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Snorri Sturluson

Isländischer Historiker, Dichter, Politiker und Häuptling (1179–1241), Mitglied der mächtigen Familie der Sturlungar, der zwischen kulturellem Glanz und gewalttätigen Intrigen des mittelalterlichen isländischen Freistaats lebte, einer turbulenten Epoche, die eben wegen der zentralen Rolle seiner Familie in den Konflikten, die schließlich zur Unterwerfung Islands unter die norwegische Krone führten, als »Zeitalter der Sturlungar« bezeichnet wird. Ein Mann von großem politischem Ehrgeiz und Reichtum, bekleidete er zweimal das Amt des »Gesetzessprechers« (lögsögumaður), das angesehenste Amt des Althing, der isländischen Gesetzgebungsversammlung, die als eines der ältesten Parlamente der Welt gilt, und unterhielt komplexe, letztlich tödliche Beziehungen zur norwegischen Krone, der er zunächst als Vermittler in Island diente, die aber, seine Illoyalität vermutend, seine Ermordung anordnete, ausgeführt von seinen eigenen früheren Schwiegersöhnen in seinem Haus in Reykholt im Jahr 1241. Über die Politik hinaus wird Snorri vor allem als Autor — oder zumindest als Hauptkompilator und Redakteur — zweier für die Bewahrung der nordischen Mythologie und Literatur grundlegender Werke erinnert: der Prosa-Edda, ein für Dichter verfasstes Handbuch mit dem erklärten Ziel, die Techniken traditioneller Skaldendichtung und die ihr zugrunde liegenden mythologischen Erzählungen zu bewahren, und die zusammen mit der anonymen Lieder-Edda die wichtigste und systematischste erhaltene Quelle über die vorchristliche nordische Mythologie darstellt — Odin, Thor, Loki, Ragnarök und die Kosmologie der neun Welten. Sein anderes großes Werk, die Heimskringla, ist eine monumentale Geschichte der norwegischen Könige von der Sagenzeit bis ins 12. Jahrhundert, verfasst mit lebendiger erzählerischer Prosa und einem für seine Zeit bemerkenswert kritischen Blick bei der Bewertung der Quellen, was sie zu einer der wertvollsten und lesbarsten Chroniken des gesamten nordischen Mittelalters macht.

1 Werke