Athanasius
Bischof von Alexandria, Theologe und Vater der griechischen Kirche (ca. 296/298–373), eine zentrale und beharrliche Gestalt der trinitarischen Kontroversen des 4. Jahrhunderts, vor allem bekannt für seine unerbittliche Verteidigung der Lehre von der Wesensgleichheit des Sohnes mit dem Vater (homoousios) gegen den Arianismus — jene, in weiten Teilen des Reiches vorherrschende und oft von aufeinanderfolgenden römischen Kaisern gestützte Lehre, wonach Christus ein von Gott geschaffenes Wesen sei und somit weder gleichewig noch von derselben göttlichen Substanz wie der Vater. Als junger Diakon beim Ersten Konzil von Nizäa (325) anwesend, auf dem das den Arianismus verurteilende Nizänische Glaubensbekenntnis formuliert wurde, wurde Athanasius 328 Bischof von Alexandria und widmete den Rest seines Lebens — geprägt von fünf aufeinanderfolgenden Verbannungen durch arianerfreundliche Kaiser oder kirchliche Intrigen, die zusammen mehr als siebzehn Jahre außerhalb seines Bischofssitzes ausmachten — dem unermüdlichen Verteidigen der nizänischen Orthodoxie in einem äußerst feindseligen politischen und kirchlichen Umfeld, woraus der lateinische Ausdruck »Athanasius contra mundum« (»Athanasius gegen die Welt«) entstand, um seine dogmatische Isolation zu beschreiben. Sein einflussreichstes theologisches Werk, Über die Menschwerdung des Wortes (De Incarnatione), formuliert mit bemerkenswerter Klarheit die zentrale soteriologische Logik des orthodoxen Christentums: Nur wenn das menschgewordene Wort voll göttlich ist, können sein Tod und seine Auferstehung die Menschheit tatsächlich von Verderbnis und Tod erlösen — ein Argument, das er mit der berühmten Formel prägte, Gott sei Mensch geworden, damit der Mensch Gott werden könne (durch Gnade, nicht durch Natur). Als Autor der außerordentlich einflussreichen Vita Antonii, die das Ideal des ägyptischen eremitischen Mönchtums in der gesamten Christenheit popularisierte, und Verfasser der frühesten bekannten Liste, die genau die siebenundzwanzig Bücher aufzählt, die später den Kanon des Neuen Testaments bilden sollten (Osterfestbrief 39, im Jahr 367), gilt Athanasius als einer der entscheidenden Architekten der christlichen trinitarischen Orthodoxie und wird sowohl im Osten als auch im Westen als Kirchenvater und -lehrer verehrt.