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Eduard Bernstein

Deutscher sozialdemokratischer Politiktheoretiker und Staatsmann (1850–1932), geboren in Berlin in eine assimilierte jüdische Familie, während dessen langem Londoner Exil enger intellektueller Schüler Friedrich Engels' und von Engels selbst zum Herausgeber und Testamentsvollstrecker seiner nachgelassenen Schriften bestimmt — Faktoren, die ihm zunächst innerhalb der deutschen sozialdemokratischen Bewegung erhebliche theoretische Autorität verliehen, bevor er selbst die einflussreichste und umstrittenste kritische Revision des orthodoxen Marxismus der gesamten Zweiten Internationale unternahm. Sein grundlegendes Werk, Die Voraussetzungen des Sozialismus und die Aufgaben der Sozialdemokratie (1899), veröffentlicht als Synthese einer Reihe früherer Artikel, die innerhalb der Partei bereits große Erschütterungen ausgelöst hatten, argumentierte mit empirischen Daten und detaillierter Wirtschaftsanalyse, dass sich mehrere zentrale Vorhersagen des klassischen Marxismus in der Praxis nicht bewahrheiteten: Der Kapitalismus zeigte keine Anzeichen zunehmender Klassenpolarisierung oder immer extremerer Unternehmenskonzentration, die Mittelschicht schrumpfte nicht, sondern wuchs, und die materiellen Lebensbedingungen der Arbeiterklasse verbesserten sich allmählich durch Gewerkschaften und Sozialgesetzgebung, statt sich unaufhaltsam auf eine finale revolutionäre Krise zuzuspitzen. Aus dieser empirischen Revision leitete Bernstein seine berühmteste und für die orthodoxen Marxisten seiner Zeit — angeführt von Karl Kautsky und Rosa Luxemburg, die ihn scharf des theoretischen Verrats bezichtigten — skandalöseste theoretische und praktische Schlussfolgerung ab, ausgedrückt in seiner Maxime »die Bewegung ist alles, das Endziel ist nichts«: Der Sozialismus solle das Ziel der gewaltsamen Revolution und des katastrophalen Bruchs mit dem Kapitalismus aufgeben und sich stattdessen auf die schrittweise, demokratische und gesetzliche Reform des bestehenden Systems durch Gewerkschaften, Parlamente und Genossenschaften konzentrieren — eine Position, aus der die als »Revisionismus« oder reformistische Sozialdemokratie bekannte Strömung hervorging. Als Reichstagsabgeordneter über mehrere Legislaturperioden hinweg setzte sich seine Vision, obwohl auf den Parteitagen seiner Zeit formal unterlegen, in der tatsächlichen politischen Praxis der europäischen Sozialdemokratie des 20. Jahrhunderts de facto letztlich durch, was ihn zu einem der entscheidenden geistigen Väter der zeitgenössischen reformistischen Sozialdemokratie macht.

3 Werke