SigPhi · Johann Fichte

Sämmtliche Werke 8 Vermischte Schriften und Aufsätze (German)

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Arbeiter haben. Oder es dürfte sich, ^da das leidige Vorurtheil für Recensionen einmal in der Welt ist, und vor der Hand wohl nicht leicht auszurotten seyn dürfte^, eine Gesellschaft von Männern, die allerdings selbst Meisterwerke liefern könnten, verbinden, sich selbst zu verläugnen, und auf dem Wege des Recensirens in das Zeitalter einzugreifen. Die Redaction der Erlanger Literaturzeitung leistet in einer neuerlichen Ankündigung Versprechungen dieser Art, und zeigt, dass sie durchaus wisse, worauf es dabei ankomme; so dass sich billigerweise annehmen lässt, sie sey im Besitze des Mittels, diese Versprechungen zu halten, und gründe sich auf eine solche patriotische Verbindung; auch berechtigt der Anfang zu immer grösseren Hoffnungen auf die Zukunft.

Diese Zeitung würde sodann eine höchst seltene und höchst ehrenvolle Ausnahme von dem obigen allgemeinen Urtheile machen.

Ein ^Invalid^ also, oder ein ^Schüler^ wird in den ^8 oder 14 Tagen^, da er das Buch flüchtig durchläuft, und recensirt, sich über den Autor erheben, der ^Jahre lang^, oder vielmehr, da jede seiner Arbeiten doch immer Resultat seines ganzen Lebenslaufes ist, ^sein ganzes Leben^ an diese Materie ausschliessend verwendete? Es ist nicht wahrscheinlich.

Der ^Invalid^ -- mit ihnen sind diejenigen literarischen Institute, die auf Reputation halten, am meisten besetzt, damit sie im Falle der Noth sich mit einem Namen decken können, der vor 20 Jahren galt -- der Invalid wird das Zeitalter, in welchem er etwas bedeutete, in seinen Recensionen zurückzuführen suchen, und alles neue verurtheilen, weil es neu ist. Der ^Schüler^ wird, wenn er noch am unbefangensten ist, auf seinem Richterstuhle herumtappen, und vor den Lesern, die ein Urtheil von ihm erwarten, zu begreifen suchen, worüber er richtet. Seine Recension wird eine seiner Schulübungen werden.[21] [Fußnote 21: Ein Beispiel aus tausenden, um es dem Leser recht vor die Augen zu stellen, in welche Verlegenheiten heutzutage ein ehrlicher Redacteur kommen kann, und wie kläglich sich dieselben oftmals behelfen müssen!

Die Jenasche Literaturzeitung fand sich genöthiget, noch ein Ergänzungsblatt, gleichsam einen Beiwagen zu der immer zu stark besetzten ordinären Landkutsche, anzulegen. Es wurde ausdrücklich und namentlich angekündigt, dass dieses Ergänzungsblatt unter anderen auch einen Bericht über die durch die Fichteschen Religionslehren entstandenen Bewegungen enthalten würde. Jeder Leser musste glauben, dass dieser Bericht ein vorzügliches Meisterwerk, und ein wahres Bravourstück des Recensionswesens seyn würde, von dessen Vortrefflichkeit er auf das Ganze schliessen könnte, da es ihm schon im voraus so bedeutend angekündigt wurde; und höchstwahrscheinlich hatte der Herr Hofrath Schütz wirklich auf ein solches Meisterstück Bestellung gemacht und erwartete täglich die Ankunft desselben. Und was hat er erhalten!

Zwar so lange der Recensent Gefahr ahnt und deswegen auf seiner Hut ist, zieht er sich listig genug aus dem Handel. Statt irgend eine Eigenthümlichkeit der angefochtenen Lehre anzugeben, sagt er nur kurz: was im Forbergschen Aufsatze richtig sey, sey Kantisch, und auch Fichte's Lehre sey Kantisch, ausser dass der letztere diese Lehre an seine Wissenschaftslehre anzuknüpfen suche. Nun thue ihm einer etwas!

Fragt ihr, was denn nun richtig sey in diesen Aufsätzen, so ist die Antwort: das Kantische; und fragt ihr wiederum, was denn das Kantische sey, so ist die Antwort: dasjenige was richtig ist.

Dagegen aber fällt ihn sein Unglück da an, wo er keine Gefahr weiter ahnet. Von der Substanz, meint er, habe noch kein Philosoph einen bestimmten Begriff aufgestellt. -- Welcher Philosoph weiss nicht, dass seit Locke eine sehr bestimmte Nominalerklärung der Substanz vorhanden ist: die, dass sie sey ^der Träger der Accidenzen^? Auch würde der Recensent gerade in dieser Wissenschaftslehre, von welcher er zu sagen weiss, dass Fichte sein Religionssystem daran anzuknüpfen suche, eine, wie wir glauben, sehr bestimmte Real- und genetische Erklärung der Substanz gefunden haben; dass sie nemlich sey ^die^ (allein im Denken geschiedenen) ^Accidenzen selbst, in sinnlicher Anschauung zusammen- und als Eins aufgefasst^, wenn er diese Wissenschaftslehre jemals durchblättert hätte: und er hätte sodann den Lesern der ^A. L. Z.^ berichten können, warum Gott, der in sinnlicher Anschauung nicht vorkomme, das Prädicat der Substanz sich nicht beilegen lasse; welches den Lesern zu grosser Erbauung, und der Literaturzeitung zu grossem Ruhme gereicht haben würde. Von diesem allen hat er nichts gethan und nichts gewusst. Man sieht, die Philosophie ist dieses Recensenten Fach nicht.

Nun, was ist er denn also, und welches ist sein Fach?

Er fürchtet, Fichte möge sich im Ausdrucke vergriffen haben, und geht daran herum, ihm denselben zu verbessern. Man sieht, dass er gewohnt ist, ^exercitia stili^ zu corrigiren. Ein Sprachmeister ist er.

Und was für ein Sprachmeister! -- Fichte hat gesagt, dass man Gott das Prädicat der Substanz nicht beilegen könne, und fährt darauf fort: »es ist erlaubt, dieses aufrichtig zu sagen, und das Schulgeschwätz niederzuschlagen, damit die Religion des freudigen Rechtthuns ^sich erhebe^.« Unser Sprachmeister nimmt von diesem letzteren Ausdrucke die Gelegenheit, Fichte dem Verfasser des ^Schreibens eines Vaters etc.^, welcher Verfasser Forberg und Fichte zuerst öffentlich des Atheismus bezüchtigt, -- so ungefähr gleichzustellen (denn dieser Sprachmeister hat zugleich ein sehr gutes Gemüth gegen Fichte, und zeigt es in diesem einzigen Blatte, das die Langweiligkeit des Ganzen uns zugelassen hat, durchzulaufen, auch noch an anderen Stellen), indem auch Fichte, nur freilich etwas feiner, in der Speculation anders Denkende ohne weiteres der Irreligiosität beschuldige, und hier insinuire, dass der Begriff von Gott als Substanz erst niedergeschlagen werden müsse, ehe die wahre Religion stattfinde. Ihm sind sonach ^sich erheben^ (über Hindernisse und Zweifel) und ^entstehen^ Synonyme.

Forbergs Benehmen, das er höher oben als petulant, und der Wichtigkeit der Sache nicht angemessen beschreibt, nennt er tiefer unten, um doch auch seine Kenntniss des Französischen zu zeigen, ^niaiserie^. Er mag wohl dieses Wort in seinem Dictionnäre durch ^läppisches Wesen^ übersetzt finden, und es seinen Schülern immer so übersetzt haben, ohne einen Unterschied zu bemerken zwischen einem ^unschicklichen^ Betragen aus Muthwillen (dessen er ohne Zweifel Forberg beschuldigen will) und einem ^ungeschickten^ und täppischen aus Unbeholfenheit, dessen weder er noch irgend jemand Forberg beschuldigen wird, und welches allein doch durch das Wort ^niaiserie^ bezeichnet wird. (^Niais^, höchst wahrscheinlich von ^nidus^, eigentlich, ein junger Vogel, der, noch ehe er fliegen konnte, aus dem Neste genommen worden und dessen Flug daher unbeholfen bleibt.)

Der Recensent ist sonach ein verdorbener, heruntergekommener Sprachmeister, der bei dieser Unwissenheit freilich seine Kunden verlieren musste, und nun durch Recensionen an der Literaturzeitung sich seinen Unterhalt zu erwerben sucht.

Kein Mensch, und am allerwenigsten der Verfasser, wird glauben, dass ein so berühmter Philolog, als der Herr Hofrath Schütz, diese argen Verstösse nicht bemerkt habe. Aber was konnte er machen? Der Abgang des Beiwagens war angekündigt, die Stunde war da, und kein anderes Gut vorhanden. Er musste eben aufladen, was er hatte.]

Und welche verächtliche Leidenschaften werden durch diese ganze Verfassung erregt und genährt! Welcher Eigendünkel bei guten Jünglingen, welche grösstentheils dergleichen Einrichtungen wirklich für das halten, was sie seyn müssten, wenn sie überhaupt seyn sollten! Der Wahl tappender und schielender Redactoren vertrauend, glauben sie vom Tage ihrer Einladung zur Mitgliedschaft einer berühmten Recensentengilde wirklich die Fähigkeiten zu besitzen, die sie in ihrer Unbefangenheit den Recensenten zuschreiben, zürnen auf ihre redlichen Lehrer, welche vielleicht diese Fähigkeiten in ihnen noch nicht bemerken wollten, und ergreifen die Gelegenheit, diesen ihre Uebermacht fühlbar werden zu lassen![22] Welche schöne Aussichten für Literaten aller Art, ihre gelehrte Eifersucht, ihren Neid, ihre Rachsucht gegen jeden, der ihnen irgendwo im Wege gestanden, zu befriedigen, ohne dass jemand wisse, woher die Streiche kommen! Jeder Gedrückte tröstet sich in aller Stille damit: ei, ich will ihm schon einmal in einer Recension eins versetzen; und er hält Wort. -- Welches Schauspiel würde das Publicum auch in dieser Rücksicht erhalten, wenn die Redactoren plötzlich genöthigt würden, die Verfasser der bisher erschienenen Recensionen anzugeben; und die recensirten oder gelegentlich angezapften Schriftsteller hierauf anfingen, Particularia und Personalia zu erzählen!

Welch ein ganz eigener Ton, der besonders in den Verantwortungen angefochtener Redactoren und noch stärker in den Antworten der durch die Anonymität gedeckten Recensenten auf Antikritiken, in seiner ganzen Originalität erscheint! Da stösst ein Mann, der im Grunde weder witzig noch hitzig ist, und es sehr gut weiss, dass er unrecht hat, sich bei jedem Athemzuge in die Rippen, um die Langmüthigkeit seiner Natur zum Zorne, zur Grobheit, zur Pöbelhaftigkeit zu reizen; jener lediglich, um sein Blatt beim Publicum, dieser, um sich beim Redacteur, der allein ihn kennt, in Respect zu erhalten. »Ei, die verstehns; die wissen recht einem jeden eins zu versetzen,« soll der Lesepöbel denken.

[Fußnote 22: Der Verfasser kann zwar nicht ganz in der beschriebenen, aber doch in einer ähnlichen Weise aus eigener Erfahrung sprechen.

Nachdem er ein -- von ihm selbst schon damals dafür erkanntes -- schlechtes Buch geschrieben hatte, dafür in einer berühmten Zeitung mächtig gelobt, und gleich darauf zur Mitarbeit an dieser Zeitung eingeladen wurde -- ei, dachte er, gehört dazu nichts weiter? und hatte einige Freude, und wurde auch wirklich, so lange er selbst in seiner Wissenschaft noch keinen festen Standpunct hatte, zum Ritter an ein paar jungen Schriftstellern, die noch weniger feststanden als er selbst.

Seitdem er diesen Standpunct gefunden und bessere Schriften schreiben zu können glaubte, hat er jene Mitgliedschaft aufgegeben. Er kann nicht dafür stehen, dass er nicht einst, wenn er etwa durch Altersschwäche herunterkommen sollte, wieder zu derselben greifen werde, und will für diesen Fall jener berühmten Zeitung, und ihrem berühmten Redacteur, welche ohne Zweifel dann noch fortdauern werden, sich hiermit schon im voraus zu gutem Andenken und zu brüderlicher Schonung empfohlen haben.

--] Welch ein abenteuerliches System von Begriffen und Meinungen, das aus dieser Einrichtung hervorgegangen ist! Zuvörderst der Begriff einer ^Kritik^, die ausserhalb der Meister und der Meisterschaft und von ihnen abgesondert wohnen soll! Eine Partei, die die Werke liefert, ohne Kritik; eine andere Partei, die die Kritik besitzt, und sie über die Werke anderer hingiesst, ohne selbst Werke hervorzubringen. Dann der Begriff von einer ^Urtheilsfreiheit der Gelehrten^: d. h. dass es jedem, der einige Perioden deutsch zu schreiben vermag, erlaubt seyn müsse, über alles Geschriebene in den Tag hineinzuschreiben, ob er davon etwas gelernt habe, oder nicht, und dass über sein Geschwätz kein anderer lachen dürfe. Dann die Meinung, dass jedes erscheinende Buch ein ^corpus delicti^ sey, das sogleich vor den Richterstuhl gezogen werden müsse; dass die Bücher eigentlich nur darum geschrieben würden, um recensirt zu werden; und dass die Recensenten weit vornehmere Wesen seyen, als die Schriftsteller; dass nur schlechte Schriftsteller sich gegen die -- Kritik, verstehe die Recensenten, auflehnen, gute aber sich ihr demüthig unterwerfen und sich bessern. -- Armes Publicum, dass du dir dergleichen Dinge aufbinden lassen! Wisse, dass jedes Werk, das da werth war zu erscheinen, sogleich bei seiner Erscheinung gar keinen Richter finden kann; es soll sich erst sein Publicum erziehen, und einen Richterstuhl für sich bilden; es ist eine Lection an dich, gutes Publicum, und kein ^corpus delicti^. Spinoza hat über ein Jahrhundert gelegen, ehe ein treffendes Wort über ihn gesagt wurde; über Leibnitz ist vielleicht das erste treffende Wort noch zu erwarten, über Kant ganz gewiss. Findet ein Buch sogleich bei seiner Erscheinung seinen competenten Richter, so ist dies der treffendste Beweis, dass dieses Buch ebensowohl auch ungeschrieben hätte bleiben können.

So mit den ^allgemeinen^ Recensionsanstalten, die auf Universalität der Wissenschaft und auf Mitarbeiter aus allen Provinzen des deutschen Vaterlandes Anspruch machen. Ein wenig unschuldiger sind die kleinen Particular-Recensionsfabriken. Mit diesen will man entweder den Ort, wo sie erscheinen, ehren, und beweisen, dass derselbe auch Gelehrte habe, die ein Wort mitsprechen können. Unseres Erachtens ein sehr mislicher Beweis; es wäre dem Orte mehr Ehre, er hätte viele Gelehrte, die etwas besseres zu thun hätten, als zu recensiren. Oder dergleichen kleine Zeitungen enthalten die Ausreden der vornehmen Herren Professoren an die gelehrten Mitbürger, denen durch alle Mühe, die man sich darum giebt, doch das Lesen auswärtiger Schriftsteller sich nicht ganz verkümmern lässt, warum sie von ihren Kathedern herab nicht ebenso belehrt werden, als es in dieser eingeführten literarischen Contrebande geschieht; auch kräftige Anpreisungen der eigenen Producte dieser vornehmen Professoren.

Solche Recensionen zeichnen sich durch die Formeln aus: »Rec. trug dies immer so vor;« oder: »was der Verfasser da sagt, ist zwar wahr, doch aber sind wir auch der Ueberzeugung, dass auch die entgegengesetzte Ansicht, welche der Rec. immer gegeben hat, richtig ist;« oder: »wie kann der Mann nur das rühmen, wovon wir immer gesagt haben, dass es nichts tauge; so er etwas rühmen will, so rühme er unsere Apodiktik.« Das unsterbliche Muster in dieser Art werden immer die Gelehrtenanzeigen der Göttingischen Universität bleiben, deren Lehrer sehr oft mit auswärtigen Schriftstellern in Collision kommen mögen. Sie sind lediglich auf die gelehrten Mitbürger berechnet; und wer sie für mehr hält, auf dessen Kopf falle der Schade!

Aber es ist doch so bequem für das grössere Publicum, und selbst für die wirklichen Gelehrten, beim Durchblättern einer einzigen Zeitschrift zu erfahren, was in jedem Fache Neues erschienen, welches der Inhalt desselben sey, und nun zu beurtheilen, ob sie das Buch sich selbst anzuschaffen haben, oder ob sie es entbehren können. -- Ohne Zweifel; und dieser Vortheil soll beibehalten werden; nur die unbefugte Richterei und Urtheilerei soll wegfallen.

Wie man Petersilie, Pilze und Bücklinge auf den Strassen ausruft, ebenso sollen auch die Bücher ausgerufen werden; nicht durch die ersten Erzeuger, wie sich versteht, sondern durch die Verkäufer, die Buchhändler. Das Verfahren hierbei ist durch die Natur der Sache bestimmt und ist sehr einfach. Vereinigen sich die deutschen Buchhändler, und übertragen einem aus ihrer Mitte, ebenso wie sie ehemals der Weidmannschen Buchhandlung die Herausgabe des Messkatalogs überliessen, die Herausgabe eines ausführlichen Messkatalogs; -- oder sey dabei auch durchaus freie Concurrenz. Dieser Messkatalog enthalte den Titel des Buches, die Verlagshandlung, den Ladenpreis, einen verhältnissmässigen Auszug des Inhalts, -- wo es hingehört, Proben der Schreibart. Um dergleichen Anzeigen zu verfertigen, bedarf es nur einiger Commis, die da lesen können und schreiben, höchstens auf einer lateinischen Schule bis in Secunda gekommen sind. Man hat ja überdies in einer jeden wohl eingerichteten Druckerei einen Corrector, der ein Literatus ist; dieser sey der Redacteur des Blattes; ihm gebe man mit dem Correcturbogen zugleich das angezeigte Buch mit ein, damit er urtheilen könne, ob der Auszug richtig und zweckmässig ist. Es mag ihm auch verstattet werden, sich als Herausgeber auf dem Titelblatte zu nennen. -- Alles eigenen Urtheils enthalten diese Commis und dieser Corrector sich gänzlich; oder wollen sie ja etwas von ihrem Eigenen hinzuthun, so loben sie ^alle^ Bücher, die sie anzeigen, aus gleich vollen Backen. Sie schreiben im Namen der sämmtlichen Verleger, und es ist sehr natürlich und sehr unschuldig, dass ein Verkäufer seine Waare lobt. Wer dadurch getäuscht wird, der schreibe es lediglich seiner eigenen Unerfahrenheit zu. Mehrere Buchhändler, welche die Fertigkeiten der beschriebenen Commis in sich vereinigen, haben dies schon recht gut angefangen, und es könnte den Verfassern solcher Anzeigen, wie wir sie meinen, keinesweges an Mustern fehlen.

^Zweitens^ habe ich gesagt, die allgemeine deutsche Bibliothek sey verderblich geworden -- durch die Art ihrer Ausführung. Jene Bibliothek wurde nemlich, wie wir jedem, der nicht selbst zu den Seichten gehört, zu finden anmuthen -- sie wurde der Mittelpunct der Seichtigkeit, der Popularität, des leeren Geschwätzes. Eine Philosophie, die hinüber und herüberschwatzte, ohne Regel und feste Bahn, eine Theologie, deren Hauptzweck war, die Bibel so vernünftig zu machen, als diese seichten philosophischen Schwätzer selbst waren, eine Kunstkritik, die auf nichts sah, als auf die Wahrscheinlichkeit der Fabel, und die moralische Erbaulichkeit, eine Gelehrsamkeit, die im Zusammenschleppen seltener Raritäten auf einen confusen Haufen bestand, eine flache breite Schreiberei: dies war von jeher der Geist dieses Werkes. Dieser Geist hat der Cultur der Wissenschaften in unserem Vaterlande unendlich geschadet; er lebt noch und fährt noch fort zu schaden. -- Man irrt sich sehr über den eigentlichen Zweck derer, die Nicolai und seinem Anhange so sehr zuwider sind. Sie wollen nicht gerade diese oder jene Philosophie herrschend machen. Nur den Geist der Seichtigkeit und Popularität möchten sie durch den Geist wahrer Gründlichkeit und Wissenschaftlichkeit verdrängen; -- durch den Geist, der durch die Lessinge, die Jacobi, die Kante, aus der besseren alten Welt durch die Zeit der Ueberschwemmung hindurch in die neue Welt herüber gerettet worden. Sodann mag auch über Philosophie, Aesthetik, Naturlehre etwas ausgemacht werden.

Dass, wie ich ^drittens^ gesagt habe, dieses Unternehmen der Bibliothek keinem verderblicher gewesen, als dem Urheber selbst, ist in dieser Schrift zur Genüge erwiesen.

Vierte Beilage.

(Zum neunten Capitel.)

Das im Texte erwähnte Geschwätz über Katholicismus und Kryptokatholicismus ist ein trauriger Beweis, was dem guten deutschen Volke jeder Schwätzer anmuthen kann, wenn er nur kräftig schreit. Möchte es doch auch ein abschreckender Beweis für die Zukunft seyn!

Nicolai war und ist eigentlich seines Zeichens ein ausgemachter Berliner ^Badaud^, so sehr er sich auch für einen Weltkenner hält. Es gehört eben mit zum Charakter eines ^Badaud^, dass er sich für einen Weltkenner halte. Ein ^Berliner Badaud^, habe ich gesagt; nicht, als ob man nicht ebensowohl ein Wiener, oder Pariser, oder auch ein Golitzer und Kohlgartenscher ^Badaud^ seyn könnte, oder als ob die Berliner mehr Hang hätten, es zu seyn, als die Bewohner anderer grossen Städte, sondern weil ^der Badaud^, von welchem ich hier rede, nun einmal aus Berlin ist.

Ein ^Badaud^ ist nemlich ein Mensch, der, um ganz populär davon zu sprechen, nie hinter seinem Backofen hervorgekommen ist, daher sich einbildet, es müsse allenthalben in der Welt so aussehen, wie hinter seinem Backofen, und, wenn er doch einmal hervorkommt, alles, was er erblickt, maulaufsperrend bewundert. Mein Dictionnäre übersetzt dieses Wort durch ^Maulaffe^. Nicolai's ganze Reise ist die Reise eines solchen Maulaffen. Alles, von den heiligen Bildern an bis zu den geflochtenen Zöpfen der Tübinger Mädchen begafft er voll Verwunderung. Und lediglich aus dieser bewundernden Gafferei des Berliner ^Badaud^ entstand das Geschrei über Katholicismus, und hinterher, da seine Bibliothek angefochten wurde, über Kryptokatholicismus.

Was hat man denn durch alles dieses Geschrei der Welt entdeckt, das nicht jeder, der weitergekommen als Nicolai, oder der auch nur die Geschichte und einige Reisebeschreibungen gelesen, oder einige Fremde gesprochen, schon vorher auch gewusst hätte? »Es sey mit der Aufklärung (es war immer nur von der Nicolaischen negativen Aufklärung, der Befreiung von diesem oder jenem Aberglauben, die Rede) der Katholiken noch gar nicht so weit gekommen, als etwa gutmüthige Protestanten glauben dürften.« Ei, wer waren denn diese gutmüthigen Protestanten?

Doch wohl nur Nicolai und seine Bibliothekare, welche ^ihr^ Licht in jene Länder verbreitet zu haben hofften. »Es werde in den katholischen Ländern durch die Mönche noch immer der alte Aberglauben aufrechterhalten, auch wohl noch neuer hinzugebracht.« Wer hatte es denn je anders gewusst oder gesagt? »Der Papst nehme seine Behauptungen in der Regel nie zurück; er rechne auch die protestantischen Länder gewissermaassen noch immer unter seinen Sprengel, und suche sie besonders durch Bekehrungen in den deutschen fürstlichen Familien in den Schooss der Kirche zurückzuführen.« Wer hat denn die Geschichte gelesen und dies nicht gewusst; wer hat aber auch nicht gewusst, dass in Absicht der Unterthanen dies nichts fruchtet, und sie sich ihre Religionsprivilegien nur noch fester versichern lassen? Woher denn nun jetzt auf einmal der Lärm, nachdem Friedrich Nicolai auf Reisen ging?

War denn alles dies etwas Neues, erst jetzt Entdecktes? Ich könnte nicht sagen; ausser etwa für Nicolai und seines Gleichen. Oder wurden etwa jetzt jene Bemühungen kräftiger und glücklicher? Keinesweges, vielmehr geschah ihnen gerade in diesem Zeitpuncte durch die Unternehmungen Kaiser Josephs des Zweiten grosser Abbruch.

Ja; aber die eifrige Verbreitung der geheimen Orden, die Ceremonien in denselben, das Räuchern, Salben, Händeauflegen! Sind dies nicht offenbar katholische Ceremonien? Sieht man da nicht -- so nemlich connectirt Nicolai -- offenbar die Tendenz der Katholiken, die Protestanten an ihre kirchlichen Gebräuche zu gewöhnen, und dadurch u. s. w.? -- Jedes Zeitalter hat sein besonderes Steckenpferd. Das des abgelaufenen Jahrhunderts waren geheime Ordensverbindungen. Es ist aus tausend Gründen begreiflich, dass höhere Grade entstanden, und dass diese durch besondere Ceremonien ausgezeichnet wurden. Warum sollen diese Ceremonien denn gerade katholisch seyn; warum nicht ebensowohl jüdisch und heidnisch? denn von daher sind sie erst in die christliche Kirche gekommen. Kurz, sie sind aus dem Alterthume. -- Hätte Nicolai diesen Lärm erhoben, als der Baron Hund, der in Frankreich wirklich katholisch geworden, sein Tempelherrnsystem einführte, als Stark mit seinem allerdings sonderbaren Klerikate auftrat, so hätte die Sache einigen Anschein für sich gehabt. Aber zu ^der^ Zeit ihn zu erheben, da er ihn erhob, so lange nach dem Mittagsessen mit seinem Senfe zu kommen! Zeige er doch aus diesen Zeiten Ein Beispiel, dass jemand in geheimen Orden zur katholischen Religion gebracht worden!

Nicolai ist zwar stets bereit, jedem Gelehrten, der ihm in dieser Sache widerspricht, zu antworten: auf der Studirstube freilich erfahre man so etwas nicht, und durch Schlüsse ^a priori^ lasse es sich nicht herausbringen: das erführen nur Weltleute seiner Art; denn für einen solchen hält er sich, weil er über Wien und München nach Zürich gereist, und mit dem Minister von Wöllner Schach gespielt. Der Verfasser dieses hat über acht Jahre in Ländern, wo Protestanten und Katholiken vermischt sind, gelebt, und ist in ihnen gereist: in der Lausitz, im südlichen Deutschlande, in der Schweiz, in Polen, in Westpreussen. Er ist diese Länder nicht durchflogen, um sie in der Eile zu beschreiben, zu lauern und, wie es Leuten dieser Art geht, zu sehen und sich aufbinden zu lassen, was man gern sehen und hören will; er hat in ihnen gelebt, Geschäfte gehabt, und selbst mitgehandelt, wo man ohne Zweifel besser sieht, als wenn man nur durchreiset; hat Umgang gehabt mit Leuten von allerlei Confessionen und Meinungen, und glaubt seine Augen eben auch offen gehabt zu haben, ob er gleich keine seiner Beobachtungen so neu und so interessant gefunden, um sie dem Publicum vorzulegen. Das Sichtbare, was Nicolai gesehen, hat er eben auch gesehen; aber er hat keine Veranlassung gefunden, darauf die Schlüsse zu bauen, die Nicolai aufbaut. Ebenso ist er mit dem Innern der geheimen Orden vielleicht so gut bekannt, als Nicolai, vielleicht besser. Er würde nie darauf gefallen seyn, ihnen die Wichtigkeit und die Tendenz zuzuschreiben, die Nicolai ihnen zuschreibt.

Halte doch Nicolai sich nicht so sehr auf über den Abt Barruel! Die Jacobinerriecherei ist das ächte Gegenstück zur Jesuitenriecherei, und Barruel ist in der erstern ganz dasselbe, was Nicolai in der zweiten war.

Fünfte Beilage.

(Zum neunten Capitel.)

Die A. d. B. war allerdings ein der Religiosität der Nation höchst schädliches Unternehmen. Religiosität ist Tiefe des Sinns, und geht aus ihr hervor; die ganze Tendenz jenes Unternehmens geht auf Oberflächlichkeit; Religion deutet auf das übersinnliche höhere Leben; der ganze Zweck jenes Unternehmens ist unmittelbare Brauchbarkeit und Nützlichkeit für das Gröbste dieses Lebens. Die von dieser Clique haben die Religionsaufklärung und einen Volkslehrer sattsam gelobt, wenn sie erzählt haben, dass die Bauern weniger Processe führen, sich seltener betrinken, und die Stallfütterung eingeführt haben.

Doch was soll ich hier noch viel Worte über diesen Gegenstand machen?

Jene ^Appellation an das Publicum^ etc., die Nicolai auch so zuwider ist, und von der er glaubt, dass sie nur im Zorne geschrieben seyn könne (der arme Mann!), redet, indem sie von wahren Gottesläugnern, Götzendienern, Dienern eines bösen Weltgeistes spricht, ganz eigentlich von Nicolai und denen, die ihm gleichen. Wem diese nicht bewiesen hat, was hier zu beweisen wäre, für den ist jeder andere Beweis verloren.

Noch eine Beilage oder Dreizehntes Capitel.

Von den letzten Thaten, dem Tode und der wunderbaren Wiederbelebung unsers Helden.

Die Betriebsamkeit gewisser Buchhändler ging in jenen Tagen so weit, dass sie, nachdem beim Nachdrucken nicht genug mehr zu gewinnen war, die Kunst erfanden, Vordrucke zu veranstalten. Auf diese Weise erschien noch bei Nicolai's Lebzeiten ein unrechtmässiger Vordruck der gegenwärtigen Lebensbeschreibung unsers Helden, die wir jetzt in der ersten, einzig rechtmässigen Ausgabe den rechtlichen und gewissenhaften Lesern mitgetheilt haben.

Nicolai verwendete gegen diese also erschienene Lebensbeschreibung seine ganze polemische Taktik. Zuerst versuchte er, dieselbe zu ignoriren, und an der Erziehung Fichte's und seiner Genossen so unbefangen, wie bisher, fortzuarbeiten. Als dieses sich nicht thun liess, griff er zum Fache des Erhabenen, verbreitete selbst die Schrift durch seinen Buchhandel, erklärte öffentlich, dass der Spass so übel nicht sey, und dass er selbst bei mehreren Stellen gelacht habe; -- nur hätte, fügte er hinzu, der Autor sich kürzer fassen sollen. Hierauf begab er sich mitten in das Gründliche und Ausführliche hinein; erzählte, zur Widerlegung des Vorgebens, dass er nie eines gelehrten Unterrichts genossen, seine ganze Jugendgeschichte, wie er erst die Buchstaben kennen gelernt, darauf buchstabiren, dann lesen, sodann schreiben; wiederholte alle Lectionen, die er von Jugend auf erhalten, vollständig, legte zum Beweise seiner Wahrhaftigkeit seine Schreibebücher, in einem saubern Holzschnitte nachgestochen, und abgedruckt, und alle seine ^exercitia stili^ bei.

Dies gab 4 Alphabete; Format und Druck, wie in den Beilagen zu seinen Reisen. Er setzte hierauf sein wahres Verhältniss mit Lessing durch ausführlichere und deutlichere Noten zu dem schon gedruckten Briefwechsel, und durch die Erzählung aller »Discurse,« die er in seinem Leben mit jenem geführt, auseinander; ebenso bewies er durch die vollständige und ausführliche Aufführung aller Discurse, die er mit Moses Mendelssohn geführt, dass derselbe keinesweges ein Mann von eingeschränkten Begriffen und Zwecken gewesen. Dies gab abermals 4 Alphabete, in besagtem Format und Druck. Er erzählte ferner alle die Gedanken, die er so bei sich geführt, als er mit der Stiftung der allgemeinen deutschen Bibliothek umgegangen; erzählte die pragmatische Geschichte jeder in dieser Bibliothek befindlichen Recension, so wie jeder seiner eignen Schriften; brachte, um zu beweisen, wie er ehedessen geschätzt worden sey, alle Briefe der Gelehrten an ihn bei; bewies nochmals, noch einleuchtender als ehemals, die für den Kryptokatholicismus beigebrachten Facta; zählte, um zu zeigen, dass er kein Badaud und Tölpel, sondern ein Mann von Welt und Lebensart sey, alle königliche und fürstliche Personen, Minister, Generale, Gesandte u.

s. w. auf, die er in seinem Leben gesehen, und mit ihnen gesprochen, erzählte, was er mit ihnen gesprochen, bei ihnen gegessen und getrunken, welche witzige Einfälle er gehabt, legte alle die Schachpartien vor, die er in seinem Leben mit hohen Personen gespielt: -- und wir müssten die Geduld haben, die er hatte, oder die Inhaltsanzeige seines Werks nachdrucken lassen, um vollständig zu verzeichnen, was er alles beibrachte. Das Ganze belief sich auf 16 Alphabete, in besagtem Format und Druck, und war um einen äusserst civilen Preis in seiner Handlung zu haben. Kein Mensch las oder kaufte diese 16 Alphabete.

Unser Held stutzte; aber bescheiden, wie er immer gewesen, sahe er bald ein, wo der Fehler läge, und war aufrichtig genug gegen sich selbst, sich denselben zu gestehen. Er fand, dass er noch nicht deutlich, ausführlich, kräftig, lebhaft und witzig genug geschrieben habe. Er verfasste daher 32 Alphabete in demselben Format, um auf die ersten 16 aufmerksam zu machen; erläuterte, ergänzte, verstärkte, und brachte noch weit mehr Spässe an. Diese 32 Alphabete waren um einen noch civilern Preis in seiner Buchhandlung zu haben; aber kein Mensch kaufte oder las diese 32 Alphabete, ebensowenig, als die sechszehn.

»^Noch^ nicht deutlich genug! sagte er bei sich selbst. Das sind die fatalen Geschäfte, die einem alle Zeit rauben. Aber ich will mich endlich frei machen.« So übergab er seine Handlung und die Redaction seiner geliebten allgemeinen Bibliothek in treue Verwaltung, zog auf das Land, schloss sich ein, und dictirte unablässig Tag und Nacht fort einem Dutzend Schreibern. Aber auch die nunmehrige Deutlichkeit und Vollständigkeit genügte ihm nicht, und sein Stündlein überfiel ihn, ehe er vollendet hatte und mit sich selbst zufrieden war.[23] Sein alter Freund hatte die Besorgung der Verlassenschaft übernommen.

Gern hätte er den schriftstellerischen Nachlass des Vollendeten durch den Druck der Welt mitgetheilt; aber es fand sich, dass das Unternehmen einiger Tausende von starken Bänden die Kräfte des Zeitalters übersteige, er beschloss daher auf einem ganz andern Wege diesen kostbaren Nachlass aufzulösen, den Geist desselben zu entbinden und in das Universum hineinströmen zu lassen.

[Fußnote 23: Es findet sich hier ein Dissensus der Geschichtschreiber.

Einige sagen, dass auch das gegenwärtige dreizehnte Capitel in dem erwähnten diebischen Vordrucke mit abgedruckt gewesen, Nicolai daher unmöglich habe thun können, wovon ihm vorhergesagt worden, dass er es thun werde. Er habe bloss kurz gesagt: der zukünftige Verfasser dieser vorgedruckten Schrift müsse sehr eitel und einbildisch seyn, um zu glauben, dass man gegen seine leidenschaftliche und schmutzige Broschüre sich ernsthaft vertheidigen werde; so etwas übergehe ein Ehrenmann, wie er sey, mit stillschweigender Verachtung. -- Die 48 Alphabete, das unablässige Dictiren und der Tod, welches alles an sich wohl guten Grund habe, habe sich auf eine andere Veranlassung begeben. Ein anderer Theil der Geschichtschreiber berichtet, dass entweder das gegenwärtige dreizehnte Capitel nicht mit vorgedruckt worden, oder dass Nicolai doch gethan, was er nicht lassen können, unerachtet man es ihm vorausgesagt, und dass alles sich durchaus so zugetragen habe, wie wir es oben erzählen. Hieraus ersieht sonach der geliebte Leser, dass das letztere die allein wahre und richtige Meinung ist; und wir wollen keinem rathen, das Gegentheil anzunehmen, widrigenfalls es ihm in der nächsten Recension, die wir verfertigen, übel ergehen soll.

Der erste einzig wahre Verfasser dieser Lebensbeschreibung im Jahre 1840 -- zugleich Recensent an der weltberühmten allgemeinen Literaturzeitung.]

Es wurde auf seinen Befehl unter freiem Himmel folgendes Denkmal errichtet. Man gab den hinterlassenen Handschriften die Form eines ruhenden Kolossen, dessen äussere Gestalt und Bildung dem Seligen so nahe kam, als möglich. Zur Unterlage diente ihm die allgemeine deutsche Bibliothek, zum Kopfkissen die alte und neue Berliner Monatsschrift, die Backenseiten waren durch die neuern Hefte der Jenaischen Literaturzeitung unterstützt. Der alte Freund hatte von allen Parteien einige zur Einweihung des Denkmals eingeladen, damit sie unter der Beschattung desselben sich brüderlich vereinigen möchten. Da standen, durch das gemeinschaftliche Leid endlich verträglich gemacht, und insgesammt Ein Herz und Eine Seele, Reinhard und Zöllner, Gedike, die beiden Schlegel, Biester, Tieck, Jacobi, der Hofrath Schütz, Reinhold, die Jesuiten, die Bibliothekare, und die Grossen alle.

Durch eine wunderbare Fügung hatten Fichte und Schelling, die unter den Eingeladenen sich befanden, und mit den Rücken an das papierne Denkmal sich angelehnt hatten, sich gerade,[24] »jener mit Hasenbraten, dieser mit einer wilden Schweinskeule ^allzuvoll gestopft^, -- wie denn dies dem ernsthaftesten Philosophen unvermerkt begegnen kann -- und der eine konnte nun schlechterdings nicht, er mochte sich anstrengen, wie er wollte, an der Bestimmung des Menschen, noch der andere an der Deduction der Kategorien der Physik weiter fortarbeiten, sondern sie mussten endlich die Feder wegwerfen und zum Rhabarber greifen.« -- -- -- -- [Fußnote 24: Das Folgende sind Herrn Nicolai's eigne Worte, S. 174. f.

der angeführten Anzeige; und selbst diese Citation geschieht in Nicolai's eignen Worten.]

* * * * * O, nie genug zu beweinender Schade! Gerade von dieser Stelle an, wo man nun das Interessanteste erwartet, ist unsre Handschrift so zerfressen, dass wir mit aller Conjecturalkritik keinen Sinn herausbringen können, und uns durchaus ausser Stand befinden, anzugeben, was es mit der in der Aufschrift gemeldeten Wiederbelebung unsers Helden für eine Bewandtniss gehabt, durch welches wunderbare Mittel sie erfolgt, und ob es der eigentliche wahre fleischliche Leib desselben, oder der beschriebne papierne gewesen, in welchen die Seele zurückgekehrt. So viel wird uns aus einigen übriggebliebenen Sylben wahrscheinlich, dass alle die genannten, und noch mehrere an dem Wunder Antheil gehabt; und nach