18 Grundbegrif einen wuͤrklich vorhandenen Gegenſtand habe; ſo muͤſſen auch die Folgen nothwendig vorhanden ſeyn, die aus dieſem Grundbegriffe gezogen worden ſind. Denn widerſprechende Begriffe haben keinen wuͤrk⸗ lich vorhandenen Gegenſtand. Ich betrachte z. B. eine vorhandene Figur, und bemerke, daß ich jede ihrer Seiten aus einem Augpunkte betrachten kann, aus welchem ſie ganz zu verſchwinden, oder einem bloſſen Punkte aͤhnlich zu ſeyn ſcheinen; hieraus ſchlieſſe ich, es ſey eine geradlinigte Figur, und alſo kommen dieſer vorhandenen Figur nothwendig alle die Eigen⸗ ſchaften zu, die von dem Begriffe einer geradlinigten Figur unzertrennlich ſind. Ich zehle ihre Seiten, und werde gewahr, daß ihrer drey ſeyn, da⸗ her iſt dieſe Figur ein Dreyeck, und ich kann von derſelben alles ausſagen, was mit dem Begriffe eines Dreyecks verfmipfer il: Ich komme zu den Winkeln, und bemerke, daß einer derſelben ſeinen angrenzenden Winkel gleich ſey u.. w. In allen dieſen Fällen wird, vermoͤge der nothwendi⸗ gen Verknuͤpfung der Begriffe, aus Wuͤrklichkeiten auf Wuͤrklichkeiten, aus einem vorhandenen Subjecte auf die Würklichkeit der von ihm un⸗ zertrennlichen Praͤdicate geſchloſſen. Daß aber ein ſolches Subject vor⸗ handen ſey, davon haben wir Feine Andere. - als das Zeugnis de Sinne. i Dutch dieſe Verachtung aber der Mathematk gleichwohl nichts von ihrer Evidenz. Es waͤre hoͤchſt ungereimt, von ihrer Lehrart zu ver⸗ langen, daß fie durch die Zergliederung eines bios moglichen Begrifs, das Daſeyn einer Quantitat beweiſen ſollte; indem keine Quantitaͤt ſchlech⸗ terdings nothwendig ſeyn kann, ein jedes Ding aber, deſſen Daſeyn aus einer Er a en W ene 5. woche 1 1 en W. kann. In Big be 1 aber, und alſo auch in der Mathematik, laͤßt ſich ſchlechterdings An Bor handenſeyn anders beweiſen, als durch die Sinne. RR Wie aber? ſetzt man dadurch nicht wenigſtens die praktiſche Mathe 2 matik den Angriffen der Zweifler und Idealſſten aus, die den Sinnen in Kanten und alles, was wir vermittelſt derſelben wahrnehmen, für 8 2 N bloſſe * — bloſſe € halten? — Keines weges! Sie moͤgen dieſes thun, (men debe sehen, daß es in der allgemeinen Verblendung be: ſtandige und auch veränderliche Erſcheinungen gebe; ferner, daß gewiſſe rſcheinungen allezeit mit einander verfnüpft find, dergeſtalt, daß man niemals eine derſelben wahrnehmen kann, ohne verſichert zu ſeyn, daß man aus dem. gehörigen Geſichtspunkte auch die andere mit ihr verknuͤpfte Erſcheinung wahrnehmen muͤſſe. Wenn mir eine Figur alle beſtaͤndige Erſcheinungen eines Dreyecks darbietet, und einer von ihren Winkeln hat die beſtandige Erſcheinung eines rechten Winkels; fo bin ich uͤberzeugt, daß mir die beyden uͤbrigen Winkel zuſammen gleichfalls einem rechten Winkel zu gleichen beſtaͤndig ſcheinen muͤſſen. Um die wahre Eriftenz der Dinge bekůmmert ſich der Mathematiker niemals. Er beweiſet ent⸗ weder den Zuſammenhang der Ideen, oder den Zuſaunnenhang der Er- ſcheinungen. Uebrigens mag der Metaphyſiker ausmachen, ob dieſe Er ſcheinungen einen aͤuſſern wuͤrklichen Gegenſtand haben, oder nicht. | Dem Mathematiker kann es gleich viel gelten; ſeine Lehre kann durch die e dieſer ummwicheigen Subrilirär weder amen noch 8. 35 habe hier von baßändigen und e ee geredet. Man erlaube mir eine kleine Ausſchweifung, um dieſe Begriffe in ein helleres Licht zu ſetzen. Sie werden in der in wie ee Be keinem geringen Nutzen fon.
So oft wir einen Gegenſtand anders ehe er r würküch U ſo ſagen wir, es ſcheine uns nur ſo, und nennen unſere Vorſtellung eine Erſcheinung (Phenomenon, apparentia). Ich betrachte z. B. einen Zirkel von der Seite, und ſehe ihn für eine Elypſis an; ein Würfel zeigt ſich mir in der Ferne, wie eine Kugel; eine Pyramide wie ein Kegel; die Sonne erſcheinet wie eine Flache, der Mond wie ein feuriger Körper; ich laſſe alle Farben des Regenbogens auf einem Orte fo ſchnell auf einander folgen, daß ich ſie nicht unterſcheiden kann, und erkenne nichts als die Ver⸗ miſchung derſelben, oder die weiſſe Farbe; ich laſſe zwo, drey oder mehrere derſelben go ſchnell auf einander folgen, und werde eine zuſammengeſetzte a gewahr, Nen mit den einfachen, aus welchen fie beſtehet, nichts gemein.
zu \ „ zu Haben ſcheinet; den Gelbſuͤchtigen ſcheinen alle Gegenſtaͤnde gelb, und gewiſſen Kranken ſchmecket alles bitter. Alle dieſe Vorſtellungen werden Phaͤnomena oder Erſcheinungen genannt, denn man nimmt ſie anders wahr, als fie aͤuſſerlich wuͤrklich vorhanden find. Die Zweifler ſagen; vielleicht find alle unſere ſinnliche Begriffe nur ſolche Erscheinungen, ein ſolcher Sinnenbetrug; denn wir koͤnnen ja nicht verſichert ſeyn, daß die Gegenſtaͤnde auffer uns ſo beſchaffen find, wie wir fie vermittelſt der Sinne wahrnehmen? Ich habe geſagt, die Mathematiker koͤnnen dieſes vielleicht gelten laſſen, ohne von der Gewißheit ihrer Wiſſenſchaft das mindeſte zu vergeben, und ich will es beweiſen. Ich glaube, es werde kein Vernuͤnfti⸗ ger in Abrede ſeyn, daß es wenigſtens zwo verfchiedene Arten von Erſchei⸗ nungen gebe, nemlich beſtaͤndige und unbeſtaͤndige. Jene haben ihren Grund in der innern Beſchaffenheit der menſchlichen Sinne uberhaupt; dieſe aber in gewiſſen aͤuſſern Zufälligkeiten. In den vorhin angeführten Beyſpielen liegt der Grund der Erſcheinung nicht in der innern weſent⸗ lichen Beſchaffenheit unſerer Sinne, fondern in den unrechten Standorte, aus welchem wir die Gegenftände betrachten, in der Schnelligkeit, mit welcher die Gegenſtaͤnde abwechſeln, oder in der verderbten Beſchaffenheit der Gliedmaſſen und der Säfte. Dieſes find bloſſe Zufaͤlligkeiten, und alſo koͤnnen die Erſcheinungen, die fie verurſachen, zufällige oder unbeſtaͤn⸗ dige Erſcheinungen genennet werden. Wenn aber, wie die Zweifler be⸗ fürchten, alle Qualitates ſenſibiles ohne Unterſcheid ein Sinnbetrug ſeyn ſollten; ſo muͤßte der Grund davon in den innern Beſtimmungen der menſchlichen Sinne anzutreffen ſeyn. Wir mußten uns nemlich die ſinn⸗ lichen Dinge deswegen fo und nicht anders vorſtellen, weil unſere Sinne ſo und nicht anders beſchaffen ſind. Dieſe Wuͤrkungen des Sinnen betrugs verdienen alſo beſtaͤndige Erſcheinungen genannt zu werden. Nun koͤnnen die Mathematiker beweiſen, daß dieſe beftändige Erſchenun⸗ gen in einer nothwendigen Verknuͤpfung mit einander ſtehen, Dergeftalt, daß ich aus einer derſelben auf die Anweſenheit der andern fehlieffen kann.
Wenn ich die beſtaͤndige Erſcheinung von einem Dreyecke vor mir habe ſo kann ich auf die beſtaͤndige Erſcheinung aller Eigenſchaften eines Dreyecks ungezweifelt ſchlieſſen. Daher bleibt auch in dem Syſtem . eines 7 a eines nn Ideeliſten, nicht nur die reine theotetiſche, fon» die practiſche und angewandte Mathematik in er Werthe, 5 Zweiter Abschnitt. g Von der Evidenz in den Anfangsgruͤnden der Metaphyſt k.: N x / De Mathematie it eine Wiſſenſchaft der Groͤſſen (Quantitarum), und die Weltweisheit überhaupt eine Wiſſenſchaft der Beſchaffenheiten (Qualitatum) der Dinge. Will man nicht eingeftehen, daß die Weltweis· heit das leiſte, was von einer Wiſſenſchaft gefordert wird; ſo ſetze man, die Weltweisheit iſt eine auf Vernunft gegruͤndete Erkenntnis der Beſchaffenheiten. Ich werde in der Folge beweiſen, daß dieſe auf Ver⸗ nunft gegründete Erkenntnis eine Wiſſenſchaft genenner zu werden ver⸗ diene. Allhier betrachte ich nur zuerſt den Charakteriſtiſchen Unterſchied zwiſchen der Mathematik und Weltweisheit, der mit W in Licht gefeget zu werden verdienet.
Unſere Seele erkennet an jedem Dinge verfehiedene Meral und Unterſcheidungszeichen, deren Innbegrif das Ding von allen Seiten voͤllig beſtimmt/ und eine vollſtaͤndige und ausführliche Erkenntnis deffelben ent⸗ halt. Daß zu dieſem Innbegriffe der Unterſcheidungszeichen ſowohl in⸗ nete als aͤuſſere Merkmale gehören, iſt bekannt, allein ich rede hier nur von den inner. Dieſe koͤnnen auf zweyerley betrachtet werden; entweder in ſo weit ſie ſchlechterdings dieſem Dinge zukommen, oder jenem nicht zukommen und i in dieſer Betrachtung nennet man ſie Qualitaͤten, oder man erwaͤgt, ob fie einem Dinge mehr oder weniger zukommen, und nennt ſie Quantitaͤten. In dieſer Erklaͤrung iſt alles deutlich, nur die Werte mehr und weniger bedürfen noch einiger Erlaͤuterung. Die⸗ ſes ſind Schranken der Qualitaͤten, dadurch fie von andern ihrer Art un⸗ terſchieden werden. So kann ich z. E. Bewegung vor Bewegung durch Geſchwindigkeit und Maße unterſcheiden „daher machen dieſe die Se titäͤt der Bewegung aus. Aehnliche Figuren werden durch die Groͤſſe unterſchieden, Licht von Licht durch Staͤrke und Lebhaftigkeit, und die Neigungen und Leidenſchaften der Seele werden von andern ihrer Art durch den Grad der Heftigkeit erkannt und unterſchieden. Alle dieſe Un- i terſcheidungszeichen geben zu erkennen, ob die Qualitat der Sache mehr oder weniger zukomme, und werden Quantitaͤten genennet. Man begreift hieraus, daß die Quantitat, oder das Mehr und Weniger, zwar der Sache innerlich zukomme, aber nicht ohne Vergleichung mit einem an⸗ dern Dinge begriffen werden koͤnne;angeſehen ich niemals das Wieviel? erkennen kann, ohne den Gegenſtand deſſelben entweder wie ein Theil mit feinem Ganzen, oder wie ein Ganzes nit ſeinen Theile verglichen und gegen einander gehalten zu haben. Ob aber ein Unterſcheidungszeichen ſhlechtedings einem Dinge zukomme, oder nicht zukomme, dazu gehoͤret weder Vergleichung noch Gegeneinanderhaltung, denn an der Sache ſelbſt laßt ſich Diefes wahrnehmen und begreifen. So kann ich z. B. die Ausdehnung, das Berühren und Zuſammenhaͤngen, Wirken und Leiden, das Vermögen zu erkennen, zu begehren und zu verabſcheuen, die Zufälligkeit, Nothwendigkeit, Moͤglichkeit u. ſ. w. entweder ſchlechterdings be⸗ trachten, in ſo weit ſie einem Dinge zukommen, oder nicht zukommen, oder ich erwaͤge dieſelben, in fo weit fie dieſem mehr, und jenem weniger zu⸗ kommen. Ich ſage entweder, der Koͤrper hat eine Ausdehnung, der Punkt keine, oder ich vergleiche Körper mit Koͤrper, und erwaͤge, weſſen Ausdehnung groͤſſer oder kleiner ſeyÿ. Thue ich jenes; fo betrachte ich die Aus⸗ dehnung als Beſchaffenheit; dieſes, als Groͤſſe „und mit den uͤbrigen Merkmalen hat es dieſelbe Bewandnis.
Man hat hierbey folgendes nicht aus der Acht zu laſſen. Wenn 1 W im gemeinen Leben ſowohl, als in der Schule Qualitaͤten von Quantitz⸗ ten unterſcheiden: fo geſchiehet dieſes blos in unſern Gedanken, vernittelſt der Abſonderung; in der Sache ſelbſt aber kann keine zufällige Beſchaf⸗ — ſenheit ohne Groͤſſe, und eben fo wenig eine Groͤſſe ohne Beſchaffenheit..
wuͤrklich vorhanden ſeyn. Dieſes fließt aus der vorigen Betrachtung ganz ngtürlich. Ein jedes Merkmal, deſſen Wieviel? oder Quantitat u ich erwäge, iſt an und für ſich ſalbſt eine Qualität; denn ſo wie es einem Dinge mehr oder weniger zukömumt, und in dieſer Betrachtung eine Quan⸗ titaͤt zu nennen iſt; eben alſo kann es einem Dinge entweder zukommen, oder nicht zukommen, in welcher Betrachtungsart es eine Beſchaffenheit keine Quantitat ohne Qualität vorhanden ſeyn koͤnne. | Es giebt aber auch keine zufällige oder endliche Beſchaffenheit ohne wie leicht zu erweiſen iſt, Schranken die anders ſeyn konnen, als fie würf- lich find. Sie können alſo der Beſchaffenheit bald nähere, bald weitere Grenzen ſetzen, das heißt in der Sprache der Logik, fie konnen von der Realitaͤt der Beſchaffenheit mehr oder weniger aufheben, wodurch die Quantitat oder der Grad der Beſchaffenheit beſtimmt wird. Daher hat eine jede endliche Qualitat auch ihre Quantitaͤt. x Man erkennet durch dieſe Betrachtung die genaue Verwandſchaft und wechſelsweiſe Verbindung der Weltweisheit und Mathematik. Denn da hene eine Wiſſenſchaft der Qualitäten, dieſe aber der Quantitaͤten iſt; fo iſt es eine Unmoͤglichkeit, in einer von dieſen Wiſſenſchaften ein Fremd⸗ ling zu ſeyn, und in der andern ausführliche Begriffe zu haben, indem die Qualitaͤten und Quantitäten unzertrennlich verknuͤpft ſind. Jedoch iſt dieſes vornemlich don der Mathematik der unausgedehnten Groͤſſe zu ver⸗ ſtehn, die ohne tiefe Einſichten in die Beſchaffenheiten der Dinge nicht erfunden werden kann, und wiederum ihres Orts, wenn ſie einſt ans Licht konunen wird, die philoſophiſche Erkenntnis unendlich befoͤrdern und er⸗ weitern muß. Die gemeine Mathematik hingegen hat es blos mit der 2 j a Aus⸗ Ausdehnung und Vielheit zu thun, und die Begriffe von dieſen beyden Qualitäten laſſen ſich, in fo weit fie zu der Ausmeſſung der Qualitaͤten etwas beytragen, ohne ſonderliche Schwierigkeit aus einander ſetzen, alſo daß der Fortgang der Weltweisheit mit dem Fortgange der gemeinen Ma⸗ thematik in keiner fo unmittelbaren Verbindung ſtehet, daß ſie ſich gegen- ſeitige Vortheile und Befoͤrderungen zu verſprechen hätten. Es verſtehet ſich, daß man deswegen den zufälligen Einfluß nicht leugnet, der der Mathematik in dem Fortgang der Weltweisheit nicht abgeprochen wer- den kann, indem ſie den Verſtand aufheitert und durch anhaltende Uebung gewöhner, die zuſammengeſetzten Begriffe nach gewiſſen Regeln zu zer⸗ gliedern. J U EU PRR ARSTER So wie es eine reine theoretiſche Mathematik giebt, die keinen Er⸗ fahrungsſatz Fein wirkliches Daſeyn zum Grunde legt, und blos zeigt, wie die Begriffe von der Quantitaͤt zuſammenhaͤngen; eben alſo giebt es einen Theil der Weltweisheit, der, alle Wuͤrklichkeit beyſeite geſetzt, blos un⸗ ſete Begriffe von den Qualitäten der Dinge entwickelt, und ihren innern Zuſammenhang einſehen lehret. Ale unſere Begriffe find wie die Saamen⸗ koͤrner der Gewaͤchſe, die, jo ſchlecht fie aussehen, dennoch voller innern Tugend ſind, und Waͤlder von Schoͤnheit in ihrem Schooße verbergen. Wenn wir einen Begrif unfruchtbar nennen; ſo iſt dieſes nur Vergleichungs⸗ weiſe zu verſtehen, angeſehen ein jeder Begrif an und für ſich ſelbſt mit un⸗ endlichen Warheiten in Verbindung ſtehet, und durch die Zergliederung in andere Begriffe und Warheiten aufgelöfer werden kann. Wer wollte es alſo leugnen, daß die Begriffe von den Qualitaͤten der Dinge unter einander und mit andern Erkenntniſſen verknuͤpft ſeyn, und daß dieſe aus jenen durch unleugbare Folgerungen entwickelt und hergeleitet werden kön⸗ nen? Wer wird z. B. in Abrede ſeyn, daß folgende beyden Saͤtze ſo ge⸗ wiß als je ein Satz in der Geometrie, demonſtriret werden koͤnnen, neinlich, daß der nothwendigen Subftanz die Gerechtigkeit im höchften Grade einer zufälligen aber nur in einem eingeſchraͤnkten Grade zukomme? Denn da die Gerechtigkeit eine weiſe Guͤtigkeit iſt; ſo muß fie dem allerweiſeſten und dem allerguͤtigſten Weſen im hoͤchſten Grade zukommen. Nun beſitzt das nothwendige Weſen dieſe Eigenſchaften u.. w. Der Oberſatz iſt eine unmit« \ weichen; wie oben don der 1 einyig-und allein auf die Verbindung der Begriffe und ihren Zufummen- ee ga enen e deſade Gemihet, als n ber fo ablch können die Grmpüge dieser Bifenfeaft nicht vor.
9 eee Die Urſache hiervon iſt nicht, wie man insgemein zu glauben pflegt, weil man in der Geometrie der Einbildungskraft durch die Vorbildung der Figuren zu Huͤlfe koͤmmt; denn dieſe wuͤrde in der Arithmetik wegfallen; ſondern es find ihrer verfehiedene, zu deren An⸗ zeigung ich mir durch obige Betrachtungen den Weg gebahner habe. Denn erſtlich fehlet der Weltweisheit bis jetzo noch das Huͤlfsmittel der weſentlichen Zeichen. Alles iſt in der Sprache der Weltweiſen noch will: kuͤhrlich. Die Worte und ihre ee eee eee mit der Natur und Verbindung der Gedanken weſentlich uͤbereinkaͤnge.
Daher haͤufen ſich die Erklaͤrungen bis ins Unendliche, und eine demon⸗ ſtrative ausgeführte Weltweisheit erlangt, dem erſten Anblicke nach, das Anſehen eines eitelen Woͤrterkrams. Denn da 5 8 in der Deich nung nichts findet, wodurch fie, ohne wilkkuͤhrliche A der Begriffe auf die ee, e ee e und daher ihre Auf⸗ merkfamkeit ohne Unterlaß auf die einmal feftgefegte wilkührliche Verbin?
dung der 3 eben haften muß; ſo kann die geringſte Achtloſigkeit ihr die Sache aus den Gedanken bringen, und blos die leeren Zeichen zuruͤcklaſſen, in welchem Falle denn freylich der eee weiſe blos mit Worten zu fpi inen muß. 1 findet dieſer Argwohn nicht ſtatt, 2 weſentiichen Zeiche uns ohne ſonderliche Anſtrengung ſo oft wir wollen, auf die dadurch bezeich. neten Sachen zuruͤck, und ihre Ordnung und Verbindung koͤmmt mit der Ordnung und Verbindung der Gedanken uberein. „ Erwaͤgen wir ferner die Natur der Qualitäten; ſo eigen ſich noch gröffere Schwierigkeiten. Dieſe innere Merkmale der Dinge ſind ſo genau mit einander verbunden, daß man keine derſelben, ohne hinlaͤngliche Einſicht in die übrigen deutlich erklaͤren kaun. Wer in der Weltweisheit gänzlich ein Fremdling, der kann die allererſte Erklaͤrung nicht deutlich begreifen; denn wenn ich ihm etwa ein innerliches Merkmal 4 deutlich machen will, und er hat ſeine Begriffe von den ubrigen Merkmalen B, C, u. ſ. w. die mit dieſem A in Verbindung ſtehen, nicht aufgeklärt 5.fo wird allezeit noch einige Dunkelheit in feiner Seele zurückbleiben. Hieraus be⸗ greift man die Nothwendigkeit in der Weltweisheit bey jedem Fortſchritte, den man thut, immer zu den Anfangsgruͤnden zurückzukehren. Man thut dieſe Ruͤckreiſe niemals ohne groſſen Nutzen, denn die philoſophiſchen Be⸗ griffe werfen ſich wechſelsweiſe Stralen der Deutlichkeit zu, die man ver⸗ folgen muß. Daher kommt es auch, daß die Weltweiſen felöft, je weiter fie kommen, je mehr fie an den erſten Grunderklaͤrungen zu berbeſſern fin⸗ den, und daher ſich immer einander widerlegen, wenigſtens ſich einander zu widerlegen ſcheinen. Denn öfters war es bey dem erſten Weltweiſen nur eine Unvorſichtigkeit im Ausdrucke, die ſein Nachfolger durch das un⸗ aufhoͤrliche Wiederkaͤuen der erſten Begriffe endlich hat wahrnehmen muͤf⸗ ſen. Saget einem Anfänger z. B. die Gerechtigkeit ſey eine weislich ver- waltete Guͤtigkeit; fo wird er weder dieſe Erklarung begreifen, noch die Nothwendigkrit einſehen, warum fie ſo weit hergeholt werden muß. Er; wird alſo Anfangs mit der ſeichten Erklärung zufrieden ſeyn; die Gerech⸗ tigkeit ſey ein beftändiger Wille, einem jeden das feinige zukommen zu laß fen. Wenn er einige Schritte weiter gethan hat; ſo merkt er „daß durch die Worte, das Seinige, nicht das Eigenthum verſtanden werden kann; ſondern überhaupt, wozu jemand ein Recht hat; er fest alſo „die Gerech⸗ gkeit ſep ein beſtaͤndiger Wille, einem jeden fein Recht zukommen zu laſſen. Allein noch ſiehet er nicht, auf welche Seelenfaͤhigkeiten ſich dieſe Tugend gründe. Er faͤhret alſo fort; ein Recht it eine Befugnis, e 4 3 e Eh Wer⸗ r vi Garchtigket ausübet, der laßt e ſich det el zu ſeiner Gluͤckſeligkeit bedienen. Er will alſo, daß anae m ai ſeyn ſollen, aber nur durch erlaubte Mittel, und friger Verhältnis, damit die Endabſicht, die Vollkommenheit des N ne Wer andere neben ſich gerne gluͤckſelig ſiehet, der it gütig; wer durch die beſten Mittel den beſten Endzweck zu erhalten ſucht, der it weſe. Nunmehr haben fich die Begriffe aufgeheitat, und man ſiehet gar deutlich, daß die Gerechtigkeit in ihre Elemente aufgelöfer, nichts anders ſey, als eine mit Weisheit eingerichtete Guͤtigkeit. Hieraus aber folget auch, daß die Gerechtigkeit eine Realität ſey, und dem aller⸗ dochſten Ddeſen in dem allerhöchſten Grade zukommen müffe, welches fich aus der vorigen Erklärung nicht beweiſen ließ. Aber was für eine Menge von Erklaͤrungen und willkuͤhrlichen Verbindungen der Worte mit den Begriffen gehören noch zu dieſem Schluſſe? Was fuͤr eine Arbeit, wenn alle dieſe Begriffe der Seele beſtaͤndig gegenwärtig bleiben, und ſich nie⸗ mals in den Schatten der Worte verlieren ſollen? Zu dieſen Beweiſen gehören die Erklärungen von Weisheit, Guͤtigkeit, Realitaͤt, höchften Grade und hoͤchſten Weſen; zur Erklärung der Weisheit gehören ferner die Be⸗ griffe von Vollkommenheit, Mittel und Endzweck; zur Guͤtigkeit gehören die Begriffe von Gluͤckſeligkeit und von dem Begehrungs⸗Vermoͤgen, ferner: zur Realität — — Doch wozu nutzt es, dieſe Zergliederung weiter fortzuſetzen? Genug / daß man ſiehet, wie ſehr die Quolitaͤten der Dinge in einander verwebet ſind; was fuͤr eine Menge von Erklaͤrungen zu dem leichteſten philoſophiſchen Schluſſe erfordert werden, und wie oft man dieſe „ Ri mam ſße don duden e eden ollen. e l Und wenn der Weltweiſe alle dieſe Schwierigkeiten überftanden, fo hat er gleichwohl nichts, als gewiſſe Verwandſchaften der Begriffe ent: deckt. Sodenn aber muß der wichtige Schritt ins Reich der Wuͤrcklich⸗ keiten geſchehen. Er muß zeigen, daß der Gegenſtand feiner Grundbegriffe, aus welchen er feine Warheiten gefolgert hat, wuͤrklich anzutreffen ſey, dar mit er aus denſelben auf das wuͤrkliche Daſeyn der Folgen ſchlieſſen Eönne. j D 2 Der Der Marhemariter, haben wir gesehen, kann Diefen Schritt gar leicht thun.
Er legt das Zeugnis der Sinne zum Grunde feines praktiſchen Lehrgebaͤu⸗ des, und bekuͤmmert ſich niche darum, ob die Sinne Warheiten, oder bloſſe Erscheinungen ausſagen. In beiden Fällen hat er feinen Endzweck er | reicht. Dem Weltweiſen aber liegt ob, das Zeugnis der innern und äuf ſerlichen Sinne ſelbſt vor feinem Richterſtuhle zu fordern, und das Wahre von dem Falſchen, das Gewiſſe von dem Ungewiſſen zu unterſcheiden, und wenn er auf das Zeugnis irgend eines Sinnes bauen will; ſo muß er vor⸗ her deſſen Untruͤglichkeit auſſer Zweifel ſetzen. Geſetzt, er habe erwieſen, daß die Materie nicht denken koͤnne, nemlich er habe dargethan, daß unſer Begrif vom Denken dem Begriffe von der Materie ſchnurſtracks wider⸗ ſpreche. Will er nun hieraus den Schluß ziehen, daß in uns ein einfaches Weſen wohne, das von unſerm Leibe unterſchieden iſt und denkt; ſo muß er zeigen, daß unſerm ſichtbaren Koͤrper der Begrif zukomme, den er von der Materie vorausgefetzt und daß in uns etwas vorhanden ſey, dem der Begrif des Denkens in dem Verſtande zukomme, in welchem er es genom⸗ men. Wenn er unumſtoͤßlich gezeigt, daß ein nothwendiges Weſen nicht vorhanden ſeyn koͤnne, ohne der Schöpfer und Erhalter aller Dinge auffer ihm zu ſeyn; ſo liegt ihn noch ob zu beweiſen, daß ein ſolches nothwendi⸗ ges Weſen vorhanden ſey. Kurz, es iſt dem Weltweiſen nicht genug, wenn er, wie der Mathematiker, die nothwendige Verbindung zwiſchen einem Subjecte und ſeinem Praͤdicate gezeigt; er muß noch uͤberdem ent⸗ weder das Daſeyn des Subjects, oder das Nichtſeyn des Praͤdicats auſſer Zweifel ſetzen, damit er in dem erſten Falle auf das Daſeyn des Praͤdi⸗ eats, in dem andern auf das Nichtſeyn des Subjects fehlieffen Fönne; denn fuͤr die bloſſe Moglichkeit wiſſen wir dem Weltweiſen keinen Dank, wenn er ſie nicht wuͤrklich zu machen weiß. Es wird alſo von dem Welt⸗ weiſen weit mehr gefordert, als von dem Mathematiker. Dieſer beweiſet blos die Möglichkeit einer Figur, und aus dieſer Moͤglichkeit entwickelt er die Eigenſchaften und Zufälligkeiten der Figur: der Weltweiſe hingegen ſoll das wuͤrkliche Daſeyn der Subjecte darthun, um auf die Folgen ſchlieſſen zu koͤnnen. Daß dadurch die Ueberzeugung ſchwerer gemacht, und alſo die Evidenz verringert ER iſt leicht zu begreifen, indem nichts ’ dem dem Verſtande ſchwerer ankommen kann; als der Uebergang von den R ALIEN ‚WM bu! 0 eiten. 5 wi ” 163 2 2 a; A mar, wie in der praktiſchen Mathematik, einen einen Erfahrungsſatz zum Grunde, aber einen ſolchen, davon wir gewiß find, ar keine bloſſe Erſcheinung ſey, eine innerliche Heberzeugung. Ich denke, worinn, wie wit in der Folge fehen werden, kein Zweiſel zu fegen iſt, und daraus ſich mit Gewiß⸗ heit ſchlieſſen laßt; alſo bin ich. Auf dieſen Grundſatz muß ſich das ganze philofophifche Lehrgebaude aufführen laſſen, ohne ſich irgend auf ein anderes Zeugnis der aͤuſſern Sinne zu ſtuͤtzen. Denn was die Sinne von den aͤuſſern Dingen wahrnehmen, ift verdächtig; nut dieſe einzige innerliche Empfindung, ich denke, hat das Vorrecht, daß man mit doͤliger Gewißheit von ihr ſagen kann, fie ſey keine bloſſe Erſcheinung, si eine wahre Realitaͤt, wie ich Hache in der Solge peigen ner nocht Is Ir auserdem und ohne Een xel. Mar gehe mie fiche Schritten aus dem Gebiethe der Moͤglichkeit gerades Weges in das Reich der Wuͤrklichkeit, und zwar der allerhoͤchſten und vollkom⸗ menſten Wuͤrklichkeit, die ſich gedenken laͤßt. So wie in der Geometrie dieſe beyden Saͤtze, z. E. ein gleichſeitiger Triangel hat gleich groſſe Sei; ten; ein gleichſeitiger Triangel hat gleich groſſe Winkel, unzertrennlich derknuͤpft find; eben fo feſt und eee e folgende beiden Säge mit einander nden Be yon ge das bargen, it ee Ae. 15 Benefit Dir bei⸗ den Uebergaͤnge von dem Möglichen auf das Wüͤrkliche haben wir dem Descartes zu verdanken. Vor ſeiner Zeit war man gewohnt, auch in der Weltweisheit Erfahrungsſaͤtze zum Grunde zu legen, dadurch man den Steptikern Bloͤſſe gab. In der That war der Dogmatiker ſogleich aufs Haupt geſchlagen, ſobald ihm der Sceptiker das Zeugnis der Sinne in . jog, und dadurch ſein noch Rn: buͤndiges Syſtem in das Land der Chy⸗ 30 Chymaͤren verſchickte. Was das ſeltſamſte war; ſo wollte man damals in der Naturlehre a priori und in der Weltweisheit a poſteriori ſchlieſſen.
Baco zeigte, daß das Zeugnis der Sinne in der Naturlehre, und des Verſtandes in der Weltweisheit, das guͤltigſte ſey, und Carteſius wagte es, fein dehrgebaͤude von Gott auf dem Grunde der Zweifler ſelbſt zu bauen.
Man begreift aber gar leicht, daß alle dieſe Beweisarten ihre Schwierig keiten haben, und unmöglich fo einleuchtend vorgetragen werden koͤnnen, als zu wuͤnſchen waͤre. Dieſes ſind alſo meines Erachtens die Urſachen, welche die philoſophiſche Ueberzeugung ſo ſchwer machen, und der Evidenz im Wege ſtehen. Doch ſind dieſes nur die Schwierigkeiten, die in der Sache ſelbſt liegen; es giebt aber in Abſicht auf das Subject, oder den von philoſophiſchen Warheiten zu überzeugenden Menſchen,e einige wichtige Schwierigkeiten, die nicht zu uͤbergehen ſind.
Die Mathematik findet allezeit unpartheiliche Gemuͤther, die den Aus⸗ gang einer Unterſuchung mit der aͤuſſerſten Gelaſſenheit abwarten. Sie verlieren und gewinnen nichts dabey, die Tangente eines Zirkels mag mit dem Durchmeſſer einen rechten, oder einen andern Winkel machen; ihre ganze Lebensart kann die vorige bleiben, wenn ſich auch alle Zirkelflaͤchen verhalten, wie die Quadrate ihre Durchmeſſer, daher intereßiren ſie ſich blos fuͤr die Warheit, und die Mathematik hat keinen andern Feind als die Unwiſſenheit zu beſiegen. Hingegen hat die Weltweisheit auch mit Vorurtheilen; zu kaͤmpfen. Die Lehren derſelben haben einen fo unmittel⸗ baren Einfluß in unſere Lebensart, Gluͤckſeligkeit und Meynungen, daß ein jeder zum voraus Parthey ergreift, und ſich aus vorgefaßten Meynun⸗ gen ein eigenes Syſtem bauer, das ſich mit feinen Schwachheiten ſehr gut vertraͤgt. An dieſen Vorurtheilen gewoͤhnet ſich endlich das menſchliche Gemuͤth fo lange, bis fie einen Theil ſeiner Gluͤckſeligkeit ausmachen Hernach komme die Weltweisheit, und vertreibe den Wahn aus dieſer maͤchtigen Schanze. Sie findet nicht nur unwiſſende, ſondern wider ſich eingenommene Zuhoͤrer, die nicht uͤberzeuget ſeyn wollen. Ihre Beweis⸗ gründe mögen noch fo überzeugend, fo einleuchtend ſeyn; die Zauberey hat keine Gewalt, wenn iD die Gemuͤther nicht dazu anſchicken wollen, und MEN durch alle m sie Gegenmittel dawider verwahren. Das thut zur aug / wenn man öfters einen flüchtigen Wilen hat, der zu geben; es gehöret hartnaͤckige Geduld, Ergebung und 6 dazu, alle ſeine Vorurtheile und Lieblingsgedanken durch das dieſer Gottheit zu führen, und mit trocknen männlichen Augen abzuwarten, ob fie in Rauch aufgehen, oder in verklaͤhrter Schön- heit wieder hervorkommen werden. Der groͤßte Theil der Menſchen gehet mit Wahn und Aberglauben zu Schiffe, des feſten Votſatzes mit ihnen die Farth dieſes Lebens zu beſchlieſſen. Man bewilliget der Stimme der Vernunft niemals ein Gehoͤr, ohne ſich von ſeinen Vorurtheilen, wie Ulyſſes von den Reiſegefaͤhrten anbinden zu laſſen, und ihnen zum voraus den Befehl zu geben; je beweglicher ich um meine Loßlaſſung bitten werde, deſto feſter ziehet die Stricke zuſammen, bis wir die Sirene aus den Augen werden verlohren haben. 3 = 4 | Da ein jeder in philoſophiſchen Sachen Parthey ergreift; fo glaubt auch ein jeder das Recht zu haben, zu meiſtern und Urtheile zu fällen. Wer iſt der Unwiſſende, der ſich nicht in philoſophiſchen Angelegenheiten für einen befugten Richter hält, und fein richterliches Anſehen durch Macht⸗ ſpruͤche zu unterftügen weiß? Die Hauptbegriffe, die in der Weltweisheit vorkommen, ſind einem jeden im gemeinen Leben ſo oft vor Ohren gegan⸗ gen, daß er mit ihnen vertrauet genug zu ſeyn glaubet. In der Mathe⸗ matik hält jeder Unwiſſende fein Urtheil zurück, und erwartet den Aus⸗ ſpruch der Kenner. Ja was ſage ich in der Mathematik? in jeder gemei⸗ nen Kunſt, in jedem Handwerke wagt auſſer den Kunſtverwandten nie⸗ mand, ein Werk zu meiſtern, und die Erfahrnen zu widerſprechen. Aber in der Weltweisheit, in der Sittenlehre, in der Politik iſt jedes Menſchen Geſicht Dreifte genug, das Richteramt zu übernehmen. Jeder Thor muſtert Syſteme, beurtheilet ſittliche Handlungen und tadelt Regierungsforme. Was für eine Verwirrung muß aus dieſer allgemeinen Anarchie ent⸗ zur Sache 3 ſpringen.
Andeſſen iſt es nicht zu leugnen, daß dieſer Anarchie nicht geſteurer werden koͤnne, ohne von der andern Seite den Deſpotismus mit allen ſei⸗ nen gefaͤhrlichen Folgen einbrechen zu ſehen. In jeder Republik iſt der Geiſt des Widerſpruchs nicht nur eine nothwendige Folge, ſondern oͤfters ser R auch auch eine heilſame Stuͤte der Iren heit und des allgemeinen Achte Nicht jeder Republikaner hat die Fähigkeit das Ruder zu führen, oder dem Steuermann zu rathen; aber die Freyheit will, daß jedermann ſeine Mey⸗ nung ſage, ſo ungereimt ſie auch ſey, damit ſich niemand einkommen laſſe, feinen Eigenwillen für weiſen Nathſchluß auszugeben, und feinen Mitbuͤr⸗ gern aufzudringen. Dieſelbe Beſchaffenheit hat es mit der philoſophi⸗ ſchen Freyheit. Da nicht jeder die Fähigkeit hat, die Lehrfäge der Welt⸗ weiſen zu pruͤfen; ſo iſt es beſſer, daß er feinen geringen Einſichten gemäß urtheile, als daß er einen philoſophiſchen Pabſt erkenne, und blindlings nachgehe, wohin ihn jener fuͤhren will. Wer ſich uͤber dieſe Freyheit be⸗ klagt, der hegt deſpotiſche Abſichten, und iſt ein gefährlicher Buͤrger in der Republik der Weltweis heit. Man kann aber dennoch daraus abneh⸗ men, was für Hinderniſſe der philoſophiſchen Evidenz im Wege ſtehen, und woher es komme, daß die Gewißheit, die in den Anfangsgruͤnden der e. noch keine e Ueberzeugung nach 9 e Dar: a. Dritter Abschnitt. e Den der Evidenz in den Anfangsgründen der natuͤrlichen Gottesgelahrtheit. a D. ich hier die Abſiht nicht habe „die Atheiſten von dem Wihrend = ihrer Meynung zu überzeugen, ſondern vor einer Geſellſchaft von wahren Weltweiſen die Gewißheit zu ſchaͤtzen, mit welcher wir das Daſeyn Gottes und ſeine Eigenſchaften aus der Vernunft erkennen; ſo kann ich mit gutem Grunde alle Beweisarten, die wir in dieſer Wiſſenſchaft haben, als bekannt vorausſetzen, und mich begnuͤgen, allgemeine Betrachtungen über dieſelben anzuſtellen. Man hat im vorhergehenden geſehen, daß alle unſere Begriffe unendlich fruchtbar find, indem jeder eine Menge von Fol⸗ gerungen enthaͤlt, die vermittelſt unleugbarer Grundſaͤtze davon abgeleitet und entwickelt werden koͤnnen. Die Begriffe von Gott und ſeinen Eigen⸗ ſchaſten find noch von einer wunderbarern Kraft. Sie find ſo inniglich mit 0 ae man ee Br um alles, was wir von dem Alerhöchſten zu erkennen im eee. Em ae : Huh enthalten wüde Es kann ſeyn, daß fich aus gewiſſen Eigenfchaften Gottes, das Übrige, was wir von ihm erkennen, leichter und faßlicher herleiten laͤßt, und da dieſe Faßlichkeit von den Einſichten abhängt, die bey dem zu überzeugenden Menſchen vorausgeſetzt werden; fo giebt es auch verſchiedene Methoden, dieſe Warheiten zu demonſtriren, die auf verſchie⸗ dene Gemuͤther verſchiedene Wuͤrkungen thun. In der Sache ſelbſt aber iſt hier kein Unterſchied, und man mag vorausſesen, welche Eigenschaft man will; ſo kann man ſich von den übrigen verge Sctzet z. B. dige Wonerklärung zum voraus; Gott iſt ein das den voll⸗ kommenſten Willen hat: der vollkommenſte Wile ſetzet den bolkommen⸗ ſten Verſtand zum voraus, und erfordert die vollkommenſte Macht. Sie beſtehet ferner in der Zuneigung zu allem möglichen Guten, und Abnei⸗ gung von allen möglichen Boͤſen, nach Maaßgebung ihrer Güte oder Boͤsheit; hieraus folget die Gerechtigkeit, Guͤtigkeit und Weisheit. Da er alle dieſe Vollkommenheiten ohne Grenzen beſitzt; fo iſt er ere „ auffer ihm aber kein unendliches Ding Tann, ſo hat er den Grund feines Daſeyns in fich felber, Ir alſo felbft- ftändig und nothwendig. Ferner, wenn endliche ſeyn f bo ſollen; ſo muͤſſen fie den Grund in ihm haben; denn auſſer ihm giebt es kein nothwendiges Weſen, das den Grund derſelben enthalten koͤnnte, und in einem zufälligen konnen fie nicht hinlaͤnglich gegründet ſeyn. Sollen ſie eee Ko muß er ihr freywilliger Schöpfer und Erhalter Et wird ferner — Doch wozu dee midi: daf bag, ir un: in jedem Compendio antrift? Ich 25 mich folgende Anmerkung n Dieſe Dieſe Anfangsgründe der natürlichen Gottesgelahrtheit haben alle Genie, und beinahe die Evidenz der geometriſchen Warheiten, fo Inge man auch hier, wie in der Geometrie, bey der Verknuͤpfung der Begriffe ſtehen bleibt, und blos ihre gegenſeitige Verwandſchaft zeigt, ‚She von den Begriffen auf Wuͤrklichkeiten zu ſchlieſſen. Man ſiehet den Zuſammenhang dieſer Begriffe ein, und nimmt wahr, daß man keinen der⸗ ſelben ohne alle übrige denken koͤnne, und ſobald man nachher durch Of⸗ fenbahrung oder Vernunftſchluß von der Wuͤrklichkeit einer von dieſen Eigenſchaften überzeugt wird; fo nehmen alle daraus hergeleitete War⸗ heiten gleichfalls in dem Gebiete der Wuͤrklichkeit ihren Rang ein; ſo wie ich in der praktiſchen Geometrie aus der finnlichen‘ Empfindung eines Dreyecks auf das Daſeyn aller eee, ſchlieſſe/ „ die einem Diet zukommen.