Der Atheiſt, in ſo weit er en von dem Daſeyn keiner von diefen Eigenſchaften überzeugt iſt, verhält ſich in Abſicht auf Diefe Theorie, wie ein Idealiſt in Abſicht auf die Geometrie. Dieſer leugnet das Object der Geometrie, geſtehet aber dennoch die Verbindung der Begriffe ein, die in der Geometrie gezeigt wird, und die er, ohne ſich zu widerſprechen, nicht leugnen kann. Eben alſo kann jemand die Buͤndigkeit dieſer Syſtems von Gott und ſeinen Eigenſchaften einſehen und geſtehen, aber das Object derſelben leugnen / in fange er nicht auch bree vollkvmmen uberzeu⸗ a get wird. Bisher gieng die Lehre von Gott mit den Anfangegeinden: der Geo⸗ metrie im gleichen Paare; hier aber iſt der Punkt, wo ſie von einander abgehen, und jene weit mehr leiſtet, als je von der Mathematik gefordert werden kann, nemlich die gruͤndliche Ueberzeugung, daß das Object ihrer Wiſſenſchaft wuͤrklich vorhanden ſey. Die Mathematik begnuͤget ſich, wie wir geſehen, an dem Geſtaͤndnis der Idealiſten, daß es wenigſtens beſtaͤndige Erſcheinungen gäbe, die an gewiſſen Regeln gebunden ſi find, und fie zeigt dieſe Regeln a priori. Der Weltweiſe aber muß den Grund feines Gebaͤudes tiefer legen, wenn es unerſchuͤttert ſtehen ſoll, denn er muß ein wahres Vorhandenſeyn der Dinge, nicht blos die Verknupfung i der Begeife beweiſen, und dieſes iſt in der That der wiege 8 Knote 5 den er aufsulöfen hat. Wir haben im vorigen Abſchnitte von zweyerley Wegen geredt, auf welchen man in der Weltweis heit uͤberhaupt von den — eden Würklichkeiten uͤbergehet, und von der natürlichen Gorsergelahrtheit‘ gilt das nemliche. Man ſchlieſſet entweder von der eines nothwendigen Weſens auf deſſen Wuͤrklichkeit, oder s dem unfeugbaren Anſchauungsſatz; ich denke, auf meine Wüallch Pr und von dieſer auf die Wuͤrklichkeit eines nothwendigen Weſens, vermittelſt des Satzes vom zureichenden Grunde. Die letzte Methode ift unſtreitig die leichteſte. Jener Schluß von der Möglichkeit auf die Wuͤrk lichkeit hat zwar hier in unſerm Falle, wo von der Möglichkeit des aller ⸗ hoͤchſten Weſens die Rede iſt, feine völlige Richtigkeit; da er aber det einzige in ſeiner Art iſt, dad ge ſo iſt er vielen unverſtändlich. Jedoch vielleich liegt die Schwierigkeit mehr in dem Vortrag, als in der Sache ſelbſt. Ich wil ſuchen dem Beweise eine leichtere Wendung zu geben.
Da das Daſeyn einer Sache überhaupt fo ſchwer zu erklären f= fo laßt uns vom Nichtſeyn anfangen. Was nicht ift, muß entwe⸗ der unmöglich, oder blos möglich ſeyn. Im erſtern Falle müffen ſich feine innere Beſtimmungen widerſprechen, das heiſt, daſſelbe Praͤdicat von denſelben Vorwurfe zugleich bejahen und verneinen; im letztern aber wer⸗ den ſie zwar keinen Widerſpruch enthalten; es wird ſich aber aus denſel⸗ ben nicht begreifen laſſen, warum das Ding vielmehr ſeyn als nicht ſeyn fol. Eins wird mit dem weſentlichen Theile deſſelben ſowohl beſtehen konnen, als das andere, aus welchem Grunde das Ding möglich genen⸗ net wird. Das Daſeyn eines ſolchen Dinges gehöret nicht ju feiner ins nern Möglichkeit, nicht zu feinem Weſen, auch nicht zu feinen Eigenſchaf⸗ ten, und iſt daher eine bloſſe Zufaͤlligkeit (modus), deren Wuͤrklichkeit nicht anders als aus einer andern Wuͤrklichkeit begriffen werden kann. Denn eine Zufaͤlligkeit iſt eine Beſtimmung, die aus der bloffen Moͤglichkeit weder folget, noch begriffen werden kann, deren Wuͤrklichkeit ſich nicht anders, als aus einer andern Wuͤrklichkeit erklären läßt. — Ein ſolches Daſeyn iſt alſo abhängig, nicht ſelbſtaͤndig. Dieſes bedarf keines weitern Bewelſes. — ene, f nicht nicht zukommen, denn es wuͤrde feinem Weſen widerſprechen, indem ein jeder einfiehet, daß ein unabhaͤngiges Daſeyn eine groͤſſere Vollkommen⸗ heit ſey, als ein abhaͤngiges; daher der Satz: das allervollkommenſte Weſen hat ein zufälliges Daſeynf einen offenbaren Widerſpruch enthaͤlt. Das allervollkommenſte Weſen iſt alſo entweder wuͤrklich, oder enthält einen Widerſpruch. Denn blos möglich kann es nicht ſeyn, wie vorhin erwieſen worden; daher bleibt fuͤr daſſelbe nichts weiter iin „ a De i Wuͤrklichkeit, oder die Unmöglichkeit. © mu mn | 36 = 36 = Soll der Begrif des Aleruulieb munen Weſens einen Biber: PER enthalten; fo muß in den Beſtimmungen, die demſelben zukommen, etwas zugleieh bejahet und verneinet werden. Jede Beſtimmung iſt ent⸗ | weder eine Realitaͤt oder ein Mangel. Jene bejahet, dieſe verneinet. Es findet alſo kein Widerſpruch ſtatt, auſſer wenn einer Sache nicht nur 0 Realitäten, ſondern auch Mängel und Einſchraͤnkungen zugeſchrieben wer: | den, und zwar in fo weit ich ihr eine Realität und den ihr entgegen gef - | ten Mangel zuſchreibe. Nun werden von dem allervollkommenſten Weſen | alle Realitäten bejahet, alle Mängel verneinet; daher kann in dem Be: 4 griffe derſelben kein Widerſpruch liegen. Wer da ſagt, das allervollkom⸗ | menſte Weſen enthält einen Widerſpruch, der widerſpricht ſich felber, in: dem das Subject alle Mängel verneinet, das Praͤdicat aber einige bejghet | wiſſen will. Hält aber das allervollkommenſte Weſen nichts widerſprechen⸗ des in ſeinem 1 ſo Ruß: eher. w 875 dem | ee erhellet. it 5 8 Man kann fi. von derselben Wathelt 00 auf eine Aer Weſſe Überzeugen. Man erinnere ſich nur aus den Anfangsgruͤnden der Meta⸗ phyſik, daß eine Sache wuͤrklich vorhanden iſt, ſobald alles beſtimmliche an derſelben in der That beſtimmt; das heiſt, ſobald von jedem Beglif A, der überhaupt genommen, dem Dinge ſowohl zukommen, als nicht zu⸗ kommen kann, ausgemacht iſt, ob er dem Dinge zukomme, oder nicht zu⸗ komme. Hierin liegt der Charakteriſche Unterſchied zwiſchen allgemeinen moͤglichen, und einzelnen vorhandenen Begriffen. In jenem iſt von vielen Beſtimmlichkeiten weder das Ja noch das Nein ausgemacht, fondern un: . und fie koͤnnen auf die eine ſowohl als guf die e a 9 eſtimmt stm meh, e bejahel oder verneinet werden kann, das Ja oder Nein ausge⸗ und entſchieden ſeyn, und auch umgekehrt, wovon alles, bis auf die entferntſten Relationen ausgemacht und entſchieden iſt, das ift wuͤrk⸗ ch bo Was alſo nicht wuͤrklich iſt, muß entweder unbeſtimm · bar, oder eee. Im erſten Falle enthält es einen Wider puch, und iſt unmoglich. In letztern Falle fehlet es an einem Grunde, woraus zu begreifen wäre, wie und warum es vielmehr fo als anders be⸗ ſtimmt ſeyn ſoll; das heiſt, es fehlt an wuͤrkenden Urſachen, die das moͤgliche Ding hervorbringen ſollen, denn nichts anders heiſt eine wuͤrkende Urſache, als dasjenige, wodurch ein mögliches Ding alle feine Beſtimmungen er⸗ hält, Die zum wuͤrklich Daſeyn fehlten. — Nun kann das allervollkom⸗ menſte Weſen von auſſen keine Beſtimmung erhalten dadurch es wuͤrk⸗ lich werden ſollte, daher iſt es entweder kraft ſeines innern Weſens hin⸗ vorhanden, oder ſchlechterdings unmoglich. Man hat aus dem vori⸗ eee e ee enn Fan, ee ag auch Da ee ERS RN der Me weisheit von fo ungemeinen Nutzen iſt; ſo werde ich mich etwas langer dabey aufhalten. Ein jeder Satz iſt entweder wahr, oder falſch, oder un⸗ beſtimmt. Wahr iſt er, wenn ſich aus dem Subject entweder ſchlechter⸗ dings, oder unter gewiſſen angenommenen Bedingungen werftändlich er⸗ klaren läßt, daß ihm das Praͤdicat zukomme. Laͤßt ſich aber aus dem Subject, entweder ſchlechterdings, oder unter eee eee e gen datthun, daß ihm das zugeſchriebene Praͤdicat nicht zukonnne; fo iſt er fh Laßt ſich keines von beyden darthun; ſo iſt es unbeſtinimt. Ein unbeſtimmter Satz ſagt alſo nur aus, daß einem gewiſſen Subjert ein Praͤ dicat ſowohl zukommen, als nicht zukommen koͤnne; das heiſt, daß weder die Bejahung, noch die Verneinung des Praͤdicats dem Subjecte aer ſpricht. Wenn ein ſolcher unbeſtimmter Satz in einen beſtimmten ver: wandelt werden ſoll; fo muͤſſen zu dem Subjecte ſolche Bedingungen U i infommmen,: oder das Subject muß 9 Umftänden ug werden; die entweder die Bejahung oder die Verneinung aufheben, und dadurch einen von den entgegen geſetzten Sägen wahr, den andern falſch machen. Folgende Saͤtze z. B. Ein Roͤrper iſt ausgedehnet; ein Roͤrper auf unſerer Erde ift ſchwer; find wahr, denn das erſte Pra.
diene laͤßt ſich ſchlechterdings aus dem Subject, das andere aus dem Subject unter der hinzugekommenen Bedingung, daß der Koͤrper auf unſerer Erde befindlich, unwiderlegbar darthun. Das Gegentheil von dieſen Saͤtzen iſt falſch. Hingegen iſt folgender Satz: Ein feſter Koͤr⸗ per ſteigt in einer fluͤßigen Materie in die Soͤhe, unbeſtimmt, und er kann unter gewiſſen Bedingungen wahr, unter andern falſch ſeyn. Dieſe Bedingungen find, daß der feſte Körper entweder ſchwerer, oder leichter ſey, als die Maſſe der flüßigen Materie, die feinen Naum einnimmt. So bald dieſe Bedingung hinzukommt; ſo wird der unbeſtimmte Satz in einen beſtimmten verwandelt, und ſtatt er vorhin entweder wahr oder falſch ſeyn konnte, wird nunmehr ausgemacht, entweder, daß er wahr oder daß er falſch ſey. u: a ff...ERS So oft etwas Beſtimmliches beſtimmt, und alſo ein unbeſtimmter Satz in einen beſtimmten verwandelt wird; fo muß ſich von dieſer Be⸗ ſtimmung Grund angeben laſſen. Das heiſt, ich muß die Bedingung des Subjects anführen koͤnnen, aus welchen zu begreifen iſt, wie der Satz nicht unausgemacht, ob wahr, oder falſch; ſondern ausgemacht und be⸗ ſtimmt, entweder wahr oder falſch fey. Dieſe Bedingung, und die dar⸗ aus folgende Beſtimmtheit des Satzes muß an und füuͤr ſich ſelbſt vorge⸗ ſtellt und begriffen werden koͤnnen, geſetzt auch „daß menſchliche Kräfte nicht hinreichen, fie einzuſehen; denn hier iſt die Rede nicht von dem, was dieſes oder jenes Subject begreifen kann; ſondern von dem, was an und, für ſich ſelbſt begreiflich iſt. Ein jeder aber wird geſtehen, daß alles, was an und fur ſich ſelbſt unbegreifich it, auch unmöglich ſeyn muͤſſe. Die ausführliche Erkenntnis dieſer Bedingung, und der daraus folgenden Be⸗ ſtimmtheit dieſes Satzes nennt man den zureichenden Grund. Es hat alſo jede Beſtimmung ihren zureichenden Grund, das heiſt, eine jede Be⸗ ſtimmung ſetzt eine Bedingung des beſtimmlichen Subjects voraus, aus wird.
BE wecher ſich begreifen laßt, warum es vielmehr fo, als anders beſtimmt.
4 39 wird. Da nun an einem wͤͤrklich vorhandenen Dinge, wie n geſehen, nichts unausgemacht ſeyn kann, ſondern von allem, was ihm zu⸗ pe 5 beſtimmt und ausgemacht ſeyn muß, entweder daß es ihm oder daß es ihm nicht zukomme; ſo kann ich von jedem wuͤrk⸗ eine unendliche Menge von Saͤtzen formiren, die alle ihre be⸗ ume Wache haben, die ihnen entgegen ſtehende Säge aber ſind alle ausgemacht falſch. Von jedem dieſer Säge laͤßt ſich ein zureichender Grund der beftimmten Warheit anführen, laßt ſich nemlich begreifen; wie durch eine gewiſſe Bedingung des Subjects ausgemacht werde, ob ihm das Praͤdicat zukomme, oder nicht zukomme. Die ausführliche Erkennt⸗ nis aller dieſer Bedingungen, aus deren Inbegrif die omnimoda deter- minatio individui fließt, heißt der zureichende Grund des Daſeyns einer Sache. ratio fufheiens exiſtentiæ, actualitatis; entis.
Man betrachte folgende Saͤtze; das nothwendige Ding eriſiret; zufällige Dinge exiſtiren. Die Bedingung, aus welchem ſich alle zum Daſeyn eines nothwendigen Weſens noͤthige Beſtimmungen folgern laſ⸗ fen, liegen in dem Weſen deſſelben. Das Praͤdicat des erſten Satzes iſt alſo ſchlechterdings in dem Subject gegruͤndet; daher hat das nothwen⸗ dige Weſen den Grund ſeines Daſeyns in ſich ſelbſt. Hingegen ſind zu⸗ fällige Dinge vermoͤge ihres Weſens noch in vielen Stücken unbeſtimmt, und es müffen von auffen zu dem Subject noch gewiſſe Bedingungen hinzu⸗ kommen, bevor ſich die durchgängige Beſtimmung, die zu ihrer Wuͤrk⸗ lichkeit erfordert wird, begreifen laͤßt. Dieſe Bedingungen find, die frey- - willige Schöpfung und Erhaltung eines ſelbſtaͤndigen Weſens, ohne welche die durchgängige Beſtimmung eines zufälligen Dinges unmöglich zu be⸗ greifen und verſtaͤndlich zu erklaͤren iſt; daher haben die zufälligen 8 Daſeyns in dem Wilen eines nothwendigen ns. „ ü Diefer Sat Des uneihenden Grundesgtindet ſich, wie man gefe- hen, allerdings auf den Satz des Widerſpruchs. Es iſt ee unmöglich, daß eine Beſtimmung wahr und unbegreiflich ſeyn ſollte. Satz, der wahr iſt, muß ſich entweder aus dem Weſen, oder aus den = 8 des Subjects eroͤrtern 8 Wenn beydes nicht geſchehen kann; BO 8 kam; ſo iſt der Satz unbeſtimmt. Es iſt alfo ſchlechterdings unmöglich und widerſprechend daß etwas ohne zureichenden Grund ſollte beſtimmt ſeyn koͤnnen. Daraus folgt aber keinesweges, daß alles, was durch einen zureichenden Grund beſtimmt iſt, auch ſchlechterdings nothwendig ſey. Das Daſeyn zufaͤlliger Dinge iſt nicht ſchlechterdings, ſondern nur unter der Bedingung nothwendig, daß fie Gott erſchaffen und erhalten wolle. Das wahre Kennzeichen der abſoluten und bedingten Nochwendigkeit iſt Dieſes; wenn die Bedingungen des Subjects, aus welchen das Praͤdicat 5 gefolgert wird, das Daſeyn eines andern Subjects vorausſetzet, ſo iſt der Satz hypothetiſch nothwendig; bedarf es aber des Daſeyns keines an⸗ dern Subjects, um aus den Bedingungen des vorhandenen Subjects das Praͤdicat zu folgern; ſo iſt der Satz ſchlechterdings nothwendig. So iſt as Daſeyn Gottes ſchlechterdings nothwendig; denn der Satz: Gott 5 vorhanden, ſetzt in den Bedingungen des Subjects kein Daſeyn eines andern Subjects voraus, um das Praͤdicat dadurch zu beſtimmen. Hin⸗ geg n ſetzt der Satz: zufällige Dinge eriſtiren, unter den Bedingungen des ers, die den Satz wahrmachen, das Daſeyn und fogar den Willen Gottes zum voraus; daher iſt das Daſehn der ‚fälligen Dinge nicht ſchlechterdings nothwendig. \ Aber wie? Iſt dieſer Satz des e Gumdes e und leidet er in Anſehung der freywilligen Entſchlieſſungen vernuͤnftiger Weſen keine Ausnahme? — Dieſer Frage will ich eine andere entgegen ſetzen; kann in Anſehung der freywilligen Entſchlieſſungen vernuͤnftiger Weſen etwas wahr, und dennoch ſchlechterdings unbegreiflich ſeyn? — Iſt aber dieſes unmöglich; fo koͤnnen auch alle Geifterfräfte nichts wahrmachen, | das unbegreiflich iſt, nichts beſtimmen, davon nicht wenigſtens ein unend⸗ licher Verſtand Grund anzeigen konne, warum es vielmehr ſo, als anders beſtimmt iſt. Wenn ſich alſo ein vernuͤnftiges Weſen wozu entfehlieffen, und zwar freywilig entſchlieſſen folls fo muß, indem es ſich entfepließt, ein unendlicher Verſtand aus ſeinem innern Zuſtande erklären koͤnnen, warum es ſich vielmehr fo, als anders entſchließt. — Alſo haben unſere freywwillige Entſchlieſſungen ſelbſt ihre zukuͤnftige Gewißheit? — Allerdings: und dieſes iſt nicht zu leugnen; denn wenn ſie nicht objefire ihre ausgemachte Gewiß⸗ ifheit haͤten; e würde auch alle Wahrſcheinlichkeit in Anfehung verschwinden. Wenn in der Seele eines Tugendhaften nicht aug nach Gewicheit lage, daß er fein Vaterland nicht muthwillig I ˙ 1 errhenes: mit Orb e vermuthen laßt; fo muͤſſen unfere freywillige Entſchlieſſungen allerdings ihre vorher beftunmte Gewißheit haben. Dieſe drey Saͤtze, 1) ein Stein, der nicht unterſtützt wird. fälle zu Boden; 2) was einen Eindruck in die Glied⸗ maſſen meiner Sinne macht, das empfinde ich; 3) ich werde meinen Freund, fo lange nur meine Sinne bleiben, nicht verrathen; dieſe drey Saͤtze, ſage ich, find alle von unſtreitiger Gewißheit, denn aus dem Subject laͤßt ſich unter gewiſſen Bedingungen das Praͤdicat folgern, und mit Zuver⸗ laͤßigkeit ſchlieſſen. Aber dieſe Zuberlaͤßigkeit ſelbſt it von verſchiedener Natur; denn entweder gehöret zu den Bedingungen des Subjects, die das Prädicnt nothwendig machen, unter andern auch eine lebendige Er⸗ kenntnis des Guten und Boͤſen, oder nicht. Jene wird die moraliſche, dieſe aber die phyſikaliſche Nothwendigkeit genennt. Daß ein Stein in fteyer Luft 3 Boden falle, daß auf einen aͤuſſern Eindruck in die Glied⸗ maſſen der Sinne eine Empfindung folge, dieſe Säge laſſen fich beweiſen, ohne in dem Subject eine oder die andere Erkenntnis des Guten und Boͤſen vorauszuſetzen, daher find fie phyſikaliſch gewiß. Duß ich aber meinen Freund nicht verrathen würde, dieſes ſetzt unter den Bedingungen des Subjects vornemlich dieſes voraus, daß ich es nach meiner pragmati⸗ ſchen Erkenntnis vom Guten und Boͤſen nothwendig gut finden muß, meinen Freund nicht zu verrathen, und alſo enthält diefer Sag eine moraliſche Gewißheit oder Nothwendigkeit. Eine Selbſtbeſtimmung, die ſich aus der Erkenntnis des Guten und Boͤſen erklären laͤßt, iſt eine will⸗ 1 2 und om ee deulich itt, ene freywilige Ent Reber in meiner Seopbeit,. ob ic die Augen aufthun wu, oder lacht; wenn ich ſie 1 es nicht mehr bey mir, ob 10 it die ſichtbaren Gegenſtaͤnde ſehen will, oder nicht. — Dieſe Saͤtze erklaͤte ich folgendergeſtalt; daß ich meine Augen aufthue, oder verſchlieſſe, laßt ſich nicht anders verſtaͤndlich erklaren, als aus der vorausgeſetzten Be dingung, daß ich dieſes oder jenes gut finde; dieſe Handlung ſetzt alſo ge⸗ wiſſe praktiſche Begriffe des Guten und Boͤſen voraus, und iſt willkuͤhr⸗ lich, öfters auch freywillig. Daß ich aber mit offenen Augen die ſichtba⸗ ren Gegenſtaͤnde ſehe; dieſer Satz fest in den Bedingungen des Subjects unmittelbar kein Gutfinden oder nicht Gutfinden, keine Erkenntnis des Guten und Boͤſen voraus; daher iſt das Sehen der Gegenſtaͤnde, wie jedermann geſtehet, nicht unmittelbar willkuͤhrlich, und um fo viel weniger feeyroili ggg 8 e Ich ſehe hier den Weg zu unendlichen Ausſchweifungen vor mir. Eine fernere Unterſuchung, was Freyheit und Zurechnung, Lob und Tadel, Belohnung und Strafe, Beleidigung und Genugthuung ſey? koͤnnte mir zu mancher nuͤtzlichen Anmerkung Gelegenheit geben. Da ſie mich aber in ein Labyrinth verwickeln wuͤrde, aus welchem kein Ausgang iſt, wenn man nicht alle feine Krümmungen durchwandelt; ſo würde ich allzutveit von meinem Ziele abkommen. Ich breche daher ab, und kehre zu dem Satze des zureichenden Grundes zuruck Dieſer herrliche Grundſatz ib das Band, welches alle erſinnliche SWarheiten verbindet. In dem Verſtande Gottes iſt alles Wiſſenſchaft, Hängen alle mögliche Warheiten fo zuſammen, wie die Satze einer geome⸗ triſchen Demonſtration. In unſerm Verſtande iſt zwiſchen Möglichkeit und Wuͤrklichkeit allezeit eine entſetzliche Kluft, indem wir niemals alle mögliche Beſtimmungen eines Dinges verſtaͤndlich erklären koͤnnen, und daher das Daſeyn zufaͤlliger Dinge nicht anders als aus der Erfahrung haben Finnen. Ein unendlicher Verſtand aber kann alte mögliche Be⸗ ſtimmungen wuͤrklicher Dinge auf das allerdeutlichſte erklaren, und daher ihr Daſeyn, wenn ich vom Unendlichen menſchlich reden darf, a priori be⸗ weiſen. Daher haͤngen in ihm, vermoͤge des Satzes vom zureichenden Grunde, die Möglichkeiten und Wüͤrklichkeiten auf das allergenaueſte zu⸗ ſammen, und alle Warheiten machen ein einziges Ganze, eine einzige Wif, enſchaft, eine unendliche Demonſtration aus, die der Allerhöͤchſte mit einem i 5 d Blicke „% Se 18 Gbeſetz es koͤnnte etwas ohne allen Grund vorhanden eins Tom te das Daſeyn deſſelben eine Warheit, die mit keiner andern arbeit verknüpft iſt, eine iſolürte Inſcl im Reiche der arbeiten, zu welcher auf keinerley Weiſe zu gelangen iſt. Sie kann alſo auch kein Ge⸗ aſtand des unendlichen Verſtandes werden, denn wie die Eigenſchaften sets auf das vollkommenſte uͤbereinſtimmen; ſo harmoniren auch alle ſeine Einſichten, und machen ein ſyſtematiſches Ganze aus, in welchem ſich eins aus allem, und alles aus einem vernuͤnftig erklaͤren laͤßt. Keine ab: geſonderten Trümmer, keine Lücken finden in dieſem unendlichen Syſtem Platz, gehoͤren nicht zum Gegenſtande der goͤttlichen Erkenntnis, und find schlechterdings unmoͤglich. | 2 d Dieſe erhabene Harmonie der Warheiten etwas deutlicher zu begrei⸗ fen, erwege man folgende Betrachtung. Eine jede Naturbegebenheit hat einen dreyfachen Grund: ſie laͤßt ſich einmal aus der göttlichen Macht be⸗ greifen, die fie aus dem Nichts hervorbringt, und ohne dieſen Grund it fie ſchlechterdings unmoglich. Sie hat aber auch ihren Grund in dem Syſtem der goͤrtlichen Abſichten, und auch dieſe wird zu ihrem Daſenn nothwendig erfordert; denn Gott wuͤrde ſie nicht hervorbringen wollen, wenn er ſie nicht gut faͤnde. Endlich laͤßt ſich auch ihr Daſeyn aus den wuͤrkenden Urſachen in der Natur begreiflich machen, und dieſen Grund kann fie allen- falls entbehren. Denn Gott kann, was ſeinen Abſichten gemäß iſt, durch ein Wunderwerk hervorbringen, deſſen Daſeyn ſich aus keinen cauſis ſe⸗ eundariis verſtandlich erklaͤren läßt. Die göttlichen Abſichten harmoniren mit den Wuͤrkungen feiner Macht auf das allervollkommenſte, denn er bringt nichts hervor, das nicht feinen Abſichten gemäß it, und es iſt nichts feinen ſchlüßlichen Abſichten gemäß, das er nicht hervorbringt. Aber auch das Syſtem der wuͤrkenden Urſachen, ſo lange Gott den Lauf der Natur durch kein Wunderwerk unterbricht, harmoniret auf das allervollkommenſte mit feinen Abſichten. Sie bringen keine Realitaͤt hervor, die nicht feinen Abſichten gemäß iſt und er hat fie dergeſtalt eingerichtet, daß ſie ſeine end⸗ liche Abſichten auf das allergenaueſte erfüllen. Dieſes ſtreitet keinesweges mit der Zulaſſung des Böfen, wie ſolches bereits von andern weitlaͤuftig Hieraus laßt ſich mit wenigen entſcheiden, in welchem Falle der Satz des zureichenden Grundes uns auf nothwendige, und in welchem Falle er | uns auf hypothetiſche Warheiten leite. Manche Weltweiſen haben fich | in dieſer Verwirrung nicht zu helfen gewußt, und daher in der Anwendung dieſes Grundſatzes unfaͤgliche Schwierigkeiten zu finden geglaubt. Allein nach obigen Betrachtungen iſt nichts leichter, als dieſe Fälle zu unterſchei⸗ den. Daß alles feinen Beſtimmungsgrund haben muͤſſe, iſt eine ſchlechter⸗ dings nothwendige Warheit. Sie leidet nicht die geringſte Ausnahme, und erſtreckt ſich ſo gar bis auf den Rathſchluß Gottes, in welchem gleich⸗ falls ohne Bewegungsgrund unmoglich etwas beſchloſſen werden kann. Was einen Beſtimmungsgrund hat, kann nothwendig und auch zufallig ſeyn, nachdem dieſer Befimmungsgrund in einer bloffen Möglichkeit, oder in einer Würklichkeit anzutreffen iſt. Denn was ſich aus einer bloffen Moglichkeit erklaren läßt; das iſt schlechterdings nothwendig. Weſſen Daſeyn aber nicht anders, als aus einer angenommenen Wuͤrklichkeit begriffen werden kann; das iſt abhängig, und folglich zufallig. Das nothwendige Weſen erfordert zu feinem Daſeyn nur einen einzigen Grund, und dieſer liegt in feiner innern Moͤglichkeit. Die zufaͤlligen und abhaͤngi⸗ gen Dinge erfordern einen dreyfachen Grund; ) eine unmittelbare wuͤrkende Urſache, und dieſe iſt nicht nur an ſich ſelbſt zufällig ſondern auch allenfalls entbehrlich; 2) eine mittelbare wuͤrkende Urſache, die aus dem Nichts hervorbringen, und erhalten kann, dieſe iſt unentbehrlich, und wird alſo nothwendig erfordert; fie macht aber gleichwohl das Da⸗ ſeyn der zufaͤlligen Dinge nicht nothwendig; und endlich 3) eine End⸗ urſache, ohne welche das hoͤchſte Weſen keinen Bewegungsgrund gehabt hbaben kann, fie hervorzubringen. Auch dieſe wird ſchlechterdings noth⸗ wendig erfordert, kann aber gleichwohl nichts ſchlechterdings nothwendig Wir haben alſo zwey verſchiedene Grundfäge, auf deren jeden ein kehrgebaͤude der natürlichen Gottesgelahrtheit aufgefuͤhret werden kann. Der erſte iſt; was nicht vorhanden iſt, muß entweder einen Widerſpruch | enthalten, oder keinen Beſtimmungsgrund haben, das heiſt, nach unfern | Erflärungen, entweder unbeſtimmbar, oder unbeſtimmt ſeyn. Das aller⸗ B® Ss ® alterhöchfte Weſen kann weder unbeſtimmbar, roch unbeftinmme ſeyn, dem 2 einen Widerſpruch, und was ihm zukommen kann, iſt durch innere Möglichkeit nothwendig beftiunme 3 daher it das allerhöchfte vorhanden i sen: Zufällige Dinge müffen den Grund hres Daſeyns mittelbar in einem nothwendigen Weſen haben, ich bin ein sufälliges Ding, alſo u.. w. Der Unterſatz iſt aus zween Auſſagungen geſetzt: ich bin vorhanden; ich bin ein zufälliges Wefen.
Die Warheit dieſer beyden Auſſagungen, ſagt Cartes, kann kein Sceptiker in Zweifel ziehen; denn wer zweifelt, iſt vorhanden, N eee gewiß weiß, der iſt ein zufälliges Ding.
Ueberhaupt kann der Sceptiker wohl in Zweifel ſeyn/ ob die Dinge auſſer uns fo find, wie wir uns dieſelben vorſtellen, oder ob ſie uns nur fo ſcheinen. Daß wir ſie uns aber vorſtellen, und daß ſie uns ſo und nicht anders ſcheinen, darinn findet kein Zweifel ſtatt. Dieſes iſt alſo die un⸗ leugbarſte Erfahrung, auf welche ſich die Vernunft ſtuͤtzen kann, und fie muß unſtreitig fiegen, wenn fie ohne fernern Beyſtand der Sinner aus — Grunderfahrung alte ihre Waffen ſchmiedet.
Sie kann aber aus dieſer Grunderfahrung noch eine wichtige Folge en die in der Lehre von Gott und feinen Eigenſchaften von ungemeinen Nutzen iſt. Wir wiſſen dondin Eigenſchaften der Dinge auffer uns nie⸗ mals mit uͤberzeugender Gewißhelt, ob fie Realitaͤten, oder bloſſe Erſchei⸗ nungen find, und im Grunde ſich auf Negationen ſtuͤtzen, ja von einigen haben wir Grund zu glauben, daß es bloffe Erſcheinungen find: Daher konnen wir keine von dieſen Eigenſchaften dem allerhoͤchſten Weſen zu⸗ Lee 2 95 muͤſſen wir ihm ſchlechterdings abſprechen. Von der letzten Gattung find alle Qualitates: ſenſibiles, von welchen wir mit n, daß fie auffer uns nicht fo anzutreffen find, wie fie uns, bermöge mere finntichen eingeſchraͤnkten Erkenntnis ſcheinen, und alſo keine Realitaͤten find. Man kann dieſen Schluß auch umkehren; was dem allerhoͤchſten Weſen nicht zukommt, das kann keine Realitaͤt ſeyn, denn ihm kommen alle mögliche Realitäten im hoͤchſten Grade zu. Hier⸗ aus an ganz natuͤrlich, daß die 5 Bewegung und 5 b fl bloſſe Eichen und keine Realitaͤten ſind; denn waͤren ſie Realitä⸗ ten, jo müßten ſte d dem allerhoͤchſten Weſen zugeſchrieben werden. Die Geſchichte der Weltweisheit zeiget auch, daß verſchiedene Weltweiſen auf den Irrthum verfallen find, dem allerhoͤchſten Weſen die Bolkkerundefſe Ausdehnung zuzueignen, und einige haben ſogar die eee Figur aufgeſucht, die ihm zugeſchrieben werden koͤnne. In der That iſt dieſe Ungereimtheit nicht zu vermeiden, ſo bald man Figur und Ausdehnung für etwas wirkliches, für Realitäten halten will. Die letzte Zuflucht war zu einer unendlichen Ausdehnung, die man dem hoͤchſten Weſen mit An⸗ ſtand zuſchreiben zu koͤnnen glaubte. Allein die Ungereimtheiten und Wi⸗ derſpruͤche, die auch aus dieſer Hypotheſe folgen, noͤthigen uns, die Aus⸗ dehnung uͤberhaupt von den Realitaͤten auszuſchlieſſen, und fie als ein bloſſes Phaͤnomenon anzuſehen. Es giebt zwar Realitäten in der Natur, auf welchen ſich dieſe Erſcheinung gruͤndet; allein dieſe ſind nichts weniger als ausgedehnt; ſondern einfach, und was an ihnen wuͤrklich iſt, das koͤmmt dem hoͤchſten Weſen in der That in ſummo gradu zu. Aber die Erſcheinungen, die wir an denſelben wahrnehmen, müffen dem allerhöch- ſten Weſen ſchlechterdings abgeſprochen werden, denn ſie ſtuͤtzen fich auf das Unvermoͤgen unſerer Erkenntnis, und können den Dingen nicht ſo zu, wie wir derſelben wahrnehmen.
Aber welches ſind denn die Eigenſchaſten Bi Dinge, von welchen wir mit Gewißheit ſagen koͤnnen, daß fie wuͤrkliche Realitaͤten find? keine andere als die Faͤhigkeiten unſerer Seele. Unſer Erfenntnisvermögen 3. B. kann unmöglich eine Erſcheinung ſeyn. Denn eine Erſcheinung iſt nichts anders, als ein Begrif, deſſen Beſchaffenheit zum Theil aus dem Unvermoͤgen unſerer Erkenntnis erklaͤret werden muß. Es ſind zuſammen⸗ geſetzte Vorſtellungen, die wir nicht aus einander ſetzen koͤnnen, und daher anders wahrnehmen, als ſie wuͤrklich ſi ind. Wir haben am Ende des erſten Abſchnittes geſehen, daß alle Phaͤnomena ihren Grund haben in der angebohrnen oder verderbten Beſchaffenheit unſerer Sinne, in dm Augpunkte, aus welchem die Gegenftände betrachtet werden, in einem fal⸗ ſchen Urtheile des ſinnlichen Beurtheilungsvermoͤgens, mit einem Worte, in den Einſchraͤnkungen unſexer Vorſtellungskraft. Aber unſere Vor⸗ 5 f dellungs⸗ ® ge = u = E ſtellungskraft ſelber, und alle verſchiedene Fähigkeiten, die von derselben F et werden, koͤnnen ihren Grund nicht in den Einſchraͤnkungen dieſer rſtelungskraft haben, find alſo wahre Realitäten. Daher konnen vir dem allerhoͤchſten Weſen alle unfere Erkenntnisvermoͤgen, wenn wir om den Mängeln und Unvollkommenheiten abſtrahiren, die ihnen ankle⸗ ben, mit Rechte zuſchreiben, und alſo in ihm die unergruͤndliche Vernunft, Weisheit, Gerechtigkeit, Guͤtigkeit und Barmherzigkeit verehren. Se Von der andern Seite wiſſen wir, daß die Erſcheinungen, die wir von den koͤrperlichen Dingen haben, ſich auf gewiſſe Realitaͤten gruͤnden muͤſſen, die wir uns unrichtig vorftellen, denn von bloſſen Negationen läßt ſich kein Begrif bilden. Dieſe Realitäten koͤnnen keine Ausdehnun⸗ gen ſeyn, denn die Aus dehnung ſelbſt it ein Phaͤnomenon. Sie ſind alſo einfach. Aber was für Eigenſchaften haben fie? Leibnitz ſagt, ſie haben die Eigenſchaften, die uns einzig und allein als Realitaͤten bekannt find, Vorſtellungesvermoͤgen; und er glaubt erklären zu koͤnnen, wie aus der Verwirrung Diefer Realitäten die Erſcheinungen entſpringen, die wir von den Körpern haben. Es iſt hier der Ort nicht, mich über dieſe Mennung zu erklären. Ich habe nur die an meiner Materie angrenzenden Theile mit Auſſenlinien bezeichnen wollen. Eine umſtaͤndlichere Beſchreibung gehoͤret nicht zu meinem Vorhaben. i hr Ich babe bisher blos von zwoen Beweisatten dom Daſeyn Gottes geredt, und bewieſen, daß fie eine völlige demonſtrative Ueberzeugungskraft haben. Meine Abſicht iſt abet keinesweges, deswegen auf alle übrige Be⸗ weisarten Verzicht zu thun, die von verſchiedenen Weltweiſen mit gluͤck⸗ üchem Erfolge find ausgefuͤhret worden. Denn da die Lehre von Gott nicht nur Überzeugen, ſondern auch rühren, das Gemürh bewegen und zu einem dieſer Lehre gemaͤſſen Wandel autreiben ſoll; ſo iſt es mit den blos demonſtratien Beweisgründen nicht genug, ſondern das Leben der Er⸗ kenntnis muß durch eine Menge von überführenden Gründen angefeuert werden. Die praktiſche Ueberzeugung gehet hierin von der blos theoreti⸗ ſchen ab. Dieſe begnüge fich mit der trockenſten Demonſtration, mit der blos deutlichen Erkenntnis, jene aber erfordert nicht ausdrücklich Deut⸗ lichkeit und Gewißheit, ſondern vornentich eine lebendige wuͤrkſame Er⸗ kennt⸗ As kenntnis, einen ſtarken und lebhaften Eindruck in das Gemüth dadurch wir angetrieben werden, unſer Thun und Laſſen dieſer Erkenntnis gemaͤß einzurichten. Jede Wahrſcheinlichkeit, jeder beredende Beweisgrund traͤgt zu dieſem Leben der Erkenntnis etwas bey, hilft ſeine Energie vermehren, wie ich in dem letzten Abſchnitte weitlaͤuftiger aus einander ſetzen werde. Daher muß kein Verehrer der Gotcheit den mindeſten Beweisgrund ver⸗ werfen, der nur einige Ueberredungskraft mit ſich führe. — Man kann die Gruͤnde, auf welchen dieſe anderweitige Beweisarten ſich ſtuͤtzen, in folgenden Hauptclaſſen eintheilen. 1) Die Schoͤnheit und Ordnung in den ſichtbaren Theilen der Schoͤpfung, ſowohl in ganzen Weltſyſtemen und ihrem Zuſammenhange, als in einzelnen beſondern Theilen auf unſerer Erde. ) Die Schönheit und Ordnung in den Geſetzen der Bewegung, und endlich 3) die unleugbaren Abfichten in der Natur, in allgemeinen und beſondern, in ordentlichen und auſſerordentlichen Naturbegebenheiten, da⸗ hin auch die Schickſale gewiſſer Staaten, und ſogar die Begebenheiten einzelner Perſonen zu rechnen ſind. Denn auch aus dieſen, wenn ſie in Ganzen betrachtet werden, leuchten öfters die weiſeſten ee hervor, ve durch wunderbare Mittel erhalten worden ſind.