G. Stanley Hall
Amerikanischer Psychologe (1844–1924), der Organisator und Unternehmer der Psychologie in den Vereinigten Staaten. Zuerst für das geistliche Amt und dann in Deutschland ausgebildet, erwarb er 1878 bei William James in Harvard, was gemeinhin als erste amerikanische Promotion in Psychologie gilt, ging noch einmal nach Leipzig in Wundts Laboratorium und widmete den Rest seines Lebens dem Aufbau von Institutionen statt von Theorien: dem Laboratorium an der Johns Hopkins University, wo Dewey, Cattell und Jastrow studierten, dem American Journal of Psychology (1887), der American Psychological Association, deren erster Präsident er 1892 wurde, und der Clark University, die er ab 1889 leitete.
Sein Forschungsprogramm war die Kinderforschungsbewegung, die zu Zehntausenden Fragebögen über den Inhalt kindlicher Köpfe sammelte, und sein Hauptwerk Adolescence (1904) machte diesen Lebensabschnitt erstmals zum Gegenstand wissenschaftlicher und öffentlicher Aufmerksamkeit: als Zeit von Sturm und Drang und als Rekapitulation der Stammesgeschichte im Einzelnen — ein evolutionärer Rahmen, den die spätere Forschung verwarf, während sie das von ihm eröffnete Thema behielt.
Senescence (1922) tat dasselbe für das Alter, und Jesus, the Christ, in the Light of Psychology wandte die Methode auf die Religion an. Seine folgenreichste Einzelhandlung war eine Einladung: 1909 holte er Sigmund Freud und Carl Jung zu Vorträgen zum zwanzigjährigen Bestehen von Clark — Freuds einziger Besuch in den Vereinigten Staaten und das Ereignis, das der Psychoanalyse ihr amerikanisches Publikum verschaffte.
Clark promovierte unter Hall auch Francis Cecil Sumner, den ersten Afroamerikaner mit einem Doktorat in Psychologie, obwohl Halls eigene Schriften über Rasse und über Frauen die hierarchischen Vorurteile seiner Zeit trugen und schon zu seinen Lebzeiten bestritten wurden.
3 Werke
- Adolescence: Its Psychology and Its Relations to Physiology, Anthropology, Sociology, Sex, Crime, Religion and Education, Volume I
- Adolescence: Its Psychology and Its Relations to Physiology, Anthropology, Sociology, Sex, Crime, Religion and Education, Volume II
- Youth: Its Education, Regimen, and Hygiene