ausgedrückt; und bei noch höherer Cultur, wenn man schon von Aether hört, wird man sie durch ^Aether^ bezeichnen. -- Auf diese Art werden für geistige Begriffe Bezeichnungen gefunden.
Die Uebertragung sinnlicher Zeichen auf übersinnliche Begriffe ist indess Ursache einer Täuschung. Der Mensch wird nemlich durch diese Bezeichnungsart leicht veranlasst, den geistigen Begriff, welcher auf eine solche Weise ausgedrückt worden ist, mit dem sinnlichen Gegenstande, von welchem das Zeichen entlehnt wird, zu verwechseln. Der Geist wurde z. B. durch ein Wort bezeichnet, welches den ^Schatten^ ausdrückt: sogleich denkt sich der ungebildete Mensch den Geist als etwas, das aus Schatten bestehe. Daher der Glaube an Gespenster, und vielleicht die ganze Mythologie von ^Schatten im Orcus^.
Die Täuschung war aber unvermeidlich; man konnte jene Begriffe nicht anders bezeichnen. Wer demnach seine Denkkraft noch nicht genug geübt hatte, um dem gebildeten Geiste des Forschers, der zuerst jene geistigen Ideen in sich entwickelte, in seinen schärferen Abstractionen folgen zu können, der konnte auch unmöglich den Sinn fassen, in welchem jener die bildlichen Ausdrücke verstand. Ein solcher glaubte also, es wäre bloss von den sinnlichen Gegenständen, von welchen die vorgetragenen Zeichen entlehnt waren, die Rede, und dachte sich also die geistigen Gegenstände sehr materiell. -- Daher entsteht auch nicht aller Aberglaube durch Betrügerei, sondern dadurch, dass geistige Ideen nicht anders, als durch sinnliche Worte ausgedrückt werden konnten, und dass derjenige, der sich nicht bis zum Bezeichneten erheben konnte, bei dem ersten rohen Zeichen stehen blieb.
Bisher beschäftigte sich unsere Untersuchung bloss mit der Frage: wie kamen die Menschen darauf, einzelne Gegenstände durch in die Sinne fallende Zeichen auszudrücken? Wir haben also bloss die Entstehung der ^Worte^ untersucht. Aber Worte allein machen noch keine Sprache aus.
Sprache besteht aus der Zusammenfügung mehrerer Worte zur Bezeichnung eines bestimmten Sinnes. Auch erhalten die einzelnen Worte erst durch diese Zusammenfügung, durch den Ort, welchen sie in der Verbindung mit mehreren anderen einnehmen, völlige Verständlichkeit und Brauchbarkeit zur Bezeichnung unserer Gedanken. Wenn ich zu jemand sage: ^Rose^ -- so wird bei ihm nichts, als die blosse Vorstellung der Rose hervorgebracht werden. Wenn ich ihm aber sage: ^bringe mir die Rose^; so weiss er bestimmt, was ich gedacht habe, und was ich will, dass er thun soll. -- Zu einer vollständigen Erklärung des Ursprungs der Sprache ist daher auch erforderlich, die Entstehung jener Zusammenfügung mehrerer Worte, d. h. der ^Grammatik^ zu zeigen.
So irrig es ist, zu glauben, dass die willkürlichen Bezeichnungen der Gegenstände durch eine besondere Uebereinkunft der miteinander vereinigten Menschen gebildet worden seyen, so irrig ist es auch, anzunehmen, dass Grammatik durch Verabredung entstanden sey. Eine Verabredung zu einem solchen Zweck setzt einen Grad von Geistesbildung, und insbesondere von Philosophie der Sprache voraus, der bei den Menschen auf der Stufe der Cultur, auf der wir sie hier uns denken müssen, gar nicht stattfinden konnte. -- Vielmehr muss die Ableitung der Grammatik ebenfalls von einem, in dem Wesen des Menschen liegenden Grunde, von der natürlichen Anlage zum Sprechen ausgehen, und zeigen, wie diese Anlage durch das Bedürfniss geweckt, und nach und nach auf die Erfindung der verschiedenen Arten der Wortfügung geleitet wurde.
Die ersten Wörter waren gewiss ganze Sätze: sie fassten, vielleicht in einer einzigen Sylbe, welche wiederholt werden konnte, ein Substantiv und ein Zeitwort in sich. Z. B. die Nachahmung des Löwengebrülls deutete der Horde an, es komme ein Löwe. -- Man hat behauptet: die ersten Worte seyen ^Zeichen des Vergangenen^ gewesen. Dies lässt sich aber nicht wohl annehmen: denn, wenn diese Worte das Geschehene hätten bezeichnen sollen, so müssten vergangene und gegenwärtige Zeit schon genau von einander abgesondert gewesen seyn, und zum Behuf dieser Unterscheidung beide ein bestimmtes Zeichen gehabt haben. Die ersten Worte waren vielmehr so unbestimmt als möglich; sie bezeichneten keine bestimmte Zeit, sondern waren bloss ^aoristisch^: es wurde das Vergangene und Gegenwärtige zugleich ausgedrückt. Z. B. ein Löwe will eine Horde anfallen. Dies kündigt der, welcher es sieht, durch ein Geschrei an, und drückt dadurch die ^vergangene^, ^gegenwärtige^ und ^zukünftige^ Zeit zugleich aus; denn er zeigt dadurch an, dass er den Löwen gesehen habe, dass er sie darauf aufmerksam machen, und ihnen die Folgen von dessen Annäherung anzeigen wolle, damit sie sich zu gemeinschaftlicher Vertheidigung rüsten können.
Also die ersten Worte fassten in sich ein Substantiv und ein Zeitwort: das Tempus war der Aorist, die Person ganz gewiss die dritte; denn die Ursprache fängt an mit dem Erzählen, und der Ton der Erzählung redet in der dritten Person. -- Die ersten Zeitwörter waren weder Activa, noch Passiva, sondern Neutra. Denn das Neutrum bezeichnet einen Zustand, der durch sich selbst bestimmt ist, der folglich auch, seiner Einfachheit wegen, am frühesten zum Bewusstseyn und zur Bezeichnung kommen musste.
Für alles das, was wir hier über die ursprüngliche Gestalt der Zeitwörter sagen, können die Wurzelwörter der orientalischen Sprachen zur Bestätigung dienen; diese sind Neutra, haben aoristische Zeitbedeutung, und gehen von der dritten Person aus.
Jedes Ding wurde in der Ursprache durch seine höchste Eigenthümlichkeit ausgedrückt. Diese höchste Eigenthümlichkeit eines Gegenstandes bestand wohl in demjenigen, wodurch sich dieser Gegenstand dem Bewusstseyn der rohen Naturmenschen am lebhaftesten ankündigte. Dieses Auffallende an einem Dinge konnte nun schon an sich ein Ton seyn, und dann ahmte man denselben nach, um den Gegenstand, dem er angehörte, zu bezeichnen. Wenn es sich aber ursprünglich einem anderen Sinne, als dem Gehör entdeckte, so suchte man auf die oben beschriebene Art einen Ton, welcher mit jener ausgezeichneten Eigenschaft in Beziehung stand, um auf diese Art wenigstens mittelbar den Gegenstand durch seine Eigenthümlichkeit zu bezeichnen. Nun sollten aber noch andere Eigenschaften, die einem Gegenstande zukommen, auf Veranlassung der Umstände, auch ausgedrückt, als demselben zugehörig dargestellt werden. So wurde der ^Löwe^ durch Nachahmung seines Gebrülls angedeutet. Jetzt sollte ihm aber noch ein anderes Prädicat zugeschrieben werden, welches ihm zufällig zukam. In diesem Falle musste der Ton, welcher den Löwen bezeichnete, verbunden werden mit einem anderen, durch welchen die zweite Eigenschaft bezeichnet werden sollte. Z. B. es sollte ausgedrückt werden: ^der Löwe schläft^: hier musste das Zeichen des Löwen mit dem des Schlafs (etwa mit dem Tone des Schnarchens) zusammengesetzt werden; und dies hiess denn: »der Löwe, der sonst brüllet, schläft.« -- Bei dieser Zusammensetzung konnte aber nicht so lange auf dem Tone des Löwen in der Aussprache verweilt werden, als sonst geschah, da man, unserer Voraussetzung zufolge, durch den Ton des Löwen den ganzen Satz: ^der Löwe kömmt^, ausgedrückt hatte, wo freilich der Ton, welcher hier den ganzen mitzutheilenden Gedanken bezeichnete, gedehnt und mit Nachdruck ausgesprochen werden musste. Allein wenn dieses Zeichen mit einem anderen, auf welchem der Hauptsinn des ganzen vorzutragenden Satzes liegt, und welches also auch in der Aussprache durch einen längeren und stärkeren Ton unterschieden werden musste, verbunden werden sollte, so musste jenes erste Zeichen kürzer und leichter ausgedrückt werden, so dass es mit dem folgenden gleichsam in Ein Wort zusammenfloss. Auf diese Art entsteht aus einem Zeitworte ein Particip, das durch öfteren Gebrauch, vielleicht auch durch Hinzukunft einiger äusserer Zeichen sich leicht in ein Substantiv verwandeln kann. Es gehört also zum ursprünglichen Charakter des Substantivs, dass ein solches Wort kürzer und zusammenfliessend mit dem folgenden Worte vorgetragen wurde.
Daraus erhellt auch -- was man sonst ebenfalls aus einer besonderen Verabredung erklären zu müssen glaubte -- wie man darauf kommen musste, die Zeitwörter durch bestimmte Endsylben zu bezeichnen, und durch andere Nach unserer Deduction musste ein Wort, welches als Substantiv gebraucht werden sollte, den Satz eröffnen: und da das Wort, welches den Satz schloss, durchgängig den stärksten Ton erhielt, weil es denjenigen Begriff ausdrückte, auf dessen Mittheilung es hauptsächlich abgesehen war; so musste, weil unsere Kehle bei mehreren zugleich vorzutragenden Tönen nur Einen stärker aussprechen kann, nothwendig das Substantiv, als das vorangehende Wort, leichter und mit dem folgenden zusammenfliessend ausgedrückt werden; da hingegen das Zeitwort, welches, unserer Theorie gemäss, immer das letzte Wort in einem Satze war, sich dadurch auszeichnete, dass auf ihm der volle Ton ruhte.
Wir gehen jetzt zu einer anderen Untersuchung fort, bei welcher uns, wie bei allen folgenden über die verschiedenen Arten der Wortfügung, die Aufschlüsse leiten werden, welche das soeben gefundene Resultat uns über die Entstehungsart fast aller Formen der Wortverbindung giebt. In dem vorher angeführten Falle sollte ein Gegenstand durch zwei Bestimmungen bezeichnet werden. Gesetzt nun aber, ein Gegenstand soll mit drei oder mehreren Bestimmungen zugleich ausgedrückt werden, es soll z. B.
angedeutet werden: der schlafende Löwe ruht aus, so muss hier nach der von uns aufgestellten Regel der ^Löwe^, als der Hauptbegriff im ganzen Satze, zuerst bezeichnet werden: hierauf folgt die nähere Bestimmung des Löwen, nemlich, dass er ^schläft^: und zuletzt kömmt eine besondere Bestimmung dieses Schlafs -- das ^Ausruhen^. In dieser Verbindung muss demnach das Zeichen des Schlafs, welches in der vorher angeführten Zusammensetzung als das Hauptwort einen starken und gedehnten Ton hatte, abgekürzt, und zusammenfliessend mit dem Zeichen des Ausruhens, das hier den Hauptsinn des ganzen Satzes enthält, auf dem folglich in der Aussprache am längsten verweilt werden muss, vorgetragen werden.
Man sieht ohne meine Erinnerung ein, dass in dieser Zusammensetzung die Bezeichnung des ^Schlafs^, welche vorher ein ^Zeitwort^ war, auf dieselbe Art, wie in dem vorher aufgestellten Satze die Bezeichnung des Löwen, zu einem ^Particip^ geworden ist; woraus sich leicht, etwa durch einige äussere Modificationen, ein Adjectiv bilden kann. -- So entstehen ^Participien^, ^Substantive^ und ^Adjective^. Aber man könnte fragen: warum ist aus manchen Bezeichnungen ein ^Substantiv^, aus anderen ein ^Adjectiv^ entsprungen, da doch sowohl das eine, als das andere, sich aus einem Zeitworte, und durch die Zusammensetzung desselben mit einem anderen Zeitworte gebildet hat? -- Die Antwort darauf liegt sehr nahe.
Bei den ersten rohen Versuchen einer Wortfügung mochten nemlich Adjectiv und Substantiv nicht so streng unterschieden seyn, als wir sie jetzt in unseren Sprachen unterschieden finden: zumal, da die Verschiedenheit beider Bezeichnungsarten nicht sowohl auf inneren Merkmalen, als auf dem besonderen Gebrauche beruht, der von der einen und von der anderen gemacht wird. ^Substantiv^ war der Natur der Sache nach dasjenige Wort, welches den Hauptbegriff, oder das Subject eines Satzes bezeichnete: ^Adjectiv^ hingegen war jedes Wort, sobald es eine nähere Bestimmung des Hauptbegriffes auszudrücken gebraucht wurde. Auf diese Art konnte dasselbe Wort, wenn es in dem einen Satze das Subject der Rede, in dem anderen nur ein Prädicat dieses Subjects ausdrückte, bald in substantiver, bald in adjectiver Bedeutung vorkommen. -- Die eigenthümliche Unterscheidung zwischen Substantiv und Adjectiv ist auch wohl erst später hinzugekommen. Für uns sind sie nun, nachdem durch gewisse äussere Merkzeichen der schwankende Unterschied zwischen beiden fixirt ist, scharf von einander abgeschnitten; aber in der Ursprache dürfen wir sie uns noch nicht ebenso von einander unterschieden denken.
Aus dieser Gleichartigkeit ergiebt es sich auch, warum sich Substantiv und Adjectiv fast immer in den Endungen gleichen. Da beide durch Abkürzung des Stammwortes und durch Verkettung desselben mit einem anderen stärker und gedehnter auszudrückenden Worte entstehen, so folgt, dass sowohl das eine, als das andere mit einem Tone enden muss, der sich leicht dem folgenden Worte anschliessen lässt: da hingegen die Zeitwörter einen rauhen, harten Ton haben mussten, weil sie den Satz schliessen, und ihm den Nachdruck geben mussten. In cultivirten Sprachen werden freilich die Zeitwörter diesen rauhen Ton mehr oder weniger verlieren, weil sie dann ebenso oft in der Mitte, als am Ende eines Satzes vorkommen. Denn der gebildete Mensch begnügt sich nicht mit Sätzen, wie sie hier aufgestellt sind: mit der einfachen Zusammenstellung eines Substantivs, Adjectivs und Zeitworts. Sowie sich sein Geist mehr und mehr mit Vorstellungen bereichert, wird auch durch die mancherlei Bestimmungen, die er den vorgetragenen Begriffen als Erläuterungen beifügt, die Zusammensetzung verwickelter, der schlichte Satz zur Periode erweitert, und die ursprüngliche Wortfügung folglich verändert.
Durch diese Zusammenfügung mehrerer Worte bildete sich auch allmählig ein eigenthümlicher Unterschied des Substantivs von dem Zeitwort, welche ursprünglich ein gemeinschaftliches Stammwort ausmachten, das einen Gegenstand und eine Handlung zugleich andeutete (wie nach dem oben angeführten Beispiele der ursprüngliche Ton, der den ^Löwen^ bezeichnete, zugleich auch die ^Ankunft^ des Löwen ausdrückte). In der Verbindung mit anderen Worten, wo es nicht mehr den ganzen Gedanken ausdrücken sollte, musste ein solches Wort nicht mit dem vollen Ton, sondern leicht und fliessend ausgesprochen werden, weil ein anderes Zeichen folgte, auf welches der Nachdruck gelegt werden musste. Durch einen solchen leichteren und kürzeren Ton konnte sich das Substantiv in der Folge überhaupt recht wohl von dem Zeitworte, von welchem es abstammte, unterscheiden, ohne dass im Ganzen die Aehnlichkeit verloren ging, welche selbst noch in unseren Sprachen zwischen Substantiv und Zeitwort, wenn sie aus derselben Quelle entsprungen sind, stattfindet.
Hier noch etwas über die Stellung der Worte, welche zusammengefügt werden sollen. Wenn ausgedrückt werden soll: der Löwe schläft und ruht aus; so wird zuerst der ursprüngliche Ton des ^Löwen^, hier in ^substantiver^ Bedeutung, d. h. nicht mit der ganzen Stärke des Tons als Hauptwort, sondern kürzer abgebrochen mit dem folgenden Ton zusammenfliessend, vorgetragen: zu diesem wird, als ein ^Adjectiv^, der Ton des ^Schlafens^ hinzugefügt, und zuletzt kömmt das Zeitwort ^ausruhen^. Der ursprünglichen Wortfügung gemäss, gehört also dem Substantiv der erste Platz. Wie kömmt es zu dieser Stelle? -- Der Naturmensch hält sich im Vortrage seiner Gedanken genau an die Ordnung, in welcher die Vorstellungen in der Seele auf einander folgen. Immer kömmt aber im Denken das am wenigsten Bestimmte zuerst, und hierauf folgen die näheren und noch näheren Bestimmungen. Folglich musste auch in der Natursprache das für uns Unbestimmte, oder am wenigsten Bestimmte zuerst gesetzt werden, und die näheren Bestimmungen erst nachfolgen. Nun ist das ^Substantiv^ immer das Unbestimmteste: durch ein Adjectiv, das hinzukömmt, wird es näher, und durch das Zeitwort endlich nach der Absicht hinlänglich bestimmt.
Dieser Ordnung zufolge steht also in der Ursprache das Adjectiv immer nach dem Substantiv. Aber wir finden, dass diese Ordnung nach Maassgabe der Cultur der Sprachen sich ändert. Sobald eine Sprache nicht mehr bloss Natursprache ist und sich der Sprache der Vernunftcultur nähert, wird in ihr das Adjectiv bald vor bald nach gesetzt. Bei Homer z. B.
finden wir meistens das Adjectiv nach dem Substantiv. In der lateinischen Sprache stehen die Adjective schon häufig voran. In der deutschen Sprache aber kann das Adjectiv niemals nach dem Substantiv gesetzt werden. Im Französischen setzt man auch das Adjectiv mehr vor als nach; wenn aber mehrere Adjective mit dem Substantiv verbunden werden sollen, so lässt man immer jene auf das letztere folgen, z. B.
^un homme vertueux et bienfaisant^; welche Verbindungsart, um des Nachdrucks willen, der auf jedes der Adjective gelegt werden kann, allerdings einen entschiedenen Vorzug vor der deutschen hat. -- Wie kann es in einer Sprache dahin kommen, dass das Adjectiv, jener Ordnung des Denkens gerade entgegen, zuerst gesetzt wird? -- In dem Fortschritt der Cultur einer Sprache müssen die Wörter nicht mehr als einzelne gedacht werden, sondern mehrere zusammen machen Einen Begriff aus und werden als Ein Begriff gedacht. So wird auch das Substantiv nicht mehr als einzelner Begriff gedacht, der nachher durch Adjective bestimmt werden solle, sondern er wird mit diesen sogleich zusammen gedacht als Ein Begriff, und jene können ihm also auch vorhergehen.
Eine andere Frage, die wir jetzt zu untersuchen haben, betrifft die Entstehung des ^Activs^ und ^Passivs^. Die ersten Zeitwörter waren ^Neutra^. Aus dem ursprünglichen Neutrum lässt sich das ^Activ^ leicht entwickeln. Das ^Neutrum^ bezeichnet, wie wir schon bemerkt haben, einen ^Zustand^, in welchem sich der Gegenstand der Rede befindet: bezieht man nun diesen Zustand auf ein anderes Object, welches mit demselben in Verbindung steht, so wird auch das Neutrum in ein ^Activ^ verwandelt. Z.
B. in dem Satze: ^der Löwe frisst^ -- drückt das Wort ^fressen^ einen durch sich selbst völlig bestimmten Zustand des Löwen aus, und hat also eine völlig neutrale Bedeutung. Sage ich aber: der ^Löwe frisst das Schaaf^, so ist dieses Zeitwort ein ^Activ^: denn hier wird die durch dasselbe dem Löwen zugeschriebene Handlung auf ihr Object bezogen.
Aus eben diesem Beispiele erhellt auch, dass das Wort für den Gegenstand, welcher mit der Handlung des Subjects in Verbindung gesetzt werden soll, schon als ^Substantiv^ gebraucht seyn, und ein festes Merkzeichen seiner substantiven Bedeutung haben musste, wenn die erwähnte Wortfügung, und folglich auch die Verwandlung des Neutrums in ein Activ zu Stande kommen sollte. Der ^Löwe^, welcher hier Subject des Satzes ist, wird durch den gewöhnlichen Laut, der eine Nachahmung seines Brüllens ist, ausgedrückt. Dieser Löwe ^frisst^. Auch dies kann durch den eigentlichen Ausdruck bezeichnet werden. Aber wie soll ich nun das ^Schaaf^ ausdrücken? Wenn ich dieses auch durch seinen eigentlichen Ton andeuten will, so kann dieser Ton, welcher zugleich das Zeitwort des ^Blökens^ ausdrückt, für dieses Zeitwort genommen werden, und dann bedeutete der ganze Satz: ^der fressende Löwe blökt^. Nun haben wir zwar weiter oben gesehen, dass das Substantiv sich von dem Zeitworte, von welchem es abgeleitet wurde, durch den leichteren Ton, in welchem es vorgetragen wurde, unterschied. Allein dieses Merkmal ist hier nicht anwendbar, da das Substantiv hier nicht den Satz anfängt, sondern beschliesst, und folglich nach unserer Theorie einen gedehnten und starken Ton erhalten muss. Diesem möglichen Misverständnisse ist also nicht eher abzuhelfen, als bis für das Wort, durch welches das Schaaf in substantiver Bedeutung bezeichnet werden soll, ein bleibendes Unterscheidungszeichen gefunden worden ist. Dies konnte aber auf die oben angegebene Art leicht geschehen, indem die Abkürzung, mit welcher ein solches Wort, wo es ein Substantiv ausdrückte, ausgesprochen wurde, bald in einen fixen eigenthümlichen Laut verwandelt werden musste; wobei sehr leicht auch noch ein Mittelton eingeschoben werden konnte, um dasselbe mit dem darauf folgenden Worte leichter zu verbinden. Solche Modificationen des ursprünglichen Tons wurden durch wiederholten Gebrauch so mit dem Worte verwebt, dass sie zuletzt einen Bestandtheil desselben ausmachten, und zu Merkzeichen der substantiven Bedeutung eines Wortes dienten. Ehe aber dergleichen Bestimmungen vorhanden waren, war der ganze Satz nicht auszudrücken, und eher war kein ^Activ^, sondern alle Zeitwörter blieben, was sie ursprünglich waren -- ^Neutra^.
Um die Entstehung des ^Passivs^ zu erklären, muss ein Bedürfniss aufgezeigt werden, welches die Menschen zur Erfindung dieser Sprachbestimmung leitete; denn, dass in der Ursprache irgend etwas ohne Noth, bloss zur Verschönerung des Vortrags erfunden worden sey, lässt sich nicht annehmen. Um diese möchte man sich wohl bei den ersten rohen Versuchen einer Sprache nicht sehr bekümmert haben; da sagte man wohl eher: ^man schmähet mich^, als -- ich werde geschmähet; der Löwe zerreisst das Schaaf, als -- das Schaaf wird vom Löwen zerrissen.
Ein solches Bedürfniss des Passivs tritt ein, wenn eine Handlung vorkömmt, welche, nach unseren Einsichten, einen Urheber hat, den wir aber auf keine Weise entdecken können. Sie muss ^erstlich^ einen Urheber haben; denn hat sie keinen, oder können wir keinen annehmen, so drücken wir uns durch das ^Impersonale^ aus -- wir sagen: ^es donnert, regnet^, u. s. w. ^Zweitens^ muss der Urheber unbekannt seyn, und gar nicht errathen werden können; denn, gesetzt der Wolf hätte ein Schaaf geraubt, so wird der noch ungebildete Naturmensch, auch selbst wenn er nicht Augenzeuge von dem Vorgange gewesen ist, doch nicht sagen: ^das Schaaf ist mir geraubt worden^; sondern: ^der Wolf hat das Schaaf weggenommen^; weil er schon aus Erfahrung weiss, dass dieser Schaafe raubt. Das Bedürfniss des Passivs trat also erst dann ein, wenn eine Handlung da war, bei der man ebenso klar sah, dass sie einen Urheber haben musste, als man sich bewusst war, dass man diesen Urheber nicht errathen könne.
Ursprünglich wurde daher auch wohl das Passiv durch ein Zeichen ausgedrückt, wodurch der Redende andeutete, dass ein Urheber da sey und dass er ihn nicht kenne. Man hängte vielleicht den Worten, welche die That selbst ausdrückten, den Satz an: ^ich weiss nicht, wer es gethan hat^. Wenn nun diese Worte bei gleicher Gelegenheit mehrmals gebraucht wurden, so musste es bald dahin kommen, dass sie geschwinder ausgesprochen wurden, mit dem Zeitworte, welches die Handlung bezeichnete, enger zusammenflossen, und zuletzt einen Bestandtheil desselben ausmachten. Ob ein solcher Zusatz ursprünglich dem Zeitworte vorgesetzt, oder angehängt wurde, lässt sich nicht bestimmen. Im Ganzen aber folgt so viel, dass ursprünglich das ^Passiv^ wohl durch einen kleinen Zusatz zum Zeitwort ausgedrückt wurde, welcher eigentlich das Zeichen der Unbekanntheit des Urhebers war.
Das ^Verbum medium^ bezeichnet eine Handlung, welche auf uns selbst zurückgeht: es gründet sich auf höhere Abstraction, und kann daher in einer Ursprache nicht wohl vorkommen.
Die Entstehung des ^Numerus^ lässt sich auf folgende Art erklären. -- Der ^Singular^ fand sich von selbst; er war der ursprüngliche Numerus; die ersten Wörter wurden alle im Singular gebraucht. Nun sollte aber der Horde eine Mehrheit angezeigt werden; es wollte z. B. einer sagen: es kommen mehrere Löwen! wie sollte er das andeuten? Durch das natürliche Bild einer Heerde: durch Dehnung und Wiederholung des Tons, und dadurch, dass dieser Ton immer fortschallte. Um wie viel oder wenig man den Ton dehnen, oder wie oft man ihn wiederholen sollte, um die mehrere Zahl anzudeuten, war vermuthlich nicht bestimmt. Der ^Pluralis^ wurde demnach durch Verlängerung des Wortes ausgedrückt.
Der ^Pluralis^ war aber anfangs nur nöthig bei ^Zeitwörtern^, keinesweges bei Substantiven und Adjectiven; denn es verstand sich von selbst, dass auch sie, wenn sie von einem Zeitworte im Plural begleitet wurden, in der mehreren Zahl zu nehmen waren. Der Numerus der Substantive und Adjective ist daher in der Ursprache nicht zu suchen: er ist keinesweges eine durch Nothwendigkeit geforderte Sprachbestimmung, sondern eine Erfindung, welche das Streben nach Bestimmtheit und Eleganz im künstlichen Vortrage nöthig machte. Aber bei Zeitwörtern war der Plural unentbehrlich.
Die ^verschiedenen Personen^ der ^Zeitwörter^ wurden ohne Zweifel in folgender Ordnung gebildet. Diejenige ^Person^, welche zuerst in der Sprache bezeichnet wurde, war gewiss die ^dritte^; denn urprünglich wurde in keiner anderen, als in der dritten Person geredet. Man nannte einen jeden bei seinem eigenthümlichen Namen: N. N. solle das thun! Die folgende, welche zunächst der dritten ihre besondere Bezeichnung erhielt, war die ^zweite Person^; weil man bei Verabredungen und Verträgen bald das Bedürfniss fühlte, dem anderen zu sagen: das sollst Du thun. Das ^Ich^, als die ^erste Person^, zeugt (besonders wo es an der Endung des Zeitwortes selbst angehängt ist) von höherer Vernunftcultur, und wurde also auch zuletzt bezeichnet. Bei Kindern sehen wir, dass sie immer in der dritten Person von sich sprechen, und sich, als das Subject, von welchem sie etwas sagen wollen, durch ihren Namen ausdrücken, weil sie sich bis zum Begriff des Ich, bis zur Absonderung des selben von allem ausser ihnen noch nicht erhoben haben.
^Ich^ drückt den höchsten Charakter der Vernunft aus.
Wie eine ^dritte^, ^zweite^, und ^erste Person^ im ^Plural^ gebildet werden konnte, ergiebt sich leicht, wenn der Plural schon vorhanden war.
Die ^Tempora der Zeitwörter^ wurden wahrscheinlich auf folgende Art erfunden. Die ersten Zeitwörter wurden bloss ^aoristisch^ gebraucht: aus dem ^Aorist^ konnte leicht das ^Präsens^ gebildet werden, oder vielmehr -- man musste den Aorist bald selbst als Präsens verstehen, weil die Bestimmungen bei rohen Nationen sich fast immer auf die gegenwärtige Zeit beziehen. Mehr Mühe mochte wohl die Erfindung der Bezeichnungen für vergangene und zukünftige Zeiten kosten. Als man zuerst das Bedürfniss fühlte, ^Vergangenes^ und ^Zukünftiges^ auszudrücken, gab man wohl die Zeit, in welcher etwas geschehen war, oder geschehen sollte, ganz genau an; es wurde z. B. nicht gesagt: ^es hat sich zugetragen^, sondern: ^es trägt sich vor so und so viel Tagen zu^; nicht: ^es wird sich ereignen^, sondern ^es ereignet sich nach so viel Tagen^. Diese Art sich auszudrücken, war dem noch ungebildeten Menschen sehr natürlich.
Vollkommene Präcision im Ausdrucke kündigt eine höhere Verstandescultur an, als man den ersten Erfindern der Sprache zuschreiben kann. Der ungebildete Mensch theilt nicht bloss das mit, was der andere von einer Sache wissen soll, oder will, sondern auch was er selbst davon weiss.
Daher giebts in den uncultivirten Sprachen eine Menge überflüssiger Bestimmungen, eine Menge Ausdrücke, die, der Verständlichkeit des Ganzen unbeschadet, weggelassen werden könnten. So auch mit den Bestimmungen der Zeit. Die Zeit, in welcher etwas vorgegangen war, oder kommen sollte, wurde, so weit man ^zählen^ konnte, bestimmt hinzugesetzt. Wo man aber auf einen Zeitraum stiess, welcher eine so genaue Bestimmung nicht zuliess, da bediente man sich, wie uns noch einige Spuren in alten Sprachen zeigen, der Worte: ^morgen^, ^gestern^ u. s. w., um die ^verflossene^ oder ^zukünftige^ Zeit unbestimmt auszudrücken.
Aus dieser Bezeichnungsart mussten aber bald mehrere Misverständnisse entstehen. Wie leicht konnte es Zwist verursachen, wenn der zweideutige Ausdruck ^morgen^ für den besonderen Fall, in welchem er gebraucht wurde, nicht gehörig bestimmt war? Z. B. es sagte einer zum andern: ich gebe dir das morgen. Hier konnte morgen ebensowohl den nächstkünftigen, als jeden anderen folgenden Tag bedeuten. Der andere legt es von dem nächstkünftigen Tage aus, und kömmt, um die Sache abzuholen: jener weigert sich aber, das Versprochene abzuliefern, weil er es nicht auf morgen, sondern überhaupt auf die Zukunft zugesagt hätte. Durch Fälle dieser Art konnten leicht Mishelligkeiten entstehen, an welchen sich das Bedürfniss einer bestimmten Bezeichnung für Vergangenheit und Zukunft deutlich offenbaren musste. Diesem Bedürfniss konnte vielleicht schon dadurch abgeholfen werden, dass man solche allgemeine Worte, wie Zeit ^überhaupt^ ausdrücken sollten, mit dem Zeitwort zusammenfassender, schneller und kürzer aussprach, und im Gegentheil dieselben Worte, wenn sie bestimmt den ^zunächst vergangenen^ oder ^zukünftigen^ Tag bezeichnen sollten, durch einen festen, längeren Ton ausdrückte. So wurde zum Ausdrucke der vergangenen und zukünftigen Zeit ein Zusatz zum Zeitworte gefunden, welcher nach und nach inniger mit demselben zusammenfloss, und das ^Perfectum^ und ^Futurum^ in seiner jetzigen Gestalt bildete.
Es fragt sich noch: wie entstanden die verschiedenen ^Casus^? -- Der ^Nominativ^ und ^Accusativ^ sind wohl diejenigen, auf welche man am frühesten kam. Man bedurfte sie auch bei der einfachsten Wortfügung, und sie liessen sich auch leicht durch die Stelle, welche sie in einem Satze bekommen mussten, charakterisiren. Das Subject einer Rede musste, als der unbestimmteste Begriff, immer die erste Stelle in einem Satze einnehmen. Bei jeder Wortfügung musste also ein Substantiv vorangehen; darauf folgte das Zeitwort, der Ausdruck des Zustandes, in welchem sich das Subject befand. Sollte nun dieses Zeitwort bezogen werden auf einen Gegenstand, welcher mit der durch dasselbe bezeichneten Handlung des Subjects in Verbindung stand, so musste dieses seinen Platz gleich hinter dem Zeitworte erhalten. Dieser Anordnung der Worte gemäss muss das Substantiv, da es das Subject des Satzes anzeigen, gleichsam ^nennen^ soll, im ^Nominativ^, das Object aber, welches auf die Handlung des Subjects bezogen wird, im ^Accusativ^ stehen; folglich der Nominativ den Satz anfangen, der Accusativ denselben beschliessen. -- Der Accusativ musste mithin auch, weil kein Wort weiter auf ihn folgte, den längsten und stärksten Ton haben, der Nominativ aber flüchtig ausgesprochen und mit dem Zeitworte verflochten werden. Es musste sich also bei einem und demselben Worte leicht unterscheiden lassen, ob es im Nominativ, oder Accusativ stehe, indem in dem letzteren Falle entweder eine Verlängerung, durch Zusetzung mehrerer Buchstaben oder Sylben, oder doch eine Verstärkung des Tones stattfand.
Der ^Genitiv^ wurde als nähere Bestimmung des Substantivs angehängt, und ich glaube wohl, dass der Name, den er führt, den ursprünglichen Gebrauch bezeichnet, welchen man von diesem Casus machte. Man bediente sich seiner zur Bezeichnung der Abstammung eines Menschen, indem man erst den Sohn, und dann den Vater nannte. Späterhin wendete man diese Bestimmung auch auf das Besitzthum an, man sagte z. B. das Schaaf des Marcus u. s. w. Der Genitiv hatte deshalb auch seine Stelle, durch die er bezeichnet wurde, unmittelbar nach dem Substantiv, zu dessen näherer Bestimmung er diente. Z. B. man wollte unter einer Horde einen bezeichnen, der mit mehreren anderen einen gleichen Namen hatte; so setzte man, um ihn nicht mit einem von diesen Anderen zu verwechseln, den Namen seines Vaters hinzu, als: Marcus Caji, u. s. w. Da nun, nach den Grundsätzen, welchen wir bei der Ableitung der Grammatik gefolgt sind, jedes Wort, je weiter es in der Reihe der Zeichen zurückstand, einen desto längeren und stärkeren Accent erhielt: so musste auch der Genitiv einen längeren oder stärkeren Ton bekommen, als der Nominativ, hinter welchem er seinen Platz hatte.
Auch der ^Ablativ^ ist, wie der Genitiv, entstanden, um ein Wort näher zu bestimmen, und drückte vielleicht anfangs das ^von einem Orte Nehmen^ aus. Er ist mit dem Genitiv gewissermaassen gleichartig; beide drücken die Beziehung mehrerer Nennwörter auf einander aus. Die Entstehung dieser beiden Casus ist allerdings in der Ursprache zu suchen. Es war unter rohen Völkern sehr nothwendig, dergleichen Beziehungen recht verständlich auszudrücken. Wie leicht konnte man einem verdrüsslichen Misverständnisse vorbeugen, wenn man, um einen Menschen desto genauer kenntlich zu machen, den Namen seines Vaters zu dem seinigen hinzufügte; sowie man auch in allen alten Geschichtschreibern zur näheren Bestimmung des Sohnes den Namen des Vaters hinzugesetzt findet.
Aber um alle die verschiedenen Beziehungen der Gegenstände auf einander zu bezeichnen, ist weder der Genitiv noch der Ablativ hinreichend; es bedarf also auch noch der ^Präpositionen^. Eine der gewöhnlichsten solcher Beziehungen ist z. B. die ^Local^beziehung, als: das Haus ^im^ Dorfe, u. s. w. Diese Beziehungen wurden ursprünglich wohl dadurch ausgedrückt, dass man einen Buchstaben, eine Sylbe oder einen fast unmerklichen Ton einem von den beiden Nennwörtern, welche auf einander bezogen werden sollten, beifügte. Da dieser Zusatz, den man sich übrigens als Präfix oder Affix denken kann, nicht geschrieben, sondern ausgesprochen wurde, so liess sich auch nicht bestimmen, ob er einen besonderen Ton ausmachte, sondern er floss in der Aussprache mit dem Zeichen, welchem er vor- oder nachgesetzt wurde, zusammen.
Der ^Dativ^ bezeichnet die Beziehung einer Handlung auf ein Drittes, auf etwas ausser dem Subject und Object, auf welches die Handlung eigentlich abzweckt. Z. B. ich gebe das Brot, ich nehme das Brot: hier fehlt offenbar die Beziehung auf ein Drittes, um dessen willen die Handlung vorgenommen, dem das Brot gegeben, oder genommen wird. Setze ich diese Beziehung hinzu, sage ich z. B. ich gebe oder nehme das Brot dem Hunde, so habe ich auch den ^Dativ^. Da der Gegenstand, mit welchem eigentlich die Handlung vorgenommen wird, zur Bestimmung der Handlung unmittelbar gehört, so muss auch der Accusativ, welcher dieses Verhältniss des behandelten Gegenstandes zu der Handlung bezeichnet, unmittelbar nach dem Zeitwort stehen; und der ^Dativ^, welcher den Gegenstand bezeichnet, um dessenwillen die Handlung eigentlich geschieht, folgt jenem nach. Er wird also den Satz schliessen, und folglich einen volleren Ton bekommen, als der Accusativ selbst.
So entstand ^Grammatik^ bloss durch das Bedürfniss der Sprache, und durch die Fortschritte, welche die menschliche Vernunft nach und nach machte. Denn selbst bei der einfachsten Mittheilung der Gedanken musste sehr vieles durch Beziehung der Worte auf einander ausgedrückt werden, und der natürliche, durch die Vernunft geleitete Gang der Sprache brachte den Menschen, ohne dass Verabredung erforderlich gewesen wäre, auf die Bestimmung der verschiedenen Arten jener Beziehung.
Man könnte gegen diese Theorie einwenden, dass es verschiedene Sprachen gebe, denen man ihre Entstehung nach den von uns vorgetragenen Regeln nicht ansehe. So soll, unserer Darstellung gemäss, das Wurzelwort immer ein Zeitwort seyn, und dieses Zeitwort soll ursprünglich in Einem Tone mehrere Begriffe ausdrücken, soll ursprünglich in der dritten Person vorgetragen werden, und aoristische Bedeutung haben. Nun zeigt sich in der griechischen und lateinischen Sprache offenbar das Gegentheil. In den Zeitwörtern derselben ist augenscheinlich nicht die dritte, sondern die erste Person diejenige, aus welcher alle übrigen gebildet sind, ist nicht der Aorist, sondern das Präsens die Wurzel. Woher also diese Verschiedenheit, wenn unsere Theorie richtig ist? Nehmen wir auch an, dass die genannten Sprachen keine Ursprachen gewesen sind, sondern sich aus schon entstandenen gebildet haben; so müssen wir doch zugeben, dass sie zuletzt aus solchen hervorgehen mussten, welche auf die hier