SigPhi · Moses Mendelssohn

Abhandlung über die Evidenz in metaphysischen Wissenschaften

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Es iſt nicht zu leugnen, daß dieſen Beweisarten 900 vieles zur demonſtratven Gewißheit fehlet. Was die Schoͤnheit und Ordnung betrifft, nicht zu gedenken, daß erſt dargethan werden muß, daß ſie nicht nothwendig; ſondern zufällig ſey: fo kann man, wenn auch dieſes geleiſtet wird, dennoch nichts mehr daraus folgern, als daß es eine weiſe und guͤtige Urſache dieſer Ordnung und Schoͤnheit gaͤbe, aber nicht daß dieſe allweiſe und allguͤtige Urſache, alles auſſer ihr aus dem Nichts hervorgebracht, erſchaffen habe. Vielleicht hat Gott, wie einige von den Alten getraͤumet, ein Chaos vorgefunden, in welches er Ordnung und Schoͤnheit hineingeleget hat. Vielleicht hat er der unordentichen Bewegung, die in dieſem Chaos anzutreffen geweſen, nur ordentliche und übereinftimmende Geſetze vorgeſchrieben. Dieſe Einwuͤfrfe laſſen ſich widerlegen, das geſtehe ich, aber nicht mit der fiegenden Kraft, mit welcher man eine aͤchte Demonſtration veſechten fürn..

Was dieAbfichten der Dinge betrift; ſo koͤnnen aus denſelben nichts anders, als höchſtwahrſcheinliche Schlůſſe geſogen werden. Denn ſo lange wir nicht von dem Daſeyn eines vernünftigen Weſens überzeugt find, s auf dieſe oder jene Wuͤrkung fein Abſehen gehabt; fo koͤnnten wir mur aus den Umſtaͤnden vermuthen, daß die Würkung wohl eine Abſicht eines vernünftigen Weſens geweſen ſeyn muͤſſe; wenn nemlich viele beſon⸗ dere Urſachen zu wiederholten malen auf eben dieſelbe Weiſe zusammen kommen, eine Wuͤrkung hervorzubringen, die der Schicklichkeit gemaͤß iſt, und mit dem Ganzen uͤbereinſtimmt. Je mehr Urſachen, je oͤfter fie zu⸗ fſammen kommen, und je ſchicklicher und der Vollkommenheit des Ganzen angemeſſener die Wuͤrkung iſt; deſto wahrſcheinlicher iſt die Vermuthung, daß dieſe Wuͤrkung die Abficht eines vernünftigen Weſens geweſen ſey.

In unſerm Falle ſteiget die Wahrſcheinlichkeit auf einen ſehr hohen Grad, und kommt der Gewißheit nahe, aber völlig erreichen kann fie dieſelbe nie⸗ mals, ſo lange wir weder alle Urſachen, ſo oft ſie zuſammen kommen, noch das richtige Verhaltnis der Schicklichkeit einer einzigen Begebenheit zum Ganzen vollkommen deutlich einfehen koͤnnen. Endlich kann auch aus den Abſichten nur eine weiſe Anordnung und Einrichtung, nicht aber eine Schoͤpfung aus dem Nichts dargethan werden. BR, AJndeſſen befigen dieſe Beweisthuͤmer eine weit groͤſſere Beredungs⸗ kraft als ſelbſt die Demonſtration. Sie machen durch ihre Lebhaftigkeit einen ſtaͤrkern Eindruck in das Gemuͤth, erwecken die Seele zu werkthaͤti⸗ gen Enrfehlieffungen, und bringen diejenige praktiſche Ueberzeugung hervor, die bey der Betrachtung der goͤttlichen Eigenſchaften unſere vornehmfte Abſicht ſeyn ſollte. Die demonſtrativen Beweisthuͤmer find wie die Feſtun⸗ gen, die ein Land wider feindliche Anfälle fehügen, für friedliche Einwohner aber weder die bequenuften noch die anmuthigſten Wohnplaͤtze find. Wer keinen Widerſaͤcher zu beſtreiten, keine ſpitzfuͤndige Zweifel zu beſiegen hat, der findet in der Methode aus der Schoͤnheit, Ordnung und aus den Abs ſichten der Natur, ihren Schöpfer zu erkennen, die füflefte Beruhigung, den erquickenden Troſt, und dasjenige Feuer und Leben der Erkenntnis, das in das Begehrungsvermoͤgen uͤbergehet, und Entſchlieſſungen veran⸗ laſſet, die in Handlungen ausbrechen. Man laſſe alſo einer jeden Erkenntnis- f ö G 5 art L art ihren Werth, und verwerfe weder die allerſtrengſte Ueberzeugung, die von Spitzfindigkeiten ſtrotzet, noch die allerfeurigſte Ueberredung, und wenn fie auch nicht alle Raͤnke eines Widerſaͤchers vereiteln konnte. Nur hüte man ſich in der Betrachtung der göttlichen Eigenſchaften für ſolche Gründe, die in gewiſſer Abficht der guten Sache ſchaͤdlich ſeyn koͤnnen. Ich meyne, die Beweiſe von dem Daſeyn eines hoͤhern Weſens, die ſich wahrſchein⸗ licher Weiſe auf unſere Unwiſſenheit gründen, und bey einer genauern Er⸗ forſchung und tiefern Einſicht in die Wuͤrkungen der Natur, verſchwinden duͤrften. So oft man aus ordentlichen Naturbegebenheiten, deren Unter⸗ urſachen man nicht ergruͤnden kann, auf die unmittelbare Wuͤrkung einer hoͤhern Macht ſchließt; ſo bauet man auf ſchwachen Grund, denn wahr⸗ ſcheinlicher Weiſe haben, auſſer den Wunderwerken, alle Naturbegeben⸗ heiten auch ihre Unterurfächen. f 5 Die Heiden hatten das Ungluͤck, daß ihre Religion auf ſo ſchwachen Stügen ruhete. Jede auſſerordentliche Naturbegebenheit wollten ihre Prieſter der unmittelbaren Wuͤrkung einer hoͤhern Macht zu chreiben * Nichts iſt leichter und bequemer, ein rauhes und ungebildetes Volk im Zaume zu halten, als ein Syſtem von Religion, das uns ganz mit Gott⸗ heiten umgiebt, und im Rauſchen eines jeden Waſſerfalles, in der Stimme des Donners oder des Sturmwindes, in allem, was unſere Sinne rühret, die unmittelbare Wuͤrkung einer hoͤhern Macht erkennen lehret. Allein, ein ſolches Syſtem konnte von keiner langen Dauer ſeyn. Sobald die Naturkunde und Weltweisheit empor kamen, ſahe man auch Religions⸗ ſpoͤtter und Gottesleugner entſtehen, welche durch ihre Entdeckungen die ſchwachen Gründe des Aberglaubens vereitelten, und in der Einbildung ſtunden, alle Religion, alle mögliche, Beweisgrüͤnde für das Daſeyn Got⸗ tes und seiner Eigenſchaften umgeſtoſſen zu haben. Jeder Naturforſcher mußte damals ein Gottesleugner ſeyn, oder wenigſtens dafür gehalten wer⸗ den. Wie war es mit dem Epikur? Er bemuͤhete ſich, alle Naturbegeben⸗ FR 5. N heiten ) Ignoratio cauſarum conferre Deorum 7 726 Cogit ad imperium res, et concedere regnum; et Quorum operum cauſas nulla ratione videre Poffunt, haec fieri diyino numine rentur. Lucr. L. VI.

mechaniſchen Gründen zu erflären, und befreyete die Götter von N ſamen A bei ten, die ihnen von den Prieſtern damaliger Zeit ſind auferloger worden, wodurch er den herrſchenden Aberglauben ſtürzte. Vor⸗ reflich. wenn er nicht auf der andern Seite 8 und den eſten Unglauben einzuführen bemuͤhet geweſen wäre. Allein die bekannten Beweise für das Daſeyn der Gottheit und ihre unnuttel bare Wuͤrkungen waren nun einmal vernichter, und der naͤchſte Weg, der vor ihm offen ſtand, war, entweder beides oder wenigſtens das letzte zu leugnen. In einem aufgeklärten Zeitpunkte würde Epikur wohl eingefehen haben, daß der Schluß nicht bindet: Alle Naturbegebenheiten haben ihre natürliche Urſachen, daher giebt es keine Vorſehung, oder gar, wie einige wollen, keine Gortheit. — So groß iſt der Einfluß des Zeitpunkts, in welchem wir leben, auf unſere Meynungen, und ſo nahe ſind Abeglauben 92 W einander verwandt.

Vierter Abſchnitt. gi Von der Evidenz in den Anſangsgründen der Sittenlehre.

. einer jeden rechtſchaffenen Handlung, die der Mensch unter: nimmt, macht er ſtillſchweigend folgenden Vernunftſchluß: N 2 die Eigenſchaft A anzutreffen iſt, da erfordert die Pflicht B zu thun.

Dieſer vorkommende Fall hat die Eigenſchaften A; alſo u. ſ. w.

Der Oberſatz dieſes Vernunftſchluſſes iſt eine Maxime, eine allgemeine . welche wir zu einer, andern Zeit angenommen, und die bey eee des gegenwartigen Falles natürlicher Weile in das Gedaͤcht⸗ nis zu kom nen m 5. Der Unterſatz gründet ſich auf eine genaue Beob⸗ achtung De gegenwärtigen Umſtaͤnde und auf die Ueberzeugung, daß fie mit dem Vorwurfe des Oberſatzes, oder mit den erforderlichen Sgenchaf⸗ ten A völlig uͤbereinkommen. Man ſondert auch hier, wie in der Mathematik, das cheoretihe von dem Fa ab, und ae die Sittenlehre in zwey Theile, in die die ER und ausuͤbende. Jene trägt die allgemeinen eee vor, die in beſondern vorkommenden Faͤlken zu Oberſaͤtzen dienen, und dieſe lehrt die Anwendung und Ausübung der allgemeinen Grundſaͤtze in einem vorkommenden Falle. Ich habe alſo zu unterſuchen, wie weit ſich in dieſen Wiſſenſchaften die Eoidenz erſtrecke, und wie fie ſich gegen ‚Dee Eviden in den Anfangsgründen der Geometrie verhalte. — Daß man die allgemeinen Grundſaͤtze der Oitkenlehre k geomier > ſcher Strenge und Buͤndigkeit beweiſen koͤnne, iſt nicht ſchwer zu beweiſen. „Haben wir Menſchen das Erkenntnisvermoͤgen mit einander gemein, „ſpricht Marcus Aurelius; ſo haben wir auch als vernünftige Geſchoͤpfe, 5 »die Vernunft gemein. Iſt dieſes; fo haben wir auch die Vernunft ⸗ „gründe gemein, die uns vorſchreiben, was zu thun oder zu laſſen tft; und v folglich haben wir auch ein gemeines Geſetz.“ Nichts iſt meines Er⸗ achtens deutlicher und buͤndiger, als dieſer Schluß. Wenn verſchiedene Dinge eine ahnliche Beſtimmung haben; ſo muͤſſen ſie auch die Folgen gemein haben, die aus dieſer Beſtimmung flieſſ en. Die Menſchen beſitzen eine gemeinſchaftliche Beurtheilungskraft, die in verſchiedenen Vorwuͤrfen nur dem Grade nach unterſchieden iſt; daher beruhen auch alle ihre Be⸗ griffe und Urtheile vom Guten und Boͤſen auf demſelben Grund, und weichen nur nach dem Grade ihrer Einſicht von einander ab. Iſt aber dieſes; ſo giebt es auch allgemeine Grundregeln, nach welchen ſte, was zu thun oder zu laſfen ſey, entſcheiden ſollten, und dieſe allgemeine Grund⸗ segeln find die Geſetze der Natur. Dieſelbe Ausſicht zeigt uns auch einen bequemen Weg, auf Pechen wir zur Erkenntnis dieſes allgemeinen Naturgeſetzes gelangen koͤnnen. Man berrachte nur das Thun und Paffen-der Menſchen, ihre verfchiedene _ Neigung und Leidenſchaften, Ergoͤtzung und Beunruhigungen, man fondere dasjenige ab, woꝛinn fie alle endlich uͤbereinkommen, diejenige Beſtinnung, welche in dieſer groſſen Mannigfaltigkeit allenthalben anzutreffen if Die. ſes ſummum bonum, quo tendimus omnes, auf welches alle Begierde und Wünſhe der Wenſchen zuletzt abzielen, dieſes iſt die Richtſchnur, die wir nie⸗ mals aus den Augen laſſen muͤſſen, der Leitfaden, der uns durch das A da menſchlichen Handlung ner hindurch fuͤhren wird.

5 Was haltung — —— unfers, Eodee eines andern 9 nern oder dufjern Zuſtandes abzielen. Selbst die allerlaſterhafteſten Neigungen, die allerſchaͤndlichſten Begierden haben keinen andern End- zweck, nur daß fie Scheinguͤter an die Stelle der wahren Vortheile ſetzen, oder die gehoͤrige Proportion verfehlen, indem ſie ihr eigenfüchtiges Seloſt einer jeden andern Abſicht vorziehen, oder ihren aͤuſſern Zuſtand auf Un⸗ koſten des Innern zu verbeſſern ſuchen. Der Ehrgeizige und Gewinn. ſuͤchtige find in keiner andern Abſicht laſterhaft, als weil fie die Verbeſſe⸗ rung ihres Auffern Zuſtandes, ihrer Ehre oder ihres Vermögens, allen an⸗ dern Abſichten vorziehen, und dieſer ſchaͤndlichen Begierde öfters Leib und Seele, Freunde und Vaterland aufopfern. Mit dem Wolluͤſtigen hat es die nemliche Beſchaffenheit. Er ertheilet den ſinnlichen Vergnügen einen ungerechten Vorzug vor den Vollkommenheiten feiner Seele, oder vor den Vortheilen feines aͤuſſern Zaſtandes. Es zielen alſo alle laſterhaften ſowohl als tugendhaften Begierden der Menſchen zuletzt einzig und allein auf die wahre oder ſcheinbare Vollkommenheit (Erhaltung und Ver⸗ beſſerung) ihres oder ihrer Nebenmenſchen, innern oder duffern Zu- ſtandes. Hieraus flieſſet die allgemeine praktiſche Maxime, das erſte Geſetz der Natur: Mache deinen und deines Nebenmenſchen innern und aͤuſſern Zuſtand, in gehoͤriger Proportion, fa vollkouimen, als du kannſt. Hat man dieſe allgemeine Quelle gefunden; ſo kann man aus derſelben die Pflichten gegen ſich ſelbſt, gegen feinen. Naͤchſten, und auch gegen Gott herleiten. Denn es iſt gar leicht zu beweisen, daß die Beobachtung der Pflichten gegen Gott der wächfte, ſicherſte, ja, was ſage ich? der einzige Weg fen, unſere Seele vollkommener zu machen. Man ſiehet hier die Wege zu den beſondern Abtheilungen der praktiſchen Welt weisheit, die alle mit geometriſcher Sauen dieſem allgemeinen Na⸗ turgeſetze demonſtritet werden koͤnnen.

Man kann daſſelbe Naturgeſetz aus der bloſſen Erklarung eines frey⸗ willigen Weſens a priori beweiſen. Ein Weſen, das mit Freyheit begabt üft, kann aus verſchiedenen Gegenftänden, oder Vorſtellungen der Gegen⸗ G 3 finde, eu ® ſtäͤnde, wählen, was ihm gefält. Der Grund dies Wohlgefallens it die Vollkommenheit, Schönheit und Ordnung, die es in den vorzu 5 den Gegenſtande wahrnimmt, oder wahrzunehmen glaubt. Unter der Vollkommenheit begreife ich auch den Nutzen und das finnliche Vergnuͤ⸗ gen, das uns der Gegenſtand verſpricht, denn beides gehoͤret zu den Voll⸗ kommenheiten unſers innern oder aͤuſſern Zuſtandes. — Die Betrach⸗ tung der Vollkommenheiten, Schönheit und Ordnung gewaͤhret uns Luſt, der Unvollkommenheit, Haͤßlichkeit und Unordnung aber Unluſt; daher koͤnnen Ordnung, Schoͤnheit und Vollkommenheit Bewegungsgrüͤnde abgeben, daduech ein freyes Weſen in feiner Wahl beſtimmt wird. Dieſe Bewegungsgruͤnde legen den freyen Weſen keinen phyſiſchen Zwang auf, denn es waͤhlet nach Wohlgefallen und aus innerer Wuͤrkſamkeit; in⸗ deſſen aber führen ſie eine moraliſche Nothwendigkeit mit ſich, vermöge welcher es dem freyen Geiſte unmöglich fällt, an den Unvollkommenheiten, N 3 een Unordentlichen Wohlgefallen zu n Eine Verbindlichkeit if nichts anders, als eine moraliſche Nothwen⸗ digkeit zu handeln, d. i. etwas zu thun oder zu unterlaſſen. Denn da kein phyſicher Zwang bey einem freyen Weſen ſtatt findet; ſo kann ich auf keine andere Weiſe verbunden werden, etwas zu wollen oder nicht zu wollen, als in ſo weit man mich durch Bewegungsgruͤnde dazu veran⸗ laſſet. Die Bewegungsgruͤnde aber verurſachen eine moraliſche Noth⸗ wendigkeit; daher iſt eine jede Verbindlichkeit eine moraliſche Nothwen⸗ digkeit, etwas zu thut oder zu unterlaſſen. — Da nur ein jedes freye Weſen ſittlich gezwungen it ſich in feiner Wahl nach den triftigſten Be⸗ wegungsgruͤnden w beſtimmen; ſo iſt es auch verbunden, ſich in ſeiner Wahl nach der Regel der Vollkommenheit, Schönheit und Ordnung zu richten, oder welches eben fo viel iſt, das freye Weſen iſt verbunden fo viel Vollkommenheit, Schönheit und Ordnung in der Welt hervorzubringen, als ihm moͤglich iſt. Hieraus folget unmittelbar die natuͤrliche Verbind⸗ lichkeit, oder das vorhin aus einem andern Grunde hergeleitete Natur⸗ geſetz: Mache deinen und deines Naͤchſten innern und duffern Zur. tan; i in gebsrigen Proportion rß TR als du 1 75 Ton ven fung gemäß lebe, ein ſo oft ich ein Geſchoͤpf, mich oder ein an⸗ ache. Ss bald man annimmt, daß ein Gott, der ren kann.

ein anderer, wenn er ver⸗ verhindern, den 5 soingen, der win Haig ſingt; ware 8 aber age. erlaubt? n Der kleine Schritt, der hier noch u nm i, beſehet aus ah ene Man beweiſet nemlich, daß Gott nichts anders wollen kann, als das Beſte, und daß ein Recht nichts anders fen, als ein ſittliches Vermoͤgen, das zu thun, was der Regel der Vollkommenheit gemaͤß iſt. Nunmehr hängt der Schluß fo buͤndig zuſammen, als immer ein geome⸗ triſcher Beweis; wir ſind Geſchöpfe Gottes, alfo fein Eigenthum. Sind wir fein Eigenthum; fo hat er das Recht, von unſern Kräften denjenigen Gebrauch zu machen, den er gut findet, denn was er gut findet, iſt un⸗ ſtreitig das Beſte. Er hat alſo das Recht, das ſittliche Vermoͤgen, uns Geſetze vorzuſchreiben; denn die Geſetze, die er uns, feinem, Eigenthume, vorſchreibt, find der Regel der Vollkommenheit gemäß. Er hat ferner ein Recht, die Uebertreter dieſer Geſetze zu beſtrafen, wenn dieſe Safe telbft zur Vollkommenheit etwas beytraͤgt, u. ſ. w.

Uns, dem Eigenthume Gottes, lieget eine Be noralifihe Nöth. wendigkeit (Verbindlichkeit) ob, uns dem Willen unſers Eigenthumsherrn zu unterwerfen, und feinen, Geſetzen nachzuleben. Einmal, weil ſie an und fuͤr ſich die beſten ſind, indem ſie Gott anders unmöglich vorſchreiben kann. Wie aus dieſem Begriffe eine Verbindlichkeit entſpringe, iſt bereits oben gezeigt worden. Zweytens geben uns die Strafen und Belohnungen, die Gott mit der Uebertretung und Beobachtung feiner Geſetze verknüpft, Bewegungsgruͤnde an die Hand, den Gehorſam fuͤr beſſer zu halten, und uns daher ſeiner Regierung zu unterwerfen. Die Bewegungsgruͤnde ſind die einzigen Triebfedern, durch welche ein freywilliges Weſen in Bewegung geſetzet werden kann, und der allerweiſeſte Geſetzgeber ſelbſt hat keine an⸗ dere Mittel, ſeine Geſetze einzufuͤhren und verbindlich zu machen, als indem er Bewegungsgruͤnde mit denſelben verknuͤpft, die das freywillige Weſen geneigt machen, ſie anzunehmen. Daher kann uns nichts verbinden, die natuͤrlichen oder goͤttlichen Geſetze anzunehmen, als ihre innere Vortref⸗ | lichkeit, und die willkuͤhrliche Strafen und Belohnungen, die das aller⸗ hoͤchſte Weſen zu unſern Pain mit bl zu EN für gut ai Ser AB F Auf 5 N a | Auf 5 N a | Auf dieſer Grundlage laßt ſich das Syſtem der praktichen Welt weisheit ohne fonderliche Schwierigkeit auftichten. Unſere Handlungen find gut oder boͤſe, in fo weit fie mit der Regel der Vollkommenheit, oder welches eben fo viel iſt, mit den Abſichten Gottes übereinſtimmen, oder nicht.

Mr ſind alſo verbunden, jene zu thun, dieſe zu unterlaſſen. — Die Tugend iſt eine Fertigkeit zu guten, und das Lafter eine Fertigkeit zu boͤſen Handlun⸗ gen. — Beſtrebe dich der Tugend und fliehe das Laſter! — Die Verbind⸗ lichkeit zu guten Handlungen giebt uns ein Recht auf die Mittel, ohne welche wir dieſelben nicht ausführen koͤnnen. Wenn alle andere Menſchen auf dieſelben Mittel ein gleiches Recht haͤtten; ſo wuͤrde ſich das Geſetz der Natur widerſprechen, wie Cumberland deutlich aus einander geſetzt hat. Es hat alſo nothwendig ein Vorrecht ſtatt, und dieſes Vorrecht läßt ſich aus vernuͤnftigen Gruͤnden entſcheiden. Dieſe vernuͤnftigen Gruͤnde, in ſo weit fie auf eine Menge einzelner Fälle angewendet werden koͤnnen, machen die Geſetze des natürlichen Rechts aus, und der Jnnbegrif dieſer Geſetze 5 heiſt das Naturrecht. Aus dem allgemeinen Naturgeſetze iſt zu erweiſen, daß wir verbunden ſind, dieſe Vorrechte zu erkennen, und ſie demjenigen zukommen zu laſſen, dem ſie gebuͤhren. Wir ſind daher zur natuͤrlichen Gerechtigkeit verbunden, d. i. wir muͤſſen einem jeden das Recht zukommen laſſen, das ihm gebuͤhret. Will man die Gerechtigkeit, wie oben angefüh- ret worden, durch eine weislich eingerichtete Guͤtigkeit erklaͤren; ſo laͤßt ſich die Verbindlichkeit zu derſelben auch aus andern Gruͤnden darthun. Denn wir find verbunden, unſern innern Zuſtand vollkommener zu machen, und alſo weiſe und guͤtig zu ſeyn. „ Man ſiehet hier abermals ein Beypiel von der erſtaunlichen Frucht. barkeit unſerer Begriffe. Aus der einzigen Erklärung eines freywilligen Weſens läßt ſich das ganze Syſtem unferer Pflichten, Rechte und Oblie⸗ genheiten entwickeln, alle unſere Neigungen, Begierden und Leidenſchaften flieſſen aus dieſer allgemeinen Quelle, und unſer Thun und Laſſen ift recht⸗ ſchaffen, wenn es mit dieſem Urbegriffe, wie eine geometriſche Demonſtra⸗ tion mit ihrer Vorausſetzung zuſammenhaͤngt. Aber man bewundere auch die vortrefliche Uebereinſtimmung der Warheiten! Wir haben drey ver⸗ ſchiedene Maximen zum Grunde gelegt; 1) Erwege, worinn die Nei⸗ 82 H gun 82 H gun gingen aller Menſchen abereinſtimmen. 2 Erkenne dich als ein Jreywilliges Weſen. ) Erkenne dich, als das Eigenthum Gotttes, und alle drey Grundmaximen fuͤhren auf die gemeinſchaftliche Folge; Mache dich und andere vollkommen. Und ſo koͤnnen noch unendlich viele Grunddeßnitionen, oder auch richtige Erfahrungen vorausgeſchickt werden, die uns alle auf einen bald kuͤrzern hald laͤngern Weg, auf daſſelbe Reſultat hinfuͤhren. An dieſer wundervollen Harmonie erkennet man die Warheit! Sie zeigt wie die Natur, unendlich viele Ausſichten, unendlich viele Geſichtspunkte, aber alle ſtimmen in das groſſe Gemaͤhlde zuſammen, unter welchen ſich das Ganze darſtellet. Dem allſehenden Auge iſt die geſammte Natur Ein Semöhlee der Junbegrif aller möglichen“ Gkennmnſſe, Eine Warheit. Die Begriffe der Moralphüoſophie ſind alſo fruchtbar und zuſummen⸗ haͤngend genug, zu einem theoretiſchen Syſtem, und wir konnen in dieſer Theorie alle unſere beſondere Pflichten, Rechte und Obliegenheiten, aus einem einzigen allgemeinen Naturgeſetze entwickeln. Die Gewißheit wird dieſelbe ſeyn, die man ſich in den Anfe angs gründen der Metaphyſik zu ver: ſprechen! hat. Iſt die Weltweisheit überhaupt eine Wiſſenſchaft von den Weſchaßßenbeiten der Dinge uͤberhaupt; fo iſt die Moralphiloſophie ing: nichts anders, als die Wiſſenſchaft der Beſchaffenheiten eines l N efens, in ſo weit es einen freyen Willen hat. Die Freyheit :gefehen, ein fruchtbarer Begrif, deſſen Entwick ekung uns auf nis aller nſexer Pflichten und Obliegenheiten führen kann; daher laſſen ſich die Lehren der heoretiſchen Moralphiloſophie aus ſichern Gruͤnden umumſtoͤßlich darthun, und die Gewöhei die in derſelben herrſchet, ift die⸗ felbe, mit welcher ſich in der Metap haffenheiten der Dinge uͤber⸗ baupt entwickeln laſſen. — Hingegen werden die Beweiſe! a a 5 ſchaft noch weit weniger einleuchtend, weniger faßlich ſeyn Fön 8 den Anfangsgruͤnden der Me taphyſck oder der naturlichen Goes ar Auſſer den Schwierigkeiten, mit welchen, wie in den vorigen Abſchnitten iſt gezeiget worden, in einer jeden philoſophiſchen Wiſſenſchaft die völlige Ueber⸗ zeugung verknuͤpft ſeyn muß, koͤmmt in Anſehung der Sittenlehre noch hin⸗ zu, daß dieſe e auf den Gründen der Metaphyſik gebauet iſt.

Man Nee we vayätne der Seele des Menſchen wohl man muß ſich davon überzeugt haben, ehe man fich in der Moral⸗ W Licht verſprechen kann. Wie kann ich begreifen, was ich Ga ut FOR, unD meinen Naͤchſten ſchuldig bin, wenn ich nicht von Gott, meinen Nächften, mir felbft, und von der moraliſchen Verbindung, in welcher ih als Geſchoͤpf und Nebengeſchoͤpf mit jenen ſtehe, wahre und richtige Begriffe habe? Da ale die praktiſche Weltweisheit die Warheiten det Metaphyſik zum Grunde leget; ſo iſt leicht zu begreifen, daß die Evidenz in derſelben noch weit ſchwerer zu erhalten ſeyn muß.

Mit der ausuͤbenden Sittenlehre verhaͤlt es ſich, wie mit allen andern praktiſchen Wiſſenſchaften. e praktiſche Vernunftſchluß legt in den Unterfage die Beſchaffenheit eines gegenwaͤrtigen Falls zum Grunde, die uns nicht anders, als durch die Erfahrung bekannt werden kann; daher haͤngt die Warheit des Schlußſatzes, wenn der Oberſatz auch ſeine mathe⸗ matiſche Richtigkeit hat, dennoch von der Gewißheit der Erfahrung ab, durch welche der Unterſatz auſſer Zweifel geſezt wird. Und wenn die Erfah⸗ rung nicht genug enthaͤlt, uns von der Richtigkeit des Unterſatzes vollkommen zu uͤberzeugen; ſo wird der Schlußſatz dem ſchwaͤ⸗ chern Theil folgen, und nicht mehr als wahrſcheinlich ſeyn koͤnnen. Mit der praktiſchen Sittenlehre hat es die nemliche Bewandnis. Es muͤſſen Erfahrungen zum Grunde gelegt werden, die nicht allezeit den er⸗ wuͤnſchten Grad der Gewißheit haben koͤnnen. Jedoch ſind bey dieſer Ge⸗ legenheit folgende Betrachtungen nicht aus der Acht zu laſſen. Es giebt allgemeine Naturgeſetze, die unmittelbar aus der erſten Quelle 1 Dieſe gehen mehr auf die Neigungen Herzens, als auf unſere liche Handlungen. Sie ſchreiben uns vor, was wir lieben, und wo wir abgeneigt ſeyn ſollen, und überlaffen es dem unterm Naturgeſetz, unfer Thun und Laſſen einzurichten. Von dieſer Beſchaffenheit find die allge⸗ meinen Naturgeſetze: Verehre den Schöpfer! Liebe die Tugend, fliehe das Laſter! Beherrſche deine Leidenſchaften, unterwerfe deine Begierden der Vernunft! alle dieſe Vorſchriften der Natur koͤnnen in Ausuͤbungsſchlüͤſſe verwandelt werden, die den hoͤchſten Grad der Ueberzeugung mit ſich fuͤh⸗ ren. Ich bin ein vernuͤnftiges Rn daher muß ich meinen Schöpfer ver⸗ verehten, die Tugend lieben, das Laſter verabſcheuen. Meine Begierden koͤnnen mich von dem Wege der Gluͤckſeligkeit abfuͤhren; meine Leidenſchaf⸗ ten Eönnen das Ziel uͤberſchreiten, daher muß ich fie der Herrfchaft der Vernunft unterwerfen. Alle dieſe praktiſche Vernunftſchluͤſſe Fönnen mit geometriſcher Strenge bewieſen werden. Die Oberſatze derſelben find von einer ſolchen Allgemeinheit, daß keine Ausnahme von denſelben ftatt finder. Ihre Ausübung kann keiner hoͤhern Pflicht im Wege ſtehen, denn fie find. eigentlich die Quellen, aus welchen alle unſere Pflichten hergeleitet werden. Ich bin zu allen Zeiten und in allen möglichen Umſtaͤnden verbunden, mei⸗ nen Schöpfer zu verehren, die Tugend zu lieben u. ſ. w. und kein Vorfall in der Welt kann mich von dieſer Obliegenheit befreyen. — Die Unterſatze dieſer Vernunftſchlüͤſſe gründen ſich auf die Erfahrungen eines innern Sin⸗ nes, die ihre Ueberzeugung mit ſich führen. Ich bin ein vernuͤnftiges Ge⸗ ſchoͤpf; Ich fehne mich nach der Gluͤckſeligkeit; Meine Begierden und Lei- denſchaften koͤnnen, ſich ſelbſt überlaffen, mich ungluͤckſelig machen; alle dieſe Saͤtze gruͤnden ſich zwar zuletzt auf Erfahrungen; allein auf Erfah⸗ rungen, die keinen Zweifel Raum laſſen, die fo untruͤglich find, als die bun⸗ digſten Vernunftſchluͤſſe. N At Steigt man aber zu den abgeleiteten Naturgeſetzen herunter, die uns in beſondern Fällen vorſchreiben, was wir thun und laſſen ſollen; ſo nimmt dieſe Untruͤglichkeit in der Ausübung allmaͤhlig ab, und ſteigt durch alle Stufen der Wahrſcheinlichkeit bis zur Zweifelhaftigkeit nieder. Denn erſt⸗ lich haͤngt die Beſchaffenheit des gegenwaͤrtigen Falls allhier von Erfah⸗ rungen ab, die ſelten Warheitsgruͤnde genug enthalten. Die moraliſche Guͤte einer Handlung, der Werth oder Unwerth unſeres Thuns und Laſ⸗ ſens, haͤngt nicht nur von unzehlichen begleitenden Umſtaͤnden und Zufaͤl⸗ ligkeiten, ſondern auch von den Folgen und Wuͤrkungen dieſer Handlun⸗ gen ab, die unmoͤglich mit Gewißheit vorhergefehen werden koͤnnen. Der mindeſte unverhofte Zufall kann alle unſere Hofnungen perctein n beſten Vorſatz von den allerſchaͤdlichſten Wuͤrkungen ſeyn laßſen. Ein Umſtand, den wir nicht bemerkt haben, und wie ſelten find wir im Stande alle Umſtaͤnde genau zu erwaͤgen! kann der Beſchaffenheit des gegenmär- tigen Falles eine ganz andere Geſtalt geben. Nur ein allſehendes Auge 8 kann wiſchen. Die loͤblichſte Handlung, das verdienſtlichſte Werk kann zur Sünde werden, wenn wir zu eben der Zeit eine höhere Pflicht verſaͤumen, deren Verbindlichkeit wichtiger iſt. Denn eine jede aͤuſſere Handlung ſchließt, indem fie geſchiehet, alle übrige Handlungen aus, die zu gleicher Zeit hätten en Eönnen, und jedes Geſetz, das uns etwas zu thun befiehlt, muß unter der Bedingung verſtanden werden, wenn zu eben der Zeit unſere Pflicht nichts wichtigers von uns heiſcht, das dadurch verſaͤumt wird. Welcher Sterbliche kann ſich ruͤhmen, mit Gewißheit einzuſehen, was Gelegenheit, Zeit und Umſtaͤnden nach, die beſte Handlung fe, die er ausführen kann? In ſolchen Fällen die Gewißheit abwarten, heiſt ewig unſchluͤßig da ſtehen, niemals zur Ausuͤbung kommen wollen. Ja oͤfters iſt die Gelegenheit ſo dringend, der Zeitpunkt ſo entſcheidend, daß uns nicht einmal Zeit gelaſſen wird, die Gründe der Wahrſcheinlichkeit nach deutlichen Begriffen abzu⸗ waͤgen. Das Gewiſſen und ein glücklicher Warheitsſinn (Bon-fens) 8 wenn man mir dieſes Wort erlauben will, müffen in den meiſten Angelegen⸗ heiten die Stelle der Vernunft vertreten, wo uns nicht die Gelegenheit den kahlen Nacken zuwenden foll, bevor wir fie ergreiffen. Das Gewiſſen iſt eine Sertigkeit, das Gute von Boͤſen, und der Warheiteſinn, eine ger; tigkeit, das Wahre vom Falſchen durch undeutliche Schluͤſſe richtig zu unterſcheiden. Sie ſind in ihrem Bezirke das, was der Geſchmack in deim Gebiethe des Schönen und Haͤßlichen iſt Ein geuͤbter Geſchmack Ni; H 3 ö empfin- * empfindet in einem Nu, was die langſame Kritik nur nach h oc e "alt Licht ſetzet. Eben fo ſchnell entſcheidet das beurtheilet der War⸗ heitsſinn, was die Vernunft nicht ohne mühſaes Nachdenken, „in ic: 9955 Schluͤſſe aufloſet. N Dieſes innere Gefuͤhl, dieſe Empfindung: des Guben und Boͤſen, 5 Wahren und Falſchen, wuͤrkt nach unveränderlichen Regeln, nach richtigen n, aber nach Grundfägen, die durch anhaltende Uebung unſerm Temperamente einverleibt, bey uns gleichſam in Saft und Blut verwan⸗ delt worden ſind. Ob ſie gleich auf undeutliche Erkenntnis, und öfters auf bloſſe Wahrſcheinlichkeiten gegruͤndet find; fo iſt ihre Wuͤrkungskraft auf das Begehrungsvermoͤgen dennoch weit feuriger und lebhafter, als die Wuͤrkungskraft der deutlichſten Vernunftſchluͤſſe, die ohne Fertigkeit über« zeugen, aber nicht rühren, unterrichten, aber das Gemuͤth nicht bewegen. Dieſes in einiges Licht zu ſetzen, erlaube man mir den Unterſchied zwiſchen der praktiſchen und theoretiſchen Ueberzeugung, deſſen ich am Ende des vorigen Abſchnittes Erwehnung gethan, genauer zu betrachten.

Wir geben einem Satze Beyfall, fo bald wir die Warheitsgruͤnde deſſelben einſehen. Je näher dieſe Warheitsgruͤnde einer völligen Demon⸗ ſtration kommen, und je deutlicher wir dieſelben erkennen; deſto zuverlaͤßi⸗ ger iſt unſer Beyfall. Endlich, wenn wir den Beweis eines Satzes fo deutlich einſehen, daß wir die Warheit deſſelben nicht mehr in Zweifel ziehen koͤnnen, ſo find wir völlig überzeugt. — Dieſes ift der theoretiſche By fall, die Ueberzeugung des Verſtandes.

Das Gemuͤth, oder der Inbegrif unferer e emen er⸗ kennet eine Art von Beyfall, der vor jenem weit unterſchieden iſt, und praktiſcher Beyfall genennt zu werden verdienet. Wer von einer War⸗ heit überzeugt iſt, der kann fie zu eben der Zeit unmoglich in Zweifel ziehen; allein man kann von einer Verbindlichkeit theoretiſch überzeugt ſeyn, und ihr dennoch zuwider handeln. Ja Cartes ſcheinet ſo gar nicht ohne Grund zu behaupten, raro peccatur defectu t eoreticte cognitionis officii ſui, ſed defectu practicæ, hoc eſt, deſectu firmi habitus aſſentiendi officio ſuo. Nicht alle demonstrative Warheiten wuͤrken gleich ſtark in unſer Ber e Manche 1 den Verſtand, ohne das Gemuͤth 25 re each Een, aber ohne Kraft, Leben und i mit weniger Gewißheit das — und lebendige Erkenntnis her- Laſſens von aͤuſſerſter it ſeyn.

koͤmmt nicht allezeit mit dem Urtheile unſerer niedern Seelenkraͤfte überein, und wenn fie mit einander ſtreiten; fo muͤſſen fie nothwendig eines des an-