dasselbe und eben so scharf sahen, was ich gesehen hatte, und meistens ohne dass es im ersteren Falle nöthig war, das Microscop zu verändern. Diese an einer grossen Zahl von Personen mit den *) Wagner’s Wört. Art. Sehen, S. 331. **) Nach einer Angabe von Volkmann in s. Art. Sehen $. 331, r un E verschiedensten Sehweiten aufmerksam fortgesetzte Beobachtung machte mir wahrscheinlich, dass es eine ziemlich feste allgemeine Gränze für das Sehvermögen des ungetrübten und gesunden menschlichen Auges gebe, welche einen Schluss auf die höchste Kraft der Mieroscope erlauben müsse. Ich stellte hierauf viele Beobachtungen an, um auszumitteln, in wie weit die Differenzen myopischer und presbyopischer Augen auf den allgemeinen Aus- druck jener Kraft einen Einfluss haben, und habe mich vielfach überzeugt, dass die nicht seltene Meinung, als sähen myopische Personen mehr oder schärfer als andere, ungegründet ist. Das Resultat meiner Erfahrung ist ein Doppeltes: 4) Es scheint eine Normalkraft für das Auge der Menschen in Rücksicht auf das Sehen der kleinsten Theile zu geben, und die Abweichungen von derselben scheinen viel seltener zu sein, als man gewöhnlich glaubt, Es kann nur von solchen die Rede sein, die in irgend einer Entfernung überhaupt deutlich zu sehen vermögen. Unter mehr als 100 Personen, die ich beobachtet habe, waren die in den ge- wöhnlichen Sehverhältnissen am schärfsten sehenden nicht fähig, mehr zu unterscheiden, als ich selbst sah, und die sich für schwachsichtig oder fernsichtig haltenden waren gewöhnlich fä- hig, dasselbe zu sehen, was ich sah, nur bedurften sie einer be- stimmteren Anweisung und besonders beim Sehen mit blossem Auge meist einer etwas grösseren Annäherung oder Entfernung des Gegenstandes von ihrem Auge als ich.

2) Die kleinste für das natürliche menschliche Auge gewöhn- lich erreichbare [_]Grösse beträgt sowohl für die weisse Farbe auf schwarzem Grunde, als für die schwarze Farbe auf weissem oder lichthellem Grunde „4, einer pariser Linie im Durchmesser. Mög- lich ist noch, durch grösste Lichtcondensirung und Spannung der Aufmerksamkeit die Grössen zwischen „' und „4% einer Linie, aber nur ohne Schärfe und zweifelhaft zu erkennen *) Diess ist die Gränze der Kraft des natürlichen menschlichen Auges für farbige Körper, die jeder leicht, wie ich sie geprüft