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Otto Rank

Österreichischer Psychoanalytiker (1884–1939), geboren als Otto Rosenfeld, der 1906 als junger, in einer Maschinenwerkstatt ausgebildeter und im Selbststudium belesener Mann zu Freuds Mittwochsrunde stieß und zwei Jahrzehnte lang ihr Sekretär, ihr gelehrtestes Mitglied und der Herausgeber ihrer Zeitschriften war. Seine frühen Bücher wenden die Analyse eher auf Mythos und Literatur an als auf Patienten: Der Mythus von der Geburt des Helden (1909) findet eine einzige wiederkehrende Fabel hinter Sargon, Moses, Ödipus und Christus, und Das Inzest-Motiv in Dichtung und Sage (1912) verfolgt ein einziges Motiv durch die abendländische Literatur.

Freud gab ihm einen Ring als einem der sechs Mitglieder des geheimen Komitees, und jahrelang sprach man von ihm als von einem Erben. Der Bruch kam mit Das Trauma der Geburt (1924), das die Trennung von der Mutter und nicht den ödipalen Konflikt mit dem Vater als Urbild aller späteren Angst ansetzte und daraus folgerte, die Analyse müsse kurz sein, auf die gegenwärtige Bindung zwischen Patient und Analytiker gerichtet und durch einen bewussten Akt beendet, statt sich über Jahre hinzuziehen.

Der Kreis las das als Fahnenflucht; drei Jahre später hatte er Wien gegen Paris und dann New York getauscht. Sein späteres Werk entfernt sich von der Psychoanalyse: Kunst und Künstler (1932) stellt den schöpferischen Willen und nicht die Neurose in den Mittelpunkt der Persönlichkeit und beschreibt den Künstler als jemanden, der im Werk dasselbe Problem von Trennung und Individuation löst, das alle beschäftigt.

Über Carl Rogers, der die Lektüre Ranks entscheidend nannte, und über Rollo May gelangte diese Linie in die humanistische und existenzielle Therapie; Ernest Beckers Die Überwindung der Todesfurcht baut weitgehend auf ihm auf. Er starb in New York einen Monat nach Freud.

2 Werke