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Edward B. Titchener

Britisch-amerikanischer Psychologe (1867–1927), der Wundts experimentelle Methode von Leipzig nach Cornell trug und daraus die Schule des Strukturalismus formte. Er studierte in Oxford Altphilologie und Physiologie, verbrachte zwei Jahre in Wundts Laboratorium und übernahm 1892, da sich in England keine Stelle fand, den Lehrstuhl in Cornell, den er bis zu seinem Tod innehatte; er übersetzte Wundts Physiologische Psychologie ins Englische und trat dreißig Jahre lang als der eigentliche Vertreter des deutschen Programms in Amerika auf.

Seine Fassung war jedoch enger und strenger als die Wundts: Psychologie, wie er sie bestimmte, untersucht bewusstes Erleben, sofern es von dem Erlebenden abhängt, und ihre Aufgabe ist, dieses Erleben in seine elementaren Bestandteile — Empfindungen, Vorstellungen und Gefühle — zu zerlegen, deren Merkmale Qualität, Intensität, Dauer und Klarheit zu bestimmen und die Gesetze ihrer Verbindung anzugeben.

Das Werkzeug war die geschulte Introspektion, eine Disziplin, deren Erwerb Monate kostete und die den «Reizfehler» verbot, also das Beschreiben des Gegenstands statt des Erlebens; das Ergebnis waren Kataloge von Tausenden elementarer Empfindungen. Die vier Bände Experimental Psychology: A Manual of Laboratory Practice (1901–1905) schulten eine ganze Generation amerikanischer Experimentatoren, gleich welcher theoretischen Bindung, und Titchener war es, der dem Englischen das Wort empathy gab, geprägt zur Wiedergabe von Theodor Lipps' Einfühlung.

Er betreute über fünfzig Dissertationen, darunter die von Margaret Floy Washburn, der ersten in den Vereinigten Staaten promovierten Psychologin, und schloss zugleich Frauen aus dem privaten Zirkel der Experimentalisten aus, den er 1904 gründete — ein Widerspruch, den schon seine Schüler bemerkten. Der Strukturalismus überlebte ihn nicht: vom Funktionalismus angegriffen und dann vom Behaviorismus hinweggefegt, endete er mit ihm, doch die von ihm durchgesetzte Laborstrenge hielt länger als die Lehre.

3 Werke