SigPhi · Karl Marx

Der Briefwechsel zwischen Friedrich Engels und Karl Marx 1844 bis 1883, Erster B

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Wochen nicht auf der Bibliothek war, was ich zugleich tat, um meine Frau während dieser ihr so fatalen Zeit aufrecht zu erhalten.

Apropos! Es ist _positiv_, daß die Konspiration der Orleanisten täglich an Aktivität, Umfang und Chancen zunimmt. Die Herren haben sich koalisiert mit Cavaignac, Charras, Lamoricière, Bedeau. Unter den _aides de camp de L. Bonaparte_[10] sind drei gekauft, das heißt bedeutende Summen für sie sind deponiert auf der Bank of England. Mit den reinen Republikanern ist folgender Kontrakt geschlossen. _Erstens_: Bildung einer provisorischen Regierung, nur aus _Generalen_ bestehend.

_Zweitens_: Cavaignac erhält Marseille, Lamoricière Lyon, Charras Paris, Bedeau Straßburg als Garantie. _Drittens_: Das Volk wird aufgefordert von der provisorischen Regierung, in seinen Urwahlen zu entscheiden, ob es die Konstitution von 1830 will mit der Dynastie Orleans oder die Konstitution von 1848 mit einem Präsidenten. Im letzteren Falle wird sich Joinville als Kandidat präsentieren. Jud Fould steht fortwährend mit den Orleans in Verbindung. Monat März ist provisorisch bestimmt zur Ausführung des Unternehmens, wobei Bonaparte im Notfall ermordet werden soll von seinen _aides de camp_.[11] Man will aber, daß Bonaparte erst Kaiser sei und sich noch weiter abgenutzt habe.

Aus einem Briefe Pialis ersehe ich, daß der Lord Palmerston einer italienischen flüchtigen Aristokratin in einer Privataudienz in London allerlei Tröstliches über Italien gesagt hat und ebenso sich selbst die „tröstliche“ Perspektive stellt, in weniger als Jahresfrist englischer „Premierminister“ zu sein. Was alte Leute doch dem Lügen ergeben sind und der _vanité_![12] Übrigens sprach sich Herr Piali wenigstens in einem Punkte rund aus. Lombardei-Venedig müsse sich sofort im Falle einer Insurrektion an Piemont anschließen. Die Duselei mit einer Dein K. M.

An dem vorigen Briefkuvert, das Du mir zurückgeschickt, war allerdings der Versuch gemacht, ihn zu erbrechen. Offenbar aber ungeschickt und resultatlos.

---------- [1] Mehr ober weniger.

[2] Aber.

[3] Vor dem man die gar zu beschämenden Dinge verheimlichen muß.

[4] Gezwungenheit, peinliches Zurückhalten.

[5] Offen und frei.

[6] Was meinst Du zu diesem.

[7] Dem es unmöglich ist, sich darein zu ergeben, Bonaparte seinen Triumph in Frieden genießen zu lassen.

[8] Gefangenen von Belle Isle sehr trist ist.

[9] Klagebriefe [Titel einer Gedichtsammlung des römischen Dichters Ovid].

[10] Flügeladjutanten Louis Bonapartes.

[11] Flügeladjutanten.

[12] Eitelkeit.

195 48 Great Ducie Street, 4. Oktober 1852.

Lieber Marx!

Inliegend 2 Pfund 10 Schilling. Die 10 Schilling gib dem Dronke, der ein sehr wertvolles slawisches Buch für mich aufgetrieben hat – was er dem Kerl vom Preise abdingt, ist seine Kommission für die Entdeckung; _puisqu’il est commerçant, il faut le traiter selon les principes du commerce_.[1] Laß ihn aber gleich hingehen und das Buch per Post in einfacher Bande, wie eine Zeitung, mit 6 Stamps, wenn unter, mit 12 Stamps, wenn über 1 Pfund Gewicht, an mich abschicken. Notabene, wenn es _ein_ Band ist; sonst [kostet es] für jeden Band 6 Stamps, und dann geht es besser per Pickford & Co. oder Carver & Co. unfrankiert ab, in einem Paket. Könnt Ihr Carver & Co.s Bureau auftreiben (sie heißen dort, glaube ich, Chaplin, Horne & Carver oder Chaplin, Horne & Co.), so geht es am besten mit denen, an Friedrich Engels _care of_ Ermen & Engels – sie sind unsere _carriers_.[2] Es ist dies auch immer der beste Weg, mir Pakete zukommen zu lassen.

Sobald ich meinen Weg für diesen Monat etwas klarer vor mir sehe, erhältst Du mehr.

Weerth ist in Bradford. Er kommt erst in acht Tagen.

Damit mir das Buch nicht zum Teufel geht, schreibe ich gleichzeitig an Dronke.

Dein F. E.

---------- [1] Da er Geschäftsmann ist, muß man ihn nach den Regeln des Geschäftes behandeln.

[2] Spediteure.

Lieber Marx!

Es ist physisch unmöglich, Dir den ganzen Artikel zu übersetzen. Heute morgen erhielt ich ihn. Den ganzen Tag auf dem Kontor beschäftigt, daß ich nicht wußte, wo mir der Kopf stand. Heute abend 7 bis 8 Uhr Tee getrunken und das Ding eben durchgelesen. Dann ans Übersetzen. Jetzt – 1/2-12 Uhr – soweit wie ich’s Dir schicke, bis zum natürlichen Absatz des Artikels. Um 12 Uhr muß er auf der Post sein. Du siehst, Du bekommst, was irgend geleistet werden kann.

Der Rest wird sofort übersetzt – nächste Woche schickst Du ihn entweder _via_ Southampton oder am Freitag. Mache inzwischen Deinen weiteren Artikel nur fertig, ein Teil kann vielleicht schon Freitag gehen, wo nicht, den folgenden Dienstag, wo wieder ein Yankeesteamer ist. Also das hat nichts zu sagen. Sorge nur, daß ich das Manuskript _früh_ erhalte, ich erwarte Weerth jeden Tag und muß dann doch suchen, mich mit der Zeit einzurichten, denn am Tage bin ich im Commerce mehr wie vollauf beschäftigt.

Grüße Deine Frau und Kinder, Dronke, Lupus, Freiligrath.

Dein F. E.

Gib acht, die Kölner kommen doch nicht los, der Präsident ist ein Hund, wie hat er den Bürgers schikaniert.

Lieber Marx!

Wie die Sache jetzt eingeleitet ist, kann’s gar nicht fehlen. Der Brief von Stieber ist eine Entdeckung, die mehr wert ist als alle australischen Goldgruben. Welches Glück, daß der _malheureux_ Nothjung diese alten Neue Rheinische Zeitungspapiere aufgehoben und damals nach London geschickt hat! Ich hoffe nur, das Ding kommt an, denn so etwas zu unterschlagen, würde selbst der Oberprokurator für kein Verbrechen halten. Du hättest diesen Brief besser nicht mit dem Auftrag des Registerns geschickt, sondern sonstwie. Zwischen Frankfurt und Köln kann immer noch ein Pech passieren, und wenn auch die Kopie schon viel beweist, so ist das Original doch zu wichtig. Jemand mußte es selbst oder per Expreß nach Köln bringen. Indes ich hoffe, es geht gut.

Auch die anderen Dokumente sind sehr schön, und wir werden jetzt einen Hallo schlagen, der kolossal ist.

Der Sicherheit halber schickte ich gestern einen Brief an v. Hontheim, der in Amsterdam auf die Post gelegt wird, und worin ich ihm in Auszug den Inhalt Deines für Schneider bestimmten Briefes und die Nichtankunft des von Schneider an Dronke adressierten Briefes mitteilte. Also vier Abschriften und ein Auszug.

Auf einem anderen Wege werde ich heute noch eine Kopie des Stieberschen Briefes nach Köln befördern, ebenso Ausschnitte, enthaltend den Artikel im Freitags-Advertiser, und die Erklärungen im Samstags-Advertiser nach der Rheinprovinz befördern, überhaupt Notizen über die Polizeiverbrechen unter die Bourgeois schleudern.

Nun folgende Vorschläge: 1. Bei dem höchst zweideutigen und stellenweise von uns jetzt zu erweisenden unzweideutigen Charakter der einzigen gravierenden Zeugnisse ist Dein Zeugnis und das von Lupus, Pieper usw., wenn es _eidlich_ abgelegt und _beglaubigt_ wird, sehr wichtig. Das öffentliche Ministerium mag sagen, was es will, das schadet nichts – die Geschworenen halten uns und die Angeklagten doch für Gentlemen. Nun ist aber nichts einfacher, als daß zwei oder drei von Euch sich zum Windham begeben und dort diejenigen auf London Bezug habenden Sachen _beschwören_, die Ihr alle wißt. Also zum Beispiel a. daß gar kein *H.* Liebknecht existiert, sondern nur ein *W.* Liebknecht, soweit Ihr wißt, und Ihr nie einen H. Liebknecht gekannt habt; b. daß die Frau Daniels Dir nie geschrieben; c. daß Ihr außer den Mittwochzusammenkünften nicht auch etwa in einem anderen Lokal an einem Donnerstag andere Zusammenkünfte gehabt und d. daß Ihr die in den Protokollen von Hirsch enthaltenen Aussagen von Reden, Vorträgen usw., die Ihr gehalten haben sollt, für _utterly untrue_[1] erklärt; e. daß der Zettel, der bei dem roten Katechismus beigelegen, und den das öffentliche Ministerium als in Deiner Handschrift abgefaßt ansieht, nicht von Dir herrührt – und was sonst noch aus den letzten Verhandlungen und ersten Aussagen Stiebers als unwahr und der Widerlegung wert erscheint.

Dies alles, vor Windham beschworen, wird dieser als gewöhnliches Affidavit ausfertigen – Ihr könnt’s gleich englisch im Konzept mitbringen – und Ihr bittet ihn, es einem Policeman zu geben, der mit Euch zum preußischen Konsul Hebeler in die City geht, dieser _muß_ die Unterschrift von Windham legalisieren, _sonst verliert er sein Exequatur_. Dies in zwei Kopien so ausgefertigt, kann dann nach Köln gehen und wird seinen Effekt nicht verfehlen. Ich halte dies für höchst wichtig, da damit _alle_ legalen Formen befolgt sind und das Ding ein gerichtlicher Akt ist. Sollte Hebeler trotzdem die Unterschrift weigern, so geht Ihr zum ersten besten _Notary public_, der legalisieren wird (letzteres ist ein Weg, der in einem ähnlichen Falle meinem Alten von der Behörde in Preußen angegeben worden).

2. Einige Leute aus dem Stechanschen Arbeiterverein, Komiteemitglieder usw., könnten ebenfalls, nicht mit kleinen Zettelchen, sondern mit ganzen Seiten oder möglichst großen Stücken der Hirschschen Handschrift vor den Magistrat gehen und _beschwören_, daß dies die Handschrift des Hirsch ist. _Cela vaut infiniment mieux_[2] als bloße unbeglaubigte Ausschnitte.

Wir werden Euch Montag wieder einiges Geld zugehen lassen, damit Ihr deswegen nicht in Verlegenheit kommt. _Dein_ eidliches Zeugnis könnte erst ganz zuletzt abgehen – das hat seine guten Seiten; nur muß man sorgen, daß alles hinkommt, ehe die Zeugenverhöre geschlossen sind.

Vergiß nicht, mir sobald wie möglich einige sichere Adressen zukommen zu lassen.

Die Aussage von Stechan wegen der Fälschung muß ebenfalls vor einem Magistrat beschworen werden. _Cela pourra avoir de brillants résultats._[3] – – Str[ohn] ist wieder in Bradford, etwas krank, und kommt Mittwoch oder Donnerstag her. Ich schreibe ihm heute und instruiere ihn so weit, daß Du, wenn Du ihm Sachen schickst, auf geschickte, nicht mit _meinen_ Wegen kollidierende Besorgung rechnen kannst. Die Hauptsache ist, daß alle kaufmännischen Adressen jede nur _einmal_ benutzt wird.

Wir müssen es dahin bringen, daß man künftig nicht mehr von _Diebereien_, sondern von _Stiebereien_ spricht.

Da ist ja auch der Advokatanwalt Schürmann unter den Verteidigern. Auch dessen Adresse kann für Einlagen benutzt werden. Schneider ist wirklich zu gefährlich. – – Werden die Kölner, was ich aber für fast unmöglich halte, wenn wir fortfahren, alle Mittel aufzubieten, um alle Informationen und Aktenstücke herüberzubefördern, doch verdonnert, so müssen wir unbedingt etwas schreiben. Wo nicht, glaube ich, würde es den Effekt der Regierungsniederlage nur abschwächen. Indes kommt’s auch dann noch darauf an. Vor allen Dingen muß von allen Aktenstücken, Affidavits usw.

genaue Kopie behalten werden, mit allen Legalisationen usw., denn diese Dinge machen dann eine Reihe _pièces justificatives_.[4] Dronke hat mich um 10 Schilling gebeten, da er krank und im Pech ist.

Wenn das nächste Geld ankommt, also Dienstag, gib sie ihm oder etwas mehr.

Die Adressen schickst Du mir am besten per Pickford oder Carver.

Grüße alle und schreibe bald Deinem F. E.

Wir führen hier genau Register über alle abgehenden Dokumente, Datum, Beförderungsweg usw.

---------- [1] Gänzlich unwahr.

[2] Das ist viel mehr wert.

[3] Das kann glänzende Wirkungen haben.

[4] Beweisstücke.

Lieber Marx!

Hierbei der Rest des neulichen Artikels. Gestern auch den folgenden erhalten. Das heute gesandte Stück kannst Du gleich _via_ Liverpool per United States Mail Steamer abschicken, am Mittwoch morgen segelt der Pacific. Am Freitag wirst Du wieder etwas erhalten.

Mache doch die Artikel nicht mehr so lang. Mehr als eine bis anderthalb Spalten kann Dana gar nicht _wünschen_, es wird zu viel für eine Nummer.

Diesen neuen Artikel werde ich wieder spalten müssen, doch geht es sehr schwer, und ich weiß noch nicht wo. Fünf bis sieben Seiten von der Handschrift Deiner Frau sind _vollkommen genug_, und gibst Du mehr in einem Artikel, so wird Dana Dir nicht einmal dafür dankbar sein.

Bürgers, Röser und vielleicht Otto, sowie Nothjung scheinen mir so ziemlich geliefert. Gegen Daniels, Becker, Jacobi scheint gar nichts vorzuliegen, und so hoffe ich, daß diese wenigstens freikommen. Becker hat sich mit großer Unverschämtheit herausgearbeitet. Je mehr diese aber diskulpiert[1] werden, mit desto größerem Eifer, glaube ich, wird sich Gerichtshof und Jury auf die Kompromittierten werfen, die beleidigte Bourgeoisie und der beleidigte Staat wollen ihre Opfer haben.

An den Siegeln aller Briefe, die ich von Dir erhalte, ist mit heißem Eisen herumgearbeitet, doch, soweit ich beurteilen kann, _pour le roi de prusse_.[2] Das an der Enveloppe sitzende Gummi verhindert das Eindringen.

Weerth ist hier, hat mir das Paket gebracht und läßt Euch alle grüßen.

Das Szemeresche Manuskript über Kossuth ist weit besser als das über Görgey – dem Kossuth ist er gewachsen. Die Pieperschen Übersetzungen habe ich noch nicht ansehen können, ich bin zu sehr auf dem Kontor beschäftigt und abends manchmal matt wie ein Hund.

Beste Grüße an Deine Frau.

Dein F. E.

[2] Für den König von Preußen, umsonst.

Lieber Marx!

Wenn Du in Zukunft präzis auf Zusendung der Artikel für Dana rechnen willst, so mußt Du Dich hüten, mir gerade auf den speziellen Donnerstag Wir sind also jetzt von Staats und sogar Polizei wegen als „intelligente“ Leute anerkannt, _teste_[1] Stieber. Eine schöne Geschichte. Wie der dumme Stieber die Kerls für seinen eigenen Mouchard Cherval verantwortlich zu machen sucht. Weißt Du etwas über die Gründe der Verhaftung von Kothes und Bermbach? Gerade diese beiden – das ist ominös. Den Haupt werden wir aber züchtigen. Weerth wird erfahren, wo er in Südamerika ist, und wenn er hinkommt, ihn demaskieren. Dazu ist es nötig, daß man sich die Kölnische Zeitung oder ein anderes Blatt verschafft, worin seine Aussagen stehen. Könnt Ihr das nicht besorgen?

Bietet alles auf; es wäre zu schön, den Schuft die Macht der Neuen Rheinischen Zeitung bis nach Brasilien fühlen zu lassen.

Dieser Tage mehr, sowie auch Übersetzungen.

Dein F. E.

---------- [1] Bezeugt von.

Lieber Engels!

Wegen unserer Korrespondenz müssen wir andere Maßregeln treffen. Es ist positiv, daß wir einen _Mitleser_ im Ministerium Derby haben. Zudem stellt sich, wenigstens versuchsweise, wieder eine Schutzwache (abends) vor mein Haus. Ich kann Dir also absolut nichts schreiben, wovon ich nicht ratsam halte, daß es die preußische Regierung in diesem Augenblick erfährt.

Dana benimmt sich sehr kommun gegen mich. Ich habe ihm vor ungefähr sechs Wochen geschrieben und ihm genau gesagt, wie es bei mir steht, und daß ich das Geld für die abgesandten Artikel _umgehend_ haben muß. Er hat die Artikel regelmäßig abgedruckt, aber das Geld noch nicht geschickt. Ich muß natürlich demungeachtet exakt fortfahren. Sonst bin ich doch am Ende wieder der Bestrafte.

Nun hatte ich schon vor fünf Wochen den Landlord mit dieser Aussicht auf Amerika beschwichtigt. Heute kommt der Kerl her und machte der _housekeeperin_[1] und mir einen scheußlichen Skandal. Er zog sich heute – da ich zuletzt zur _ultima ratio_, nämlich zur Grobheit meine Zuflucht nahm – mit der Drohung zurück, wenn ich ihm diese Woche nicht Geld schaffe, werde er mich auf die Straße werfen, vorher aber noch einen _broker_[2] mir in das Zimmer setzen.

Von Cluß sind vor vier bis fünf Tagen 130 Exemplare des Brumaire angekommen. Ich konnte sie aber nicht von der Douane nehmen bis jetzt, da ich 10 Schilling 9 Pence bei dieser Gelegenheit entrichten muß.

Kothes und Bermbach sind verhaftet worden, weil ich letzterem durch ersteren eine zur Verteidigung nötige Arbeit, die etwas voluminös war (trotz dünnem Papier und kleiner Perlschrift), zugeschickt hatte. Die Regierung glaubte einen famosen Fang getan zu haben. Aber _jeune_[3] Sädt, bei näherer Ansicht, beschwor sicher Himmel und Hölle, um die Sache niederzuschlagen, denn das Aktenstück enthielt sonderbare _strictures_[4] über das Talent usw. des jungen Sädt und konnte, den Juries mitgeteilt, nur zur Freisprechung der _accusés_[5] beitragen.

In der „Neuen Preußischen Zeitung“ ist „G. Weerth“ als Mitglied der Zentralbehörde in Köln angeführt, und zwar wird dies zitiert aus dem Anklageakt.

Dein K. M.

Sobald der Prozeß vorüber ist, er mag nun ausfallen, wie er will, müssen wir beide einen oder zwei Druckbogen „An das Publikum zur Aufklärung“ drucken lassen. Ein günstigerer Moment, zur Nation _en large_[6] zu sprechen, kommt nicht wieder. Zudem dürfen wir den Schein des Ridicule nicht dulden, den selbst die moralische Würde und szientifische Tiefe des sanften Heinrich unfähig sind zu zerstreuen.

Cherval hat selbst an den Londoner Deutschen Arbeiterverein geschrieben, er sei „_Spion_, aber im edlen Sinne des Cooperschen Spions“. Ich habe auf sicherem Wege einem der Advokaten die nötigen Aufklärungen zukommen lassen.

Wegen der oben angeregten Publikation über den „Kölner Prozeß“ muß sich jetzt schon umgesehen werden. Mir schiene das beste, wenn Du an Campe schriebst, er solle Dir einen _soliden Kommissionär_ nennen, im Falle er selbst zu ängstlich sei. Da Du ein zahlungsfähiger Mann bist, kann dem Kommissionär gesagt werden, er erhalte das Geld zum Beispiel in drei Monaten (auf Wechsel), wenn er in der Zwischenzeit sich nicht (was sicher) schon aus dem Verkauf bezahlt gemacht. Übrigens können die Druckkosten für eine solche Lumperei höchstens auf 25 Taler kommen.

Vale! und überlege die Sache. Schweigen können wir nicht, und wenn wir nicht zur Zeit für die Druckgelegenheit sorgen, kommen wir wieder nicht im rechten Augenblick.

---------- [1] Vizewirtin [die das Haus für den Eigentümer – „Landlord“ – zu verwalten hat].

[2] Auspfänder.

[3] Jung.

[4] Kritische Sätze.

[5] Angeklagten.

[6] Im weiten Sinne.

Lieber Marx!

Ich hatte, als ich gestern schrieb, die Stiebersche Aussage nur sehr flüchtig gelesen, und daher war ich heute sehr heiter überrascht, als Dein Aktenstück der Sache eine Wendung gab, die mich _jetzt_ nicht mehr an der Freisprechung _aller_ Angeklagten verzweifeln läßt. _En effet_,[1] die Blamage des Stieber ist komplett. Die Sache ist hier nochmals von mir abgeschrieben und auf zwei verschiedenen, sehr guten Wegen nach Köln abgegangen; auch habe ich, was schon in London hätte geschehen sollen, die zwei Zettel mit Hirschs Handschrift an das Original angesiegelt und dabei diesen Umstand mit meiner Unterschrift dokumentiert, so daß sie im schlimmsten Falle nicht ohne Unterschlagung des Ganzen unterschlagen werden können. Ich habe nun noch einige Wege zur Verbindung mit Köln entdeckt, und obwohl diese ersten beiden (die aber nicht wiederholt werden können) eine Wahrscheinlichkeit von 99 Prozent bieten, daß die Sachen richtig und denselben Tag bei Schneider eintreffen, so wäre es doch gut, wenn ich noch ein drittes, von _Dir beglaubigtes_ Exemplar mit _neuen_ Hirschschen Handschriftproben erhielte, um dies noch auf anderem Wege hinzubefördern. Übrigens _können_ die Pr[eußen] dies Ding nicht unterschlagen, das hätte Kriminalfolgen für die Beteiligten.

Dein Brief heute an mich war erbrochen, da die vier Zipfel der Enveloppe nicht alle vom Siegel gut gefaßt waren. Ob der an St[rohn] auch, ist schwer zu sagen, da die Firma das äußere Kuvert erbrochen. Doch war dies Aufbrechen so leicht vor sich gegangen, daß ich fast schließen muß, auch hier sei man schon früher dran gewesen. Also taugt auch die Steinthal-Adresse nichts mehr. Schreibe an unseren alten James Belfield, Golden Lion, Deansgate, Manchester, inwendig Kuvert „F. E.“, weiter nichts. Bei sehr wichtigen und gefährlichen Sachen mache es wie ich jetzt: ein Paket beliebigen Inhalts, worin Dein Brief liegt, per Pickford & Co. an mein Haus, und abwechselnd per Chaplin, Horne & Carver an mich, Adresse Ermen & Engels unfrankiert. Das ist ganz sicher. Laß aber die Adressen namentlich per Post abwechselnd mit verschiedenen Handschriften schreiben und laß die Pakete per Spediteur nicht immer durch denselben und von demselben Orte ins Office tragen. Dann ist letzterer Weg ganz sicher. Gib mir dann entweder eine sichere Adresse nach London auf diesem Wege an oder laß irgend jemand, dessen Hauswirt nicht argwöhnisch, einen falschen Namen annehmen _à la_ Williams, oder sage mir, ob Lupus noch 4 Broadstreet, Dr[onke] noch im Model Lodging House und wo sonst unsere zuverlässigen Leute wohnen, damit ich die Adresse wechseln kann.

Alle diese Mittel abwechselnd in Tätigkeit gesetzt, werden uns genügende Sicherheit verschaffen. Dazu schreibe, damit’s nicht auffällt, gleichgültige Briefe per Post direkt, wie ich auch tun werde.

Das Kopieren des Aktenstücks hat mich so in Anspruch genommen, daß ich wirklich nicht weiß, ob ich wegen Dana und Freitagsteamer mein Wort in _vollem_ Sinne halten kann. _Etwas_ kommt jedenfalls. Bedenke, daß mir an gewisser Stelle die schönsten Knospen treiben und mich stellenweise am Sitzen verhindern; _il faut que cela finisse_.[2] Die Erklärung des alten Justizrats Müller wird dem Stieber schon den Hintern mit Grundeis gehen machen wegen seiner Originalprotokolle. Aus ihr geht auch hervor, daß die Juristen dort überhaupt sehr wütend sein müssen wegen der Polizeiinfamien, die der Stieber mit ganz altpreußischer Unkenntnis des rheinischen Gesetzes, Gerichtsverfahrens und der rheinischen öffentlichen Meinung so unverschämt, und wie ein Kind über seine Pfiffigkeit sich freuend, an die große Glocke hängt.

_C’est de bon augure._[3] Es ist schön: die Polizei stiehlt, fälscht, erbricht Pulte, schwört falsche Eide, zeugt falsch, und zu allem dem behauptet sie das Privilegium zu haben gegenüber den Kommunisten, die _hors la société_[4] stehen! Dies und die Manier, wie die Polizei, in ihrer schuftigsten Gestalt, alle Funktionen des öffentlichen Ministeriums übernimmt, den Sädt in den Hintergrund drängt, unbeglaubigte Zettel, bloße Gerüchte, Rapporte, Hörensagen als wirkliche gerichtlich erwiesene Sachen, als Beweise vorbringt – _c’est trop fort_![5] Das muß doch wirken.

Dein F. E.

---------- [1] In der Tat.

[2] Das muß ein Ende nehmen.

[3] Das ist ein gutes Anzeichen.

[4] Außerhalb der Gesellschaft.

[5] Das ist zu stark.

Lieber Engels!

Ich hatte Dir geschrieben, daß ich ein „Lithographiertes Zirkular“ über den Kölner Prozeß abfassen würde. Aus dem Lithographischen Zirkular ist jetzt ein Pamphlet von ungefähr drei Druckbogen geworden. Die Sache jetzt noch zu lithographieren, geht aus doppelten Gründen nicht: Erstens kommt eine so umfassende Lithographie sehr teuer zu stehen, während sie nichts einbringt, denn anstandshalber kann man solche lithographischen Rundschreiben nicht verkaufen. Zweitens liest kein Mensch, und es ist auch nicht zu verlangen, eine Lithographie, die den Inhalt von drei Druckbogen bringt.

Es bleibt also nichts übrig, als die Sache drucken zu lassen. In Deutschland _impossible_.[1] London ist der einzig mögliche Ort. Es wird auch möglich sein, Kredit zu erhalten, wenn ich nur im Bestande bin, einen Teil vorauszuzahlen. Ich ersuche Dich, hierüber mit Weerth und Strohn zu konsultieren. Es ist aber kein Tag zu verlieren. Wenn die Sache nicht jetzt kommt, hat sie kein Interesse mehr. Meine Broschüre ist keine Prinzipienrettung, sondern auf Darstellung der Tatsachen und des Verlaufs gegründete Brandmarkung der Regierung. Ich selbst bin natürlich _incapable_,[2] auch nur einen Centime für die Sache beizutreiben. Ich habe gestern den von Liverpool her datierenden Rock versetzt, um Schreibpapier zu kaufen.

Das Empire marschiert famos. Bonaparte versteht es wie kein anderer darauf hinzuarbeiten, daß diesmal die Handelskrise Frankreich noch grausamer trifft als England.

Dein K. M.

[2] Außerstande.

203 [Marx an Engels ohne Anrede.]

Das Geld erhalten und heute das Paket mit dem Brief. In meinem letzten Schreiben an Dich und Weerth hatte ich absichtlich nichts erzählt, was im Falle des Erbrechens der Briefe die preußische Regierung weiter aufklären könnte über die gegen sie ergriffenen Schritte. Heute berichte ich im Detail. Ich denke, wir haben eine Kontermine gelegt, die den ganzen Regierungshumbug in die Luft sprengt. Die Herren Preußen sollen sehen, _qu’ils ont à faire à plus fort_.[1] Montag erhielt Schneider II über Düsseldorf (an einen Kaufmann, Freiligraths Bekannten, adressiert) einen Brief von mir, dessen Inhalt in kurzem folgender: 1. 1847, während ich in _Brüssel_ war, wurde Cherval zu London durch Herrn Schapper und auf Vorschlag Schappers in den Bund aufgenommen, also nicht 1848 von mir zu Köln. 2. Von Ende Frühling 1848 bis Sommer 1850 wohnte Cherval fortwährend zu London, wie durch seine _housekeepers_[2] bewiesen werden kann. Er hauste also nicht während dieser Zeit als Propagandist in Paris. 3. Erst [im] Sommer 1850 begab er sich nach Paris. Die bei ihm abgefangenen Papiere und seine Aussagen vor den Pariser Assisen beweisen, daß er Schapper-Willichs Agent war und unser Feind. Daß Cherval _Polizeispion_, wird durch folgendes bewiesen: 1. Wunderbare Flucht (nebst Gipperich) gleich nach der Verurteilung aus dem Pariser Gefängnis. 2. Ungestörter Aufenthalt in London, obgleich _gemeiner_ Verbrecher. 3. Herr von Remusat (ich habe Schneider ermächtigt, ihn im Notfall zu nennen) erzählte mir, Cherval habe sich ihm als Agenten für den Prinzen von Orleans angeboten. Er habe darauf nach Paris geschrieben und folgende (mir in der Kopie vorgezeigte) Dokumente erhalten (für einige Stunden zur Kopie), woraus folgt, daß Cherval erst preußischer Polizeiagent war, jetzt bonapartistischer ist. Die preußische Polizei schlägt ihm eine Geldsendung ab, weil das „_double emploi_“[3] sei und er von französischer Seite bezahlt worden. – Endlich habe ich Schneider einige einfache theoretische Auseinandersetzungen gemacht, wodurch er die Schapper-Willichschen Dokumente von den unserigen unterscheiden und die Differenz nachweisen kann.

Nebst dem Brief an Schneider II, den Du besorgt, ging dasselbe Aktenstück über Frankfurt a. M. (wo der alte Ebner ihn auf die Post legt und Quittung nimmt) an Advokat von Hontheim ab, und zwar Dienstag.

Dasselbe Paket enthält: 1. einen Brief von Becker an mich mit Poststempel London und Köln versehen, woraus folgt, daß unser Verkehr vor allem buchhändlerischer Natur war; 2. zwei Einlagen von Daniels an mich in dem Beckerschen Briefe, worin er bloß von seinem Manuskript spricht; 3. zwei Ausschnitte aus den Protokollen von Hirsch; 4. einen Ausschnitt aus den Peoples Paper, worin Cherval glücklicherweise selbst seine Residenz anzeigt; 5. auf Seite 3 dieses Briefes befindlichen Brief (eigene Handschrift) des Herrn Stieber an mich, während der „Neuen Rheinischen Zeitung“.

Dienstag abend kam durch Gelegenheit ein Brief von Schneider II, woraus hervorgeht, daß sein erster durch die Post gesandter unterschlagen ist.

Dagegen hatte er einen von hier registrierten Brief erhalten, den ich ihm durch Dronke schreiben ließ, worin ihm angezeigt worden, daß _Henze_ hier 6 bis 8 Wochen bei Willich war, daß Willich von ihm unterhalten worden ist, daß Willich selbst hier damit renommiert hat, er habe dem Henze Instruktionen gegeben, wie _er_ gegen uns aufzutreten. Schneider schreibt, daß sämtliche Advokaten von der Unechtheit der Dokumente überzeugt, bittet dringend, ihm Beweise, namentlich auch, daß Frau Daniels nie an mich geschrieben.

Mittwoch hätte aus Geldmangel _nichts_ geschehen können, wären nicht glücklicherweise Deine 2 Pfund eingesprungen. Ich habe also vor dem Police Court, Marlboroughstreet (_before Mr. Wingham, magistrate of the Metropolitan District_,[4] der sich die Sache erzählen ließ und sich _furieusement_[5] _für uns_ und _gegen_ die preußische Regierung erklärte) zweierlei authentifizieren lassen: 1. Handschrift von Rings und Liebknecht, die, wie Schneider II schreibt, fast _alle_ Protokolle des Hirsch unterzeichnet haben. Du weißt, daß Rings kaum schreiben kann, also famos von Hirsch zum Protokollführer bestimmt ist.

2. Habe ich von dem Wirt unseres Zusammenkunftslokals bezeugen lassen, daß seit März die „_Society of Dr. Marx_“[6] (der Kerl kennt nur mich), ungefähr 16 bis 18 Mann, regelmäßig und nur einmal die Woche, nämlich am Mittwoch, zusammenkommt, und daß er und sein _waiter_[7] uns nie eine Zeile haben schreiben sehen. Den Mist wegen des Mittwochs hat auch einer seiner Nachbarn, ein deutscher Bäckermeister und Hausbesitzer bezeugt.

Beide Aktenstücke mit dem Siegel des Police Court sind im _Duplikat_ abgefaßt. Das erste Exemplar desselben schickte ich _via_ [unlesbar] an G. Jung, der mir glücklicherweise vor drei Tagen geschrieben, er wohne in Frankfurt a. M. und Adresse gegeben. Jung wird selbst nach Köln die Sachen bringen oder ein Exemplar hinschicken. Der Brief, den er erhalten, ist an Schneider II gerichtet und enthält außer den angegebenen polizeilich-gerichtlich beglaubigten Dokumenten: a. Eine Kopie des ersten Briefes an Schneider nebst zwei abermaligen Ausschnitten aus Hirschs Protokollen. b. Ausschnitt aus einem Briefe von Becker an mich, wo glücklicherweise auf der Rückseite Londoner und Kölner Poststempel. Becker schreibt wörtlich wie folgt (weiter enthält das von mir hingesandte Stück nichts): „Der Willich schickt mir die lustigsten Briefe...“ c. Drei Briefe von Bermbach an mich, woraus die Natur unseres Briefwechsels hervorgeht, und wovon der eine (vom März) zugleich die Antwort enthält auf mein Schreiben von wegen des Hirsch und der Denunziation der Frau Daniels und der bei ihr erfolgten Haussuchung.

Dieser Brief beweist, daß sie nicht mit mir in Korrespondenz stand. d.

Abschrift des Briefes von Stieber. e. Instruktion an Schneider, worin ich ihm unter anderem auch mitteile, daß die _beglaubigten Dokumente_ oder _Duplikat_ Donnerstag, 28. Oktober, in einem registrierten Brief von London an ihn direkt unter seiner Adresse abgehen werden und gleichzeitig er über Düsseldorf von Kaufmann W. den _Registrationsschein_ erhalten wird. Unterschlägt die Regierung also diesmal, so ertappen wir sie nachweislich _au flagrant délit_,[8] ohne daß es ihr gelingt, der Verteidigung etwas anderes zu entziehen als ein Duplikat.

Im Advertiser von künftigem Sonnabend (30. Oktober) wirst Du eine kurze Erklärung über die infamen Artikel der Times und Daily News finden. Sie ist gezeichnet: „F. Engels, F. Freiligrath, K. Marx, W. Wolff.“ Dasselbe in mehreren Wochenblättern.

Ich denke, die preußische Regierung wird diesmal in einer Weise blamiert werden, wie es selbst ihr noch nicht vorgekommen ist, und sich überzeugen, daß sie nicht mit den Tölpeln von Demokraten zu tun hat. Sie hat die Leute gerettet durch die Dazwischenkunft des Stieber. Selbst die Verhaftung des Bermbach ist ein Glück. Ohne dies konnten seine Briefe nicht hinübergesandt werden. Er hätte sich dagegen gesträubt, um nicht provisorisch gesetzt zu werden. Jetzt, wo er sitzt, ist alles _all right_. – Besten Gruß an Weerth.

Dein K. M.

Über sichere...Adressen hierhin das nächste Mal.

[Auf einer neuen Seite folgt die Abschrift des Briefes von Stieber aus den „Enthüllungen“, S. 46/47, und daran anschließend fährt Marx fort:] Ich ersuche Dich nun, auf dem dritten, in Deinem Briefe angedeuteten Wege nach Köln folgende Zeilen an Schneider zu schreiben und sie ihm _umgehend_ zukommen zu lassen.

„Stieber hat allerdings die 14 bis 16 der Willich-Schapperschen Clique zugehörigen Dokumente _gekauft_, aber er hat sie zugleich _gestohlen_.

Er hat nämlich einen gewissen _Reuter_ für bares Geld zum Diebstahl sollizitiert. Reuter war seit lange nicht gerade „Polizeibeamter“, wohl aber _occasionally à la tache_[9] bezahlter _spy_[10] der preußischen Gesandtschaft. Er hat _nie_ einer Kommunistengesellschaft angehört, nicht einmal dem öffentlichen deutschen Arbeiterverein in London. Reuter wohnte in demselben Hause wie Dietz, der Sekretär und Archivar der Willich-Schapperschen Zentralbehörde. Reuter erbrach das Schreibpult von Dietz und gab irgendeinem, Stieber oder Schultze, die Papiere. Die Sache war längst herausgekommen vor den Kölner Assisenverhandlungen. Stechan erhielt nämlich während seiner Haft in Hannover mehrere von ihm an Dietz, als an den Sekretär des von Schapper präsidierten Flüchtlingskomitees gerichtete Briefe von dem Untersuchungsrichter vorgelegt. Stechan brannte bekanntlich durch aus dem Gefängnis. In London angekommen, schrieb er nach Hannover, um jene Briefe herauszuverlangen, damit er den _Reuter_ vor den englischen Gerichten verfolgen könne: 1. Wegen Diebstahl mit Effraktion. [Widerrechtliches Aufbrechen.]

2. Wegen Falsums.[11] Er behauptet nämlich, in seinem – den Kölner Juries jetzt auch von Stieber vorgelegten – Briefe sei das „530 Taler, 500 für die Führer“ _interpoliert_, von der Polizei hineingeschrieben.

Er habe nur 30 Taler damals nach London geschickt und kein Wort von _Führern_ gesprochen.

Das Hannoversche Gericht ging natürlich nicht auf Stechans Verlangen ein. Derselbe Reuter hat die sämtlichen Dokumente durch Effraktion des Dietzschen Pultes gestohlen. Dietz und die Schappersche Clique entdeckten die Sache erst, als Stechan hier ankam.“ Soeben, lieber Engels, erhalte ich Euer Paket. _Es ist also nicht nötig, daß Du Vorliegendes abschreibst._ Ich werde es selbst direkt schicken unter einem der mir zugekommenen Kuverts.

Sage Weerth, daß er sich jetzt eine der „Minister“stellen, die Stieber zu meiner Disposition gestellt, für immer gesichert hat, wenn er den ihm zugedachten Gesandtschaftsposten in Paris nicht vorzieht.

Dein K. M.

Wenn Du mir wichtige Sachen zu schreiben hast, so tu es jetzt unter der Adresse: A. Johnson, Esq., Bullion Office, B. o. E. (Bank of England).

---------- [1] Daß sie mit jemand, der stärker ist, zu tun haben.

[2] Wirtsleute.

[3] Doppelte Bestallung.

[4] Vor Mr. Wingham, Polizeirichter des Bezirkes für die Hauptstadt.

[5] Mit Leidenschaft.