SigPhi · Karl Marx

Der Briefwechsel zwischen Friedrich Engels und Karl Marx 1844 bis 1883, Erster B

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Adresse Steinthal einen Brief von mir vorfinden, darin ein anderer an Schneider II liegt, _den Ihr sofort besorgen müßt_. Die Sache ist von der äußersten Wichtigkeit und keinen Augenblick aufzuschieben. Ich ersuche Euch daher, nicht an Euer gewöhnliches Tagewerk zu gehen, bis Ihr die Sache gelesen und expediert habt.

Dein K. M.

Lieber Frederic!

Du begreifst, daß ich bei sehr brouilliertem [mißlichem] Familienwesen erst jetzt einige Zeilen an Dich richte.

Du erinnerst Dich, daß der Pieper in seinem letzten Briefe schrieb, der Kontrakt über meinen Anti-Proudhon sei dem Abschluß nahe. Aus seinem einliegenden Briefe wirst Du ersehen, daß _dieses Manuskript_ gar nicht mehr erwähnt wird. Das ist dieselbe Weise, worin unsere lieben Getreuen mich seit sechs Monaten hinhalten. Andererseits hat Ebner mir geschrieben, Löwenthal wolle den Versuch mit einem Bande machen, erwähnte aber nicht, daß ich mit der „Geschichte der Ökonomie“ anfangen solle. Dies wäre ein Umwerfen meines ganzen Planes. Ferner schrieb Ebner, daß Löwenthal nur „niedrig“ zahlen könne. Dies lasse ich mir gefallen, wenn er das herausgibt, was ich zunächst herausgeben will.

Zwingt er mich aber, meinen ganzen Plan zu verderben, so muß er mir auch so zahlen, als wenn ich direkt in seinem Auftrag schriebe. Indes, ich lasse einstweilen den Ebner gewähren. Er hat mir mitgeteilt, daß er nicht abschließen wird ohne meine Genehmigung. _Qu’en penses-tu?_[1] – – Eccarius’ Bruder ist hier angekommen. Er und sämtliche übrige in Hamburg inhaftierte Straubinger sind mit einem Laufpaß freigegeben worden. Daß Haupt ursprünglich nicht die Absicht hatte, zu verraten, geht aus folgendem hervor: Bürgers Brief an ihn fiel in die Hände seines Alten, der ihn darüber zur Rede stellte und ihn der Polizei ausliefern wollte.

Letzteres verhinderte er, zerriß ihn und brachte nachher die Stücke Eccarius usw., um sie erst zusammenzusetzen und zu lesen und dann in deren Gegenwart zu verbrennen. Dieses Faktum ist wichtig. Der Familiendruck hat den _unglücklichen_ Kerl ruiniert.

Vor einigen Tagen las ich in der Bibliothek Herrn Proudhons Elukubrationen über die _gratuité du crédit_[2] gegen Bastiat. Dies übertrifft an Charlatanerie, Poltronnerie, Tapagerie und Schwäche alles, was der Mann geleistet hat. _Exempli gratia:_[3] Die Franzosen glauben, im Durchschnitt 5 bis 6 Prozent Zinsen zu zahlen. Sie zahlen 100 Prozent. _Comment donc?_[4] Nämlich so. Die Zinsen auf die hypothekarund chirographische Staats- usw. Schuld beträgt 1600 Millionen. Nun existiert aber in Frankreich nur eine Milliarde Kapital in Gold und Silber. Also _q. e. d._[5] Anderes Beispiel: Als die _Banque de France_ errichtet wurde, betrug ihr Kapital 90 Millionen. Damals, auf diese Summe, gestattete ihr das Gesetz, 5 Prozent zu nehmen. Sie operiert jetzt (Depositen usw. eingerechnet) auf ein Kapital von 450 bis 460 Millionen, wovon drei Viertel nicht ihr, sondern dem _public_ gehören.

Wenn also die Bank (90 zu 450 = 1: 5) statt 5 nur 1 Prozent nimmt, so erhält sie den legitimen Profit. Und weil die _Banque de France_ im Notfall (2) mit 1 Prozent sich begnügen könnte (das heißt die _Aktionäre_), darum kann der Zinsfuß für _Frankreich_ auf 1 Prozent herabgesetzt werden. Und 1 Prozent _c’est la presque gratuité du crédit_.[6] Dabei solltest Du sehen, wie der Kerl dem Bastiat gegenüber mit der Ich habe hier Deine Kritik noch einmal durchgelesen. Es ist schade, _qu’il n’y a pas moyen_,[8] sie drucken zu lassen. Wenn ich noch meinen Senf hinzugetan, könnte sie sonst unter unserem Doppelnamen erscheinen, vorausgesetzt, daß dies Deiner Handelsfirma kein Ärgernis gäbe.

Kossuth reiste, wie Du weißt, am 20. ab, aber, was Du noch nicht weißt, begleitet von Lola Montez und _caballero_[9] Göhringer.

Dein K. M.

---------- [1] Was denkst Du darüber?

[2] Unentgeltlichkeit des Kredits.

[3] Zum Beispiel.

[4] Wie also?

[5] _Quod erat demonstrandum_ – was zu beweisen war.

[6] Das ist beinahe die Unentgeltlichkeit des Kredits.

[7] Hegelschen Dialektik.

[8] Daß es kein Mittel gibt.

[9] Ritter, Kavalier.

Lieber Marx!

Meine paar Zeilen von vorgestern wirst Du erhalten haben. Wenn Weerth das Nötige nicht gleich auftreiben kann, so will ich sehen, daß ich übermorgen oder spätestens Montag die Sache ins reine bringe. Im Notfall wirst Du jedenfalls die Geschichte bis Dienstag hinhalten können.

Inliegend den Brief von Meister Pieper zurück. Der Heine scheint ihm sehr gelegen zu kommen, um die anstandsgemäßen vier Seiten voll zu machen. Ich hoffe, Du wirst ihm wegen des Proudhon einen zur Tatkraft anspornenden Brief geschrieben haben, denn wenn er erst wieder hier ist, so hörst und siehst Du vom Manuskript für die erste Zeit kein Wort mehr.

Wegen Löwenthal widersprechen sich Pieper und Ebner sehr, jedenfalls ist aber dem letzteren mehr zu trauen. Ich glaube, was das Anfangen mit der Geschichte der Ökonomie betrifft, wovon Pieper spricht, daß wenn Löwenthal dies wirklich vor hat, Ebner ihm am besten Schwierigkeit macht; es ginge nicht, Deinen ganzen Plan umzuwerfen, Du habest schon angefangen, die Kritik auszuarbeiten usw. Sollte es aber nicht anders gehen, so müßte Löwenthal eben sich für zwei Bände verpflichten, und Du würdest diesen Raum auch nötig haben, teils wegen des zu antizipierenden Kritischen, teils um die Geschichte bei dem am Ende doch keinenfalls für Londoner Kostenpreise berechneten Honorar für Dich einigermaßen rentabel zu machen. Dann kämen als dritter Band die Sozialisten und als vierter die Kritik – _ce qu’il en resterait_[1] – und das vielberühmte „Positive“, das, was Du „eigentlich“ willst. Die Sache hat in dieser Form ihre Schwierigkeiten, aber sie hat den Vorzug, daß man das vielverlangte Geheimnis erst ganz am Schlusse sagt, und erst nachdem die Neugier des Bürgers durch drei Bände hindurch in Atem gehalten wird, ihm enthüllt, daß man keine Morrisonpillen fabriziert. Für Leute von einigem Verstand werden die Andeutungen der ersten Bände, der Anti-Proudhon, das Manifest genügen, um sie auf die richtige Fährte zu leiten; der Kaufund Lesemob wird sich für die Geschichte usw. nicht mehr interessieren, wenn er das große Mysterium schon im ersten Bande enthüllt bekommen hat; er hat, wie Hegel in der Phänomenologie sagt, „Die Vorrede“ gelesen, und da steht ja das Allgemeine drin.

Du tust gewiß am besten, mit Anstand, aber bei irgend akzeptablen Bedingungen jedenfalls mit Löwenthal abzuschließen und das Eisen zu schmieden, weil es warm ist.

Die Hauptsache ist, daß Du erst wieder mit einem dicken Buche vor dem Publikum debütierst, und am besten mit dem unverfänglichsten, der Historie. Die mittelmäßigen und lausigen Literaten Deutschlands wissen sehr gut, daß sie ruiniert wären, wenn sie nicht zwei- bis dreimal des Jahres mit irgend einem Schund vor dem Publikum erschienen. Ihre Zähigkeit hilft ihnen durch; obwohl ihre Bücher wenig oder nur mittelmäßig ziehen, glauben schließlich doch die Buchhändler, sie müßten große Männer sein, weil sie in jedem Meßkatalog ein paarmal vorkommen.

Dann ist es auch platterdings nötig, daß der Bann gebrochen wird, der durch Deine lange Abwesenheit vom deutschen Büchermarkt und durch die spätere Angstmichelei der Buchhändler entstanden ist. Ist einmal erst ein oder zwei Bände lehrreicher, gelehrter, gründlicher und zugleich interessanter Sachen von Dir erschienen, _alors c’est tout autre chose_,[2] und Du pfeifst den Buchhändlern was, wenn sie niedrig bieten.

Es kommt noch das dazu, daß Du diese _Geschichte_ nur in London machen kannst, während Du Sozialisten und Kritik überall machen kannst. Es wäre also gut, wenn Du die Gelegenheit jetzt noch benutztest, ehe die Crapauds irgend einen Blödsinn machen und uns wieder auf das _theatrum mundi_[3] versetzen.

Die New Yorker Schnellpost kommt morgen. – – Je mehr ich mir die Sache überlege, desto praktischer erscheint mir das Anfangen mit dem Historischen. _Sois donc un peu commerçant, cette fois!_[4] Was meine Proudhon-Glossen angeht, so sind sie zu unbedeutend, als daß damit viel anzufangen wäre. Es würde wieder gehen wie bei der Kritischen Kritik, wo ich auch ein paar Bogen schrieb, weil auf eine Broschüre gerechnet wurde, und Du ein gründliches Buch von zwanzig Bogen daraus machtest, worin meine Wenigkeit sich sehr komisch ausnahm. Du würdest doch wieder so viel dazu tun, daß mein Anteil, ohnehin nicht der Rede wert, ganz vor Deiner schweren Artillerie verschwände. Sonst hätte ich nichts dagegen, als daß Deine Historie mit Löwenthal viel wichtiger und dringender ist.

Dein F. E.

---------- [1] Soviel davon übrig bleibt.

[2] Dann ist’s eine ganz andere Sache.

[3] Weltbühne.

[4] Sei doch diesmal ein wenig Geschäftsmann.

Lieber Engels!

Ich lege Dir hier ein: 1. Auszug des Briefes von Cluß (aus Washington) an Wolff; 2. Brief von Pieper aus Brüssel.

_Ad_ Nr. 1 hat Lupus vergessen, zwei Data noch auszuziehen, die Dir nicht uninteressant sein werden. _Erstens_: Der Artikel „Revolution und Konterrevolution in Deutschland“ ist _deutsch_ in der New Yorker Abendzeitung erschienen, in verschiedene Blätter übergegangen und hat Furore gemacht. Cluß schreibt nicht, ob dies Übersetzung aus der Tribune ist oder nicht. Ich habe deswegen direkt an Dana geschrieben.

_Zweitens_: Herr Wiß, das Hauptinstrument Kinkels, hat öffentlich erklärt, daß er „ökonomisch“ unsere Ansichten teile. Du siehst, wie sie operieren.

Was Herrn Tupman [Pieper] betrifft, so erwähnt er weder unseren Brief aus Manchester, noch einen späteren Brief, den ich ihm von hier aus durch meine Frau schreiben ließ.

Was aber nun die _Kölner_ betrifft, so ist es System der gemeinen Emigrationsschweine, die ihre Rüssel in der ganzen Preßkloake haben, gegen diese Sache _la conspiration du silence_[1] zu beobachten, um nur ja ihrer eigenen Wichtigkeit keinen Abbruch zu tun. Dem muß jetzt entgegengewirkt werden. Ich habe Briefe heute nach Paris geschickt gegen die preußische Justiz, um die Sache in die dortige Presse zu bringen.

Lupus hat die Artikel für Amerika und Schweiz übernommen.

_Maintenant_[2] mußt Du mir eine englische Geschichte schmieden, nebst einem Privatbrief an den Editor[3] der Times, wohin die Sache versuchsweise geschickt werden muß. Wenn die Times, die jetzt ihre Popularität wieder aufzufrischen sucht und sich sicher geschmeichelt findet, wenn sie als einzig einflußreiches Journal auf dem Kontinent behandelt wird, die ohnehin preußenfeindlich ist, wenn die Times sich der Sache annähme, könnte man nach Deutschland hin wirken. Hervorzuheben wäre die Lage des Justizwesens überhaupt in Preußen.

Gelingt dieser Versuch nicht, der auf keinen Fall schadet, so schreibst Du von Manchester direkt an den Sun. Erhält er die Sache _vor_ der Times, so würde diese sie auf keinen Fall mehr annehmen. – E. Jones hat Kossuth – mit Benutzung meines Briefes – _sans miséricorde_[4] angegriffen. „_I tell him, that the revolutions of Europe mean the crusade of labour against capital, and I tell him they are not to be cut down to the intellectual and social standard of an obscure semibarbarous people, like the Magyars, still standing in the halfcivilisation of the 16th century, who actually presume to dictate to the great enlightenment of Germany and France, and to gain a false won cheer from the gullibility of England._“[5] Apropos. Ich hätte bald ein Wichtiges in der Chronique scandaleuse vergessen. Stechan, Hirsch, Gümpel usw., kurz, die aus Deutschland gekommenen Arbeiter haben sich bei mir ansagen lassen. Ich werde sie heute empfangen. Sie haben sich schon bedeutend mit Schapper und Willich überworfen. Stechan hat offen den Dietz als Spion denunziert vor dem Arbeiterverein, und obgleich einige Stimmen schrien, er sei Agent von Marx, dennoch die Niedersetzung einer Kommission bewirkt, worin aber die Freunde und Protektoren des Dietz-Schapper und Willich die Hauptrolle spielen. Durch diese Leute werde ich jedenfalls neue Krisen in der elenden...Herberge hervorrufen.

Gleichzeitig zeige ich Dir den Empfang der drei Pfund an.

Salut.

Dein K. M.

---------- [1] Die Verschwörung des Totschweigens.

[2] Jetzt.

[3] Schriftleiter.

[4] Erbarmungslos.

[5] „Ich erkläre ihm, daß die europäischen Revolutionen den Kreuzzug der Arbeit gegen das Kapital bedeuten, und ich erkläre ihm, daß sie nicht auf das geistige und soziale Niveau eines obskuren, halbbarbarischen Volkes, wie die Magyaren, heruntergedrückt werden können, die noch in der Halbzivilisation des sechzehnten Jahrhunderts stecken und sich tatsächlich einbilden, [sie könnten] die große Erleuchtung Deutschlands und Frankreichs kommandieren und der Leichtgläubigkeit Englands ein erschwindeltes Hoch ablocken.“ 127 3. Dezember 1851.

[Engels an Marx, ohne Überschrift.]

„_Représentants de la France, délibérez en paix!_“[1] Und wo sollten die Herren ruhiger deliberieren können als in der Kaserne d’Orsay, gehütet von einem Bataillon _chasseurs de Vincennes_![2] Die Geschichte Frankreichs ist in das Stadium der vollendetsten Komik eingetreten. Kann man sich etwas Heitereres denken als diese mitten im Frieden mit malkontenten Soldaten vom unbedeutendsten Menschen der ganzen Welt ohne allen Widerstand, soweit man bis jetzt urteilen kann, durchgeführte Travestie des 18. Brumaire. Und wie schön alle die alten Esel abgefangen sind! Der schlauste Fuchs von ganz Frankreich, der alte Thiers, der geriebenste Advokat des Barreaus, Herr Dupin, gefangen in der Falle, die ihnen der notorischste Ochs des Jahrhunderts gestellt hat, gefangen ebenso leicht wie die stiere republikanische Tugend des Herrn Cavaignac und wie der Maulheld Changarnier! Und um das Tableau zu vollenden, ein Rumpfparlament mit Odilon Barrot als „Löwe von Kalbe“, und dieser selbe Odilon verlangt, angesichts solchen Verfassungsbruchs verhaftet zu werden, und kann es nicht dahin bringen, daß man ihn nach Vincennes schleppt! Die ganze Sache ist expreß für den roten Wolff erfunden worden; der allein kann von jetzt an die Geschichte von Frankreich schreiben. Ist jemals in der Welt ein Coup mit alberneren Proklamationen gemacht worden als dieser? Und der lächerliche napoleonische Apparat, der Jahrestag der Krönung und von Austerlitz, die Provokation auf die konsularische Verfassung usw. – daß so etwas auch nur für einen Tag gelingen konnte, degradiert die Herren Franzosen doch wahrhaftig auf ein Niveau der Kinderei, das ohnegleichen ist.

Wunderschön ist das Abfassen der großen Ordnungsmäuler, des kleinen Thiers ganz vorzüglich, und des tapferen Changarnier. Wunderschön ist die Rumpfparlamentssitzung im 10. Arrondissement mit Herrn Berryer, der zum Fenster hinausschreit: _Vive la République_, bis endlich das ganze Lot [Pack, Haufen] abgefaßt und zwischen Soldaten in einen Kasernenhof gesperrt wird. Und dann der dumme Napoleon, der sofort aufpackt, um in die Tuilerien zu ziehen. Hätte man sich ein ganzes Jahr lang geplagt, man hätte keine schönere Komödie erfinden können.

Und am Abend, als der dumme Napoleon sich endlich in das langersehnte Bett in den Tuilerien geworfen hatte, da muß der Schafskopf erst recht nicht gewußt haben, woran er ist. _Le consulat sans le premier consul!_[3] Keine Schwierigkeiten im Innern größer als überhaupt seit drei Jahren, keine außergewöhnliche Finanzklemme, selbst nicht einmal in seinem eigenen Beutel, keine Koalition an den Grenzen, kein Sankt Bernhard zu passieren, kein Marengo zu gewinnen! Es ist wirklich zum Verzweifeln. Und nun nicht einmal eine Nationalversammlung mehr, die die großen Pläne des Verkannten vereitelt; nein, für heute wenigstens ist der Esel so frei, so ungebunden, so absolut wie der Alte am Abend des 18. Brumaire, so vollständig ungeniert, daß er gar nicht umhin kann, den Esel nach allen Richtungen hin herauszukehren. Schreckliche Perspektive der Gegensatzlosigkeit!

_Mais le peuple, le peuple! – Le peuple se fiche pas mal de toute cette boutique_,[4] freut sich seines oktroyierten Stimmrechtes wie ein Kind und wird es wahrscheinlich auch gebrauchen wie ein Kind. Was kann aus diesen lächerlichen Wahlen von Sonntag über acht Tage hervorgehen, wenn es überhaupt dazu kommt! Keine Presse, keine Meetings, Belagerungszustand die Hülle und Fülle und dazu Befehl, binnen vierzehn Tagen einen Deputierten zu stellen.

Was soll aber aus dem ganzen Kram werden? „Stellen wir uns auf den welthistorischen Standpunkt“, so bietet sich uns ein famoses Thema zur Deklamation dar. So zum Beispiel – es muß sich zeigen, ob das Prätorianerregiment der römischen Kaiserzeit, das einen durchaus militärisch organisierten, ausgedehnten Staat, ein entvölkertes Italien und die Abwesenheit eines modernen Proletariats zur Voraussetzung hatte, möglich ist in einem geographisch konzentrierten, dicht bevölkerten Land wie Frankreich, das ein zahlreiches industrielles Proletariat hat. Oder: Louis Napoleon hat keine eigene Partei; er hat die Orleanisten und Legitimisten mit Füßen getreten, er muß jetzt eine Wendung nach links machen. Eine Wendung nach links impliziert eine Amnestie, eine Amnestie impliziert eine Kollision usw. Oder aber: Das allgemeine Stimmrecht ist die Grundlage der Macht von Louis Napoleon, er kann es nicht angreifen, und das allgemeine Stimmrecht ist _jetzt_ mit einem Louis Napoleon unverträglich. Und andere dergleichen spekulative Themata, die sich famos ausspinnen ließen. Nach dem aber, was wir gestern gesehen haben, ist auf den _peuple_ gar nichts zu geben, und es scheint wirklich, als ob der alte Hegel in seinem Grabe die Geschichte als Weltgeist leitete und mit der größten Gewissenhaftigkeit alles sich zweimal abspinnen ließe, einmal als große Tragödie und das zweite Mal als lausige Farce, Caussidière für Danton, Louis Blanc für Robespierre, Barthélemy für Saint-Just, Flocon für Carnot, und das Mondkalb mit dem ersten besten Dutzend schuldenbeladener Leutnants für den kleinen Korporal und seine Tafelrunde von Marschällen. Beim 18. Brumaire also wären wir schon angekommen.

Kindisch dumm hat sich das Pariser Volk benommen. _Cela ne nous regarde pas; que le président et l’assemblée s’entre-tuent, peu nous importe!_[5] Aber daß die Armee sich anmaßt, Frankreich eine Regierung, und noch dazu welche, zu oktroyieren, das geht es doch wohl an, und der Mob wird sich wundern, was das für ein allgemeines, „freies“ Stimmrecht ist, das sie nun „seit 1804 zum erstenmal“ ausüben sollen!

Wie weit der offenbar über die Menschheit sehr verdrießliche Weltgeist diese Farce noch fortführen wird, ob wir binnen einem Jahre Konsulat, Empire, Restauration usw. vorüberspazieren sehen werden, ob die napoleonische Dynastie auch erst in den Straßen von Paris geklopft werden muß, ehe sie in Frankreich unmöglich wird, das soll der Teufel wissen. Mir kommt es aber vor, als ob das Ding eine merkwürdig verrückte Wendung nähme, und als ob die Crapauds einer wunderlichen Erniedrigung entgegengingen.

Gesetzt auch, der Louis Napoleon konsolidiere sich momentan, so kann doch solch dummes Zeug nicht dauern, selbst bei der tiefsten möglichen Versunkenheit der Franzosen. Aber was dann? Es sieht verflucht wenig rot aus, das ist ziemlich klar, und wenn Herr Louis Blanc und Ledru-Rollin gestern mittag ihre Bagage packten, so mögen sie heute nur wieder auspacken. _La voix tonnante du peuple ne les rappelle pas encore._[6] Hier und in Liverpool hat die Geschichte den Commerce plötzlich gestoppt, aber in Liverpool sind sie heute schon frisch wieder am Spekulieren. Und die französischen Fonds sind nur 2 Prozent gefallen.

Unter diesen Umständen wird mit den Versuchen, für die Kölner in der englischen Presse aufzutreten, natürlich gewartet werden müssen.

Wegen der Artikel für die Tribune, die offenbar darin erschienen sind, schreibe _englisch_ an den Editor der Tribune. Dana ist vielleicht abwesend, und ein _business letter_[7] wird gewiß beantwortet. _Tell him that he must distinctly state per next returning steamer what has become of these papers, and in case they have been made use of, he is requested to send by the same opportunity copies of the Tribune containing them, as no copy has been kept here and without having the articles already sent, again before our eyes, we cannot, after such a lapse of time, undertake to go on with the following number of the series._[8] Der Effekt der französischen Nachrichten auf den europäischen Emigrationsmob muß heiter gewesen sein. Ich möchte das angesehen haben.

---------- [1] Vertreter Frankreichs, beratet in Ruhe.

[2] Schützen von Vincennes.

[3] Das Konsulat ohne den ersten Konsul.

[4] Aber das Volk, das Volk! – Das Volk stellt sich zu diesem ganzen Kram sehr gleichgültig.

[5] Das geht uns nichts an; ob der Präsident und die [National-]Versammlung einander umbringen, kümmert uns wenig.

[6] Die donnernde Stimme des Volkes ruft sie noch nicht zurück.

[7] Geschäftsbrief.

[8] Erkläre ihm, daß er mit dem nächsten zurückkehrenden Dampfboot genau angeben muß, was aus diesen Manuskripten geworden ist, und daß er, falls sie Verwendung gefunden haben, ersucht wird, mit derselben Gelegenheit die Nummern der Tribune, die sie enthalten, Dir zu übersenden, da hier keine Abschrift zurückbehalten wurde und wir, ohne die schon gesandten Artikel wieder vor uns, es nach so langer Zwischenzeit nicht unternehmen können, mit den weiteren Nummern der Serie fortzufahren.

[9] Deinen Nachrichten entgegensehend.

_Dear Frederic!_ Ich habe Dich auf Antwort warten lassen, _quite bewildered_[1] von diesen tragikomischen Ereignissen in Paris. Ich konnte nicht wie Willich sagen: Sonderbar, man hat uns keinen Avis von Paris gegeben! Auch nicht, wie Schapper, mit dem Bierpott mich in Permanenz bei Schärttner erklären. Zur Rettung des Vaterlandes schlief Schapper mit einigen Trabanten, unter dem Vorgeben zu wachen, zwei Nächte bei Schärttner.

Diese Herren, wie Löwe von Kalbe und Komp., hatten ihre _malles_[2] gepackt, aber da die Vorsicht der bessere Teil der Tapferkeit ist, beschlossen sie erst hinüberzustiefeln, sobald die Sache sich „entschieden“ habe.

Hast Du Louis Blancs Miserere gelesen? Den anderen Tag protestierte Bernard le Clubiste dagegen, dies Lamento mitunterzeichnet zu haben.

Einliegend erhältst Du einen Brief von Reinhardt aus Paris.

Pieper ist wieder hier, sehr von sich selbst entzückt. Er tritt von Rothschild aus, fährt aber fort, dort im Hause deutsche Stunde zu geben.

_Maintenant_, was soll ich Dir über die Situation schreiben? So viel ist klar, das Proletariat hat seine Kräfte geschont. Bonaparte hat einstweilen gesiegt, weil er während der Nacht das öffentliche Stimmrecht in geheimes verwandelte. Mit der, trotz aller posthumen Erklärungen von d’Argout, der Bank entwendeten Million Pfund Sterling hat er die Armee gekauft. Wird ihm der Coup noch einmal gelingen, wenn die Wahl gegen ihn ausfällt? Wird die Majorität überhaupt wählen? Die Orleans sind nach Frankreich abgereist. Es ist schwer, ja unmöglich, ein Prognostikon zu stellen in einem Drama, dessen Heros Crapulinski ist.

Jedenfalls scheint mir die Situation eher verbessert als verschlechtert durch den _coup d’état_.[3] Mit Bonaparte ist leichter fertig zu werden, als es mit der Nationalversammlung und ihren Generälen möglich gewesen wäre. Und die Diktatur der Nationalversammlung stand vor der Tür.

Kostbar ist die Enttäuschung von Techow und Komp., die ohne weiteres in der französischen Armee _les apôtres de la trinité démocratique, de la liberté, de l’égalité, de la fraternité_ sahen. _Les pauvres hommes!_[4] Und die Herren Mazzini und Ledru-Rollin können sich nun auch ruhig schlafen legen. Die Katastrophe war der _downfall_[5] der Emigration. Es hat sich gezeigt, daß sie _pour rien_[6] in der Revolution ist. Die Herren hatten nämlich _beschlossen_, die Weltgeschichte zu suspendieren bis nach Kossuths Rückkehr. Apropos. Die Pennysubskription für letzteren hat exakt in London 100 d., sage Pence, abgeworfen.

Salut!

Dein K. M.

Apropos. Habe ich Dir nicht einen _französisch_ geschriebenen Brief Piepers an mich zugeschickt? Ist dies der Fall, so schicke ihn mir umgehend zurück.

---------- [1] Ganz benommen.

[2] Koffer.

[3] Staatsstreich.

[4] Die Apostel der demokratischen Dreieinigkeit, der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit..., die armen Teufel!

[5] Sturz.

[6] Ohne Bedeutung.

Lieber Marx!

Was machen die großen Männer in dieser _eventful crisis_?[1] Man sagt, Louis Blanc sei in Frankreich arretiert, das wird leider aber nicht wahr sein, _nous connaissons notre petit bonhomme_.[2] Übrigens seit aus der Pariser Insurrektion nichts geworden ist, bin ich froh, daß der erste Sturm vorüber ist. _Tout blasé qu’on est_,[3] wird man bei solchen Gelegenheiten doch immer einigermaßen vom alten politischen Fieber gepackt und ist doch immer einigermaßen selbst beim Ausgang einer solchen Geschichte interessiert. Jetzt kann ich wenigstens wieder Menschenrassen studieren, mit deren Untersuchung ich mich beim Ausbruch dieses großen Coups beschäftigte.

Trotz alledem will übrigens weder hier noch in Liverpool die Confiance wiederkehren, und bloß P. Ermen ist ebenso übermütig und napoleonsgläubig, wie er vor vier Tagen _dejected_ und _chapfallen_[4] war. Die hiesigen Bourgeois sind im ganzen doch zu gescheit, um an eine mehr als ephemere Existenz dieser napoleonischen Farce zu glauben. Aber was soll aus all dem Dreck werden? Gewählt wird der Napoleon, das ist keine Frage, die Bourgeoisie hat keine Wahl, und wer will die Stimmzettel verifizieren? Additionsfehler zugunsten des Abenteurers sind gar zu verlockend, und die ganze Gemeinheit der französischen besitzenden Klasse, die servile Unterwürfigkeit nach dem kleinsten Sukzeß, die Kriecherei vor einem _pouvoir quelconque_[5] sind diesmal glänzender als je ans Licht getreten. Aber wie will der Esel regieren?

Er bekommt weniger Stimmen als 1848, _c’est clair_,[6] vielleicht 3 _à_ 3-1/2 Millionen im ganzen; das ist schon eine für den Kredit gefährliche Niederlage. Jede finanzielle und Steuerreform ist unmöglich 1. aus Geldmangel, 2. weil ein militärischer Diktator sie nur bei erfolgreichen auswärtigen Kriegen, _où la guerre paie la guerre_,[7] durchführen kann, im Frieden aber nicht nur jedes Surplus, sondern noch viel mehr in die Taschen der Armee wandern muß, 3. weil der Napoleon zu dumm ist. Was bleibt ihm da? _La guerre?_ Gegen wen, gegen England etwa? Oder der einfache Militärdespotismus, der im Frieden notwendig zu neuer Militärrevolution führen, die Parteien der Nationalversammlung in der Armee selbst hervorrufen muß? Es ist kein Ausweg da, die Farce muß in sich selbst zusammenbrechen. Und erst wenn eine Handelskrisis kommt!

Daß Louis Napoleon mit etwas „Großem“ schwanger geht, daran zweifle ich keinen Augenblick. Was das aber für ein Unsinn sein wird, darauf bin ich begierig. Das Développement der napoleonischen Ideen wird einen sehr hohen Flug nehmen und, an den ordinärsten Hindernissen scheiternd, platt auf den Bauch fallen. – Was bei der ganzen Transaktion ziemlich klar heraustritt, ist, daß die Roten abgedankt haben, vollständig abgedankt.

Jetzt von Entschuldigungen sprechen wollen, warum sie sich nicht in Masse wehrten, wäre Unsinn. Die nächsten Monate werden lehren, ob die Erschlaffung derart in Frankreich ist, daß es mehrerer Jahre bedürfte, um den Roten ein neues Achtundvierzig möglich zu machen. Aber woher soll diese Ruhe auf der anderen Seite kommen?

Ich sehe nur zwei Auswege aus dieser Sauerei: Entweder treten jetzt die Faktionen der Ordnungspartei, in der Armee abgespiegelt, an die Stelle der „Anarchisten“, _id est_ richten eine solche Anarchie her, daß schließlich die Roten und Ledru-Rollin als solche Erlöser erscheinen wie jetzt Napoleon; oder Louis Napoleon schafft die Getränkesteuer ab und läßt sich verleiten, einige bürgerliche Reformen zu machen – woher aber Geld und Macht dazu hernehmen, ist schwer zu sagen. In diesem sehr unwahrscheinlichen Falle könnte er sich halten.

Dein F. E.

---------- [1] Ereignisreiche Krisis.

[2] Wir kennen unsern kleinen Biedermann.

[3] So abgestumpft man [auch] ist.

[5] Irgendwelche Macht.

[6] Das ist klar.

[7] Wo der Krieg den Krieg bezahlt.

[8] Was hältst Du davon?

Lieber Marx!

Inliegend der Brief von Reinhardt zurück sowie der von Pieper, den ich wegen der Kölner Geschichten einstweilen zurückgehalten hatte.

An der von den Zeitungen ausposaunten großen Expedition der 700 Vagabunden nach Paris scheint nichts zu sein, und auch der kleine Louis Blanc ist nach seinem heutigen erneuerten Schmerzgeächze in der Daily News einstweilen, wenn auch angeblich nicht in London, doch in Sicherheit. Das erste Wehklagen war noch göttlich gegen das heutige.

_Peuple français – noble fierté – courage indomptable – éternel amour de la liberté – honneur au courage malheureux_[1] – und damit macht der kleine Kerl einen _demi-tour à droite_[2] und predigt Vertrauen und Vereinigung des Volkes und der Bourgeoisie. _Vide Proudhon: Appel à la Bourgeoisie, pagina 2._[3] Und dies Räsonnement! Wenn die Insurgenten geschlagen worden, so kommt das daher, daß sie nicht das _vrai peuple_[4] waren; das _vrai peuple_ kann nicht geschlagen werden; und wenn sich das _vrai peuple_ nicht geschlagen hat, so kommt das daher, daß es sich nicht für die Nationalversammlung schlagen wollte; es ist da freilich einzuwenden, daß das _vrai peuple_, einmal siegreich, selbst Diktator gewesen wäre, aber daran hat es in der Überraschung nicht denken können, und dann ist es ja so oft geprellt worden!

Das ist diese alte ordinäre Demokratenlogik, die noch bei jeder Niederlage der revolutionären Partei sich breit gemacht hat. _Le fait est_,[5] meiner Ansicht nach, daß wenn sich das Proletariat diesmal nicht in Masse geschlagen hat, es sich vollständig seiner eigenen Erschlaffung und Ohnmacht bewußt war und mit fatalistischer Resignation sich so lange in den erneuerten Kreislauf von Republik, Empire, Restauration und neuer Revolution ergab, bis es eben wieder durch ein paar Jahre Misere unter der Herrschaft möglichst großer Ordnung neue Kräfte gesammelt hat. Ich sage nicht, daß dies so kommen wird, aber das scheint mir die instinktive Grundanschauung gewesen zu sein, die am Dienstag und Mittwoch und nach der Herstellung der geheimen Abstimmung und der darauffolgenden Retirade der Bourgeoisie am Freitag beim Pariser Volke vorgeherrscht hat. Es ist Unsinn, zu sagen, daß dies keine Gelegenheit fürs Volk war. Wenn das Proletariat warten will, bis ihm von der Regierung seine eigene Frage gestellt wird, bis eine Kollision eintritt, die den Konflikt schärfer und bestimmter ausspricht als im Juni 1848, da kann es lange warten. Die letzte Gelegenheit, wo die Frage zwischen Proletariat und Bourgeoisie ziemlich distinkt gestellt war, war beim Wahlgesetz 1850, und da zog das Volk es vor, sich nicht zu schlagen. Das und das ewige Hinweisen auf 1852 war schon ein Beweis von Schlaffheit, der, ausgenommen im Falle einer Handelskrise, für uns hinreichte, ein ziemlich schlechtes Prognostikon auch für 1852 zu stellen. Seit der Abschaffung des allgemeinen Stimmrechtes, seit der Verdrängung des Proletariats von der offiziellen Bühne ist es doch etwas zu viel verlangt, den offiziellen Parteien zuzumuten, die Frage so zu stellen, daß sie dem Proletariat konveniert. Und wie stand denn die Frage im Februar? Damals war das Volk gerade so _hors de cause_[6] wie jetzt. Und es ist gar nicht zu leugnen, daß, wenn die revolutionäre Partei in einer revolutionären Entwicklung anfängt, entscheidende Wendepunkte passieren zu lassen, ohne ein Wort dreinzusprechen oder, wenn sie sich einmischt, ohne zu siegen, sie mit ziemlicher Sicherheit als für einige Zeit kaputt angesehen werden kann. _Witness_[7] die Insurrektionen nach dem Thermidor und nach 1830, und die Herren, die jetzt so laut sagen, daß das _vrai peuple_ seine Gelegenheit abwarte, kommen in Gefahr, allmählich in denselben Train mit den ohnmächtigen Jakobinern von 1795 bis 1799 und den Republikanern von 1831 bis 1839 zu geraten und sich sehr zu blamieren.

Auch ist nicht zu leugnen, daß der Effekt der Herstellung der geheimen Abstimmung auf die Bourgeoisie, Kleinbürgerschaft und _au bout du compte_[8] _auch auf viele Proletarier_ (das geht aus allen Berichten hervor) ein merkwürdiges Licht auf die Courage und Einsicht der Pariser wirft. Viele haben offenbar gar nicht daran gedacht, wie albern die von Louis Napoleon gestellte Frage ist, und wo denn Garantien für die richtige Registrierung der Stimmen sind; die meisten aber müssen den Humbug durchschaut und trotzdem sich vorgeschwatzt haben, jetzt sei _all right_,[9] _bloß damit sie einen Vorwand hätten, sich nicht zu schlagen_.

Nach dem Briefe von Reinhardt, nach den täglichen neuen Enthüllungen über die Infamien der Soldaten und über ihre speziellen Exzesse auf den Boulevards gegen jeden _pékin quelconque_,[10] Arbeiter oder Bourgeois, Roter oder Bonapartist, _n’importe_[11] – nach den sich häufenden Nachrichten von lokalen Insurrektionen selbst in den entlegensten Winkeln, wo kein Mensch Widerstand vermutete, nach dem Briefe des französischen Exdeputierten und Commerçant in der gestrigen Daily News scheint allerdings der _Appel au peuple_[12] eine unangenehme Wendung für Bonaparte nehmen zu wollen. Die Masse der Bourgeoisie in Paris scheint doch dies neue Regime mit seinen oktroyierten Transportationsgesetzen nicht sehr zu relishen.[13] Der militärische Terrorismus entwickelt sich zu schnell und zu unverschämt. Zwei Drittel von Frankreich sind in Belagerungszustand. Ich glaube, daß nach all diesem die Masse der Bourgeoisie gar nicht stimmen wird, daß die ganze Stimmposse auf nichts hinauslaufen wird, denn die Gendarmen werden an allen zweifelhaften Orten, wo die Gegner Louis Napoleons in Massen stimmen, Krakeel mit den Wählern anfangen und dann der ganze Wahlprozeß dort kassiert werden. Dann erklärt Louis Napoleon Frankreich _en état d’aliénation mentale_[14] und proklamiert die Armee zur einzigen Reiterin der Gesellschaft, und dann ist der Dreck vollständig klar und Louis Napoleon mitten drin. Aber eben bei dieser Wahlgeschichte könnte die Sache sehr unangenehm werden, wenn _dann_ überhaupt noch ernsthafter