selbst immer besser und achtungswürdiger zu machen; deren Anblick wiederum die Liebe des Kindes fortdauernd belebt und verstärkt, und ihm zu allen seinen fernern Bestrebungen neue Kraft gibt. Dagegen wird diese Liebe ertötet durch Nichtbeachtung oder anhaltendes unbilliges Verkennen; ganz besonders aber erzeugt es sogar Haß, wenn man in der Behandlung desselben Eigennützigkeit blicken läßt, und zum Beispiel einen durch die Unvorsichtigkeit desselben verursachten Verlust als ein Hauptverbrechen behandelt. Es sieht sich sodann als ein bloßes Werkzeug betrachtet, und dies empört sein zwar dunkles, aber dennoch nicht abwesendes Gefühl, daß es durch sich selbst einen Wert haben müsse.
Um dies an einem Beispiele zu belegen. Was ist es doch, das dem Schmerze der Züchtigung beim Kinde noch die Scham hinzufügt, und was ist diese Scham? Offenbar ist sie das Gefühl der Selbstverachtung, die es sich zufügen muß, da ihm das Mißfallen seiner Eltern und Erzieher bezeugt wird. Daher denn auch in einem Zusammenhange, wo die Bestrafung von keiner Scham begleitet wird, es mit der Erziehung zu Ende ist, und die Bestrafung erscheint als eine Gewalttätigkeit, über die der Zögling mit hohem Sinne sich hinwegsetzt und ihrer spottet.
Dies also ist das Band, was die Menschen zur Einheit des Sinnes verknüpft und dessen Entwicklung ein Hauptbestandteil der Erziehung zum Menschen ist -- keineswegs sinnliche Liebe, sondern Trieb zu gegenseitiger Achtung. Dieser Trieb gestaltet sich auf eine doppelte Weise: im Kinde, ausgehend von unbedingter Achtung für die erwachsene Menschheit außer sich, zu dem Triebe, von dieser geachtet zu werden, und an ihrer wirklichen Achtung, als seinem Maßstabe, abzunehmen, inwiefern es auch selbst sich achten dürfe. Dieses Vertrauen auf einen fremden und außer uns befindlichen Maßstab der Selbstachtung ist auch der eigentümliche Grundzug der Kindheit und Unmündigkeit, auf dessen Vorhandensein ganz allein die Möglichkeit aller Belehrung und aller Erziehung der nachwachsenden Jugend zu vollendeten Menschen sich gründet.
Der mündige Mensch hat den Maßstab seiner Selbstschätzung in ihm selber, und will von andern geachtet sein, nur inwiefern sie selbst erst seiner Achtung sich würdig gemacht haben; und bei ihm nimmt dieser Trieb die Gestalt des Verlangens an, andre achten zu können, und Achtungswürdiges außer sich hervorzubringen.
Wenn es nicht einen solchen Grundtrieb im Menschen gäbe, woher käme doch die Erscheinung, daß es dem auch nur erträglich guten Menschen wehe tut, die Menschen schlechter zu finden, als er sie sich dachte, und daß es ihn tief schmerzt, sie verachten zu müssen; da es ja der Selbstsucht im Gegenteile wohltun müßte, über andre sich hochmütig erheben zu können? Diesen letzten Grundzug der Mündigkeit nun soll der Erzieher darstellen, so wie auf den ersten bei dem Zöglinge sicher zu rechnen ist. Der Zweck der Erziehung in dieser Rücksicht ist es eben, die Mündigkeit in dem von uns angegebenen Sinne hervorzubringen, und nur, nachdem dieser Zweck erreicht ist, ist die Erziehung wirklich vollendet und zu Ende gebracht. Bisher sind viele Menschen ihr ganzes Leben hindurch Kinder geblieben: diejenigen, welche zu ihrer Zufriedenheit des Beifalls der Umgebung bedurften, und nichts Rechtes geleistet zu haben glaubten, als wenn sie dieser gefielen. Ihnen hat man entgegengesetzt, als starke und kräftige Charaktere, die wenigen, die über fremdes Urteil sich zu erheben und sich selbst zu genügen vermochten, und hat diese in der Regel gehaßt, indes man jene zwar nicht achtete, aber dennoch sie liebenswürdig fand.
Die Grundlage aller sittlichen Erziehung ist es, daß man wisse, es sei ein solcher Trieb im Kinde, und ihn festiglich voraussetze, sodann, daß man ihn in seiner Erscheinung erkenne, und ihn durch zweckmäßige Aufregung und durch Darreichung eines Stoffs, woran er sich befriedige, allmählich immer mehr entwickle. Die allererste Regel ist, daß man ihn auf den ihm allein angemessenen Gegenstand richte, auf das Sittliche, keineswegs aber etwa in einem ihm fremdartigen Stoffe ihn abfinde. Das Lernen zum Beispiel führt seinen Reiz und seine Belohnung in sich selber; höchstens könnte angestrengter Fleiß, als eine Uebung der Selbstüberwindung, Beifall verdienen; aber dieser freie und über die Forderung hinausgehende Fleiß wird wenigstens in der bloßen, allgemeinen Nationalerziehung kaum eine Stelle finden. Daß daher der Zögling lerne, was er soll, muß betrachtet werden als etwas, das sich eben von selbst versteht, und wovon nicht weiter geredet wird; selbst das schnellere und bessere Lernen des fähigern Kopfs muß betrachtet werden eben als ein bloßes Naturereignis, das ihm selber zu keinem Lobe oder Auszeichnung dient, am allerwenigsten aber andre Mängel verdeckt. Nur im Sittlichen soll diesem Trieb sein Wirkungskreis angewiesen werden; aber die Wurzel aller Sittlichkeit ist die Selbstbeherrschung, die Selbstüberwindung, die Unterordnung seiner selbstsüchtigen Triebe unter den Begriff des Ganzen.
Nur durch diese, und schlechthin durch nichts andres, sei es dem Zöglinge möglich, den Beifall des Erziehers zu erhalten, dessen für seine eigne Zufriedenheit zu bedürfen er von seiner geistigen Natur angewiesen und durch die Erziehung gewöhnt ist.
Es gibt, wie wir schon in unsrer zweiten Rede erinnert haben, zwei sehr verschiedene Weisen jener Unterordnung des persönlichen Selbst unter das Ganze. Zuvörderst diejenige, die schlechthin sein muß, und keinem in keinem Stücke erlassen werden kann, die Unterwerfung unter das, um der bloßen Ordnung des Ganzen willen entworfene, Gesetz der Verfassung. Wer gegen dieses sich nicht vergeht, den trifft nur nicht Mißfallen, keineswegs aber wird ihm Beifall zuteil; so wie den, der sich dagegen verginge, wirkliches Mißfallen und Tadel treffen würde, der da, wo öffentlich gefehlt worden, auch öffentlich ergehen müßte, und, wo er fruchtlos bliebe, sogar durch hinzugefügte Strafe geschärft werden könnte. Sodann gibt es eine Unterordnung des einzelnen unter das Ganze, die nicht gefordert, sondern nur freiwillig geleistet werden kann: daß man durch eigne Aufopferung den Wohlstand desselben steigere und vermehre. Um das Verhältnis der bloßen Gesetzmäßigkeit und dieser höhern Tugend zueinander den Zöglingen gleich von Jugend auf recht einzuprägen, wird es zweckmäßig sein, nur demjenigen, gegen den einen gewissen Zeitraum hindurch in der ersten Rücksicht keine Klage gewesen, solche freiwillige Aufopferungen, gleichsam als den Lohn der Gesetzmäßigkeit zu gestatten, dem aber, der in Regelmäßigkeit und Ordnung seiner selbst noch nicht ganz sicher ist, die Erlaubnis dazu zu versagen. Die Gegenstände solcher freiwilligen Leistungen sind im allgemeinen schon oben angezeigt, und werden tiefer unten sich noch näher ergeben. Dieser Art der Aufopferung werde zuteil tätige Billigung, wirkliche Anerkennung ihrer Verdienstlichkeit, keineswegs zwar öffentlich, als Lob, was das Gemüt verderben und eitel machen, und es von der Selbständigkeit ableiten könnte, sondern im geheimen und mit dem Zögling allein. Diese Anerkennung soll nichts mehr sein, als das eigne, dem Zöglinge auch äußerlich dargestellte gute Gewissen desselben, und die Bestätigung seiner Zufriedenheit mit sich selbst, seiner Selbstachtung, und die Ermunterung, sich auch ferner zu vertrauen. Die hierbei beabsichtigten Vorteile würde folgende Einrichtung vortrefflich befördern. Wo mehrere Erzieher und Erzieherinnen sind, wie wir denn dies als die Regel voraussetzen, da wähle jedes Kind frei, und so wie sein Vertrauen und sein Gefühl dasselbe treibt, einen darunter zum besondern Freunde und gleichsam Gewissensrate.
Bei diesem suche es Rat in allen Fällen, wo es ihm schwer wird, recht zu tun; er helfe ihm durch freundliche Zusprache nach; er sei der Vertraute der freiwilligen Leistungen, die es übernimmt; und er sei endlich derjenige, der das Treffliche mit seinem Beifalle krönt. In den Personen dieser Gewissensräte nun müßte die Erziehung, jedem einzelnen nach seiner Weise, folgegemäß zu immer größerer Stärke in der Selbstüberwindung und Selbstbeherrschung emporhelfen; und so wird allmählich Festigkeit und Selbständigkeit entstehen, durch deren Erzeugung die Erziehung sich selbst abschließt und für die Zukunft aufhebt.
Durch eignes Tun und Handeln schließt sich uns am klarsten der Umfang der sittlichen Welt auf, und wem sie also aufgegangen ist, dem ist sie wahrhaftig aufgegangen. Ein solcher weiß nun selbst, was in ihr enthalten ist, und bedarf keines fremden Zeugnisses mehr über sich, sondern vermag es, selbst ein richtiges Gericht über sich zu halten und ist von nun an mündig.
Wir haben durch das soeben Gesagte eine Lücke, die in unserm bisherigen Vortrage blieb, geschlossen, und unsern Vorschlag erst wahrhaftig ausführbar gemacht. Das Wohlgefallen am Rechten und Guten um seiner selbst willen, soll durch die neue Erziehung an die Stelle der bisher gebrauchten sinnlichen Hoffnung oder Furcht gesetzt werden, und dieses Wohlgefallen soll, als einzig vorhandene Triebfeder, alles künftige Leben in Bewegung setzen: dies ist die Hauptsache unsers Vorschlags. Die erste hierbei sich aufdringende Frage ist: aber, wie soll denn nun jenes Wohlgefallen selbst erzeugt werden? Erzeugt werden, im eigentlichen Sinne des Wortes, kann es nun wohl nicht; denn der Mensch vermag nicht aus Nichts etwas zu machen. Es muß, wenn unser Vorschlag irgend ausführbar sein soll, dieses Wohlgefallen ursprünglich vorhanden sein, und schlechthin in allen Menschen ohne Ausnahme vorhanden sein und ihnen angeboren werden. So verhält es sich denn auch wirklich. Das Kind ohne alle Ausnahme will recht und gut sein, keineswegs will es, so wie ein junges Tier bloß wohl sein. Die Liebe ist der Grundbestandteil des Menschen; diese ist da, so wie der Mensch da ist, ganz und vollendet, und es kann ihr nichts hinzugefügt werden; denn diese liegt hinaus über die fortwachsende Erscheinung des sinnlichen Lebens und ist unabhängig von ihm. Nur die Erkenntnis ist es, woran sich dieses sinnliche Leben knüpft, und welche mit demselben entsteht und fortwächst. Diese entwickelt sich nur langsam und allmählich im Fortlaufe der Zeit. Wie soll nun, so lange, bis ein geordnetes Ganzes von Begriffen des Rechten und Guten entstehe, an welches das treibende Wohlgefallen sich knüpfen könne, jene angeborene Liebe über die Zeiten der Unwissenheit hinwegkommen, sich entwickeln und üben? Die vernünftige Natur hat ohne alles unser Zutun der Schwierigkeit abgeholfen. Das dem Kinde in seinem Innern abgehende Bewußtsein stellt sich ihm äußerlich und verkörpert dar an dem Urteile der erwachsenen Welt. Bis in ihm selbst ein verständiger Richter sich entwickle, wird es durch einen Naturtrieb an diese verwiesen, und so ihm ein Gewissen außer ihm gegeben, bis in ihm selber sich eins erzeuge. Diese bis jetzt wenig bekannte Wahrheit soll die neue Erziehung anerkennen, und sie soll die ohne ihr Zutun vorhandene Liebe auf das Rechte leiten. Bis jetzt ist in der Regel diese Unbefangenheit und diese kindliche Gläubigkeit der Unmündigen an die höhere Vollkommenheit der Erwachsenen zum Verderben derselben gebraucht worden; ihre Unschuld gerade, und ihr natürlicher Glauben an uns, machte es uns möglich, ihnen statt des Guten, das sie innerlich wollten, unser Verderbnis, das sie verabscheut haben würden, wenn sie es zu erkennen vermocht hätten, einzupflanzen, noch ehe sie Gutes und Böses unterscheiden konnten.
Dies ist eben die allergrößte Vergehung, die unsrer Zeit zur Last fällt; und es wird hierdurch auch die täglich sich darbietende Erscheinung erklärt, daß in der Regel der Mensch um so schlechter, selbstsüchtiger, für alle guten Regungen erstorbener und zu jedem rechten Werke untauglicher wird, je mehr Jahre er zählt, und um je weiter daher er sich von den ersten Tagen seiner Unschuld, die fürs erste noch immer in einigen Ahnungen des Guten leise nachklingen, entfernt hat; es wird dadurch ferner bewiesen, daß das gegenwärtige Geschlecht, wenn es nicht einen durchaus trennenden Abschnitt in sein Fortleben macht, eine noch verdorbenere Nachkommenschaft, und diese eine abermals verdorbenere, notwendig hinterlassen werde. Von solchen sagt ein verehrungswürdiger Lehrer des Menschengeschlechts mit treffender Wahrheit, daß es besser sei, wenn ihnen beizeiten ein Mühlstein an den Hals gehängt würde und sie ersäufet würden im Meere, da wo es am tiefsten ist. Es ist eine abgeschmackte Verleumdung der menschlichen Natur, daß der Mensch als Sünder geboren werde: wäre dies wahr, wie könnte doch jemals an ihn auch nur ein Begriff von Sünde kommen, der ja nur im Gegensatze mit einer Nichtsünde möglich ist? Er lebt sich zum Sünder; und das bisherige menschliche Leben war in der Regel eine im steigenden Fortschritte begriffene Entwicklung der Sündhaftigkeit.
Das Gesagte zeigt in einem neuen Lichte die Notwendigkeit, ohne Verzug Anstalt zu einer wirklichen Erziehung zu machen.
Könnte nur die nachwachsende Jugend ohne alle Berührung mit den Erwachsenen und völlig ohne Erziehung aufwachsen, so möchte man ja immer den Versuch machen, was sich hieraus ergeben würde.
Aber, wenn wir sie auch nur in unsrer Gesellschaft lassen, macht ihre Erziehung, ohne allen unsern Wunsch oder Willen, sich von selbst; sie selbst erziehen sich an uns: unsre Weise zu sein dringt sich ihnen auf als ihr Muster, sie eifern uns nach, auch ohne daß wir es verlangen, und sie begehren nichts andres, denn also zu werden, wie wir sind. Nun aber sind wir in der Regel und nach der großen Mehrheit genommen, durchaus verkehrt, teils ohne es zu wissen, und indem wir selbst, ebenso unbefangen wie unsre Kinder, unsre Verkehrtheit für das Rechte halten; oder, wenn wir es auch wüßten, wie vermöchten wir doch in der Gesellschaft unsrer Kinder plötzlich das, was ein langes Leben uns zur zweiten Natur gemacht hat, abzulegen, und unsern ganzen alten Sinn und Geist mit einem neuen zu vertauschen? In der Berührung mit uns müssen sie verderben, dies ist unvermeidlich; haben wir einen Funken Liebe für sie, so müssen wir sie entfernen aus unserm verpestenden Dunstkreise und einen reinern Aufenthalt für sie errichten. Wir müssen sie in die Gesellschaft von Männern bringen, welche, wie es auch übrigens um sie stehen möge, dennoch durch anhaltende Uebung und Gewöhnung wenigstens die Fertigkeit sich erworben haben, sich zu besinnen, daß Kinder sie beobachten, und das Vermögen, wenigstens so lange sich zusammenzunehmen, und die Kenntnis, wie man vor Kindern erscheinen muß; wir müssen aus dieser Gesellschaft in die unsrige sie nicht eher wieder zurücklassen, bis sie unser ganzes Verderben gehörig verabscheuen gelernt haben, und vor aller Ansteckung dadurch völlig gesichert sind.
Soviel haben wir über die Erziehung zur Sittlichkeit im allgemeinen hier beizubringen für nötig erachtet.
Daß die Kinder in gänzlicher Absonderung von den Erwachsenen mit ihren Lehrern und Vorstehern allein zusammenleben sollen, ist mehrmals erinnert. Es versteht sich ohne unser besonderes Bemerken, daß beiden Geschlechtern diese Erziehung auf dieselbe Weise zuteil werden müsse. Eine Absonderung dieser Geschlechter in besondere Anstalten für Knaben und Mädchen würde zweckwidrig sein, und mehrere Hauptstücke der Erziehung zum vollkommenen Menschen aufheben. Die Gegenstände des Unterrichts sind für beide Geschlechter gleich; der in den Arbeiten stattfindende Unterschied kann, auch bei Gemeinschaftlichkeit der übrigen Erziehung, leicht beobachtet werden. Die kleinere Gesellschaft, in der sie zu Menschen gebildet werden, muß, ebenso wie die größere, in die sie einst als vollendete Menschen eintreten sollen, aus einer Vereinigung beider Geschlechter bestehen; beide müssen erst gegenseitig ineinander die gemeinsame Menschheit anerkennen und lieben lernen, und Freunde haben und Freundinnen, ehe sich ihre Aufmerksamkeit auf den Geschlechtsunterschied richtet, und sie Gatten und Gattinnen werden. Auch muß das Verhältnis der beiden Geschlechter zueinander im ganzen, starkmütiger Schutz von der einen, liebevoller Beistand von der andern Seite, in der Erziehungsanstalt dargestellt und in den Zöglingen gebildet werden.
Wenn es zur Ausführung unsers Vorschlags kommen sollte, würde das erste Geschäft sein, ein Gesetz für die innere Verfassung dieser Erziehungsanstalten zu entwerfen. Wenn der von uns aufgestellte Grundbegriff nur gehörig durchdrungen ist, so ist dies eine sehr leichte Arbeit, und wir wollen uns hier dabei nicht aufhalten.
Ein Haupterfordernis dieser neuen Nationalerziehung ist es, daß in ihr Lernen und Arbeiten vereinigt sei, daß die Anstalt durch sich selbst sich zu erhalten den Zöglingen wenigstens scheine, und daß jeder in dem Bewußtsein erhalten werde, zu diesem Zwecke nach aller seiner Kraft beizutragen. Dies wird, durchaus noch ohne alle Beziehung auf den Zweck der äußern Ausführbarkeit und der Sparsamkeit hierbei, die man unserm Vorschlage ohne Zweifel anmuten wird, schon unmittelbar durch die Aufgabe der Erziehung selbst gefordert; teils darum, weil alle, die bloß durch die allgemeine Nationalerziehung hindurchgehen, zu den arbeitenden Ständen bestimmt sind, und zu deren Erziehung die Bildung zum tüchtigen Arbeiter ohne Zweifel gehört; besonders aber darum, weil das gegründete Vertrauen, daß man sich stets durch eigne Kraft werde durch die Welt bringen können und für seinen Unterhalt keiner fremden Wohltätigkeit bedürfe, zur persönlichen Selbständigkeit des Menschen gehört, und die sittliche, weit mehr als man bis jetzt zu glauben scheint, bedingt. Diese Bildung würde einen andern, bis jetzt auch in der Regel dem blinden Ungefähr preisgegebenen Teil der Erziehung abgeben, den man die wirtschaftliche Erziehung nennen könnte, und der keineswegs aus der dürftigen und beschränkten Ansicht, über welche einige unter Benennung der Oekonomie spotten, sondern aus dem höhern sittlichen Standpunkte angesehen werden muß. Unsre Zeit stellt es oft als einen über alle Gegenrede erhabenen Grundsatz auf, daß man eben schmeicheln, kriechen, sich zu allem gebrauchen lassen müsse, wenn man leben wolle, und daß es auf keine andre Weise angehe. Sie besinnt sich nicht, daß, wenn man sie auch mit dem heroischen, aber durchaus wahren Gegenspruche verschonen wollte, daß wenn es so ist, sie eben nicht leben, sondern sterben solle, noch die Bemerkung übrigbleibt, daß sie hätte lernen sollen, mit Ehren leben zu können. Man erkundige sich nur näher nach den Personen, die durch ehrloses Betragen sich auszeichnen; immer wird man finden, daß sie nicht arbeiten gelernt haben, oder die Arbeit scheuen, und daß sie noch überdies üble Wirtschafter sind. Darum soll der Zögling unsrer Erziehung an Arbeitsamkeit gewöhnt werden, damit er der Versuchung zur Unrechtlichkeit durch Nahrungssorgen überhoben sei, und tief, und als allererster Grundsatz der Ehre, soll es in sein Gemüt geprägt werden, daß es schändlich sei, seinen Lebensunterhalt einem andern, denn seiner Arbeit verdanken zu wollen.
Pestalozzi will während des Lernens zugleich allerlei Handarbeiten treiben lassen. Indem wir die Möglichkeit dieser Vereinigung unter der von ihm angegebenen Bedingung, daß das Kind die Handarbeit schon vollkommen fertig könne, nicht leugnen wollen, scheint uns dennoch dieser Vorschlag aus der Dürftigkeit des ersten Zwecks hervorzugehen.
Der Unterricht muß meines Erachtens als so heilig und ehrwürdig dargestellt werden, daß er der ganzen Aufmerksamkeit und Sammlung bedürfe, und nicht neben einem andern Geschäfte empfangen werden könne. Sollen in Jahreszeiten, welche die Zöglinge ohnedies ins Zimmer einschließen, in den Arbeitsstunden dergleichen Arbeiten, als da ist Stricken, Spinnen und dergleichen getrieben werden, so wird es, damit der Geist in Tätigkeit bleibe, sehr zweckmäßig sein, gemeinschaftliche Geistesübungen unter Aufsicht damit zu verknüpfen; dennoch ist jetzt die Arbeit die Hauptsache und diese Uebungen sind nicht zu betrachten als Unterricht, sondern bloß als ein erheiterndes Spiel.
Alle Arbeiten dieser niedern Art müssen überhaupt nur als Nebensache, keineswegs als die Hauptarbeit, vorgestellt werden.
Diese Hauptarbeit ist die Ausübung des Acker- und Gartenbaus, der Viehzucht, und derjenigen Handwerke, deren sie in ihrem kleinen Staate bedürfen. Es versteht sich, daß der Anteil hieran, der einem zugemutet wird, mit der körperlichen Kraft seines Alters in Gleichgewicht zu bringen, und die abgehende Kraft durch neu zu erfindende Maschinen und Werkzeuge zu ersetzen ist. Die Hauptrücksicht hierbei ist die, daß sie, soweit möglich, in seinen Gründen verstehen müssen, was sie treiben, daß sie die zu ihren Geschäften nötigen Kenntnisse von der Erzeugung der Pflanzen, von den Eigenschaften und Bedürfnissen des tierischen Körpers, von den Gesetzen der Mechanik, schon erhalten haben. Auf diese Art wird teils ihre Erziehung schon ein folgegemäßer Unterricht über die Gewerbe, die sie künftig zu treiben haben, und es wird der denkende und verständige Landwirt in unmittelbarer Anschauung gebildet, teils wird schon jetzt ihre mechanische Arbeit veredelt und vergeistigt, sie ist in eben dem Grade Beleg in der freien Anschauung dessen, was sie begriffen haben, als sie Arbeit um den Unterhalt ist, und auch in Gesellschaft mit dem Tiere und der Erdscholle bleiben sie dennoch im Umkreise der geistigen Welt, und sinken nicht herab zu den letztern.
Das Grundgesetz dieses kleinen Wirtschaftsstaates sei dieses, daß in ihm kein Artikel zu Speise, Kleidung usw. noch, soweit dies möglich ist, irgendein Werkzeug gebraucht werden dürfe, das nicht in ihm selbst erzeugt und verfertigt sei. Bedarf diese Haushaltung einer Unterstützung von außen, so werden ihr die Gegenstände in Natur, aber keine andrer Art, als die sie auch selbst hat, gereicht, und zwar ohne daß die Zöglinge erfahren, daß ihre eigne Ausbeute vermehrt worden, oder daß sie, wo das letztere zweckmäßig ist, es nur als Darlehen erhalten, und es zu bestimmter Zeit wieder zurückerstatten. Für diese Selbständigkeit und Selbstgenügsamkeit des Ganzen arbeite nun jeder einzelne aus aller seiner Kraft, ohne daß er doch mit demselben abrechne, oder für sich auf irgendein Eigentum Anspruch mache. Jeder wisse, daß er sich dem Ganzen ganz schuldig ist, und genieße nur oder darbe, wenn es sich so fügt, mit dem Ganzen. Dadurch wird die ehrgemäße Selbständigkeit des Staates und der Familie, in die er einst treten soll, und das Verhältnis ihrer einzelnen Glieder zu ihnen, der lebendigen Anschauung dargestellt, und wurzelt unaustilgbar ein in sein Gemüt.
Hier bei dieser Anführung zur mechanischen Arbeit ist der Ort, wo die in der allgemeinen Nationalerziehung liegende und auf sie gestützte Gelehrtenerziehung von der ersteren sich absondert, und wo von derselben zu sprechen ist. Die in der allgemeinen Nationalerziehung liegende Gelehrtenerziehung, habe ich gesagt. Ob es nicht auch fernerhin jedem, der eignes Vermögen genug zu haben glaubt, um zu studieren, oder der sich aus irgendeinem Grunde zu den bisherigen höhern Ständen rechnet, freistehen werde, den bisher üblichen Weg der Gelehrtenerziehung zu beschreiten, lasse ich dahingestellt sein: wie, wenn es nur einmal zur Nationalerziehung kommen sollte, die Mehrheit dieser Gelehrten, ich will nicht sagen gegen den in der neuen Schule gebildeten Gelehrten, sondern sogar gegen den aus ihr hervorgehenden gemeinen Mann, mit ihrer erkauften Gelehrsamkeit, bestehen werde, wird die Erfahrung lehren: ich aber will jetzt nicht davon, sondern von der Gelehrtenerziehung in der neuen Weise reden.
In den Grundsätzen derselben muß auch der künftige Gelehrte durch die allgemeine Nationalerziehung hindurchgegangen sein, und den ersten Teil derselben, die Entwicklung der Erkenntnis an Empfindung, Anschauung und dem, was an die letztere geknüpft wird, vollständig und klar erhalten haben. Nur dem Knaben, der eine vorzügliche Gabe zum Lernen, und eine hervorstechende Hinneigung nach der Welt der Begriffe zeigt, kann die neue Nationalerziehung erlauben, diesen Stand zu ergreifen; jedem aber, der diese Eigenschaften zeigt, wird sie es ohne Ausnahme, und ohne Rücksicht auf einen vorgeblichen Unterschied der Geburt, erlauben müssen; denn der Gelehrte ist es keineswegs zu seiner eignen Bequemlichkeit, und jedes Talent dazu ist ein schätzbares Eigentum der Nation, das ihr nicht entrissen werden darf.
Der Ungelehrte ist bestimmt, das Menschengeschlecht auf dem Standpunkte der Ausbildung, die es errungen hat, durch sich selbst zu erhalten, der Gelehrte, nach einem klaren Begriffe und mit besonnener Kunst, dasselbe weiter zu bringen. Der letztere muß mit seinem Begriffe der Gegenwart immer voraus sein, die Zukunft erfassen und dieselbe in die Gegenwart zu künftiger Entwicklung hineinzupflanzen vermögen. Dazu bedarf es einer klaren Uebersicht des bisherigen Weltzustandes, einer freien Fertigkeit im reinen und von der Erscheinung unabhängigen Denken, und, damit er sich mitteilen könne, des Besitzes der Sprache bis in ihre lebendige und schöpferische Wurzel hinein. Alles dieses erfordert geistige Selbsttätigkeit ohne alle fremde Leitung und einsames Nachdenken, in welchem darum der künftige Gelehrte von der Stunde an, da sein Beruf entschieden ist, geübt werden muß, keineswegs bloß, wie beim Ungelehrten, ein Denken unter dem Auge des stets gegenwärtigen Lehrers; es erfordert eine Menge Hilfskenntnisse, die dem Ungelehrten für seine Bestimmung durchaus unbrauchbar sind. Die Arbeit des Gelehrten und das Tagwerk seines Lebens wird eben jenes einsame Nachdenken sein; zu dieser Arbeit ist er nun sogleich anzuführen, die andre mechanische Arbeit ihm dagegen zu erlassen. Indes also die Erziehung des künftigen Gelehrten zum Menschen überhaupt mit der allgemeinen Nationalerziehung wie bisher fortginge, und er dem dahin einschlagenden Unterrichte mit allen übrigen beiwohnte, würden ihm nur diejenigen Stunden, die für die andern Arbeitsstunden sind, gleichfalls zu Lehrstunden gemacht werden müssen in demjenigen, was sein einstiger Beruf eigentümlich erfordert; und dieses wäre der ganze Unterschied. Die allgemeinen Kenntnisse des Ackerbaues, andrer mechanischen Künste und der Handgriffe dabei, die schon dem bloßen Menschen anzumuten sind, wird er ohne Zweifel schon bei seinem Durchgange durch die erste Klasse gelernt haben, oder diese Kenntnisse wären, falls dies nicht der Fall sein sollte, nachzuholen. Daß er, weit weniger denn irgendein andrer, von den eingeführten körperlichen Uebungen losgesprochen werden könne, versteht sich von selbst. Die besondern Lehrgegenstände aber, die in den gelehrten Unterricht fallen würden, sowie den dabei zu beobachtenden Lehrgang noch anzugeben, liegt außerhalb des Planes dieser Reden.
Elfte Rede.
Wem die Ausführung dieses Erziehungsplanes anheimfallen werde.
Der Plan der neuen deutschen Nationalerziehung ist für unsern Zweck hinreichend dargelegt. Die nächste Frage, die sich nun aufdringt, ist die: wer soll sich an die Spitze der Ausführung dieses Plans stellen, auf wen ist dabei zu rechnen, und auf wen haben wir gerechnet?
Wir haben diese Erziehung als die höchste und dermalen sich einzig aufdringende Angelegenheit der deutschen Vaterlandsliebe aufgestellt, und wollen an diesem Bande die Verbesserung und Umschaffung des gesamten Menschengeschlechts zuerst in die Welt einführen. Jene Vaterlandsliebe aber soll zunächst den deutschen Staat, allenthalben wo Deutsche regiert werden, begeistern, und den Vorsitz haben und die treibende Kraft sein bei allen seinen Beschlüssen. Der Staat also wäre es, auf welchen wir zuerst unsre erwartenden Blicke zu richten hätten.
Wird dieser unsre Hoffnungen erfüllen? Welches sind die Erwartungen, die wir, immer wie sich versteht, auf keinen besondern Staat, sondern auf ganz Deutschland sehend, nach dem bisherigen von ihm fassen können?
Im neuern Europa ist die Erziehung ausgegangen nicht eigentlich vom Staate, sondern von derjenigen Gewalt, von der die Staaten meistens auch die ihrige hatten, von dem himmlisch-geistigen Reiche der Kirche. Diese betrachtete sich nicht sowohl als ein Bestandteil des irdischen Gemeinwesens, sondern vielmehr als eine demselben ganz fremde Pflanzstatt aus dem Himmel, die abgesandt sei, diesem auswärtigen Staate allenthalben, wo sie Wurzel fassen konnte, Bürger anzuwerben; ihre Erziehung ging auf nichts andres, denn daß die Menschen in der andern Welt keineswegs verdammt, sondern selig würden. Durch die Reformation wurde diese kirchliche Gewalt, die übrigens fortfuhr sich ebenso anzusehen wie bisher, mit der weltlichen Macht, mit der sie bisher gar oft sogar im Widerstreite gelegen hatte, nur vereinigt; dies war der ganze Unterschied, der in dieser Rücksicht aus jener Begebenheit erfolgte. Es blieb daher auch die alte Ansicht des Erziehungswesens. Auch in den neuesten Zeiten, und bis auf diesen Tag, ist die Bildung der vermögenden Stände betrachtet worden als eine Privatangelegenheit der Eltern, die sich nach eignem Gefallen einrichten möchten, und die Kinder dieser wurden in der Regel nur dazu angeführt, daß sie sich selbst einst nützlich würden; die einzige öffentliche Erziehung aber, die des Volks, war lediglich Erziehung zur Seligkeit im Himmel; die Hauptsache war ein wenig Christentum und Lesen, und falls es zu erschwingen war, Schreiben, alles um des Christentums willen. Alle andre Entwicklung der Menschen wurde dem ohngefähren und blind wirkenden Einflusse der Gesellschaft, in welcher sie aufwuchsen, und dem wirklichen Leben selbst überlassen. Sogar die Anstalten zur gelehrten Erziehung waren vorzüglich auf die Bildung von Geistlichen berechnet; dies war die Hauptfakultät, zu der die übrigen nur den Anhang bildeten, und meistens auch nur den Abgang von jener abgetreten erhielten.
Solange diejenigen, die an der Spitze des Regiments standen, über den eigentlichen Zweck desselben im dunkeln blieben, und selbst für ihre eigne Person ergriffen waren von jener gewissenhaften Sorge für ihre und andrer Seligkeit, konnte man auf ihren Eifer für diese Art der öffentlichen Erziehung und auf ihre ernstlichen Bemühungen dafür sicher rechnen. Sobald sie aber über den ersten ins klare kamen und begriffen, daß der Wirkungskreis des Staates innerhalb der sichtbaren Welt liege, so mußte ihnen einleuchten, daß jene Sorge für die ewige Seligkeit ihrer Untertanen ihnen nicht zur Last fallen könne, und daß, wer da selig werden wolle, selbst sehen möge, wie er es mache. Sie glaubten von nun an genug zu tun, wenn sie nur die aus gottseligern Zeiten herrührenden Stiftungen und Anstalten ihrer ersten Bestimmung fernerhin überließen; so wenig angemessen und ausreichend dieselben auch für die ganz veränderten Zeiten sein mochten, ihnen mit Ersparung an ihren anderweitigen Zwecken selbst zuzulegen, hielten sie sich nicht für verbunden, tätig einzugreifen, und das zweckmäßige Neue an die Stelle des Veralteten und Unbrauchbaren zu setzen, nicht für berechtigt, und auf alle Vorschläge dieser Art war die stets fertige Antwort: hierzu habe der Staat kein Geld. Wurde ja einmal eine Ausnahme von dieser Regel gemacht, so geschah es zum Vorteile der höhern Lehranstalten, die einen Glanz weitumher verbreiten und ihren Beförderern Ruhm bereiten; die Bildung derjenigen Klasse aber, die der eigentliche Boden des Menschengeschlechts ist, aus welcher die höhere Bildung sich immerfort ergänzt, und auf welcher die letztere fortdauernd zurückwirken muß, die des Volks, blieb unbeachtet und befindet sich seit der Reformation bis auf diesen Tag im Zustande des steigenden Verfalles.
Sollen wir nun für die Zukunft und von Stund an für unsre Angelegenheit vom Staate eine bessere Hoffnung fassen können, so wäre nötig, daß derselbe den Grundbegriff vom Zwecke der Erziehung, den er bisher gehabt zu haben scheint, mit einem ganz andern vertauschte; daß er einsehe, er habe mit seiner bisherigen Ablehnung der Sorge für die ewige Seligkeit seiner Mitbürger vollkommen recht, indem es für diese Seligkeit gar keiner besondern Bildung bedürfe, und eine solche Pflanzschule für den Himmel, wie die Kirche, deren Gewalt zuletzt ihm übertragen worden, gar nicht stattfinde, aller tüchtigen Bildung nur im Wege stehe und des Dienstes entlassen werden müsse; daß es dagegen gar sehr bedürfe der Bildung für das Leben auf der Erde, und daß aus der gründlichen Erziehung für dieses sich die für den Himmel, als eine leichte Zugabe, von selbst ergebe. Der Staat scheint bisher, je aufgeklärter er zu sein meinte, desto fester geglaubt zu haben, daß er, auch ohne alle Religion und Sittlichkeit seiner Bürger, durch die bloße Zwangsanstalt, seinen eigentlichen Zweck erreichen könne, und daß in Absicht jener diese es halten möchten, wie sie könnten. Möchte er aus den neuen Erfahrungen wenigstens dies gelernt haben, daß er das nicht vermag, und daß er gerade durch den Mangel der Religion und der Sittlichkeit dahin gekommen ist, wo er sich dermalen befindet.
Möchte man ihn, in Absicht seines Zweifels, ob er auch wohl das Vermögen habe, den Aufwand einer Nationalerziehung zu bestreiten, überzeugen können, daß er durch diese einzige Ausgabe seine meisten übrigen auf die wirtschaftlichste Weise besorgen, und daß, wenn er diese nur übernimmt, er bald nur diese einzige Hauptausgabe haben werde. Bis jetzt ist der bei weitem größte Teil der Einkünfte des Staates auf die Unterhaltung stehender Heere verwendet worden. Den Erfolg dieser Verwendung haben wir gesehen, dies reicht hin; denn tiefer in die besondern Gründe dieses Erfolgs aus der Einrichtung dieser Heere hineinzugehen, liegt außerhalb unsers Plans. Dagegen würde der Staat, der die von uns vorgeschlagene Nationalerziehung allgemein einführte, von dem Augenblicke an, da ein Geschlecht der nachgewachsenen Jugend durch sie hindurch gegangen wäre, gar keines besondern Heeres bedürfen, sondern er hätte an ihnen ein Heer, wie es noch keine Zeit gesehen. Jeder einzelne ist zu jedem möglichen Gebrauche seiner körperlichen Kraft vollkommen geübt, und begreift sie auf der Stelle, zur Ertragung jeder Anstrengung und Mühseligkeit gewöhnt, sein in unmittelbarer Anschauung aufgewachsener Geist ist immer gegenwärtig und bei sich selbst, in seinem Gemüte lebt die Liebe des Ganzen, dessen Mitglied er ist, des Staates und des Vaterlandes, und vernichtet jede andre selbstische Regung. Der Staat kann sie rufen und sie unter die Waffen stellen, sobald er will, und kann sicher sein, daß kein Feind sie schlägt. Ein andrer Teil der Sorgfalt und der Ausgabe in weise regierten Staaten ging bisher auf die Verbesserung der Staatswirtschaft, im ausgedehntesten Sinne und in allen ihren Zweigen, und es ist hierbei durch die Ungelehrigkeit und Unbehilflichkeit der niedern Stände manche Sorgfalt und mancher Aufwand vergebens gemacht worden, und die Sache hat allenthalben nur geringen Fortgang gehabt. Durch unsre Erziehung erhält der Staat arbeitende Stände, die des Nachdenkens über ihr Geschäft von Jugend auf gewohnt sind, und die schon sich selbst durch sich selbst zu helfen vermögen und Neigung haben; vermag nun noch überdies der Staat ihnen auf eine zweckmäßige Weise unter die Arme zu greifen, so werden sie ihn auf das halbe Wort verstehen und seine Belehrung sehr dankbar aufnehmen. Alle Zweige der Haushaltung werden ohne viele Mühe in kurzer Zeit einen Flor gewinnen, den auch noch keine Zeit gesehen hat, und dem Staate wird, wenn er ja rechnen will, und wenn er etwa bis dahin nebenbei auch noch den wahren Grundwert der Dinge kennen lernen sollte, seine erste Auslage tausendfältige Zinsen tragen. Bisher hat der Staat für Gerichtsund Polizeianstalten vieles tun müssen, und doch niemals genug für sie tun können; Zucht- und Verbesserungshäuser haben ihm