SigPhi · Wilhelm Wundt

Grundzüge der physiologischen Psychologie (3. Auflage)

German

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Elektromagnete ET und E2 verschoben und festgestellt werden können. Die- sen entsprechend befindet sich am unteren Ende des Pendels jederseits ein kleiner Eisenanker. Lässt man durch die Elektromagnete EXE2 einen Strom von geeigneter Stärke fließen, so kann demnach das Pendel jederseits in einer durch die Stellung der Elektromagnete bestimmten Ablenkung festgehalten werden. Bei den Versuchen bringt man die Elektromagnete in eine solche Distanz, dass, wenn bei der Oeffnung des Stromes das Pendel schwingt, es, wenn der Strom sofort wieder geschlossen wird, von dem Elektromagneten der entgegengesetzten Seite eben noch nahezu geräuschlos aufgefangen werden kann. Man lässt demnach bei dieser Einrichtung in jedem Versuch das Pendel nur eine einfache Schwingung ausführen, deren momentaner Eintritt von dem außerhalb des Beobachtungszimmers in einem andern Raum befind- lichen Experimentator regiert werden kann. An dem Pendel sind zwei Spalt- apparate angebracht, ein unterer SXS2, der einen Spalt in horizontaler Rich- tung öffnet, und ein oberer S3S4, bei dem ein Spalt in verticaler Richtung geöffnet wird. Jede dieser Spaltvorrichtungen besteht aus einem festen mit Spalt versehenen schwarzen Schirm S21 S4} der an dem Holzstativ des Pen- dels befestigt ist, und aus einem beweglichen, einen ähnlichen Spalt führen- den Schirm Sx, S3, der am Pendel fest ist. Zur Aequilibrirung des schwarzen Blechschirms £3 ist auf der andern Seite des Pendels eine kleine Stahlstange mit dem Laufgewicht p angebracht. Die Oeffnungen der sämmtlichen vier Schirme können durch je vier Schieber auf die wünschenswerthe Größe ge- bracht werden. Die untere Spaltvorrichtung kann nur für Reactionsversuche mit einfachen Lichtqualitäten und -intensitäten angewandt werden. Sind die optischen Objecte verwickelterer Art (Buchstaben, Worte, Bilder u. s. w.), so ist die obere Spaltvorrichtung anzuwenden, weil hierbei das gesammte Object in verticaler Richtung sichtbar gemacht werden muss. Endlich ist am unteren Ende des Pendels und auf dem unter ihm befindlichen Theil des Tisches T die Vorrichtung zur Schließung des Chronoskopstromes angebracht. Dieselbe besteht aus einem zwischen den Schienen m mittelst Schraube verschiebbaren Messingschlitten «, der unten eine versilberte Millimeterscala s und unter Wundt, Grundzüge. III. 5. Aufl. 26 äq2 Bewusstsein und Vorstellungsverlauf.

dieser einen gleich ihr in der Schvvingungsrichtung des Pendels gebogenen Platindraht trägt, der durch Isolatoren mit der Scala verbunden ist. Auf dem Tisch ist rechts der Zeiger i befestigt, der die Einstellung des Pendels an der Scala ablesen lässt, links ist der Stromschließer c festgeschraubt. Er besteht aus einer kreisförmigen Hartgummiplatte mit zwei Quecksilbernäpf- chen, die mit zwei Klemmschrauben in leitender Verbindung stehen. Die Kuppen des in die Näpfchen gebrachten Quecksilbers ragen gerade so weit empor, dass der Platindraht beim Vorüberschwingen des Pendels in dieselben eintauchen und dadurch, sobald er mit der zweiten Kuppe in Berührung kommt, einen durch die Klemmen zugeleiteten Chronoskopstrom schließen kann. Dieser Strom bleibt dann geschlossen, bis er vom Reagenten am Re- actionstaster wieder geöffnet wird, weil die Scala so eingestellt ist, dass der Platindraht auch noch in der zweiten Stellung des Pendels am Elektromagneten Ex in die beiden Näpfchen eintaucht. Der Versuch wird nun folgendermaßen ausgeführt. Das Pendel wird von E2 in der ersten Stellung festgehalten, dann bringt ein im Beobachtungsraum befindlicher Gehülfe das Object hinter einen der festen Spalte S2 oder £4, wobei es durch den beweglichen Schirm Sz, S3 noch verdeckt wird. Hierauf lässt der in einem entfernten Raum befindliche Experimentator auf ein gegebenes Signal durch Oeffnung und alsbaldige Wiederschließung des Elektromagnetstroms das Pendel einen einmaligen Vor- übergang von E2 bis Ez ausführen. Dabei wird bei dem Durchgang durch die Gleichgewichtslage das Object in Folge des Vorübergangs des beweglichen vor dem festen Spalt während einer sehr kurzen Zeit sichtbar gemacht. Bei Reactionen auf einfache Lichteindrücke stellt man s und c so zu einander ein, dass im Moment der beginnenden Oeffnung des Spalts der Strom ge- schlossen wird, da in diesem Fall ein Lichteindruck, z. B. eine einfache Farbe, sofort beim Sichtbarwerden auf den Reagenten einwirkt. Bei der Benutzung complicirter Objecte, wie sie besonders bei der Untersuchung der zusammengesetzten Reactionsvorgänge angewandt werden, ist es erforderlich, den Schluss etwas später eintreten zu lassen, da solche Objecte erst erkannt werden können, wenn sie ganz oder großentheils sichtbar sind. Hierbei ist es zweckmäßig, die Einstellung so zu machen, dass der Strom geschlossen wird, wenn die Hälfte des im oberen Spalt in verticaler Richtung enthüllten Objectes sichtbar geworden ist. Der hierbei entweder wegen der schon voran- gegangenen oder der erst nachfolgenden Erkennung begangene Fehler ist dann wegen der annähernd gleichen Möglichkeit beider Fälle ein Minimum, und jedenfalls ist er in Anbetracht des raschen Vorübergangs des Spaltes im Ver- hältniss zur Größe der zusammengesetzteren Reactionszeiten verschwindend klein. Der Beobachter empfängt den Lichteindruck entweder durch ein auf die Mittellage des Spaltes eingestelltes, mit Fadenkreuz versehenes Fernrohr oder durch eine Röhre, in welch letzterem Fall es erforderlich ist, die der Mitte des enthüllten Objectes entsprechende Stelle durch ein auf dem beweg- lichen Schirm angebrachtes Fixationszeichen, das zugleich die richtige Ein- stellung der Accommodation vermittelt, zu markiren.

Zu denjenigen Eindrücken, die sich namentlich bei der Untersuchung zusammengesetzter Reactionsvorgänge für viele Zwecke empfehlen, gehören die Sprachlaute oder aus ihnen gebildete einfache Wörter. Bei Anwen- dung dieser Reizform kann man den bei der Articulation der Laute erzeugten Luftstrom benutzen, um eine Stromunterbrechung hervorzubringen, die den Verlauf der directen Sinnesvorstellungen.

Zeiger des Chronoskops in Bewegung setzt. Man wendet demnach, für diesen Fall die oben S. 395 f. als zweite Anordnung erwähnte Versuchseinrichtung an, bei welcher im Moment des Reizes der Chronoskopstrom geöffnet wird. Eine für diese Versuche sehr zweckmäßige Vorrichtung ist der CATTELL'sche Schall- schlüssel (Fig. 362). Er besteht aus einem Mundstück, in welches der Rea- girende hineinspricht, und aus einem Trichter, in dessen weite Oeffnung der darunter gezeichnete Ring passt. Der letztere ist mit Lammleder überspannt und mit dem Platincontact c versehen, der mit zwei zur Aufnahme von Leitungsdrähten bestimmten Klemmschrauben in Verbindung steht. In den Strom der Kette ist außer dem Contact c der in Fig. 363 dargestellte elektro- magnetische Unterbrecher aufgenommen. Die Klemmschrauben B dieses Ap- parates sind mit dem Chronoskop und der zugehörigen Batterie so verbunden, Fig. 362. Schallschlüssel, nach Cattell.

Fig. 363. Elektromagnetischer Unterbrecher.

dass der Uhrstrom durch den Contact C geleitet wird. Dieser Contact wird aber durch den an einem verticalen Hebel beweglichen Anker des Elektro- magneten so lange geschlossen gehalten, als ein zweiter Strom durch den Elektromagneten geht, und er wird dagegen beim Aufhören dieses Stromes so- fort durch die Feder F, deren Stärke mittelst der Schraube N regulirt werden kann, geöffnet. Dieser auch für andere, ähnliche Zwecke brauchbare Hülfs- apparat ist hier erforderlich, weil der Contact c des Schallschlüssels beim Vibriren der Membran immer nur auf Momente gelöst wird, während der Contact C des Hülfsapparats, sobald nur während einer sehr kurzen Zeit der Strom im Elektromagneten unterbrochen war, durch die Wirkung der Feder F dauernd gelöst bleibt. Man kann den Schallschlüssel entweder zur Auslösung des Reizes oder an Stelle des Reactionstasters zur Ausführung der Reactions- 404 Bewusstsein und Vorstellungsverlauf.

bewegung oder endlich zu beiden Zwecken verwenden. Im ersten dieser Fälle reagirt der Beobachter auf den gehörten Schall in der gewöhnlichen Weise; im zweiten Fall reagirt er in den Schallschlüssel auf vorher gegebene Sinnesreize, z. B. auf Wortbilder, die ihm am Spaltpendel dargeboten wer- den, durch Aussprechen der Worte; im dritten Fall wendet man zwei Schall- schlüssel an, in deren einen der Experimentator z. B. ein beliebiges Wort hineinspricht, während der Reagent in den andern das nämliche Wort wieder- holt. Die in diesen Fällen erforderlichen Modificationen der sonstigen Ver- suchseinrichtungen ergeben sich ohne Schwierigkeit. Im zweiten Fall ist die Anordnung mit der in Fig. 352 dargestellten im Princip übereinstimmend, im ersten und dritten hat man die Chronoskopströme so einzurichten, dass durch eine erste Stromunterbrechung das Zeigerwerk in Bewegung geräth, und durch eine zweite Stromunterbrechung wieder festgehalten wird. Dies geschieht am besten dadurch, dass man bei der zweiten Anordnung des Chronoskops den in demselben kreisenden Strom von Anfang an durch eine Nebenschließung von sehr kleinem Widerstand, in die der Schallschlüssel eingeschaltet ist, auf eine verschwindende Größe bringt. Wird dann durch das Sprechen in den Schallschlüssel diese Nebenschließung geöffnet, so geht der Strom in das Chronoskop, und die Zeiger bewegen sich. Den Reactionstaster oder (im dritten Fall) den zweiten Schallschlüssel schaltet man in die Hauptleitung ein, so dass, sobald hier der Strom geöffnet wird, die Zeiger wieder in die Ruhestellung übergehen. Bei andern Sinnesreizen müssen je nach der gewählten Reizform in ähnlicher Weise wie hier die Versuchsanordnungen, namentlich durch die Einführung geeigneter Vorrichtungen zur Einwirkung der Reize, modificirt werden1.

In allen Fällen, wo es sich nicht gerade um die Untersuchung der Ein- wirkung völlig unerwarteter Sinneseindrücke handelt, ist es, wie oben bemerkt, erforderlich, dem Hauptreiz, auf den unmittelbar oder nach bestimmten zuvor verabredeten psychischen Zwischenvorgängen reagirt werden soll, einen Signal- reiz vorangehen zu lassen. Um diesen von dem Hauptreiz durch ein genau be- kanntes und in verschiedenen Versuchen variirbares Intervall zu trennen, be- dient man sich zweckmäßig des in Fig. 364 abgebildeten, die Auslösung beider Reize selbstthätig besorgenden Contactp endeis. Dasselbe besteht aus einem an einem soliden Holzgestell befestigten graduirten Metallpendel von etwa I/2 m Länge, das sich über den Schwingungspunkt M hinaus fortsetzt und dies- und jenseits dieses Punktes zwei beliebig zu verschiebende schwere Linsen G G trägt. Durch die geeignete Einstellung dieser kann die Schwingungsdauer in ziemlich weiten Grenzen nach dem Princip des MAELZEL'schen Metronoms variirt werden. Unten trägt die Pendelstange einen eisernen Anker, der vor dem Versuch rechts durch den Elektromagneten E festgehalten wird und so das Pendel in einer bestimmten Amplitude fixirt. Links befindet sich eine Fang- 1 Von den für specielle Zwecke angewandten Einrichtungen solcher Art seien hier erwähnt: der Apparat von G. Martius zur Erzeugung zu registrirender Klänge (Philos. Stud. Bd. 6, 1891, S. 402 ff.), der Apparat von R. Ewald für Hautreize (Otto Dumreicher, Zur Messung der Reactionszeiten, Diss. Straßburg, 1889, S. 38 ff.), E. Roemers Apparate für Schall- und Lichtreize (Kraepelins Psychol. Arbeiten, Bd. 1, S. 566 ff.), VON ViNTSCHGAUs »Thermophor« für Temperaturreize (Pflügers Archiv, Bd. 43, S. 152 ff.), desselben Appa- rate für Geschmacksreize (ebend. Bd. 10, S. 2 ff.), endlich Moldenhauers Vorrichtungen für Geruchsreize (Philos. Stud. Bd. 1, 1883, S. 606 ff.).

Verlauf der directen Sinnesvorstellungen.

Fig. 364. Contactpendel.

feder F1 die das Pendel nach beendeter Schwingung auffängt. Zwischen E und F können endlich die Contactapparate C C...beliebig durch Schrauben an dem Fußgestell des Pendels fixirt werden. Bei den Reactions- versuchen werden hur zwei die- ser Contactapparate benutzt, der eine, zuvor sich öffnende für den Signalreiz, der andere nach einem durch die Entfernung von jenem genau bestimmten Inter- vall für den Hauptreiz. Die so eingestellte Folge der Reizaus- lösungen spielt sich dann bei jedem Versuch von selbst ab, sobald der Strom des Elektro- magneten geöffnet wird, um das Pendel seine Schwingung von E nach F ausführen zu lassen. Be- darf man ausnahmsweise größerer Intervalle, als sie die herzustel- lenden Amplituden gestatten, so lassen sich solche dadurch ge- winnen, dass man das Pendel zwei Schwingungen nach einander ausführen und bei der ersten den Signal- contact, bei der zweiten den Hauptcontact auslösen lässt.

Die Anwendung des Hipp'schen Chronoskops ist, wie man aus dessen Construction unmittelbar ersieht, an die Bedingung gebunden, dass die Auf- einanderfolge zweier zu registrirender Zeitmomente eine bestimmt gegebene ist, was bei den Reactionsversuchen im allgemeinen zutrifft. Ist jedoch diese Bedingung nicht erfüllt, handelt es sich also um Versuche, bei denen mehr als zwei auf einander folgende Vorgänge, oder wo zwei Zeitmomente a und b gegeben sind, die in der Ordnung a b oder b a einander folgen können, so be- darf man dazu graphischer Vorrichtungen. Die früher beschriebenen Kymo- graphien reichen hierbei nicht für alle psychologischen Bedürfnisse aus, da es sich häufig um die genaue Messung sehr kleiner Zeiten handelt. Man bedient sich dann zweckmäßig des in Fig. 365 dargestellten Chronographen für die Messung sehr kleiner Zeiträume. Dieser besteht aus einem auf der Horizontalplatte H H angebrachten Uhrwerk £7, welches je nach der Stellung zweier damit verbundener Windflügel L L und der Größe des treibenden Ge- wichts in mehr oder weniger schnelle Umdrehung versetzt werden kann. Eine wagerechte Achse A dieses Räderwerks trägt an ihrem einen (über das zu- gehörige Lager hervorragenden) Ende eine kegelförmige Spitze s, der innerhalb der Achsenfortsetzung eine zweite mit Schraube und Gegenmutter scharf ver- stellbare Spitze s' gegenübersteht. Zwischen beide Spitzen lässt sich eine Schreibwalze W von 32 cm Länge und 62 cm Umfang einsetzen, die an beiden Enden ihrer Achse mit entsprechenden conischen Vertiefungen versehen ist. Damit die Umdrehung der Radachse A eine Umdrehung der Walze mit sich führt, trägt die erstere einen kurzen senkrechten Querbalken, der an seinen Enden mit zwei Löchern versehen ist, und die Walzenachse einen ebensolchen Bewusstsein und Vorstellungsverlauf.

Balken, der an Stelle der Löcher zwei entsprechende Stifte aufweist. Bei Einsetzung der Walze zwischen die Spitzen s s' werden diese Stifte in die gegenüberstehenden Löcher des Radachsenquerbalkens eingesenkt, und dadurch eine feste Verbindung zwischen Radachse und Walze hergestellt. Vermittelst Verlauf der directen Sinnesvorstellungen. ^0y der Hebel R und T kann das Uhrwerk in jedem Augenblick mehr oder weniger schnell arretirt werden. Der Schreibapparat des Chronographen besteht aus einer Stimmgabel V, die möglichst genau auf 500 Doppelschwingungen in der Secunde abgestimmt und mit einer feinen Schreibborste b versehen ist, sowie aus drei Schreibspitzen /, die mit den Ankern dreier Hufeisenelektromagnete M verbunden sind. Dieser Schreibapparat steht auf einer Grundplatte G, die auf dem Chronographengestell zweifach beweglich ist. Sie ruht nämlich auf einem Schlitten, der in einer Führung S genau parallel zur Walzenachse verschoben werden kann. Auf diesem Schlitten lässt sich die Platte G in einer zweiten Führung senkrecht zur eigenen Bewegung des Schlittens etwas verschieben; in der einen Endlage dieser Verschiebung befindet sich der Schreibapparat in solcher Nähe bei der Walze, dass sowohl die Schreibborste der Stimmgabel als auch die elastischen Schreibspitzen an der berußten Papier- fläche der Walze anliegen, während in der entgegengesetzten Endlage kein derartiger Contact stattfindet. Nun wird durch elastische Spiralfedern bewirkt, dass stets eine Tendenz zur ersten Endlage vorhanden ist; mit Hülfe einer besonderen Vorrichtung hingegen lässt sich jederzeit auch die zweite (contactlose) Endlage herstellen, so jedoch, dass ein Fing erdruck an dem Drücker d genügt, damit der Schreibapparat von Federkraft getrieben in die Schreiblage zurückschnellt. Sofort kann dann durch einen ebenso leicht auszuführenden Zug an dem Hebel h die contactlose Lage des Schreibapparates wieder hergestellt werden. Auf der Grundplatte G des Schreibapparates ist ferner gegen die Walze hin ein Fortsatz n aufgeschraubt, der auf seiner der letzteren zugewende- ten Seite mit concaven Schraubengängen versehen ist. Wird der Schreib- apparat in die Schreiblage gebracht, so tritt in demselben Augenblick dieser Mutterfortsatz in Verbindung mit einer, seinen Gängen entsprechenden, der Walzenachse und Schlittenbewegung parallel liegenden Schraube ohne Ende E. Diese mit dem Uhrwerk zusammenhängende Schraube dreht sich, wenn das Werk in Bewegung ist, gleichzeitig mit der Schreibwalze um. Sie zieht dabei den Schlitten von links nach rechts in solcher Weise fort, dass Borste und Schreibspitzen auf der Walze vier parallel laufende Schraubenlinien aufzeichnen, deren Ganghöhe von der Breite der vier Curven nahezu ausgefüllt wird. Diese fortschreitende Bewegung des Schlittens hört aber sofort auf, wenn die contactlose Lage des Schreibapparates hergestellt ist; denn nun greift auch der erwähnte Mutterfortsatz nicht mehr in die Schraube ohne Ende ein. Zur Verminderung der Reibung läuft der Schlitten in seiner Führung auf Rollen; die noch übrig bleibende Reibung wird durch den von links nach rechts ge- richteten Zug compensirt, den ein über eine Rolle gelegter und am rechten Ende mit einem Gewichte beschwerter Faden / auf den Schlitten ausübt. Die elektromagnetische Bewegung der Schreibspitzen ist so eingerichtet, dass die Anziehung eines jeden Ankers vermittels Kniehebelübertragung eine nach rechts gerichtete Ausweichung der zugehörigen Schreibspitze zur Folge hat, und dass umgekehrt das Zurückschnellen des Ankers eine Wiederkehr der Spitze in ihre alte Lage mit sich führt. Dabei bleibt, so lange sich der Schreibapparat in der Schreiblage befindet, die Spitze während ihrer Bewegung beständig in Contact mit der berußten Walze. Auf dem Schreibbogen wird also der Moment jeder Ankerbewegung durch eine Abweichung der Spitzencurve von der geraden Linie registrirt, und es können auf diese Weise drei Zeitmomente, wie es die Figur zeigt, durch Abzahlung an den Stimmgabelschwingungen leicht in Bezug ao8 Bewusstsein und Vorstellungsverlauf.

auf ihr gegenseitiges Verhältniss bestimmt werden1. Die zeitregistrirende Stimmgabel wird auf elektromagnetischem Wege durch eine größere Stimm- gabel St angeregt und in Schwingung erhalten. Die letztere ist in der von Helmholtz2 angegebenen Weise so eingerichtet, dass sie beim Durchgang durch ihre Ruhelage selbstthätig einen von der Kette K herrührenden Strom abwechselnd schließt und unterbricht; in den Kreis dieses Stromes ist ein Hufeisen elektromagn et ti eingeschaltet, dessen verstellbare Schraubenpole den Armen der zu erregenden Schreibgabel von außen nahe stehen. Wird also die Gabel St durch Verstellung der daran angebrachten Laufgewichte in pas- sender Weise abgestimmt, etwa eine Octave tiefer als die Schreibgabel, so erhält diese mit jedem Stromschluss, den die Gabel St hervorbringt, einen neuen Impuls, so dass sie ohne Unterbrechung zu tönen fortfährt. Zum Be- trieb des Chronographen sind vier getrennte galvanische Stromkreise erforder- lich: einer für die Stimmgabeln und die drei anderen für die drei Elektro- magnete der Schreibspitzen. Für den Stimm gab elstrom dient eine Batterie von 18 constanten Kupferzinkelementen nach Meidinger, zu je sechs ver- bunden. Für jeden Schreibelektromagneten werden zwei Gruppen je dreier hinter einander verbundener ähnlicher Elemente verwendet.

Bei der Ausführung der chronographischen Versuche entstehen durch die niemals ganz zu vermeidende ungleiche Abreißungszeit der Anker der Schreib- hebel von den Elektromagneten Zeitfehler, die durch besondere Controlver- suche bestimmt werden müssen. Zur Ausführung der letzteren dient der von L. Lange construirte, in Fig. 365 C skizzirte Controlapparat. Um eine gemeinsame Horizontalachse x sind drei massive Messinghebel w (wie die im Aufriss gezeichnete Figur einen solchen zeigt) unabhängig von einander dreh- bar. Bei r trägt jeder Hebel eine unten in einen Platinstift auslaufende (oben mit Gegenmutter festzustellende) Messingstellschraube, welche von dem Hebel durch ein Elfenbeinstück isolirt ist. Jeder der drei Platinstifte wird durch die Kraft einer verstellbaren Feder / auf eine Platinacontactplatte c niedergedrückt. Die drei gut von einander isolirten Contactplatten stehen durch drei unter dem Grundbrett hinlaufende Kupferdrähte mit den Klemm- schrauben e in leitender Verbindung, während von den Klemmen i Kupfer- drähte zu den Schraubenmuttern der verschraubbaren Contactstifte hinführen. Die Contacthebel werden ferner an ihren den Contacten entgegengesetzten Enden von einem starken U -förmigen Eisenstücke u überdeckt, das um eine vertical über x befindliche Achse drehbar ist. Wird auf diesen £7-Hebel ein Druck ausgeübt, so drückt er seinerseits die unter ihm liegenden Con- tacthebelenden nieder und löst also die drei Contacte. Nun lässt sich mit Hülfe der Stellschrauben r die Stellung der Platin contactstifte dermaßen re- guliren, dass alle drei Contacte bei genau derselben Lage des ^/-Hebels gelöst werden. Lässt man jetzt den um y drehbaren Fallhammer m mit seinem Kopfe aus 10 cm Höhe auf den cV-Hebel herabfallen, so hat der Kopf im Moment des Auftreffens über ein Meter Endgeschwindigkeit in der Secunde, 1 Es ist zweckmäßig, hierzu nicht die -wirklichen Ausbiegungspunkte der Schreib - curven zu benutzen, sondern diejenigen Punkte, die dem Anprallen der Anker an ihre Widerhalte entsprechen, weil die letzteren viel schärfer markirt sind. Durch die unten zu erwähnenden Controlversuche überzeugt man sich, dass hierdurch kein Fehler entsteht.

2 Helmholtz, Lehre von den Tonempfiridungen4, S. 198, Fig. 33.

Verlauf der directen Sinnesvorstellungen. 4.0Q und er theilt diese Geschwindigkeit dem Z7-Hebel mit. Unmittelbar nach Lösung der Contacte springt die federnde Nase q (welche an dem Knopf / zurückgezogen werden kann) über die obere Fläche des Hammerkopfes vor und hindert diesen so am Zurückprallen. Unsere Figur stellt den Hammer in seiner erhobenen Lage dar; in dieser wird er dadurch erhalten, dass ein federnder Sperrstift o durch ein Loch des Messingbogens B in eine ent- sprechende Vertiefung des Hammerkopfes eingreift. Zieht man an dem Knopf», so fällt der Hammer auf den £7-Hebel. Um die Wucht des Aufprallens zu mildern, ist an der unteren Fläche des Hammerkopfs eine Gummiplatte und unter den Contacthebelenden eine Filzplatte z angebracht. Dieser Control- apparat wird nun so angewandt, dass mit Hülfe der Klemmschrauben e und i seine Contacte in die Schreibstromkreise eingeschaltet werden. Während der psychologischen Versuche bleibt der Hammer in seiner erhobenen Lage, die Ströme gehen also ungehindert durch die Contacte hindurch. Zum Zwecke der Controlversuche dagegen werden die sämmtlichen übrigen Contactstellen der Stromkreise (z. B. bei T2, Tz) geschlossen gehalten, so dass sie von den Strömen passirt werden können. Jetzt lässt man den Hammer fallen und re- gistrirt auf der Chronographenwalze die erfolgenden Contactlösungen. Man erhält im allgemeinen eine Zeitdifferenz zwischen den Ausbiegungspunkten der Schreibecurven, obwohl die entsprechenden Stromunterbrechungen gleichzeitig stattgefunden haben. Diese »scheinbare« Zeitdifferenz, berechnet als Mittel aus mehreren Versuchen, ist dann bei den Reactionsversuchen nur in Abrech- nung zu bringen, um fehlerfreie Resultate zu erhalten.

Um die Anwendung des Chronographen zu erläutern, möge als Beispiel die folgende Aufgabe gewählt werden. Auf einen momentanen Schalleindruck kann man durch mehrere Bewegungen zugleich reagiren; es erhebt sich nun die Frage, welches die Zeitfolge zweier solcher in Reaction auf den nämlichen Sinneseindruck ausgeführter scheinbar gleichzeitiger Bewegungen, z. B. der rechten und linken Hand, sei. Die Fig. 365 veranschaulicht die zur Beant- wortung dieser Frage getroffenen Einrichtungen. Nachdem zwei Taster T1, T2 in einem separaten Zimmer aufgestellt sind, wird jeder durch Zuleitungsdrähte 3', 4' und 5', 6' in den Stromkreis eines Schreibelektromagneten eingeschaltet (der dritte Schreibhebel kommt in dem gewählten Beispiel nicht zur Anwen- dung). Der Reagent hält nun während jeder Versuchsreihe die beiden Taster beständig so lange geschlossen, bis er vom Chronographenzimmer aus einen Schallreiz erhält, auf den er reagiren soll. Der Experimentator seinerseits setzt vor Beginn jeder Versuchsreihe das Uhrwerk des Chronographen in Gang, bringt durch Stromschluss die Schreibgabel zum Tönen und legt, sobald er einen Versuch machen will, die (für gewöhnlich eine contactlose Mittellage einnehmende) Wippe P nach, irgend einer Seite um (das nächste Mal nach der entgegengesetzten). Da der Reagent im andern Zimmer die Taster T1} T2 geschlossen hält, so werden die Anker der beiden Elektromagnete augen- blicklich niedergezogen, und beide Schreibspitzen weichen nach rechts aus. Sofort nach Umlegung des Stromwenders lässt der Experimentator mittelst eines nahe seiner linken Hand angebrachten Stromschließers erst einen als vorbereitendes Signal dienenden, und eine Secunde später einen zweiten Glockenschlag im andern Zimmer ertönen. Bei dem zweiten Schlag drückt zugleich die rechte Hand den Druckhebel d des Schreibapparates nieder; der letztere kommt also in die Schreiblage und zwar noch frühe genug, dass das