‚eines größten Zirkels, und zwar in mankkrbtbchrnch Zuſam⸗ menhange „um dem ganzen Himmel einnehmen; zwey Bedingun⸗ gen, die eine ſo genaue Beſtimmung und von dem Unbeſtimm⸗ ten des Ungefaͤhrs ſo kenntlich unterſchiedene Merkmale mit ſich fuͤhren, daß aufmerkſame Sternkundige natuͤrlicher Weiſe dadurch hätten veranlaßt werden ſollen, der Erklärung einer ſolchen Er⸗ ſcheinung mit Aufmerkſamkeit nachzuſpuͤren.
Weil die Sterne nicht auf die ſcheinbare hohle Himmelsfphäte neben einander gefest ſind, ſondern einer weiter als der andere von unſerm Geſichtspunkte entfernt, ſich in der Tiefe des Him⸗ mels verlieren a); ſo folgt aus dieſer Erſcheinung, daß in den Entfernungen darin ſie einer hinter dem andern von uns abſte⸗ hen, fie ſich nicht in einer nach allen Seiten gleichguͤltigen Zer⸗ ſtreuung befinden, ſondern fie auf eine gewiſſe Flaͤche vornemlich beziehen muͤſſen, die durch unſern Geſichtspunkt geht, und wel ⸗ cher ſie ſich ſo nahe als moͤglich zu beſinden beſtimmt ſind. Diüiteſe Beziehung iſt ein fo ungezweifeltes Phaͤnomen, daß auch ſelbſt die übrigen Sterne, die in dem weißlichen Streife der Milch⸗ ſtraße nicht begriffen find, doch um deſto gehaͤufter und dich⸗ ter geſehen werden, je naͤher ihre Oerter dem Kreiſe der Milch⸗ ſtraße ſind, ſo, daß von den 2000 Sternen, die das bloße Au⸗ ge am Himmel entdeckt, der größte Theil in einer nicht gar breiten Zone, deren Mitte die Milchſtraße einnimmt, angetroffen wird. | Wenn wir uns nun eine ebne Fläche durch den Sternhimmel hindurch in unbeſchraͤnkte Weiten gezogen denken, und anneh⸗ men: daß zu dieſer Fläche alle Firſterne und Syſteme eine allge⸗ meine Beziehung ihres Orts haben, um ſich derſelben naͤher als andern Gegenden zu befinden; ſo wird ein Auge, das dieſer Be⸗ ziehungsflaͤche nahe iſt, bey feiner Ausſicht in das Feld der Ge ſtirne, an der hohlen Kugelfläche des Firmaments, dieſe dichteſte Haͤufung der Sterne in der Richtung der gezogenen Fläche unter, der Geſtalt einer von mehrern Lichte erleuchteten Zone erblicken.
a) So z. B. wie wir in einem Walde die in langen Reihen hin⸗ ter einander ſtehenden Baͤume gedraͤngter ſehen, als diejenigen, die ſich uns zur Seite befinden. Bode Kenntniß des geſtirne.
/ 1 ö Dieſer lichte Streif wird nach der Nice eines ne Eir⸗ Fels fortgehen, wenn der Stand des Zufchauers in der Flaͤche ſelbſt iſt. In dieſer Zone wird es von Sternen wimmeln, welche durch die nicht zu unſcheidende Kleinheit der hellen Punkte, die ſich einzeln dem Auge entziehen, und durch ihre ſcheinbare Dichtigkeit, einen einfoͤrmig weißlichen Schimmer „ mit einem Worte, eine Milchſtraße darſtellen. Das uͤbrige Himmelsheer, deſſen Bezie⸗ hung gegen die gezogene Flaͤche ſich nach und nach vermindert, oder welches ſich auch dem Stande des Beobachters naͤher befindet, wird mehr zerſtreut, doch der zunehmenden Haͤufung nach, auf eben dieſe Flaͤche beziehend geſehen werden. Endlich folgt hier⸗ aus, daß unſre Sonnenwelt, weil von ihr aus dieſes Syſtem der Fixſterne in der Richtung eines groͤßeſten Cirkels geſehen wird, mit in eben derſelben großen Flaͤche befndlich ſey, und mit den uͤbrigen Ein Syſtem ausmache. | Wir wollen, um in die Beſchaffenheit der allgemeinen Verbin⸗ dung, die in dem Weltbaue herrſcht, deſto beſſer zu dringen, die Urſache zu entdecken ſuchen, welche die Oerter der Fixſterne auf eine gemeinſchaftliche Flaͤche beziehend gemacht hat.
Die Sonne ſchraͤnkt die Weite ihrer Anziehungskraft nicht in den engen Bezirk des Planetengebaͤudes ein. Allem Anſehn nach erſtreckt ſie ſelbige ins Unendliche. Die Kometen, die ſich ſehr weit über den Kreis des Saturns erheben, werden durch die An⸗ ziehung der Sonne genoͤthiget, wieder zuruͤck zu kehren und in Kreiſen zu laufen. Ob es alſo gleich der Natur einer Kraft, die dem Weſen der Materie einverleibt zu ſeyn ſcheinet, gemaͤſer iſt, unbeſchraͤnkt zu ſeyn, und fie auch wirklich von denen, die Ne w⸗ tons Satze annehmen, dafür erkannt wird; fo wollen wir doch nur zugeſtanden wiſſen, daß dieſe Anziehung der Sonne ohnge⸗ faͤhr bis zum naͤchſten Firſterne reiche, und daß die Fixſterne als eben ſo viel Sonnen in gleichem Umfange um ſich wuͤrken, um zu folgern, daß alle Sonnen des Firmaments Umlaufsbewegungen entweder um einen gemeinſchaftlichen Mittelpunkt oder um viele haben. Denn da unter dieſer Annahme das ganze Heer der Fix⸗ ſterne einander durch die Anziehung zu naͤhern beſtrebt iſt; ſo finden ſich alle Weltſyſteme in der Verfaſſung, durch die gegen⸗ ſeitige Annäherung, die unaufhoͤrlich und durch nichts gehindert — * Be — * Be iſt, über kurz oder lang in einen Klumpen zu fallen N e die. ſem Ruine nicht ſo wie bey den Kugeln unſers planetiſchen Sy | ſtems durch die den Mittelpuufe fliehenden Kräfte’ vorgebeugt worden, welche die Himmelskoͤrper von dem geraden Falle abbeu⸗ gen, und dadurch mit den Kraͤften der Anziehung i in Verbindung die ewige Kreisumlaͤufe zuwege bringen, dadurch das Gebäude der Schöpfung vor der Zerſtoͤrung geſichert wird.
So haben denn alle Sonnen des Firmaments Umlaufsbewe⸗ gungen, entweder um einen allgemeinen Mittelpunkt oder um viele. Man kann ſich aber allhier der Analogie bedienen, von dem, was bey den Kreislaͤufen unſerer Sonnenwelt bemerkt wird: daß nemlich, gleichwie eben dieſelbe Urſache, die den Planeten die Centerfliehkraft „ durch die fie ihre Umlaͤufe verrichten, ers theilt hat, ihre Laufkreiſe auch ſo gerichtet, daß ſie ſich alle auf Eine Flaͤche beziehen; alſo auch die Urſache, welche es auch im⸗ mer ſeyn mag, die den Sonnen der Oberwelt, als ſo viel Wan⸗ delſternen hoͤherer Weltordnungen, die Kraft der Umwendung gegeben, ihre Kreiſe zugleich ſo viel moͤglich auf eine Flaͤche ge⸗ bracht, und die Abweichung von derſelben een beſtrebt geweſen.
1 1 Nach dieſer Vorſtellung kann man das Syſtem der Firſterne einigermaßen durch das planetiſche abſchildern, wenn man die⸗ ſes unendlich vergroͤßert. Denn wenn wir anſtatt der 7 Planeten mit ihren 14 Begleitern ſo viele tauſend derſelben, und an ſtatt der 80 Kometen, die beobachtet worden, ihrer hundert oder tau⸗ ſendmal mehr annehmen, wenn wir eben dieſe Koͤrper als ſelbſt⸗ leuchtend denken; ſo wuͤrde dem Auge des Zuſchauers, das ſie von der Erde anſieht, eben der Schein als von den Fixſternen der Milchſtraße entſtehen. Denn die gedachten Planeten würden durch ihre Naͤhe zu der gemeinſchaftlichen Flaͤche ihrer Beziehung, uns, die wir mit unſerer Erde in eben derſelben Flaͤche befindlich ſind, eine von unzaͤhlbaren Sternen dicht erleuchtete Zone dar⸗ ſtellen, deren Richtung nach dem groͤſten Cirkel gienge; dieſer lichte Streifen wuͤrde allenthalben mit Sternen genugſam beſetzt ſeyn, obgleich, gemaͤß der Hypotheſe, es Wandelſterne, mit⸗ hin nicht an einen Ort geheftet ſind, denn es wuͤrden ſich allezeit nach einer Seite Sterne genug durch ihre Verſetzung befinden, a obgleich andere dieſen Orr geaͤndert haͤtten.
Die Breite dieſer erleuchteten Zone, welche eine Art eines Thierkreiſes vorſtellt, wird durch die verſchiedenen Grade der Ab⸗ weichung beſagter Irrſterne von der Flaͤche ihrer Beziehung und durch die Neigung ihrer Kreiſe gegen dieſelbe Flaͤche veranlaſſet werden; und weil die meiſten dieſer Flaͤche nahe ſind, ſo wird ih⸗ re Anzahl nach dem Maaße der Entfernung von dieſer Flaͤche Fberſtreuter erſcheinen; die Kometen aber, die alle Gegenden ohne Unterſchied einnehmen, werden das Feld des Himmels von bey» den Seiten bedecken. 5 Die Geſtalt des Himmels der Fixſterne hat alſo keine andere Urſache, als eben eine dergleichen ſyſtematiſche Verfaſſung im Großen, als der planetiſche Weltbau im Kleinen hat, indem alle Sonnen ein Syſtem ausmachen, deſſen allgemeine Bezie⸗ hungsflache die Milchſtraße iſt; die ſich am wenigſten auf dieſe Flaͤche beziehenden, werden zur Seite geſehen, fie find aber eben deswegen weniger gehaͤufet, weit zerſtreuter und ſeltener. Es ſind ſo zu ſagen die Kometen unter den Sonnen. 1) Dieſer neue Lehrbegriff aber legt den Sonnen eine fortruͤcken⸗ de Bewegung bey, und jedermann erkennt ſie doch als unbewegt, und von Anbeginn her an ihre Oerter geheftet. Die Benen⸗ nung, die die Fixſterne davon erhalten haben, ſcheinet durch die Beobachtung aller Jahrhunderte beſtaͤtiget und ungezweifelt zu ſeyn. Dieſe Schwierigkeit wuͤrde das vorgetragene Lehrgebaͤude vernichten, wenn fie gegründet wäre, Allein allem Anſehen nach 1) Da Herr Kant dieſe Vorſtellung von der Milchſtraße, als eines unſerm Sonnenſyſteme aͤhnlichen Syſtems mehrerer bewegter Sonnen, ſchon i. J. 7755. lieferte; Hr. Lambert aber, in feinen kosmologiſchen Briefen e Einrichtung des Weltbaus, eine ähnliche Idee j. J. 1761. bekannt machte; fo gebuͤhrt Hrn. Kanten allerdings das 4 der erſten Erfindung, welche auch uͤberdieß den Vorzug vor jener hat, indem Hr. Lambert die Milchſtraße in unzaͤhliche kleinere Theile theilte, und annahm, daß unſer Planetenſyſtem in Einem ſolcher Theile, zu dem auch alle Sterne außer der Milchſtraße gehoͤren ſollten, befindlich ſey. (Man ſieht leicht, daß die Kantiſche Vorſtellung weit ee na⸗ tuͤrlicher und auch optiſch richtiger iſt.)
4 „ iſt dieser Mangel der Bewegung nur etwas ſcheinbares. Es iſt entweder nur eine ausnehmende Langſamkeit, die von der großen Entfernung von dem gemeinen Mittelpunkte ihres Umlaufs, oder eine Unmerklichkeit, die durch den Abſtand von dem Orte der Be⸗ obachtung veranlaßt wird. Laſſet uns die Wahrſcheinlichkeit dieſes Begriffes durch die Ausrechnung der Bewegung ſchaͤtzen, die ein unſerer Sonne am naͤchſten ſtehender Fixſtern a) haben wuͤr⸗ de, wenn wir ſetzten, daß unſere Sonne der Mittelpunkt ſeines Kreiſes waͤre. Wenn ſeine Weite nach dem Huygen uͤber 2 1o0omal größer, als der Abſtand der Sonne von der Erde ans genommen wird; fo folgt aus dem ausgemachten Geſetze der Um⸗ laufszeiten, die im Verhaͤltniß der Quadratwurzeln aus den Wuͤr⸗ feln der Entfernungen vom Mittelpunkte ſtehen, daß, wenn dieſer Fixſtern um die Sonne liefe, die Zeit, die er dazu anwenden muͤß⸗ te, dazu uͤber drey Millionen Jahre, betragen und er alſo i. 8000 Jahren noch nicht um Einen Grad fortgerückt ſeyn würde: Da nun neue vielleicht ſehr wenige Firſterne der Sonne fo nahe find, als Huygen von dem Sirius gemuthmaßt hat, da die Entfernung des übrigen Himmelsheeres den Abſtand des letztern vielleicht ungemein uͤbertrift, und alſo die meiſten zu ſolcher pe⸗ riodiſchen Umwendung ungleich laͤngere Zeit brauchen wuͤrden, uͤberdem auch wahrſcheinlicher ift, daß die Bewegung der Son⸗ nen des Sternhimmels um einen gemeinſchaftlichen Mittelpunkt gehe, deſſen Abſtand ungemein groß, und die Fortruͤckung der Sterne daher überaus langſam ſeyn kann: fo laßt ſich hieraus mit Wahrſcheinlichkeit abnehmen, daß alle Zeit, ſeit der man Beobachtungen am Himmel angeſtellt hat, vielleicht noch nicht hinlänglich ſey, die Veraͤnderung, die in ihren Stellungen vor⸗ gegangen, zu bemerken. Man darf indeſſen noch nicht die Hoff⸗ nung aufgeben, auch dieſe mit der Zeit zu entdecken. Es wer⸗ den ſubtile und ſorgfaͤltige Aufmerker, ingleichen eine Verglei⸗ chung weit von einander abſtehender Beobachtungen dazu erfor⸗ a) Welches nach Einigen der Stern Areturus im Bootes, nach Andern der Sirius im großen Hunde, nach Andern aber die Capella im Auriga ſeyn ſoll. Huygen ſetzt den Sirius der Sonne am nächſten, und berechnet feine Entfernung auf 27664 Erdweiten; Bradley aber und Lambert nehmen ſie aus ſichern Gründen zu 400000 Erdweiten an.
dert. Man müßte dieſe Beobachtungen vornemlich auf die Ster⸗ ö ne der Milchſtraße richten, ) welche der Hauptplan aller Bewe⸗ gung iſt. Heer Bradley hat beynahe unmerkliche Fortruͤk⸗ kungen der Sterne beobachtet. a) Die Alten haben Sterne an gewiſſen Stellen des Himmels gemerkt, und wir ſehen neue an andern. Wer weiß, waren es nicht die vorigen, die nur den Ort geaͤndert haben. Die Vortrefflichkeit der Werkzeuge und die Vollkommenheit der Sternwiſſenſchaft machen uns gegründete Hoffnung zu Entdeckung ſo ſonderbarer Merkwuͤrdigkeiten. Die Glaubwürdigkeit der Sache ſelbſt aus den Gründen der Nas tur und der Analogie unterſtützen dieſe Hoffnung ſo gut, daß ſie die Aufmerkſamkeit der e e reitzen koͤnnen, ſie in Er⸗ füllung zu bringen. 5 Die Milchſtraße iſt, ſo zu ſagen, auch der Thierkreis neuer Sterne, welche faſt in keiner andern Himmelsgegend, als in die⸗ fer wechſelsweiſe fich ſehen laſſen und verſchwinden. Wenn dieſe Abwechſelung ihrer Sichtbarkeit von ihrer periodiſchen Entfer⸗ „ Ingleichen auf diejenigen Haufen von Sternen, deren viele in eeinem kleinen Raume bey einander find, als z. E. das Siebenge— ſtirn, welche vielleicht unter ſich ein kleines Syſtem in ee Groͤſ⸗ fern ausmachen. 0: a) Siehe die Vorrede, auf der 9. und 10. Seite.
n) De la Hire bemerket in den Memoires der Akademie zu Paris vom Jahr 1693, er habe ſowohl aus eigenen Beobachtungen, als auch aus Vergleichung derſelben mit des Rieeiolus feinen, eis ne ſtarke Aenderung in den Stellungen der Sterne des Siebenge— ſtirns wahrgenommen. 1) 4 > Was ſeitdem von neuern Aſtronomen, beſonders von Herſchel hierinn geſchehen, und daß jetzt die Veraͤnderung des Orts wenigſtens unſrer Sonne ſo gut als erwieſen ſey, iſt faſt allge⸗ mein bekannt. S. — Nach Herſchels und Prevoſts Beobach⸗ kungen ruͤckt unſre Sonne allmaͤhlich gegen das Geſtirn des Herkules hin, aus welcher Ortsveraͤnderung ſich ein Theil der ſcheinbaren Fortbewegung mancher Fixſterne leichter erklaͤren laͤßt. S. Bodens aſtronom. Jahrbuch für 1786. pag. 259. und für 1787. pag. 224. — Daß hier aber nicht von der beſondern Fortruͤckung des geſammten Heers der Fixſterne, nach welcher fie ſich jaͤhrlich um 30 und einer halben Sekunde von dem er: ſten Punkte der Fruͤhlings⸗Nacht gleiche gegen Morgen fortbe⸗ wegen, die Rede ſey, darf wohl kaum erinnert werden. i 5 ER = Pr) nung und Annäherung zu uns herruͤhrt, fo ſcheint wohl aus der angefuhrten ſyſtematiſchen Verfaſſung der Geſtirne, daß ein ſolches Phänomen mehrentheils nur in dem Bezirke der Milch ⸗ ſtraße muͤſſe geſehen werden. Denn da es Sterne ſind, die in ſehr oblongen Kreiſen um andere Fixrſterne als Trabanten um ihre Hauptplaneten laufen, ſo erfordert es die Analogie mit un⸗ ſerm planetiſchen Weltbau, in welchem nur die der gemeinſchaft⸗ lichen Flaͤche der Bewegungen nahe Himmelskoͤrper um ſich lau⸗ fende Begleiter haben, daß auch nur die Sterne, die in der Milch⸗ ſtraße ſind, um ſich laufende Sonnen haben werden.
Ich komme zu demjenigen Theile des vorgetragenen Lehrbegriffs, der ihn durch die erhabene Vorſtellung, welche er von dem Plane der Schoͤpfung darſtellt, am meiſten reitzend macht. Die Reihe der Gedanken, die mich darauf geleitet haben, iſt kurz und un⸗ gekuͤnſtelt; ſie beſteht in Folgendem: Wenn ein Syſtem von Fix⸗ ſternen, welche in ihren Lagen fi ich auf eine gemeinſchaftliche Flaͤ⸗ che beziehen, ſo wie wir die Milchſtraße entworfen haben, ſo weit von uns entfernt iſt, daß alle Kenntlichkeit der einzelnen Sterne, daraus es beſteht, ſogar dem Sehrohre nicht mehr empfindlich iſt; wenn feine Entfernung zu der Entfernung der Sterne der Milch⸗ ſtraße eben das Verhaͤltniß, als dieſe zum Abſtande der Sonne von uns hat; kurz, wenn eine ſolche Welt von Fixſternen in eis nem ſo unermeßlichen Abſtande von dem Auge des Beobachters, das ſich außerhalb demſelben befindet, angeſchaut wird, fo wird dieſelbe unter einem kleinen Winkel als ein mit ſchwachem Lichte erleuchtetes Raͤumchen erſcheinen, deſſen Figur cirkelrund ſeyn wird, wenn ſeine Fläche ſich dem Auge gerade zu darbietet, und elliptiſch, wenn es von der Seite geſehen wird. "Die Schwäche des Lichts, die Figur und die kennbare Groͤße des Durchmeſſers werden ein ſolches Phaͤnomen, wenn es vorhanden iſt, von allen Sternen, die einzeln geſehen werden, gar deutlich unter⸗ ſcheiden. Man darf ſich unter den Beobachtungen der Sternkundigen nicht lange nach dieſer Erſcheinung umſehen. Sie iſt von unter⸗ ſchiedlichen Beobachtern deutlich wahrgenommen worden. Man hat ſich uͤber ihre Seltſamkeit verwundert; man hat gemuthmaßt und bisweilen wunderlichen Einbildungen, bisweilen ſcheinbaren * * Begriffen, die aber doch eben ſo ungegruͤndet, als die erſtern waren, Platz gegeben. Die neblichen Sterne ſind es, welche wir meinen, a) oder vielmehr eine Gattung derſelben, die der Herr v. Maupertuis ſo beſchreibet ): Daß es kleine, et⸗ was mehr als das Finſtere des leeren Himmels er⸗ leuchtete Plätzchen ſeyn, die alle darin überein kommen, daß ſie mehr oder weniger offene Ellip⸗ fen vorſtellen, aber deren Licht weit ſchwaͤcher iſt, als irgend ein anderes, das man am Himmel ge⸗ wahr wird. Der Verfaſſer der Aſtrotheologie bildete ſich ein, daß es Oeffnungen im Firmamente waͤren, durch welche er den Feuerhimmel zu ſehen glaubte. Ein Philoſoph von erleuchtetern Einſichten, der ſchon angefuͤhrte Herr von Maupertuis, haͤlt fie in Betrachtung ihrer Figur und kennbaren Durchmeſſers vor erſtaunlich große Himmelskoͤrper, die durch ihre von dem Dre⸗ hungsſchwunge verurſachte große Applattung von der Seite ge⸗ ſehn, elliptiſche Geſtalten darſtellen.
tan wird leicht überführt, daß dieſe letzere Erklaͤrung gleich⸗ falls nicht ſtatt finden koͤnne. Weil dieſe Art von neblichen Ster⸗ nen außer Zweifel, zum wenigſten eben ſo weit als die uͤbrigen Fix⸗ ſterne von uns entfernet ſeyn muß; ſo waͤre nicht allein ihre Groͤſ⸗ ſe erſtaunlich, nach welcher ſie auch die groͤßten Sterne viele tauſendmal uͤbertreffen muͤßten, ſondern das waͤre am allerſelt⸗ ſamſten, daß ſie bey dieſer außerordentlichen Groͤße, da es ſelbſt⸗ leuchtende Koͤrper und Sonnen ſind, das eg ge und ſchwaͤchſte Licht an fich zeigen ſollten.
Weit natuͤrlicher und begreiflicher iſt es, daß es nicht en ſo große Sterne, ſondern Syſteme von vielen find, deren Ent fernung fie in einem fo engen Raume darſtellt, daß das Licht, welches von jedem derſelben einzeln unmerklich iſt, bey ihrer un⸗ ermeßlichen Menge in einen einfoͤrmigen blaſſen Schimmer aus⸗ ſchlaͤgt. Die Analogie mit dem Sternſyſtem, darin wir uns befinden, ihre Geſtalt, welche grade ſo iſt, als 85 es nach unſe⸗ eh rem a) Wovon ſchon einiges in der Vorrede, Seite 10 und 11 vorge⸗ kommen iſt. a 29 Abhandlung von der Figur der Sterne.
rem Lehrbegriffe ſeyn muß, die Schwaͤche des Lichts, die eine vorausgeſetzte unendliche Entfernung erfordert: Alles ſtimmt vollkommen uͤberein, dieſe elliptiſche Eiguren für eben dergleichen Weltordnungen, und ſo zu reden, Milchſtraßen zu halten, deren Verfaſſung wir eben entwickelt haben; und wenn Muthmaßungen, in denen Analogie und Beobachtung vollkommen uͤbereinſtimmen, einander zu unterſtuͤtzen, eben dieſelbe Wuͤrdigkeit haben als foͤrm⸗ liche Beweiſe, ſo wird man die Gewißheit biefer Syſteme für ausgemacht halten muͤſſen. | Nunmehr hat die Aufmerkſamkeit der Beobachter des Him⸗ | mels Bewegungsgruͤnde genug, ſich mit dieſem Gegenſtande zu beſchaͤftigen. Die Fixſterne, die wir noch einzeln unterſcheiden, beziehen ſich alſo mit der unzaͤhlbaren Menge derer, die durch ihr vereinigtes Licht den Schimmer der Milchſtraße verurſachen, auf eine gemeinſchaftliche Flaͤche, und machen dadurch ein zuſammen⸗ geordnetes Ganze, welches eine Welt von Welten iſt. In uner⸗ meßlichen Entfernungen giebt es mehr ſolcher Sternen ſyſteme (die neblichen Sterne, Nebelflecke) und die Schöpfung iſt in dem gan⸗ zen unendlichen Umfange ihrer Groͤße ee N ſyſtematiſch und auf einander beziehend. Man koͤnnte noch muthmaßen, daß eben dieſe hohere Weltord⸗ nungen nicht ohne Beziehung gegen einander ſeyn, und durch die⸗ ſes gegenſeitige Verhaͤltniß wiederum ein noch unermeßlicheres Sy» ſtem ausmachen moͤchten. Und wirklich muß eben die Anziehungs⸗ kraft, aus der wir die Bewegung der Sonnen gefolgert haben, auch bey dieſen hoͤhern Weltordnungen eine Bewegung theils noͤ⸗ thig gemacht, theils hervorgebracht haben. In der That ſteht man, daß die elliptiſchen Figuren dieſer Arten neblicher Sterne, welche der Herr von Maupertuis anfuͤhrt, eine ſehr nahe Bezie⸗ hung auf die Flaͤche der Milchſtraße haben. Es ſteht hier ein weites Feld zu Entdeckungen offen, wozu die Beobachtung den Schluͤſſel geben muß. 1) Die eigentlich K genannten neblichen.
10 Lambert ſcheint ungewiß geweſen zu 1 5 wofuͤr er die Ne⸗ belſterne halten ſollte. An einigen Orten ſeiner Briefe ſcheint er ſie fuͤr entfernte Milchſtraßen zu halten; an andern nur für ein reflectirtes Licht eines von benachbarten Sonnen erleuchteten dun⸗ keln Centralkoͤrpers; an andern vermuthet er das Daſeyn meh⸗ rerer Milchſtraßen, ohne dabei an die Nebelſterne zu denken. Man B B Sterne, und die, uͤber welche man ſtreitig iſt, fie fo zu benen⸗ nen, muͤßten nach Anleitung dieſes Lehrbegriffs unterſucht und geprüft werden. Wenn man die Theile der Natur nach Abſich⸗ ten und einem entdeckten Entwurfe betrachtet, ſo eroͤfnen ſich ge⸗ wiſſe Eigenſchaften, die ſonſt uͤberſehen werden und verborgen bleiben, wenn ſich die Beobachtung ohne Anleitung auf alle Ge⸗ genſtaͤnde zerſtreuet. N 4 en Der Lehrbegriff, den wir vorgetragen haben, eroͤfnet uns eine 15 Ausſicht in das unendliche Feld der Schoͤpfung, und bietet eine Vorſtellung von dem Werke Gottes dar, die der Unendlichkeit des großen Werkmeiſters gemaͤß iſt. Wenn die Groͤße eines pla⸗ netiſchen Weltbaues, darin die Erde als ein Sandkorn kaum be⸗ merkt wird, den Verſtand in Verwunderung ſetzt, mit welchem Erſtaunen wird man en tzuͤckt, wenn man die unendliche Menge Welten und Syſteme anſieht, die den Inbegriff der Milchſtraße erfüllen; allein wie vermehrt ſich dieſes Erſtaunen, wenn man gewahr wird, daß alle dieſe unermeßlichen Sternordnungen wie⸗ derum die Einheit von einer Zahl machen, deren Ende wir nicht wiſſen, und die vielleicht eben ſo wie jene unbegreiflich groß, und doch wiederum noch die Einheit einer neuen Zahlverbindung iſt. Wir ſehen die erſten Glieder eines fortſchreitenden Verhaͤltniſſes von Welten und Syſtemen, und der erſte Theil dieſer unendlichen Progreſſion giebt ſchon zu erkennen, was man von dem Ganzen vermuthen ſoll. Es iſt hie kein Ende, ſondern ein Abgrund einer wahren Unermeßlichkeit, worein alle Faͤhigkeit der menſch⸗ lichen Begriffe ſinkt, wenn fie gleich durch die Huͤlfe der Zahl⸗ wiſſenſchaft erhoben wird. Die Weisheit, die Guͤte, die Macht, die ſich offenbart hat, iſt unendlich, und in eben dem kann alſo dieſe Vorſtellung nicht einen von Lambert gewagten Ge⸗ danken nennen, wie in Erxlebens Naturlehre 1772. geſagt wird; ſondern auch dieſe gehört Hrn. Kanten in Anſehung der Prioritaͤt zu. S. — In den drei Abhandlungen des Hrn. Herſchels, die i.
J. 1771. Hr. Sommer deutſch herausgab, finden ſich eine Menge Beobachtungen und Entdeckungen von mancherlei Arten von Ne⸗ belſternen, Nebelflecken, Schimmergeſtalten am Firmamente, wo⸗ durch Hrn. Kants Ideen beſtaͤtigt und weiter ausgeführt werden.
Man ſehe davon auch Bodens Kenntniß des geſt. Himm. 1792. Seite 543. und aſtrom. Jahrbuͤcher fuͤr 1791 und 1794. H.
43 Maaße fruchtbar und geſchaͤftig; der Plan ihrer Offenbarung muß daher eben wie fie unendlich und ohne Grenzen ſeyn a. Es ſind aber nicht allein im Großen wichtige Entdeckungen zu machen, die den Begriff zu erweitern dienen, den man ſich von der Groͤße der Schoͤpfung machen kann. Im Kleinern iſt nicht weniger unentdeckt, und wir ſehen fogar in unſerer Sonnenwelt die Glieder eines Syſtems, die unermeßlich weit von einander abſtehen, und zwiſchen welchen man die Zwiſchentheile noch nicht entdeckt hat. Sollte zwiſchen dem Saturn, dem aͤußerſten un⸗ ter den Wandelſternen, die wir kennen, und dem am wenigſten eccentriſchen Kometen, der vielleicht von einer o und mehrmal entlegenern Entfernung zu uns herabſteigt, kein Planet mehr ſeyn b) deſſen Bewegung der kometiſchen näher als jener kame? und ſollten nicht noch andere mehr durch eine Annäherung ihrer Be⸗ ſtimmungen, vermittelſt einer Reihe von Zwiſchengliedern, die Planeten nach und nach in Kometen verwandeln, und die letztere Gattung mit der erſtern zuſammen haͤngen? ee Das Geſetz, nach welchem die Eccentricitaͤt der Planetenkreiſe ſich in Gegenhaltung ihres Abſtands von der Sonne verhalt) unterſtützt dieſe Vermuthung. Die Eccentricitaͤt in den Bewe⸗ gungen der Planeten nimmt mit demſelben Abſtande von der Som u 2 rg 00 Human ban A Be Bee Ba 1791. von Seite 547. — Er vermuthet als Eentialz Sonne; der Milchſtraße den Sirius und unſer Sonnenſyſtem in die Gegend des Adlers und Schwans, fo wie er auch für alle andre Schr fragen zuſammen eine einzige Haupt ⸗ Sonne, den eigentlichen Sitz der alles lenkenden Gottheit, vermuthet. — Siehe auch, was in den folgenden Hauptſtüͤcken des zten Buchs geſagt wird.
b) So wie der große Leibnitz ein zuſammenhaͤngendes Glied der Schoͤpfungskette zwiſchen Pflanze und Thier vermuthete und Trembley ſie auch nachher wirklich in den Polypen entdeckte; ſo vermuthet hier Kant Planeten über dem Saturne, und Herſchel hat, wie allgemein bekannt iſt, einen, nämlich den Uranus (mit 2 Monden) i. J. 1787 entdeckt, deſſen Bewegung aber noch planetiſch⸗ regular iſt, indem er ſeine elliptiſche Bahn um die Sonne in 83 Jahren vollendet, in jeder Sekunde neun zehntel Meilen zurück ſegt, und als ein Stern ster Große dem bloßen Auge ſichtbar iſt. Sein erſter Mond braucht 8 Tage 17 Stunden, der andre 13 Tage 11 Stunden zu ſeinem Umlaufe um den Planeten; Herſchel entdeckte ſie im Jahr 1787. Man ſehe Bodens, Sacks und Wurms Abhandlungen davon.
x ee n ne zu, und die entfernten Planeten kommen haha der Beſtim⸗ mung der Kometen näher. Es iſt alſo zu vermuthen, daß es noch andere Planeten uͤber dem Saturn (Uranus) geben wird, welche noch eccentriſcher, und dadurch alſo j jenem noch näher verwandt, vermittelſt einer beftändigen Leiter die Planeten e zu Kome⸗ ten machen. Die Eccentricitaͤt iſt bey der Venus 116 von der halben Achfe ihres elliptifchen Kreiſes; bey der Erde Ig, bey Ju⸗ piter 28, und beym Saturn 5, derſelben; fit nimmt alſo au⸗ genſcheinlich mit den Entfernungen zu a). Es iſt wahr, Mer⸗ kur und Mars nehmen ſich durch ihre viel größere. Eccentricitaͤt, als das Maas ihres Abſtandes von der Sonne es erlaubt, von dieſem Geſetze aus, aber wir werden im Folgenden belehrt werden, daß eben dieſelben Urſachen, weswegen einigen Planeten bey ihrer Bildung eine kleinere Maſſe zu Theil worden, auch die Ermange⸗ Lung des zum Cirkellaufe erforderlichen Schwunges, folglich die Eccentricitaͤt nach ſich gezogen, folglich fie in beyden Stuͤkken un⸗ vollſtäͤndig gelaſſen hat. 8 Iſt es dieſem zufolge nicht wahrſcheinlich, daß bie Abnahme der Eccentricitaͤt der uͤber dem Saturn zunächft befindlichen Him⸗ melskoͤrper ohngefehr eben ſo gemaͤßigt „als in den untern ſey, und daß die Planeten durch minder plögliche Abfälle mit dem Ge⸗ Schlechte der Kometen verwandt ſeyn; denn es iſt gewiß, daß eben dieſe Eccentricitaͤt den weſentlichen Unterſchied zwiſchen den Ko⸗ meten und Planeten macht, und die Schweife und Dunſtkugeln f derſelben nur deren Folge ſind; imgleichen, daß eben die Urſache, welche es auch immerhin ſeyn mag, die den Himmelskoͤrpern⸗ ihre Kreisbewegungen ertheilt hat, bey groͤßern Entfernungen bist, allein ſchwaͤcher geweſen, den Drehungsſchwung der Sen⸗ 2) Dieſe Entfernungen der Planeten von ber Sonne kann man auf folgende kleine Zahlen redueiren. Wenn der Abſtand des Saturns von der Sonne auf 100 Theile geſetzt wird, ſo iſt Mer⸗ eur 4 folder Theile von der Sonne entfernt, Venus 4 und 3 2 7, Erde 4 und 6= 10; Mars 4 und 12 = 16; Jupiter 4 und 48 = 52; Saturn 4 und 96 = 0%; Uranus 4 und 192 — 196. Zugleich erhellt 1 eine ordentliche Progreß on der Entfernungsweiten, welche aber zwiſchen Mars und Jupiter durch eine Luͤcke (von 4 und 24 = 28 ſolcher Theile) unter⸗ brochen iſt, daher man an dieſem Orte einen noch unentdeck⸗ ten Planeten ermuthen kann, der ſeinen Umlauf in 4 und einem halben Jahre vollenden mußte. er 1 kungektaft gleich zu machen, und dadurch dle Bewegungen eceen⸗ triſch gelaſſen hat, ſondern auch eben deswegen weniger vermoͤ⸗ gend geweſen, die Kreiſe dieſer Kugeln auf eine gemeinfchaftliche Flache, auf welcher ſich die untern bewegen, zu bringen, und da⸗ durch die Ausſchweifung der Kometen nach allen Gegenden ver⸗ anlaßt hat. 5 8 Man würde nach dieſer Vermuthung uch vielleicht die Eut⸗ deckung neuer Planeten über dem Saturn (Uranus) zu hoffen hr ben, die eccentriſcher als dieſer, und alfo der kometiſchen Eigen⸗ ſchaft naͤher ſeyn würden; aber eben daher wuͤrde man ſie nur eine kurze Zeit, nemlich in der Zeit ihrer Sonnennaͤhe, erblicken konnen, welcher Umſtand zuſammt dem geringen Maaße der An⸗ naͤherung und der Schwäche des Lichts die Entdeckung deſſelben bisher verhindert haben, und auch aufs kuͤnftige ſchwer machen müſſen. Der letzte Planet und erſte Komet würde, wenn es fo beliebte, derjenige koͤnnen genannt werden, deſſen Eccentricitaͤt ſo groß waͤre, daß er in ſeiner Sonnennaͤhe den Kreis des ihm naͤchſten Planeten, vielleicht alſo des Saturns, durchſchnitte.
ER gem ae a Naturgeſchichte und bete de 8s Himmels. Zweiter Theil.
Won d dem erste Zustande der Natur, der Bildung der Himmels „körper, den Urſachen ihrer Bewegung und der ſyſtematiſchen „Beziehung derſelben, ſowohl in dem Planerengebäude in⸗ „ſenderheit, als auch in Anſehung der r ganzen Schöpfung.
1. = — — — Schau umher AJgn unſrer Welt, ſieh wie das Band der Liebe Was unten und was oben * 5 i Wie die Na atur die ſchoͤpferi che K and Du dieſem Zwecke bietet; uͤberall Geſellen ſich Atomen zu Atomen, PN Sich anziehn und dem Zuge folgen iſt Ihr ewig Streben nach Vereinigung. Schau vie Materie zunaͤchſt, wie fie Mit mannigfaltiger Lebendigkeit Begabt zum allgemeinen Mittelpunkt Dem Wohl der Welt ſich neiget.— — — Pope.
Erſtes Hauptſtück.
N Von dem Urſprunge des planetiſchen Weltbaues überhaupt und den Urſachen der Bewegungen der Planeten.
A Die Betrachtung des Weltbaus zeigt in Anſehung der wech⸗ ſelſeitigen Beziehung, die ſeine Theile unter einander haben, und wodurch ſie die Urſache bezeichnen, von der ſie herſtammen, zwo Seiten, welche beyde gleich wahrſcheinlich und annehmungswuͤr⸗ dig ſind. Wenn man eines Theils erwaͤgt: daß 7 Planeten mit 14 Begleitern, die um die Sonne, als ihren Mittelpunkt, Kreiſe beſchreiben, alle nach einer Seite ſich bewegen, und zwar nach i \ A derjenigen, nach welcher ſich die Sonne ſelbſt dreht, welche ihrer alle Umlaͤufe durch die Kraft der Anziehung regiert, daß ihre Kreiſe nicht weit von einer gemeinſchaftlichen Fläche abweichen, naͤmlich von der verlaͤngerten Aequatorsflaͤche der Sonne, daß bey den entfernteſten der zur Sonnenwelt gehoͤrigen Himmelskoͤrper, wo die gemeine Urſache der Bewegung dem Vermuthen nach nicht fo kraͤftig geweſen, als in der Nähe zum Mittelpunkte Abwei⸗ chungen von der Genauigkeit dieſer Beſtimmungen Statt gefunden, die mit dem Mangel der eingedruͤckten Bewegung ein gnugſames Verhaͤltniß haben, wenn man, ſage ich, dieſen ganzen Zuſammen⸗ hang erwaͤgt: ſo wird man bewogen, zu glauben, daß eine Ur⸗ ſache, welche es auch ſey, einen durchgaͤngigen Einfluß in dem ganzen Raume des Syſtems gehabt hat, und daß die Eintracht in der Richtung und Stellung der planetiſchen Kreiſe eine Folge der Uebereinſtimmung ſey, die ſie alle mit derjenigen materialiſchen Ur⸗ ſache gehabt haben muͤſſen, dadurch ſie in Bewegung geſetzt worden.
Wenn wir andern Theils den Raum erwaͤgen, in dem die Pla⸗ neten unſers Syſtems herum laufen, fo iſt er vollkommen leer) und aller Materie beraubt, die eine Gemeinſchaft des Einfluſſes auf dieſe Himmelskoͤrper verurſachen, und die Ueberſtimmung unter ihren Bewegungen nach ſich ziehen koͤnnte. Dieſer Umſtand iſt mit vollkommner Gewißheit ausgemacht, und uͤbertrift noch, wo moͤglich, die vorige Wahrſcheinlichkeit. Newton, durch dieſen Grund bewogen, konnte keine materialiſche Urſache ver⸗ ſtatten, die durch ihre Erſtreckung in dem Raume des planetenge⸗ baͤudes die Gemeinſchaft der Bewegungen unterhalten ſollte. Er behauptete, die unmittelbare Hand Gottes habe dieſe Anordnung ohne die Anwendung der Kraͤfte der Natur ausgerichtet.
Man ſieht bey unpartheyiſcher Erwaͤgung: daß die Gruͤnde hier von beyden Seiten gleich ſtark und beyde einer voͤlligen Ge⸗ wißheit gleich zu ſchaͤtzen ſind. Es iſt aber auch eben ſo klar, daß ein Begriff ſeyn muͤſſe, in welchem dieſe dem Scheine nach ) Ich unterſuche hier nicht, ob dieſer Raum in dem allereigentlich⸗ ſten Verſtande koͤnne leer genannt werden. Denn hier iſt genug zu bemerken, daß alle Materie, die etwa in dieſem Raume anzu⸗ treffen ſeyn moͤchte, viel zu unvermoͤgend ſey, als daß ſie in An⸗ ſehung der bewegten Maſſen, ‚son denen die Frage iſt, einige Wir⸗ kung ausüben konnte. N | ie