SigPhi · Max Wertheimer

Experimentelle Studien über das Sehen von Bewegung

German

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2. B. (Winkelanordnung, a horizontal, 5 vertikal, rote Streifen auf schwarzem Grunde): „sehr deutliche, einheitliche Drehung, sinnlich klar zu beschreiben, sichtbar dreht sich der horizontale Streifen ein Stück hinauf, der Vertikale ein Stück in seine End- lage, aber das Ganze ist in Einem, nicht zerstückelte Bewegung, sondern Ganzdrehung klar von a naclı 5 gesehen, von der Mitte ist bezüglich des sonstigen Optischen zu sagen: da war nichts von Streifen, nichts von rot.“ Und ähnlich; z. B. (weilse Streifen) „merkwürdig ist, dafs ich da nicht irgendwo den weilsen Balken während der Bewegung sehe; doch, den letzten Teil der Be- wegung, ca. 15 Grad, das heifst, wenn der weilse schon da ist, macht er noch einen Schlufsteil der Bewegung, aber vorher ist er nicht da, es ist nie so, dafs ich hier den weilsen Balken etwa in der Gegend von 45° irgend sehe“. Oder ferner: (a vertikal) „eine Art klarer eindringlich gegebener Bewegung ist da, Drehung um die 90", nicht möglich etwa als Sukzession zu denken; nicht ı Vgl. Schumann a. a. O. S. 218 „...das Bild des vertikalen Balkens behält seine vertikale Lage bei und trotzdem ist der Eindruck der Drehung Experimentelle Studien über das Sehen von Bewegung. 2923 die weilse Vertikale bewegt sich, aber es ist irgend ein Vorgang, ein Hinüber, da; den Horizontalen sieht man „sich hinlegen“, frühere Lagen des Streifens resp. von weils etwa z. B. in der Gegend von 45° sind sicher nicht irgend dagewesen, nichts von solchem; aber obzwar nichts weilses sich dreht, nicht das Objekt sich dreht, ist doch klar die Bewegung gegeben und gesondert noch das letzte Ende der Bewegung im „Hinlegen“ der Horizon- talen“. Und, überall spontan, in vielen Fällen: „der Streifen a und b gesehen, dazwischen klar Bewegung zwischen a und Öb, nichts von Zwischenlagen, ‘der Streifen (seine Farbe resp. das Objekt) ist nicht durch das Feld gegangen, der Grund war blitzblank ruhig da — aber die Bewegung geht hinüber“. Das schliefslich auch in Fällen, bei denen a und 5, die zwei Streifen völlig ruhig da waren — zwischen ihnen nichts anderes als Be- wegung. (Besonders leicht ergaben sich alle solche Fälle, bei grölserem Abstande zwischen a und d, bei denen die Beobachtung einheitliche klar gegebene Bewegung durch das Feld zeigte, vom optischen der ab im Bewegungsfelde nichts vorhanden war.)

Diese Fälle zeigten sich so, dals auch nicht etwa der Gedanke vorhanden war: ein Objekt habe sich hinüberbewegt; was von Objekten vorhanden war, war in den zwei Lagen ge- geben; nicht eines oder eines von ihnen oder ein ähnliches be- traf die Bewegung; sondern zwischen ihnen war Bewegung ge- geben; nicht eine Objektbewegung. Auch nicht: das Objekt be- wegt sich hinüber, ich sehe es nur nicht. Sondern es war einfach Bewegung da; nicht auf ein Objekt bezüglich.

Was ist das, was da psychisch gegeben war? In diesem Felde, wo nichts von den sonstigen optischen Qualitäten zu sehen war (aufser dem blanken Grunde)? Keine Vorstellung des hin- übergehenden Streifens an den Stellen ergänzt war, und nicht gedacht wurde, dafs der Streifen da hinüberginge?

Die Aufmerksamkeit wurde dorthin konzentriert; der Ein- druck war ebenso da, ja stärker (vgl. $ 11); nichts von sonstigem Öptischen, in keinem Sinne etwas vom Durchgehen des Streifens durch Zwischenlagen, dabei aber: „die starke, einheitliche Be- wegung hier in diesem Felde; eine spezifische, eindringliche „Hinüberbewegung“ resp. „Drehung“.

Ich gab die Winkelanordnung in 90° in optimal-identischer Drehung; und fügte einen gleichfarbigen kürzeren Streifen c, der den Scheitel nicht erreichte, Fig. XX a S. 265, auf dem Expositions- 224 Max Wertheiner.

felde B ein, in der Gegend von 45°, an eine Stelle also, wo der etwa in den Zwischenstadien zu ergänzende Streifen hinübergehen mülste; waren z. B. ab weilse Streifen von!/, oder 1cm mal 6 oder 8cm, so c ebenso breit nur kürzer, 1,2cm usw. (gewissermalsen ein Stück der Form einer Mittellage); die Aufmerksamkeit wurde auf c, resp. auf sein inneres Ende, resp. in den Abstand zwischen c und dem Scheitel postiert. Die Bewegung ab, Ganzdrehung um 90°, blieb optimal (vgl. $$ 10, 11); wird da der weilse Strich c irgendwie ergänzt? Scheint c einen Augenblick durch das Vorübergehen eines ergänzten bewegten Streifens etwa irgend- wie verlängert resp. huscht irgend ein Schimmer an der Stelle zwischen c und dem Scheitel vorüber? Es ergab sich in viel- facher Beobachtung immer wieder dieses Charakteristische: klare, zwingende Bewegung um 90° war da, das spezifische „Hinüber“ ist klar zu beobachten; an der Stelle zwischen ce und dem Scheitel huscht nichts Weilses vorüber, der Grund an der Stelle bleibt ruhig schwarz, es war auch keinen Augenblick dort irgendwas er- gänzt; aber das „Hinüber“ ist an der Stelle da; nicht als Hinüber des Streifens; blofs ein „Hinüber“, eine „Drehung“.

Dasselbe Experiment stellte ich auch mit dem Schieber an (vgl. Schieber Nr. XIII u. a.); Analoges ergab sich auch bei der Anordnung, wo bei den tachistoskopischen Versuchen c identisch auf beiden Expositionsfeldern des Tachistoskops angebracht war; dasselbe beim Schieber Nr. -XIV, bei dem c dauernd hell bleibt.

Aber noch einfacher liels sich das demonstrieren; man stellt in der oben ($ 2) geschilderten Weise den Schieber (z. B. Nr. I) mit zwei Objektschlitzen vor sich und stellt nun zwischen die beiden Schlitze ein Objekt, z. B. ein sichtbares Stäbchen oder ähnliches, und fixiert dieses; oder analog im grolsen: die Schieber- striche wurden in nicht ganz verdunkeltem Zimmer in optimaler Bewegung auf eine weilse Wand projiziert, zwischen den beiden Projektionsbildern (deren Abstand voneinander z. B. 60 cm oder 30 cm betrug) stand ein hellbrauner Holzträger ca. 10 cın breit. Einige- mal drückten sich Vpn. zuerst so aus: „ich sehe doch die Be- wegung hinüber! Auch da, wo der Träger steht — aber der braune Träger ist ganz ruhig, klar da: es geht kein Streifen drüber weg, es sieht zuerst so aus, als ob ich sähe, die Bewegung ginge durch ein Tunnel?!*! Dann aber: „der exakte Tatbestand Eine „Tunnelbeobachtung“ verzeichnet gelegentlich v. Krızs bei Ge- legenheit von ghost-Experimenten (Z. f. Ps. 28, S. 81). — Vgl. Lınkz, II. Kongr.

Experimentelle Studien über das Sehen von Bewegung. 225 ist so: das Hinüber, die eindringliche Bewegung von a nach b ist klar und deutlich, kräftig da und völlig kontinuierlich, dabei geht dort nichts von weilsem hinüber und es geht nicht der Streifen hinüber.“ Und ebenso: „auch links und rechts vom Träger bleibt der Grund völlig klar, es wischt nichts drüber weg“, „weils sehe ich blofs im Streifen der Anfangsstellung und im Streifen der End- lage des Hin und Her, dazwischen ist nur dieses merkwürdige Hinüber gegeben in dem Raum zwischen a und 5.“ „Aber es ist gar kein Hinüber des Streifens dal Nur das Hinüber, eine starke Bewegung selbst — — |“ In dieser Abgelöstheit des Phänomens von den visuellen Ob- jekten a und 5 ergaben sich nun auch Fälle, wo von einem a zwei reine p-Bewegungen, Drehungen auftraten, so zwar, dals es dabei in keinem Sinne schien, als ob sich das a nach zwei Seiten hin spalte. Bei der Anordnung Fig. XXV [die kürzere Vertikale («) in Mitte der längeren Horizontalen (d)] trat oft, sofern nicht eine Richtung begünstigt war (s. S. 219), klar links und rechts das Phänomen der Drehung zugleich auf (Drehung um 90° nach rechts und nach links), durchaus nicht so, als ob die Vertikale sich drehe oder gar zwei Linien nach entgegengesetzten Seiten, sondern es wurde die vertikale und die horizontale Linie gesehen und die beiden @-Drehungen; ev. so, dafs den allerletzten Teil der Drehungen die Horizontale mitmachte; aber auch bei klarer Ruhe der Linien, nur zwischen ihnen das p-Phänomen. Gelegent- lich verschieden stark, so, wenn rechts begünstigt war (s. 8. 211): „zwei Drehungen, rechts eine starke, zugleich links eine etwas schwächere, weniger eindringliche“; und nicht nur bei Anordnung im rechten Winkel, sondern ebenso bei Schräglage der a-Linie usw. (rechts z. B. Bewegung im Winkelfeld von 135°, links in dem Dieses p-Phänomen, das „Hinüber“ resp. die „Drehung“ war bei tachistoskopischen Versuchen, besonders bei Neuheit der An- 8. 217: „Die Beobachter glaubten nun“ (bei stroboskopischer Raddrehung) „es werde das Rad während seiner Drehung durch einen Schirm oder Schatten plötzlich verdeckt und gleich darauf wieder freigegeben. Die Drehbewegung wurde aber nicht erschlossen, sondern, das ist das Wichtigste, unmittelbar gesehen.“ — Vgl. auch Wunpr, Physiol. Psych. U, 8. 582 u. Zeitschrift für Psychologie 61. 15 226 Max Wertheimer.

ordnung resp. Umkehrung von ad in ba, etliche Male so stark da, dafs der Beobachter nichts über die Objekte selbst angeben konnte (Fall des $ 13, 1): „was für Objekte da waren, ist nicht zu sagen; ich habe eine starke Bewegung (richtige Richtung gezeigt), gesehen, von Objekten weils ich nichts, weifs nichts von Objekten gesehen zu haben.“ Ähnlich (Fall $ 13,2) bei der Anordnung Fig. XXb, wo, in unwissentlichem Verfahren, als 5 ein rechter Winkel, als a ein Streifen in der Lage von 45° des b-Winkels exponiert wurde: „eine Bewegung war da, am Schlufs stand ein rechter Winkel, es war eine drehende Bewegung um den Scheitel nach unten zur Horizontalen dagewesen im unteren Teile des rechten Winkels; was sich gedreht hat, weils ich nicht, die Hori- zontale ist — wie die Vertikale — ruhig gelegen und es war nicht so, als ob sich die Horizontale in ihre Lage gedreht hätte.“ [Auch Experimente periphere Bewegungen betreffend könnten hierher gehören; vgl. ferner S. 220 Anm. 1.)

Bei den obigen Experimenten hat man es nicht nur mit einem theoretischen Beweismittel zu tun, dafs nämlich y auch ohne jedwede Ergänzung von Zwischenlagen des Objekts gegeben ist, und das Charakteristische des p-Vorgangs durch das Nicht- vorhandensein einer Ergänzung der Zwischenlagen überhaupt nicht tangiert erscheint; sondern mit einem Demonstrations- experiment in prägnantem Sinn, in welchem der reine p-Vorgang erscheint.

Es ist da aulser der Farbe des Grundes nichts von den gewöhnlichen optischen Qualitäten im Bewegungsfelde gegeben; nichts im Vorgange von Farbe, von Kontur ist da; es hat sich in dem üblichen optischen Sinne nichts geändert an der Fläche des Zwischenfeldes, dem Grund. Der Beobachter sagt hier, nicht der Strich bewegt sich hinüber; glaubt auch nicht, er bewege sich hinüber, a nach 5, oder er scheine sich hinüberzubewegen; sondern „ich sehe a, ich sehe d, ich sehe zwischen den beiden Bewegung, ich sehe das Hinüber, die Drehung — nicht des Striches oder der Striche, die sind an ihren Orten a und b —, ein starkes oder ein schwaches „Hinüber“ selbst.“ „Ich sehe Be- wegung; so (gezeigt); nicht ein Hinüber von etwas.“ Und dies bei vollster Aufmerksamkeitskonzentration auf das Feld und kritischester Betrachtung;; je stärker, je zentraler die Aufmerksam- keit im Felde konzentriert ist, desto besser.

Experimentelle Studien über das Sehen von Bewegung. 297 Man sollte meinen: nun, wo sicher nichts von Ergänzung erschien; nichts von gedachter Bewegung (dals ein Objekt sich hinüberbewege); nichts von Zwischenlagen des Objekts; dals nun die „Täuschung“ der Bewegung verschwände. Aber im Gegenteil, zwingend und charakteristisch in ihrer spezifischen Eigenart ist die Bewegung da; klar und deutlich gegeben und immer wieder beobachtbar.

Diese Bewegungsphänomene sind in schwächerer oder stärkerer Intensität gegeben [im Extrem bei zwei gleichzeitigen Erscheinungen, 2. B. bei Fig. XXV S. 265 bei Einstellungswirkung auch für den rechten, grölseren Winkel: rechts ein kolossal starkes, links ein schwaches p-Phänomen zugleich].

Und sie haben ihre charakteristische Art und Weise je nach (len Umständen des Experiments als „rapides* Hinüber, als „lässige“, „langsame Drehung“, als „ruhige Drehung“ oder „Drehung mit ruckhaftem Anfangs- und Endteil“ usw.

Sie zeigen weiters spezifische Bewegungskurven (s. S. 187, 208) und sind in bestimmter räumlicher Lokalisiertheit! gegeben.

Es sind psychische Phänomene?, die in solcher Weise wie gegebene sinnliche Form-, Farbeninhalte gegenständlich gerichtet sind, objektivisch, nicht subjektivisch erscheinen; im Gegensatze zu anderen psychischen Gegebenheiten sind sie nicht statischer, sondern dynamischer Natur; in dem spezifisch charakterisierten „Hinüber“ usw. haben sie ihr psychologisches Fleisch und Blut, nicht zusammensetzbar aus dem der üblichen optischen Inhalte.

& 17. Kommt man von solchen Experimenten wieder zum Sehen wirklicher, lebendig geschauter Bewegung, so sieht man, Bei den behandelten Experimenten: in einem räumlichen Bezirke der Feldebene. Um zu sehen, ob auch unter komplizierteren Umständen ein g-Phänomen in bestimmter Ebene vor sich geht, projizierte ich z. B. zwei Schieberschlitze, je einen auf eine andere, räumlich verschieden entfernte —- ö Wand (Vogelperspektive der Anordnung F jun m Entfernung); der Beobachter stand seitlich, es ergab sich das klare Bewegungs- [ phänomen: / ? Das Wort psychische Phänomene steht hier in dem einfachen Sinn des spezifischen, beobachtbar Gegebenen.

998 Max Wertheimer.

dals die Dinge, zu denen die scheinbar so lebensfernen experi- mentellen Vorkehrungen geführt haben, durchaus nicht so lebens- fremde, sonderbare und exzeptionelle sind; sondern allenthalben erkennt man sie wieder beim Schauen von Bewegungen; das Auge ist geschärft dafür, die charakteristischen g-Phänomene bei Bewegungen zu sehen, neben, ja im Gegensatze zur Wahrnehmung von Lagen und Folgen von Lagen. Auch bei wirklicher Be- wegung ist sehr oft nicht das raum-zeit-kontinuierliche der visuellen Zwischenlagen, sondern ein reines p-Phänomen gegeben: man sieht z. B. wie Arbeiter beim Bau sich Ziegel zuwerfen, sieht (indem man etwa einen bestimmten Punkt fixiert) die cha- rakteristische Bewegung des Armes vor dem Hintergrunde einer weilsen Mauer, sieht immer wieder die Hinaufbewegung von einer bestimmten Lage des Armes beim Fassen des Ziegels zur Endlage oben; man sieht die beiden Endlagen, sieht die Be- wegung, — dabei nichts von den raum-zeit-kontinuierlichen Lagen zwischen Anfangs- und Endlage, aulser vielleicht im aller- ersten Ruck der Bewegung und im allerletzten, — und dabei doch die ganze eindringliche Bewegung. Auch hier wieder läge es zunächst nahe, an Täuschung zu denken; hat man aber solche Beobachtungen oft angestellt und den Blick für Wahrnehmung in kleinen Zeiträumen, wie in den obigen Experimenten, geschult, so wird es klar, dafs hier kein Schlufs, keine Urteilstäuschung, sondern ein lebendiges Sehen von Bewegung gegeben ist. Oder ähnlich beim Schatten eines schreitenden Menschen auf dem Asphalt, oder beim Sehen eines taktierenden Metronoms gewisser Schnelligkeit usf. Man kann ähnliches in einem einfachen Ex- periment beobachten: auf einem Blatt Papier, auf das Buchstaben (einer oder mehrere) gedruckt sind, wird ein (vertikal liegender) Bleistift! horizontal von einer Stelle links nach einer rechts be- wegt; über einen mittleren Buchstaben hinweg z. B. 10 cm (in bequemer Sehweite) weit; einmal, mehrmals; oder hin und her; man fixiert den Buchstaben in der Mitte. Wird der Bleistift rasch hinüber (oder hinüber und herüber) bewegt, so sieht man nichts von Zwischenlagen; über dem fixierten Buchstaben wird er nicht gesehen, er geht als solcher nicht über ihn weg, auch sonst, zwischen Anfangs- und Endlage, ist der Bleistift und seine Farbe nicht dagewesen, d.h. nicht im geringsten gesehen worden: Exakter: ein sehr dünner Gegenstand.

Experimentelle Studien über das Schen von Bewegung. 229 trotzdem ist nicht blols die Sukzession der gesehenen Anfangs- und der gesehenen Endlage da, sondern die Bewegung. Das physikalische „sich an dem Orte befinden“ (etwa über dem fixierten Buchstaben) war hier nicht gesehen; nimmt man (auch bei derselben Geschwindigkeit etwa) einen kleinen Abstand von Anfangs- und Endlage, so tritt die völlig optimale Bewegung ($ 2) auf, man sieht den Bleistift, seine Farbe, hin und hergehen durch das Bewegungsfeld; bleibt man bei grölserem Abstand und bewegt den Bleistift langsamer hinüber, so sieht man ev., wie er kontinuierlich hindurchgegangen ist (da ist der Fall kon- tinuierlicher Durchgangsbewegung gegeben 8. 231); bei langsamer Bewegung tritt aber oft das Charakteristische ein: war es 80, dafs man ihn wirklich in allen Lagen im kontinuierlichen Nach- einander gesehen zu haben glaubt, dann ist der charakteristische Eindruck der Bewegung selbst oft weg — das Paradoxe tritt ein, dals, sofern das Raumzeitfolgende der Zwischenlagen psychisch wirklich da ist, die Bewegung selbst sehr oft nur als blofs Er- schlossenes, als blofses Wissen hinzutritt und die genaue Selbst- beobachtung zeigt: ich habe das Einnehmen von Lagen gesehen, da, da, da, und ohne Unterbrechung, aber das Spezifische wirk- lich gesehener Bewegung ist nicht vorhanden.

2. (Aneinandergereihte Sukzessivexpositionen.)

Dauernd kontinuierlich aneinandergereihte Sukzessivexposi- tionen ergaben sich z. B. in folgender Anordnung: An dem Tachistoskoprade [nun ohne die Prismeneinrichtung S. 175] war ein einfacher Schlitz oder mehrere symmetrisch liegende Schlitze angebracht; im Expositionsfelde war eine ZIMMERMANNsche Kymographentrommel aufgestellt, auf der eine Anzahl zur Drehungsachse paralleler Linien gezeichnet waren.! Tachistoskoprad und Kymographentrommel rotierten; das Tachi- stoskoprad in einer Schnelligkeit, die bei einmaliger Exposition völlige Ruhe der sichtbaren Parallellinien ergab. Je nach dem ‘ Phasenverhältnis der beiden Rotationen (der Folge der Exposi- tionen also einerseits, der Rotationsgeschwindigkeit des Kymo- graphen andererseits) war nun bei Dauerbeobachtung in optimalen Verhältnissen dreierlei zu erzielen: 1. Sehen kontinuierlicher Be- I Analog bei nur einer Linie auf der sichtbaren Seite der Trommel.

Max Wertheimer.

wegung der Parallelliniien im Sinn der wirklichen Be- wegung der Kymographentrommel; 2. Stehen, dauerndes Ruhigbleiben der Linien im Gesichtsfelde resp. ein Zustand von Labilität s. u.; 3. Sehen kontinuierlicher entgegengesetzt gerichteter Bewegung. Folgen die Expositionen in der Weise, dafs bei erster Ex- z. B. die Lagen abcd exponiert sind, bei zweiter Exposition [5 bb « ES ce d’ T position die Lagen a, db, c, d,, also die Kymo- graphenlinien inzwischen um!/, desAbstands der Linien voneinander hinaufgerückt sind, so Kr lichen Bewegung der Kymographenlinien ge- sehen; sind die Linien in der Zeit zwischen den Expositionen um drei Viertel des Ab- stands hinaufgerückt, so wird entgegenwird Bewegung im Sinne der wirkgesetzt gerichtete Bewegung gesehen; dem Gesetze des kleineren Abstands gemäls gibt a: db, Bewegung: Yon (es wird abwärts gehende Bewegung gesehen); sind die Kymo- graphenlinien in der Zeit zwischen den Expositionen um das Ganze des Linienabstandes hinaufgerückt, so wird Ruhe der Linien gesehen (d, ist an die Stelle von @ getreten usf.), oder es tritt (infolge einer nicht völligen Genauigkeit der Rotations- verhältnisse) kleine Bewegung aufwärts oder abwärts auf (je nachdem 5, etwas über oder unter die Lage von a gelangt ist); wenn die Linien in der Zwischenzeit um die Hälfte des Abstands hinaufgerückt sind, kann bei einer kleinen Ungenauigkeit der Rota- tionsverhältnisse der entstehende Abstand ent- scheiden; abgesehen hiervon sind beide Bewegungsrichtungen objektiv gleicherweise begünstigt und es entscheiden Ver- hältnisse der Einstellung ($ 14) und der Aufmerksam- keitsstellung ($ 11): es kann zu Hinauf- oder zu Herab- bewegung kommen resp. die eine in die andere umkippen.'

Rn | BRRRSEERSRRNEER _— Jd ® b e— NN c ı Dabei zeigt sich oft bei längerer Betrachtung ein seltsamer Zustand von Labilität, ein Schwanken, Unsicherheit, in einigen Bezügen ähn- lich den S. 254 besprochenen Erscheinungen.

Experimentelle Studien über das Sehen von Bewegung. 231 Bei all diesen Experimenten waren Sukzessivexpositionen verschiedener Lagen aneinandergereiht; die Dauerbeobachtung zeigte unter den betreffenden Versuchsumständen (d.h. z.B. bei einem Phasenverhältnis der beiden Rotationen, das Vorrücken um 4, oder ®, des Abstands der Sukzessivobjekte ergibt) dauernde einheitliche Bewegung einer Richtung: das Feld ist dauernd erfüllt von sich aneinanderschlielsenden gleich- gerichteten g9-Phänomenen, die völlig einheitlich ineinander- fliefsen: es ist im Felde kontinuierliches „Sinken“, „Steigen“, „Drehung“ usw. gegeben.

Hierbei waren im optimalen Eindruck die Einzellagen im Sinne des $ 12, 8. 213 nicht mehr als solche imponierend: es war dauernde einheitliche Bewegung da, ohne dals bestimmte „Lagen“ als solche besonders hervortraten; vgl. hierzu unten $ 21, S. 250: hier erscheint ein Übergang zu dem Sehen langsamer, ruhig kontinuierlicher wirklicher Bewegung gegeben. — Analoges ergab sich bei Verwendung einer Speichen-Kreisel- scheibe anstelle der Kymographentrommel. Bei blofs tachisto- skopischer Sukzessivexposition zweier sich kreuzender Linien entschied zunächst der kleinere Abstand: bei einmaliger Suk- zessivexposition wurde Bewegung über den kleineren Winkelraum gesehen, bei Serienexposition ein Hin und Her daselbst. Stehen die Linien normal aufeinander, so sind die Abstände objektiv gleichermalsen begünstigt und es zeigte sich Einstellung und Aufmerksamkeitsstellung (z. B. in den Winkel oben oder den seitwärts) entscheidend dafür, ob Drehung nach rechts oder links gesehen wurde. Wurde nun in obiger Anordnung mit einem Speichenkreisel operiert, der zwei oder mehrere Speichen enthielt, so ergaben sich die analogen Befunde wie bei den Kymographenlinien; bei einem Phasenverhältnis der beiden Ro- tationen also, das z. B. Vorrücken des Kreisels um eine Gradzahl betrug, die drei Vierteln des Winkels zwischen je zwei Speichen entsprach, kontinuierliche Drehbewegung in der, der wirklichen entgegengesetzten Richtung.

Bei einfacher scharfer Beobachtung (wirklicher Bewegung) rotieren- der Speichenräder kann man bei tauglicher Geschwindigkeit und verschiedener Aufmerksamkeitsstellung öfters y-Phänomene entgegengesetzter Richtung bemerken; z. B. rechts wohl die Bewegung der wirklichen Richtung, dabei links ein scheinbares Rückschlagen der entgegen- 232 Max Wertheimer.

Statt des Speichenkreisels wurde auch die bekannte Spiralen- scheibe verwendet. Die (langsam) rotierende Spirale gibt den eindringlichen Eindruck des dauernden „Sichausdehnens“ von der Mitte aus resp. des „Schrumpfens“ zur Mitte zu; das erklärt sich in einfacher Weise durch die behandelten Gesetze des Zu- standekommens der g-Phänomene: für Entstehung von p in Richtung der Spirallinie selbst (resp. in Kreisrichtung) ist wenig oder kein Anlals gegeben, wohl aber für Entstehung von 9-Phänomenen von Orten der Linie zu radial nächstliegen- den Orten! und es kommt gesetzmälsig zu radialen, zentripetal (oder zentrifugal) gerichteten, sich aneinanderschliefsen- den g-Phänomenen: zum „Ausdehnen“, resp. „Sichzusammenziehen“. [Schema- tisch: Gab die rotierende Spirale zuerst die Stellung der ausgezogenen Linie obiger Zeichnung, so ist sie nach einer Drehung von z. B. 90° in die Stellung gelangt, die durch die punktierte Linie angezeigt werden sollte. (Versehent- lich ist die punktierte Linie der Zeichnung eine andersartige Spirale!)

3. (Nachbild).

3. (Nachbild).

Bei den erwähnten Dauerbeobachtungen ist das Feld dauernd erfüllt von der einheitlichen Erscheinung der sich aneinander- schliefsenden gleichgerichteten 9-Phänomene (auch bei relativ grolsem Abstande der 'sukzessiv exponierten Lagen voneinander).

Sieht man so eine Zeitlang dauernde p-Bewegung einer Richtung und sieht dann auf günstige ruhige Objekte resp. ein ruhiges Feld, so tritt entgegengesetzte Bewegung spontan auf; hier zeigt sich die theoretisch wichtige Tatsache, dafs die p-Phä- nomene, bei genügender Dauer und Gleichgerichtetheit — analog gesetzten Richtung. Ein wesentlicher Faktor für das bekannte, rätsellhafte „Radspeichenphänomen“ (ein rotierendes Rad scheint plötzlich in um- gekehrter Richtung zu rotieren — im Tageslichte —) scheint darin in ein- facher Weise gegeben; wird ein Speichenrad in verschiedener Schnelligkeit rotiert, so kommt es zunächst zu einem (hier nicht näher zu besprechenden) Hervortreten bestimmter Ruhestellungen, z. B. im Kreuz und z.B. bei etwas anderer Geschwindigkeit zu rückläufiger 9-Bewegung.

ı Vgl. neuerdings Pı. Srumrr, Über die Abhängigkeit der vis. Bewe- gungsempf. Z. f. Ps. 59, S. 324.

Experimentelle Studien über das Sehen von Bewegung. 233 den bekannten Nachbildern beim Sehen wirklicher Bewegung — ein negatives Nachbild ergeben.

Schon Exner! hat negative Nachbilder bei „Scheinbewegung“ erzielt; analoges ergab sich hier (auch wo die zuerst gesehene Be- wegung entgegengesetzt der wirklichen Bewegung war, S. 230), in ungleich stärkerer Weise aber (ganz analog wie bei den Nachbildern „wirklicher“ Bewegung) bei dem Spiraleversuch (S. 232), zuletzt bei kinematographischer Darbietung der rotierenden Spirale.

Dauernd im selben Felde aneinandergeschlossene gleich- gerichtete p-Phänomene geben ein intensives negatives Nachbild (Bewegung entgegengesetzter Richtung).

8 18. Überschauen wir die Verhältnisse im ganzen, so er- gibt sich: 1. Bei tauglicher Sukzessivexposition zweier in einem Abstand voneinander stehender ruhender Reize wurde Bewegung gesehen’?, die nicht durch Augenbewegung oder Verhältnisse des An- und Abklingens der Erregungen in den zwei gereizten Netzhautstellen selbst fundiert sein kann.

Bei fixem Auge wurden zwei durch einen Abstand ge- trennte Netzhautstellen sukzessiv gereizt; unter den gegebe- nen Bedingungen? wurden die beiden Reizobjekte bei einem zeitlichen Intervall ihrer Sukzession von ca. 300 simultan ruhend gesehen; bei einem Intervall von ca. 2000 sukzessiv ruhend; bei einem Intervall von ca. 600 war in der Regel Bewegung von der einen zur anderen Lage gegeben. Das Zustandekommen dieses Effekts er- scheint aufser von den zeitlichen Verhältnissen in erster Linie abbängig noch von der Gröfse des Abstandes der zwei Objekte, indem sich z. B. bei kleinerem Abstande ein ausgedehnteres Bereich derjenigen Zeit-Intervallgrölsen ergab, die optimale Bewegung erzielten. Dauerbeobachtung und Einstellung sind von spezifischem gesetzmälsigem Einflufs. 2. Der Eindruck der Bewegung ist nicht konstitutiv notwendig mit dem der Identität von « und 5 verbunden; im Stadienverlaufe vom Simultanen abwärts trat in der Regel zu- 234 Max Wertheimer.

erst Bewegung auf, dann Identität; vom ÖOptimalen aufwärts verschwand in der Regel zuerst die Identität «=D, bevor noch Ruhe erreicht war.

3. Zwischen dem Effekt der Ganzbewegung (von Lage a nach Lage 5b) und den Extremstadien (z. B. ruhiger Simultaneität) zeigten sich duale Teilbewegungen, d. i. Bewegungen der beiden Objekte, jedes für sich.

Zwischen dem Effekt identischer Ganzbewegung und den ruhenden Extremstadien gibt es qualitativ beson- ders charakterisierte Eindrücke: die Identität der beiden Reizobjekte war nur im optimalen Bewegungsstadium vorhanden; darüber (z. B. im Verfahren der Verkürzung des zeitlichen Intervalls) traten Erscheinungen von Bewegung ohne Identität der Objekte ein und das spezifische Phänomen der Teilbewegung, zwei, kleinere, Bewegungen bezüglich der beiden Objekte für sich; solche dualen Teil- bewegungen waren gröfseren oder kleineren Umfangs: beim Höhersteigen in Verkürzung der zeitlichen Intervalle zum Stadium der Simultanruhe zu fand Verkleinerung der beiden Bewegungsbereiche statt. Nahe unter dem Simultan- stadium trat oft noch eine Erscheinung — nicht mehr Vor- gänge im Abstandsfelde betreffend — auf, die Innenbewe- gung (Bewegungserscheinungen innerhalb der Objekte); in einigen Fällen Verlagerung.

4. Es ergaben sich Bewegungseindrücke, bei denen das eine der beiden Objekte unberührt ruhig bleibt, das andere eine (Teil-) Bewegung zeigt (Singularbewegung).

5. Der Aufmerksamkeitsstellung und der Ein- stellung kommen gesetzmälsige Wirkungen auf das Zustande- kommen und die Art der Effekte zu.

Bei den Beobachtungen zeigten sich spezielle Faktoren von Einflufs; Dauer, Einstellung und Postierung der Auf- merksamkeit zeigten spezielle Wirksamkeiten; so zeigte sich z. B. Stellung der Aufmerksamkeit in das Abstandsfeld be- günstigend für den Bewegungseindruck. Experimentell er- zeugte Einstellung zeigte quantitativ mefsbaren Einflufs auf Ort und Art der Bewegung.

6. Es ergaben sich Bewegungseindrücke, bei denen eines der beiden Objekte psychisch nicht wahrgenommen oder auch ob- jektiv als Reiz nicht mehr vorhanden war (u. zw. Teilbewegung).

Experimentelle Studien über das Sehen von Bewegung. 235 7. Der Bewegungseindruck ist materialiter nicht in subjek- tiver Ergänzung von Zwischenlagen des Objekts konstituiert; in bestimmten Experimenten war, obwohl im Abstandsfelde schlecht- hin nichts von den Objekten resp. der optischen Qualität der Objekte irgend gesehen oder gedacht wurde, der Bewegungsein- druck über das Feld hin selbst, zwingend gegeben, (auch bei reiner Dualität und Ruhe der beiden Objekte): das 9-Phänomen in Abgelöstheit von den Erscheinungen der beiden Reizobjekte.

[8. Ein, im Optimalstadium, in den Bewegungsraum zweier solcher Objekte gestelltes drittes kleineres Objekt zeigte unter bestimmten Umständen Ruhe bei Ungestörtheit der Bewegung bezüglich der beiden Objekte, unter anderen kleine Singular- bewegung. Zwei nebeneinander postierte Sukzessivexpositionen zeigten bestimmten Einfluls aufeinander.

9. Unter den gegebenen Umständen konnte die Dauer der Exposition der einzelnen Reize selbst recht erheblich variiert werden; die Frage, ob ein zeitliches Intervall zwischen dem Ende der ersten Reizung und dem Beginne der zweiten für das Ent- stehen von Bewegungseindrücken unbedingt vonnöten sei, ent- schied sich dahin, dafs auch bei einem teilweisen zeitlichen Übereinandergreifen der Reizzeiten Bewegungseindrücke (Teil- bewegungen) eintreten können (wenn auch schwerer); ebenso bei andersartiger Reizung der einen der beiden Reizstellen während der Reizung der anderen. In speziellen Experimenten bestätigte sich, dals auch bei Darbietung des einen der beiden Reize für das eine Auge, des anderen für das andere die Be- wegungseindrücke resultieren.

10. Die bei Sukzessivreizung resultierende optimale Bewe- gung zeigte sich in bezug auf die Bewegung als gleichwertig dem Sehen der Bewegung bei Exposition eines entsprechend wirk- lich bewegten Objekts, ebensostark, unter Umständen eindring- licher gegeben als diese.

11. In verschiedenen Versuchsanordnungen zeigte sich der Übergang zum Eindruck kontinuierlich dauernder Bewegung, bei Aneinanderreihung von Sukzessivexpositionen ruhender Lagen, die in räumlichen Abständen voneinander ex- poniert waren; und es bestätigte sich in spez. Versuchen ana- log zu den Nachbilderscheinungen bei länger gesehener wirklicher Bewegung: die bei solchen Sukzessivexpositionen resultierende Bewegungserscheinung hat ein negatives Nachbild.]

236 Max Wertheimer.

& 19. Die letzte ausgedehnte Diskussion über die Fragen des stroboskopischen Bewegungsehens, MArBE'!, DÜRR*? contra Lmke, Wunpt; Lmke®, Wırta * contra MARBE, zeigt charakte- ristisch, bis zu welchen extremen Gegensätzen in konstitutiven Fragen des Bewegungsehens es in letzter Zeit vielfach ge- kommen ist.

Der spezifische, eindringliche Charakter von Bewegung, wie er im lebendigen Sehen gegeben ist, kann nicht durch Rekurs auf die Art blofser Wahrnehmung kontinuierlicher Lagen und nicht durch Rekurs auf einen, wenn auch unmittelbaren, Ein- druck der Identität des Objekts, der Identität des als räumlich unterschieden Wahrgenommenen, in seinem Wesentlichen gefalst werden. Der lebendige Eindruck des Hinauf, Hinunter, des Drehens (oder gar der Eindruck einer charakteristischen organischen Be- wegung) kommt in seinem Wesentlichen, in sich Spezifischen da nicht ganz zu seinem Rechte.

Die bezüglichen Auffassungen stützen sich in erster Linie auf die Befunde bei stroboskopischen Experimenten (ferner auf die Tatsache des unbemerkten Phasenausfalles bei wirklicher Bewegung); bei diesen Tatsachen ist der Sachverhalt komplex: es kommt eine Reihe von Reizen in Betracht®; es kommen Wir- kungen des Ab- und Anklingens der Erregung in derselben und benachbarten Netzhautstellen in Frage. Zwar liegt eine grofse Reihe von Beobachtungen am Stroboskop vor; aber bei der Komplexheit der Faktoren ergibt sich in der Diskussion aulser der Komplikation vieler Probleme mehrfach striktes Gegeneinander bezüglich der konstitutiven Fragen des Bewegungsehens.

Im Verlaufe dieser Diskussion haben Linke ’ einerseits, Dürr ® andererseits Klärung durch Konstatierung verschiedener Problem- gebiete und Verschiedenheit der Fragestellungen gegeben, was aber die Gegensätzlichkeit der Thesen nicht aus der Welt schaffte.

? II. Kongr. f. exp. Psychol. 8. 214f.; Psychol. Studien 3, S. 393; Zeitschr.

® Dies betont MAaRBR.

Experimentelle Studien über das Sehen von Bewegung. 237 Durch die hier vorliegende Untersuchung erscheint eine Reihe bisher komplizierender Faktoren ausgeschieden. Betrachtet man von den Ergebnissen der Untersuchung aus die Diskussion, so ist wohl klar: Mare! handelt von Wirksamkeiten des TALBOT- schen Gesetzes und der Tatsache des unbemerkten Phasen- ausfalles ® resp. von dem Sehen des bewegten Objekts°®; Linke handelt * von Identitätstäuschungen; die Frage des Bewegungs- eindrucks selbst, die Frage, was zu Sukzessiverscheinungen als Bewegung hinzukommt, kommt nach MarBE durch den un- bemerkten Phasenausfall, nach Lmke°®° durch den Eindruck der Identität in die Theorie.