mal mitgetheilten Richtungen der Stoff- und Formumwandlungen beizu- behalten.
Gehen wir von diesen allgemeinen Gesichtspunkten aus, so lässt sich demnach die Gesammtheit der psychophysischen Entwicklungsgesetze wieder in zwei Gruppen sondern: in die der biologischen und die der historischen Entwicklungen. Im Begriff des Biologischen im weiteren Sinne sind schließlich beide enthalten, wie sich am deutlichsten da zeigt, wo diese Gebiete zusammenstoßen: bei der Entwicklung der einzelnen menschlichen Persönlichkeit, die als organische Entwicklung der biologi- schen Reihe angehört, zugleich aber die einfachste Form geschichtlicher Entwicklung ist, wie denn ja auch die Biographie als eine Unterform historischer Schilderung gilt. Beide, biologische und historische Ent- wicklung, scheiden sich jedoch äußerlich dadurch von einander, dass bei der ersten die physischen, bei der zweiten die psychischen Momente präponderiren. In dem Ausdruck der Entwicklungsgesetze selbst ver- schwinden daher im ersten Fall die psychischen Ursprungsbedingungen, im zweiten treten die physischen Momente, wenn sie auch niemals ganz verschwinden, doch hinter den vorzugsweise betonten geistigen Motiven zurück. In diesen Eigenschaften spiegelt sich nur das thatsächliche Ver- hältniss des natürlichen und des geistigen Lebens, welche beide nicht als disparate Erscheinungen einander gegenüberstehen, sondern Glieder eines Ganzen sind, das uns auf den unteren Stufen vor allem von seiner jqa Berichtigungen und Zusätze.
objectiven oder Naturseite, auf den oberen von der subjectiven, geistigen Seite aus, die ihre Resonanz in unseren eigenen inneren Erlebnissen findet, erkennbar ist. Eine Erörterung der Frage, unter welchen Bedingungen und in welchen Formen auf jenen beiden Gebieten Entwicklungsgesetze möglich sind, liegt übrigens selbstverständlich jenseits der Aufgaben der Psychologie, | die sich hier nur gegen die Verwechselung ihrer Principien mit solchen Gesetzen zu verwahren hatte1.
Berichtigungen und Zusätze.
Band I.
Cap. V. S. 184 f. Zu Fig. 79 ist zu bemerken, dass das hier darge- stellte Schema ausschließlich die nach den Untersuchungen von Henschen (Brain, 1893), Vialet (Les centres de la vision, 1893) u. A. anzunehmenden Lagerungs- verhältnisse der Opticusfasern in dem Nervus und Tractus opticus in ihren Be- ziehungen zu den einzelnen Theilen der Retina wiedergibt, dass aber diesen peripheren Lagerungsverhältnissen die centralen nur insofern correspondiren, als die aus der Macula lutea entspringenden Bündel in der Occipitalrinde doppelseitig vertreten sind. (Vgl. die zusammenfassende Darstellung bei Bechterew, Die Leitungsbahnen im Gehirn und Rückenmark, S. 209 ff.) Da- gegen ist die definitive Lagerung der lateralen und medialen Bündel, wie weiter unten (S. 204 u. 235) ausgeführt, in den Rindencentren in der Haupt- sache eine der in diesen nächsten Leitungsbahnen vorwaltenden entgegen- gesetzte, indem nach den Versuchen an Thieren wie nach pathologischen Beobachtungen die lateralen Retinatheile auf der gleichen, die medialen auf der entgegengesetzten Seite im Gehirn vertreten sind. Hierbei ist zu erwägen, dass die nächste Endigung der Opticusbahnen in den Mittelhirn- centren der Corpora geniculata stattfindet, von denen aus daher erst die definitiven Zuordnungen zu den Rindencentren eintreten. Mit Rücksicht auf diese verwickelten Verhältnisse sowie auf die nicht durchaus eindeutigen Symptome nach Rindenverletzungen halten neuestens manche Forscher, wie Henschen und zum Theil auch von Monakow, die Frage der Beziehung der einzelnen Retinatheile zu den Rindencentren überhaupt noch nicht für endgültig entschieden, und Henschen ist außerdem geneigt, dem Sehcentrum, abweichend von der gewöhnlich angenommenen, ziemlich ausgedehnten Lage- rung in der Occipitalrinde (Fig. 89, S. 204), nur einen beschränkteren Um- fang innerhalb der Fissura calcarina (O' Fig. 65, S. 141) anzuweisen. Wenn 1 Hinsichtlich der Frage der >historischen Gesetze« darf ich hier wohl auf das Ca- pitel über die »Logik der Geschichtswissenschaften« in meiner Logik 2 (Bd. 2, II, S. 382 ff.) hinweisen.
Berichtigungen und Zusätze. 7QS jedoch trotz solcher noch bestehender Zweifel an der endgültigen Zuordnung von Monakow die Ueberzeugung ausspricht, dass die centrale Repräsentation der Retinatheile jedenfalls in der Zuordnung zu den Centren der Augen- bewegungen begründet sei (Ergebnisse der Physiologie, i. Jahrg., 1902, 2. Abth., S. 600), so entspricht dies, wie man sieht, durchaus dem, was oben (Bd. 1, S. 228 ff.) über die Theorie der Kreuzungen überhaupt und speciell der Kreuzungen der Opticusbahnen, im Gegensatze zu der reinen Abbildungs- theorie Ramon y Cajals, ausgeführt worden ist.
Cap. VIII1. S. 370, Z. 12 v. u. Nach den Untersuchungen von O. und R. Hertwig bilden bei allen Metazoen, auch den Cölenteraten, die Muskel- zellen ursprünglich selbständige Elemente; sie entstehen nicht, wie Kleinen- berg annahm, als Sprossungen von Nervenzellen. (R. und O. Hertwig, Das Nervensystem und die Sinnesorgane der Medusen, 1878, S. 157.) Auch die auf S. 28 (Fig. 6) abgebildeten Zellen aus der Epithelschicht von Hydra (sog. Neuromuskelzellen Kleinenbergs) sind demnach als Muskelzellen zu deuten.
S. 371, Fig. 107. Einlagerungen von Kalkkrystallen im Entoderm [k] finden sich noch nicht an der Stelle des hier abgebildeten Schnitts, sondern erst am Ende des Randkörpers.
S. 373, Fig. 108. R. Hesse hat die hier nach seiner früheren Arbeit angenommene Deutung der Hautsinnesknospen von Lumbricus später (Zeitschr. f. wiss. Zool., Bd. 62) aufgegeben, nachdem außer diesen Knospen auch freie Nervenendigungen und muthmaßliche Sehzellen bei Lumbricus nachgewiesen sind.
S. 379, Z. 8 v. o. Die Sehorgane der Planarien sind nicht von Ober- hautzellen umgeben, sondern liegen im Körperparenchym. Z. 12 v. u. Bei Amphioxus liegen die Sehzellen nicht in der Nachbarschaft des Rückenmarks, sondern intraepithelial, also im Rückenmark selbst.
S. 387, Z. 1 v. o. Der Grundstock des zusammengesetzten Auges der Arthropoden wird von 7 Sehzellen gebildet, zu denen zwei Corneazellen, nicht eine, gehören. (Dem entsprechend ist auch die Fassung des Satzes S. 391, Z. 17 v. u. zu ändern.) Z. 22 v. o. Statt »das sogen. Rhabdomen« lies: »die sogen. Rhabdomere«. (Zusammen bilden dieselben das »Rhabdom«, Grenacher.) Z. 4 v. u. Ein beweglicher Stiel des Auges findet sich nur bei den höheren Crustaceen (Schizopoden, Stomatopoden, Dekapoden); er fehlt den Insekten und vielen Krebsen.
S. 389, Z. 6 v. o. Der Glaskörper im Arachnidenauge besteht aus einer besonderen Lage gesonderter Zellen, wie übrigens auch Fig. 119 zeigt.
S. 390, Z. 19 v. o. Bei den Alciopiden bilden die Sehzellen kein Rhab- dom, sondern je einer Retinazelle entspricht ein Stäbchen; »eigentliche Retina- stäbchen« hinter der Pigmentschicht sind nicht vorhanden.
1 Die Berichtigungen zu diesem Capitel verdanke ich zumeist der freundlichen Mit- theilung des Herrn Prof. R. Hesse in Tübingen.
7q5 Berichtigungen und Zusätze.
Band IL Cap. X. S. 69. Die Frage nach dem Einfluss der Phasen auf die Klangfarbe scheint nunmehr durch die Untersuchungen von F. Lindig (Drudes Annalen der Physik, Bd. 10, 1903, S. 242 ff.) eine endgültige Be- antwortung gefunden zu haben, durch die zugleich der Widerstreit, der in dieser Beziehung zwischen den Ergebnissen von Helmholtz und von R. König bestand, in befriedigender Weise aufgeklärt wird. In Versuchen an einer Telephon -Sirene, die zwar keine einfachen Töne gab, aber eine starke Variation der Obertöne zuließ, fand sich nämlich, dass die beim Vor- handensein von Obertönen auftretenden Klangunterschiede bei verschiedenen Phasen in allen Fällen Resultate wechselseitiger Verstärkung oder Vernichtung einzelner oder mehrerer den beiden Klängen gemeinsamer Obertöne waren, und dass andere Klangunterschiede als die durch solche Interferenz der Ober- töne verursachten niemals beobachtet werden konnten. Da Helmholtz seine Resultate an reinen Stimmgabelklängen, König die seinen an einer Wellensirene mit jedenfalls ziemlich starken Obertönen erhalten hatte, so erklärt sich daraus das abweichende Ergebniss beider Forscher. Die Frage nach dem Einfluss der Phasendifferenz auf die Zusammenklänge einfacher Töne würde aber da- nach verneinend zu beantworten sein.
Band III.
Druck von Breitkopf & Härtet in Leipzig.
Werke von Wilhelm Wundt, die im Verlage von Wilhelm Engelmann in Leipzig erschienen sind: lieber die Aufgabe der Philosophie in der Gegenwart. Kede, gehalten zum Antritt des öffentlichen Lehramtes der Philosophie an der Hochschule in Zürich, am 31. October 1874. gr. 8. Jl —.60.
lieber den Einflnss der Philosophie auf die Erfahrungswissenschaften. Aka- demische Antrittsrede, gehalten zu Leipzig, gr. 8. 1876. Jl —.60.
Der Spiritismus, eine sogenannte wissenschaftliche Frage. Offener Brief an Herrn Prof. Herrn. Ulrici in Halle, gr. 8. 1879. Jt —.50.
Zur Moral der literarischen Kritik. Eine moralphilosophische Streitschrift.
System der Philosophie, gr. 8. Zweite, umgearbeitete Auflage. 1897 Jl 12.—; in Halbfranz geb. Jt 14.50.
Grundzüge der physiologischen Psychologie. Fünfte, völlig umgearbeitete Auflage. Erster Band. Mit 156 Abbildungen im Text. gr. 8. 1902 Ji 10. —; in Halbfranz geb. Jt 13. — Zweiter Band. Mit 153 Abbildungen im Text. gr. 8. 1902. M 13.— in Halbfranz geb. Jt 16. — Dritter Band. Mit 75 Abbildungen im Text. gr. 8. 1903. Jt 14.— in Halbfranz geb. Ji 17. — Naturwissenschaft und Psychologie. Sonderausgabe der Schlussbetrachtungen zur fünften Auflage der physiologischen Psychologie, gr. 8. 1903. Jt 3. — in Leinen geb. Ji 4. — Grundriss der Psychologie. Fünfte, umgearbeitete Auflage. 8. 1902 in Leinen geb. Jt 7. — Outlines of Psychology. Translated with the Cooperation of the author by Charles Hubbard Judd, Ph. D. (Leipzig), Instructor of Psychology, Yale University. Second revised English Edition from the fourth revised German Edition. 8. 1902. in Leinen geb. Jl 8. —.
Völkerpsychologie. Eine Untersuchung der Entwicklungsgesetze von Sprache, Mythus und Sitte. Erster Band: Die Sprache. Erster Theil. Mit 40 Abbildungen im Text. gr. 8. 1900. Jl 14.—; in Halbfranz geb. Jl 17.—.
Zweiter Theil. Mit 2 Abbildungen im Text. gr. 8. 1900.
Jl 15.—; in Halbfranz geb. Jl 18.— Gustav Theodor Fechner. Rede zur Feier seines hundertjährigen Geburtstages Mit Beilagen und einer Abbildung des Fechner-Denkmals. 8. 1901. Jl 2.— Einleitung in die Philosophie. Zweite, unveränderte Auflage. 8. 1902 in Leinen geb. Jl 9. — Sprachgeschichte und Sprachpsychologie. Mit Rücksicht auf B. Delbrücks Grundfragen der Sprachforschung. 8. 1901. Ji 2. —.
Verlag von Wilhelm Engelmann in Leipzig.
BÜtSChll 0 Mechanismus und Vitalismus. Vortrag, gehalten in verkürzter Form auf dem internationalen Zoologen -Congress DrieSCh HailS Die Biolo§'ie als selbständige Grundwissenschaft. Eine \ \ kritische Studie. 8. 1893. Ji 1.20.
DrieSCh H^IIS ^nalytiscüe Theorie der organischen Entwicklung.
DriGSCÜ HanS ***e *Seele« a*s elementarer Naturfaktor. Studien über . die Bewegungen der Organismen, gr. 8. 1903. Ji 1.60.
DriGSCll HanS B*e organiscüen Regulationen. Vorbereitungen zu einer 1! Theorie des Lebens. Mit einer Figur im Text. gr. 8.
Haberlandt Gr Sinnesorgane im Pflanzenreich zur Perception mecha- 2 '1 nischer Beize. Mit 8 lithographischen Tafeln und einer Figur im Text. gr. 8. 1900. Ji 9.—.
Haeckel Emst Anthropogenie oder Entwicklungsgeschichte des -, 1 Menschen. Keimes- und Stammes - Geschichte. Fünfte, völlig neubearbeitete Auflage. Zwei Bände, gr. 8.
Erscheint im Herbst 1903.
Krasan Franz Ansichten uu<j (jeSpräche über die individuelle und l speciflsche Gestaltung in der Natur. 8. 1903. Ji 6.—.
Plate Ludwig Über die Bedeutung des Darwinschen Seleetions- 2 2l princips und Probleme der Artbildung. Zweite, vermehrte Auflage, gr. 8. 1903. Ji 5. —.
E»ädl Em Untersuchungen über den Phototropismus der Tiere, gr. 8.
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