SigPhi · Karl Marx

Der Briefwechsel zwischen Friedrich Engels und Karl Marx 1844 bis 1883, Erster B

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zur französischen Ge[sandtschaft] gehen und Dir auf Grund Deines preußischen Auswanderungsscheines einen Paß fordern?

Es war mir sehr lieb, daß Du mir Mosen ankündigtest. Der Edle kam zu mir, traf mich nicht, ich schrieb ihm, er solle mir ein Rendezvous geben. Gestern fand solches statt. Der Mann hat sich sehr verändert.

Jugendliche Locken umwallen sein Haupt, ein zierliches Bärtchen gibt dem scharfen Kinn einige Grazie, eine jungfräuliche Röte überflog seine Wangen, aber _la grandeur déchue se peignait dans ses beaux yeux_,[3] und eine befremdliche Bescheidenheit war über ihn gekommen. Ich habe mir hier in Paris einen sehr unverschämten Ton angewöhnt, denn Klimpern gehört zum Handwerk, und man richtet mit selbigem manches bei Frauenzimmern aus. Aber dies genotzüchtigte Exterieur des ehemals so welterschütternden Überfliegers Heß hätte mich fast entwaffnet. Die Heldentaten der wahren Sozialisten, seiner Jünger (wovon unten) und sein eigener unveränderter Kern gaben mir aber wieder Mut. Genug, er ist von mir so kalt und spöttisch behandelt worden, daß er *keine* Lust haben wird wiederzukommen.

Der Bremer [Buchhändler] ist jedenfalls dem Schweizer vorzuziehen. Ich kann dem Schweizer nicht schreiben, 1. weil ich seine Adresse vergessen habe, 2. weil ich dem Kerl kein niedrigeres Honorar pro Bogen vor[schlagen] will, als Du dem Bremer vorschlägst. [Lücke]...also Deine Vorschläge für den Bremer und zugleich die Adresse des Kerls. Er hat dem Bernays seine schlechte Rothschild-Broschüre gut bezahlt, aber den Pütt[mann] geprellt: für ihn gedruckt, aber unter dem Vorwand, seine Fonds engagiert zu haben, die Zahlung des Honorars ins Unendliche hinausgeschoben.

Sehr schön, daß Du französisch gegen Proudhon schreibst. Die Broschüre ist hoffentlich schon fertig geschrieben bei Ankunft dieses. Daß Du _meinetwegen_ aus unserer Publikation antizipieren kannst, was Du willst, versteht sich von selbst. Daß Pr[oudhon]s Assoziation auf Brays Plan herausläuft, glaube ich ebenfalls. Ich hatte den guten Bray ganz vergessen.

Du hast vielleicht in der Trierschen Zeitung von der Neuen Leipziger Soz[ialistischen] Zeitschrift gelesen, betitelt „Veilchen“, Blätter für die _harmlose_ moderne Kritik!! worin Herr Semmig als Sarastro brüllt: In diesen heiligen Hallen kennt man die Rache nicht, in diesen heiligen Mauern darf kein Verräter lauern, dann wandelt er an Freu-eu-eu-eundeshand, vergnügt und froh ins bessere Land – aber er hat leider keinen Baß dazu, wie weiland Reichel. Sarastro-Semmig opfert hier den drei Gottheiten: 1. Heß – 2. Stirner – 3. Ruge – alles in einem At[em]. Erstere beide haben die Tiefen der Wissenschaft...[Lücke].

Dies Blättchen oder Veilchen ist das Tollste, was ich je gelesen habe.

Eine solche stille und zugleich unverschämte Verrücktheit ist nur in Sachsen möglich. Könnten wir doch das Kapitel über den wahren Sozialismus noch einmal machen, jetzt, wo sie sich nach allen Seiten entwickelt haben, wo sich die westfälische Schule, die sächsische Schule, die Berliner Schule usw. usw. nebst den einsamen Sternen Püttmann usw. besonders konstituiert haben. Man könnte sie nach den Sternbildern des Himmels einteilen. Püttmann der große und Semmig der kleine Bär oder Püttmann der Stier, und die Plejaden seine acht Kinder.

Hörner verdient er, wenn er sie nicht hat, ohnehin. Grün, der Wassermann usw. Apropos Grün. Ich werde den Artikel über Grüns Goethe umarbeiten, auf einen halben bis drei Viertel Bogen reduzieren und ihn für unsere Publikation zurechtmachen, _wenn’s_ Dir recht ist, worüber Du mir bald schreiben sollst. Das Buch ist zu charakteristisch. Grün preist alle _Philistereien_ Goethes als _menschlich_, er macht den Frankfurter und _Beamten_ Goethe zum „wahren Menschen“, während er alles Kolossale und Geniale übergeht oder gar bespuckt. Dergestalt, daß dies Buch den glänzendsten Beweis liefert, daß _der Mensch_ = _der deutsche Kleinbürger_. Dies hatte ich nur angedeutet, könnte es aber ausführen und den Rest des Artikels ziemlich streichen, da er für unser Ding nicht paßt. Was meinst Du?

Dein Engels.

[2] Kabinett des Königs.

[3] Die gefallene Größe malte sich in seinen schönen Augen.

Lieber Marx!

Das inliegende Broschürli wurde mir heute morgen von Junge überbracht; Ewerbeck habe es vor einigen Tagen zu ihnen gebracht. Ich sah mir das Ding an und erklärte, es sei von Mosi, und setzte dem Junge dies Punkt für Punkt auseinander. Heute abend sah ich Ewerbeck, er gestand, es gebracht zu haben, und nachdem ich das Ding gehörig heruntergerissen, kommt heraus, daß er selbst, Ewerbeck, der Verfasser des sauberen Machwerkes ist. Er hat es, wie er behauptet, in den ersten Monaten meiner Anwesenheit hier verfaßt. Der erste Rausch, in den ihn die von mir mitgeteilten Neuigkeiten versetzten, hat ihn dazu begeistert. So sind diese Jungens. Während er den Heß auslachte, der sich mit fremden Federn schmückt, die ihm nicht stehen, und den Straubingern verbot, dem Grün zuzustecken, was ich ihnen vortrug, damit der es nicht ebenso mache, setzt er sich hin und treibt es – in der besten Absicht der Welt, wie immer – um kein Haar besser. Moses und Grün hätten die Sachen nicht mehr verhunzt als dieser volkstümliche...Doktor. Ich habe ihn natürlich erst etwas verhöhnt und ihm schließlich verboten, je wieder solches Zeug zu laxieren. Aber das sitzt dem Volke in den Knochen. Die vorige Woche setze ich mich hin und schreibe aus Unsinn eine anonym herauszugebende Broschüre über die Lola Montez. Samstag las ich ihm einiges daraus vor, und heute abend erzählt er mir mit gewöhnlicher Bonhommie, daß ihn dies zu einer ähnlichen Produktion inspiriert habe, die er bereits den nächsten Tag über denselben Gegenstand gemacht und dem Mäurer für seine Inkognitozeitschrift (sie erscheint wirklich ganz im geheimen und nur für die Redaktion unter Zensur von Madame Mäurer, die bereits ein Gedicht von Heine gestrichen) eingehändigt. Er teile mir dies jetzt schon mit, um seine Ehrlichkeit zu salvieren und um kein Plagiat zu begehen! Dies neue Meisterstück dieses erpichten und verpichten Schriftstellers wird natürlich eine Übersetzung meines Witzes in solenn-überschwenglichen Stilum sein. Dies letztere Probestück kurzen Gedärmes ist zwar im übrigen wurst, zeigt aber doch, wie dringend nötig es ist, daß entweder Dein Buch oder unsere Manuskripte so rasch wie möglich erscheinen. Die Kerle tragen sich alle mit dem Kummer, daß so famose Ideen dem Volke solange verborgen bleiben, und wissen am Ende kein anderes Mittel, sich diesen Stein vom Herzen zu wälzen, als daß sie selbst so viel davon aus ihrem Darme pressen, als sie _passablement_ verdaut zu haben meinen. Lasse den Bremer also nicht fahren. Wenn er nicht antwortet, schreibe nochmals. Akzeptiere das möglichst Geringe, im Notfall. Diese Manuskripte verlieren mit jedem Monat, den sie auf Lager zubringen, 5 bis 10 Franken pro Bogen an _exchangeable value_.[1] Noch ein paar Monate, _la diète prussienne en discutera, la querelle bien entamée à Berlin_,[2] und der Bauer und Stirner sind nicht mehr zu 10 Franken pro Bogen verkäuflich. Bei einer solchen Gelegenheitsschrift kommt man allmählich auf einen Punkt, wo hohes Honorar als Forderung des schriftstellerischen _point d’honneur_[3] ganz beiseite gesetzt werden muß.

Die Konstitutionsbroschüre bekommst Du baldmöglichst. Ich werde sie auf einzelne Blätter schreiben, damit Du einlegen und weglassen kannst. Wenn Aussicht da ist, daß Vogler einiges zahlt, so frage ihn, ob er den Lola-Montez-Witz – zirka anderthalb bis zwei Bogen – nehmen will, brauchst aber nicht zu sagen, daß das Ding von mir herrührt. Antworte mir umgehend darüber, sonst versuche ich in Bellevue. Du wirst in Débats oder Constitutionnel gelesen haben, daß Schufterle Schlepfer in Herisau vom großen Rat wegen württembergischer Klagen außerstande gesetzt ist, weiter revolutionäres Zeug zu drucken, er selbst hat es in Briefen hierher bestätigt und sich alle Zusendungen _verbeten_. Also Grund mehr, an dem Bremer zu halten. Ist es gar nichts mit dem, so bleibt nur die „Verlagsbuchhandlung“ in Bellevue bei Konstanz. _Au reste_, wenn das Unterbringen unserer Manuskripte mit dem Unterbringen Deines Buches kollidiert, so foutiere [schleudere] in Teufels Namen die Manuskripte in eine Ecke, denn es ist viel wichtiger, daß Dein Buch erscheint. Wir beide beißen doch bei unseren Arbeiten darin nicht viel heraus.

Du hast vielleicht in der gestrigen (Montags) Kölner Zeitung einen biedermännischen Artikel über Martin du Nords Skandalgeschichte gelesen.

Dieser Artikel ist von Bernays – er macht von Zeit zu Zeit die Börnsteinsche Korrespondenz.

Die hiesige Polizei ist jetzt sehr bösartig. Es scheint, sie wollen mit aller Gewalt eine Emeute oder eine massenhafte Konspiration gelegentlich der Hungersnot herausbeißen. Erst streuen sie allerlei Druckschriften aus und heften _placats incendiaires_[4] an, und jetzt haben sie gar Brandstiftungsmaschinen gemacht und ausgestreut, die aber nicht _angesteckt waren_, damit der Épicier die ganze Größe der teuflischen Bosheit erkennen könne. Dazu haben sie die schöne Geschichte mit den _communistes matérialistes_[5] angefangen, eine Masse Kerls verhaftet, von denen A den B, B den C, C den D kennt usw., und nun auf Grund dieser Bekanntschaft und einiger Zeugenbehauptungen die ganze Masse unter sich meist unbekannte Kerle in eine „Bande“ verwandelt. Der Prozeß dieser „Bande“ wird bald vorkommen, und wenn zu diesem neuen System die alte _complicité morale_[6] hinzukommt, so kann man jedes beliebige Individuum mit der größten Leichtigkeit verurteilen. _Cela sent son Hébert._[7] Auf diese Art ist nichts leichter, als auch den _père_[8] Cabet ohne weiteres zu verdonnern.

Komme doch, wenn es irgend möglich, im April einmal hierher. Bis zum 7.

April ziehe ich aus – ich weiß noch nicht, wohin –, und habe um dieselbe Zeit auch einiges Geld. Wir könnten dann einige Zeit höchst fidel zusammen verkneipen. Da die Polizei jetzt allerdings eklig ist (außer dem Sachsen, von dem ich schrieb, war auch mein alter Gegner Eisermann geschaßt, beide sind hier geblieben, vergleiche K. Grün in der Kölner Zeitung), so ist es allerdings am besten, daß man den Rat des Börnstein befolgt. Versuche beim französischen Gesandten, auf Deine Auswanderung *einen* Paß zu kriegen; wenn das nicht geht, dann wollen wir sehen, was hier auszurichten ist – es gibt wohl noch einen konservativen Deputierten, der sich durch die sechste Hand rühren läßt. Du mußt platterdings mal wieder aus dem ennuyanten Brüssel weg und nach Paris, und das Verlangen, etwas mit Dir zu kneipen, ist auch meinerseits sehr groß. Entweder _mauvais sujet_[9] oder Schulmeister, das ist alles, was man hier sein kann; _mauvais sujet_ unter liederlichen Stricken, und _cela vous va fort mal quand vous n’avez pas d’argent_,[10] oder Schulmeister von Ewerbeck, Bernays und Konsorten. Oder sich von den Chefs der französischen Radikalen weise Ratschläge geben lassen, die man nachher noch gegen die anderen Esel verteidigen muß, damit sie nicht gar zu stolz in ihrer schwammigen Deutschheit sich brüsten. Hätte ich 5000 Franken Renten, ich täte nichts als arbeiten und mich mit den Weibern amüsieren. Wenn die Französinnen nicht wären, wäre das Leben überhaupt nicht der Mühe wert.

Hast Du Louis Blancs [Geschichte der französischen] Revolution gesehen?

Ein tolles Gemisch richtiger Ahnungen und grenzenloser Verrücktheiten.

Ich habe erst die Hälfte des ersten Bandes in Sarcelles gelesen. _Ça fait un drôle d’effet._[11] Kaum hat er einen durch eine nette Anschauung überrascht, so poltert er einem gleich den furchtbarsten Wahnsinn über den Kopf. Aber der Louis Blanc hat eine ganz gute Nase und ist auf gar keiner üblen Spur, trotz allem Wahnsinn. Er bringt es aber doch nicht weiter, als er jetzt schon ist – „ein Zauber bleit ihn nieder“, die Ideologie.

Kennst Du Ach. de Vaulabelle, _Chute de l’Empire, Histoire des deux Restaurations_?,[12] im vorigen Jahre erschienen, Republikaner vom National und in der Art der Geschichtschreibung der alten Schule – _vor_ Thierry, Mignet usw. – angehörend. Grenzenloser Mangel an Einsicht in die ordinärsten Verhältnisse – selbst der Capefigue in seinen „_Cent Jours_“[13] ist darin unendlich besser –, aber interessant wegen der bourbonischen und alliierten Schmutzereien, die er alle zusammenzählt, und wegen ziemlich genauer Darstellung und Kritik der _facta_[14], solange seine nationalen und politischen Interessen ihn nicht stören. Im ganzen jedoch langweilig geschrieben, eben wegen Mangel alles Überblicks. Der National ist ein schlechter Historiker, und Vaulabelle soll Marrasts _amicus_[15] sein.

Moses ist ganz verschollen. Bei den „_Ouvriers_“[16], mit denen ich nicht umgehe, verspricht er Vorlesungen zu halten, gibt sich für Grüns Gegner und meinen Intimus aus! Gott weiß und Moses desgleichen, daß ich ihn bei unserer zweiten und letzten Entrevue am Passage Vivienne mit offenem Maule stehen ließ – – –. Seitdem ist er mir nur noch am _mardi gras_[17] begegnet, wo er sein lebensmüdes Ich durch den fürchterlichsten Regen und die ödeste Langeweile nach der Börse zu schleifte. Wir erkannten uns nicht einmal.

Den Brief an Bakunin werde ich besorgen, sobald ich seiner Adresse sicher bin – bis jetzt ist es noch _chanceux_.[18] Apropos, schreibe doch an den Ewerbeck wegen des Broschürlis und verhöhne ihn etwas, er hält demütigst _ambas posaderas_[19] dar und wünscht Hiebe drauf zu besehen – Du kennst das.

Also schreibe bald und besorge das, daß Du herkommst.

Dein F. E.

[2] Die Diskussion im [vereinigten] preußischen Landtag beginnt, der Streit in Berlin gehörig im Gange...[3] Ehrensache.

[4] Brandplakate.

[5] Materialistische Kommunisten. (Gruppe extrem radikaler Kommunisten.)

[6] Moralische Mitschuld.

[7] Das riecht ganz nach Hébert.

[8] Vater [beziehungsweise der Alte].

[9] Liederliches Subjekt.

[10] Das steht euch sehr schlecht, wenn ihr kein Geld habt.

[11] Das macht einen komischen Eindruck.

[12] [Der] Sturz des Kaiserreichs, [die] Geschichte zweier Restaurationen.

[13] Die hundert Tage. [Baptiste Honoré Capefigue war ein politisierender Historiker und Romandichter.]

[14] Tatsachen.

[15] Freund.

[16] Arbeiter [beziehungsweise Handwerker].

[17] Fastnacht.

[18] Vom Zufall abhängig.

[19] Beide Hinterbacken.

18 15. Mai 1847.

Lieber Engels!

Du weißt, daß Vogler seit Anfang Mai in Aachen arretiert ist. Das hat für einstweilen den Druck der von Dir hergeschickten Broschüre unmöglich gemacht. Das erste Drittel derselben hat mir sehr gut gefallen. An den zwei anderen muß jedenfalls geändert werden. Mehr speziell das nächstemal über diesen Punkt.

Einlege ich den Abdruck Deiner Karikatur. Ich hatte sie der Brüsseler Zeitung zugeschickt.

Was den wirklich ekelhaften Artikel des Grün und Konsorten in der Trierschen Zeitung angeht, so ist es zwar jetzt zu spät; ursprünglich aber hättest Du gut getan, in zwei Zeilen eine Gegenerklärung in demselben Schundblatt zu erlassen.

Nach London kann ich nicht. Die Geldmittel gestatten es nicht. Wolff[1] werden wir aber hoffentlich hinbringen. Und dann wird’s genügen, daß ihr beide da seid.

Ich kann Dir nicht mehr schreiben. Vor ungefähr zwölf Tagen ließ mir der Breyer zu _Ader_, aber statt an dem _linken_, am _rechten_ Arm. Da ich fortarbeitete, als sei nichts vorgefallen, eiterte die Wunde, statt zu vernarben. Die Sache hätte gefährlich werden und mir den Arm kosten können. Jetzt ist’s so gut wie geheilt. Aber der Arm noch schwach. Darf nicht angestrengt werden.

Dein Marx.

---------- [1] Wilhelm Wolff, auch „Lupus“, „Kasematten“- oder „Parlaments-Wolff“ genannt.

19 [Aus Brüssel.] Dienstag, 28. September 1847.

Lieber Marx!

Es ist hier dieser Tage eine höchst kuriose Geschichte vorgekommen.

Sämtliche mit uns und unserem Auftreten unzufriedenen Elemente unter den hiesigen Deutschen haben nämlich eine Koalition gebildet, um Dich, mich und überhaupt die Kommunisten zu stürzen und dem Arbeiterverein eine Konkurrenz zu machen. _Bornstedt_ ist im höchsten Grade malkontent; die von Otterberg ausgegangene, von Sandkuhl überbrachte und bestärkte, von Crüger und Moras benutzte Redensart, wir benutzten ihn, Bornstedt, bloß, hat ihn gegen uns alle wütend gemacht; Moras und Crüger, die da herumjammern, sie würden von uns von oben herab behandelt, haben ihn noch mehr aufgehetzt. _Seiler_ ist ärgerlich wegen der ihm widerfahrenen unverzeihlichen Vernachlässigung bei Gründung des Arbeitervereins und wegen des guten Fortganges des Vereins, der allen seinen Prophezeiungen widerspricht. _Heilberg_ sucht für die ihm zuteil gewordenen und noch tagtäglich werdenden Grobheiten eine eklatante, wenn auch unblutige Rache. Bornstedt schäumt ebenfalls, daß er sich vermittels der geschenkten Bücher und Karten nicht die Stellung eines einflußreichen Demokraten, die Ehrenmitgliedschaft und Aufstellung seiner Büste im Verein erkaufen konnte, sondern daß im Gegenteil sein Setzer morgen abend über ihn wie über einen ganz gewöhnlichen Menschen abstimmen lassen wird. Es ärgert ihn auch, daß er, der aristokratische _homme d’esprit_[1], bei den Arbeitern viel weniger Gelegenheit findet, sich zu mokieren, als er sich versprochen hatte. Dann ist Moras ärgerlich, daß er die Brüsseler Zeitung nicht für Heinzen gewonnen. _Enfin_[2], alle diese heterogenen Elemente vereinigten sich zu einem Coup, der uns sämtlich zu einer sekundären Rolle gegenüber Imbert und den belgischen Demokraten herabdrücken und eine viel großartigere, universellere Gesellschaft ins Leben rufen sollte als unseren lumpigen Arbeiterverein.

Sämtliche Herren brannten danach, auch einmal in irgend etwas die Initiative zu haben, und die feigen Canaillen hatten dazu den Moment Deiner Abwesenheit für ausgezeichnet passend gefunden. Sie hatten sich aber schändlich verrechnet.

Sie beschlossen also ganz im stillen, ein kosmopolitisch-demokratisches Souper zu arrangieren und dort ganz unvorbereitet eine Gesellschaft _à la fraternal Democrats_[3] nebst Arbeitermeetings usw. usw. zu proponieren. Sie bildeten eine Art Komitee, wozu sie _pro forma_ den ihnen ganz unschädlichen Imbert zuzogen. Nach allerlei vagen Gerüchten erfuhr ich erst Sonntag abend im Verein von Bornstedt etwas Positives darüber, und Montag war schon das Essen. Details waren aus Bornstedt nicht herauszuziehen, außer daß Jottrand, General Mellinet, Adolf Bartels, Kats usw. usw. hinkommen würden, Polen, Italiener usw. Obwohl ich von der ganzen Koalition nichts ahnte (erst Montag morgen erfuhr ich, daß Bornstedt etwas pikiert sei und Moras und Crüger jammerten und intrigierten; von Seiler und Heilberg ahnte ich nichts), so kam mir die Sache doch verdächtig vor. Hingehen mußte man aber wegen der Belgier und um in dem kleinen Brüssel nichts Demokratisches geschehen zu lassen, wobei wir nicht beteiligt seien. Aber für eine Partei mußte gesorgt werden. Wallau und ich brachten also die Sache vor, unterstützten sie stark, und gleich fanden sich an die dreißig, die hingehen wollten. Am Montag morgen sagte mir Lupus, außer dem _président d’honneur_[4], dem alten Mellinet, und dem wirklichen Präsident Jottrand müßten sie zwei Vizepräsidenten haben, von denen einer Imbert, der andere ein Deutscher, womöglich ein Arbeiter. Wallau sei leider unmöglich, weil er kein französisch spreche. So habe ihm Bornstedt gesagt. Er, Lupus, habe geantwortet, dann müsse ich es werden. Ich sagte dem Lupus nun, er solle es sein, aber er wollte absolut nicht. Ich wollte es auch nicht, weil ich so schrecklich jung aussehe, aber am Ende dachte ich, es sei doch für alle Vorkommenheiten am besten, wenn ich es akzeptierte.

Wir kommen abends hin. Bornstedt tat sehr unwissend, als ob noch nichts arrangiert, bloß die Beamten (_toujours à l’exception de l’Allemagne_[5]) und einige inskribierte Redner, von denen ich außer Crüger und Moras keinen Namen erfahren konnte; er drückte sich jeden Augenblick wegen Arrangierung des Lokals, lief zu diesem und jenem, mogelte, intrigierte, fuchsschwänzelte aus Leibeskräften. Ich sah indes noch kein Symptom von besonderer Intrige, das stellte sich erst später heraus. Wir waren im Estaminet Liégeois, Place du Palais de justice. Als es zur Beamtenwahl kam, schlug Bornstedt gegen alle Absprache Wallau vor. Dieser ließ sich durch Wolff (Lupus) ablehnen und mich vorschlagen, was auch mit Glanz durchging. Hiermit war die ganze Intrige auseinandergefallen und vereitelt. Jetzt verloren sie mehr oder weniger die Besinnung und verrieten sich. Nach Imbert, der die _martyrs de la liberté_[6] leben ließ, brachte ich einen französischen Toast _au souvenir de la Révolution de 1792_[7] und nachträgliches _anniversaire du 1er Vendémiaire an I de la République_[8] aus. Nach mir hielt Crüger eine lächerliche Rede, in der er stecken blieb und sein Manuskript hervorziehen mußte. Dann Moras, der eine Pauke ablas, in der es sich fast nur von seiner Wenigkeit handelte. Beide deutsch. Ihre Toaste waren so konfus, daß ich sie gar nicht mehr weiß. Dann Pellerin flämisch, Advokat Spilthoorn von Gent französisch _au peuple anglais_,[9] dann zu meinem größten Erstaunen die buckelige Spinne Heilberg mit einer langen schulmeisterlichen abgeschmackten französischen Rede, worin er erstens sich als Redakteur des Atelier Démocratique in die Brust warf; zweitens erklärte, Er, Maximus Heilberg, verfolge seit mehreren Monaten – _mais cela doit se dire en français: L’association des ouvriers belges, voilà le but que Je poursuis depuis quelques mois (c. à d. depuis le moment où J’ai daigné prendre connaissance du dernier chapitre de la Misère de la philosophie)._[10] Also Er und nicht Kats und die anderen Belgier.

„_Nous entrerons dans la carrière quand nos aînés n’y seront plus_“[11] usw. usw. Er wird das vollbringen, was Kats und Jottrand nicht konnten; drittens vorschlug, eine _fraternelle democracy_[12] zu stiften und die Meetings zu reorganisieren; viertens das erwählte Bureau mit der Organisation beider zu beauftragen. – Also welche Konfusion! Erstens die kosmopolitische Geschichte mit belgischen Meetings über belgische Angelegenheiten zusammenzuwerfen, und zweitens diesen Vorschlag, statt ihn ganz fallen zu lassen, weil ihnen doch alles verbrockt, dem bestehenden Bureau zu übertragen! Und wenn er dachte, ich ginge weg, mußte er nicht wissen, daß gar nicht daran zu denken war, irgend jemand anders ins Bureau zu bringen als Dich? Aber der Schafskopf hatte seine Rede mal fertig geschrieben, und seine Eitelkeit erlaubte ihm nicht, etwas fallen zu lassen, wobei er die Initiative in irgend etwas ergreifen konnte. Die Geschichte ging natürlich durch, und bei dem zwar sehr _factice_ [äußerlich] gewordenen, aber doch lauten Enthusiasmus war nicht daran zu denken, den konfusen Vorschlag besser zu arrangieren.

Dann sprach A. Bartels (Jules war nicht da), und dann verlangte Wallau das Wort. Wie groß aber war mein Erstaunen, als plötzlich Bornstedt vorsprang und mit großem Eifer das Wort für Seiler als früher schon eingeschriebenen Redner verlangte. Seiler erhielt es und hielt eine unendliche lange, schwatzhafte, alberne, lächerlich abgeschmackte, wirklich blamable Rede (französisch), worin er von den _pouvoirs législatif, administratif et exécutif_[13] schauderhaften Unsinn sprach, den Demokraten allerhand weise Ratschläge gab (wie auch Heilberg, der von Instruktion und _question de l’enseignement_[14] die wunderbarsten Dinge gefaselt), worin Seiler ferner sich _en grand homme_[15] posierte, von demokratischen Gesellschaften sprach, _auxquelles j’ai participé et auch richtig sein edles Bureau mit den _dernières nouvelles arrivées de Paris_[17] usw. hereinbrachte. Kurz, es war scheußlich. Nachher sprachen noch mehrere, ein schwyzer Esel, Pellerin, Kats (sehr gut) usw. usw., und um 10 Uhr schloß Jottrand (der sich zu Tode schämte für die Deutschen) die Sitzung. Plötzlich reklamierte Heilberg Schweigen und annoncierte: die Rede von Weerth auf dem _free trade_[18] Kongreß erscheine morgen in dem Supplement des Atelier, __qui se vendra séparément__!!![19] Auch hat der Zalewski noch etwas gegreint _sur l’union de cette malheureuse Pologne et de cette grande, noble et poétique Allemagne – enfin_,[20] alle gingen sehr ruhig, aber sehr malkontent nach Hause.

_Donnerstag_, 30. September. Seit obiges geschrieben, ist allerlei Neues vorgefallen und mancherlei entschieden. Am Dienstag morgen, wo mir die ganze Intrige klar war, lief ich herum und konterkarrierte; noch in der Nacht um 2 Uhr lief ich zu Lupus aufs Bureau: ob Bornstedt nicht im Arbeiterverein auszuballottieren sei? Mittwoch überall herumgelaufen, aber alle meinten, wir setzten es nicht durch. Ich kam Mittwoch abend in den Verein, Bornstedt war schon da, er war zweideutig; endlich brachte Thomis die neue Zeitung, mein Artikel gegen Heinzen, den ich Montag schon zu ihm und, als er (mittags 2 Uhr) nicht da war, in die Druckerei gebracht, _stand nicht drin_. Ich frug ihn, er sagte, es sei kein Platz gewesen. Ich erinnerte an das, was Du mit ihm abgesprochen. Er leugnete das; ich wartete, bis Wallau da war, der mir sagte, Platz genug sei dagewesen, aber am Dienstag habe Bornstedt den Artikel aus der Druckerei _holen lassen_ und nicht wieder geschickt. Ich ging zu Bornstedt und erzählte ihm das sehr grob. Er suchte sich herauszulügen. Ich kam wieder auf die Absprache, die er, bis auf ganz allgemeines Geschwätz, wieder leugnete. Ich sagte ihm einige Grobheiten – Crüger, Gigot, Imbert usw.

usw. saßen dabei – und frug: Wollen Sie den Artikel am Sonntag geben, _oui ou non_?[21] – Darüber müssen wir erst sprechen. – Ich spreche mit Ihnen darüber gar nicht. Damit ließ ich ihn sitzen. Die Sitzung begann.

Bornstedt stützte seinen Kopf auf seinen Ellenbogen und sah mich mit merkwürdiger Siegesgewißheit an. Ich sah ihn wieder an und wartete. Auf trat Herr Thomis, der, wie Du weißt, das Wort verlangt hatte. Er zog eine geschriebene Rede aus der Tasche und las eine Reihe der sonderbarsten Ausfälle gegen unser Scheingefecht ab. Eine Zeitlang ging das fort, aber als _cela ne finissait pas_,[22] entstand allgemeines Murren, eine Masse verlangten das Wort, und Wallau rief Thomis zur Ordnung. Dieser, Thomis, las dann sechs verrückte Worte über die Frage und trat ab. Dann trat Heß auf und verteidigte uns ganz gut. Dann Junge.

Dann der Pariser Wolff[23], der zwar dreimal stecken blieb, aber sehr applaudiert wurde. Dann noch mehrere. Wolff hatte verraten, daß wir bloß _pro forma_ opponiert. Ich mußte also auftreten. Ich sprach – _à la grande déconfiture de Bornstedt_,[24] der geglaubt hatte, ich wäre zu sehr mit persönlichem Krakeel beschäftigt – ich sprach also über die revolutionäre Seite des Schutzsystems, den pp. Thomis natürlich gänzlich ignorierend, und schlug eine neue Frage vor. Angenommen. – Pause. – Bornstedt, durch meine Heftigkeit ihm gegenüber, durch Thomis’ gänzliches Abfallen (_il y avait du Bornstedt dans son discours_[25]) und durch die Heftigkeit, mit der ich schließlich noch gesprochen, sehr erschüttert, Bornstedt kam zu mir: Aber liebes Kind, Sie sind aber schrecklich leidenschaftlich usw. Kurz, ich sollte den Artikel unterschreiben. – Nein. – Dann sollten wir uns wenigstens über eine kurze Redaktionseinleitung verständigen. – _Bien, à demain à onze heure au Café Suisse._[26] – Dann kam die Aufnahme von Bornstedt, Crüger und Wolff. Heß stand zuerst auf und richtete zwei Fragen an Bornstedt wegen der Montagsversammlung. Bornstedt log sich heraus, und Heß war schwach genug, sich für _satisfait_ zu erklären. Junge packte Bornstedt persönlich, wegen seines Auftretens in der Gesellschaft und weil er den Sandkuhl unter falschem Namen eingeführt. Fischer trat sehr energisch gegen Bornstedt auf, ohne alle Verabredung, aber sehr gut. So noch mehrere. Kurz, der siegestrunkene Herr v. Bornstedt mußte förmlich zwischen den Arbeitern Spießruten laufen. Er wurde schändlich mißhandelt und war so geschlagen – er, der natürlich durch seine Büchergeschenke komplett eingekauft zu sein glaubte –, daß er nur ausweichend schwach, konzedierend antworten konnte – trotzdem daß Wallau fanatisch für ihn war, miserabel präsidierte und ihn jeden Augenblick die Redner unterbrechen ließ. Noch stand alles zweifelhaft, als Wallau die Vorgeschlagenen abtreten ließ und zur Abstimmung brachte. Crüger, von mir als _höchst unschuldiger_ Mensch vorgeschlagen, _der der Gesellschaft nicht schaden kann_, und von Wolff _purement et simplement_[27] unterstützt, ging durch. Bei Bornstedt trat Wallau in einer langen heftigen Rede für ihn auf. Jetzt trat ich auf, setzte die ganze Intrige, soweit die Gesellschaft dabei beteiligt war, auseinander, vernichtete die Evasionen [Ausflüchte] des Bornstedt eine durch die andere und erklärte schließlich: Der Bornstedt hat gegen uns intrigiert, uns Konkurrenz machen wollen, aber wir haben gesiegt, und darum können wir ihn jetzt in der Gesellschaft zulassen. Während der Rede – es war die beste, die ich je gehalten – wurde ich sehr häufig durch Applaus unterbrochen, namentlich als ich sagte: diese Herren glaubten noch, alles gewonnen zu haben, weil ich, ihr Vizepräsident, weggehe, aber sie dachten nicht daran, daß einer unter uns ist, dem der Platz von Rechts wegen gebührt, einer, der allein die deutschen Demokraten hier in Brüssel vertreten kann, und das ist Marx – da wurde fürchterlich applaudiert. Genug, nach mir sprach keiner mehr, und so wurde dem Bornstedt nicht die Ehre angetan, ihn herauszuschmeißen. Er stand vor der Tür und hörte alles an. Ich hätte es lieber gesagt, wo er noch im Saale gegenwärtig war, _mais il n’y avait pas moyen_,[28] weil ich mich für den letzten Coup aufsparen mußte und Wallau die Diskussion abbrach.

Aber er, wie Wolff und Crüger, hat jedes Wort gehört. Ihm gegenüber wurde Wolff fast glänzend adoptiert. – Genug, in der gestrigen Sitzung hat Bornstedt, Crüger usw. einen solchen Schimpf erlitten, daß sie honorigerweise gar nicht in die Gesellschaft kommen können und für lange Zeit genug haben. Aber sie werden doch kommen; der unverschämte Bornstedt ist durch unsere noch größere Frechheit, durch das gänzliche Fehlschlagen aller seiner Kalkulationen, durch unsere Leidenschaftlichkeit so _caduc_ [hinfällig] geworden, daß er nichts mehr kann als in Brüssel herumlaufen und seine Schande überall herumjammern, _le dernier degré de l’abaissement_.[29] Er kam wütend in den Saal zurück, aber ohnmächtig, und als ich nun von der Gesellschaft Abschied nahm und mit allen nur möglichen Ehren entlassen wurde, ging er schäumend weg. Während der Diskussion über ihn war Bürgers gegenwärtig, der seit vorgestern abend hier ist. – Unsere Arbeiter haben sich bei der ganzen Sache _ganz famos_ benommen; die geschenkten 26 Bücher und 27 Landkarten wurden mit keinem Worte erwähnt, Bornstedt wurde von ihnen mit der größten Kälte und Rücksichtslosigkeit behandelt, und als ich sprach und zur Konklusion kam, hatte ich es in meiner Hand, ihn mit enormer Majorität durchfallen zu lassen. Das gibt selbst Wallau zu. Aber wir haben ihn schlimmer behandelt, wir haben ihn mit Schimpf und Schande aufgenommen.

Auf die Gesellschaft hat die Sache einen ausgezeichneten Eindruck gemacht; zum erstenmal haben sie eine Rolle gespielt, ein Meeting, trotz aller Intrigen, beherrscht, und einen Kerl, der sich ihnen gegenüber eine Position machen wollte, in seine Schranken zurückgewiesen. Nur einige Kommis usw. usw. sind malkontent, die Masse ist enthusiastisch für uns. Sie haben gefühlt, was sie sind, wenn sie assoziiert sind.

Heute morgen ging ich aufs Café Suisse, und wer nicht kam, war Bornstedt. Aber Weerth und Seiler begegneten mir, sie hatten den Bornstedt eben gesprochen, und Seiler war die Unterwürfigkeit und Insinuation selbst. Ich ließ ihn natürlich links liegen. Die gestrige Sitzung war übrigens so dramatisch, sie arrangierte und steigerte sich so famos, daß der Pariser Wolff aus reinem ästhetischen Gefühl darüber momentan zum Parteimann geworden ist. Heute war ich auch bei A. Bartels und erklärte ihm, daß die deutsche Gesellschaft für nichts verantwortlich sei, was am Montag vorgefallen, daß Crüger, Bornstedt, Moras, Seiler, Heilberg usw. usw. nicht einmal Mitglieder waren, und daß die ganze _à l’insu_[30] der deutschen Gesellschaft veranstaltete Geschichte vielmehr die Errichtung einer Konkurrenz gegen sie bezweckte.

Ein Brief gleichen Inhaltes, von allen Komiteemitgliedern unterzeichnet, geht morgen ebenfalls an Jottrand ab. Zu Imbert gehe ich morgen mit Lupus. Ferner habe ich folgendes an Jottrand wegen der durch meine Abreise leer werdenden Stelle im Organisationskomitee der Brüsseler „_Monsieur! Obligé de quitter Bruxelles pour quelque mois, je me trouve dans l’impossibilité de remplir les fonctions dont la réunion du 27 de ce mois a bien voulu m’investir. – Je vous prie donc d’appeler un démocrate allemand résident à Bruxelles à assister aux travaux de la commission chargée d’organiser une société démocratique universelle. – Je me permettrai de vous proposer celui parmi les démocrates allemands des Bruxelles, que la réunion, s’il avait pu y assister, aurait nommé à la charge qu’en son absence on m’a fait l’honneur de me conférer. Je parle de Mr. Marx qui dans mon intime conviction a le droit le plus fondé de représenter à la commission la démocratie allemande. Ce ne serait donc pas Mr. Marx qui m’y remplacerait, c’était plutôt moi qui à la réunion ai remplacé Mr. Marx. Agréez etc._“[32] Ich hatte nämlich vorher schon mit Jottrand abgesprochen, daß ich ihm meine Abreise schriftlich anzeigen und Dich in die Kommission vorschlagen würde. Jottrand ist auch verreist und kommt in vierzehn Tagen wieder. Wird nichts aus der ganzen Geschichte, was ich glaube, so ist es Heilbergs Vorschlag, der durchfällt: wird was draus, so sind wir es, die die Sache zustande gebracht haben. Jedenfalls haben wir das gewonnen, daß Du und nach Dir ich als Repräsentanten der deutschen Demokraten in Brüssel anerkannt sind und sonst die ganze Intrige schrecklich in den Dreck gefallen ist.

Heute abend war Gemeindesitzung. Ich präsidierte. Mit Ausnahme Wallaus, der sich übrigens bekehren ließ und dessen gestriges Auftreten allerdings diverse Entschuldigungsgründe findet, die ich ihm auch zugute kommen ließ; mit dieser Ausnahme also war der Enthusiasmus über die Geschichte mit Bornstedt einstimmig. Die Kerls fangen an sich zu fühlen.

Sie sind endlich einmal als Gesellschaft, als Macht gegenüber anderen Leuten aufgetreten, und daß alles so famos flott ging, daß sie so komplett gesiegt haben, macht sie ungeheuer stolz. Junge schwimmt im siebenten Himmel, Riedel weiß sich vor Freude nicht zu lassen, selbst