Speculation niemals etwas vernommen, jenem aber nunmehr seit fünfundzwanzig Jahren, in einer ununterbrochenen Folge mannigfaltiger Schriften zweier in ihrem äusseren Vortrag sehr verschiedener Autoren, die Regeln der wirklichen Speculation, und die Ausübung derselben an mancherlei Materien, vorgelegt worden sind.
Aber was soll man sodann sagen, wenn in überschwänglicher Klarheit erhellet, dass unter diesen vorgeblichen Bearbeitern der Wissenschaft sogar der Begriff von der Wissenschaft selber, ihren blossen formalen und äusseren Eigenschaften nach, nicht nur fast gänzlich verschwunden, sondern dass sie auch innerlich vor diesem Begriffe erzittern, und jede Anregung desselben leidenschaftlich anfeinden, und dass der einzige Trost ihres Lebens die Hoffnung ist, dass es wohl niemals wirklich zur Wissenschaft kommen werde, und der einzige Zweck ihrer Bestrebungen, zu verhindern, dass es dazu komme? Müsste man nicht sodann urtheilen, dass an die Stelle des unter uns ausgestorbenen gelehrten Publicums die heftigsten Feinde aller Wissenschaft getreten, welche die Maske der Gelehrsamkeit nur vorhalten, um unter deren Schutze die Wissenschaft nur sicherer und sieghafter zu bestreiten?
Die Wissenschaft, so gewiss sie Wissenschaft ist, hat eine absolute und unveränderliche Evidenz in sich selber, vernichtend schlechthin alle Möglichkeit des Gegentheils und allen Zweifel; und, da diese Evidenz nur auf eine einzige unwandelbare und unveränderliche Weise möglich seyn kann, die Wissenschaft hat ihre feste und unveränderliche äussere Form.
Dies gehört zum Wesen der Wissenschaft, als solcher; nur unter dieser Bedingung ist sie Wissenschaft; und so ist auch allenthalben, wo es ein wissenschaftliches Publicum gegeben hat, in demselben allgemein geglaubt und angenommen worden. Wie aber mögen über diesen Punct unsere vorgeblichen Gelehrten glauben und annehmen? Ich weiss nicht, wie viele es unter ihnen geben dürfte, denen nicht von Zeit zu Zeit Aeusserungen, wie die folgenden, entgangen seyen: es halte jemand sich für allein weise und allein Philosoph; es wolle jemand die Wissenschaft aus Einem Stücke haben; man müsse -- als ob es nemlich mehr als Einen Standpunct für jede Wahrheit geben könne -- bei Widerlegung der Gegner sich auf ihren Standpunct versetzen; man müsse es in der Untersuchung der Wahrheit nicht so strenge nehmen, sondern leben und leben lassen; und wie noch ins Unendliche fort die Wendungen lauten, in denen der Wissenschaft angemuthet wird, auf ihren absoluten Grundcharakter Verzicht zu thun: und dieses alles als gar nicht zu bezweifelnde Axiome, mit einer kindlichen Unbefangenheit, und so durchaus ohne alle Ahnung der eigenen Abgeschmacktheit, dass sie nicht nur sicher auf die Beistimmung aller übrigen hoffen, sondern sogar fest überzeugt sind, der wissenschaftliche Mann selber, den sie etwa des Anspruchs auf Alleinweisheit bezüchtiget, hätte sich dessen erst nur nicht besonnen; er werde auf ihre Erinnerung schon in sich gehen und sich schämen. Wenn nun etwa auch dieselben Schriftsteller, ein andermal von dem Wesen der Wissenschaft redend, sich ohngefähr ebenso darüber ausdrückten, wie wir es oben thaten: soll man dies für ihren Ernst halten? Wie könnte man?
Dieses letztere sagen sie nur; das Gegentheil aber glauben sie wirklich, indem sie ja darnach in wirklicher Beurtheilung vorliegender Erscheinungen verfahren; wie denn auch einige zu dergleichen Geständnissen mit rührender Naivität hinzusetzen: das sey zwar wahr ^in abstracto^, keinesweges aber ^in concreto^; wodurch sie demnach klar bekennen, dass sie jenen Begriff der Wissenschaft nur für einen leeren Begriff des scherzhaften und spielenden Denkens halten, mit dem es hoffentlich niemals werde Ernst werden.
Das innere Wesen der Wissenschaft ist auf sich selbst gegründet, und macht sich schlechthin durch sich selbst und aus sich selbst, ^so^, wie es sich macht, absolut vernichtend alle Willkür; und es ist die allererste Forderung an einen wissenschaftlichen Menschen, vor deren Erfüllung niemals auch nur ein Funke von Wissen in seine Seele kommen wird, dass alle Neigung in ihm vor dem heiligen Gesetze der Wahrheit verstumme, und er für immer entschlossen sey, alles, was ihm als wahr einleuchten werde, mit ruhiger Ergebung sich gefallen zu lassen. Sollen wir glauben, entweder, dass sie diese Bedingung vollzogen hätten, oder auch nur, dass sie es als einen möglichen Fall dächten, es werde jemand diese Forderung an sie machen? -- solche, welche ernsthaft vor dem gesammten Publicum uns benachrichtigen, dass unsere Wahrheit ihnen nicht gefalle, und auseinandersetzen, wie ihnen bei derselben eigentlich zu Muthe geworden, und beschreiben, wie diejenige Wahrheit aussehen müsse, die ihnen gefallen solle, und uns ersuchen, sie also zu machen und gelten zu lassen, und, wenn wir nicht wollen, sich ereifern und klagen, dass wir ihnen das Herz aus dem Leibe reissen wollten; welches letztere wir denn auch wirklich gerne thäten, wenn wir es vermöchten, bei eigenem Unvermögen aber es der göttlichen Gnade überlassen. Oder sollten wir das von denjenigen glauben, welche, noch unabhängig von dem Inhalte des Vorgetragenen, sich beklagen, dass man nicht freundlich genug sie belehre, dass man ihnen einen unsanften Ruck gegeben habe, der beinahe die ruhige Stimmung ihres Gemüthes gestört hätte; dass wir uns bessern, und ihnen künftig die Lehre und Arznei in die von ihnen geliebten Süssigkeiten einkleiden möchten, widrigenfalls sie zu unserer wohlverdienten Bestrafung nichts mehr von uns lernen würden? Soll man viele Ausnahmen von dieser Denkart glauben, wenn man sieht, dass eine neue Lehre fast mit keinen anderen Waffen bekämpft wird, als mit dieser Abneigung und der Erregung derselben in den Gemüthern der Leser, auf deren Sympathie und gleichmässigen Unverstand man sicher rechnet; ingleichen des Affects der Verwunderung über die ungeheure Abweichung der Lehre von der gemeinen Meinung, als ob jemand zuzugestehen dächte, dass etwas wahr sey, weil es gemein ist?
Die allererste, dem wissenschaftlichen Menschen anzumuthende Erkenntniss ist die, dass die Wissenschaft nicht ein leeres Spiel oder Zeitvertreib, nicht nur ein zum erhöhten Lebensgenusse dienender Luxus, sondern dass sie ein dem Menschengeschlecht schlechthin Anzumuthendes, und die einzig mögliche Quelle aller seiner weitern Fortentwickelung sey: dass die Wahrheit ein Gut, und das höchste, alle anderen Güter in sich enthaltende Gut, der Irrthum dagegen die Quelle aller Uebel, und dass er Sünde und die Quelle aller anderen Sünden und Laster sey; und dass derjenige, der die Wahrheit aufhält und den Irrthum verbreitet, die allerschaudervollste Sünde am Menschengeschlechte begehe. Kann man diese Erkenntniss denjenigen zutrauen, welche ihr ganzes Leben hindurch durch alle ihre Worte und Werke die absoluteste Gleichgültigkeit gegen Wahrheit und Irrthum zeigen; welche alle die Tage ihres Lebens fortfahren zu lehren, ohne jemals etwas zu wissen; welche, ohne alle Ueberzeugung, dass Wahrheit sey, was sie behaupten, dennoch fort behaupten auf das gute Glück hin, dass sie es gleichwohl auch getroffen haben könnten, und so, innerlich zu einer concreten Heuchelei und Lüge geworden, lügend fortleben und von der Lüge essen, trinken und sich kleiden? Ohne alle Ueberzeugung, sage ich: denn es ist ein himmlisch klarer Satz, ganz allein durch sich der Menschheit den Besitz der Wahrheit sichernd, und welcher, obwohl er die Verderbtheit jener aufdeckt, und darum ein verhasster Gräuel ist in ihren Augen, dennoch ihnen zu Liebe nicht kann aufgegeben werden; der Satz: dass die Evidenz eine specifisch verschiedene innere und überzeugende Kraft bei sich führe, welche niemals auf die Seite des Irrthums treten kann, dass jederman unter allen Umständen seines Lebens wissen kann, ob das, was er denke, mit dieser Kraft ihn ergreife oder nicht, dass daher jedweder, von welchem hinterher sich findet, dass er geirrt habe, dennoch, obwohl er gar füglich seinen Irrthum nicht eingesehen haben kann als Irrthum, ihn doch auch sicher nicht als Wahrheit eingesehen hat, und dass er auch hätte entdecken können, dass er ihn nicht als solche einsehe, wenn er sich nur hätte besinnen wollen; dass er daher auf keine Weise der Ueberführung zu entgehen vermag, dass er leichtfertig und ohne wahrhaften Respect für die Wahrheit dahergefahren sey.
Welches konnte die Quelle dieser strafbaren Gleichgültigkeit seyn?
Allein Trägheit, Leichtsinn, Egoismus, tiefe moralische Auflösung. Das Leben reisst unaufhörlich uns heraus aus uns selber, und treibt uns dahin oder dorthin, so wie es will, nach seinem Gutdünken sein Spiel mit uns führend. Diesem Hange zuwider dennoch sich zusammenzunehmen, und betrachtend sich zu halten, bis man vollendet, kostet Anstrengung, Selbstverläugnung, Mühe, und diese thut wehe dem verzärtelten Fleische.
Es will schon etwas sagen, nur zuweilen sich zu besinnen: dass man es aber in der Wissenschaft, zumal in der höchsten, in der Speculation, zu etwas Bedeutendem bringe, dazu bedarf es einer bis zur absoluten Freiheit geübten Kunst der Besinnung, und der erworbenen Unmöglichkeit, jemals von dem Strome der blinden Einbildungskraft gefasst zu werden; welches alles wiederum einen ganzen klaren, nüchternen und besonnenen Lebenslauf erfordert. Wie hätte einen solchen die Kraftlosigkeit unserer Tage ertragen können?
Oder, selbst wenn sie gekonnt hätten, würden sie es auch nur gewollt haben, und würden sie jene Besonnenheit, wenn ohne alle ihre Mühe sie ihnen zu Theil würde, sich zur Ehre anrechnen oder zur Schmach? Ich sage, zu der letztern; denn es ist schon lange her, dass der Wetteifer mit jener Nation, von der wir jetzt für unsern guten Willen, ihr zu gleichen, und für unser Unvermögen dazu grausam bestraft werden, uns den Anschein deutschen Ernstes, Gründlichkeit und Fleisses verächtlich gemacht, und uns bewogen hat, alle Beschäftigung mit den Wissenschaften in ein Spiel zu verwandeln, und uns dem Strome unserer Einfälle, als dem einzigen, was den Anschein jener so sehr beneideten Leichtigkeit uns geben könne, zu überlassen. Um sicher zu seyn, dass wir nicht wie Pedanten aussähen, haben wir uns bestrebt, literarische Gecken zu werden, ohne dass es uns doch sonderlich gelungen. Ich möchte einmal, besonders unter unseren jüngeren Gelehrten, die Umfrage halten, um zu erfahren, wie viele darunter lieber dafür gelten möchten, dass sie die Wahrheit durch Fleiss und Nachdenken gefunden, als dafür, dass sie ihnen durch ihre glückliche Natur ohne alle ihre Mühe und Anstrengung von selber gekommen; und die nicht lediglich durch den Titel eines Genies sich geehrt, durch die Benennung aber eines fleissigen und besonnenen Denkers sich als beschränkte und geistlose Köpfe, und als solche, für welche die Natur doch auch gar nichts gethan, sich geschmähet finden würden. Und so brachte denn dasselbe Hinfliessen und Hinträumen in aus sich selbst erwachsenden Einfällen, welches der Bequemlichkeit zusagte, zugleich auch Ehre; und so liessen wir es uns denn besser gefallen, als den mühsamen und nicht ehrenden Ernst.
Wenn denn nun jene, wie seit länger denn Einem Menschenalter in unermesslicher Klarheit sich gezeigt hat, von der Wissenschaft so durchaus nichts wussten, dass ihnen nicht einmal der Begriff derselben, oder die allerersten Bedingungen, um zu ihr zu gelangen, bekannt waren; warum konnten sie dennoch es durchaus nicht unterlassen, sich für Gelehrte auszugeben und zu schreiben, zu lehren, zu urtheilen, als ob sie die gründlichsten wären? Da die einzig möglichen Triebfedern, die Liebe zur Wahrheit und zur Wissenschaft, von welchen beiden sie nie einen Funken erblickt, sie nicht treiben konnten, so konnten die ihrigen nur die äusseren Triebfedern seyn: die bekannten des Geltenwollens, der Ruhmsucht und der anderen Emolumente, welche damit verknüpft zu seyn pflegen. Von diesen werden sie denn auch also getrieben und begeistert, dass sie die wirkliche Wissenschaft, von welcher sie den Verlust ihres eigenen Ansehens sich richtig prophezeien, mehr fürchten und hassen, als irgend etwas anderes, und dass ihnen kein Mittel zu schlecht ist, durch dessen Anwendung sie hoffen, den Anbruch des Lichts, wenigstens noch so lange als sie leben, aufzuhalten; im schamlosen Kampfe für eine tausendfach verwirkte Existenz, der sie selber, wenn sie noch einen Funken Ehrgefühl hätten, fluchen würden.
Von diesem ihrem dumpfen Eigendünkel werden sie also geblendet und besessen, dass er sie zu den lächerlichsten und unglaublichsten Ungereimtheiten verleitet. Indess sie immerfort voraussetzen, dass keiner ganz recht habe, und dass es nirgends eine sichere und ausgemachte Wahrheit gebe, vergessen sie dennoch diesen, für alle anderen ausser ihnen ohne Ausnahme gelten sollenden Grundsatz gänzlich, sobald es ihre eigenen Personen sind, welche reden, indem sie immerfort aus dem Principe disputiren, sie hätten ja die, ohne Zweifel zugleich mit ihrem Munde ihnen angeborne wahre Wahrheit, und darum müsse der Gegner, der ihnen widerspricht, nothwendig unrecht haben; gar nicht sich besinnend, dass ja der andere ebenso schliessen könne, und das Privilegium des blinden Eigendünkels für sich allein und ausschliesslich begehrend. Ja, es ist sogar erlebt worden, und wird noch immerfort erlebt, dass jemand einer Lehre durch die Versicherung, er könne sie eben nicht verstehen, oder sie falle ihm so schwer, dass ihm Hören und Sehen dabei vergehe, das Zeichen der Verwerfung aufgedrückt zu haben geglaubt; mit kindischer Naivität bei der ganzen Welt dieselbe hohe Meinung von ihm, die er selbst hegt, als ihr absolutes Axiom und Prämisse aller ihrer Urtheile voraussetzend, und im Rausche seines Eigendünkels gar nicht ahnend, wie ihm geantwortet werden müsse.
Zunächst zwar ist diese Schilderung des literarischen Zustandes unserer Tage entworfen, um daraus die bisherigen Schicksale der Wissenschaftslehre zu erklären; die Zeit aber, in welcher ich dieselbe abfasse, erwirbt mir vielleicht Verzeihung, wenn ich zugleich bemerke, dass der politische Zustand unserer Tage, in welchem, wenn nicht durch ein Wunder und auf einem natürlich nicht abzusehenden Wege uns Rettung kommt, alle seit Jahrtausenden von der Menschheit errungene Cultur und deren Producte zu Grunde gehen zu müssen scheinen, bis nach neuen Jahrtausenden dermalen uns unbekannte Wilde und Barbaren denselben Weg wieder von vorn beginnen, -- dass, sage ich, dieser politische Zustand lediglich und allein aus dem Zustande unserer Literatur entsprungen ist.
Er ist herbeigeführt durch das allgemeine Unvermögen, irgend einen Gegenstand fest anzufassen und zu halten, und ihn nach seinem wahren Wesen zu durchdringen; und das Hülfsmittel dagegen ganz und ernst, und nicht noch zugleich sein Gegentheil zu wollen, und mit eiserner Consequenz, verläugnend alle Nebenzwecke, es durchzuführen. Bei wem aber sollten diejenigen, welche über unser Schicksal entschieden haben, Beispiele dieser Festigkeit holen, und wem dieselbe ablernen, wenn diejenigen, in deren Schulen sie zuerst gebildet sind und bei denen sie noch täglich, sey es auch nur für den Scherz, Unterhaltung suchen, ihnen keinen anderen Anblick geben, als den der absoluten Zerflossenheit? Wo eine Literatur ist, da sind es immerfort die Literatoren, welche ihr Zeitalter bilden. Gehen nun diese über in Fäulniss, so muss neben ihnen alles Uebrige nothwendig um so mehr verwesen.
Um jedoch zu unserem eigentlichen Zwecke zurückzukehren: wie hätte man denjenigen, mit denen noch über die ersten Buchstaben alles Unterrichts, ob es wohl auch überhaupt Wissenschaft geben möge, zu streiten war, glaublich machen können, dass es wohl eine Wissenschaft der Wissenschaft selber geben möge; oder diejenigen, die überhaupt gar keiner Besinnung fähig sind, und dessen sich rühmen, zur allerhöchsten und vollendeten Besinnung heraufleiten können? Es war nichts Anderes zu erwarten, als dasjenige, was erfolgt ist, dass sie die Worte und Formeln dieser angetragenen Wissenschaft, zu dem, was sie allein wollen und begehren, zu einigen Scherzen für die Belustigung ihrer Leser verarbeitet, und wenn man dennoch ernsthaft geblieben, voll Eifer und Zornes auf uns geschmähet haben.
Nur noch zwei Bemerkungen zum Schlusse. Sollten die Getroffenen auch über diese Schilderung sich erklären, so werden sie ohne Zweifel wiederum sagen, wie sie immer sagen, man habe die Unwahrheit vorgegeben und übertrieben. Nicht für sie, sondern für eine bessere Nachwelt, wenn dergleichen möglich wäre, merke ich an, dass alles auf dem oben angegebenen Axiome beruhe, dass jeder, von welchem sich hinterher findet, dass er unrecht habe, gar wohl hätte wissen können, dass er nicht überzeugt sey; dass er sonach auf keine Weise läugnen könne, er habe leichtsinnig und unmoralisch gehandelt. Dass sie aber fast in allen ihren eigenen Behauptungen unrecht haben, würde wenigstens eine bessere Nachwelt, wenn sie nicht zu gut dafür gesorgt hätten, dass keine solche entstehen könnte, klar begreifen.
Sodann werden sie, wie sie gleichfalls immer zu sagen pflegen, wiederum sagen: wir hätten nur unserer Leidenschaft Luft machen wollen, und werden auch für diesen Erguss nicht ermangeln einen glaublichen Grund zu finden, nemlich, weil sie uns ihren Beifall und ihr Lob nicht ertheilt hätten. Nun haben wir ihnen schon zu verschiedenenmalen nicht verhehlt, dass wir, so lange sie nemlich also sind, wie sie sind, sowohl sie selber, als auch ihren Beifall von Herzen verachten; aber sie sind fest überzeugt, dass es ganz und gar unmöglich sey, dass irgend ein Mensch nicht diejenige achtungsvolle Meinung von ihnen habe, die sie selbst über sich hegen, dass daher einer also lautenden Versicherung niemals Glauben zuzustellen, sondern dass dieselbe allemal ein leeres Vorgeben und eine Maske sey, um dadurch etwas Anderes zu bedecken. Sie würden uns daher auch jetzt wieder nicht glauben, wenn wir auch jene Versicherung wiederholen, und ihnen bemerklich machen wollten, dass man, um durch seinen Beifall zu ehren, erst selber ehrwürdig seyn müsse, und dass wir ihren Beifall mit Danke sodann annehmen würden, nachdem sie sich erst den unsrigen erworben, dass wir aber bis dahin es für eine grosse Schmach und für einen Beweis der eigenen Niederträchtigkeit halten würden, wenn wir ihnen gefielen.
II.
Ein Beispiel insbesondere von dem philosophischen Beurtheilungsvermögen des Zeitalters.
Es möchte gerathen seyn, diese fast allgemeine Schlaffheit und Geistlosigkeit des Zeitalters, noch insbesondere in Sachen der Philosophie, an einem neuerlichen, noch fortdauernden frappanten Beispiele darzulegen. Des Zeitalters, habe ich gesagt, im Allgemeinen; denn ich will nicht, dass der Mann, dessen Namen unten genannt werde, glaube, dass ich ihn für die Person meiner Gegensetzung würdige, oder dass er mir selber als Repräsentant jener allgemeinen Seichtigkeit gut genug sey, wodurch ich in der That übertrieben, und gegen die übrigen ungerecht seyn würde. Nur dass ein im Ganzen dennoch unterrichteteres Publicum durch ihn sich irre machen lassen konnte, ist es, was ihm die Ehre erwirbt, hier namentlich aufgeführt zu werden.
Es war nemlich durch die Kantischen und durch unsere Schriften doch endlich dahingekommen, dass, obwohl die im Dogmatismus Aufgewachsenen nicht bekehrt wurden, dennoch unter den später Gebildeten mehrere zu der Ueberzeugung geführt worden waren, und auf derselben fest zu beruhen schienen, dass die Realität keinesweges in die Dinge, sondern dass sie in das Denken und seine Gesetze gesetzt werden müsse, obwohl keiner so recht eigentlich wusste, wie das letztere zu bewerkstelligen seyn möge; als es einem der verworrensten Köpfe, welche die Verwirrung unserer Tage hervorgebracht, Friedrich Wilhelm Joseph Schelling, gelingen konnte, durch das Gespenst eines Subjectivismus der Wissenschaftslehre, welches lediglich in seinem grossen Unverstande sich erzeugt hatte, selbst diese durch seine Autorität zu einem Irrthume zurückzubringen, welchen durch sich selbst zu fassen sie doch zu verständig waren, und dieselben von Kant und der Wissenschaftslehre zu Spinoza und Plato zurückzuscheuchen, bloss weil durch die noch tiefere Unwissenheit, wovon eigentlich die Rede sey, der Mann mit noch grösserem Muthe ausgerüstet wurde. Sie wussten sich nicht weiter zu rathen, und forderten wiederholt und in strafedrohenden Edicten den Verfasser der Wissenschaftslehre auf, zu widerlegen, wenn er könne, wozu es weder Kants, noch der Wissenschaftslehre bedurfte, sondern wovon schon seit Leibnitz nicht mehr die Rede seyn konnte. Dass der Mann dadurch seine absolute Unkunde von dem, was die Speculation sey und wolle, und seine natürliche Unfähigkeit zum Speculiren, sowie die durch ihn Geirrten die Unsicherheit ihrer Kunde gezeigt, leuchtet von selber ein und bedarf nach den obigen Erinnerungen keines weiteren Beweises. Aber inwiefern etwa die übrige dialektische Kunst, das schriftstellerische Talent, der sophistische Witz und die Gewandtheit des Mannes den Getäuschten zu einiger Entschuldigung gereiche, und was überhaupt dieser Mann an Geist und Kunst vermöge und aufzuwenden habe, möchte eine belehrende Erörterung abgeben.
Wir wollen in dieser Erörterung, um mit der allerhöchsten Billigkeit zu verfahren, uns weder an die früheren Schriften des Mannes, noch auch an dessen sogenanntes Identitätssystem halten; obwohl dieses letztere so bedeutend geschienen, dass wir von einem der stehenden literarischen Tribunale namentlich aufgefordert wurden, dieses zu widerlegen oder anzuerkennen. War denn nun in diesem Systeme, so wie es im zweiten Hefte des zweiten Bandes der Zeitschrift für speculative Physik dargelegt ist, über welche Darlegung wir nur im Vorbeigehen einige Worte sagen wollen, der Irrthum so künstlich und so täuschend verarbeitet, dass man ohne fremde Hülfe sich nicht füglich rathen konnte?
Diese Darstellung hebt §. 1. an mit der Erklärung: »Ich nenne Vernunft die absolute Vernunft oder die Vernunft, insofern sie als totale Indifferenz des Subjectiven und Objectiven gedacht wird.« -- Dass nun durch diesen Ausgangspunct der Mann gleich von vornherein die Vernunft von sich selbst ausscheide, und Verzicht darauf thue, selber vernünftig zu seyn, und sich ein einzigesmal zu besinnen, wie er es denn mache, um zu allen den Behauptungen, die nachfolgen sollen, zu kommen; -- dieses zu bemerken konnte dem Publicum, weil dadurch das bekanntermaassen abgehende Organ der Speculation vorausgesetzt würde, nicht wohl angemuthet werden. Dass aber die Eine und absolute Vernunft, ausser der nichts seyn solle, nicht die Indifferenz des Subjectiven und Objectiven seyn könne, ohne zugleich auch in derselben ungetheilten Wesenheit die Differenz desselben zu seyn; dass hier sonach ausser der Einen indifferenzirenden Vernunft noch eine zweite differenzirende im Sinne behalten würde, welche sodann auch wohl in aller Stille gute Dienste leisten dürfte; und dass dieser Fehler nicht etwa nur ein kleiner und unbedeutender Verstoss, sondern von den wichtigsten Folgen seyn möchte, hätte man gleichwohl, ohne alles Organ für Speculation, durch ein nur nicht ganz flüchtiges Tappen greifen können. Dass sie nicht bemerkten, dass durch diese Erklärung die Vernunft nun vollkommen bestimmt und in sich abgeschlossen, d. i. todt sey, und ihr philosophischer Heros nun zwar seinen ersten Satz nach Belieben werde wiederholen können, niemals aber auf eine rechtliche und consequente Weise ein Mittel finden, um aus ihm heraus zu einem zweiten zu kommen, wollen wir ihnen ebenso grossmüthig erlassen. Dass sie aber, als er nun wirklich nach seiner Weise anfängt, den Todten wieder zu erwecken, und in den folgenden §§.
die Prädicate des Nichts und der Allheit, der Einheit und Gleichheit mit sich selber u. s. w., an diese seine Vernunft hält, und sie glücklicherweise in dieselbe hineindemonstrirt, sich nicht ein wenig gewundert, wie denn fürs erste nur er selber ^zu diesen Prädicaten^ gelange, noch ihn darüber befragt; indem ja, wenn durch die erste Erklärung das Wesen der Vernunft wirklich erschöpft wäre, diese Prädicate selber erst, durch eine Analyse jener Erklärung, aus der Vernunft, als in ihr nothwendig begründet, abgeleitet werden mussten, keinesweges aber, Gott weiss woher geschöpft, durch blinde Willkür davon gehalten werden dürften; dass die Leser nicht hier das Leben und Regen jener §. 1. im Sinne behaltenen differenzirenden Vernunft in der Person ihres Autors selber fühlten; ja dass ihnen nicht einmal die materiale Willkür desselben in der beliebigen Folge der Prädicate, die er der Vernunft anzudemonstriren beliebt, auffiel, ist ein wenig schwerer zu verzeihen.
Was aber soll man erst sodann sagen, wenn man diese Andemonstrirungen selber ansieht, und die Widersprüche, Erschleichungen und Ungereimtheiten entdeckt, durch welche eine ungebildete und verworrene Phantasie den Verfasser blind hinüberreisst, und wenn man sieht, dass im consequenten Verfahren aus seinem ersten Satze allenthalben das gerade Gegentheil seiner Behauptung erfolgt, und dennoch erlebt, dass diese Misgeburt von System anders, als mit allgemeinem und unauslöschlichem Gelächter empfangen wird?
So lautet z. B. §. 2.: »^Ausser der Vernunft ist nichts, und in ihr ist Alles.^ Wird die Vernunft so gedacht, wie wir es (§. 1.) gefordert haben, so wird man auch unmittelbar inne, dass ausser ihr nichts seyn könne. Denn man setze, es sey etwas ausser ihr, so ist es entweder für sie selbst ausser ihr« -- So? ^für sie selbst^? Davon, dass ^für^ die Vernunft etwas seyn könne, haben wir ja in §. 1. kein Wörtlein vernommen, sondern es schiebt sich hier in aller Stille, und ohne dass wir wissen, woher sie komme, diese Voraussetzung zum Behufe des Beweises ein, und der Verfasser selber hat die Vernunft nicht gedacht, wie er §.
1. gefordert hatte, sondern verleitet unmittelbar, indem er es dem Leser einschärft, ihn zum Gegentheile dieses Gedankens. Aber der Leser wird es wohl nicht merken, und so kann ihm der Beweis wohl gelingen. Er gelingt ihm, wie folgt: »es ist entweder für sie selbst ausser ihr; sie ist also das Subjective, welches wider die Voraussetzung ist; oder es ist nicht für sie selbst ausser ihr, so verhält sie sich zu jenem Ausserihr, wie Objectives zu Objectivem, sie ist also objectiv, allein dieses ist abermals wider die Voraussetzung.« Im Vorbeigehen: die zweite Hälfte des Beweises ist ohne allen Sinn und Verstand, wie der Leser selber finden mag, wenn er will, indem wir dabei uns nicht aufhalten wollen.
Der richtige und ohne Erschleichung vollzogene §. 2. zu einem solchen §.
1. über dem Prädicate des Nichts, ist der folgende: ^In der Vernunft und für die Vernunft ist schlechthin nichts.^ Wird die Vernunft so gedacht, wie wir es §. 1. gefordert haben, so wird man unmittelbar inne, dass weder in noch für die Vernunft etwas seyn könne. Denn setze, es solle etwas in oder für die Vernunft seyn, so könnte dieses nur dadurch geschehen, dass und insoweit die Vernunft selber es wäre; und zwar könnte dieses Etwas nur das subjective seyn, oder das objective, oder beides, indem wir ausser diesem in unserem §. 1. nichts vorfinden. Aber dass die Vernunft das subjective sey, oder das objective, oder beides, widerspricht schlechthin der Voraussetzung, dass sie nur sey die Indifferenz beider.
Freilich wird in diesem Beweise vorausgesetzt, dass ja der Beweisführer während desselben sich nicht besinne, dass in demselben allerdings die Vernunft für ihn sey, und gesetzt sey; dass daher die eigene factische Möglichkeit des Beweises dasselbe voraussetze, wovon die Unmöglichkeit in ihm erwiesen wird; und zwar wird dieses mit Recht vorausgesetzt, indem das Gegentheil in einem Systeme, das lediglich durch Nichtbesinnung möglich ist, gegen die allererste Verabredung streiten würde.
So lautet der Anfang von §. 3.: »^Die Vernunft ist schlechthin Eine, und schlechthin sich selbst gleich^, denn wäre nicht jenes, so müsste es von dem Seyn der Vernunft noch einen anderen Grund geben« -- (Hier schiebt sich demnach, zum Behuf des zweiten Beweises die zweite Voraussetzung ein, dass jedes Seyn einen Grund haben müsse? Woher wissen wir denn das?
Woher überhaupt plötzlich die Kategorie des Grundes, noch dazu zum Behuf des Beweises der (formellen) Einheit der Vernunft? Grund ist eine weit speciellere Kategorie, erst eintretend in der Sphäre endlicher Bedingungen und Folgen.) -- der Beweis geht fort -- »noch einen anderen Grund geben, als sich selbst: denn sie selbst enthält nur den Grund, dass sie selbst ist, nicht aber, dass eine andere Vernunft sey.« So?
woher wissen wir denn wiederum dieses? Liegt das auch in §. 1. oder in §. 2.? Doch erlassen wir ihm die Frage nach dem Woher! lassen wir seine Anwendung des Satzes vom Grunde, und die unbewiesene Behauptung, dass die Vernunft nur der Grund ihrer selbst sey, stehen; was würde denn nun mit alle dem der Satz beweisen? Warum könnte denn nicht doch die Vernunft innerlich und in sich selbst, eben als Vernunft, qualitativ Eins bleiben, wenn es auch einen Grund ihres formalen Daseyns ausser ihr selber gäbe? Nur das Seyn wäre sodann nicht Eins, und die Vernunft wäre nicht alles Seyn, und Eins mit dem Seyn. Die Einheit des Seyns daher, keinesweges aber die der Vernunft, wäre bewiesen, wenn dieser doppelt und dreifach falsche Beweis etwas beweisen könnte; aber unser Verfasser setzt hinzu: ^die Vernunft ist also Eine^, seinen eigenen Beweis nicht einmal verstehend.
Der richtige §. 3. über dem Prädicate der Einheit und Sichgleichheit zu einem solchen §. 1. und 2. wäre der folgende: ^die Vernunft ist schlechthin weder Eines, noch sich selbst gleich.^ Denn setzet, dass sie das seyn solle, so könnte sie, da ausser ihr gar nichts ist, dasselbe nur in und für sich selbst seyn. Nun ist es (§. 2.) überhaupt unmöglich, dass in ihr oder für sie überhaupt etwas sey, daher kann in ihr oder für sie auch nicht Einheit und Sichselbstgleichheit seyn, daher kann überhaupt nicht Einheit und Sichselbstgleichheit seyn, und eben darum auch nicht die der Vernunft seyn. -- Freilich wird auch hier vorausgesetzt, dass ja niemand sich besinne, wie er selber doch wirklich und in der That in diesem Beweise Einheit und Gleichheit setze, wodurch derselbe Widerspruch zwischen dem Thun und Sagen, den wir schon bei dem vorigen Beweise nachwiesen, einträte, und der ganze Scherz in Nichts zerginge.
Nach dieser Weise geht es nun fort durch das ganze Scriptum, und keine der folgenden Demonstrationen ist anderer Natur, als die eben geprüften.
Der Erfolg aber aller dieser Anstalten ist der, dass, auf eine durchaus nur erdichtete Weise, und durch absolute Aufhebung des Satzes, von welchem ausgegangen wurde, die specifische Verschiedenheit der mancherlei wirklichen Dinge erklärt wird aus der Verschiedenheit des quantitativen Verhältnisses des Subjectiven und Objectiven in ihnen.
Dass diese Erklärung völlig willkürlich und eine leere Hypothese sey, leuchtet unmittelbar ein; denn wie könnte irgend jemand auf sie kommen, der nicht schon als bekannt und ausgemacht voraussetzte, dass es specifisch verschiedene Dinge gebe, und der sich nicht in den Kopf gesetzt hätte, diese Verschiedenheit, es möchte nun Gott lieb oder leid seyn, zu erklären. Dass sie aber dem ersten Grundsatze widerspricht und ihn aufhebt, leuchtet also ein: Ist die Vernunft die absolute Indifferenz des Subjectiven und Objectiven, und giebt es gar kein anderes Seyn, ausser dem der Vernunft, so kann in keinem Seyn diese Indifferenz aufgehoben werden, und eine quantitative Differenz an die Stelle treten.
Inzwischen, wie schon oben gesagt, ich will auch nicht nach dieser verjährten, und wenn auch nicht von dem naturphilosophischen Publicum erkannten, dennoch vielleicht von ihrem Urheber schon bereuten Sünde ihn richten,[37] sondern meine Untersuchung seines Geistes und Talentes auf eine andere Schrift, die er selbst für so heilig hält, dass er durch das: »Rühre nicht Bock, denn es brennt,« die Profanen an der Schwelle zurückweiset, und welche wirklich auch nach meinem Erachten die beste, d. h. die noch am wenigsten stümperhafte unter den zahlreichen Producten seiner Feder ist; auf seine Schrift: ^Religion und Philosophie^ betitelt (Tübingen, bei Cotta, 1804.), bauen.
[Fußnote 37: Durch diese, übrigens ihre guten factischen Gründe für sich habende Vermuthung haben wir indessen, wie hinterher sich gefunden, ihm zu viel Ehre erwiesen. Es ist uns nemlich seit Abfassung jener Stelle das erste Heft der Jahrbücher der Medicin etc. in die Hände gefallen, wo (S. 9.) die soeben berührte Darstellung, und besonders »die allgemeinen Gründe, wie sie §. 1 bis 50. aufgestellt seyen,« noch immer als bewährt gepriesen und citirt werden. »Selbst dasjenige, was mehr noch aus Divination, als aus bewusster Erkenntniss entsprungen gewesen, habe sich -- zum Wunder! -- bewährt.« Seine Divinationen also hat der Mann als Philosopheme drucken lassen, und sagt es selber, ohne ein Arges daraus zu haben? Welche Begriffe mag er von Philosophie haben und von Schriftstellerei überhaupt? Das Wunder inzwischen jener gerühmten Bewährung kann man irgendwo von uns sehr natürlich erklärt finden.
Uebrigens ist in diesen Jahrbüchern die dogmatische Verstocktheit, das ohnmächtige Pochen auf die Unbesonnenheit, die trotzige Versicherung, dass diese eben das Rechte sey, und das grobe Misverstehen des Idealismus so arg, als jemals, und es ist Schonung, dass wir die gewählte Prüfung stehen lassen, und unseren Maassstab nicht an dieses neueste Product legen, das den sichtbaren Verfall seines Urhebers in jeder geistigen Kraft bezeugt.]
Der bei weitem grösste Theil dieser Schrift hat es gar kein Hehl, dass nur frei und frank hinphantasirt werde, ohne dass man sich auch nur die Miene des Denkens oder der Untersuchung gäbe: es wird versichert, betheuert, behauptet, entschieden, ohne dass auch nur ein Schatten eines Beweises dazwischen eintritt. Alles also Beschaffene spricht schon durch sich selbst sich sein Urtheil, und wir können es übergehen. Wir wenden uns daher sogleich zur hervorstechendsten Stelle des ganzen Buches, die den Anschein des Denkens wirklich an sich nimmt, und über die dermalen höchsten Principien dieses Philosophen Auskunft zu geben verspricht, indem wir, wie schon oben gesagt, immer ungerügt lassen den Grundirrthum des Objectivirens, und bloss zusehen, mit welcher Fähigkeit und Gewandtheit man sogar im Irrthume sich bewege.
Von S. 18. an wird eine Ableitung der endlichen Dinge aus dem Absoluten und eine Darstellung des Verhältnisses zu ihm angekündigt, mit welcher es denn auch S. 21. also zum Schlage kommt: »So gewiss jenes schlechthin einfache Wesen der intellectuellen Anschauung« (mit dem Worte: ^Wesen^ meint er das ^Object^ der erwähnten Anschauung; er hat aber seinen guten, uns sehr wohlbekannten Grund, dieses letztere Wort hier ja nicht in den Mund zu nehmen, indem dieses ihn in schlimme Verlegenheiten mit der Wissenschaftslehre bringen könnte) -- »so gewiss dieses Wesen Absolutheit ist: so gewiss kann ihm kein Seyn zukommen, als das durch seinen Begriff (denn wäre dieses