Polykarp
Griechischer Bischof von Smyrna und Märtyrer (ca. 69 – ca. 155 n. Chr.), eine entscheidende Übergangsgestalt zwischen der apostolischen Generation und der nächsten, da die Überlieferung — vermittelt durch seinen eigenen Schüler Irenäus von Lyon — behauptet, er habe den Apostel Johannes und andere unmittelbare Zeugen Jesu persönlich gekannt, was ihm eine außergewöhnliche geistliche Autorität in einer Zeit verlieh, in der die Kirche noch dabei war, ihre Lehre und Struktur gegenüber zahlreichen aufkommenden Häresien zu definieren. Er reiste um 154 nach Rom, um mit Bischof Anicetus die Kontroverse über das Osterdatum zu erörtern, eine der frühesten dokumentierten großen Debatten kirchlicher Disziplin, und obwohl beide zu keiner Einigung gelangten, hielten sie die Kirchengemeinschaft aufrecht und schufen damit einen für die frühe Kirche grundlegenden Präzedenzfall der Toleranz in der Vielfalt. Sein einziges erhaltenes Werk ist der Brief an die Philipper, ein kurzer, praktischer Hirtenbrief eher moralischen als spekulativen Tons, in dem er die christliche Gemeinde von Philippi zu Treue, Nächstenliebe und Widerstand gegen Häresien ermahnt — insbesondere den Doketismus, der die physische Realität des Leibes Christi leugnete —, und der ausführlich das Alte und Neue Testament zitiert, was ihn zu einem wertvollen Zeugnis dafür macht, wie sich der biblische Kanon im frühen 2. Jahrhundert herausbildete. Sein Martyrium, geschildert in einem der frühesten und ausführlichsten außerhalb des Neuen Testaments erhaltenen Martyriumsberichte, dem Martyrium Polycarpi, zeigt ihn, wie er sich weigert, dem Kaiser Weihrauch zu opfern, mit der berühmten Antwort »Sechsundachtzig Jahre diene ich ihm, und er hat mir nie Unrecht getan; wie könnte ich meinen König lästern, der mich gerettet hat?«, und lebendig auf dem Scheiterhaufen verbrannt wird — eine Episode, die die Überlieferung mit wunderbaren Elementen ausschmückt.