zu einem Newton würde noch immer groß genug bleiben.
Indeß möge dies oder jenes der Fall sein, so gilt der bisher zu erweisen versuchte Satz, wenn nicht von allen, doch wenigstens von denjenigen Wesen, welchen auch der Dualismus die Vorstellungs- und Seelenfähigkeit nicht abspricht. Erweitert umfaßt daher unser Satz von nun an =alle= endlichen vorstellenden Substanzen, weil sich um ihrer wesentlichen Gleichheit willen kein Grund angeben läßt, warum das Vermögen nach außen zu wirken und von außen zu leiden auf einige derselben sich erstrecken solle, auf andere nicht. Denn wissen wir einmal, daß alle endlichen und vorstellenden Substanzen eben deshalb auch veränderlich, und des Wachstums ihrer Kräfte fähig sind, so dürfen wir auch schließen, daß der Zweck ihrer Erschaffung kein anderer war, als sich dieser Zunahme ihrer Fähigkeiten zu freuen und darin Glückseligkeit zu genießen. Und wenn einige, namentlich alle diejenigen, welche auf =uns= einwirken, und deren Dasein wir eben nur aus diesen ihren Wirkungen auf uns erfahren, d. i. sämmtliche Erdengeschöpfe nicht weniger als die uns bisher bekannten Himmelskörper, die Kraft auf andere zu wirken, und Rückwirkungen von ihnen zu erfahren besitzen: reicht dies nicht hin, zu schließen, daß ähnliche Kräfte =allen= zukommen, weil sie sonst zwecklos da wären, wenigstens des Guten nicht so viel genießen und in andern befördern könnten, als sie auf diese Weise vermögen?
Ist aber dies einmal außer Zweifel, so kann es auch keinem Anstand mehr unterliegen, daß diese Einwirkung unter den Substanzen eine =wechselseitige= sein müsse. Denn jede Veränderung in dem Veränderten setzt eine Veränderung in dem =Verändernden=, von welchem die thätige Kraft ausgeht, voraus. Es gab eine Zeit, in welcher die Veränderung im Veränderten noch nicht da war, das Verändernde sie also noch nicht bewirkt hatte. Indem das letztere dieselbe früher noch nicht bewirkte und jetzt bewirkt, hat es an sich selbst eine Veränderung erfahren, die es nicht erfahren haben würde, wenn es nicht jene Veränderung im andern hervorgebracht hätte. Ohne die letztere wäre es daher selbst ein anderes geblieben. Insofern daher das Veränderte da sein muß, um eine Veränderung vom andern zu erfahren, welche ihrerseits wieder eine solche im Verändernden, das aus dem Zustande der Unthätigkeit in jenen der Thätigkeit übergehen muß, erfordert: kann es selbst wieder als reciproke Ursache dieser Aenderung im Verändernden angesehen werden. Darin liegt nichts Widersprechendes; denn die Veränderung _x_ im veränderten Dinge _A_ ist eine andere als jene _y_ im verändernden Dinge _B_. Das Ding _A_ ist also Ursache der Veränderung _y_ in _B_, und das Ding _B_ Ursache der von _y_ verschiedenen Veränderung _x_ an dem _A_. Der Widerspruch würde nur dann stattfinden, wenn _A_ Ursache derselben Veränderung in _B_ wäre, welche _B_ in _A_ bewirkt, wenn z. B. das _A_ Ursache des =Seins= von _B_ und _B_ umgekehrt Ursache des Seins von _A_ sein sollte.
In =derselben= Beziehung kann ein Ding nicht zugleich Ursache und Wirkung sein, wohl aber in =verschiedener= Beziehung. Wenn daher =Lotze= der Wechselwirkung vorwirft, die Ursache bedinge in ihr nicht nur die Wirkung, sondern die Wirkung zugleich die Ursache, und es werde daher unter Wirkung nicht das Resultat des Processes, sondern das Object verstanden, an welchem dieses erzielt wird, indem z. B. der Geschlagene den Schlagenden und dieser jenen bedinge: so verwechselt er die Vorstellung des gemeinen Lebens, welches hier, wie häufig, eine bloße =Theilursache=: den Geschlagenen, statt der ganzen Ursache heraushebt, mit der ausdrücklichen Erklärung, daß dasjenige, was in einem Sinne Wirkung, in einem ganz =andern Sinn= Ursache sei; weil beides andernfalls in der That widersprechende Bestimmungen desselben Dings sein würden. Trifft z. B. die bewegte Kugel _a_ auf die ruhende _b_, so gibt sie einen Theil ihrer Geschwindigkeit an diese ab, so daß sie selbst sich langsamer bewegt als früher, die zweite aber sich bewegt, die vordem geruht hat. Die =Abnahme= der Geschwindigkeit der ersten ist daher Ursache der =Zunahme= der letztern, und die =Zunahme= der Geschwindigkeit der letztern die Ursache der Abnahme der Geschwindigkeit der erstern. Auch =Hegels=(129) Einsprache gegen diesen Satz gründet sich auf die unrichtige Voraussetzung, daß die Wirkung in =derselben= Beziehung, in welcher sie dies ist, auch wieder Ursache sein solle.
Allein um das obige Beispiel beizubehalten, ohne Zweifel ist die Veränderung, welche in dem Geschlagenen vorgeht, eine andere, als jene, welche der Schlagende erfährt, der Geschlagene daher in einer ganz andern Beziehung Grund einer Veränderung im Schlagenden, als jene ist, in welcher er zugleich eine Wirkung durch den Schlagenden erleidet.
Das Ergebniß der ganzen bisherigen Untersuchung ist daher in wenig Worten Folgendes: Jede (endliche, veränderliche) Substanz wirkt auf jede andere und zwar =unmittelbar= in jeder Entfernung, in mancherlei Weise, anziehend, abstoßend, verändernd; sie wirkt aber auch =mittelbar=, indem sie dadurch, daß sie auf irgend eine Substanz unmittelbar wirkt, Einfluß auf jene Veränderungen nimmt, welche diese selbst wieder ihrerseits unmittelbar in anderen Substanzen bewirkt; jede Substanz =erfährt= eben so von jeder andern mittelbarer oder unmittelbarer Weise Einwirkungen mannigfacher Art; sie erfährt dergleichen nicht nur von den endlichen Substanzen, auf welche sie selbst einen mittelbaren oder unmittelbaren Einfluß ausübt, sondern auch von der allvollkommenen, in welcher sie, weil diese unveränderlich ist, ihrerseits keinerlei Wirkung hervorzubringen vermag. In Bezug auf die allvollkommene Substanz ist daher die Thätigkeit jeder endlichen Substanz einseitig, nicht wechselseitig. Denn nur von der ungeschaffenen auf die geschaffenen kann eine Einwirkung bestehen, nicht aber umgekehrt, weil die =ungeschaffene= auch =unveränderlich= ist.
Man könnte hiebei den Grund vermissen, auf welchen sich das Vorhandensein der nach außen wirkenden Kraft in der allvollkommenen Substanz stützt. Allein wenn wir die Kraft nach außen zu wirken bereits jeder unvollkommenen Substanz beilegen, welchen Grund gäbe es wohl, sie der =vollkommensten= abzusprechen? Dies könnte nur der Fall sein, wenn sie irgend einer ihrer übrigen Kräfte widerstreiten möchte. Das findet jedoch keineswegs statt, ja ihr Vorhandensein wird sogar aufs entschiedenste gefordert, wenn die Gottheit wirklich das allervollkommenste Wesen sein soll, weil sonst den unvollkommenen Substanzen ein Vermögen zukommen würde, das der allvollkommenen mangelt, und weil ohne diese die Gottheit aufhören müßte, =Schöpfungs=kraft zu besitzen. Es genügt schon zu bemerken, daß das Vorhandensein einer solchen Kraft in Gott mit keiner seiner übrigen Kräfte in Widerspruch stehen könne, weil wir denselben analoge in uns selbst vereinigt antreffen.
Der Weg, auf welchem wir zu diesem, von den Ansichten Anderer bedeutend abweichenden Resultat gelangt sind, beruht im Wesentlichen auf Leibnitzisch-monadistischen Fundamenten. Entscheidende Wendepunkte sind jedoch für denselben die Begriffe: unmittelbare Wirkungen, Stetigkeit und allseitige Erfüllung des Raums, und die unmittelbar gewissen Erfahrungsurtheile. Wer uns vorwerfen will, daß wir uns hiebei auf ein »Geheimniß,« beim zweiten Punkt auf ein »im Denken nicht Erreichbares,« beim dritten auf ein »schlechthin Gewisses« berufen, und die Deduction deshalb für oberflächlich und unzureichend erklärt: dem können wir nichts Anderes entgegenhalten, als was wir schon im Laufe der Untersuchung am rechten Orte eingeschaltet, und worin, wie wir glauben, eine genügende Vertheidigung liegt. Nicht die Nichterklärbarkeit eines =an sich= nicht Erklärbaren, wie es die unmittelbaren Wirkungen sind, scheint uns den Namen eines Geheimnisses zu verdienen; dieser ist vielmehr dort am Platze, wo es Etwas zu erkennen =gibt=, welches wir bisher aus was immer für Gründen noch nicht erkannt haben, aber mindestens bei fortgeschrittener Vervollkommnung und günstigen Umständen einst zu erkennen und erklären hoffen dürfen. Dies ist aber bei unmittelbaren Wirkungen keineswegs der Fall; diese werden und können wir niemals zerlegen und erklären, weil ihre Natur es verbietet.
Eben so wenig dünkt uns die Unmöglichkeit, einen gewissen Begriff »im Denken zu erreichen,« d. h. sich eine =anschauliche= Vorstellung von demselben zu entwerfen, schon ein Recht zu geben, diesen Begriff überhaupt für ungereimt und widersprechend zu erklären. Der Umstand, daß wir zu einfachen Punkten weder durch wirkliche Theilung gelangen, noch durch fortgesetzte Zählung eine unendliche Menge einzelner Einheiten zusammen addiren können, bietet keine hinreichende Bürgschaft weder dafür, daß es keine einfachen Punkte in der That gebe, noch dafür, daß sie in keinem endlich begrenzten Raume in unendlicher Anzahl vorhanden seien. Vielmehr belehren uns Schlüsse aus reinen Begriffen auf das nachdrücklichste von dem Gegentheil.
Noch weniger aber können wir von der Annahme »unmittelbar gewisser Erfahrungsurtheile« ablassen, sobald unter denselben keine andere, als Urtheile von der Form: Ich habe die Vorstellung _a_, verstanden werden.
Denn um dieses Urtheil zu fällen, muß ich die Vorstellung _a_ wirklich besitzen und nicht nur sie allein, sondern sogar noch eine Vorstellung von ihr selbst, welche als Bestandtheil in meinem Urtheile erscheint.
Ihr Dasein ist daher so gewiß, als ich dieses Urtheil wirklich fälle; mein Urtheil hat daher =unmittelbare= Gewißheit. Das Auffallende in dieser Behauptung verursacht nur das geringe Gewicht, das man =bisher= auf dieselbe gelegt hat, und die Verwechslung solcher Urtheile mit den nur =wahrscheinlichen= Erfahrungssätzen von der Form: »Derselbe Gegenstand, welcher Ursache der Anschauung _a_ in mir ist, ist auch zugleich Ursache der Anschauung _b_,« welche sie sich gefallen lassen mußte. Urtheile dieser letztern Art aber begnügen sich nicht damit, das =Dasein= einer Vorstellung in uns auszusprechen, sie maßen sich an, Etwas über den =Gegenstand= auszusagen, von welchem diese Vorstellung herrühren soll, und gerathen auf diese Weise in Gefahr des Irrthums.
Obgleich daher unser Satz zuletzt aus Erfahrungsurtheilen der ersten Form entspringt, so können wir doch nicht zulassen, daß er um deswillen nur Wahrscheinlichkeit besitzen solle. Seine Prämissen, Erfahrungs- wie reine Begriffssätze, haben objective Gewißheit, denn theils lassen sie sich durch andere unwidersprechlich darthun, theils sind sie unmittelbar gewiß, und leisten dann, auch wenn sie Erfahrungssätze sind, denselben Dienst, wie reine unangefochtene Begriffswahrheiten. Die einzige Art von Wahrscheinlichkeit (besser: Gefahr zu irren), die hier, wie bei jedem Schließen und Folgern unterläuft, ist die leider nur allzu häufige Möglichkeit, durch =Verwechslung= eines im Schließen gewonnenen Satzes mit einem andern blos ähnlichen, oder auf =sonst eine Weise= irgendwo einen Irrthum im Schließen, eine Art Rechnungsfehler, begangen zu haben.
Aber diese Wahrscheinlichkeit ist nicht wenig verschieden von derjenigen, welche bei Feststellung irgend eines Factums in der die Iliade in der That von =Homer= herrühre u. dgl. m.), in's Spiel kommt. In der letztern folgern wir aus Vordersätzen, die selbst schon von der Form sind: Wenn, α, β =wahr= sind, so sind _u_, _v_...=wahrscheinlich=. Bei der erstgenannten subjectiven Wahrscheinlichkeit jedoch liegt der Grund der bloßen Wahrscheinlichkeit nur in der Möglichkeit des Irrthums im Denken. Die =Abfolge= der Sätze selbst ist von diesem Denken völlig unabhängig; sie sind, gleichviel ob mittelbare Erfahrungs- oder reine Begriffssätze, von der Form: Wenn _a_, _b_ =wahr= sind, so sind auch _m_, _n_...=wahr=. Hier herrscht daher in den Sätzen selbst keine bloße Wahrscheinlichkeit. Um diese aber auch im Gedachtwerden der objectiven Schlußfolgen möglichst zu beseitigen und unsere Zuversicht zu unsrer Erkenntniß zu erhöhen, bedarf es nur der Erfahrung, daß mehrere Menschen oder wir selbst zu verschiedenen Zeiten und unter verschiedenen Umständen diese Reihe von Schlüssen geprüft und richtig befunden haben.
Von einer Prüfung =dieser= Art hat daher jeder neue Versuch, einen Theil unsres Gedankenschatzes zum deutlicheren Bewußtsein zu erheben, sein Urtheil, seine Bestätigung oder Verwerfung zu erwarten. Einer solchen sieht auch der vorstehende entgegen. Wenn wir gleich recht gut fühlen, wie Viele uns einwenden werden, mit der Zurückführung auf unerklärbare Thatsachen sei eben nichts erklärt, und ein Beweis, welcher Schwierigkeiten negire, statt sie zu lösen, entbehre des wissenschaftlichen Ernstes, so hoffen wir desungeachtet, eine unbefangene Prüfung, über die Mängel der Darstellung eines ersten Versuches hinweg sehend, werde hie und da Ansichten entdeckt haben, welche näherer Betrachtung nicht unwerth sind. Der Schreiber dieses wenigstens hat aus ihnen die Ueberzeugung gewonnen, sowohl daß es eine Ungereimtheit genannt zu werden verdient, dort wo =an sich= nichts weiter zu erklären oder zu vermitteln ist, eine weitere Erklärung zu verlangen, als auch daß es unmöglich ist, den Quellen unserer empirischen Erkenntniß nachgehend nicht endlich zu solchen Urtheilen und Vorstellungen zu gelangen, welche, die erstern unmittelbar unumstößlich und gewiß, die letztern ihrer Natur nach durch Einwirkung außerhalb der Seele, wenn auch nicht immer des Leibes, befindlicher Gegenstände erzeugt sein müssen. Mit Hilfe dieses und einiger der andern hier dargelegten Begriffe däucht es uns nicht unmöglich, ohne an =Leibnitz=' Grundsätzen etwas Wesentliches (etwa mit Ausnahme der Raumbegriffe, die bei ihm ziemlich unklar sind) zu vergeben, vielmehr nur durch consequente Festhaltung seines eigenen Hauptprincips, der odiosen Annahme der prästabilirten Harmonie auszuweichen und eine befriedigendere Ansicht zu gewinnen, für welche nicht nur die Naturwissenschaften, sondern auch die Astronomie mit ihrer Gravitation und Aequilibrirung der Himmelskörper zu sprechen scheinen. Jene Grundsätze =Leibnitz=', also die Fundamente monadistischer Metaphysik selbst zu untersuchen, war hier nicht der Ort und lag nicht in unserer Absicht, denn dies würde beinah eine Prüfung der gesammten Metaphysik erfordern. Noch erfreut sich dieselbe, zahlreicher genialer Versuche ungeachtet, in den wenigsten Lehren einer allgemeinen Uebereinstimmung, und im Ganzen erstreckt sich das zweifellose Wissen der Denker noch wenig über =Descartes=' berühmtes: _cogito, ergo sum_ hinaus. Während die Naturwissenschaften von Stunde zu Stunde mehr Boden gewinnen und überraschende Fortschritte machen, stockt die =reine Begriffswissenschaft=, welche ihnen die feste Grundlage, auf der sie fußen können, erst geben sollte, noch immer bei den zuerst sich darbietenden Problemen. Manchmal der Auflösung sich ganz nahe glaubend, gewahrt sie sich kurz darauf weiter als je davon zurückgeworfen. Das letztere vielleicht gerade deshalb, weil sie, besonders in neuester Zeit, Gefallen daran gefunden zu haben scheint, gerade der zunächst liegenden, und ihr nur um deswillen trivial dünkenden Lösung, weil sie dem gesunden Menschenverstand am meisten zusagend ist, immerdar aus dem Wege zu gehen, und das Wort des Räthsels auf geheimen, nur für Auserwählte gangbaren Wegen, die nicht immer jene des Lichtes sind, zu suchen. Wenn daher die Frage nahe liegt, warum die Vorsehung es zulassen möge, daß das Denken, die eingeschlagene gerade Bahn verlassend, oft erst nach den seltsamsten und weitesten Umwegen zu derselben zurückzukehren genöthigt werde, während es nur eines glücklichen Griffes, eines offenen Blickes bedurft hätte, um die Wahrheit auf dem kürzesten Wege zu finden: so mag vielleicht einer der Gründe der sein, daß sie uns das unschätzbare Gut des schlichten geraden Verstandes durch die eigene Verwirrung am herbsten und eindringlichsten fühlen lassen will. Auf dem Umwege waren vielleicht manche andere glückliche Entdeckungen zu machen, zu welchen wir ohne denselben nie gelangt sein würden, und wenn nichts Anderes, so macht das Gefühl, alle Möglichkeiten des Irrens erschöpft zu haben, unsern Glauben an die endlich errungene Wahrheit zuversichtlicher und fester haftend. =Lessing='s Ausspruch, er wolle lieber das redliche Streben nach der Wahrheit, als die fertig zugerichtete (wenn man sie nicht mit =Liebe= erfaßt), findet hier seine Geltung. Durch den langen Umschweif, welchen das Denken seit =Leibnitz= durch die mannigfaltigsten Gebiete genommen, um endlich doch zu der Ueberzeugung zurückzukehren, daß ohne Wirksamkeit keine Welt, daß die lebendige Wechselthätigkeit einfacher Wesen die _conditio sine qua non_ sei, wenn wir nicht in todten Mechanismus und starren Indifferentismus verfallen sollen, dem durch extramundane wirkungslose Bevormundung nicht abgeholfen werden kann, wird es hoffentlich anschaulich genug geworden sein, die =Wechselwirkung= allein sei der passende Ausweg, den Glauben des Herzens und die Zweifel des Verstandes zu versöhnen, und der täglich gebieterisch sich vordrängenden Erfahrung auf metaphysischem Wege die Hand zu reichen. Durch das Wirken erst erhält das Sein Leben, wie die elektrische Spannung der Luft erst zum Vorschein kommt, wenn sie leuchtet und zündet. Ein Sein, das nicht wirkt, ist ein todtes Sein, also gar kein Sein, und ein Sein, das nicht auf Andere wirkt, ein nutzloses Sein; denn kein Wesen ist um seinetwillen, sondern um des Ganzen, wie ein Factor um des Productes willen da. Nur einer kurzen Beharrlichkeit hätte es vielleicht bedurft, um den Monaden =Leibnitz=' diesen weltbürgerlichen Sinn einzuhauchen; allein so schnell sollte die Forschung nicht fortschreiten, damit der Einzelne nicht übermüthig werde, und um zehn Irrthümer ist die Wahrheit nicht zu theuer erkauft.
So mußte die Monadologie als Betrachtung des Weltganzen den Platz räumen, um ihn dem Idealismus der einzelnen Monade zu überlassen; so mußte =Leibnitz=' genialer rhapsodischer Dogmatismus geläutert werden durch eine scharfe Prüfung unsrer Erkenntnißkräfte und erst, nachdem trotz =Kant='s Gegenrede dem denkenden Geiste durch lange Beobachtung gewiß geworden, er vermöge wenigstens einige synthetische, oder besser reine Begriffswahrheiten, die synthetischer Natur sind, und nicht minder Erfahrungsurtheile einer gewissen Gattung mit zweifelloser Gewißheit zu erkennen, ohne sie durch irgend eine Art »reine« Anschauung vermitteln zu müssen: jetzt erst dürfen wir uns ruhig und unbesorgt dem Zuge unserer Gedanken überlassen, und wenn er uns zum Monadismus zurückführt, darin einen Beweis für die innere Nothwendigkeit dieses Gedankenweges sehen. Daraus folgt aber keineswegs, daß das Denken genau die Form des =Leibnitz='schen behalten müsse, obgleich auch der wichtigste, für die Brauchbarkeit eines metaphysischen Systems entscheidende Gedanke darin, wie wir zu zeigen suchten, schon im Keime lag. Welche Form es auch immer annehmen möge, daß es =Leibnitz=' Grundsätzen wenigstens in den Hauptzügen ähnlich sich gestalten werde, dafür finden wir nicht nur in =Herbart='s Beispiel, sondern auch in der merkwürdigen Erscheinung, daß das Denken, welches so lange auf den abenteuerlichsten Bahnen schweifte, zu ihm als seinem Anfangspunkte neuerdings zurückgekehrt, die sichere und erfreuliche Bürgschaft.
Verbesserungen.
v. u. welchen.
Inhalt.
Einleitung 1 principia philosophiae in gratiam principis Eugenii conscripta_) 9 ~Ueber Leibnitz' und Herbart's Theorieen des wirklichen Geschehens.~ Eine Abhandlung zur Geschichte des Monadismus 33 1. Die prästabilirte Harmonie: =Leibnitz= 37 2. Die Causalität als Kategorie: =Kant= 75 3. Die Theorie der Selbsterhaltungen: =Herbart= 79 4. Modificationen dieser Ansichten 122 a) Modification der Theorie der Selbsterhaltungen: =Drobisch= -- b) Modification der prästabilirten Harmonie: =Lotze= 130 5. Die Wechselwirkung 145 [ Im folgenden werden alle geänderten Textzeilen angeführt, wobei jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die geänderte Zeile steht.
werden verdient, auch wenn dieser noch von Niemanden erkannt wird, weil werden verdient, auch wenn dieser noch von Niemandem erkannt wird, weil oder Entelechie hin, und die Bezeichnung: Seele (_ame_) solle für oder Entelechie hin, und die Bezeichnung: Seele (_âme_) solle für necessaires et leur opposé est impossible, et celles de fait sont nécessaires et leur opposé est impossible, et celles de fait sont (14) _cest-à-dire, la plupart_ fehlt in den lat. Ausgaben.
(14) _c'est-à-dire, la plupart_ fehlt in den lat. Ausgaben.
préctablie_) zusammen, weil sie beide Darstellungen desselben Universums preétablie_) zusammen, weil sie beide Darstellungen desselben Universums sie das Universum vorstellen.
sie das Universum vorstellen.« zwischen beiden, oder als hätte Gott beständig seine Hand im Spiel(28).
zwischen beiden, oder als hätte Gott beständig seine Hand im Spiel(28).« carent (per. def), in monadibus etiam derivativis nullae partes carent (per. def.), in monadibus etiam derivativis nullae partes interius monadis creatae physice influere possit (per theor. praec.), interius monadis creatae physice influere possit (per. theor. praec.), Gegenstände vielleicht nicht ändert. Jedoch beschränken sich alle Gegenstände sich vielleicht nicht ändert. Jedoch beschränken sich alle Autarkeia wegen allen Monaden zukommt (ἐχοῦσι τὸ ἐντελές), jene, deren Autarkeia wegen allen Monaden zukommt (ἔχουσι τὸ ἐντελές), jene, deren =Ehrenberg= u. A. so reich angebauten Felder unterstützten! Während er =Ehrenberg= u. A. so reich angebauten Felde unterstützten! Während er (58) _Lettre à l'auteur de l'histoire des ouvrages des savans, (58) _»Lettre à l'auteur de l'histoire des ouvrages des savans, Substanzen des Uebergangs ma erieller Theilchen aus einer in die andere Substanzen des Uebergangs materieller Theilchen aus einer in die andere deren Art und Weise des stattfindens zwischen den realen Wesen selbst deren Art und Weise des Stattfindens zwischen den realen Wesen selbst =Schelling='s aus disparaten oder gar entgegensetzten Bestimmungen =Schelling='s aus disparaten oder gar entgegengesetzten Bestimmungen zufällig, sie ist eine blos zufällige Ansicht von demselben(73). Jedem zufällig, sie ist eine blos zufällige Ansicht von demselben(73). Jedes Erweiterung erfahren. Nicht das, was eben wirkt, sodern auch dasjenige, Erweiterung erfahren. Nicht das, was eben wirkt, sondern auch dasjenige, (80) Allg. Metaph. II. S. 150 (80) Allg. Metaph. II. S. 150.
abnehmen. Von jenem Satze: Bei allem Wechsel der Erscheinung beharrt abnehmen.« Von jenem Satze: Bei allem Wechsel der Erscheinung beharrt Körper, eine Selbstbewegung, ein κινο͂υν ἀκἰνητον auf dasjenige, was Körper, eine Selbstbewegung, ein κινοῦν ἀκίνητον auf dasjenige, was es factisch stattfindet in den einfachen Empfingungen Roth und Blau oder es factisch stattfindet in den einfachen Empfindungen Roth und Blau oder (88) Man vergl. die Note über =Canz=., S. 97.
(88) Man vergl. die Note über =Canz=, S. 69.
einen eigenthümlichen Charakter habe, welcher aber nur im Gebirte des einen eigenthümlichen Charakter habe, welcher aber nur im Gebiete des metaphysische Geltung haben, sondern sogar das Einzige sein solsen, was metaphysische Geltung haben, sondern sogar das Einzige sein sollen, was fortbewegendem Begriff, indem es außer den Zerstört- auch noch ein fortbewegendem Begriff, indem es außer dem Zerstört- auch noch ein (96) Vgl. =Herbart=: Lehrb. z. Psych. 2. Aufl. S. 200. ff. Encykl.
(96) Vgl. =Herbart=: Lehrb. z. Psych. 2. Aufl. S. 200 ff. Encykl.
aus den einen in den andern Zustand überzugehen? Wo liegt dieser Grund?
aus dem einen in den andern Zustand überzugehen? Wo liegt dieser Grund?
irrational sein; es fehlt die Bedindung der Causalität, des Zusammen, irrational sein; es fehlt die Bedingung der Causalität, des Zusammen, scheinbares gibt, wie es ein wahres Sein gebe müsse, weil sonst auch scheinbares gibt, wie es ein wahres Sein geben müsse, weil sonst auch urspünglichem Zusammen befindlich gewesen, deutet auf eine innere ursprünglichem Zusammen befindlich gewesen, deutet auf eine innere Gedachtes oder Ungedachtes, und das wir S. 71 f. f. auch den sogenannten Gedachtes oder Ungedachtes, und das wir S. 71 ff. auch den sogenannten =wirklicher= Gegenstand entspicht, den letzten nicht so, daß dessen =wirklicher= Gegenstand entspricht, den letzten nicht so, daß dessen Möglicheit eines Einflusses derselben auf einander überhaupt noch nicht Möglichkeit eines Einflusses derselben auf einander überhaupt noch nicht Schwäche unsers Ernißvermögens beruhende Nothwendigkeit stattfinde?
Schwäche unsers Erkenntnißvermögens beruhende Nothwendigkeit stattfinde?
Porosität viel weiter, weil es niemal zwei Punkte gibt, die nicht Porosität viel weiter, weil es niemals zwei Punkte gibt, die nicht zusammengetzten Körpern vor sich gehendes Phänomen in Folge der zusammengesetzten Körpern vor sich gehendes Phänomen in Folge der Wesens verlangt wird, im Widerspruche standen. Die übrigen Kräfte sind Wesens verlangt wird, im Widerspruche ständen. Die übrigen Kräfte sind außenher schließen lassen. Zu entscheiden, welche An-Anschauungen diese außenher schließen lassen. Zu entscheiden, welche Anschauungen diese Durchdringung, materiellen Uebergang, Selbsterhaltung u. s. w. müssen Durchdringung, materiellem Uebergang, Selbsterhaltung u. s. w. müssen ]