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Schijing

Das Buch der Lieder (Shijing), einer der Fünf Klassiker des konfuzianischen Kanons und die älteste erhaltene chinesische Gedichtsammlung, eine Anthologie von dreihundertfünf altchinesischen Gedichten anonymer, kollektiver Verfasserschaft, wahrscheinlich zwischen dem 11. und 7. Jahrhundert v. Chr. aus mündlichem und schriftlichem Material verschiedener Regionen und Epochen zusammengestellt, und traditionell — wenn auch auf dünner historischer Grundlage — einer redaktionellen Auswahl zugeschrieben, die Konfuzius selbst aus einem weit umfangreicheren Ursprungskorpus getroffen haben soll. Das Werk gliedert sich in vier Abschnitte von deutlich unterschiedlichem Charakter und Ton: die »Weisen der Staaten« (Guofeng), der umfangreichste und berühmteste Teil, bestehend aus Volks- und Populärliedern aus fünfzehn verschiedenen Regionen, die mit bemerkenswerter Lebendigkeit und Offenheit Themen wie Liebe, Werben, landwirtschaftliche Arbeit, Alltagsleben und oft Gesellschaftskritik an ungerechten Herrschern behandeln; die »Kleinen Oden« (Xiaoya) und »Großen Oden« (Daya), formellere, höfische Kompositionen zu Bankettwesen, Zeremonien und Staatsangelegenheiten des Zhou-Adels; sowie die »Hymnen« (Song), feierliche Ritualtexte für den Ahnenkult und dynastische Opfer. Schon früh in den konfuzianischen Bildungskanon als einer der grundlegenden Texte aufgenommen, die jeder Gelehrte beherrschen musste, wurde das Shijing von der späteren konfuzianischen Tradition einer systematischen moralisierenden Deutung unterworfen, die selbst die einfachsten Liebesgedichte als politische oder ethische Allegorien las — eine Lesart, die die moderne Kritik weitgehend infrage gestellt hat zugunsten einer unmittelbareren Würdigung seines ursprünglichen literarischen und ethnographischen Wertes. Konfuzius selbst hielt laut den Gesprächen das Studium dieses Werks für unerlässlich, um moralische Sensibilität, Beobachtungsschärfe und die Fähigkeit zu sozialen Beziehungen zu wecken.

1 Werke