SigPhi · Immanuel Kant

Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels

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LIBRARY OF THE UNIVERSITY OF ILLINOIS AT URBANA-CHAMPAIGN K135a 2 5 0 alas Allgemeine Naturg eſchichte un nd ben des Himmels, oder | u Verf un, Verfaſſung und dem mechanift chen Urprunge ganzen Weltgebaͤudes nach n Newtoniſchen Grundſaͤtzen abgehandelt von Ei Immanuel Kant.

Neue Auflage, 98 f 7 mit des Herrn Verfaſſers eignen neuen Berichtigungen n bei Wilhelm Webel. 1 KORB: I Pr VVV Boer e dee y Ich habe einen Gegenſtand gewaͤhlt, welcher ſowohl von Sei⸗ ten ſeiner innern Schwierigkeit, als auch in Anſehung der Reli⸗ gion einen großen Theil der Leſer gleich anfaͤnglich mit einem nachtheiligen Vorurtheile einzunehmen vermoͤgend iſt. Das Syſte⸗ matiſche, welches die großen Glieder der Schoͤpfung in dem gan⸗ zen Umfange der Unendlichkeit verbindet, zu entdecken, die Bil⸗ dung der Weltkoͤrper ſelbſt und den Urſprung ihrer Bewegungen aus dem erſten Zuſtande der Natur durch mechaniſche Geſetze her zuleiten: ſolche Einſichten ſcheinen ſehr weit die Kraͤfte der e menſch⸗ lichen Vernunft zu uͤberſchreiten. Von der andern Seite droht die Religion mit einer feyerlichen Anklage uͤber die Verwegenheit, da man der ſich ſelbſt uͤberlaſſenen Natur ſolche Folgen beyzumeſ⸗ ſen ſich erkuhnen darf, darinn man mit Recht die unmittelbare Hand des hoͤchſten Weſens gewahr wird, und beſorgt in dem Vorwitze ſolcher Betrachtungen eine Schugrede des Gotteslaͤugners anzus treffen. Ich ſehe alle dieſe Schwierigkeiten wohl und werde doch nicht kleinmuͤthig. Ich empfinde die ganze Staͤrke der Hinderniſſe die ſich entgegen ſetzen und verzage doch nicht. Ich habe auf eine geringe Vermuthung eine gefaͤhrliche Reiſe gewagt, und erblicke 8 ſchon die Vorgebuͤrge neuer Laͤnder. Diejenigen, welche die Herz⸗ A haftigkeit haben, die Unterſuchung fortzuſetzen, werden fie betre⸗ ten und das a haben, dieſelbe mit ihren Namen zu be⸗ zeichnen. Ich habe nicht A den Anſchlag auf dieſe Bee ge⸗ faßt, als bis ich mich in Anſehung der Pflichten der Religion in N Sicherheit geſehen habe. Mein Eifer iſt verdoppelt worden, als | ich bey jedem Schritte die Nebel ſich zerſtreuen ſahe, welche hinter ihre Dunkelheit Ungeheuer zu verbergen ſchienen und nach deren Zertheilung die Herrlichkeit des hoͤchſtens Weſens mit dem lebhaf⸗ TA nn‘ r teſten Glanze hervor brach. Da ich dieſe Bemühungen von aller Straͤfl ichkeit ſrey weiß, fo will ich getreulich anführen, was wohl⸗ geſinnte oder auch ſchwache Gemuͤther in meinem Plane anſtoͤßig finden koͤnnen, und bin bereit es der Strenge des rechtglaͤubigen Areopagus mit einer Freymuͤthigkeit zu unterwerfen, die das Merkmal einer redlichen Geſinnung iſt. Der Sachwalter des Glau— bens mag demnach ſeine Gruͤnde zuerſt hoͤren laſſen. Wenn der Weltbau mit aller Ordnung und Schoͤnheit nur eine Wirkung der ihren allgemeinen Bewegungsgeſetzen überlaſſenen Materie iſt, wenn die blinde Mechanik der Naturkraͤfte ſich aus dem Chaos fo herrlich zu entwickeln weiß und zu ſolcher Vollkom⸗ menheit von ſelbſt gelangt; ſo iſt der Beweis des goͤttlichen Ur⸗ hebers, den man aus den Anblick der Schoͤnheit des Weltgebaͤu⸗ des zieht, voͤllig entkraͤftet, die Natur iſt ſich ſelbſt genugſam, die goͤttliche Regierung iſt unnoͤthig, Epikur lebt mitten im Cbri⸗ ſtenthume wieder auf, und eine unheilige Weltweisheit tritt den Glauben unter die Fuͤße, weicher ihr ein helles Licht darreicht, ſie zu erleuchten. Wenn ich dieſen Vorwurf gegruͤndet faͤnde, ſo iſt die Ueberzeu⸗ gung, die ich von der Unfehlbarkeit görtlicher Wahrheiten habe, bey mir ſo vermoͤgend, daß ich alles was ihnen widerſpricht, durch ſie fuͤr genugſam widerlegt halten und verwerfen wuͤrde. Allein eben die Uebereinſtimmung, die ich zwiſchen meinem Syſteme und der Religion antreffe, erhebt meine Zuverſicht in Anſehung aller Schwierigkeiten zu einer unerſchrocknen Gelaſſenheit.

Ich erkenne den ganzen Werth derjenigen Beweiſe, die man aus der Schoͤnheit und vollkommenen Anordnung des Weltbaus zur Beſtaͤtigung eines hoͤchſt weiſen Urhebers zieht. Wenn man nicht aller Ueberzeugung muthwillig widerſtrebt, ſo muß man un⸗ widerſprechlichen Gruͤnden gewonnen geben. Allein ich behaupte: daß die Vertheidiger der Religion dadurch, daß fie ſich dieſer Gründe auf eine ſchlechte Art bedie⸗ nen, den Streit mit den Naturaliſten verewigen, indem ſie ohne Noth denſelben eine ſchwache ae darbieten.

Man iſt gewohnt die Uebereinſtimmungen, die Schönheit, die Zwecke, und eine vollkommene Beziehung der Mittel auf dieſel⸗ . o rede. 5 be in der Noatut zu bemerken und herauszuſtreichen. Allein in⸗ dem man die Natur von dieſer Seite erhebt, ſo ſucht man fi ie alle derer Seits wieder zu verringern. Dieſe Uebereinſtimmung, ſagt man, iſt ihr fremd, fie wuͤrde, ihren allgemeinen Geſetzen uͤber⸗ laſſen, nichts als Unordnung hervorbringen. Die Uebereinſtim⸗ mungen zeigen eine fremde Hand, die eine von aller Regelmaͤſig⸗ \ 4% keit verlaſſene Materie in einen weifen plan zu zwingen gewußt 735 hat. Allein ich antworte: wenn die allgemeinen Wirkungsge⸗ ſetze der Materie gleichfalls eine Folge aus dem hoͤchſten Eutwurfe ‚find, fo koͤnnen fie vermuthlich keine andere Beſtimmungen haben, als die den Plan von ſelbſt zu erfuͤllen trachten, den die höchfte Weisheit ſich vorgeſetzt hat; oder wenn dieſes nicht iſt, ſollte man nicht in Verſuchung gerathen zu glauben „daß wenigſtens die Materie und ihre allgemeinen Geſetze unabhängig wären, und daß die hoͤchſtweiſe Gewalt, die ſich ihr ſo ruͤhmlichſt zu bedienen gewuſt hat, zwar groß, aber doch nicht unendlich zwar mach: tig, aber doch nicht allgenugſam ſey.

Der Vertheidiger der Religion beſorgt: daß diejenigen uebet⸗ einſtimmungen, die ſich aus einem natuͤrlichen Hange der Mate⸗ rie erklären laſſen, die Unabhängigkeit der Natur von der goͤttli⸗ chen Vorſehung beweiſen duͤrften. Er geſteht es nicht undeut⸗ lich: daß, wenn man zu aller Ordnung des Weltbaues natuͤrliche Gruͤnde entdecken kann, die dieſelbe aus dem allgemeinſten und weſentlichen Eigenſchaften der Materie zu Stande bringen koͤn⸗ nen, ſo ſey es unnoͤthig, ſich auf eine oberſte Regierung zu be⸗ rufen. Der Naturaliſt findet ſeine Rechnung dabey, dieſe Vor⸗ ausſetzung nicht zu beſtreiten. Er treibt aber Beyſpiele auf, die die Fruchtbarkeit der allgemeinen Naturgeſetze an vollkommen ſchoͤnen Folgen beweiſen und bringt den Rechtglaͤubigen durch ſolche Gründe in Gefahr, welche in deſſen Händen zu unüber- windlichen Waffen werden koͤnnten. Ich will Beyſpiele anfüh⸗ ren. Man hat ſchon mehr malen es als eine der deutlichſten Pro⸗ ben einer guͤtigen Vorſorge, die für die Menſchen wacht, ange fuͤhrt: daß in dem heiſſeſten Erdſtriche die Seewinde gerade zu einer ſolchen Zeit, da das erhizte Erdreich am meiſten ihrer Ab⸗ kuͤhlung bedarf, gleichfan gerufen, über, das Land ſtreichen und es erquicken. Z. E. In der Inſel Jamaica, ſobald die Sonne En S ede eo hoch gekommen iſt, daß ſie die empfindlichſte Hitze auf das Er. reich wirft, gleich nach 9 Uhr Vormittags, faͤngt ſich an aus dem Meere ein Wind zu erheben, der von allen Seiten über das Land weht; ſeine Staͤrke nimmt nach dem Maaße zu, als die Hohe der Sonne zunimmt. Um 1 Uhr nachmittags, da es natürlicher Weiſe am heiſſeſten iſt, iſt er am heftigſten und laͤßt wieder mit der Erniedrigung der Sonne allmaͤhlich nach, ſo daß gegen Abend eben die Stille als bey dem Aufgange herrſcht. Ohne dieſe er⸗ wünſchte Einrichtung wuͤrde dieſe Inſel unbewohnbar ſeyn. Eben dieſe Wohlthat genießen alle Küften der Länder, die im heiſſen Erdſtriche liegen. Ihnen iſt es auch am noͤthigſten, weil, da ſie die niedrigſten Gegenden des trockenen Landes find, auch die groͤ⸗ ſte Hitze erleiden; denn die hoͤher im Lande befindlichen Gegen⸗ den, dahin dieſer Seewind nicht reicht, find feiner auch weni⸗ ger benoͤthigt, weil ihre höhere Lage fie in eine kuͤhlere Luftge⸗ gend verſetzt. Iſt dieſes nicht alles ſchoͤn, ſind es nicht ſichtbare Zwecke, die durch kluͤglich angewandte Mittel bewirkt worden? Allein zum Widerſpiel muß der Naturaliſt die natürlichen Urſa⸗ chen davon in den allgemeinſten Eigenſchaften der Luft antreffen, ohne beſondere Veranſtaltungen deswegen vermuthen zu durfen. Er bemerkt mit Recht, daß dieſe Seewinde ſolche periodiſche Be⸗ wegungen anſtellen muͤſſen, wenn gleich kein Menſch auf ſolcher Inſel lebte, und zwar durch keine andere Eigenſchaft, als die der Luft, auch ohne Abſicht auf dieſen Zweck, blos zum Wachs⸗ thum der Pflanzen unentbehrlich vonnoͤthen iſt, nehmlich durch ihre Elaſticitaͤt und Schwere. Die Hitze der Sonne hebt das Gleichgewicht der Luft auf, indem ſie diejenige verdünnt, die uͤber dem Lande iſt, und dadurch die kuͤhlere Meersluft veranlaßt, ſie aus ihrer Stelle zu heben und 1 Platz en ee Was fuͤr einen Nutzen bab nicht die Winde überhaupt zum Vortheile der Erdkugel, und was fuͤr einen Gebrauch macht nicht der Menſchen Scharfſinnigkeit aus denſelben; indeſſen waren 5 keine andere Einrichtungen noͤthig ſie hervorzubringen, als die⸗ ſelbe allgemeine Beſchaffenheit der Luft und Wärme, welche auch unangeſehen Diefer ann de der Erde a le, ſeyn * „„ Serre BE, Gebt ihr 60 ſagt alkier der Freigeiſt, zu; daß „wenn man nützliche und auf Zwecke abzielende Verfaſſungen aus den allge⸗ meinſten und einfachſten Naturgeſetzen herleiten kann, man keine befondere Regierung einer oberſten Weisheit nöthig habe: ſo ſeht hier Beweiſe, die euch ah eurem eigenen Geſtaͤndniſſe er» tappen werden. Die ganze Natur, vornehmlich die unorgani⸗ ſirte, iſt voll von ſolchen Beweiſen, die zu erkennen geben, daß die ſich ſelbſt durch die Mechanik ihrer Kraͤfte beſtimmende Ma⸗ terie eine gewiſſe Richtigkeit in ihren Folgen habe und den Re⸗ geln der Wohlanſtaͤndigkeit ungezwungen genug thue. Wenn ein Wohlgeſiunter, die gute Sache der Religion zu retten, dieſe Faͤhigkeit der allgemeinen Naturgeſetze beſtreiten will, fo wird er i 855 ſich ſelbſt in Verlegenheit ſetzen und dem Unglauben, durch eine ſchlechte Vertheidigung Anlaß zu triumphiren geben. a Allein laßt uns ſehen wie dieſe Gründe, die man in den Haͤn⸗ den der Gegner als ſchaͤdlich befürchtet, vielmehr kraftige Waf⸗ fen ſind, ſie zu beſtreiten. Die nach ihren allgemeinſten Geſetzen ſich beſtimmende Materie bringt durch ihr natuͤrliches Betragen, oder wenn man es ſo nennen will, durch eine blinde Mechanik, anſtaͤndige Folgen hervor „die der Entwurf einer hoͤchſten Weise heit zu ſeyn ſcheinen. Luft, Waſſer, Waͤrme, erzeugen, wenn man fie ſich ſelbſt uͤberlaſſen betrachtet, Winde und Wolken, Re⸗ gen, Stroͤme, welche die Länder befeuchten, und alle die nuͤtzli⸗ chen Folgen, ohne welche die Natur traurig, öde und unfrucht⸗ bar bleiben muͤßte. Sie bringen aber dieſe Folgen nicht durch ein bloſes Ungefaͤhr, oder durch einen Zufall, der eben ſo leicht nachtheilig hätte ausfallen können, hervor, ſondern man ſieht: daß ſie durch ihre natürlichen Geſetze eingeſchraͤnkt ſind, auf keine andere als dieſe Weiſe zu wirken. Was ſoll man von dieſer Uebereinſtimmung denn gedenken? Wie waͤre es wohl moͤglich, daß Dinge von verſchiedenen Naturen, in Verbindung mit ein⸗ ander, fo vortrefliche Uebereinſtimmungen und Schönheiten zu bewirken trachten ſollten, ſogar zu Zwecken ſolcher Dinge, die ſich gewiſſermaßen außer dem Umfange der todten Materie befin⸗ den, nehmlich zum Nutzen der Meuſchen und Thiere, wenn ſie nicht einen gemeinſchaftlichen Urſprung erkennten, nehmlich einen unendlichen Verſtand, in welchem aller Dinge weſentliche Des 2.

ſenheiten beziehend entworfen orden Wenn ihre a. für ſich und unabhängig nothwendig waͤren, was fuͤr ein erſtaun⸗ liches Ungefähr, oder vielmehr was für eine Unmöglichfeit wür⸗ de es nicht ſeyn, daß ſie mit ihren natürlichen Bestrebungen ſich grade ſo zuſammen paſſen ſollten, als eine gg kluge Wil ſie haͤtte vereinbaren koͤnnen. 1 Nunmehro mache ich getroſt die Anwendung 5. mein gegen⸗ / wärtiges Unterfangen. Ich nehme die Materie aller Welt in einer allgemeinen Zerſtreuung an und mache aus derſelben ein voll⸗ kommenes Chaos. Ich ſehe nach den ausgemachten Geſetzen der Attraktion den Stoff ſich bilden und durch die Zuruͤckſtoßung ihre Bewegung modificiren. Ich genieße das Vergnügen ohne Bey⸗ huͤlfe willkuͤhrlicher Erdichtungen, unter der Veranlaſſung ausge⸗ machter Bewegungsgeſetze, ſich ein wohlgeordnetes Ganze erzeu⸗ gen zu ſehen, welches demjenigen Weltſyſteme ſo ähnlich ſieht, das wir vor Augen haben, daß ich mich nicht entbrechen kann, es fuͤr daſſelbe zu halten. Dieſe unerwartete Auswicklung der Ordnung der Natur im Großen wird mir anfaͤnglich verdaͤchtig, da ſie auf ſo ſchlechten und einfachen Grunde eine ſo zuſammengeſetzte Rich⸗ tigkeit gründet. Ich belehre mich endlich aus der vorher ange- zeigten Betrachtung: daß eine ſolche Auswicklung der Natur nicht etwas unerhoͤrtes an ihr iſt, ſondern daß ihre weſentliche Be⸗ ſtrebung ſolche nothwendig mit ſich bringt, und daß dieſes das herrlichſte Zeugniß ihrer Abhaͤngigkeit von demjenigen Urweſen iſt, welches ſogar die Quelle der Weſen ſelbſt und ihrer erſten Wirkungsgeſetze in ſich hat. Dieſe Einſicht ver doppelt mein Zutrauen auf den Entwurf, den ich gemacht habe. Die Zuver⸗ ſicht vermehrt ſi ch bey jedem Schritte, den ich im Fortgang weiter ſetze und meine Kleinmuͤthigkeit höre völlig auf.

Aber die Vertheidigung deines Syſtems, wird man ſagen, iſt zugleich die Vertheidigung der Meinungen des Epicurs, welche damit die groͤßte Aehnlichkeit haben. Ich will nicht voͤllig alle Uehereinſtimmung mit demſelben ablehnen. Viele ſind durch den Schein ſolcher Gruͤnde zu Atheiſten worden, welche, bey genau⸗ erer Erwegung, ſich von der Gewißheit des hochſten Weſens am kraͤftigſten haͤtten uͤberzeugen Fönnen: Die Folgen, die ein verkehr⸗ ter Verſtand aus untadelhaften Grundſaͤtzen zieht, ind öfters bored ſehr nen „und ſo waren es auch die Schlüſſe des Epicurs, ohnerachtet ſein Entwurf der e innigkeit eines großen au ſtes gemäß war.

Ich werde es alſo nicht in Abrede ſeyn, 1 daß die Theorie des Lukrez oder deſſen Vorgaͤngers, des ESpikurs, Leucipps und Demokritus mit der meinigen viele Aehnlichkeit habe.

Ich ſetze den erſten Zuſtand der Natur, ſo wie jene Weltweiſe, in der allgemeinen Zerſtreuung des Urſtoffs aller Weltkoͤrper, oder der Atomen, wie ſie bey jenen genannt werden. Epikur ſetzte eine Schwere, die dieſe elementariſchen Theilchen zum Sinken trieb, und dieſes ſcheint von der Newtoniſchen Anziehung, die ich annehe me, nicht ſehr verſchieden zu ſeyn; er gab ihnen auch eine gewiſſe Abweichung von der gradlinigen Bewegung des Falles, ob er gleich in Anſehung der Urſachen derſelben und ihrer Folgen ungeraͤumte Einbildungen hatte: — dieſe Abweichung kommt einigermaßen mit der Veranderung der gradlinigen Senkung, die wir aus der Zurückſtoßungskraft der Theilchen herleiten, uͤberein; endlich wa⸗ ren die Wirbel, die aus der verwirrten Bewegung entſtanden, ein Hauptftüc in dem Lehrbegriffe des Leucipps und Demo cri⸗ tus und man wird fie auch in den unſrigen antreffen. So viel Verwandſchaft mit einer Lehrverfaſſung, die die wahre Theorie der Gotteslaͤugnung im Alterthume war, zieht indeſſen die mei⸗ nige dennoch nicht in die Gemeinſchaft ihrer Irrthuͤmer. Auch in den allerunſinnigſten Meinungen, welche ſich bey den Menſchen haben Beyfall erwerben koͤnnen, wird man jederzeit etwas wahres bemerken. Ein falſcher Grundſatz, oder ein paar unuͤberlegte Verbindungsſaͤtze leiten den Menſchen von dem Fußſteige der Wahr⸗ heit, durch unmerkliche Abwege, bis in den Abgrund. Es bleibt, ungeachtet der angeführten Aehnlichkeit, dennoch ein weſentlicher Unterſchied zwiſchen der alten Cosmogenie und der gegenwaͤrtigen, um aus dieſer ganz entgegengeſetzte Folgen ziehen zu konnen. Die angefuͤhrten Lehrer der mechaniſchen Erzeugung des Welt⸗ baus leiteten alle Ordnung, die ſich an demſelben wahrnehmen laͤßt, aus den ungefaͤhren Zufalle her, der die Atomen ſo gluͤck⸗ lich zuſammen treffen ließ, daß ſie ein wohlgeordnetes Ganze aus⸗ machten. Epikur k war gar ſo unverſchaͤmt, daß er verlangte, die Atomen wichen von ihrer geraden Bewegung ohne alle Urſache \ Vorrede. ab, um einander begegnen zu koͤnnen. Alle nsgeſcnmt Elben dieſe Ungereimtheit ſo weit, daß ſie den Urſprung aller belebten Geſchoͤpfe eben dieſem blinden Zuſammenlaufe zuſchrieben und die Vernunft wirklich aus der Unvernunft herleiteten. In meiner Lehrverfaſſung hingegen finde ich die Materie an gewiſſe nothwen⸗ dige Geſetze gebunden. Ich ſehe in ihrer gaͤnzlichen Aufloͤſung und Zerſtreuung ein ſchoͤnes und ordentliches Ganze ſich ganz na» tkuͤrlich daraus entwickeln. Es geſchieht dieſes nicht durch einen Zufall und von ungefehr, ſondern man bemerkt, daß natürliche Eigenſchaften es nothwendig alſo mit ſich bringen. Wird man hie durch nicht bewogen zu fragen: Warum mußte denn die Mate⸗ rie grade ſolche Geſetze haben, die auf Ordnung und Wohlan⸗ ſtaͤndigkeit abzwecken? war es wohl möglich, daß viele Dinge, deren jedes ſeine von dem andern unabhaͤngige Natur hat, ein⸗ ander von ſelbſt grade ſo beſtimmen ſollten, daß ein wohlgeordne⸗ tes Ganze daraus entſpringe, und wenn ſie dieſes thun, giebt es nicht einen unleugbaren Beweis von der Gemeinſchaft ihres er⸗ ſten Urſprungs ab, der ein allgenugſamer höchfter Verſtand ſeyn muß, in welchem die Naturen der Dinge zu e dee Abſich⸗ ten entworfen worden?

Die Materie die der Urſtoff aller Dinge iſt, iſt alſo an gewiſſe Geſetze gebunden, nach welchen ſie, frey uͤberlaſſen, nothwendig ſchoͤ⸗ ne Verbindungen hervor bringen muß. Sie hat keine Freyheit von dieſem Plane der Vollkommenheit abzuweichen. Da ſte alſo ſich einer hoͤchſt weiſen Abſicht unterworfen befindet, fo muß fie noth⸗ wendig in ſolche uͤbereinſtimmende Verhaͤltniſſe durch eine über fie herrſchende erſte Urſache verſetzt worden ſeyn, und es iſt ein Gott eben deswegen, weil die Natur auch ſelbſt im Chaos nicht anders als e ee und mE. verfahren kann.

Ich habe ſo viel gute Meinung von der redlichen Geſinnung de⸗ rerjenigen, die dieſem Entwurfe die Ehre thun, ihn zu pruͤfen, daß ich mich verſichert halte, die angefuͤhrten Gruͤnde werden, wo ſie noch nicht alle ſchaͤdliche Folgen von meinem Syſteme aufheben koͤn⸗ nen, dennoch wenigſtens die Lauterkeit meiner Abſicht außer Zwei, fel ſetzen. Wenn es deſſen ungeachtet boshafte Eiferer giebt, die es fuͤr eine wuͤrdige Pflicht ihres heiligen Berufs halten, den un⸗ 5 ha Vorrede. e Een ſhawigſen W e ſchaͤdliche Auslegungen anzuheften, ſo bin ich verſichert, daß ihr Urtheil bey Vernuͤnftigen gerade die entge⸗ gengeſetzte Wirkung ihrer Abſicht hat. Man wird mich uͤbrigens des Rechts nicht berauben, das Carteſius, als er die Bil⸗ dung der Weltkoͤrper aus bloßen mechaniſchen Geſetzen zu erklaͤ⸗ ren wagte, bey billigen Richtern jederzeit genoſſen hat. Ich will deswegen die Verfaſſer der allgemeinen Welthiftorie *) anfuͤh⸗ ren: “ Indeſſen koͤnnen wir nicht anders als glauben: daß der Verſuch dieſes Weltweiſen, der ſich bemuͤhet die Bildung der Welt in gewiſſer Zeit, aus wuͤſter Materie, durch die bloße “ Fortſetzung einer einmal eingedruͤckten Bewegung zu erklaͤren, und ſolches auf einige wenige leichte und allgemeine Bewegungs⸗ geſetze gebracht, fo wenig als andere, die ſeitdem mit „ mehrerem Beyfalle eben das verſucht haben aus den urſpruͤnglichen und anerſchaffenen Eigen ſchaften der Materie zuthun, ſtrafbar oder Gott ver⸗ kleinerlich ſey, wie ſich manche eingebildet haben, in dem da⸗ durch vielmehr ein höherer Begriff feiner unend⸗ lichen Weisheit verurſacht wird. | Ich habe die Schwierigkeiten, die von Seiten der Religion meine Saͤtze zu bedrohen ſchienen, hinweg zu räumen geſucht. Es giebt einige nicht geringere in Anſehung der S Sache ſelbſt. Wenn es gleich wahr iſt, wird man ſagen, daß Gott in die Kraͤfte der Natur eine geheime Kraft gelegt hat, ſich aus dem Chaos von ſelbſt zu einer vollkommenen Weltverfaſſung auszubilden, wird der Verſtand des Menſchen, der bey den gemeinſten Gegenſtaͤnden ſo bloͤde iſt, bey einem ſo großen Vorwurfe die verborgenen Eigen⸗ ſchaften zu erforſchen vermoͤgend ſeyn? Ein ſolches Unterfangen heißt eben ſo viel als wenn man ſagte: Gebt mir nur Mate⸗ rie ich will euch eine Welt daraus bauen. Kann dich die Schwaͤche deiner Einſichten, die an den geringſten Dingen, welche deinen Sinnen taͤglich und in der Naͤhe vorkommen, zu ſchanden wird, nicht lehren: daß es vergeblich ſey, das Uner⸗ meßliche und das was in der Natur vorging, ehe noch eine Welt war, zu entdecken. Ich vernichte dieſe Schwierigkeit, indem ich Se: ö Vorrede deutlich zeige, daß 8 dieſe Unterſuchung. RE die in der Naturlehre aufgeworfen werden koͤnnen diejenige ſey, in wel⸗ cher man am leichteſten und ſicherſten bis zum Urſprunge gelangen kann. Eben ſo wie unter allen Aufgaben der Naturforſchung keine mit mehr Richtigkeit und Gewißheit aufgeloͤßt worden, als die wahre Verfaſſung des Weltbaus im Großen, die Geſetze der Bes wegungen und das innere Triebwerk der Umlaͤufe aller Planeten; als worin die Newtoniſche Weltweißheit ſolche Einſichten gewaͤh⸗ ren kann, dergleichen man ſonſt in keinem Theile der Weltweiß⸗ heit antrift; eben alſo behauptete ich, ſey unter allen Naturdin⸗ gen, deren erſter Urſache man nachforſcht, der Urſprung des Welt⸗ ſyſtems und die Erzeugung der Himmelskörper, ſammt den Urſa⸗ chen ihrer Bewegungen, dasjenige, was man am erſten gruͤndlich einzuſehen hoſſen darf. Die Urſache hievon iſt leicht zu erſehen. Die Himmelskörper find runde Maſſen, alſo von der einfachſten Bildung, die ein Koͤrper, deſſen Urſprung man ſucht, nur im⸗ mer haben kann. Ihre Bewegungen ſind gleichfalls unvermiſcht. Sie find nichts als eine freye Fortſetzung eines einmal eingedruͤck⸗ ten Schwunges, welcher, mit der Attraktion des Koͤrpers im Mit⸗ telpunkte verbunden, kreisfoͤrmig wird. Ueberdem iſt der Raum darin ſie ſich bewegen, leer, die Zwiſchenweiten, die ſie von ein⸗ ander abſondern, ganz ungemein groß und alſo alles ſowohl zur unverwirrten Bewegung, als auch deutlichen Bemerkung derſel⸗ ben auf das deutlichſte auseinander geſetzt. Mich dünft, man konne hier im gewiſſen Verſtande ohne Vermeſſenheit ſagen: Gebt mir Materie, ich will eine Welt daraus bauen! das iſt, gebt mir Materie, ich will euch zeigen, wie eine Welt da⸗ raus entſtehen ſoll. Denn wenn Materie vorhanden iſt, welche mit einer weſentlichen Attraktionskraft begabt iſt, ſo iſt es nicht ſchwer diejenigen Urſachen zu beſtimmen, die zu der Einrichtung des Weltſyſtems, im Großen betrachtet, haben beytragen koͤnnen. Man weiß was dazu gehoͤrt, daß ein Koͤrper eine kugelrunde Fi⸗ gur erlange; man begreift was erfordert wird, daß freyſchweben⸗ de Kugeln eine kreisfͤrmige Bewegung um den Mittelpunkt an⸗ ſtellen, gegen den fie gezogen werden. Die Stellung der Kreiſe gegen einander, die Uebereinſtimmung der Richtung, die Eccen⸗ tricitaͤt, alles kann auf die einfachſten mechaniſchen Urſachen ge⸗ Vorrede.

bracht werden, und man darf mit Zuverſicht hoffen ſie zu entd⸗ cken, weil ſie auf die leichteſten und deutlichſten Gründe geſezt wer⸗ den können. Kann man ſich aber wohl von der geringſten Pflanze oder Inſect ſolcher Vortheile ruͤhmen? Iſt man im Stande zu ſagen: Gebt mir Materie, ich will euch zeigen, wie eine Raupe erzeugt werden könne? Bleibt man hier nicht bey dem erſten Schritte, aus Unwiſſenheit der wahren innern Beſchaffenheit des Objekts und der Verwicklung der in demſel⸗ ben vorhandnen Mannigfaltigkeit, ſtecken? Man darf es ſich al⸗ ſo nicht befremden laſſen, wenn ich mich unterſtehe zu jagen; daß eher die Bildung aller Himmelskörper, die Urſache ihrer Be⸗ wegungen, kurz der Urſprung der ganzen gegenwärtigen Verfaſ⸗ ſung des Weltbaus werde koͤnnen eingeſehen werden, ehe die Er⸗ zeugung eines einzigen Krauts oder einer Raupe, aus mechani⸗ ſchen Gruͤnden, deutlich und vollſtaͤndig kund werden wird. Dieſes ſind die Urſachen, worauf ich meine Zuverſicht gruͤnde, daß der phyſiſche Theil der Weltwiſſenſchaft kuͤnftighin noch wohl eben die Vollkommenheit zu hoffen habe, zu der Newton die ma⸗ thematiſche Hälfte derſelben erhoben hat. Es ſind, naͤchſt den Geſetzen, nach welchen der Weltbau, in der Verfaſſung darin er iſt, beſteht, vielleicht keine andern in der ganzen Naturforſchung ſolcher mathematiſchen Beſtimmungen faͤhig, als diejenigen, nach welchen er entſtanden iſt, und ohne Zweifel wuͤrde die Hand eines i verſuchten Meßkuͤnſtlers hier nicht unfruchtbare Felder bearbeiten.

Nachdem ich den Vorwurf meiner Betrachtung einer guͤnſtigen Aufnahme zu empfehlen mir habe angelegen ſeyn laſſen; ſo wird man mir erlauben, mich wegen der Art, „nach der ich ihn behan⸗ delt habe, kuͤrzlich zu erklaͤren. Der erſte Theil geht mit einem neuen Syſteme des Weltgebaͤudes im Großen um Herr Whrig t von Durham, deſſen Abhandlung ich aus den Hamburgiſchen freien Urtheilen, vom Jahr 1751, habe kennen lernen, hat mir zuerſt Anlaß gegeben, die Fixſterne nicht als ein ohne ſichtbare Ordnung zerſtreutes Gewimmel, ſondern als ein Syſtem anzuſe⸗ hen, welches mit einem planetiſchen die groͤßte Aehnlichkeit hat, ſo daß, gleichwie in dieſem die Planeten ſich in einer gemeinſchaft⸗ lichen Fläche ſehr nahe befinden, alſo auch die Fixſterne ſich in ihren Lagen auf eine gewiſſe Flaͤche, die durch den ganzen Him⸗ Borrioe mil wuß gezogen gedacht erbt ſo nahe als moglich beziehen, und durch ihre dichteſte Haͤufung zu derſelben denjenigen lichten Streif darſtellen, welcher die Milchſtraße genannt wird. Ich habe mich vergemif ſert, daß, weil dieſe von unzaͤhlichen Sons nen erleuchtete Zone ſehr genau die Richtung eines groͤßten Zir⸗ kels hat, unſre Sonne ſich dieſer großen Beziehungsfläche gleichfalls fehr nahe befinden muͤſſe. Indem ich den Urſachen die⸗ ſer Beſtimmung nachgegangen bin, habe ich ſehr wahrſcheinlich zu ſeyn befunden; daß die ſogenannten Fixſterne, oder feſten Ster⸗ ne, wohl eigentlich langſam bewegte Wandelſterne einer hoͤhern Ordnung ſeyn konnten. Zur Beſtaͤtigung deſſen, was man an ſeinem Orte von dieſem Gedanken antreffen wird, will ich allhier nur eine Stelle aus einer Schrift des Herrn Bradley von der Bewegung der Fixſterne anführen. „Wenn man aus dem Er⸗ folge der Vergleichung unſrer beſten jetzigen Beobachtungen, „mit denen, welche vor dieſem mit einem ertraͤglichen Grade der „Richtigkeit angeſtellt worden, ein Urtheil fallen will, fo erhellt: „daß einige Firſterne wirklich ihren Stand gegen einander ver⸗ „ändert haben, und zwar fo, daß man ſieht, daß dieſes nicht et⸗ „wan von einer Bewegung in unferm Planetengebaͤude herruͤhrt, „ſondern daß es bloß einer Bewegung der Sterne ſelbſt zuge⸗ „ſchrieben werden kann. Der Arktur giebt einen ſtarken Be⸗ „weis hiervon an die Hand. Denn wenn man deſſelben gegen» „waͤrtige Declination mit feinem Orte, wie derſelbe ſowohl von Ty⸗ „ehe als auch von Flammſteedt iſt beſtimmt worden, ver⸗ „gleicht, ſo wird man finden: daß der Unterſchied groͤßer iſt, als „man ihn von der Ungewißheit ihrer Beobachtungen herzurühren ; ‚oermurhen kann. Man hat Urſache zu vermurhen: daß auch „andre Exempel von gleicher Beſchaffenheit unter der großen An⸗ „zahl der ſichtbaren Sterne vorkommen muͤſſen, weil ihre Lagen gegen einander durch mancherlei Urſachen koͤnnen veraͤndert wer⸗ „den. Denn wenn man ſich vorſtellt, daß unſer eignes Son⸗ „nengebaͤude ſeinen Ort „ in Anſehung des Weltraums veraͤn⸗ dert; ſo wird dieſes nach Verlauf einiger Zeit eine ſcheinbare „Veraͤnderung der Winkelentfernung der Fixſterne verurſachen. „Und weil dieſes in ſolchem Falle in die Oerter der naͤchſten Ster⸗ ene einen groͤßern Einfluß haben würde, als in die Oerter derer⸗ — 2 3.

Vorrede. \ — ey t „enigen, welche weit entfernt ſind „ fo würden ihre Lagen ſich yzu verändern ſcheinen, obgleich die Sterne ſelbſt wirklich unbe⸗ „weglich blieben. Und wenn im Gegentheil unſer eigen Plane⸗ „tengebaͤude ſtille ſteht, und einige Sterne wirklich eine Bewe⸗ „gung haben, ſo wird dieſes gleichfalls ihre ſcheinbare Lage ver⸗ andern, und zwar um deſtomehr, je näher fie bey uns find, oder „je mehr die Richtung der Bewegung ſo beſchaffen iſt, daß ſie „von uns kann wahrgenommen werden. Da nun alſo die La⸗ „gen der Sterne von ſo mancherlei Urſachen koͤnnen veraͤndert „werden, indem man die erſtaunlichen Entfernungen, in wel⸗ chen ganz gewiß einige gelegen ſind, betrachtet; ſo werden „wohl die Beobachtungen vieler Menſchenalter noͤthig ſeyn, „die Geſetze der ſcheinbaren Veraͤnderungen, auch eines einzi⸗ gen Sterns, zu beſtimmen. Viel ſchwerer muß es alſo doch „ſeyn, die Geſetze fur alle die merkwuͤrdigſten Sterne feſtzu⸗ letzen. l, e e | Ich kann die Graͤnzen nicht genau beſtimmen, die zwiſchen dem x Syſtem des Herrn Whrigt, und dem meinigen anzutreffen ‘find, und in welchem Stucke ich feinen Einwurf blos nachge⸗ ahmt, oder weiter ausgeführt habe. Indeſſen boten ſich mir nach der Hand annehmungswürdige Gründe dar, es auf der einem Seite betraͤchtlich zu erweitern. Ich betrachtete die Art neblichter Sterne, deren Herr von Maupertuis in der Ab⸗ hundlung von der Figur der Geſtirne ) gedenkt, und ) Weil ich den angeführten Traktat nicht bey der Hand habe, ſo will ich das dazu gehoͤrige aus der Anſuͤhrung der Ouvrages diver- ſes de Monlieur de Maupertuis in den Actis Eruditorum 1745, bier einrücken. Das erſte Phaͤnomen find diejenigen lichten Stel⸗ len am Himmel, welche nebliche Sterne genannt, und für einen Haufen kleiner Fiyſterne gehalten werden. Allein die Aſtronemen haben, durch vortrefliche Fernglaͤſer, ſie nur als große laͤnglicht⸗ kunde Plaͤtzchen, die etwas lichter als der uͤbrige Theil des Himmels mwaͤren, befunden. Huyen hat dergleichen etwas zuerſt im Orion ö angetroffen; Halley gedenkt in den Anglical Transactions ſechs ſolcher Plaͤtzchen. 1. im Schwerdt des Driong, 2. im Schützen, 3. im Centaurus, 4. vor dem rechten Fuße des Antindus, 5. im Herkules, 6. im Gurtel der Andromeda. Wenn dieſe durch ein refleetirendes Seherohr von 8 Fuß betrachtet werden, fo ſieht man, daß nur der vierte Theil derſelben vor einen Haufen Sterne koͤnne I gehalten werden; die übrigen haben nur weißlichte Plaͤtzchen vor⸗ 5 eſtellt, ohne erheblichen Unterſchied, außer daß eines mehr der Cirkelrundung beykommt, ein andres aber laͤnglicher iſt. Es ſcheint A 1 die die Figur von mehr oder weniger offnen Ellipfen vorſtellen,