Wesentlich abweichend von diesen Wirkungen kurz dauernder simul- taner Eindrücke auf das Bewusstsein gestalten sich nun die Erscheinungen, die man wahrnimmt, wenn successive, durch angemessene Pausen gesonderte Eindrücke geboten werden. Am besten eignen sich dazu wegen ihrer bei den Zeitvorstellungen (Cap. XV) besprochenen Eigen- schaften einfache Schallreize, die in den für die zeitliche Zusammenfassung günstigsten Intervallen zwischen 0,2 — 1 See. einander folgen. Hier wird jeder Schallreiz im Moment seiner Einwirkung vorzugsweise deutlich appereipirt. Die unmittelbar vorangegangenen Eindrücke sind aber damit, wie uns schon die Erscheinungen bei den rhythmischen Zeitvorstellungen gelehrt haben, keineswegs aus dem Bewusstsein, ja die nächsten nicht einmal ganz aus dem engeren Focus der Aufmerksamkeit verschwunden, sondern sie treten nur allmählich in den dunkleren Umkreis des inneren Blickfeldes zurück. Hier verdunkeln sie sich dann um so mehr, je weiter sie durch die inzwischen abgelaufene Reihe von dem momentan apper- cipirten Eindruck getrennt sind, bis sie endlich bei einem bestimmten Punkte ganz aus dem Bewusstsein verschwinden. Gelingt es demnach, diesen Punkt zu bestimmen, d. h. zu ermitteln, wie groß eine Reihe suc- cessiver Eindrücke sein darf, wenn sie noch eben im Bewusstsein vereinigt werden kann, so ist damit offenbar ein Maß für den Umfang des Be- wusstseins in diesem Fall einer zeitlichen Reihe einfacher Vorstellungen gegeben. Die so gestellte Aufgabe lässt sich aber leicht lösen, wenn Wundt, Grundzüge. III. 5. Aufl. 23 ■IC.A Bewusstsein und Vorstellungsverlauf.
man z. B. als Sinnesreize Pendelschläge wählt, von denen immer eine fest bestimmte Anzahl durch regelmäßig auf einander folgende andere Schall- eindrücke, z. B. Glockenschläge, eingefasst wird. Man ermittelt dann, wie viele Schläge auf diese Weise zu einer Gruppe zusammengefasst werden können, während die Gleichheit zweier auf einander folgender Gruppen, selbstverständlich ohne dass man die Taktschläge zählt, noch erkennbar bleibt. Denn zwei aus einer größeren Anzahl von Elementen bestehende Vorstellungen können offenbar nur dann unmittelbar als gleich oder als verschieden aufgefasst werden, wenn jede von ihnen während eines Momentes als ein Ganzes im Bewusstsein anwesend war, so dass der von ihr gewonnene Totaleindruck direct mit dem Totaleindruck der zweiten Vorstellung verglichen werden kann. Dieser Totaleindruck, bei dem man von der Anzahl der Taktschläge nur eine ganz unbestimmte Vorstellung hat, äußert sich, wie die Selbstbeobachtung zeigt, lediglich in einem Gefühl, das in seiner Qualität durchaus mit denjenigen Gefühlen übereinstimmt, die wir unten (in Cap. XIX) als die regelmäßigen Begleiter des unmittelbaren sinnlichen »Wiedererkennens« früher vorhanden ge- wesener und dann wieder erneuerter complexer Eindrücke kennen lernen werden, und das wir daher kurz als Wiedererkennungsgefühl bezeichnen können. Sobald dieses Gefühl sich aufdrängt, gewinnen wir den unmittelbaren Eindruck der Gleichheit der zwei auf einander folgenden Taktreihen. Wird dann die eine der beiden Reihen etwas größer oder kleiner genommen als die andere, so tritt statt dieses Wiedererkennungs- gefühls ein qualitativ entgegengesetztes des Widerstreits der beiden Ge- sammtvorstellungen hervor. Sobald beide Taktreihen eine bestimmte Grenze überschreiten, so versagt aber überhaupt die Vergleichung: jede erscheint nun als ein unbestimmt großes, mit der andern unvergleichbares Ganzes.
Die Ausführung der Versuche zeigt nun, dass der so gefundene Grenzwerth für den Umfang einer rhythmisch zusammengesetzten Schall- vorstellung in hohem Grade von der Geschwindigkeit der Succession ab- hängt. Geht man von einer Geschwindigkeit aus, bei der sich die Apper- ception den Reizen am vollkommensten adaptiren kann, und die daher für die Auffassung einer möglichst großen Zahl die günstigsten Be- dingungen bietet, so verringert sich diese Zahl von hier an sowohl bei der Zu- wie bei der Abnahme der Geschwindigkeit: im ersten Fall, weil eine zureichende Apperception der einzelnen Eindrücke nicht mehr mög- lich ist, im zweiten, weil sich der vorangegangene Eindruck schon zu sehr verdunkelt hat, wenn ein neuer in.den inneren Blickpunkt eintritt; auch wird es bei sehr langsamer Bewegung der Eindrücke schwer, andere Vor- stellungen fern zu halten, die in den Pausen auftauchen. Hieraus ergibt Das Bewusstsein. ^ce sich aber zugleich, dass die bei jener günstigsten Geschwindigkeit gefundene Zahl vorzugsweise Interesse besitzt. Sie wird in diesem speciellen Fall successiver Eindrücke den Maximalumfang des Bewusstseins für eine zusammenhängende Vorstellungsreihe bezeichnen. Auch wird in ihr am ehesten eine constante Größe zu erwarten sein, während die bei abge- änderten Geschwindigkeiten gewonnenen Werthe mehr die Störungen er- messen lassen, die in der Verbindung der Vorstellungen in F'olge ver- änderlicher Bedingungen der Apperception eintreten können. Man findet nun, dass jene günstigste Geschwindigkeit bei einem Intervall der Ein- drücke von 0,2 — 0,3 Secunden liegt. Bei 0,11 — 0,18* ist nach oben, bei etwa 4/ nach unten die Grenze erreicht, jenseits deren überhaupt eine Vereinigung nicht mehr möglich ist. Innerhalb der so gegebenen Grenzen ist dann aber weiterhin die Anzahl der Eindrücke, die im Be- wusstsein zusammengehalten werden kann, von der Gliederung abhängig, durch die sie entweder mittelst objectiver Merkmale oder in Folge der von der Apperception selbst vollzogenen Unterscheidungen in Unter- gruppen zerlegt werden. Dass objectiv vollkommen gleiche Taktschläge keineswegs vollkommen gleich aufgefasst, sondern zu kleineren Gruppen verbunden werden, indem wir einzelne unter ihnen rhythmisch betonen und auf diese Weise rhythmische Reihen bilden, wurde bei der Erörterung der rhythmischen Zeitvorstellungen bereits hervorgehoben (Cap. XV, S. 26). Eine absolute Unterdrückung dieser rhythmischen Gliederung ist unmöglich. Der einzige Erfolg, den das Streben dies zu thun hervor- bringt, besteht in der Reduction auf die einfachste Taktform, die des Zweiachteltaktes, indem regelmäßig einfach betonte und nicht betonte Eindrücke wechseln. Unter dieser Voraussetzung gelingt es nun bei der oben erwähnten günstigsten Geschwindigkeit noch 16 Einzel- oder 8 Doppeleindrücke im Bewusstsein zusammenzuhalten. Gibt man da- gegen der Neigung rhythmische Gruppen zu bilden vollkommen nach, so erweisen sich 40 Eindrücke als die erreichbare Maximalzahl: dies ist am leichtesten bei einer Gliederung in 5 Gruppen von je 8 Schlägen mög- lich; in Wahrheit sind dabei also fünf aus je 8 einfachen Eindrücken zu- sammengesetzte Vorstellungen im Bewusstsein. Zugleich zeigt dieser Unterschied, in wie hohem Grade die rhythmische Gliederung der Vor- stellungen ihre Zusammenfassung im Bewusstsein begünstigt. Ebenso hängt hiermit die Thatsache zusammen, dass bei sonst gleichen Be- dingungen eine geradzahlige Gruppe von Eindrücken stets leichter als eine ungeradzahlige im Bewusstsein zu vereinigen ist.
Nach diesen Ergebnissen werden wir uns den Zustand des Bewusst- seins in einem gegebenen Moment während des Ablaufs einer Zeitreihe einfacher Eindrücke folgendermaßen veranschaulichen können. In dem Bewusstsein und Vorstellungsverlauf.
A / l yl -j^ cl C # ^" h Sf /" ^f^K Tt l Moment, wo ein neuer Reiz a (Fig. 341) in den Blickpunkt des Bewusst- seins tritt, werden stets die vorangegangenen noch in abgestufter Klarheit vorhanden sein, bis zu einer Vorstellung m, die eben schon die Schwelle erreicht hat, während die ihr vorangegangene 11 schon unter dieselbe ge- sunken ist. Da nun aber auch dann, wenn die Eindrücke objectiv voll- kommen gleich sind, die ApperCeption eine periodisch wech- selnde ist, so wird die Reihe rhythmisch gegliedert, d. h. be- stimmte Eindrücke werden mehr geho- ben als andere. Sie werden daher auch, nachdem sie aus dem Blickpunkt gewichen sind, in entsprechender Weise vor den benachbarten sich auszeichnen. Wir erhalten so Gliederungen, wie eine solche durch die punktirten Linien der Figur für den Fall einer zwölfgliederigen Reihe mit zwei Graden der apperceptiven Hebung dargestellt ist. Die ite und 7te Vorstellung sind in diesem Fall am stärksten, die 3te, 5te, gte und ute sind schwächer gehoben. Die Gliederung entspricht also einem 6/4-Takte. Uebrigens ist bemerkenswert!!, dass die in der musikalischen und poetischen Rhythmik benutzten Taktformen die Grenzen des Bewusst- seins niemals völlig erreichen. Eine Reihe von 16 Taktschlägen, 8 He- bungen und 8 Senkungen ohne weitere Gliederung, ist nur mit An- strengung festzuhalten; alle zusammengesetzteren Reihen zerfallen daher auch leicht von selbst in mehrere rhythmische Gruppen.
Fig.
541. Schema für den Verlauf einer Reihe von Schalleindrücken im Bewusstsein.
Um die Anzahl von Gesichtseindrücken zu bestimmen, die simultan ap- percipirt werden können, sowie zur Untersuchung der sonstigen hierbei zu beobachtenden Erscheinungen, bedient man sich der sogenannten tachisto- skopischen Vorrichtungen1. Eine Vorrichtung solcher Art, die zur ersten 1 Unter diesem Namen hat zuerst Volkmann eine solche zur momentanen Einwir- kung von Lichteindrücken mittelst eines rasch bewegten Schirms dienende Vorrichtung beschrieben (Volkmann, Sitzungsber. d. sächs. Ges. d. Wiss. 1859, S. 90). Ein Falltachisto- skop einfacherer Art, als dessen vergrößerte Form das in Fig. 339 abgebildete betrachtet werden kann, hat zuerst J. M. Cattell construirt (Philos. Stud. Bd. 3, 1886, S. 307). Zu verwerfen sind wegen der störenden Wirkungen der Netzhautadaptation Apparate, bei denen plötzliche Erhellungen und Verdunkelungen des Gesichtsfeldes stattfinden, wie z. B. bei dem von B. Erdmann und R. Dodge (Psychologische Untersuchungen über das Lesen, 1898, S. 94 ff.) beschriebenen Apparat. (Vgl. Philos. Stud. Bd. 15, 1899, S. 287, u. Bd. 16, Das Bewusstsein.
Orientirung über die Erscheinungen und zu ihrer Demonstration dienen kann, ist schon oben in Fig. 339 abgebildet. Zu genaueren Versuchen dient das in Fig. 342 dargestellte Fall- tachistoskop. Es besteht im wesentlichen aus zwei auf einem Holzbrett stehenden verticalen Messingsäulen von 1 m Höhe und 12 cm Ab- stand, die auf den einander zugekehrten Seiten mit einer Rinne versehen sind, in der sich der aus geschwärztem Eisenblech bestehende Fall- schirm S bewegt. In diesem Fallschirm dient eine recht- eckige Oeffnung 0, die von Null an bis auf etwa 50 cm Höhe variirt werden kann, der Exposition der Objecte. Vor Beginn des Versuchs ist diese Oeffnung durch das ebenfalls geschwärzte Schutz- blech B derart verdeckt, dass ein in der Mitte desselben be- findliches weißes Fixirzeichen mit seiner Mitte zusammen- fällt. Oben am Apparat be- finden sich zwei verstellbare Elektromagnete E, die den an dem Fallschirm S befind- lichen Anker A in der ge- wünschten Höhe fixiren. In der Mitte dieses Ankers ist ein Faden / befestigt, der, über ein zwischen Spitzen laufendes Rad R geschlungen, in einem kleinen Gewichte p endigt, das, wie bei der ATWOOD'schen Fallmaschine, bei seiner Aufwärtsbewegung durch das auf dem durch- bohrten und ebenfalls verstell- baren Tischchen t liegende Gewicht q verstärkt werden kann, damit die gewünschte Geschwindigkeit der Fallbe- wegung nicht überschritten Fig. 342. Falltachistoskop. werde. Auf dem Fußbrett des Apparats befinden sich endlich noch die zum Auffangen des Fallschirms 358 Bewusstsein und Vorstellungsverlauf.
bestimmten, innen ausgepolsterten Fangfedern C und vor ihnen das schräg nach vorn geneigte Fangschild F, das zum Auffangen des vom herabfallenden Schirm weggeschleuderten Schutzblechs B bestimmt ist. Zur Beobachtung des Objectes dient ein schwach oder gar nicht vergrößerndes Fernrohr, des- sen Fadenkreuz auf den Fixirpunkt von B eingestellt wird. Die Bestimmung der Zeiten erfolgt mittelst einer (in der Fig. nicht abgebildeten] Stimmgabel von bekannter Schwingungszahl, die man ihre Schwingungen auf ein dem Fallschirm S aufgeklebtes berußtes Papier an der Stelle seiner Bahn auf- zeichnen lässt, wo er an dem Object vorbeifällt. Die Ausführung eines Ver- suchs geht nun folgendermaßen vor sich: der Schirm.S wird an den Elektro- magneten fixirt und das Object O durch B bedeckt; dann wird nach einem vorangegangenen Signal der Strom der Elektromagnete unterbrochen, der Schirm fällt herab, stößt, nachdem er weit genug gefallen ist, um mit seinem unteren Theil das Object vollständig zu verdecken, das Blech B ab, und enthüllt dann dasselbe während der sehr kurzen Zeit des Vorübergangs der Schirmöffnung. Mittelst der ATWooD'schen Einrichtung und der Verstellung der Elektromagnete lässt sich die Geschwindigkeit innerhalb ziemlich weiter Grenzen variiren. Für die einfachen Apperceptionsversuche wählt man sie bei normaler Sehschärfe des Beobachters am besten so, dass das Object etwa während einer Zeit von 0,01 See. sichtbar ist. Bei verminderter Seh- schärfe kann man bis zum doppelten Betrag gehen. Dies sind immer noch Zeiten, bei denen, im Hinblick auf die Nachdauer der Netzhauterregung, der Eindruck als ein instantaner und in allen seinen Theilen gleichzeitig erscheinender betrachtet werden kann, da die wirklichen Unterschiede der Expositionsdauer verschwindend klein und jedenfalls untermerklich sind.
Will man nicht bloß einen Eindruck, sondern zwei oder mehr, die entweder gleich oder verschieden gewählt werden können, in beliebig zu be- stimmenden Intervallen auf das Bewusstsein einwirken lassen, so bedient man sich zweckmäßig eines Rotations-Tachistoskops. Dasselbe ist von W. Wirth in zwei Formen construirt worden. Bei der einen wird in einem durch einen Elektromotor in rasche Rotation versetzten geschwärzten Rad vom Beobachter selbst, dessen Auge durch eine Röhre blickt, an einem will- kürlich zu bestimmenden Moment mittelst einer elektromagnetischen Taster- vorrichtung ein Spalt geöffnet, ' der entweder nur für einen einzigen Moment oder in mehreren durch willkürlich bestimmte Intervalle getrennten Momenten das Object sichtbar macht. Zugleich ist eine Hülfsvorrichtung angebracht, welche die plötzliche Substitution eines andern, gegen das erste irgendwie abgeänderten Objectes ermöglicht. Je nach der Anwendung dieser verschie- denen an dem Apparat möglichen Versuchsweisen kann man denselben ent- weder, ähnlich wie das Falltachistoskop Fig. 339, zu Bestimmungen des Umfangs der Aufmerksamkeit, oder aber auch zu Versuchen über den Ge- sammtumfang des Bewusstseins verwenden, also die für successive Ein- drücke und für den Gehörssinn nach der oben beschriebenen Methode ausgeführten Umfangsbestimmungen auf simultane Eindrücke und auf den Gesichtssinn übertragen. Wirth verfuhr zu diesem Zweck in folgender Weise. Er ließ zunächst in einer Reihe rasch auf einander folgender Expositionen ein aus beliebigen, aber möglichst bedeutungslosen Figuren zusammengesetztes Object, das wieder den Umfang der Region des deutlichen Sehens nicht über- schritt, wie das in Fig. 343 dargestellte, so oft einwirken, bis sich das Bild Das Bewusstsein. -jcq desselben unter der Mithülfe der bei den successiven Expositionen stattfinden- den Verschiebungen des Aufmerksamkeitspunktes vollkommen deutlich einge- prägt hatte. Dann wurde plötzlich in einer einmaligen nächsten Exposition das Object in einem seiner Elemente verändert, z. B. indem eine der schwar- zen kleinen Figuren weiß oder umgekehrt eine der weißen schwarz dargeboten wurde. Nahm man nun solche Versuche bei verschiedener Zusammensetzung der Objecte aus 10, 12, 13, 15 und mehr Elementen vor, so ließ sich leicht die Grenze bestimmen, bei der eben noch das Stattfinden irgend einer Ver- änderung des Bildes angegeben werden konnte, ohne dass dabei meist die Art der Veränderung erkannt wurde. Auf diese Weise ergab sich, dass z. B. das in Fig. 343 durch die punktirten Linien umgrenzte Feld noch vollständig in den Um- fang des Bewusstseins fiel, während dies nicht ^1 PH,^V, l""l ^^ mehr der Fall war, sobald die Anzahl der Ele- ^" T"T J^^L™",^^ mente erheblich größer genommen wurde, ob-; "1 {j ^fe ^^'^^ gleich auch dann noch bei der gewählten Ver- T^T-J^"^ ^^ L---, Suchseinrichtung sämmtliche Objecte auf der m» ^y fe> f 1 ^^t Stelle des deutlichen Sehens sich abbildeten,!>i"1, ^ 'V-"*,"' und auch der Blickpunkt der Aufmerksamkeit r"j 1 ||jj ' J ^^'Cj keineswegs mit dem optischen Blickpunkt zu- '^t'^^^'tZ "'^"N sammenzufallen brauchte. Hieraus würde sich J ^Q ^^W'p^ v^ / die Zahl der im Bewusstsein simultan zu ver- ' ' einigenden einfachen Vorstellungen von der an- F;g. 343. Gesichtsobject für Be- gegebenen Beschaffenheit ZU 13 — 15 ergeben, Stimmungen des Bewusstseinsum- ein Werth, der zwar mit dem aus den Taktir- fangs.
versuchen gewonnenen wegen der zum Theil abweichenden Bedingungen nicht unmittelbar verglichen werden kann, aber sich jedenfalls demselben hinreichend nähert, um für die dort festgestellten Werthe eine von dem einzelnen Sinnesgebiet relativ unabhängige Bedeutung wahrscheinlich zu machen.
Ein zweiter Apparat, mit dem in einer von der soeben beschriebenen etwas abweichenden Weise sowohl Umfangsbestimmungen der Aufmerksamkeit durch momentane Apperceptionsversuche, wie solche des Gesammtbewusstseins durch momentane minimale Aenderungen eines dauernden Eindrucks ausge- führt werden können, ist das in Fig. 344 abgebildete, ebenfalls von W. Wirth construirte Spiegeltachistoskop. Der Beobachter befindet sich hinter einem Schirme, der als Außenwand des Apparates hinter der Karte Oz angebracht ist, auf deren ihm abgewandter Seite die Figuren des aufzufassenden Objec- tes, die dauernd sichtbar sein sollen, gezeichnet sind. Durch ein Diaphragma, das sich in dem Schirm unter oder über dem Object befindet, sieht er das Spiegelbild der ihm abgewandten Seite von Ox dauernd im Spiegel G vor sich, der um eine zu seiner Ebene genau senkrechte Achse, also ohne Ver- schiebung des Spiegelbildes, durch das von einem Elektromotor bewegte Transmissionsrad R in rasche Rotation versetzt werden kann. Das Bild 02y in das Oz für einen Augenblick verwandelt werden soll, befindet sich genau an der Stelle des virtuellen Bildes von Oz hinter dem Spiegel und tritt für den Beobachter so lange an die Stelle von Oz, als ein belegfreier sectoren- förmiger Spalt in G bei der Rotation die Gesichtslinie passirt. Dieser Spalt ist zunächst rückwärts durch den vorn geschwärzten Sector V verschlossen.
Bewusstsein und Vorstellung-sverlauf.
Der letztere kann aber bei einer kleinen Senkung des Winkelhebels F nach dem Elektromagneten E hin durch den gleichzeitigen Zug an der Darmsaite D, die in der durchbohrten Schraube M am langen Hebel mitrotirt, geöffnet werden. Beim Loslassen des Magnetankers bei F schnellt er dann durch Federzug wieder vor. Der Stromkreis von E geht durch den Schleifcontact C2 auf dem Excenter an der Achse, der die Spaltöffnung mit dem Durch- gang vor 02 zusammenfallen lässt, durch einen Reactionstaster, den der Be- obachter von einem ihm selbst überlassenen Augenblick an geschlossen hält, und für eine einmalige Variation auch noch durch den Quecksilbercontact CI} der am Ende der ersten Spaltöffnung durch den zurückgehenden Hebel F an der Nase B unterbrochen wird. Soll nun ein Figurencomplex nur an be- stimmten Stellen momentan verändert werden, so wählt man als Object 02 Fig- 344- Spiegeltacbistoskop, nach Wirth.
ein lithographisch hergestelltes Spiegelbild von Ox, das bis auf die zu ver- wandelnden Stellen getreu ist. Sind die beiden Rahmen für die Karten Ox und 02 einmal durch geeignete Einstellung der Schrauben Hx, H2, S2, S3 in die richtige Lage gebracht, so sind zur Variation der Verwandlungen nur noch die Karten auszuwechseln. Der einfachste Grenzfall ist hierbei die ein- malige tachistoskopische Exposition eines Objectes wie beim Falltachistoskop, wobei Ox die für gewöhnlich sichtbare dunkle Fläche mit der Fixationsmarke und 02 das zu exponirende Object enthält1.
Bei den von mir gemeinsam mit G. Dietze ausgeführten akustischen Versuchen zur Bestimmung des Bewusstseinsumfangs, deren Resultate oben angeführt sind, bedienten wir uns der in Fig. 345 dargestellten Anordnung. Ein gut regulirtes Metronom M trägt an seiner Pendelstange einen kleinen Anker, der in jedem Moment durch Schluss der Kette Kx an einem der 1 W. Wirth, Zur Theorie des Bewusstseinsumfangs und seiner Messung, Philos. Stnd. Bd. 20, 1902, S. 487 ff., und Bd. 18, S. 687 ff.
Das Bewusstsein.
beiden Elektromagnete jEx oder E2 festgehalten werden kann. Außerdem führt die Pendelstange in bekannter Weise ein Laufgewicht, durch das die Geschwindigkeit der Schwingungen innerhalb der erforderlichen Grenzen re- gulirt wird. Da dies an einem und demselben Metronom nicht in zureichen- dem Umfange möglich ist, so bedarf man für die größten Geschwindigkeiten noch eines besonderen ausschließlich für diese eingerichteten Metronoms. Jedes dieser Metronome muss sorgfältig so ausgewählt sein, dass die dem Instrument eigenen Unterschiede der Schlagstärke möglichst unter der Schwelle der Merklichkeit liegen. Man überzeugt sich hiervon leicht dadurch, dass man willkürlich die früher (S. 25 f.) beschriebene subjective Rhythmisirung Fig. 345. Apparat zur Bestimmung des Bewusstseinsumfangs für Schalleindrücke.
eintreten lässt. Sobald es möglich ist, die stärkere Betonung nach Belieben auf jeden der beiden zu einem Taktpaar gehörenden Schläge zu legen, so darf man sich überzeugt halten, dass der Metronomfehler hinreichend klein ist, um bei diesen Versuchen keinen störenden Einfluss auszuüben. Ein (in der Figur nicht dargestellter) in den Kreis der Kette Kx eingeschalteter Strom- wender verhütet ferner die bei constanter Stromrichtung leicht eintretende dauernde Magnetisirung der Elektromagnete und des Ankers. Der Strom- schlüssel S gestattet es nun, nach Belieben das Pendel schwingen zu lassen und durch Magnetisirung der Elektromagnete wieder momentan festzuhalten. Neben dieser Vorrichtung befindet sich endlich eine zweite, die zur Hervor- bringung bestimmter, einzelne Eindrücke auszeichnender Glockenschläge dient. Sie besteht aus einem Elektromagneten, der, sobald der Strom der Kette Kz mittelst des Tasters T geschlossen wird, einen kleinen Hammer an die Glocke G anzieht. Der Versuch wird ausgeführt, indem der Experimentator durch Bewusstsein und Vorstellungsverlauf.
Oeffnung von S das Metronom in Gang setzt und, nachdem der erste Metro- nomschlag den Beginn des Versuchs angekündigt hat, durch Beifügung eines Glockensignals zum zweiten Schlag den Anfang einer ersten Reihe markirt. Der Anfang der damit zu vergleichenden zweiten Reihe wird bei fortschwingen- dem Pendel in derselben Weise angegeben, und zuletzt durch die Schließung bei S diese zweite Reihe sistirt. Bezeichnen wir die erste Reihe als Normal-, die zweite als Vergleichsreihe, so werden nun die zu einer und derselben Normalreihe gehörenden Vergleichsreihen bald gleich groß, bald um einen oder mehrere Pendelschläge größer oder kleiner genommen, und jedesmal wird von Fig. 346. BALTZER'sches Kymographion und Universal-Contactapparat.