welcher man nicht der Gesellschaft dienen will, um leben zu können, sondern leben mag, allein um der Gesellschaft dienen zu können, und in welcher man durch kein Erbarmen mit dem eigenen, oder irgend eines Anderen, Lebensgenusse bewegt wird, zu thun, zu rathen, oder, wo man hindern könnte, zuzulassen, was nicht auch gänzlich ohne diese Rücksicht durch sich selber sich gebührt; aber es kann diese Denkart Wurzel fassen nur in einem durch das Leben in der Wissenschaft veredelten Geiste.
Mächtig aber wird dieser Veredelung und dieser Unabhängigkeit von der erwähnten Rücksicht vorgearbeitet werden, wenn die künftigen Gelehrten, aus deren Mitte ja wohl die Staatsämter werden besetzt werden, von früher Jugend an gewöhnt werden, die Bedürfnisse des Lebens nicht als Beweggrund irgend einer Thätigkeit, sondern als etwas, das für sich selbst seinen eigenen Weg geht, anzusehen, indem es ihnen, sogar ohne Rücksicht auf ihren gegenwärtigen zweckmässigen Fleiss, der aus der Liebe zur Sache hervorgehen soll, zugesichert ist.
§. 11.
Wie muss der Lehrer an einer solchen Anstalt beschaffen seyn, und ausgestattet?
Zuvörderst, wie sich von selbst versteht, indem keiner lehren kann, was er selbst nicht weiss, muss er sich im Besitze der Wissenschaft befinden, und zwar auf die oben angegebene Weise, als freier Künstler, so dass er sie zu jedem gegebenen Zwecke anzuwenden und in jede mögliche Gestalt hinüberzubilden vermöge. Aber auch diese Kunstfertigkeit muss ihn nicht etwa mechanisch leiten, und bloss als natürliches Talent und Gabe ihm beiwohnen, sondern er muss auch sie wiederum mit klarem Bewusstseyn durchdrungen haben, bis zur Erkenntniss im Allgemeinen sowohl, als in den besonderen individuellen Bestimmungen, die sie bei Einzelnen annimmt, indem er ja jeden Schüler dieser Kunst soll beobachten, beurtheilen und leiten können.
Aber sogar dieses klare Bewusstseyn und dieses Auffassen der wissenschaftlichen Kunst, als eines organischen Ganzen, reicht ihm noch nicht hin, denn auch dieses könnte, wie alles blosse Wissen, todt seyn, höchstens bis zur historischen Niederlegung in einem Buche ausgebildet.
Er bedarf noch überdies für die wirkliche Ausübung der Fertigkeit, jeden Augenblick diejenige Regel, die hier Anwendung findet, hervorzurufen, und der Kunst, das Mittel ihrer Anwendung auf der Stelle zu finden. Zu diesem hohen Grade der Klarheit und Freiheit muss die wissenschaftliche Kunst sich in ihm gesteigert haben. Sein Wesen ist die Kunst, den wissenschaftlichen Künstler selber zu bilden, welche Kunst eine Wissenschaft der wissenschaftlichen Kunst auf ihrer ersten Stufe voraussetzt, für deren Möglichkeit wiederum der eigene Besitz dieser Kunst auf der ersten Stufe vorausgesetzt wird; in dieser Vereinigung und Folge sonach besteht das Wesen eines Lehrers an einer Kunstschule des wissenschaftlichen Verstandesgebrauchs.
Das Princip, durch welches die wissenschaftliche Kunst zu dieser Höhe sich steigert, ist die Liebe zur Kunst.
Dieselbe Liebe ist es auch, die die wirklich entstandene Kunst der Künstlerbildung immerfort von neuem beleben, und in jedem besonderen Falle sie anregen und sie auf das Rechte leiten muss. Sie ist, wie alle Liebe, göttlichen Ursprungs und genialischer Natur, und erzeugt sich frei aus sich selber; für sie ist die übrige wissenschaftliche Kunstbildung ein sicher zu berechnendes Product, sie selbst aber, die Kunst dieser Kunstbildung, lässt sich nicht jederman anmuthen, noch lässt sie selbst da, wo sie war, sich erhalten, falls ihr freier Geniusflügel sich hinwegwendet.
Diese Liebe jedoch pflanzt auf eine unsichtbare Weise sich fort, und regt unbegreiflich den Umkreis an. Nichts gewährt höheres Vergnügen, als das Gefühl der Freiheit und zweckmässigen Regsamkeit des Geistes, und des Wachsthums dieser Freiheit, und so entsteht das liebevollste und freudenvollste Leben des Lehrlings in diesen Uebungen, und in dem Stoffe derselben.
Diese Liebe für die Kunst ist in Beziehung auf andere ^achtend^, und richtet vom Lehrer, als dem eigentlichen Focus, ausgegangen mit dieser Achtung aus dem Individuum heraus sich auf die anderen, welche gemeinschaftlich mit ihm diese Kunst treiben, und zieht jeden hin zu allen übrigen, wodurch die §. 8 geforderte wechselseitige Mittheilung Aller, und die Verschmelzung der Einzelnen zu einem lernenden organischen Ganzen, wie es gerade nur aus diesen lernenden Individuen sich bilden kann, entstehet, deren Möglichkeit noch zu erklären war.
(Ein geistiges Zusammenleben, das ^zunächst^ der schnelleren, fruchtbareren und in den Formen sehr vielseitigen Geistesentwickelung, ^später^ im bürgerlichen Leben der Entstehung eines Corps von Geschäftsleuten dient, in welchem nicht, wie bisher, der eigentliche Gelehrte, der dem Geschäftsmanne für einen Quer- und verrückenden Kopf gilt, diesem meist mit Recht den stumpfen Kopf und den empirischen Stümper zurückgiebt, -- sondern, die einander frühzeitig durchaus kennen und achten gelernt haben, und die von einer Allen gleichbekannten und unter ihnen gar nicht streitigen Basis in allen ihren Berathungen ausgehen.)
§. 12.
Diese Kunst der wissenschaftlichen Künstlerbildung, falls sie etwa in irgend einem Zeitalter zum deutlichen Bewusstseyn hervorbrechen und zu irgend einem Grade der Ausübung gedeihen sollte, muss, in Absicht ihrer Fortdauer und ihres Erwachsens zu höherer Vollkommenheit, keinesweges dem blinden Ohngefähr überlassen werden; sondern es muss, und dieses am schicklichsten an der schon bestehenden Kunstschule selbst, eine feste Einrichtung getroffen werden, dieselbe mit Besonnenheit und nach einer festen Regel zu erhalten, und zu höherer Vollkommenheit zu bilden; wodurch diese Kunstschule, so wie jedes mit wahrhaftem Leben existirende Wesen soll, ihre ewige Fortdauer verbürgen würde.
Sie ist, wie oben gesagt, selbst der höchste Grad der wissenschaftlichen Kunst, erfordernd die höchste Liebe und die höchste Fertigkeit und Geistesgewandtheit. Es ist darum klar, dass sie nicht allen angemuthet werden könne, wie man denn auch nur weniger, die sie ausüben, bedarf; aber sie muss allen angeboten und mit ihnen der Versuch gemacht werden, damit man sicher sey, dass nirgends dieses seltene Talent, aus Mangel an Kunde seiner, ungebraucht verloren gehe.
Für diesen Zweck wäre demnach der Lehrling, doch ohne Ueberspringen und nach erlangter hinlänglicher Gewandtheit in den niederen Graden der Kunst, zur Ausübung aller der oben erwähnten Geschäfte des Lehrers anzuhalten, unter Aufsicht und mit der Beurtheilung des eigentlichen Lehrers, so wie der anderen, in demselben Grade befindlichen Lehrlinge.
So denselben Weg zurücklegend unter der Leitung des schon geübten Lehrers, und vertraut gemacht mit dessen Kunstgriffen, welchen Weg der Lehrer selbst, von keinem geholfen und im Dunkeln tappend, gehen musste, wird dieser Lehrling es ohne Zweifel noch viel weiter bringen in geübter und klarer Kunst, denn sein Lehrer, und einst selber nach demselben Gesetze eine noch geübtere und klarere Generation hinterlassen.
(Es geht hieraus hervor, dass eine solche Pflanzschule wissenschaftlicher Künstler überhaupt, nach den verschiedenen Graden dieser Kunst, auf ihrer höchsten Spitze ein Professor-Seminarium seyn würde, und also genannt werden könnte. Man hat homiletische Uebungen gehabt, um zur Kunst des Vortrages für das Volk, man hat Schullehrer-Seminaria gehabt, um den Vortrag für die niedere Schule zu bilden; an eine besondere Uebung oder Prüfung in der Kunst des akademischen Vortrages aber hat unseres Wissens niemand gedacht, gleich als ob es sich von selbst verstände, dass man, was man nur wisse, auch werde sagen können: zum schlagenden Beweise, dass man mit deutlichem Bewusstseyn, so weit dieses in dieser Region gedrungen, mit der Universität durchaus nichts mehr beabsichtigt, als dem gedruckten Buchwesen noch ein zweites redendes Buchwesen an die Seite zu setzen; wodurch unsere Rede wieder in ihren Ausgangspunct hineinfällt, zum Beweise, dass sie ihren Kreis durchlaufen hat.
§. 13.
Corollarium.
Der bis hierher entwickelte Begriff, selbst angesehen in einem wissenschaftlichen Ganzen, giebt der Kunst der Menschenbildung oder der Pädagogik den Gipfel, dessen sie bisher ermangelte. Ein anderer Mann hat in unserem Zeitalter die ebenfalls vorher ermangelnde Wurzel derselben Pädagogik gefunden. Jener Gipfel macht möglich die höchste und letzte Schule der wissenschaftlichen Kunst; diese Wurzel macht möglich die erste und allgemeine Schule des Volks, das letzte Wort nicht für Pöbel genommen, sondern für die Nation. Der mittlere Stamm der Pädagogik ist die niedere Gelehrtenschule.
Aber der Gipfel ruht fest nur auf dem Stamme, und dieser zieht seinen Lebenssaft nur aus der Wurzel; alle insgesammt haben nur an-, in- und durcheinander Leben und versicherte Dauer. Ebenso verhält es sich auch mit der höheren und der niederen Gelehrtenschule, und mit der Volksschule. Wir unseres Ortes, die wir die erstere beabsichtigen, gehen, so gut wir es unter diesen Umständen vermögen, aus unserem besonderen und abgeschnittenen Mittelpuncte aus, unseren Weg fort, nur auf die niedere Gelehrtenschule, mit der wir allernächst zusammenhängen, und ohne deren Beihülfe wir nicht füglich auch nur einen Anfang machen können, die nöthige Rücksicht nehmend. Ebenso geht ihres Orts, und unser, die wir nur selbst erst unser eigenes Daseyn suchen, unserer Hülfe und unseres leitenden Lichtes entbehrend, die allgemeine Pädagogik ihren Weg fort, so gut sie es vermag. Aber arbeiten wir nur redlich fort, jeder an seinem Ende: wir werden mit der Zeit zusammenkommen, und insgesammt in einander eingreifen; denn jedweder Theil, der nur in sich selber etwas Rechtes ist, ist Theil zu einem grösseren ewigen Ganzen, das in der Erscheinung nur aus der Zusammenfügung der einzelnen Theile zusammentritt. Da aber, wo wir zusammenkommen werden, wird der armen, jetzt in ihrer ganzen Hülfslosigkeit dastehenden Menschheit Hülfe und Rettung bereit seyn; denn diese Rettung hängt lediglich davon ab, dass die Menschenbildung im Grossen und Ganzen aus den Händen des blinden Ohngefährs unter das leuchtende Auge einer besonnenen Kunst komme.
Diese Einsicht und das Bewusstseyn, dass uns ein grosser Moment gegeben ist, der, ungenutzt verstrichen, nicht leicht wiederkehrt, bringe heiligen Ernst und Andacht in unsere Berathungen.
Anmerkung.
Da man oft unerwartet auf Verkennung jenes höchsten Grundsatzes alles unseres Lebens und Treibens stösst, so ist es vielleicht nicht überflüssig, hierüber noch einige Worte hinzuzufügen.
Ein blindes Geschick hat die menschlichen Angelegenheiten erträglich, und obgleich langsam, dennoch zu einiger Verbesserung des ganzen Zustandes geleitet, so lange in diese Dunkelheit das gute und böse Princip in der Menschheit gemeinschaftlich und mit einander verwachsen eingehüllt war. Diese Lage der Dinge hat sich verändert, durch diese Veränderung ist eben ein durchaus neues Zeitalter, gegen dessen Anerkenntniss man sich noch so häufig sträubt, und es sind durchaus neue Aufgaben an die Zeit entstanden. Das böse Princip hat nemlich aus jener Mischung sich entbunden zum Lichte; es ist sich selbst vollkommen klar geworden, und schreitet frei und besonnen und ohne alle Scheu und Scham vorwärts. Klarheit siegt allemal über die Dunkelheit; und so wird denn das böse Princip ohne Zweifel Sieger bleiben so lange, bis auch das gute sich zur Klarheit und besonnenen Kunst erhebt.
In allen menschlichen Verhältnissen, besonders aber in der Menschenbildung, ist das Alte und Hergebrachte das Dunkele; eine Region, die mit dem klaren Begriffe zu durchdringen und mit besonnener Kunst zu bearbeiten man Verzicht leistet, und aus welcher herab man den Segen Gottes ohne sein eigenes Zuthun erwartet. Setzt man in diesem Glaubenssysteme jenem göttlichen Segen etwa noch eine menschliche Direction und Oberaufsicht an die Seite, so ist das eine blosse Inconsequenz. Das Alte ist ja jedermänniglich bekannt, diesem soll gefolgt werden, es giebt darum keine Pläne auszudenken; der Erfolg kommt von oben herab, und keine menschliche Klugheit kann hier etwas ausrichten; es giebt darum auch nichts zu leiten, und die Oberaufsicht ist ein völlig überflüssiges Glied. Nur in dem Falle, dass Behauptungen, wie die unsrige, von freier und besonnener Kunst sich vernehmen liessen und einen Einfluss begehrten, erhielte sie eine Bestimmung, die, der Neuerung sich kräftig zu widersetzen, und festzuhalten über dem alten hergebrachten Dunkel.
Es ist nicht zu hören, wenn die Sicherheit dieses alten und ausgetretenen Weges gepriesen, dagegen das Unsichere und Gewagte aller Neuerungen gefürchtet wird. Bleibt man beim Alten, so wird der Erfolg schlecht seyn, darauf kann man sich verlassen; denn es kann, nachdem die Welt einmal ist, wie sie ist, aus dem Dunkeln nichts Anderes mehr hervorgehen, denn Böses. Hofft man etwa dabei das zu gewinnen, dass man sich sagen könne, man habe das Böse wenigstens nicht durch sein thätiges Handeln herbeigeführt, es sey eben von selbst gekommen, und man würde nichts dagegen gehabt haben, wenn statt dessen das Gute gekommen wäre?
Man muss leicht zu trösten seyn, wenn man damit sich beruhigt. Und warum sollte es denn ein so grosses Wagstück seyn, nach einem klaren und festen Begriffe einherzugehen? Wagen wird man allein in den beiden Fällen, wenn man entweder seines Begriffes nicht Meister ist, oder nicht schon im voraus entschlossen, sein Alles an die Ausführung desselben zu setzen. Aber nichts nöthigt uns, uns in einem dieser beiden Fälle zu befinden.
Am wenigsten würden wir den Grundbegriff von einer Universität gelten lassen, dass dieselbe sey keinesweges eine Erziehungsanstalt, deren unfehlbaren Erfolg man soviel möglich sichern müsse, sondern eine im Grunde überflüssige und nur als freie Gabe zu betrachtende Bildungsanstalt, die jeder, der in der Lage sey, mit Freiheit gebrauchen könne, wie er eben wolle. Giebt es solche Anstalten, als da etwa wäre das Werkmeistersche Museum u. dergl., so können dieselben nur seyn für weise Männer und gemachte Bürger, die in Absicht einer persönlichen Bestimmung und eines festen Berufes mit dem Staate sich schon abgefunden haben, keinesweges für Jünglinge, die einen Beruf noch suchen. Auch hat bisher der Staat, -- und dies ist auch ein Altes und Wohlhergebrachtes, bei welchem es ohne Zweifel sein Bewenden wird haben müssen, -- es hat der Staat allerdings auf die Universitäten gerechnet, als eine nothwendige und bisher durch nichts Anderes ersetzte Erziehungsanstalt eines Standes, an dem ihm viel gelegen ist: und es wäre zu erwarten, was erfolgen würde, wenn nur drei Jahre hintereinander es der Freiheit aller Studirenden gefiele, die Universität nicht auf die rechte Weise zu benutzen. Oder soll man voraussetzen, dass es mitten in unseren gebildeten Staaten noch einen Haufen von Menschen gebe, deren angeborenes Privilegium dies ist, dass kein Mensch Anspruch auf ihre Kräfte und die Bildung derselben habe, und denen es freistehen muss, ob sie zu etwas oder zu nichts taugen wollen, weil sie ausserdem zu leben haben? Soll für diese vielleicht jene freie und auf gar nichts rechnende Bildungsanstalt angelegt werden, damit sie, wenn sie wollen, hier die Mittel erwerben, ihr einstiges müssiges Leben mit weniger Langeweile hinzubringen? Alles zugegeben, möchten wenigstens diese Klassen selbst für die Befriedigung dieses ihres Bedürfnisses sorgen; aber dem Staate liessen die Kosten einer solchen Anstalt sich keinesweges aufbürden.
Zweiter Abschnitt.
Wie unter den gegebenen Bedingungen der Zeit und des Orts der aufgegebene Begriff realisirt werden könne.
§. 14.
Soll unsere Lehranstalt keinesweges etwa eine in sich selbst abgeschlossene Welt bilden, sondern soll sie eingreifen in die wirklich vorhandene Welt, und soll sie insbesondere das gelehrte Erziehungswesen dieser Welt umbilden, so muss sie sich anschliessen an dasselbe, so wie es ist und sie dasselbe vorfindet. Dieses muss ihr erster Standpunct seyn; dies der von ihr anzueignende und durch sie zu organisirende Stoff; sie aber das geistige Ferment dieses Stoffes. Sie muss sich erzeugen und sich fortbilden innerhalb einer gewöhnlichen Universität, weil wir dies nicht vermeiden können, so lange bis die letztere in die erste aufgehend gänzlich verschwinde: keinesweges aber müssen wir von dem Gedanken ausgehen, dass wir eine ganz gewöhnliche Universität und nichts weiter bilden wollen.
§. 15.
Diese nothwendige Stätigkeit des Fortgangs in der Zeit sogar abgerechnet, vermögen wir in dieses Vorhabens Ausführung um so weniger anders, denn also zu verfahren, da die freie ^Kunst der besonderen Wissenschaft sowohl überhaupt, als in ihren einzelnen Fächern^ dermalen noch gar nicht also vorhanden ist, dass sie sicher und nach einer Regel aufbehalten und fortgepflanzt werden könnte; sondern diese freie Kunst der ^besonderen^ Wissenschaft erst selber in der schon vorhandenen Kunstschule zu deutlichem Bewusstseyn und zu geübter Fertigkeit erhoben werden, und so die Kunstschule einem ihrer wesentlichen Theile nach sich selber erst erschaffen muss. So nun nicht wenigstens der Ausgangspunct dieser Kunst in der Wissenschaft überhaupt, und unabhängig von dem Vorhandenseyn der Schule, irgendwo und irgendwann zu existiren vermöchte, so würde es niemals zu einer solchen Kunstschule, ja sogar nicht zu dem Gedanken und der Aufgabe derselben kommen.
§. 16.
Mit diesem Ausgangspuncte der wissenschaftlichen Kunst verhält es sich nun also. Kunst wird (§. 4) dadurch erzeugt, dass man deutlich versteht, ^was^ man und ^wie^ man es macht. Die besondere Wissenschaft aber ist in allen ihren einzelnen Fächern ein besonderes Machen und Verfahren mit dem Geistesvermögen; und man hat dies von jeher anerkannt, wenn man z.
B. vom historischen Genie, Tact und Sinne, oder von Beobachtungsgabe u.
dergl., als von besonderen, ihren eigenthümlichen Charakter tragenden Talenten gesprochen. Nun ist ein solches Talent allemal Naturgabe, und da es ein besonderes Talent ist, so ist der Besitzer desselben eine besondere und auf diesen Standpunct beschränkte Natur, die nicht wiederum über diesen Punct sich erheben, ihn frei anschauen, ihn mit dem Begriffe durchdringen und so aus der blossen Naturgabe eine freie Kunst machen könnte. Und so würde denn die besondere Wissenschaft entweder gar nicht getrieben werden können, weil es an Talent fehlte, oder, wo sie getrieben würde, könnte es, eben weil dazu Talent, das eben nur Talent sey, gehört, niemals zu einer besonnenen Kunst derselben kommen. So ist es denn auch wirklich. Der Geist jeder besonderen Wissenschaft ist ein beschränkter und beschränkender Geist, der zwar in sich selber lebt und treibet, und köstliche Früchte gewährt, der aber weder sich selbst, noch andere Geister ausser ihm zu verstehen vermag. Sollte es nun doch zu einer solchen Kunst in der besonderen Wissenschaft kommen, so müsste dieselbe, unabhängig von ihrer Ausübung, und noch ehe sie getrieben würde, verstanden, d. i. die Art und Weise der geistigen Thätigkeit, deren es dazu bedarf, erkannt werden, und so der allgemeine ^Begriff^ ihrer Kunst der ^Ausübung^ dieser Kunst selbst vorhergehen können. Nun ist dasjenige, was die ^gesammte^ geistige Thätigkeit, mithin auch alle besonderen und weiter bestimmten Aeusserungen derselben wissenschaftlich erfasst, die Philosophie: von philosophischer Kunstbildung aus müsste sonach den besonderen Wissenschaften ihre Kunst gegeben, und das, was in ihnen bisher blosse, vom guten Glücke abhängende Naturgabe war, zu besonnenem Können und Treiben erhoben werden; der Geist der Philosophie wäre derjenige, welcher zuerst sich selbst, und sodann in sich selber alle anderen Geister verstände; der Künstler in einer besonderen Wissenschaft müsste vor allen Dingen ein philosophischer Künstler werden, und seine besondere Kunst wäre lediglich eine weitere Bestimmung und einzelne Anwendung seiner allgemeinen philosophischen Kunst.
(Dies dunkel fühlend hat man, wenigstens bis auf die letzten durch und durch verworrenen und seichten Zeiten, geglaubt, dass alle höhere wissenschaftliche Bildung von der Philosophie ausgehen, und dass auf Universitäten die philosophischen Vorlesungen von Allen und zuerst gehört werden müssten. Ferner hat man in den besonderen Wissenschaften z. B. von philosophischen Juristen oder Geschichtsforschern oder Aerzten gesprochen, und man wird finden, dass von denen, welche sich selber verstanden, immer diejenigen mit dieser Benennung bezeichnet wurden, die mit der grössten Fertigkeit und Gewandtheit ihre Wissenschaft vielseitig anzuwenden wussten, sonach die ^Künstler^ in der Wissenschaft. Denn diejenigen, welche ^a priori^ phantasirten, wo es galt Facta beizubringen, sind ebenso, wie diejenigen, die sich auf die wirkliche Beschaffenheit der Dinge beriefen, wo das apriorische Ideal dargestellt werden sollte, von den Verständigen mit der gebührenden Verachtung angesehen worden.)
§. 17.
Die erste und ausschliessende Bedingung der Möglichkeit, eine wissenschaftliche Kunstschule zu errichten, würde demnach diese seyn, dass man einen Lehrer fände, der da fähig wäre, das Philosophiren selber als eine Kunst zu treiben, und der es verstände, eine Anzahl seiner Schüler zu einer bedeutenden Fertigkeit in dieser Kunst zu erheben, mit welcher nun einige dieser wiederum den ihnen anderwärts herzugebenden positiven Stoff der besonderen Wissenschaften durchdrängen, und sich auch in diesen zu Künstlern bildeten; von welchen letzteren wiederum diejenigen, die es zu dem Grade der Klarheit dieser Kunst gebracht hätten, dass sie selbst Künstler zu bilden vermöchten, ihre Kunst fortpflanzten. Nachdem dieses Letztere über das ganze Gebiet der Wissenschaften möglich geworden, in einer solchen Ausdehnung, dass man auf die sichere Fortpflanzung der gesammten wissenschaftlichen Kunst bis ans Ende der Tage rechnen könnte: alsdann stände die beabsichtigte wissenschaftliche Kunstschule da, und wäre errichtet.
§. 18.
Dieser philosophische Künstler muss, beim Beginnen der Anstalt, ein einziger seyn, ausser welchem durchaus kein anderer auf die Entwickelung des Lehrlings zum Philosophiren Einfluss habe. Wer dagegen einwenden wollte, dass es, um die Jünglinge vor Einseitigkeit und blindem Glauben an Einen Lehrer zu verwahren, auf einer höheren Lehranstalt vielmehr eine Mannigfaltigkeit der Ansichten und Systeme, und eben darum der Lehrer geben müsse, würde dadurch verrathen, dass er weder von der Philosophie überhaupt, noch vom Philosophiren, als einer Kunst, einen Begriff habe. Denn obwohl, falls es Gewissheit giebt und dieselbe dem Menschen erreichbar ist (wer über diesen Punct sich noch in Zweifel befände, der wäre nicht ausgestattet, um mit uns über die Einrichtung eines ^wissenschaftlichen^ Instituts zu berathschlagen), der Lehrer, den wir suchen, selber in sich seiner Sache gewiss seyn und ein System haben muss, indem im entgegengesetzten Falle er mit seinem Philosophiren nicht zu Ende gekommen wäre, mithin die ganze Kunst des Philosophirens nicht einmal selber ausgeübt hätte und so durchaus unfähig wäre, dieselbe in ihrem ganzen Umfange mit Bewusstseyn zu durchdringen, und sie anderen mitzutheilen, und wir uns daher in der Wahl der Person vergriffen hätten -- obwohl, sage ich, dies also ist, so wird er dennoch in seinem Bestreben, selbstthätige, die Gewissheit in sich selbst erzeugende und das System selbst erfindende Künstler zu bilden, nicht von seinem Systeme, noch überhaupt von irgend einer positiven Behauptung ^ausgehen^; sondern nur ihr systematisches Denken anregen, freilich in der sehr natürlichen Voraussetzung, dass sie am Ende desselben bei demselben Resultate ankommen werden, bei dem auch er angekommen, und dass, wenn sie bei einem anderen ankommen, irgendwo in der Ausübung der Kunst ein Fehler begangen worden. Wäre irgend ein anderer neben ihm, der ihm widerspräche, so müsste dieser etwas ^behaupten^; liesse er sich verleiten, dem Widerspruche zu widersprechen, so müsste nun auch er behaupten, und es entstände Polemik. Wo aber Polemik ist, da ist Thesis, und wo Thesis ist, da wird nicht mehr thätig philosophirt, sondern es wird nur das Resultat des, so Gott will, vorher ausgeübten thätigen Philosophirens historisch erzählt; somit hebt die Polemik das Wesen einer philosophischen Kunstschule gänzlich auf, und es ist ihr darum aller Eingang in diese abzuschneiden. -- (Dieselbe Unbekanntschaft mit dem Wesen der Philosophie würde verrathen eine andere Bemerkung, die folgende: es müsse auf einer solchen Anstalt die Vollständigkeit der sogenannten philosophischen Wissenschaften beabsichtigt werden, und dies, da sie einem Einzigen nicht wohl anzumuthen sey, werde eine Mehrheit der Lehrer der Philosophie verlangen. Denn wenn nur wirklich der philosophische Geist und die Kunst des Philosophirens entwickelt ist, so wird ganz von selbst diese sich über die gesammte Sphäre des Philosophirens ausbreiten, und diese in Besitz nehmen; sollte aber für andere, an welchen das Streben, sie in diese Kunst einzuweihen, mislingt, die wir aber dennoch, aus Mangel besserer Subjecte, in den bürgerlichen Geschäften anstellen und brauchen müssten, irgend ein historisch zu erlernender ^philosophischer Katechismus^, als Rechtslehre, Moral u. dergl. nöthig seyn, so wird ja wohl dieser in gedruckten Büchern irgendwo vorliegen, an deren eigenes Studium auch hier, so wie in den anderen Fächern, dergleichen Subjecte vom Lehrer der Philosophie hingewiesen, und erforderlichenfalles darüber examinirt würden.)
§. 19.
Mit diesem also entwickelten philosophischen Geiste, als der reinen Form des Wissens, ^müsste nun der gesammte wissenschaftliche Stoff in seiner organischen Einheit^ auf der höheren Lehranstalt aufgefasst und durchdrungen werden, also dass man genau wüsste, was zu ihm gehöre oder nicht, und so die strenge Grenze zwischen Wissenschaft und Nichtwissenschaft gezogen würde; dass man ferner das organische Eingreifen der Theile dieses Stoffes ineinander, und das gegenseitige Verhältniss derselben unter sich allseitig verstände, damit man daraus ermessen könnte, ob dieser Stoff am Lehrinstitute vollständig bearbeitet werde, oder nicht; in welcher ^Folge^ oder ^Gleichzeitigkeit^ am vortheilhaftesten diese einzelnen Theile zu bearbeiten seyen; bis zu welcher Potenz die ^niedere^ Schule denselben zu erheben, und wo eigentlich die höhere einzugreifen habe; ferner, bis zu welcher Potenz auch auf der letzteren ^alle^, die auf den Titel eines wissenschaftlichen Künstlers Anspruch machen wollten, ihn auszubilden hätten, und wie viel dagegen der ^besonderen^ Ausbildung für ein ^bestimmtes praktisches^ Fach anheimfiele und vorbehalten bleiben müsse.
Dies gäbe eine philosophische Encyklopädie der gesammten Wissenschaft, als stehendes Regulativ für die Bearbeitung aller besonderen Wissenschaften.
(Wenn auch allenfalls die Philosophie schon jetzt fähig seyn sollte, zu einer solchen encyklopädischen Ansicht der gesammten Wissenschaft in ihrer organischen Einheit einige Auskunft zu geben, so ist doch die übrige wissenschaftliche Welt viel zu abgeneigt, der Philosophie die Gesetzgebung, die sie dadurch in Anspruch nähme, zuzugestehen, oder dieselbe in dergleichen Aeusserungen auch nur nothdürftig zu begreifen, als dass sich hiervon einiger Erfolg sollte erwarten lassen. Auch müssten, da es hier nicht um theoretische Behauptung einiger Sätze, sondern um Einführung einer Kunst zu thun ist, erst eine beträchtliche Anzahl von Männern gebildet werden, die da fähig wären, eine solche Encyklopädie nicht bloss zu verstehen und wahr zu finden, sondern auch nach den Regeln derselben die besonderen Fächer der Wissenschaft wirklich zu bearbeiten; dass es daher am schicklichsten seyn wird, hierüber sich vorläufig gar nicht auszusprechen, sondern jene Encyklopädie durch das wechselseitige Eingreifen der Philosophie und der philosophisch kunstmässigen Bearbeitung der nun eben vorhandenen besonderen Fächer der Wissenschaft, allmählig von selber erwachsen zu lassen; dass mithin in Absicht dieses ihr sehr wesentlichen Bestandtheiles die Kunstschule sich selbst innerhalb ihrer selbst erschaffen müsste.)
§. 20.
Beim Anfange und so lange, bis es dahin gekommen, müssen wir uns begnügen, die vorliegenden Fächer ohne organischen Einheitspunct bloss historisch aufzufassen, nur dasjenige, wovon wir schon bei dem gegenwärtigen Grade der allgemeinen philosophischen Bildung darthun können, dass es dem wissenschaftlichen Verstandesgebrauche entweder geradezu widerspreche, oder nicht zu demselben gehöre, von uns ausscheidend, das Uebrige aufnehmend, und es in seiner Würde und an seinem Platze bis zur besseren allgemeinen Verständigung stehen lassend; ferner in diesen Fächern die am meisten ^philosophischen^, d. i. die mit der grössten Freiheit, Kunstmässigkeit und Selbstständigkeit in denselben verfahrenden unter den Zeitgenossen, zu Lehrern uns anzueignen; endlich, diese zu der am meisten philosophischen, d. i. zu der, Selbstthätigkeit und Klarheit am sichersten entwickelnden, Mittheilung ihres Faches anzuhalten und sie darauf zu verpflichten.
§. 21.
Ueber den ersten Punct, betreffend die Ausscheidung, werden wir demnächst beim Durchgehen der vorhandenen wissenschaftlichen Fächer uns erklären. Ueber den zweiten merke ich hier im allgemeinen nur das an, dass wir den Vortheil haben, in einigen der Hauptfächer diejenigen, welche als die freisten und selbstthätigsten allgemein anerkannt sind, schon jetzt die unserigen zu nennen, und dass, falls nicht etwa einige für die Herablassung und für das Wechselleben mit ihren Schülern, das dieser Plan ihnen anmuthet, sich zu vornehm dünken, wir hoffen dürfen, sie für unseren Zweck zu gewinnen, und dass in anderen Fächern, in denen wir nicht mit derselben Zuversichtlichkeit dasselbe rühmen können, der Unterschied zwischen den Zeitgenossen in Absicht des angegebenen Gesichtspunctes überhaupt nicht sehr gross ist, und wir darum hoffen dürfen, ohne grosse Schwierigkeit die nothwendigen Stellen so gut zu besetzen, als sie unter den gegenwärtigen Umständen überhaupt besetzt werden können; dass es aber ausschliessende Bedingung sey, dass dieselben schon vor ihrer Berufung und Anstellung sowohl über unseren Hauptplan, als über den dritten Punct in Absicht des zu wählenden Vortrages unterrichtet, und aufrichtig mit uns einverstanden seyen. In Absicht dieses dritten Punctes endlich, stellen wir als eine Folge aus allem Bisherigen fest, dass -- die oben erwähnten Examina, Conversatorien und Aufgaben, als die erste charakteristische Eigenheit unserer Methode, deren Anwendung im besonderen Falle am gehörigen Orte näher wird beschrieben werden, noch abgerechnet, -- alle mündliche Mittheilung über ein besonderes Fach ausgehen müsse von der ^Encyklopädie^ dieses Faches, und dass dieses die allererste Vorlesung jedes bei uns anzustellenden Lehrers seyn und von jedem Schüler zu allererst gehört werden müsse. Denn die bis zur höchsten Klarheit gesteigerten einzelnen Encyklopädien der besonderen Fächer, besonders wenn sie alle zusammen den Lehrern und Zöglingen der Anstalt bekannt sind, sind das zunächst in die von der Philosophie ausgehen sollende ^allgemeine Encyklopädie^ (§. 19. am Schlusse) eingreifende Glied, arbeiten derselben mächtig vor, und werden der letzteren, wenn sie entstehen wird, die vollkommene Verständlichkeit ertheilen müssen, indem auch sie selber umgekehrt von ihr neue Festigkeit und Klarheit erhalten werden. Sodann ist Einheit und Ansicht der Sache aus Einem Gesichtspuncte heraus der Charakter der Philosophie und der freien Kunstmässigkeit, die wir anstreben; dagegen unverbundene Mannigfaltigkeit und mit nichts zusammenhängende Einzelheit der Charakter der Unphilosophie, der Verworrenheit und der Unbehülflichkeit, welche wir eben aus der ganzen Welt austilgen möchten, und sie darum nicht in uns selbst aufnehmen müssen. Endlich, wenn auch dieses alles nicht so wäre, können wir aus Mangelhaftigkeit der niederen Schule zu Anfange bei unseren Schülern nicht auf ein solches schon fertiges Gerüst des gesammten wissenschaftlichen Stoffes, wie es oben (§. 10.)
beschrieben worden, rechnen, und müssen zu allererst diesen Mangel in unseren besonderen Encyklopädien ersetzen. Die Hauptgesichtspuncte einer solchen auf eine wissenschaftliche Kunstschule berechneten Encyklopädie sind die folgenden: ^dass sie zuvörderst die eigentliche charakteristische Unterscheidung des Verstandesgebrauches^ in diesem Fache, und die besonderen Kunstgriffe oder Vorsichtsregeln in ihm mit aller dem Lehrer selbst beiwohnenden Klarheit angebe, und sie mit Beispielen belege (und so eben z. B. das ^historische Talent^, oder die ^Beobachtungsgabe^ mit dem Begriffe durchdringe); dass sie die Theile dieser Wissenschaft vollständig und umfassend vorlege, und zeige, auf welche besondere Weise jeder, und in welcher Zeitfolge sie studirt werden müssen; endlich, dass sie die für den Zweck des Lehrlings nöthige Literaturkenntniss des Faches gebe, und ihn berathe, ^was^, und in ^welcher Ordnung^ und etwa mit welchen Vorsichtsmaassregeln, er zu lesen habe. Besonders in der letzten Rücksicht ist der Lehrer dem Lehrlinge ein allgemeines Register und Repertorium des ^gesammten Buchwesens^ in diesem Fache, inwieweit dasselbe dem Lehrlinge nöthig ist, schuldig; welches nun der Lehrling selber, nach der ihm gegebenen Anleitung, zu lesen, keinesweges aber vom Lehrer zu erwarten hat, dass auch dieser es ihm noch einmal recitire. Gehört nun ferner, wie wir hoffen, der Lehrer zu dem oben erwähnten edleren Bestandtheile der bisherigen Universitäten, dass er mit dem gesammten Buchwesen seines Faches nicht allerdings zufrieden und fähig sey, dasselbe hier und da zu verbessern, so zeige er in seiner Encyklopädie diese fehlerhaften Stellen des grossen Buches an, und lege dar seinen Plan, wie er in besonderen Vorlesungen diese fehlerhaften Stellen verbessern wolle, und in welcher Ordnung diese besonderen Vorlesungen, die insgesammt auf der festen Unterlage seiner Encyklopädie ruhen, und auf ihr geordnet sind, zu hören seyen. Ist dessen so viel, dass er es allein nicht bestreiten kann, so wähle er sich einen Unterlehrer, der verbunden ist, in seinem Plane zu arbeiten. Nur sage er nicht, was im Buche auch steht, sondern nur das, was in keinem Buche steht. (Als Beispiel: dass in den Schüler der niederen Schule sehr früh ein Inbegriff der Universalgeschichte hineingebildet werden müsse, versteht sich, und ist oben gesagt; wozu aber, ausser der Anweisung, wie man die gesammte Menschengeschichte zu ^verstehen^ habe, welche wohl am schicklichsten dem Philosophen anheimfallen dürfte, auf der höheren Schule ein Cursus der Universalgeschichte solle, bekenne ich nicht zu begreifen; dagegen aber würde ich es für sehr schicklich und alles Dankes werth halten, wenn ein Professor der Geschichte ein Collegium ankündigte über besondere Data