SigPhi · Johann Fichte

Sämmtliche Werke 8 Vermischte Schriften und Aufsätze (German)

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tausende, dass dieses Princip und kein anderes dem zu erklärenden Leben zum Grunde gelegen habe.

Jedem nur festen und ausgebildeten Charakter liegt ein solches Princip der Einheit zum Grunde; und der Unterschied dabei ist nur der: ob der Besitzer dieses Charakters wisse, dass dies sein Princip sey, oder ob er es nicht wisse. Ist der Charakter mit Freiheit und Bewusstseyn nach jenem Grundsatze gebildet, so ist dieser Grundsatz freilich dem Besitzer des Charakters bekannt; ist er ihm durch das Ungefähr, durch Natur und Schicksal angebildet, so ist ihm dieses Princip nicht bekannt. Unser Held befand sich in dem letztern Falle; es ist daher gar nicht zu glauben, dass ihm der Grundsatz alles seines Denkens und Handelns je bekannt geworden.

Wir haben nach allem Gesagten zuvörderst das Grundprincip von unsers Helden intellectuellem Charakter (denn von diesem allein soll hier die Rede seyn) aufzustellen, und von gewissen Phänomenen zu zeigen, dass sie durchaus nur aus jenem Princip erschöpfend und vollkommen hinreichend zu erklären sind. Auf diesem Puncte der absoluten Unmöglichkeit jeder andern Erklärung beruht die Richtigkeit unserer Angabe des Princips; wir ersuchen daher unsere Leser, darauf vorzüglich ihre Aufmerksamkeit zu richten. Wir werden sodann noch einige originelle Grundzüge des Charakters unsers Helden, die sich nur aus jenem Princip erklären lassen, anführen, sie mit ihren Phänomenen belegen, und so den Beweis der Richtigkeit unsers Grundprincips vollenden.

Wir werden in dieser ganzen Schilderung unsern Helden betrachten als einen todten Mann, und von ihm reden, wie von einer Person aus der vergangenen Zeit. Dies ist jeder Charakterschilderung eigen. Der Grund, warum anderwärts man den Charakter eines Mannes während seines noch fortdauernden Lebens nicht zu schildern vermag, -- weil nemlich die Reihe der Erscheinungen noch nicht geschlossen und es nie sicher ist, dass nicht neue Phänomene eintreten, die auf ein anderes Princip der Erklärung führen dürften, auch man nicht wissen kann, ob nicht etwa die Person noch durch Freiheit ihre Maximen ändern werde -- fällt bei Nicolai ganz weg. Es wird sich hoffentlich in der folgenden Schilderung zeigen, dass das Princip seiner Denkweise die Unabänderlichkeit unmittelbar in sich selbst enthält. Unser Held ist befestigt, er kann sich nicht mehr ändern oder geändert werden; ist auch die Reihe der Phänomene seines Lebens nicht beschlossen, so ist es doch der Charakter.

Der Verfasser dieser Beschreibung ist dessen so innig überzeugt, dass er sehr gern allen seinen Anspruch auf Menschenkenntniss aufgeben will, wenn sich finden sollte, dass Friedrich Nicolai vor seinem Ende noch irgend einen der ihm hier als charakteristisch beigelegten Grundzüge und Handelsweisen abänderte.

Erstes Capitel.

Höchster Grundsatz, von welchem alle Geistesoperationen unsers Helden ausgegangen sind.

Unser Held war seit seinen reifen Jahren der festen Meinung, dass alles mögliche menschliche Wissen in seinem Gemüthe umfasst, erschöpft und aufbewahrt sey, dass sein Urtheil über die Ansicht, die Behandlung, den Inhalt und den Werth aller Wissenschaft untrüglich und unfehlbar sey, und dem Urtheile aller andern vernünftigen Wesen zur Richtschnur und zum Kriterium ihrer eignen Vernünftigkeit dienen müsse; mit Einem Worte, dass er alles, was in irgend einem Fache richtig und nützlich sey, gedacht habe, und alles dasjenige unrichtig und unnütz sey, was er nicht gedacht hätte, oder nicht denken würde.

Diese Meinung setzte ihn nicht nur vor sich selbst über alle Zweifel, alle spätere Untersuchung und alle Besorgniss hinweg, dass er sich doch etwa über dieses oder jenes im Irrthume befinden möchte; sondern er war noch überdies von allen andern Menschen ebenso fest überzeugt, und muthete es ihnen an, dass sie über alle Zweifel hinausseyn müssten, sobald sie nur recht wüssten, wie er selbst eine Sache fände. Alle seine Widerlegungen gingen von dem Hauptsatze aus: ich bin anderer Meinung; daher er denn zu diesem Hauptgrunde noch andre Nebengründe hinzuzufügen gewöhnlich unterliess. Die Gegner, glaubte er, könnten schon daraus sattsam ersehen, dass sie unrecht hätten. Bei allen Verweisen und Züchtigungen, die er in seinen spätern Jahren an das ausser der Art schlagende Zeitalter ergehen zu lassen genöthigt wurde, hob er nur immer davon an, dass er zeigte, man habe nicht nach seinem Rathe gehandelt; dies allein, glaubte er, würde sie schon dahin bringen, dass sie sich schämten und in sich gingen.

In dieser Voraussetzung liess er sich denn auch durch keinen noch so sonderbaren Vorfall, der sich etwa ereignen mochte, irre machen. Sogar wenn ihm, wie dies in seinem spätern Alter häufig begegnete, von allen Seiten her einmüthig zugerufen wurde: er werde wohl selbst eines Urtheils über gewisse Dinge sich bescheiden, oder auch -- er sey ein geborner Dummkopf, ein Salbader, ein alter Geck, und was man noch alles für Freiheiten sich mit ihm herausnahm, mochte er doch immer lieber voraussetzen, man sage dies bloss aus Schalkheit, und um sich für die empfangenen Züchtigungen zu rächen, als dass er irgend einem Menschen die Verkehrtheit zugetraut hätte, dass er fähig wäre, in allem Ernste und im Herzen einen Nicolai nicht anzuerkennen.

Diese Meinung von ihm selbst war ihm nach und nach so zur fixen Idee geworden, hatte sich so mit seinem Selbst verwebt und war selbst zu seinem innersten eigensten Selbst geworden, dass man keine Spur hat, er habe dieselbe je deutlich in sich wahrgenommen und sie zum bestimmten Bewusstseyn erhoben. Er räsonnirte, urtheilte, richtete ^von ihr aus^, als seinem einzig möglichen Standpuncte, niemals ^über sie^. Er starb daher alt und lebenssatt, ohne je mit seinem Denken, auch nur in sich selbst zu Ende gekommen zu seyn.

Zweites Capitel.

Wie unser Held zu diesem sonderbaren höchsten Grundsatze gekommen seyn möge.

Gleiche Ursachen bringen allenthalben die gleichen Wirkungen hervor. Nun haben die ausser unserm Helden selbst liegenden Umstände, welche unsers Erachtens die beschriebene sonderbare Meinung in ihm erzeugt, sich auch bei andern Menschen gefunden, und haben auch bei ihnen in einem gewissen Grade denselben Erfolg gehabt. Aber so unerschütterlich auf jenem Princip beharrt, so allumfassend und so consequent durchgeführt hat es, so viel uns bekannt ist, keiner, ausser unserm Helden; und dies eben ist es, was ihm die Ehre erwirbt, als Muster seiner Gattung aufgestellt und der Nachwelt überliefert zu werden. Es muss sonach bei ihm, zu jenen anzuführenden äussern Umständen der Entwickelung jenes Princips, noch eine vorzügliche innere Empfänglichkeit seiner Natur dafür hinzugekommen seyn. Zum grössten Glücke für die Menschheit hat unser Held selbst -- denn warum sollte ich nicht ebensowohl wie Klopstock, in seiner Zueignungsschrift vor Herrmanns Schlacht, als schon geschehen ankündigen, was geschehen wird, und weit sicherer geschehen wird, als das durch Klopstock Verkündigte geschehen konnte -- er selbst hat, nachdem im Jahre 1803 sein letzter Feind, der transscendentale Idealismus, ausgetilgt, und die A. D. B. wiederum gehörig in den Gang gebracht war[2], seine glorreich errungene Musse dazu angewendet, die Geschichte seiner Bildung bis in seine Knaben- und Kindesjahre, und bis zu seiner Wiege zurückzuführen; hat diese Krone seiner Werke vollendet, und dann seinen Geist dem Himmel wiedergegeben. In den ersten drei Bänden dieses klassischen Werks können die Leser sich unterrichten, wie der erste Schrei des Neugebornen die Schriftstellerwelt erschütterte und alle Sünder in ihr erbeben machte, und wie schon seine Windeln von dem attischen Salze dufteten, das er seitdem in unsterblichen Worten ausgehaucht und angesetzt hat, so dass alle Umstehenden sich verwunderten, und sprachen: was will aus dem Kindlein werden? In den folgenden Bänden können sie finden, wie er, seitdem er sich seiner erinnern kann -- und er kann sich seiner seit den frühesten Jahren erinnern -- durch seine lebhafte Phantasie, einen Trieb zu lernen und eine Fassungskraft, weit über alle Kinder seiner Gesellschaft und seines Alters in sich verspürt, so dass er von seinen Eltern und seinen Lehrern als ein wahres Wunderkind ausgerufen worden. Aber wir überlassen den Lesern, dieses in der ausführlichen und grazienvollen Beschreibung des Helden selbst nachzulesen, und schränken uns, sowohl hier als ins künftige, auf dasjenige ein, was der berühmte Verfasser übergeht, und was wir nur aus andern Denkmälern jenes Zeitalters schöpfen können.

Ich will hier nicht untersuchen, ob es nothwendig sey, dass der Uebergang der Schriftstellerei einer Nation aus der gelehrten in die lebende Sprache eine Epoche des Verfalls der wahren gründlichen Gelehrsamkeit bei sich führe. Bei den Deutschen wenigstens war dies der Erfolg. Man bildete sich etwas ein darauf, endlich deutsch schreiben gelernt zu haben; man wollte, dass es auch für Deutsch anerkannt würde, und bemühte sich daher, über alle Gegenstände so zu schreiben, dass denn auch in der That nichts weiter zum Verstehen gehöre, als die Kenntniss der deutschen Sprache. Der Vortrag wurde die Hauptsache, das Vorzutragende mochte sich bequemen; was sich nicht so sagen liess, dass die halbschlummernde Schöne an ihrem Putztische es auch verstände, wurde eben nicht gesagt; -- und da man nur um sagen zu können lernte, auch nicht weiter gelernt, -- späterhin verachtet, als elende Spitzfindigkeit und Pedanterie: kurz, das elende Popularisiren kam an die Tagesordnung und von nun an wurde Popularität der Maassstab des Wahren, des Nützlichen und des Wissenswürdigen. In diese Epoche fiel unsers Helden erste Bildung. Er wollte schon früh etwas bedeuten, und dünkte sich schon früh etwas zu bedeuten; ohne alle klassische Gelehrsamkeit, wie er damals war, und trotz des Anscheins derselben, mit dem er späterhin sich behängte, immer blieb, musste dieser Dünkel bei ihm um so verderblicher werden. Zu seinem Unglücke kam er in die Bekanntschaft zweier Männer, deren erster ohne Zweifel weit mehr Ernst und Reinheit der Gesinnung hatte, als Nicolai; aber dieselbe Beschränktheit des Geistes, der Einsicht und des Zwecks. -- Hatte wohl im Grunde einer von diesen beiden anfangs eine höhere Tendenz, als die, dieses und jenes Aberglaubens ihrer Kirchen sich zu erwehren, ihre Confessionen so vernünftig zu machen, als sie selbst wären, und, wenn das Glück gut wäre, sich eine natürliche Religion zu bauen, bei der sie jener Confessionen ganz entbehren könnten; nur dass es der Andere auch hierin ernstlicher und herzlicher meinte, als unser Held? -- Der zweite dieser Männer, in deren Bekanntschaft unser Held kam, war ein allumfassender, lebendiger, rastloser Geist, und ein Charakter, für das Wahre, Rechte und Gute gebildet; nur dass er damals in der Unendlichkeit seines Wesens noch nichts Bestimmtes zu ergreifen und festzuhalten vermochte. Unser Held, der damals noch nicht alle Fähigkeit verloren hatte, eine Superiorität ausser sich anzuerkennen, anerkannte die dieses gewaltigen Geistes; aber nachdem er sich mit Mühe und Noth einiges Vermögen erworben hatte, mitzutreiben, womit dieser noch nicht fixirte Geist sein Spiel trieb, hielt er dieses Spielwerk für das Höchste, und sich selbst für jenes Geistes gleichen.

Mit diesem Augenblicke war er vollendet und fiel. Er ist seitdem nicht weiter gekommen, und nicht zur Besinnung. Später hat er sich noch für einen weit höhern Geist gehalten als jenen, den er nun für ein, gutem Rathe nicht folgendes, überspanntes Genie ausgab.

Unser Held hatte, mit jenen vereinigt, einen kritischen Kreuzzug gethan; entscheidend gegen einige schlechte Reimer, in andern Fächern, z. B. dem der Philosophie, nicht ganz so glorreich. Sein grosser Mitkämpfer wurde allmählig inne, dass dies ein schlechtes Geschäft sey, und dass er es nicht in der besten Gesellschaft treibe. Er zog sich zurück, und unser Held beschloss nunmehro, die Sache in das Weitere zu treiben, und sich selbst, sich allein, zum Mittelpuncte der deutschen Literatur und Kunst zu constituiren. Die allgemeine deutsche Bibliothek entstand, schon an sich ein widersinniges Unternehmen, verderblich durch die Art, wie es ausgeführt wurde, am allerverderblichsten für den Urheber selbst.

Unser Held mag von dem sehr richtigen Vordersatze ausgegangen seyn: der Redacteur eines die ganze Literatur und Kunst umfassenden periodischen Werks muss selbst die ganze Literatur und Kunst umfassen; muss, und zwar in jedem besonderen Fache, höher stehen und alles besser wissen, als irgend einer seiner Zeitgenossen. Er muss in jedem Fache die grössten Meister, zu Beurtheilung derer, die unter ihnen sind, wählen, sie zu finden, sie sich zu verbinden wissen; er muss aber sogar diese grössten Meister der Fächer übersehen, um ihre eingesendeten Beurtheilungen zu prüfen und ersehen zu können, ob sie mit dem gewohnten Fleisse und Gründlichkeit bearbeitet sind, ob nicht etwa diese Männer sinken, ob nicht jüngere grössere neben ihnen aufkommen.

Anstatt nun von diesem richtigen Vordersatze aus weiter so zu folgern: Ich wenigstens habe diese notwendigen Erfordernisse nicht an mir, und von mir wird jene Idee einer allgemeinen deutschen Bibliothek wohl unausgeführt bleiben; schloss er umgekehrt: da ich nun jene Idee ausführen will, so muss ich annehmen und mich betragen, als ob ich alle jene Erfordernisse an mir hätte; als ob ich ein allumfassender Polyhistor und der geistreichste und geschmackvollste Mann meines Zeitalters und aller vergangenen und künftigen Zeitalter wäre. Ich muss Untrüglichkeit mir kräftigst zueignen. Da ein Ausführer jener Idee die grössten Männer aller Fächer erkennen, wählen und mit sich verbinden muss, so muss ich den Satz umkehren und annehmen, dass diejenigen, die ich erkennen, wählen und mit mir verbinden werde, die grössten Männer in ihren Fächern sind.

Es ist schwer auszumachen, ob unser Held schon damals im ganzen Ernste von sich selbst geglaubt, was er von nun an freilich gegen alle Welt behaupten und unerschütterlich voraussetzen musste. Das Wahrscheinlichste ist, dass es ihm ergangen, wie allen, die in die Lage kommen, unaufhörlich eine Aussage zu wiederholen, von der sie selbst nicht recht überzeugt sind. Am Ende glauben sie selbst an ihre Wahrheit.

Für möglich konnte Nicolai jene Voraussetzung von sich immer halten; er fand nirgends ausser sich eine höhere Weisheit, als die seinige, indem er nur die seinige begriff, derjenigen Seelenkraft aber, die da Ahnung eines Höhern heisst, von jeher gänzlich ermangelte. Auf die Wirklichkeit dieser Voraussetzung hätte er damals vielleicht noch nicht geschworen.

Aber seitdem er die Redaction seiner Bibliothek ergriff, musste er alle Stunden seines Lebens jene Meinung voraussetzen, sie behaupten, jeden Zweifel dagegen kräftigst niederschlagen, und kam von dieser Arbeit nie zur ruhigen Besinnung; so dass es durchaus begreiflich wird, wie dieser Glaube diese langen Jahre hindurch sich ihm fest einverleiben und mit ihm zusammenwachsen musste.

Das Unternehmen jener Bibliothek ergriff das Zeitalter. Die leichte Weisheit und die wohlfeile Gelehrsamkeit, welche durch das grosse Werk herbeigeführt, und schnell von einem Ende Deutschlands bis zum andern verbreitet wurden, fand Beifall. Der geringste unter den Lesern glaubte sich selbst zu lesen; gerade so hatte er die Sache sich auch von jeher gedacht, und nur nicht den Muth gehabt, es sich laut zu gestehen. Die Unmündigen erhielten die Sprache, und das gefiel ihnen. Unser Held sahe diese grosse Revolution, deren Stifter, die schnelle allgemeine Erleuchtung, deren Urheber er war. Warum hätte nicht der Glaube andrer an sein Werk seinen eignen Glauben an sich bestärken sollen?

Schriftsteller, denen an dem Beifalle des grossen Volks gelegen war, versammelten sich um den Ausspender dieses Beifalls, gaben ihm Beiträge, liessen sich von ihm berathen und erziehen, und schmeichelten auf jede Weise seiner Eitelkeit[3]. Man glaubt leicht, was man wünscht; Nicolai nahm in aller Unbefangenheit alles für baare Münze, und ihm fiel nicht bei, dass diese Lobeserhebungen vielleicht nur dem Redacteur der allgemeinen deutschen Bibliothek, keinesweges aber seinen persönlichen Verdiensten gelten möchten. Jene Männer waren seinem Princip nach ohnehin, als Mitarbeiter an der Bibliothek, die ersten Köpfe der Nation.

Er fand sich sonach von den ersten Männern der Nation gelobt, anerkannt, zu ihrem Meister erhoben. Wer konnte es ihm verargen, dass er ihnen glaubte?

Und so verschmolz allmählig in seiner Seele der Begriff von deutscher Literatur und Kunst mit dem Begriffe seiner Bibliothek; diese mit dem Begriffe von ihm selbst. Die Bibliothek wurde ihm zum Mittelpuncte des deutschen Geistes, er selbst zur innersten Seele dieses Mittelpuncts. An den Recensionen dieser Bibliothek mussten alle literarische und artistische Bestrebungen der Nation, und hinwiederum an seiner Einsicht -- diese Recensionen sich orientiren. Ausser jener Bibliothek war ihm jetzt und zu ewigen Zeiten kein Heil und keine Wahrheit für die Wissenschaft; und für die Bibliothek selbst kein Heil und keine Wahrheit ausser ihm. Jene war seine Welt, und er die Seele dieser Welt; was er erblickte, erblickte er durch jene hindurch, jene aber erblickte er durch sich hindurch. In dieser beruhigenden Stimmung lebte er und starb im frohen Glauben an die Unsterblichkeit seines Werks.

Anmerkungen.

[Fußnote 2: Mit dem im Texte erwähnten Jahre 1803 verhält es sich so: Nicolai hatte im 11. Bande seiner Reisebeschreibung vorher verkündigt, dass Fichte und alle seine Schriften im Jahre 1840 rein vergessen seyn würden. Er wurde hierüber, wie über so manches andere, in gewissen ^Briefen über die Guckkastenphilosophie des ewigen Juden^ verspottet. In dem Aerger hierüber decretirte und enuncirte er, -- in der Schrift gegen die Xenien, wo ich nicht irre, -- es solle nunmehr mit Fichte nicht einmal bis zum Jahre 1840 Frist haben, sondern schon Anno 1804 solle er vergessen seyn. Das Jahr 1800 ist verflossen, das 1801 angebrochen; das fatale Jahr der Vorhersagung tritt näher, und noch zeigen sich keine Spuren, dass die Weissagung anfange in Erfüllung zu gehen. Dies fiel unserem Helden bei Abfassung der im Eingange erwähnten Anzeige aufs Gewissen; er fand nun doch, »dass ^andere^ Gelehrte wohl etwa glauben möchten, hinter den Spitzfindigkeiten der neuen Philosophie u. s. w.

stecke etwas, dass ^er^ aber sagen könne, dass es durchaus eine Nullität sey, und dass i. J. 1803 sich darüber mehr werde reden lassen.« Freilich, wenn i. J. 1804 diese Philosophie rein vergessen seyn sollte, so müsste wenigstens i. J. 1803 die Nullität derselben dargethan werden.]

[Fußnote 3: Damit ja niemand in Zweifel stelle, ob deutsche Gelehrte sich so weit herabgelassen, unserm Helden zu schmeicheln, hat er selbst, in seiner Schrift gegen die Xenien, bezeugt: »ihm sey von jeher sehr geschmeichelt worden.«] Drittes Capitel.

Wie im allgemeinen dieser höchste Grundsatz im Leben unsers Helden sich geäussert habe.

Theils nach den öffentlichen Handlungen und Aeusserungen unsers Helden, theils nach mehreren Anekdoten von ihm, die zu seiner Zeit im allgemeinen Umlaufe waren, schrieb er sich selbst ausschliessend die Fähigkeit zu, alle Gegenstände des menschlichen Wissens mustermässig zu bearbeiten. Er pflegte, so oft in seiner Gegenwart das Gespräch auf irgend einen solchen Gegenstand fiel, nur das zu beklagen, dass seine übrigen Geschäfte ihm nicht Zeit liessen, ein Muster der Behandlung desselben zu liefern. Alles, zu dessen Bearbeitung er ohnerachtet dieser überhäuften Geschäfte denn doch noch Zeit fand, bearbeitete er auch wirklich mustermässig. So war seine Topographie von Berlin das Muster, wornach alle Arbeiten dieser Art gemacht werden sollten, und er ergriff jede Gelegenheit, sie als solches zu empfehlen; keinesweges, wie er hinzuzusetzen pflegte, aus Eigenlob, sondern weil sich die Sache wirklich so verhielt[4]. Wozu er nicht Zeit fand, mochten seine Zeitgenossen bearbeiten. Dass sie ihr Muster nie erreichen, dass sie nie es so machen würden, wie unser Held es gemacht hätte, wenn er nur die Zeit dazu gefunden, das verstand sich. Aber sie hatten ja ihn bei sich; und er ertheilte gern Rath, wenn man ihn bescheiden darum ersuchte.

Diesen Rath sollten sie lehrbegierig und folgsam annehmen, fortarbeiten und sich bestreben, seine Idee immer besser zu treffen. Sie sollten ja nur die Zeit zur Ausführung hergeben, die ihm mangelte; den Geist und die Uebersicht wollte er hergeben. So würden sie immer höher steigen, und ihm, ihrem Muster, stets näher kommen. Auf diese Weise hatte er in der Schule seiner Bibliothek und seines handschriftlichen Rathes die grössten Schriftsteller der Nation gebildet: einen Lessing, der nur leider in seinen spätern Jahren umschlug, rechthaberisch und unfolgsam wurde, und dafür zur wohlverdienten Strafe in Zweifel an der Gründlichkeit der bibliothekarischen Aufklärung und an der Evidenz der Mendelssohnschen Demonstrationen verfiel; einen Mendelssohn; einen Justus Möser, und so viele noch Lebende, deren Bescheidenheit mir verbietet, sie zu nennen: -- hat er nicht Schriftsteller allein, sondern durch die vortrefflichen Bildnisse deutscher Gelehrten vor der Bibliothek und der Berliner Monatsschrift in seinem Verlage, welche, wie ich als Augenzeuge betheuren kann, in Berlin noch immer regelmässig ausgegeben wird -- hat er dadurch auch junge bildende Künstler herangezogen, ermuntert und unterstützt. Die Bildung ging von ihm aus, als ihrem Centrum, und verbreitete sich regelmässig umher.

Dieser gesetzte, geordnete, gemässigte Gang wurde nun durch einige excentrische Köpfe gestört. In der Kunst erschien Goethe, Schiller, in der Philosophie Jacobi, Kant, die transscendentalen Idealisten. Was hätte an ihnen daran seyn können? -- Hatten sie sich denn erst in der A.

D. B. unter Nicolai's Aufsicht im Schreiben geübt? Oder hatten sie ihm ihre Pläne vor der Ausführung vorher vorgelegt, und mit ihm darüber correspondirt, wie Lessing in seiner guten Zeit, und Mendelssohn, und alle die, welche Meisterwerke geliefert haben? Keins von diesen allen hatten sie gethan; sie hatten ein so böses Gewissen gehabt, dass sie ihm ihre Arbeiten nicht einmal zum Verlage angeboten; die letzte Gelegenheit, bei der sie hätten erfahren können, wie sie mit denselben daran wären, und was sie darüber zu urtheilen hätten.

Dass an ihren vermeinten Kunstwerken und Entdeckungen durchaus nichts seyn konnte, war sonach ohne weitere Untersuchung und Prüfung, mit der man nur die ohnedies so beschränkte Zeit verloren haben würde, unmittelbar klar; und man konnte ohne weiteres mit den Waffen des Lächerlichen, welche unser Held zu führen glaubte, wie kein andrer, dagegen vorschreiten. So entstanden Freuden Werthers, die witzige Schrift gegen die Xenien, der dicke Mann, Sempronius Gundibert, die spasshaften Theile der Reisebeschreibung; und was weiss ich, was noch alles entstand.

Zwar liess sich einigen jener excentrischen Subjecte und Querköpfe nicht alles Talent und alle Kenntniss ganz absprechen, nur verhinderte sie ihre eigenliebige Meinung, dass sie ausser dem Umkreise der richtigen Schule für sich allein fortkommen könnten, daran, diesem Talente die wahre Richtung zu geben. Man musste suchen, diese etwanigen Gaben doch noch nützlich zu machen und sie der deutschen Literatur, d. i. dem Umkreise der allgemeinen deutschen Bibliothek, wiederzugeben. Unser Held fand sich sonach in der Nothwendigkeit, jene Menschen scharf zu züchtigen, ob sie nicht etwa in sich gehen und den rechten Weg einschlagen möchten. Man sah es ihm -- sein Geschichtsschreiber sagt dies an seiner Urne mit der vollsten Ueberzeugung -- man sah es ihm an, dass nie persönlicher Hass oder Feindschaft, sondern immer der redlichste Eifer für die Literatur ihn trieb; dass er mit einer Art von Wehmuth an das Amtsgeschäft einer solennen und ausführlichen Ausstäupung ging (mit kleinen beiläufigen Hieben nahm er freilich es etwas leichter); man bemerkte, wie ein geheimes väterliches Wohlwollen gegen die Bestraften selbst seinem Feuereifer für die Literatur eine gewisse rührende Milde beimischte, und wie er schon ein Vorgefühl von dem Danke hatte, den ihm die Gezüchtigten selbst, wenn sie einst zu Verstande kämen, bringen würden. Er war daher nicht leicht zu bewegen, alle Hoffnung an einem Menschen aufzugeben, und er wusste geschickt diese Hoffnung zu zeigen, um dem Sünder nicht allen Muth zur Besserung zu benehmen.

Traf es sich nun, dass einer wirklich sich besserte, so war die Milde rührend, mit der er ihn wieder zu Gnaden annahm. So gab es in diesen Tagen einen gewissen höchst perfectibeln Krug, welcher freilich in der allgemeinen Achtserklärung gegen die philosophischen Querköpfe mitbegriffen war. Dieser ging in sich und gab unserm Helden eine Aehrenlese von den Feldern anderer Philosophen zum Verlage, worüber er vermuthlich auch Nicolai's Rath eingezogen; -- denn den pflegte dieser keinem, der bei ihm verlegen liess, vorzuenthalten. Dafür segnete auch Gott diesen Krug, dass ihm auf eignem Boden eine Rechtslehre erwuchs, die einem philosophischen Recensenten an der allgemeinen deutschen Bibliothek wie aus der Seele geschrieben ist[5]. Jederman war damals der Meinung, dass wenn der junge Mann nur so fortführe, er es mit der Zeit wohl selbst bis zum ordentlichen Recensenten an der allgemeinen deutschen Bibliothek unter Nicolai's eigener Redaction bringen könnte.

Anmerkungen.

ff.]

[Fußnote 5: M. s. in demselben Hefte der N. D. B., in welchem die Eingangs erwähnte Anzeige sich befindet (56. B. St. 1. Heft 2.), kurz vor derselben die Recension des Krugschen Buches.]

Viertes Capitel.

Worauf es, zufolge dieses höchsten Grundsatzes, unserm Helden bei allen seinen Disputen angekommen sey.

So oft unser Held im Begriff war, seinen Mund öffentlich aufzuthun, um dem Zeitalter einen Rath zu geben, oder eine Thorheit zu misbilligen und zu züchtigen, so trieb ihn seine liebenswürdige Bescheidenheit immer an, zuvörderst sich zu entschuldigen, dass er gerade die Sache zur Sprache bringe, dass er sie jetzt, in diesem Zeitpuncte, bei dieser Veranlassung zur Sprache bringe. Hierüber gab er immer seine guten Gründe an. Dass er aber die Sache, wovon die Rede war, verstehe, und dass er die Wahrheit, die pure lautere Wahrheit sagen könne, darüber gab er nie einen Beweis, indem es ihm gar nicht beikam, dass über diesen Punct irgend ein Leser oder Gegner den mindesten Zweifel hegen würde.

So hub er, als er im 11. Bande seiner Reisebeschreibung von Tübingen aus auf die Horen, und von diesen aus auf die neue Philosophie schmälen wollte, damit an, dass er beklagte: es scheine nun einmal sein Beruf, dem Zeitalter unangenehme Wahrheiten zu sagen; und fuhr dann fort und sagte seine unangenehme Wahrheit; und alle Leser waren überzeugt und alle Gegner beschämt. Entweder hatten die letzten bisher, mit dem eignen guten Bewusstseyn, dass sie unrecht hatten, ihr Wesen getrieben, lediglich um etwas Neues, in der allgemeinen deutschen Bibliothek Unerhörtes anzubringen und Aufsehen zu erregen, und Nicolai wollte dies nun offenbaren; oder, wenn sie wirklich geglaubt hatten, recht zu haben, so sollten sie jetzt aus Nicolai's Versicherung, dass er ihnen die wahrste Wahrheit sage, vernehmen, dass sie denn also doch unrecht hätten.

So sagt man, dass er allen mündlich geäusserten Vorstellungen und Bedenklichkeiten seiner Freunde, besonders wegen seiner spätern philosophischen Streitigkeiten, immer so zu begegnen gepflegt habe: man müsse überall mit der Sprache gerade herausgehn und die Wahrheit sagen.

Ob sie gefalle oder nicht, ob man sich dadurch Feinde mache oder nicht, darnach könne nicht gefragt werden. Wenn die entgegengesetzte Maxime gelten solle, so hätten auch die Literaturbriefe nicht geschrieben werden müssen. So war er auf ewig gegen die Vermuthung befestigt und gesichert, dass irgend jemand glauben könne, er habe in der Sache selbst unrecht, und hielt jene Warnungen für nichts weiter, als für die zärtlichen Besorgnisse seiner schüchternen Freunde, durch die sie ihn verleiten wollten, aus Sorgfalt für seine persönliche Ruhe die Sache der Wahrheit zu verläugnen.

Fünftes Capitel.

Wirkliche Disputirmethode unsers Helden, aus diesem höchsten Grundsatze.

Kam es nun wirklich zum Dispute, so machte unser Held es sich zum einzigen Augenmerk, die Wahrheit des Factums zu constatiren und dem Gegner den Ausweg des Abläugnens seiner That oder seiner Aeusserung abzuschneiden. Hierbei verfuhr er mit seiner gewöhnlichen Sorgfalt und Genauigkeit. Hatte er nur diesen Punct erst ins Reine gebracht, so schritt er ohne weiteres zum Endurtheile; denn er konnte den Glauben an den gesunden Menschenverstand seiner Gegner nie so weit aufgeben, um anzunehmen, dass sie der Thaten oder Aeusserungen, die sie aus seinem Munde wieder hören müssten, und von denen sie leicht abnehmen könnten, dass er sie misbillige, nicht sogleich sich innigst schämen, die Unrichtigkeit derselben einsehen und sie bereuen sollten.

So kam in jenen Tagen zu Jena eine gewisse auch allgemeine Literaturzeitung heraus, welche sogleich in ihr Nichts verschwand, nachdem unser Held die Zügel der allgemeinen deutschen Bibliothek mit starken Händen wieder ergriffen hatte, und jener Zeitung die, bei Gelegenheit des Schellingschen und Schlegelschen Streits mit ihr zu Tage gekommene Abhängigkeit vorrückte. Dieser Zeitung sagte er in der oben angeführten unsterblichen Besitzergreifungsacte[6], zwar mit grossmüthigem Bedauern, dass dieses ihr Factum gewesen, jedoch übrigens kurz, fest und entschlossen, auf den Kopf zu, dass sie Kant gelobt hätte, und Reinhold gelobt hätte, er fügte jedesmal in Schwabacher hinzu, ^dass dies nicht zu läugnen wäre^. Freilich hatte jene Zeitung gehofft und geglaubt, dass kein Mensch als Nicolai jenen Verstoss entdeckt habe, und dass dieser es nicht weitersagen werde.

So muss in jenen Tagen ein gewisser Fichte, von dem seit dem Jahre 1804 alle Nachrichten verschwinden, sein Wesen getrieben haben. Diesem führt unser Held in derselben klassischen Acte mehrere seiner höchststräflichen Aeusserungen kurz und gut zu Gemüthe; dass z. B.

dieser Fichte, und noch dazu vom Anfange an, und noch dazu ganz laut gesagt habe, kein einziger von Kants zahlreichen Nachfolgern habe verstanden, wovon eigentlich die Rede sey, -- ausser er, Fichte, wie sich verstehe, setzt unser Held dazu. (Wenn dieser Fichte nur die gemeinste Logik hatte, so versteht sich dies freilich; wie hätte er urtheilen können, dass alle übrigen es nicht verständen, wenn er nicht selbst es zu verstehen geglaubt hätte?) Um allen Zweifel über die Sträflichkeit und Absurdität dieser Aeusserungen zu heben, versichert er, ^es seyen dies wirklich Fichte's eigne Worte^, und citirt allenthalben Buch und Seite; und in einigen Blättern, welche dem allgemeinen Austilgungskriege gegen Fichte vom Jahre 1803 entgangen, findet sich auch wirklich, dass diese Citationen richtig sind.

Unser Held war ein unbarmherziger Gegner. Wie muss es den armen Fichte niedergedrückt haben, durch Nicolai an den Tag gebracht zu sehen, was von ihm zum Drucke befördert sey.

Anmerkung.

[Fußnote 6: Wir nennen die oft erwähnte Anzeige eine Besitzergreifungsacte; denn lasst uns nur in einer Note, die mancher Leser vielleicht auch nicht liest, bekennen, dass alle die getroffenen Anstalten nicht lediglich um der Herren Schelling, W. und F. Schlegel, Tieck, Fichte, und wie die Gezüchtigten noch alle heissen, unternommen sind; dass diese nur das Mittel sind zum höhern Zwecke, und die gegen sie aufgestellten Truppen nur dazu dienen, den Punct des eigentlichen Angriffs zu verdecken. Dieser geht, dass wir es nur zu unsrer eigenen Demüthigung gerade heraussagen, eigentlich -- ^gegen die Jenaische Literaturzeitung^.

Nicht von den anzuzeigenden Schriften -- eigentlich den zwischen Schelling, A. W. Schlegel und der A. L. Z. gewechselten Streitschriften -- nein, vom unsterblichen Stifter der A. D. B. hebt die Rede an, wie dieser zuerst die Idee gefasst, zur Verhütung aller Einseitigkeit und Parteilichkeit (!) Mitarbeiter aus allen deutschen Ländern und Provinzen einzuladen. S. 145. lässt sich zwar nicht läugnen, dass ^auch die Redactoren der A. L. Z. dieser Idee gefolgt^. S. 150 aber sind bei ihr gerade die unangenehmen Fälle eingetreten, »^welche der Stifter der A.

D. B. eben durch die Einladung von Mitarbeitern aus allen deutschen Ländern und Provinzen -- vom Anfange an -- so vorsichtig zu vermeiden wusste^.« Es bekamen nemlich ^nun^ -- wie denn ^nun^? folgten denn nun die Redactoren der ^A. L. Z.^ nicht mehr der Idee des unsterblichen Stifters der A. D. B.? Ei, was weiss ichs: kurz -- »es bekamen ^nun^ durch die individuelle Lage der Redactoren der ^A. L. Z.^ gegen Mitarbeiter, die mit ihnen in zu naher Verbindung an Einem Orte lebten, und gegen deren Freunde, persönliche Rücksichten einen merklichen Einfluss auf das Werk, welcher demselben sicher nicht vortheilhaft war, und -- ^bei unparteiischen Lesern _das Vertrauen zu demselben sicher verminderte_^.« -- In der ganzen Anzeige kann man weiter ersehen, wie eben durch jene Streitschriften der ^A. L. Z.^ und ihrer Gegner, »die freilich keinem von beiden Theilen vortheilhaft sind« und deren ^deswegen^, »gegen die sonstige Gewohnheit der D. B., in anderen gelehrten Zeitschriften erhobene Streitigkeiten aufzunehmen und fortzuführen,« allerdings erwähnt werden musste -- wie, sage ich, durch jene Streitschriften so recht an den Tag gekommen, dass die Schlegel und Schelling in die ^L. Z.^ Einfluss gehabt, dass diese von ihnen ^abgehangen^. Nun kann der scharfsinnige Leser selbst ermessen, welch' ein erbärmlicher Wicht die ^L. Z.^ seyn möge, da sie von so erbärmlichen Wichten, deren und ihrer Freunde Personalien eben deswegen hier wieder in frisches und geschärftes Gedächtniss gebracht werden mussten, abgehangen; -- diese ^L. Z.^, von der sich ohnedies nicht läugnen lässt, dass sie Kant gelobt, und Reinhold gelobt.

Dagegen kann jeder Leser wissen, dass die D. B. der neuen und neusten Philosophie von jeher im Wege gestanden; die unartigen Schleifwege, auf denen sich doch einmal ein gutes Wörtchen über sie in diese B.

eingeschlichen, sind nun auch entdeckt und, besonders seit Nicolai wieder das Regiment führt, sicherlich verhauen. Es ist der Bescheidenheit, die alles Selbstlob verschmäht, angemessen, dieses anonym in den letzten Heften der bei Bohn herauskommenden neuen B. zu der Zeit, da die ersten Bände der wieder alt gewordenen B. bei Nicolai erscheinen, und das Vertrauen der Leser zur ^A. L. Z.^ durch den Schellingschen Streit in frischer Verminderung begriffen ist, gehörig auseinanderzusetzen, damit die Leser wissen, wohin sie sich nun mit ihrem Vertrauen zu wenden haben.

Jene Anzeige ist sonach, ihrer wahren Bestimmung nach, eine Besitzergreifungsacte des alten Vertrauens für die alte Bibliothek, von dessen Verminderung der alte Herausgeber doch einige Spur haben muss.

Wir wünschen sehr, dass der scharfsinnige und scharftreffende Herr Hofrath Schütz diese wahre Tendenz jener Anzeige ja nicht merke, sondern