machte, und ob nicht indessen etwas Anderes sich findet, das sich noch besser macht. In Bestimmung dieser Remuneration wäre, inwiefern nicht etwa der Mann schon sonst ausreichend besoldet ist, und man in dieser Rücksicht schon ohnedies einen Anspruch hat auf seine ganze Kraft, billig als Maassstab unterzulegen, was in dieser Zeit durch Schriftstellerei hätte erworben werden können. Denn obwohl das bisweilen auch übliche Ablesen eines vor langen Jahren angefertigten Heftes etwas höchst Bequemes ist, und kaum eine andere Kraft fordert, als die der Lunge, so dürfte doch eine solche Verwaltung des Lehramts, wie wir sie gefordert haben, und die unter anderen auch den grössten Theil der alten Hefte unbrauchbar macht, alle Kraft und Zeit des Lehrers in Anspruch nehmen; und wer diese Verhältnisse kennt, weiss, dass Collegienlesen auf die gewöhnlichen Bedingungen für einen nicht ungewandten Schriftsteller in ökonomischer Rücksicht ein Opfer ist, das zwar der wackere Mann gern bringt, der auch wackere aber nicht ohne Noth fordert.
§. 55.
Für dieses erste Jahr könnte nun der Universität vom Staate ein öffentlicher Hörsaal eingegeben werden. Die Studirenden löseten gegen ihr Honorar, etwa bei dem, um der Inscriptionen willen auch gleich anfangs anzustellenden Justitiarius der Universität, ^Belege^ (Zutrittskarten), nach welchen ihnen, durch einen gleichfalls anzustellenden ^famulus communis^, auf eine zu Jena seit 1790 übliche, dem Schreiber dieses wohlbekannte Weise, ihre Plätze im Auditorium angewiesen werden. Da wir im ersten Jahre noch keine Regulare haben (Novizen können wir haben, die aber doch immer nur als Zugewandte zu betrachten sind), sonach diese etwa künftigen Regularen, denen vielleicht auch künftig Freistellen gegeben werden, in der allgemeinen Masse der Zugewandten noch unentdeckt liegen: so soll der Justitiarius, nach einem ihm etwa anzugebenden Kanon, diese erwähnten Belege auch frei geben können, worüber er sich hernach mit dem Lehrer, der das Collegium liest, zu berechnen hat. Ebenso wäre ein Plan zu entwerfen, wie man während dieses ersten Jahres unvermögende Studirende durch Stipendien, Freitische und dergl. unterstützen könnte. Doch ist die Einführung des gewöhnlichen Convictoren-, Stipendiaten-Examens und dergl., durch welche der Unvermögende herausgehoben und bezeichnet wird, als mit unserm allerersten Grundsatze über diesen Gegenstand streitend, auch im ersten Jahre zu vermeiden. Sollte man nicht etwa späterhin über den Grundsatz sich einverständigen, ^dass bei solchen, die da Regulare werden weder könnten, noch wollten^ (wo bei Bejahung des letzten Falles die einigermaassen frei zu haltenden wenigstens ^Novizen^ seyn müssten, und es im Noviziate über diesen Punct eben also gehalten werden könnte, wie oben (§. 51.) für das Regulat vorgeschlagen worden), und da die zu subalternen Geschäften nöthigen Handwerksfertigkeiten weit sicherer und schicklicher ausserhalb der Universität erlernt werden, ^das Studiren ein blosser Luxus sey, der, wenn er ja statthaben solle, aus eigenen Mitteln, keinesweges aber auf Kosten des Staates, bestritten werden müsse^; sondern sollte man darauf bestehen, die milden Stiftungen der über diese Dinge freilich nicht so scharf sehenden Vorwelt, auf die bisherige Weise zu verwenden: so kann man freilich nichts dagegen haben, dass dergleichen Beneficiaten unter den blossen Zugewandten auf alle Weise bezeichnet werden, und, so Gott will, ihnen sogar eine metallene Nummer an den Aermel geheftet werde, damit die Liebeswerke doch auch recht in die Augen fallen! Nur soll man den nicht also behandeln, der einmal ein Ehrenjüngling und Regularer werden könnte.
§. 56.
Diese also zu einem organischen Ganzen verwachsene Akademie der Wissenschaften, wissenschaftliche Kunstschule und Universität muss ein Jahresfest haben, an welchem sie sich dem übrigen Publicum in ihrer Existenz und Gesammtheit darstelle. Der natürlich sich ergebende Act dieses Festes ist die Ablegung der Rechenschaft über ihre Verhandlungen das ganze Jahr über; und es sollten hiebei zugegen seyn Repräsentanten der Nation, gewählt aus den zu den Stellen Berechtigten, und des Königs, beider, als der Behörde, der die Rechenschaft abgelegt wird. Zu diesem Feste wäre der Geburtstag Friedrich Wilhelms des Dritten, als dessen Stiftung jener Körper existiren wird, falls er jemals zur Existenz kommt, unabänderlich und auf ewige Zeiten festzusetzen.
§. 57.
Corollarium.
Die einzelnen Vorschläge dieses Entwurfes sind keineswegs unerhörte Neuerungen; sondern sie sind, wie sich bei einem so viele Jahrhunderte hindurch in so vielen Ländern bearbeiteten Gegenstande erwarten lässt, insgesammt einzeln irgendwo wirklich dagewesen, und lassen sich bis diesen Augenblick in mehreren Einrichtungen der Universitäten Tübingen, Oxford, Cambridge, der sächsischen Fürstenschulen, in ihrem sehr guten, das Gewöhnliche weit übertreffenden Erfolge, darlegen. Lediglich darin könnte der gegenwärtige Entwurf auf Originalität Anspruch machen, dass er alle diese einzelnen Einrichtungen durch einen klaren Begriff in ihrer eigentlichen Absicht verstanden, sie aus diesem Begriffe heraus wiederum vollständig abgeleitet, und sie so zu einem organischen Ganzen verwebt habe; welches, wenn es sich also verhielte, demselben keinesweges zum Tadel gereichen würde.
Den Haupteinwurf betreffend, den derselbe zu befürchten hat, den der Unausführbarkeit, muss in der Berathschlagung hierüber nur nicht die im Verlaufe von allen Seiten hinlänglich charakterisirte, übrigens ehrenwerthe und von uns herzlich geehrte Klasse gefragt werden, welche, wenn nur sie allein in der Welt vorhanden wäre, mit ihrer Behauptung der absoluten Unausführbarkeit recht behalten würde. Wir selbst geben zu, dass im Anfange die Ausführung am allerunvollkommensten ausfallen werde, glauben aber sicher rechnen zu dürfen, dass, wenn es überhaupt nur zu einigem Anfange kommen könne, der Fortgang immer besser gerathen werde; selbst aber auf den Fall, dass wir befürchten müssten, es werde sogar nicht zu einem rechten Anfange kommen, müssten wir dennoch den Versuch nicht unterlassen, indem im allerschlimmsten Falle wir doch nichts Schlimmeres werden können, denn eine Universität nach hergebrachtem deutschem Schlage.
Die allgemeinen Merkmale der Gründlichkeit eines Planes, der sich nicht bescheiden mag, ein blosser schöner Traum zu seyn, sondern der auf wirkliche und alsbaldige Ausführung Anspruch macht, sind diese: dass er zuvörderst nicht etwa die wirkliche Welt liegen lasse und für sich seinen Weg fortzugehen begehre, sondern dass er durchaus auf sie Rücksicht nehme, wiewohl allerdings nicht in der Voraussetzung, dass sie bleiben solle, wie sie ist, sondern dass sie anders werden solle, und dass im Fortgange nicht Er sich ihr, sondern Sie sich ihm bequeme; und dass er, nach Maassgabe der Verwandtschaft, eingreife auch in die übrigen Verhältnisse des Lebens, und wiederum von diesen getragen und gehoben werde; sodann, dass er, einmal in Gang gebracht, nicht der immer fortgesetzten neuen Anstösse seines Meisters bedürfe, sondern für sich selbst fortgehe, und, so ers braucht, zu höherer Vollkommenheit sich bilde. Nach diesen Merkmalen sonach ist jeder Entwurf zu prüfen, wenn die Frage über seine Ausführbarkeit entschieden werden soll.
Dritter Abschnitt.
Von den Mitteln, durch welche unsere wissenschaftliche Anstalt auf ein wissenschaftliches Universum Einfluss gewinnen solle.
§. 58.
Das in unserer Kunstschule einmal begonnene wissenschaftliche Leben soll nicht etwa in jeder künftigen Generation, sowie es schon da war, nur sich ^wiederholen^, viel weniger noch soll es ungewiss herumtappen, und so selbst Rückfällen ins Schlimmere ausgesetzt seyn; sondern es soll mit sicherem Bewusstseyn und nach einer Regel zu höherer Vollkommenheit fortschreiten. Damit dies möglich werde, muss die Schule die in einem gewissen Zeitpuncte errungene Vollkommenheit irgendwo deutlich und verständlich niederlegen; an welche also niedergelegte Stufe der Vollkommenheit dieses Zeitpunctes das beginnende frische Leben sich selber und seine Entwickelung anknüpfe. Am besten wird diese Aufbewahrung geschehen vermittelst eines ^Buches^.
§. 59.
Da aber das wirkliche, in unmittelbarer Ausübung befindliche Leben der wissenschaftlichen Kunst fortschreitet von jeder errungenen Entwickelung zu einer neuen, jede dieser Entwickelungen aber, als die feste Grundlage der auf sie folgenden neuen, niedergelegt werden soll im Buche: so folgt daraus, dass dieses Buch selbst ein fortschreitendes, ein ^periodisches^ Werk seyn werde. Es sind ^Jahrbücher^ der Fortschritte der wissenschaftlichen Kunst an der Kunstschule; welche Jahrbücher, wie ein solcher Fortschritt erfolgt ist, ihn bestimmt bezeichnet niederlegen für die nächste und alle folgende Zeit, und welche, wenn die wissenschaftliche Kunst nicht unendlich wäre, einst nach Vollendung derselben begründen würden eine ^Geschichte^ dieser -- sodann vollendeten Kunst.
§. 60.
Die Kunst schreitet fort auf zwiefache Weise: theils überhaupt, wie alles Leben, dass sie eben lebendig bleibe, und niemals erstarre oder versteine; theils dass dieses überhaupt also fort^gehende^ Leben auch fort^schreite^ zu höherer Kraft und Entwickelung. Dies Letztere geschieht wiederum auf doppelte Weise: nemlich zuerst in ihm selber und intensive, in Absicht des ^Grades^, sodann nach aussen hin und extensive, indem es immer mehr des ihm angemessenen Stoffes in sich aufnimmt, und ihn mit sich ihn durchdringend organisirt, also in Absicht der Ausdehnung. -- Todt ist ein wissenschaftlicher Stoff, so lange er einzeln und ohne sichtbares Band mit einem Ganzen des Wissens dasteht, und lediglich dem Gedächtnisse, in Hoffnung eines künftigen Gebrauches, anheimgegeben wird. Belebt und organisirt wird er, wenn er mit einem andern verknüpft, und so zu einem unentbehrlichen Theile eines entdeckten grösseren Ganzen wird; und jetzt erst ist er der Kunst anheimgefallen. Wird dieses schon entdeckte und in den Jahrbüchern vorliegende Ganze mit einem klaren Begriffe durchdrungen (die Klarheit ist aber ein ins Unendliche zu steigerndes), dass die Theile sich noch enger an einander anschliessen und durch einander verwachsen: so hat die Kunst intensiv gewonnen; greift der vorhandene Einheitsbegriff weiter, und erfasst ein bis jetzt noch einzeln dastehendes Glied, so gewinnt sie extensive. Beide Arten des Fortschrittes unterstützen sich wechselseitig, und arbeiten einander vor. Die ^Erweiterung^ des Begriffes macht seine ^Verklärung^, seine ^Verklärung^ seine ^Erweiterung^ leichter.
In Absicht der zuerst erwähnten periodischen ^Anfrischung^ des wissenschaftlichen Lebens aber, die an sich kein Fortschreiten ist weder intensiv noch extensiv, verhält es sich also: -- Unabhängig in Absicht der Materie von der besonnenen und kunstmässigen Entwickelung, und gerade um so mehr, in je höherem Grade die letztere vorhanden ist, schreitet das geistige Leben des Menschengeschlechtes durch sich selber, wie nach einem unbewussten Naturgesetze fort. Die Sprache concentrirt, die Phantasie erhöht sich, die Schnelligkeit des Fassungsvermögens steigt, der Geschmack wird zarter; und so ^ersterben^ in einem späteren Zeitalter Formen, die der wahrhafte Ausdruck des Lebens eines früheren waren, und so muss oft das, dem in keiner Weise eine höhere innere Vollkommenheit sich geben liesse, dennoch aus der erstorbenen äusseren Form in die des dermaligen Menschengeschlechtes aufgenommen werden. (Wir machen an folgendem Beispiele unseren Gedanken klarer. -- Selber die Philosophie, als die reinste, stoffloseste Form, die auch im mündlichen Vortrage immer also, als reines Entwickelungsmittel der Kunst des Philosophirens, sich behandelt, geht dennoch in Beziehung auf stätigen Fortschritt der Wissenschaft auf ^ein Buch^ aus, welches ^die durchgeführte richtige Anwendung der Denkgesetze^, als festes und stehendes Resultat, absetze. Fürs erste nun, was nicht unmittelbar dasjenige ist, was wir sagen wollen, sondern wodurch wir uns vorbereiten: -- wäre nun ein solches Buch vorhanden, so würde bis ans Ende der Tage jedwedes Individuum, das ein Philosoph seyn wollte, vielleicht jenes Buch als Leitfaden brauchend, dennoch jene Anwendung der Denkgesetze ^selbst^ und in eigener ^Person^ durchführen müssen, und von dieser Arbeit jenes Buch ihn auf keine Weise entbinden. Dagegen hätte er davon folgenden Vortheil: führte sein Denken ihn auf ein anderes Resultat, als in jenem Buche vorliegt, so müsste er entweder deutlich und bestimmt nachweisen können, welcher Fehler in Anwendung der Denkgesetze im Buche begangen worden, der dieses von dem seinigen verschiedene Resultat hervorgebracht hätte; oder er wüsste, so lange er dies nicht könnte, sicher, dass er mit seinem eigenen Denken noch nicht im Klaren sey, er müsste annehmen, dass sein Resultat ebensowohl irrig seyn könnte, als das im Buche vorliegende, und hätte kein Recht, seinen Satz, der möglicherweise irrig seyn könnte, an die Stelle eines andern, der freilich auch irrig seyn kann, in dem allgemeinen Buchwesen zu setzen. Möchte er höchstens diesen seinen Satz, ausdrücklich als nicht sattsam begründet, für die weitere Untersuchung eines künftigen klareren Denkers aufbewahren. Und dies wäre denn in dem ersten, wie in dem zweiten Falle der Erfolg des vorhandenen Buches für die Wissenschaft, dort sichere Erweiterung, hier Verwahrung vor blindem Herumtappen und dem Eigendünkel, der da will, dass seine unbewiesenen Behauptungen mehr seyen, als anderer vielleicht bewiesene Behauptungen, indem er nur unfähig ist, den Beweis zu fassen. Hiervon reden wir nun zunächst nicht, sondern davon. Ob nun wohl auch jenes niedergelegte philosophische Buch also beschaffen wäre, dass es weder in seinem Inhalte, noch im Grade der Klarheit überhaupt eine Verbesserung erhalten könnte, so möchte es doch immer einer ^Erfrischung^ durch das neue Leben der Zeit bedürfen.)
§. 61.
Das bisher beschriebene gäbe nun das ^Kunstbuch^ der Schule. Nun zeigt sich diese Kunst, und ihr Leben schreitet fort, in Organisation eines Stoffes. Inwiefern dieser Stoff wirklich schon organisirt ist, ist er aufgenommen in die Kunst und in derselben Buch, und es bedarf für ihn keines besonderen Buches; inwiefern er aber noch nicht durchdrungen ist, und er also die weitere Aufgabe für die Kunstschule enthält, muss diese Aufgabe irgendwo in fester Gestalt niedergelegt seyn, und die Schule bedarf, ausser ihrem Kunstbuche, auch eines ^Stoffbuches^. Dies ist nun zum Theil schon vorhanden an dem ganzen vorliegenden Buchwesen, und muss nur die Schule dieses ^kennen^. Die dahin gehörigen Einrichtungen sind schon im vorigen Abschnitte angegeben, und es lässt in dieser Kenntniss ein Fortschritt nur so sich denken, dass diese Kenntniss des vorhandenen Buchwesens vervollständiget, und das allgemeine Repertorium desselben besser geordnet und einer leichteren Uebersicht im Ganzen zugänglicher gemacht werde, auf welchen Zweck auch unsere Schule in alle Wege anzuweisen ist. Jenes auf diese Weise schon vorhandene grosse Stoffbuch selber soll nun fortschreiten: zuvörderst, indem es seiner äusseren Form nach erfrischt und erneuert wird, sodann, indem in Absicht des Inhaltes es theils berichtigt und von den darin vorhandenen Fehlern gereinigt, theils immerfort ergänzt und erweitert wird. Das Letzte geschieht durch neue Entdeckungen auf dem Gebiete der Geschichte und der Naturkunde; welche Entdeckungen immerhin bei ihrer ersten Erscheinung zur Aufnahme in die Einheit sich nicht qualificiren mögen, dennoch aber, bis ein Mehreres zu ihnen hinzukommt, aufbehalten werden müssen. Durch diese neuen Entdeckungen verlängert sich wiederum das Stoffbuch nach der Peripherie hin, das nach der Seite seines Centrums immer mehr verkürzt und von dem Kunstbuche aufgenommen wird.
Dieser Fortschritt, des Stoffbuches sowohl wie auch des Kunstbuches, kann sich nun begeben entweder ^bei uns^, oder ^bei anderen^; wo wir im letztern Falle die Ausbeute in unsere Schule und unser Buch aufzunehmen haben, damit das gesammte Buch des Menschengeschlechtes und sein wissenschaftlicher Fortschritt Einheit behalte.
Zum Fortschritte dieses gesammten Buches gehören auch diejenigen Bestrebungen, dasselbe zu verbessern, die nur noch Versuche und noch nicht zu der Festigkeit gediehen sind, dass man sie in einem Buche niederlegen könne. Auch diese Versuche, wenn sie bei anderen angestellt werden, kennen zu lernen, wenn wir sie anstellen, uns dabei der Beobachtung anderer nicht zu entziehen, müssen wir Anstalt treffen.
§. 62.
Um über den Fortschritt der wissenschaftlichen Kunst, die im Kunstbuche dargelegt werden soll, ganz verständlich zu werden, legen wir unsere Gedanken dar an einem Beispiele.
Wenn also z. B. mit der Universalgeschichte es dahin zu kommen bestimmt wäre, dass man einsähe, sie sey nicht ein Zufälliges, das auch entbehrt werden könne, sondern sie habe eine bestimmte, dem Menschengeschlechte sich aufdringende Frage nach bestimmten gleichfalls im menschlichen Geiste schon vorliegenden Frageartikeln zu beantworten, als etwa: wie unser Geschlecht zu menschlicher Lebensweise, zu Gesetzlichkeit, zu Weisheit, zur Religion, und worin noch etwa sonst die Ausbildung zum wahren Menschen bestehen mag, sich allmählig erhoben habe, -- hier einseitig, dann zurückfallend, um auch andere, bisher vernachlässigte Bildungsweisen in sich aufzunehmen; -- und man über diese Fragen zu einigen bestimmten und unveränderlichen Resultaten gekommen wäre: so würde man sodann auch einsehen, dass die bisher abgesteckten Epochen nach Entstehung oder Untergang grosser Reiche, nach Schlachten und Friedensschlüssen, die Regententafeln u. dergl. nur provisorische Hülfsmittel, berechnet auf eine Denkart, die nur durch die Erschütterung des äusseren Sinnes berührt wird, gewesen seyen, um die Sphäre jener besseren Ausbeute indessen zu erhalten; und man würde nur an jene, inniger an das Interesse der menschlichen Wissbegier sich anschmiegenden Epochen die Geschichte anknüpfen, welche nun allerdings auch jene ersten weniger bedeutenden mit sich fortführen würden, damit das Gemälde sein vollkommenes Leben bis auf den wirklichen Boden herab bekäme. Man würde z. B. nicht mehr sagen: unter der Regierung des und des wurde der Pflug erfunden, sondern umgekehrt: als der Pflug erfunden wurde, regierte der und der, dessen Leben vielleicht auf die weiteren Begebenheiten des Pfluges, auf welches letzteren Geschichte es hier doch allein ankommt, Einfluss hatte. Die Kunst der Geschichte wäre dadurch ohne Zweifel fortgeschritten, indem man nunmehro erst recht wüsste, wonach man in derselben zu fragen, und worauf in ihr zu sehen habe; sie wäre mit einem klaren Begriffe durchdrungen.
Dadurch wäre auch die ganze Bearbeitung derselben an unserer Kunstschule verändert. Vorher bestand ihre eigentliche Aufgabe darin, jenen klaren Begriff und die festen Data, die eine Uebersicht der Begebenheiten nach seiner Leitung giebt, ^zu finden^, und in diesem Finden bestand die gemeinschaftliche Arbeit unserer Kunstschule. Jetzt ist dies da: es wird abgesetzt im Buche, das unser Zögling selber lesen mag. Vorher musste er ein nach anderen Epochen eingetheiltes Buch lesen, das ihm jetzt auch in alle Wege nicht ganz erlassen werden kann, das aber ihm, der einen Leitfaden von höherer Potenz hat, weit leichter haften wird, als seinem früheren Vorgänger. Die unmittelbar zu treibende Kunst an unserer Schule erhält in Beziehung auf die Geschichte eine andere Aufgabe; ohne Zweifel die, jene Data weiter auszuarbeiten und zu verbinden, und so mehr des bisher noch nicht durchdrungenen Stoffes der Facta durch den Grundbegriff zu durchdringen.
So in allen anderen Fächern. Die Kunst gräbt fortgehend sich tiefer in bisher unsichtbare Welten; die in dem nunmehr ausgegrabenen Schachte gewonnene Ausbeute legt sie im Kunstbuche nieder, als Ausgangspunct und als Instrument ihres weiteren Verfahrens.
Und so wäre denn 1) in unseren Jahrbüchern des Fortschrittes der Kunst an unserer Schule, als Hauptbestandtheile und als Epoche machend, niederzulegen die encyklopädischen Ansichten jedes unserer Lehrer von seinem Fache; kurz, versteht sich, und im Grossen und Ganzen. Sollte ihm, wie dies also zu erwarten, diese klare und ewig dauernde Rechenschaft auch nicht während der Ausübung seines Lehramtes angemuthet werden können, so kann sie dennoch nach dem Austritte ihm nicht füglich erlassen werden, und hat er darauf schon während der Ausübung zu rechnen.
2) Da unsere Schüler auch Bücher lesen sollen, und wir ihnen überhaupt nichts zu sagen gedenken, was ebenso gut im Buche steht, so gehört zu jener encyklopädischen Rechenschaft eines Lehrers allerdings auch die Angabe, welche Lectüre er vorschreibe. Diese Lectüre mag für den Anfang in schon vorhandenen Büchern bestehen, und es wird in diesem Falle genug seyn, diese zu citiren.
Späterhin aber werden wir, theils um die allenfalls veraltete äussere Form anzufrischen, theils aber und vorzüglich, wegen des durch den Fortschritt der Kunst ganz veränderten Ausgangspunctes der von uns wirklich zu ^treibenden^ Kunst, Lesebücher für unsere Zöglinge (ein ^corpus^ jedes einzelnen Faches, wie es bisher nur ein ^corpus juris^ gab) eigens drucken lassen müssen. In Absicht des ersten -- des Auffrischens -- wird zu beachten seyn, dass dies nicht von dem Ermessen des Einzelnen abhängen könne, sondern mehrere die Tüchtigkeit eines Einzelnen für diesen Behuf anerkennen müssen, indem nicht in jedem der gesammte lebendige Zeitgeist sich ausspricht, und mancher versucht wird, seinen individuellen Geist für jenen zu halten. In Absicht des zweiten haben wir, sowie im Lehren, den Grundsatz, nicht zu sagen, was schon gedruckt ist, im Schreiben den, nicht zum zweitenmale drucken zu lassen, was einmal gedruckt ist. -- Wird einmal das Bedürfniss solcher eigenen Lesebücher eintreten, so werden uns die Mittel nicht abgehen, demselben abzuhelfen, und können wir recht füglich von denen, die bei uns Meister oder Doctor zu werden verlangen, dergleichen Probestücke begehren.
Wir erhielten an jenen encyklopädischen Rechenschaften, von denen jede künftige die vorhergegangene entweder ^formaliter^, durch Klarheit und Leichtigkeit, oder ^materialiter^, durch weitere Umfassung des Stoffes, übertreffen müsste, -- oder sie könnte nicht aufgenommen werden, und dies wäre ein Beweis, dass die Kunst dermalen bei uns stille stände -- eine ^fortgehende und eng zusammenhängende Reihe^ von Fortschritten in der Wissenschaft, welche der Nachwelt, die einen beträchtlichen Theil derselben übersehen, und vielleicht das ^Gesetz^ dieses Fortschrittes entdecken könnte, wiederum als Mittel weit höherer Fortschritte dienen könnte. Wir erhielten an dem, mit jener und ihrem Gesetze gemäss fortschreitenden ^Lesebuche^, das nicht gerade in den Context jener Jahrbücher eingewoben seyn müsste, sondern selbstständig existiren könnte, ein äusserliches Document und einen Exponenten der Jahrbücher.
Dieses Lesebuch würde, sowie es von einer Seite durch Steigerung der Gesichtspuncte anwüchse, von der anderen durch Auswerfung des sattsam bearbeiteten Stoffes abnehmen. Wir machen dies deutlich an demselben Beispiele der Geschichte. Wenn man durch Erfassung etwa des angegebenen Standpunctes für diese -- die Geschichte -- vielleicht auch den Zweck aufgeben wird, in derselben ^Psychologie^ oder ^Staatswissenschaft^ zu lernen -- Zwecke, die man leicht für Vorspiegelungen halten dürfte, um dem Philosophen gegenüber sich aus der Verlegenheit zu ziehen, einen Zweck ihres Studiums deutlich anzugeben, -- begreifend, dass man diese Zwecke weit wohlfeileren Kaufes mit der Philosophie erreichen könne; dass aber die Regierungs^kunst^, die durchaus etwas Anderes ist, denn die durch Philosophiren zu schöpfende Regierungs^wissenschaft^, eine leichte und sich von selbst findende Zugabe des rechten Studiums der Geschichte sey: -- wenn man, sage ich, diese Zwecke aufgeben wird, alsdann wird man einer Menge Untersuchungen, die nur dem psychologischen oder politischen Zwecke unter die Arme greifen sollen, sich gern überheben. -- (So lange es, um über die Aechtheit eines gewissen Documents urtheilen zu können, auf die Untersuchung, welchen Zuschnitt der Bart eines gewissen Kaisers gehabt habe, ankommt, muss man in alle Wege diese Untersuchung gründlich treiben. Sollte aber durch einstige Vollendung dieser Untersuchung die Aechtheit oder Unächtheit des Documents, gemeingültig für alle künftige Zeit, ausgemittelt seyn, so mag man nun den Bart immer fahren lassen; ja dieses um so mehr, wenn sogar an der Aechtheit oder Unächtheit des Documents selber uns nichts mehr liegen sollte, indem, was dadurch entschieden werden soll, indess anderwärtsher entschieden worden. Freilich müsste man zu diesem Behufe auch darüber mit sich einig seyn, dass es in allen Fächern Gewissheit und eine feste, unwidersprechliche Beweisführung gebe, und nicht etwa gerade in das blinde Herumtappen, und in die Wiederholung desselben Kreislaufes durch jegliche Generation, die Perfectibilität des Menschengeschlechtes setzen.)
So, wenn nun jemand durchaus kein anderes Mittel hat, um über den Werth einer gewissen Meinung zu entscheiden, ausser daraus, dass sie die Meinung eines gewissen alten Philosophen gewesen, dabei aber doch noch immer Zweifel hegt, ob dieselbe nicht vielmehr die Folge der Gesundheitsbeschaffenheit dieses Philosophen, als seiner Speculation gewesen: so ist diesem die Frage über die Hypochondrie oder Nichthypochondrie des Mannes allerdings höchst bedeutend; wer aber auf anderem Wege über den in Frage gestellten Werth Bescheid hätte, der könnte jenen Philosophen sammt seinem Gesundheitszustande ruhig an seinen Ort gestellt seyn lassen.
§. 63.
Neben diesem ersten und wesentlichen Theile der Jahrbücher, den encyklopädischen Rechenschaften der Lehrer, giebt es noch einen zweiten, zum ersten nothwendig gehörenden Theil, die Ausarbeitungen der Schüler.
Denn es soll ja nicht bloss die Kunst der gesammten Schule in Bearbeitung des wissenschaftlichen Stoffes, es soll auch die besondere Kunst der Lehrer gezeigt werden, selber Künstler aus dem ihnen gegebenen Stoffe der Zöglinge zu bilden, und, so Gott will, der Fortgang auch dieser Kunst. Ueber die Lehrmethode derselben wird schon ihre encyklopädische Rechenschaft, auch ohne ausdrückliches Vermelden, die nöthige Auskunft geben. Ueber so viele andere, in Worten auch nicht füglich zu beschreibende Kunstmittel mögen sie schweigen, und dieselben eben üben; aber ihr ^Werk^, den Künstler, der aus ihren Händen hervorgeht, mögen sie vorzeigen.
Im Anfange zwar, und in den ersten Jahren werden wir noch nichts dieser Art vorzuweisen haben; einen sicheren Anfang aber müssen dennoch auch die Jahrbücher sich setzen, indem es ausserdem wohl immer bei dem Versprechen bleiben könnte. Dieser Anfang könnte erscheinen zu Anfang des zweiten Lehrjahres, und er müsste enthalten: 1) die encyklopädischen Ansichten der angestellten Lehrer jedes Faches, die sie ja ohne Zweifel bei der Vorbereitung auf dieses ihnen grossentheils neue Collegium schriftlich entworfen, und während des mündlichen Vortrages und der mit den Lehrlingen angestellten Uebungen verbessert haben werden. 2) Die Probeaufsätze der Studirenden, welche gebilligt, und deren Verfassern die Befugniss, das Regulat nachzusuchen, gegeben worden. Sollte das Letztere zu weitläufig ausfallen, so könnten aus den gelungenen nur die gelungensten ausgewählt, der anderen aber nur im allgemeinen mit dem gebührenden Lobe gedacht werden.
(Der zweite Punct wäre zugleich die den Lehrern, die das Regulat zuerst besetzen, allerdings nicht zu erlassende öffentliche Rechenschaft, dass sie hierbei nach festen Grundsätzen und keinesweges willkürlich verfahren; ingleichen die Weisung an Studirende und deren Eltern, was bei künftigem Anspruche auf dasselbe Regulat von ihnen ^wenigstens^ gefordert werden würde. Wenigstens; denn es könnte so kommen, dass das erstemal, um denn doch überhaupt ein an Personal nicht gar zu schwaches Regulat einzusetzen, nach ein wenig milderen Grundsätzen verfahren werden müsste, denn späterhin.)
Aus denselben Bestandtheilen, Nachträgen der Lehrer zu ihren encyklopädischen Ansichten, und Probeaufsätzen neuer Candidaten des Regulats würden die Jahrbücher auch zu Anfange des dritten, vierten etc.
Lehrjahres bestehen, so lange bis wir Aufsätze von solchen, die bei uns das Meisterthum erhalten hätten, mittheilen und so die Aufsätze der Schüler ungedruckt lassen könnten. Erst mit diesen ginge die eigentliche Rechenschaftsablegung des Lehrers über seine Lehrkunst an.
Hier auch hebt die eigentliche Rechenschaft der gesammten Kunstschule über den Fortschritt des Lehrtalentes und der Künstlerbildung an ihr an.
Werden, noch abgerechnet die Steigerung des Begriffes selbst (wovon in §. ^praeced.^), in der ^Form^ die Aufsätze der künftigen Meister klarer, gewandter, freier, leichter, denn die der früheren, so steigt die Kunst; das Gegentheil davon wäre ein Beweis, dass sie wenigstens in dieser Rücksicht fiele, und die gesammte Akademie hätte zusammenzutreten und Anstalten zu treffen, ^ne detrimenti quid capiat respublica^.
Schon in den anderen mit den Lehrlingen anzustellenden Uebungen, recht eigentlich aber, und auch andern sichtbar in diesen Jahrbüchern, kann ein Lehrer sehen, ob ein anderes, jugendlicheres und gewandteres Lehrertalent neben ihm aufkomme, und er hat sodann ohne Säumen auszutreten, und diesem seinen Lehrstuhl zu überlassen. Der eigentliche Vater dieses Studiums, und der fortdauernde Berather und Warner in demselben bleibt er immerfort.
Der hier entworfene Begriff solcher Jahrbücher wäre dem ersten anhebenden Theile derselben in einer, das grosse Publicum befriedigenden Deutlichkeit voranzusetzen, und hätten wir in dieser Einleitung uns auf alle hier aufgestellten Grundsätze für uns und unsere Nachkommen, vor Welt und Nachwelt, auf ewig zu verpflichten.
§. 64.
Betreffend den Fortgang insbesondere des Stoffbuches durch uns, geht dieser, wie sich versteht, auch bei uns, sowie in der übrigen Welt, seinen Weg fort. Es wäre hierbei nur folgendes anzumerken. Zuvörderst ist wohl von keinem unserer Akademiker zu erwarten, dass er, entweder um das Daseyn seiner Person kund zu thun, oder um an den Ehrensold irgend eines schlecht unterrichteten Buchhändlers zu kommen, Geschriebenes schreibe, und compilirend aus zehn Büchern ein eilftes mache, und hätte, falls dergleichen doch einem beikäme, die gesammte Akademie die gemeinschaftliche Ehre zu retten, und die Schmach des Einzelnen von sich abzuwehren. Sodann: dergleichen Vermehrungen des Stoffbuches von Seiten unserer Akademiker müssten zunächst auf das gegenwärtige Bedürfniss unserer Kunstschule gehen und bestimmt seyn, diesem abzuhelfen; und es wäre den Arbeiten von dieser Beziehung der Vorzug vor anderen zu geben.
Im Falle eines solchen Bedürfnisses könnten wir auch Auswärtige zur Mithülfe durch Aussetzung eines ^Preises^ auffordern; der Akademiker selbst ist für den Preis zu hoch; dem Bedürfnisse der Familie abzuhelfen, wenn er kann, ist ihm ohnedies Pflicht wie Freude, und sind die vom Rathe der Alten recht eigentlich für dieses Geschäft, auch in Absicht des Buchwesens, eingesetzt.
Einen Theil des fortschreitenden Stoffbuches jedoch müssen wir als ein nothwendiges Glied in unseren Plan aufnehmen, und die regelmässige Fortsetzung desselben organisiren; ich meine die Niederlegung der an unserer Akademie gemachten neuen Entdeckungen für Geschichte und Naturwissenschaft, zu welcher letzteren auch das in der ärztlichen Praxis Entdeckte, das einen wissenschaftlichen Aufschluss über die Natur verspricht, gehört, und wir deswegen auch, ohnerachtet wir die ärztliche Praxis ganz von uns auszuschliessen gedenken, für diesen letzteren Behuf einen, oder etliche Männer unter unseren Akademikern haben müssen. Es ist unsere Pflicht sowohl, als unser Vortheil, dass diese Entdeckungen, sobald sie zu einer bestimmten schriftlichen Relation haltbar genug geworden, nicht innerhalb unserer Gesellschaft bleiben, sondern auch das auswärtige Publicum, das uns ja auch diesen neuen Stoff bearbeiten helfen soll, Kunde davon erhalte. Es müssten drum angelegt werden ^Jahrbücher der Wissenschaftlichen Entdeckungen an unserer Akademie^. Ob der Stoff so reich ausfalle, dass er einer selbstständigen periodischen Schrift bedürfe, oder ob diese Jahrbücher mit dem tiefer unten zu erwähnenden Werke, der Bibliothek der Akademie, vereinigt werden sollten, mag entschieden werden, wenn es an die wirkliche Ausführung geht. So viel ist klar, dass wir kein Bändchen der Fortsetzung solcher Jahrbücher liefern können, wenn wir innerhalb der Zeit nichts Neues entdeckt haben, dass sie somit keinesweges bestimmte Termine ihrer Erscheinung halten können.
§. 65.
Noch ein Hauptgegenstand der Beachtung unserer Akademie ist die Benutzung des ausserhalb unser, und anderwärts fortschreitenden ^Stoff^-, sowie auch ^Kunstbuches^; und die Nutzbarmachung desselben für diejenigen unserer Mitglieder, die wegen anderer Geschäfte nicht Zeit haben aufs blosse Gerathewohl zu lesen (die ausübenden Lehrer und Studirenden), von denjenigen aus uns, die diese Zeit haben (dem Rathe der Alten).
Es ist dazu erforderlich zuvörderst, dass man diesen Fortschritt, d. h.
die neu erschienenen Schriften historisch kenne. Für diesen Behuf erscheint nun zu Leipzig der bekannte Messkatalog, als das Verzeichniss ihrer zu Markte gebrachten Waare, dessen Besorgung, wie sich versteht, eine Sache des Verkäufers der Waare ist. Es mochte gut seyn, dass sich fertigere Federn fanden, welche diesen Messkatalog paraphrasirten; doch war und blieb dies immer eine rein mercantilische Sache, zum Dienste des Käufers und Verkäufers; und eine allgemeine Literaturzeitung kann durchaus auf keinen höheren Werth Anspruch machen, als auf den eines Journals des Luxus und der Moden. Dass diese subalternen Handarbeiter durch schlecht unterrichtete Schmeichler sich überreden liessen, sie verwalteten zugleich das Geschäft der Kritik, und dieses lasse sich eben mit der durchaus mercantilischen Rücksicht, ^den ganzen Messkatalog herunter zu recensiren^, vereinigen; dass, nachdem die Meinung einmal entstanden, sogar solche, die da wohl fähig gewesen wären, das Amt der Kritik zu verwalten, sich verleiten liessen, zuweilen ein treffenderes Wort in jenen unwürdigen Context hineinzuwerfen, ist in unseren Tagen eine der ergiebigsten Quellen des literarischen und anderen Verderbens geworden, und es ist darüber auf Handlanger und Unternehmer solcher Paraphrasen des Messkatalogs ein grösseres Maass von Spott gefallen, als sie Kraft hatten, zu verdienen. Da die Liebhaberei unserer Leser noch immer nach dergleichen Literaturzeitungen sich hinzuwenden scheint, und, so viel dem Schreiber dieses bekannt ist, der eigentliche Grund ihrer Verwerflichkeit selten rein ausgesprochen und ins Auge gefasst wird, so