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Gustav Theodor Fechner

Deutscher Physiker, Philosoph und experimenteller Psychologe (1801–1887), Professor in Leipzig und Begründer der Psychophysik, jener Disziplin, die als erste vorschlug, das Verhältnis zwischen physischer Welt und seelischer Empfindung zu messen. Ausgebildet zunächst in Medizin, dann in Physik, widmete er die frühen Jahre der elektrischen Messung und der Mathematik der galvanischen Säule und veröffentlichte daneben unter dem Pseudonym Dr. Mises satirische Schriften wie die Vergleichende Anatomie der Engel — ein Doppelleben aus exakter Messung und spekulativem Witz, das sein ganzes Werk durchzieht. 1839 stürzte er in eine Krise, die drei Jahre dauerte: halb erblindet, unfähig zu essen und Licht zu ertragen, gab er den Lehrstuhl auf und zog sich in ein verdunkeltes Zimmer zurück; die Genesung, die er später eine zweite Geburt nannte, wandte ihn von der Physik der Frage zu, ob Geist und Materie zwei Seiten einer Sache sind.

Aus dieser Überzeugung entstanden Nanna, oder Über das Seelenleben der Pflanzen (1848) und Zend-Avesta (1851), in denen er eine panpsychistische Naturauffassung und die «Tagesansicht» verteidigte — Bewusstsein sei über das Universum verteilt und nicht in menschliche Schädel eingeschlossen — gegen die «Nachtansicht» eines mechanischen, seelenlosen Kosmos. Sein entscheidendes Werk, die Elemente der Psychophysik (1860), wuchs aus der Einsicht, dass sich das Verhältnis von Reiz und Empfindung als Gleichung schreiben lässt: das Weber-Fechnersche Gesetz, wonach die Empfindung wie der Logarithmus des Reizes wächst, gab der Psychologie ihre erste quantitative Aussage und die Methoden — Grenzmethode, konstante Reize, mittlerer Fehler —, die die Laboratorien ein Jahrhundert lang benutzten.

Sein letztes großes Buch, die Vorschule der Ästhetik (1876), wandte denselben experimentellen Geist auf die Schönheit an und fragte nicht, was Kunst sein sollte, sondern welche Proportionen die Menschen tatsächlich bevorzugen. Wundt baute sein Laboratorium auf Fechners Methoden, William James nannte ihn einen Mann von Genie, und Freud übernahm von ihm den Begriff der psychischen Energie und das Konstanzprinzip.

2 Werke