Sextus Empiricus
Griechischer skeptischer Philosoph und Arzt (2.–3. Jahrhundert n. Chr.), über den außer seinem eigenen Namen, seiner Zugehörigkeit zur »empirischen« medizinischen Schule — daher sein Beiname — und seiner vermutlichen Tätigkeit als Haupt der pyrrhonischen Schule gegen Ende seines Lebens kaum verlässliche biographische Angaben überliefert sind, wobei sein Werk die einzige umfangreiche, vollständig erhaltene Quelle der gesamten pyrrhonisch-skeptischen Tradition der Antike darstellt, überliefert und bewahrt gerade weil es, anders als andere frühere skeptische Texte, vollständig durch mittelalterliche Handschriften überstehen konnte. Sein grundlegendes Werk, Grundriss der pyrrhonischen Skepsis, bietet die vollständigste und detaillierteste erhaltene systematische Darstellung des Pyrrhonismus, der radikalsten Form antiker philosophischer Skepsis, Jahrhunderte zuvor von Pyrrhon von Elis begründet, wonach zu jeder ernsthaften philosophischen Frage gleichermaßen überzeugende Argumente für und gegen sich konstruieren lassen, was zu einem Zustand der »Gleichgewichtigkeit« (Isostheneia) führt, der eine rationale Entscheidung zwischen entgegengesetzten Positionen unmöglich macht, und dass daher die einzig philosophisch kohärente Haltung die Urteilsenthaltung (Epoché) gegenüber jeder dogmatischen Behauptung über das letzte Wesen der Wirklichkeit sei. Sextus systematisierte mit bemerkenswerter methodischer Strenge die verschiedenen »Tropen« oder Argumentationsmodi, durch die die pyrrhonischen Skeptiker diese Urteilsenthaltung erzeugten — Wahrnehmungsunterschiede zwischen Tierarten, zwischen Individuen, je nach Umständen, die Relativität jeder Wahrnehmung und andere — und vertrat, dass diese Urteilsenthaltung, paradoxerweise, keineswegs zur Lähmung führe, sondern zur Ataraxia, der Ruhe und inneren Gelassenheit, die das letzte Ziel der gesamten hellenistischen Philosophie bilde. Einer der originellsten und einflussreichsten Aspekte seines Werks ist seine systematische Kritik nicht nur am philosophischen Dogmatismus (stoisch, epikureisch, akademisch), sondern an allen technischen und wissenschaftlichen Disziplinen seiner Zeit — Grammatik, Rhetorik, Musik, Geometrie, Astrologie —, ein Werk, gesammelt unter dem Titel Gegen die Fachgelehrten, das eine der erschöpfendsten Kritiken der gesamten Antike an den erkenntnistheoretischen Grundlagen spezialisierten Wissens darstellt. In der Renaissance wiederentdeckt, übte das Werk des Sextus Empiricus entscheidenden Einfluss auf das moderne Denken aus, besonders auf Montaigne, Pierre Bayle und, über sie, auf den philosophischen Skeptizismus, der sich durch die gesamte Neuzeit bis zu Hume ziehen sollte.