SigPhi · Karl Marx

Der Briefwechsel zwischen Friedrich Engels und Karl Marx 1844 bis 1883, Erster B

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betrifft und nicht die englischen, so kann er den _freetrader_ spielen, obwohl er gleich im Anfang mit einem aristokratisch-militärischen Fanatismus über die Kaufleute schimpft. Er dachte nicht, daß er diese Prinzipien nachher auf die englischen Kolonien anwenden helfen müßte.

Aber das ist der Witz. Dafür, daß der alte Irländer unverdienterweise Napoleon besiegte, hat er später vor Cobden erliegen müssen und _en économie politique_[8] durch das kaudinische Joch des _free trade_ passieren. Die Weltgeschichte gibt doch zu sehr vielen angenehmen Betrachtungen Anlaß!

Die Auflösung der Londoner demokratischen provisorischen Regierung für Deutschland hat mich mit Kummer erfüllt. So eine schöne Gelegenheit für die Esel, sich vor dem öffentlichen Gelächter zu erhalten, findet sich sobald nicht wieder. Dafür eröffnet der große Franz Raveaux in der Kölnischen Zeitung wieder seine Klüngelpolemik mit Herrn Paul Franck und anderen Tröpfen. Er ist wieder reif, in irgend ein Nationalnarrenhaus gewählt zu werden und zu sagen: „Meine Herren, hück hat die Stadt Köllen ener jroßer Dag erlebt!“ Ich bin übrigens moralisch überzeugt, daß der Willich und Komp. über einen großartigen Plan zur Revolutionierung Englands während der Exhibition brüten, obwohl es ebenso sicher ist, daß sie keinen Finger rühren werden. Wird nichts Vereinzeltes bleiben!

Die zweite Marke auf meinen Briefen ist für späte Aufgabe. Ich kann für diesen _Stamp_ anderthalb Stunden nach Schluß der gewöhnlichen Post den Brief noch mit demselben Zuge fortbekommen. Übrigens zahlt dies die Firma.

Dein F. E.

[2] Es scheint also.

[3] Außer.

[4] Ausländerbureaus.

[5] Unbegreiflicher Schnitzer.

[6] Ein scharfes Auge auf diese Jünglinge [haben].

[7] Insbesondere keinen Übereifer.

[8] In der Volkswirtschaftspolitik.

Lieber Marx!

Ich schickte Dir gestern zwei Briefe, den einen ohne anderen Inhalt als eine Post Office Ordre, den anderen durch Pieper. Du hast beide hoffentlich erhalten.

Die elektrische Geschichte ist einfach, was die Konstruktion anbetrifft.

An den vier Ecken _A B C_ und _D_ – ich setze voraus, daß Du die Zeichnung dort hast – werden Pflöcke in die Erde geschlagen und ein starker Draht drei Zoll unter der Erdoberfläche von einem dieser Pflöcke zum anderen gezogen, so daß er unter der Erde das ganze Feld umspannt.

Bei _E_ und _F_, Norden und Süden, werden zwei Pfähle in die Erde geschlagen, deren Spitzen fünfzehn Fuß über der Erde ebenfalls durch einen Draht verbunden werden. Die beiden Enden des Drahtes laufen am Pfahl hinab und werden unter der Erde mit dem verdeckten Draht _A B C D_ verbunden. Ebenso ein Querdraht von _G_ bis _H_ auf zwei Pfählen, der in der Mitte den Draht _E F_ kreuzt. Was der Sack Holzkohle und die Zinkplatten sollen, ist mir nicht ganz klar, da ich die elektrische Beschaffenheit der Holzkohle vergessen habe – ich vermute, durch diese Holzkohle bei _G_ und den Zink bei _H_, die beide ebenfalls vergraben und mit dem großen vergrabenen Draht in Verbindung stehen, will der Kerl die Elektrizität polarisieren, einen positiven (Zink) und negativen (Kohle) Pol herstellen.

Der Rest bezieht sich auf technische Geschichten, Isolierung der Drähte usw.

Da Du mir weiter nichts schreibst, so vermute ich, daß sich die Geschichte auf irgend ein Experiment bezieht, ich glaube, Du sprachst mir davon, daß im Economist oder so etwas davon gestanden hat. Mir ist der Erfolg der Sache etwas zweifelhaft, doch mag was damit zu machen sein, wenn man das Ding ausdehnt und verbessert. Es fragt sich nur 1.

wieviel Elektrizität sich in der Weise aus der Luft abfassen läßt, und 2. wie diese Elektrizität auf Wachstum und Keimen der Pflanzen wirkt.

Laß mich jedenfalls wissen, ob das Experiment schon gemacht ist und mit welchem Erfolg, und wo der Bericht darüber steht.

Zwei Haken hat die Sache jedenfalls: 1. Will der Kerl den Draht, der die Elektrizität abfassen soll, genau Nord und Süd gelegt haben, und schreibt doch den Farmers vor, ihn nach dem Kompaß zu legen. Von der Deklination des Kompasses, die hier in England zirka 20 bis 23 Grad beträgt, spricht er gar nicht, und er müßte jedenfalls sagen, ob er sie in Anschlag gebracht hat. Die Farmers wissen jedenfalls von Deklination nichts und würden den Draht nach der Magnetnadel legen, wo er dann nicht von Nord nach Süd, sondern von Nord-Nord-West nach Süd-Süd-Ost zeigen würde.

2. Wenn die Elektrizität eine befördernde Wirkung auf das Keimen und Wachsen der Pflanzen hat, so wird sie im Frühjahr die Pflanzen zu _früh_ keimen machen und sie Nachtfrösten usw. aussetzen. Dies müßte jedenfalls sich zeigen und dem wäre nur abzuhelfen, indem man während des Winters die Kommunikation der schwebenden und der vergrabenen Drähte unterbräche. Auch davon spricht der Mann nicht. Entweder aber ist die so abgefaßte Elektrizität ohne alle befördernde Wirkung oder sie hat die des Zufrühtreibens. Auch das muß aufgeklärt werden.

Die Sache läßt sich übrigens nicht beurteilen, bis sie probiert ist und Resultate da sind, und deswegen sage mir, wo ich das Weitere über diesen Gegenstand finden kann.

Ich danke dem Schöpfer in der Höhe, daß die Zentralesel sich wiedergefunden haben, und selbst ihren Kosmos gönne ich ihnen. Wir werden doch bald wieder ein Organ haben, soweit wir’s brauchen, und wo wir alle Angriffe zurückweisen können, ohne daß es scheint, als ginge dies von uns aus. Das ist ein Vorzug der beabsichtigten Kölner Monatsschrift vor unserer Revue.

Daß die Schimpfereien in Deutschland nicht weniger Fortgang finden als in Amerika und London, ist nicht anders zu erwarten. Du hast jetzt die stolze Position, von zwei Welten zugleich attackiert zu werden, was dem Napoleon nie passiert ist. Übrigens sind unsere Freunde in Deutschland Esel. Daß sie von bloßen Schimpfereien keine Notiz nehmen, als alle Vierteljahr zwei Worte über den Stand dieses sauberen Trade zu geben, ist ganz in Ordnung. Aber wenn es zu Verleumdungen kommt, wenn sich der demokratische Philister nicht mehr mit der einfachen Überzeugung begnügt, daß man das schwärzeste Ungeheuer ist, sondern wenn er anfängt, mit erlogenen und entstellten Tatsachen um sich zu werfen, dann wäre es wahrhaftig nicht zu viel, wenn einem die Herren das Dokument einschickten, damit man seine Maßregeln treffen kann. Aber der Deutsche glaubt genug getan zu haben, wenn er dergleichen Unsinn simplement _nicht glaubt_. Laß den Pieper deswegen an M[iquel] schreiben. Es ist nicht einmal nötig, daß man gleich antwortet, sondern wenn man des Zeugs ein paar Dutzend Stück hat, kann man einmal tüchtig losfahren und die Wanzen _d’un seul coup de pied_[1] ekrasieren. Was das angeht, daß sie uns den Aufenthalt in Deutschland unmöglich machen wollen – _laissons-leur ce plaisir_![2] Sie können die Neue Rheinische Zeitung, das Manifest und _tutte quante_ nicht aus der Geschichte herausstreichen, und all ihr Heulen hilft ihnen nichts. Die einzigen Leute, die uns in Deutschland gefährlich werden könnten, wären Meuchelmörder, und seit der Gottschalk tot ist, hat keiner in Deutschland die Courage, uns dergleichen Leute auf den Hals zu schicken.

_Et puis_,[3] haben wir uns nicht auch 1848 in Köln unsere Stellung erst erwerben müssen, und _lieben_ wird uns der demokratische rote oder selbst kommunistische Mob doch nie.

Ich freue mich, daß Du Ruhe hast bis jetzt vor den Ausstellungsleuten.

Ich kriege sie schon auf den Hals. Gestern waren zwei Kaufleute aus Lecco hier, der eine ein alter Bekannter von 1841. Die Österreicher wirtschaften schön in der Lombardei. Nach all den Kontributionen, wiederholten Zwangsanleihen, dreimal im Jahre immer wieder eingeforderten Steuern, kommt endlich Regelmäßigkeit hinein. Die mittleren Kaufleute in Lecco müssen 10 000 bis 24 000 Zwanziger (350 bis 700 Pfund) jährlich zahlen – an direkten regelmäßigen Steuern, alles _hard cash_.[4] Da mit dem nächsten Jahre die österreichischen Banknoten dort auch eingeführt werden sollen, will die Regierung vorher alles Metallgeld herausziehen. Dabei wird der hohe Adel – _i gran ricchi_[5] – und die Bauern verhältnismäßig _sehr geschont_ – _il medio liberale_,[6] die liberale Mittelklasse der Städte muß alles zahlen. Du siehst die Politik der Kerls. Daß bei diesem Drucke – in Lecco haben sie eine Erklärung unterzeichnet und an die Regierung geschickt, daß sie nicht mehr zahlen; daß man sie pfänden solle, daß sie aber, wenn dies System nicht aufhöre, alle auswandern würden, und mehrere sind bereits gepfändet –, daß dabei die Kerls auf Mazzini warten und erklären, es _müsse_ losgehen, weil sie es nicht länger aushalten könnten, _perché rovinati siamo e rovinati saremo in ogni caso_[7] – das begreift sich.

Dies erklärt manches in der Wut der Italiener, loszuschlagen. Diese Kerls hier sind alle Republikaner, und zwar lauter angesehene Bourgeois – der eine ist der erste Kaufmann in Lecco und zahlt selbst 2000 Zwanziger monatlich Steuern. Er wollte platterdings wissen, wann es losgehe, sie hatten es unter sich in Lecco – dem einzigen Orte, wo ich populär bin – ausgemacht, daß ich das aufs Haar wissen müßte.

Morgen den Wellington, an dem mich diese Kerls gehindert haben.

Dein F. E.

Dieser Brief ist mit Siegellack und unserem Firmasiegel _E. & E._ gesiegelt. Du wirst also sehen, ob er erbrochen.

---------- [1] Mit einem einzigen Fußtritt.

[2] Lassen wir ihnen das Vergnügen.

[3] Und dann.

[5] Die sehr Reichen.

[6] Die liberale Mittelschicht.

[7] Weil wir auf jeden Fall ruiniert sind und sein werden.

Lieber Engels!

Deinen Brief, der vorgestern ankam, erhielt ich zu spät, um ihn noch zu beantworten. Ich war nämlich schon auf dem Museum, ehe der _postman_ erschien, und kehrte erst um 7 Uhr abends nach Hause zurück. Gestern aber konnte ich Dir mit dem besten Willen nicht schreiben, da ich solche Unterleibsschwierigkeiten hatte, daß mir fast der Kopf sprang, wie dem Freiligrathschen Neger die Trommel.

Die vorige Konfusion kommt einfach daher, daß ich einem der beiden Bummler sofort auf Deinen ersten Brief ein Schreiben an Dich zur Besorgung an Dich auf die Post gab. Er hatte es verbummelt, und die paar Zeilen befanden sich noch gestern in seinem Portefeuille.

Was die _electricity_ angeht, so findet sich die Notiz darüber in dem Economist von 1845. Er enthält übrigens nichts, als was ich Dir mitgeteilt, mit der Erzählung, daß der Versuch mit dem größten Erfolg in Schottland gemacht. Er nennt sogar den Farmer.

Freiligrath kommt in diesen Tagen her.

Nun zu den Postgeschichten. Ich glaube, die Post ist unschuldig.

Wenigstens bin ich allein für die schlechte Form der Siegel verantwortlich. Das einzige, was mir ganz _alienum est_,[1] ist das: Manchester.

Hast Du gesehen in der Kölnischen Zeitung, wie Kinkel durch seine Frau jede Teilnahme an dem Manifest des starken „Provisorium“ ableugnet? Und wie er „eine schwere Krankheit“ sich an den Hals lügt, um das Interesse des deutschen Philisters zu steigern?

Durch die Intervention meines würdigen Schwager-Ministers ist wieder der Druck meiner Sachen, wie der Revue, ins Stocken geraten. Es scheint, daß Becker auf Schwierigkeiten in Verviers gestoßen ist.

In Frankreich scheint _Cavaignac_ reißend um sich zu greifen. Seine Wahl wäre die rationelle Lösung, würde aber die Revolution um Jahre aufschieben. Der Kongreß von Nikolaus, Friedrich Wilhelm und Habsburg hat ungefähr dieselbe Bedeutung wie der von General Haugh, Ruge und Ronge. Die Einkommensteuer war übrigens für den Augenblick das Klügste, was die Preußen tun konnten. – Was sagst Du von der portugiesischen Revolution?

Herr A. Goegg ist hier, wurde von Willich und Komp. sofort abgefangen und hielt Vorlesungen in der Windmill. Glückauf!

_Maintenant, mon cher_, lebe wohl. Von jetzt an wird die Korrespondenz wieder ordentlich ins Gleis kommen.

Dein K. M.

---------- [1] Fremdartig ist.

85 Manchester, Montag, 19. Mai 1851.

Lieber Marx!

Ich bin froh, daß mit den Briefen nichts vorgefallen ist, es ist immer besser so. Der hiesige Postmeister hat mir ebenfalls eine hinreichende Erklärung für den zu spät gekommenen Brief gegeben. Schreibe in Zukunft auf der Adresse die Straße und Nummer _über_ der Stadt, so daß Manchester ganz unten steht, die Postschreiber sind daran gewöhnt und haben, weil die Straße unten stand, in dem einen Brief das „Manchester“ übersehen und ihn als Londoner Stadtbrief nach London zurückgeschickt.

Das Neueste ist, daß Du vollständig enfonciert [vernichtet] bist. Du glaubst, die richtige Theorie der Grundrente entdeckt zu haben. Du glaubst, der erste zu sein, der die Ricardosche Theorie umwirft.

_Malheureux que tu es_,[1] Du bist überflügelt, vernichtet, geschlagen, assommiert. Die ganze Grundlage Deines _monumentum aere perennius_[2] ist zusammengebrochen. Höre: Herr Rodbertus hat soeben den dritten Band seiner „Sozialen Briefe an v. Kirchmann“ veröffentlicht – 18 Bogen.

Dieser Band enthält eine „vollständige Widerlegung der Ricardoschen Lehre von der Grundrente und die Darlegung einer neuen Rententheorie“.

Leipziger Illustrierte Zeitung von voriger Woche. Jetzt hast Du Dein Fett.

Die Bemühungen des großen Kinkel, aus der unrespektablen Gesellschaft, genannt europäisches Komitee, herauszukommen, ohne Gestank zu hinterlassen, sind sehr heiter. Du wirst im Samstags-Ind [unlesbar] gesehen haben, daß einige Heuldemokraten bei Elberfeld eine Versammlung und kleine _riots_[3] zustande gebracht haben und dabei diese Proklamation verteilt. Das ist zustande gebracht durch deutschkatholische Verbindungen von Ronge. Weder Kinkel noch sonst jemand vom Chor hätte dort etwas ausgerichtet.

Die Geschichte mit Cavaignac ist in jeder Beziehung fatal; wenn _Girardin_ von ihm sagt, daß er die meiste Chance hat, so muß es wahr sein. Außerdem sehen die Kerle immer mehr ein, daß die Revision unmöglich ist – auf legale Weise. Und die illegale ist ein Staatsstreich, und wer zuerst Staatsstreiche anfängt, der wird ekrasiert, sagt das Débats. Napoleon fängt an, _horriblement_[4] verschlossen zu werden. Changarnier ist vernichtet, vollständig pensioniert, die Fusion führt zu nichts unmittelbar Praktischem, so hübsch sie ist, _il n’y a que Cavaignac_.[5] Ob der Kerl die Revolution aufschöbe, wäre am Ende so gefährlich nicht; einige Jahre resoluter industrieller Entwicklung, die Überdauerung einer Krise und einer neuen Prosperitätsperiode könnte durchaus nicht schaden, besonders wenn sie von bürgerlichen Reformen in Frankreich usw. begleitet wäre. Aber Cavaignac und die bürgerliche Reform, das ist in Frankreich die Zollreform und die englische Allianz, und bei erster Gelegenheit der Krieg gegen die heilige Allianz, mit Englands Hilfe, mit gehöriger Zeit zu Rüstungen, mit einer lang vorbereiteten Invasion gegen Deutschland, und das könnte uns die Rheingrenze kosten, die ohnehin das beste Mittel ist, den Crapaudsozialismus mit einer Abschlagszahlung von Gloire zur Ruhe zu bringen.

Das Débats ist übrigens so herunter, daß es nur noch in der Aufrechterhaltung des neuen Wahlgesetzes die Rettung der Gesellschaft sieht.

Das Frankfurter Journal läßt sich aus Köln schreiben, den Flüchtlingen in London gehe es jetzt leidlich, mit Ausnahme derer in der Kaserne, unter denen auch Willich sei. Die Augsburger Allgemeine Zeitung glaubt wirklich, die Fremdenbill sei noch in Kraft, und sieht die Flüchtlinge – diese ewigen Juden des neunzehnten Jahrhunderts – mit der blassen Furcht vor dieser Bill in London zitternd herumschleichen.

Von der portugiesischen Revolution sage ich gar nichts. Bemerkenswert ist bloß, daß Saldanha als rein _persönlicher_ Insurgent, als _ôte-toi de là, Costa Cabral, que je m’y mette_,[6] absolut nichts ausrichtete, daß aber von dem Moment, wo er gezwungen war, sich an die liberalen Bürger von Oporto anzuschließen und in der Person des José Passos einen allmächtigen Repräsentanten dieser bürgerlichen Gewalt bei sich aufzunehmen, daß da die ganze Armee ihm zufiel. Die Stellung, die Passos erhält, und die nächste Entwicklung wird zeigen, ob Saldanha und die Königin die Bürger nicht gleich wieder zu prellen suchen. Lissabon ist nichts, Oporto ist das Zentrum der konstitutionellen Bürger, der Manchesterschule von Portugal.

Sei froh, daß Herr Goegg nicht zu Dir gekommen ist. _Le diable emporte toutes ces médiocrités gonflées._[7] Dein F. E.

---------- [1] Unglücklicher, der Du bist.

[2] Denkmal dauernder als Erz.

[3] Aufruhrszenen.

[4] Schauerlich.

[5] Es ist nur Cavaignac da.

[6] Steh’ auf da, Costa Cabral, damit ich mich dorthin setze.

[7] Der Teufel hole alle diese aufgeblasenen Mittelmäßigkeiten.

Lieber Engels!

Freiligrath ist hier und läßt Dich grüßen. Er ist hier, um sich nach einer Stelle umzusehen. Wenn er keine findet, will er nach Amerika.

Er hat ganz gute Nachrichten aus Deutschland mitgebracht. Die Kölner sind sehr tätig. Ihre Agenten reisen seit September. Sie haben in Berlin zwei ganz gute Repräsentanten, und da die Demokraten beständig in Köln sich Rats erholen kommen, so paralysieren sie die anderen Herren beständig. So waren die Braunschweiger drauf und dran, dem Schimmelpfennig 2000 Taler für das Londoner Komitee (Soziales) zu geben.

Vorher aber schickte sie Dr. Lucius nach Köln, und so fiel die Sache ins Wasser.

Kinkel ist sehr diskreditiert in der Rheinprovinz, speziell in Bonn. Das dortige Komitee hatte der Johanna 200 Pfund geschickt. Aber schon nach zwei Wochen verlangte sie Fortsetzung. Das mißfiel sehr den Spießbürgern.

Die Kölner werden in einigen Wochen einen kommunistischen Kongreß abhalten.

Sigel, der Obergeneral, ist hier und in die Windmillstreet eingetreten.

Auch eine Nummer des Kosmos ist erschienen von General Haugh. Enthält Reklamen für Willich, Kinkel und Göhringer. Die verschiedenen Banden fallen immer mehr zusammen. Ich habe eine aufgedunsenere und selbstgefälligere Abgeschmacktheit weder gesehen noch gehört.

Das Ganze ist belletristisch-quartaner-idiotisch geschrieben und mit einer selbstgefälligen Dummheit, die ihresgleichen in den Annalen der Weltgeschichte sucht. Dazu mit einem Mangel an allem Talent, der unerhört ist. Doch ich muß suchen, Dir ein Exemplar von diesem Bettel aufzutreiben.

Die Wanze Meyen läuft hier sehr geschäftig umher und teilt jedem, der es hören will, das Geheimnis mit, daß Marx und Engels allen Anhang und allen Einfluß in Deutschland verloren haben. Fürchterlicher Meyen!

Um Dir übrigens ein Beispiel von der schamlosen Zudringlichkeit dieser Patrone, von ihrem schäbigen Bettlertum zu geben: Vorigen Sonntag war ich in Johnstreet, wo der alte Owen an seinem 80.

Geburtstag eine Vorlesung hielt. Trotz seiner fixen Ideen war der Alte ironisch und liebenswürdig. Einer der Trabanten des Kosmos, nachdem der alte Herr geendet hatte, drängt sich an ihn heran und drückt ihm den Kosmos in die Hand mit der Erklärung, das Blatt enthalte seine Prinzipien. Und der Alte empfiehlt es wirklich dem Publikum. _C’est par trop drôle!_[1] Ich konnte den Abend übrigens nicht vermeiden, wieder mit Harney zu sprechen, der halb angerissen und sehr zuschauerlich auf mich zukam und sich nach Dir erkundigte.

Willichs Bettelgeschäfte gehen ganz gut. Er hat, als die schleswig-holsteinischen Flüchtlinge herkamen, über 200 Pfund von den Girardin sagt zwar, Cavaignac sei jetzt der einzig ernsthafte Kandidat der _parti de l’ordre_,[3] der Bourgeoismasse. Er selbst aber greift ihn und Changarnier wütend an, und seine Polemik erinnert wieder an die besten Zeiten seines Kampfes gegen den National. Dieser Kerl macht größere Agitation in Frankreich, als die ganze Bande der Montagnards und Roten zusammengenommen. Bonaparte scheint _hors de question_.[4] Indes, wenn die royalistische Majorität der Nationalversammlung die Konstitution wieder verletzt und mit einfacher Majorität die Revision der Verfassung beschließt, wird sie doch am Ende gezwungen sein – da sie dann allen legalen Halt verliert –, mit Bonaparte als dem Inhaber der exekutiven Gewalt einen Kompromiß abzuschließen. Es könnte in diesem Falle vielleicht zu ernstlichen Kollisionen kommen, da Cavaignac schwerlich die Gelegenheit sich noch einmal vor dem Maule wegfischen lassen wird.

Bald wird die ganze Neue Rheinische Zeitung hier sein. Ich wundere mich über das Ausbleiben von Lupus. Wenn ihm nur kein Pech arriviert ist.

Ich sitze jetzt immer von morgens 10 bis abends 7 auf der Bibliothek und verspare die Industrieausstellung bis auf Deine Ankunft.

Hast Du die falsche und echte Epistel Mazzinis im Débats gelesen?

Dein K. M.

Musch [Marx’ Sohn Edgar] grüßt den „Friedrich Engels“.

Apropos. Willich und Schimmelpfennig haben an „ihre Brüder in der preußischen Armee“ den unvermeidlichen Aufruf erlassen.

---------- [1] Das ist schon zu komisch.

[2] Kaufleute der [Londoner] City.

[3] Ordnungspartei.

[4] Außer Frage.

Lieber Marx!

Ich habe mit Vergnügen aus den Blättern ersehen, daß die Neue Rheinische Zeitung in Deiner Person auch auf dem Soyerschen Allerweltspreß-Symposium vertreten war. Mögen Dir die _homards à la Washington_[1] und der _champagne frappé_[2] geschmeckt haben. Wie aber Mr. Soyer Deine Adresse aufgefunden hat, ist mir ein Geheimnis.

Weißt Du, was aus dem versoffenen Laroche aus der Great Windmillstreet geworden ist? Derselbe ist, wie deutsche Blätter melden, abgefangen und in Berlin zum Tode verurteilt worden. Es stellt sich heraus, daß dieser angebliche ehemalige preußische Husarenleutnant niemand anders ist als der Schuhmacher August Friedrich Gottlieb Lehmann aus Treibel bei Sohrau in der oberschlesischen Wasserpolackei, Wehrmann ersten Aufgebots, durch Urteil vom 23. März 1842 wegen Desertation in Friedenszeit, Fälschung und unerlaubten Schuldenmachens zu den militärischen Ehrenstrafen und sechzehnmonatiger Einstellung in eine Strafsektion verurteilt. Ein neuer Beitrag zur Aufklärung über unsere Revolutionshelden.

Daß die großen Krieger, Willich, Schimmelpfennig und Sigel, sich mehr und mehr zusammenfinden, ist ganz gut. Dies Soldatenpack hat einen unbegreiflich schmutzigen _Esprit de corps_.[3] Sie hassen sich untereinander _à mort_,[4] beneiden sich gegenseitig wie Schuljungen die kleinste Auszeichnung, aber gegen Leute vom „Zivil“ sind sie alle einig.

Akkurat, nur in zwerghaft karikiertem Maßstab, wie in den ersten französischen Armeen von 1792/93. Die Windmillstreet-Gesellschaft sehen sie alle für ein Bataillon an, das fix und fertig und geschlossen herübermarschieren wird; es ist das einzig übrige, seit die in der Schweiz gesprengt und fortexpediert sind. Kein Wunder, daß sie sich alle an dieses edle Korps anhängen. Es ist sehr gut, daß man schon jetzt auf diesen Offizierkorpsgeist aus der alten Kaserne und von der Offizierstafel her aufmerksam gemacht wird, und daß man schon jetzt sieht, wie diese Cliquenwirtschaft unter dem emigrierten Offiziersmaterial ebensosehr herrscht wie im herrlichen Kriegsheer. Wir wollen diesen Herren seinerzeit schon zeigen, was „das Zivil“ zu bedeuten hat. Aber dergleichen Geschichten zeigen mir, daß ich gar nichts Besseres tun kann, als meine militärischen Studien fortzusetzen, damit wenigstens Einer vom „Zivil“ ihnen theoretisch die Stange halten kann. Jedenfalls will ich’s dahin bringen, daß solche Tröpfe mich nicht niederschwatzen sollen. Daß sie übrigens um 2000 Taler geprellt worden sind, ist sehr erfreulich. Die Nachrichten aus Köln sind sehr angenehm, die Leute dort mögen sich nur in acht nehmen.

Daß Girardin den Cavaignac nicht unterstützt, ging schon aus den englischen Blättern hervor. Aber daß er das Faktum konstatiert, daß Cavaignacs Chancen so flott stehen, reicht hin, um die Situation zu charakterisieren. Wenn die Chance sich realisieren sollte, von der Du sprichst, daß die Majorität und Bonaparte einen Vertrag schlössen und die illegale Revision durchzuführen suchten, so geht’s schief, glaube ich. Das setzen sie nie durch, solange Thiers, Changarnier und das Débats nebst ihren respektiven Schwänzen dagegen sind. Die Chance für Cavaignac wäre zu schön; und in diesem Falle, glaube ich, könnte er auf die Armee rechnen.

Gibt es Krawall im nächsten Jahre, so ist Deutschland in einer verfluchten Lage. Frankreich, Italien und Polen sind bei seiner Zerstücklung interessiert. Mazzini hat sogar, wie Du gesehen hast, den Tschechen Rehabilitierung versprochen. Außer Ungarn hätte Deutschland nur einen möglichen Bundesgenossen, Rußland – vorausgesetzt, daß dort eine Bauernrevolution durchgeführt worden ist. Sonst kriegen wir eine _guerre à mort_[5] mit unseren edlen Freunden nach allen vier Winden hin, und es ist sehr fraglich, wie diese Geschichte enden wird.

Je mehr ich über die Geschichte nachdenke, je klarer wird es mir, daß die Polen eine _nation fondue_[6] sind, die nur so lange als Mittel zu brauchen sind, bis Rußland selbst in die agrarische Revolution hineingerissen ist. Von dem Moment an hat Polen absolut keine _raison d’être_[7] mehr. Die Polen haben nie etwas anderes in der Geschichte getan, als tapfere krakeelsüchtige Dummheit gespielt. Auch nicht ein einziger Moment ist anzugeben, wo Polen, selbst nur gegen Rußland, den Fortschritt mit Erfolg repräsentierte oder irgend etwas von historischer Bedeutung tat. Rußland dagegen ist wirklich progressiv gegen den Osten.

Die russische Herrschaft mit all ihrer Gemeinheit, all ihrem slawischen Schmutz ist zivilisierend für das Schwarze und Kaspische Meer und Zentralasien, für Baschkiren und Tataren, und Rußland hat viel mehr Bildungselemente und besonders industrielle Elemente aufgenommen, als das seiner ganzen Natur nach chevaleresk-bärenhäuternde Polen. Schon daß der russische Adel fabriziert, schachert, prellt, sich korrumpieren läßt und alle möglichen christlichen und jüdischen Geschäfte macht, vom Kaiser und Fürst Demidoff bis herab zum lausigsten Bojaren vierzehnter Klasse, der nur _blagarodno_ (wohlgeboren) ist, schon das ist ein Vorzug. Polen hat nie fremde Elemente nationalisieren können. Die Deutschen der Städte sind und bleiben Deutsche. Wie Rußland Deutsche und Juden zu russifizieren versteht, davon ist jeder Deutschrusse aus zweiter Generation ein sprechendes Exempel. Selbst die Juden bekommen dort slawische Backenknochen.

Von der „Unsterblichkeit“ Polens liefern Napoleons Kriege 1807 und 1812 schlagende Exempel. Unsterblich war bei den Polen bloß ihre Krakeelerei ohne allen Gegenstand. Dazu kommt, daß der größte Teil von Polen, das sogenannte Westrußland, das heißt Bjelostock, Grodno, Wilna, Smolensk, Minsk, Mohilew, Volhynien und Podolien, sich mit geringen Ausnahmen seit 1772 ruhig hat von den Russen beherrschen lassen, _ils n’ont pas bougé_,[8] mit Ausnahme von ein paar Bürgern und Edelleuten hier und da.

Ein Viertel von Polen spricht Litauisch, ein Viertel Ruthenisch, ein kleiner Teil Halbrussisch und der eigentliche polnische Teil ist zu voll einem Drittel germanisiert.

Glücklicherweise haben wir in der Neuen Rheinischen Zeitung keine positiven Verpflichtungen gegen die Polen übernommen, als die unvermeidliche der Wiederherstellung mit suitabler Grenze – und auch die noch unter der Bedingung der agrarischen Revolution. Ich bin sicher, daß diese Revolution in Rußland eher vollständig zustande kommt als in Polen, wegen des Nationalcharakters und wegen der entwickelteren Bourgeoiselemente in Rußland. Was ist Warschau und Krakau gegen Petersburg, Moskau, Odessa usw. usw.!

Resultat: Den Polen im Westen abnehmen, was man kann, ihre Festungen unter dem Vorwand des Schutzes mit Deutschen okkupieren, besonders Posen, sie wirtschaften lassen, sie ins Feuer schicken, ihr Land ausfressen, sie mit der Aussicht auf Riga und Odessa abspeisen, und im Falle die Russen in Bewegung zu bringen sind, sich mit diesen alliieren und die Polen zwingen, nachzugeben. Jeder Zoll, den wir an der Grenze von Memel bis Krakau den Polen nachgeben, ruiniert diese ohnehin schon miserabel schwache Grenze militärisch vollständig und legt die ganze Ostseeküste bis nach Stettin bloß.

Ich bin übrigens überzeugt, daß bei dem nächsten Krawall die ganze polnische Insurrektion sich auf Posener und galizische Adlige nebst einigen Zuläufern aus dem Königreich beschränken wird, und daß die Prätensionen dieser Ritter, wenn sie nicht von Franzosen, Italienern, Skandinaviern usw. usw. unterstützt und durch tschechoslawische Krawalle verstärkt werden, an der Erbärmlichkeit ihrer Leistungen scheitern werden. Eine Nation, die 20 000 bis 30 000 Mann höchstens stellt, hat nicht mitzusprechen. Und viel mehr stellt Polen gewiß nicht.

Grüße Freiligrath, wenn Du ihn siehst, und Deine Familie, den Bürger Musch nicht zu vergessen. Ich komme zirka acht Tage später nach London, als ich dachte; die Geschichte hängt von vielen kleinen Lumpereien ab.

Dein F. E.

---------- [2] Champagner in Eis.

[3] Korpsgeist.

[4] Auf den Tod.

[5] Krieg auf Tod und Leben.

[6] Aufgelöste Nation.

[7] Existenzberechtigung.

[8] Sie haben nicht gemuckt.

88 28. Mai 1851.

Lieber Engels!

Das Nichtantworten von Daniels (dem ich übrigens morgen wieder einen Brief zukommen lasse, wenn ich nicht noch heute einen erhalte) hat sehr verdrießliche Gründe. Nothjung ist in Leipzig am Bahnhof verhaftet worden. Was man an Papieren gefunden hat, weiß ich natürlich nicht.

Darauf wurden (oder auch gleichzeitig, ich weiß das nicht) Becker und Röser in Köln verhaftet und gehaussucht (ebenso letzteres bei Bürgers.

Dieser ist in Berlin, steckbrieflich verfolgt und wird wohl bald hier eintreffen).

Diese Maßregeln der Polizei gegen die Emissäre usw. verdanken wir ganz und gar dem elenden Geschrei der Esel in London. Diese Blasebälge wissen, daß sie weder konspirieren, noch einen wirklichen Zweck verfolgen, noch eine Organisation in Deutschland hinter sich haben. Sie wollen nichts als gefährlich _scheinen_ und die Zeitungstretmühle in Rotation setzen. So hindern und gefährden die Canaillen die wirkliche Bewegung und setzen die Polizei auf das _Qui vive_.[1] Hat je eine solche Partei existiert, deren eingestandener Zweck die reine Renommisterei ist?

Freiligrath ist instinktmäßig zur rechten Zeit abgereist, um nicht gefaßt zu werden. Kaum hier, so wurden ihm Schlingen von allen Emigrationscliquen, philanthropischen Kinkelfreunden, ästhetelnden Howitts usf. gelegt, um ihn für die Koterie einzufangen. Er hat allen solchen Versuchen sehr grob geantwortet, daß er zur Rheinischen Zeitung gehöre und mit der kosmopolitischen Brühe nichts zu tun habe und nur mit dem „Dr. Marx und seinen intimsten Freunden“ verkehre.

Vorher noch _un mot_[2] über den Zustand in Frankreich.

Ich überzeuge mich _de plus en plus_,[3] daß trotz alledem und alledem die Chancen Napoleons von allen Kandidaten einstweilen noch die besten sind. Man wird _en principe_[4] die Revision beschließen, aber _en pratique_[5] sich mit der Revision des auf den Präsidenten bezüglichen Artikels besch[schränken]. Sollte die Minorität zu viel Lärm machen, so faßt man einen einfachen Majoritätsbeschluß, wodurch man die Auflösung der Nationalversammlung und die Einberufung einer neuen beschließt, die dann unter _auspiciis Faucheri_,[6] des Telegraphen und des Gesetzes vom 31. Mai vor sich gehen wird. Die Bürger würden Cavaignac vorziehen; aber die Gefahr, mit dem _status quo_ durch eine radikale Neuwahl zu brechen, ist ihnen zu bedenklich. Schon jetzt haben eine Masse Fabrikanten ihre _hands_[7] gezwungen, Petitionen für Revision der Verfassung und Verlängerung der Präsidentengewalt zu unterhauen. _En tout cas_[8] muß die Sache sich bald entscheiden, und _nous verrons_![9] Der Kosmos hat also mit Glanz Fiasko gemacht.

---------- [1] Wer da!

[2] Ein Wort.

[3] Mehr und mehr.

[4] Im Prinzip.

[5] In der Wirklichkeit.

[6] Unter der Leitung [des Ministers] Faucher.

[7] Arbeiter.

[8] Auf jeden Fall.

[9] Wir werden sehen.

[10] Lebewohl und bleibe mir gut.

89 Dienstag [undatiert], Ende Mai 1851.

Lieber Marx!

Am Samstag komme ich nach London, wenn nichts dazwischen kommt.

Meine Befürchtungen wegen der Kölner haben sich, scheint es, nur zu rasch realisiert; die Verhaftung des roten Becker und Rösers wegen Hochverrat und Versuch zum Umsturz der Verfassung, sowie der Versuch zur Verhaftung des stillen Heinrich [Bürgers] sind offenbar nicht ohne Beziehung auf die B[undes]geschichte. Glücklicherweise hat man, wie das Frankfurter Journal sagt, absolut keine Papiere bei den Verhafteten gefunden – ob bei B[ürgers], wird nicht gesagt. Heinrich wird nun wohl auch zur Komplettierung der Neuen Rheinischen Zeitung nach London kommen. Die Geschichte kann unangenehm werden, wenn die Kerle sich dumm benommen haben.

Dein F. E.

90 16. Juni 1851.

Lieber Engels!

Bei Daniels ist Haussuchung und er verhaftet worden. Ich glaube nicht, daß man irgend etwas bei ihm gefunden hat.

Heute morgen erhielt ich einen Brief, offenbar von Daniels’ Handschrift aber ohne Namensunterschrift, worin man mir das obige Faktum mitteilt und mich zugleich auffordert, alle Briefe beiseite zu bringen, da man aus *sicherer* (im Original so) Quelle wisse, daß auch hier in England Haussuchungen stattfinden würden.

Ob das gesetzlich möglich ist, weiß ich nicht. Jedenfalls werde ich alles beiseite bringen. Auch Du wirst gut tun, wenn Du sämtliche Briefe – die irrelevanten verbrennst und die anderen, die irgend _data_ und dergleichen enthalten, bei der Mary oder eurem Kommis versiegelt placierst.

Bei dem Jacoby hat man wahrscheinlich eine Empfehlung von Daniels gefunden.

Ich habe heute gleichzeitig durch einen Kaufmann einen Brief von Weydemeyer erhalten, der sich bei Frankfurt versteckt hält. Ich lege Dir diesen Brief bei. Weißt Du vielleicht die exakte Zahl, die Weydemeyer wissen will, zwischen dem Verhältnis des inneren und auswärtigen Handels Englands? Die Sache hat sich in der letzten Zeit bedeutend verändert.

Salut!

Dein K. Marx.

91 27. Juni 1851.

Lieber Marx!

Es ist sehr _bonasse_[1] von der braven sächsischen Polizei, daß sie uns allerhöchst selbst von dem unterrichtet, was wir bisher nicht wußten oder erfahren konnten. Bürgers’ didaktisch-würdevolles Rundschreiben mit