dern Wuͤrkſankeit in den Willen ſchwaͤchen. Nur alsdenn wird der Beyfall einer Warheit praktiſch, wenn die Vernunftgruͤnde, die niedern Seelenkraͤfte entweder beſiegen, oder gar mit zu ihrem Vortheile einnehmen. In dem letztern Falle muß das Gemuͤth, wie leicht zu begreifen iſt, weit entſchloſſener ſeyn, denn alsdenn ſtimmen Vernunft und Einbildungskraft, Geiſt und ee eee e allein auch in jenem Fale, . un bucht in Haan | re 2 Die Echik giebt uns Miel an die Hand, wodurch die Hebereinfinp nung der niedern Selenkrafte mit der Bernunfe zuerhalten it Man kann dieſe Mittel n zurückbringen. 1) Die Saͤufung der Bewegungsgruͤnde. Viele uͤberredende Gründe koͤnnen mehr Ge⸗ wicht haben, das Herz keit bewegen, als ein einziger uͤberzeugender Be⸗ wegungsgrund, und wenn fie mit dieſenr vereinigt werden; ſo erzeugen ſie — pr dem Verſtande, die eine rirdenheir it: Der Waathemanker begnügt ſich mit E m, Denn | ue San hen en — zu erzwingen. Der Redner hingegen haͤuft auf Gründe, beſtuͤnmt das Gennüth von allen Seiten, und ſuchet ſich eines jeden wahrſcheinlchen Grundes zu ſeinem Vortheile zu bedienen; denn er will das Herz bewegen, das Begehrungs vermögen einnehmen, und er nicht nur auf den Verſtand; fondern auf Sinne und Einbildungskraft iu * zugleich wirken. = 2) Die Uebung. Je öſter wir gewviſſe Gründe über denken, je mehr wir aus denſelben Bewegungsgruͤnde zu unſern Handlun⸗ gen hernehmen, deſto lebhafter iſt der Eindruck, den ſie in dem Gemuͤthe hin⸗ terlaſſen, und deſto leichter koͤnnen ſie auch die niedern Seelenkraͤfte einneh⸗ men. Wenn dieſe Uebung ſo lange fortgeſetzet wird, bis uns die Handlung leicht wird; fo ſagen wir, wir haben eine Fertigkeit erlangt, etwas zu thun. Gewohnheit und Uebung regieren eigenmaͤchtig in unſerm Herzen, und man kann durch Huͤlfe derſelben die widerſpaͤnſtigſten Neigungen beſiegen, die hartnaͤckigſten Leidenſchaften unter das Joch der Vernunft bringen, oder vielmehr, man kann durch Huͤlfe derſelben Neigungen und Leidenſchaften er⸗ zeugen, die mit den Vorſchriften der Vernunft einen und denſelben Endzweck haben. 3) Die angenehme Empfindung. Wenn die Vernunftgruͤnde von Schoͤnheit und Anmuth unterſtützt werden; fo wird die Einbildungs⸗ kraft leicht zur Uebereinſtimmung gereizt. Die Vollkommenheit iſt die Triebfeder der Vernunft, und die angenehme Empfindung, die Lockſpeiſe der Einbildungskraf: Hierauf gruͤndet ſich der Nutzen der ſchoͤnen Kuͤnſte und Wiſſenſchaften in der Sittenlehre. Die Vernunftgründe überzeugen den Verſtand von der Vortreflichkeit der Tugend, und die ſchoͤnen Künfte erzwingen den Beyfall der Einbildungskraft. Jene machen die Verehrungs⸗ art, dieſe angenehm. Jene zeigen den Weg zur Gluͤckſeligkeit, und dieſe beſtreuen ihn mit Blumen. Wie groß iſt der Virtuoſe in den Augen des Weltweiſen, wenn er ſeiner Beſtimmung treu bleibt, und der Tugend wuͤrklich die Vortheile verſchaft, die fie ſich von ihm verfprechen kann! — 4 Endlich iſt das vierte Hauptmittel, die Einbildungskraft mit der Ver⸗ nunft in Uebereinſtimmung zu bringen, die anſchauende Erkenntnis, wenn man nemlich die allgemeinen Vernunftgruͤnde durch Beyſpiele gleich ſam in ſinnliche Begriffe verwandelt. In jeder Theorie dienet das Exempel nur zur Erlaͤuterung, und wird uͤberfluͤßig, ſobald wir den allgemeinen Lehrſatz deutlich begreifen; aber in der Ausübung hat das Beyſpiel allezeit groͤſſern Nutzen, als die Maxime. Es hat einen ſtaͤrkern Einfluß in den Beyfall des Gemuͤths, weil es die Sinne ruͤhret, die Einbildungskraft er⸗ ſchüttert. — Hierauf gründet ſich der Nutzen 05 Eee, n der Aeſopiſchen Fabel in der ee a an er Man ſichet nunmehr, was dazu gehört, wenn die Grundſätze der De in unſer Thun und Laſſen die gehörige Würkung be dauerhafte und unveränderliche Bereit willigkeit zur Tugend zuwege bringen ſollen. Sie muͤſſen durch Beyſpiele belebt von der Gewalt Empfindung unterſtuͤtzt, durch die Uebung in beſtaͤndi⸗ eee erhalten, und endlich in Sertigkeit verwandelt werden. Alsdenn entſtehet die Ueberzeugung des Serzens, die in der unſer vornehmſter Endzweck iſt. Der Geiſt mag immer nur ie liche Beweiſe vor fich ſehen, ja er mag dieſe Wahrſcheinlichkeit ſelbſt nicht einmal deutlich zergliedert, nur mit dem Wahrheitsſinn begriffen haben: dieſes hindert nicht allezeit das Leben des Erkenntniſſes. Die Sinne kön. nen gleichwohl lebhaft geruͤhret, die Einbildungskraft entzündet, und das Germürh durch Gewohnheit, Beyſpiel, Anmuth u. ſ. w. zu dem ſtandhaſte⸗ ſten und unveraͤnderlichſten Beyfall gezwungen werden, woraus eine ſuͤſſere e und Zufriedenheit ensfpringt 40 aus der kalten Ueberzeugung des es Dieſe Berrächeungen haben Einem die Abſſchr, den Nutzen der demonſtrativen Sittenlehre in Zweifel zu ziehen. Es gilt vielmehr auch hier, was am Ende des vorigen Abſchnittes in Anſehung der Lehre von Gott und ſeinen Eigenſchaften erinnert worden iſt. Eine jede Erkenntnis⸗ art hat ihren Werth. Wo Zweifel zu heben, Widerſächer zu beftreiten, theoretiſche Feinde der Tugend zu beſchaͤmen find, da bleibt kein ander Mittel, als zu den ſtrengſten Beweiſen ſeine Zuflucht zu nehmen. Ja, manches gluͤckliche Genie beſitzet Feuer und Staͤrke des Geiſtes genug, das Syſtem ſittlicher Warheiten mit allen ihren feinen Verbindungen deutlich und lebhaft im Zuſammenhange zu ſchauen, um von der goͤttlichen Harmonie derſelben entzuͤckt zu werden. In einer ſolchen Verfaſſung er⸗ langt die trockenſte Erkenntnis Geiſt und Leben, werden ohne Huͤlfe der vorhin erwehnten Mittel, Sinne und Einbildungskraft bis zur Hoͤhe der Vernunft entzuͤckt, und alle Faͤhigkeiten der Seele zur Tugendliebe beſeelt. Wer einer fü erhabenen Begeiſterung faͤhig iſt, kann unter Anführung der ſtrengeſten Vernunft, Herr über ſeine Neigungen werden, den wilden Saum der Leidenſchaften nach dem Winke der Weisheit regieren, und J 5 zwiſchen „ e G zwichen 25 und Geiſt die holdſeligſte Eintracht ſtiſten, die weder Furcht noch Hofnung „weder Schmerz noch Wolluſt zu ſtoͤhren vermag. — Allein wie gering iſt die Anzahl der Sterblichen, die eines fo goͤttlichen Enthusiasmus fähig find! Wer bey ſich merkt, daß die ſpekulativen Gründe ſein Herz ungeruͤhret; „ſeine Einbildungskraft unbegeiſtert laſſen, der ver⸗ meide alle dornigte Subtilitaͤten, und ſuche fein Het; durch die vorhin be ⸗ ebene Ueberredungsmittel zur Einſtimmung zu locken. Und überhaupt erhe et aus dieſen Betrachtungen, daß zur praktiſchen Ueberfuͤhrung die mathematiſche Gewißheit nicht nothwendig erfordert werde, und die bloſſe Wahrſcheinlichkeit oͤfters feuriger und lebhafter in das Gemüuͤth wuͤrke als ſpekulative Vernunftſchlüſſe. Der Fall trift zu, ſo oft die wahrſcheinliche 8 Erkenntnis von den Mitteln unterftügt wird die das Herz zur en > nöthigen.; Dieſes ſind meine Gedanken von der Evidenz in den bſchiedenen Theilen der metaphyſiſchen Wiſſenſchaften. Ich war Anfangs Willens von der aͤuſſerlichen Lehrart in einem beſondern Abſchnitte zu handeln. Einige Weltweiſen haben den Grund der vorzüglichen Evidenz, die man in den Anfangsgruͤnden der Mathematik antrift, einzig und allein in die mathematiſche Methode ſetzen wollen. Sie haben ſich daher die Hofnung gemacht, durch Einführung derſelben Lehrart, in den philoſophiſchen Wiſ ſenſchaften auch dieſelbe Evidenz zu erhalten. Man weiß, wie wenig der Erfolg dieſer Hofnung entſprochen hat. Es erhellet aber auch aus meinen obigen Betrachtungen, wie ungegruͤndet die Vorausſetzung an ſich ſelbſt ſey / daß man den Vorzug der Mathematik einzig und allein in der Lehrart zu ſuchen habe. Ich habe alſo in bemeldeten Abſchnitte dieſes weitlaͤufti⸗ ger ausführen, und den Nutzen der mathematiſchen Methode richtiger bes ſtimmen wollen. Da aber die Methode zur innern Ueberzeugung nicht nothwendig erfordert wird, und die Anwendung der mathematiſchen Lehr⸗ art inöbeponDere ſich durch den Mißbrauch beynahe lächerlich gemacht He ee MDZ Selle n een taatsBibliothel Digitale Bibliothek Mendelssohn, Moses ‚Abhandlung über die Evidenz in Metaphysischen Wissenschaften, welche den von der königlichen Academie auf das Jahr 1763 ausgesetzten Preis, erhalten hat Nebst noch einer Abhandlung über dieselbe Materie, welche die ‚Academie nächst der ersten für die beste gehälten hat