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Théodule-Armand Ribot

Französischer Psychologe (1839–1916), der Mann, der die Psychologie in Frankreich von der Philosophie trennte und ihr ein Programm, eine Zeitschrift und einen Lehrstuhl gab. Er begann als Philosoph an der École normale supérieure, doch seine beiden frühen Bücher — La psychologie anglaise contemporaine (1870) und La psychologie allemande contemporaine (1879) — machten den französischen Leser einerseits mit Spencer, Bain und den Assoziationisten, andererseits mit Fechner, Wundt und den Laboratorien bekannt und forderten, die Psychologie müsse wie eine Naturwissenschaft vorgehen, ohne Metaphysik und ohne Seele. 1876 gründete er die Revue philosophique, 1885 erhielt er den ersten französischen Lehrstuhl für experimentelle Psychologie an der Sorbonne, 1888 wechselte er ans Collège de France.

Seine eigene Methode war eher pathologisch als experimentell: Die Krankheit, so seine These, ist das Experiment, das die Natur am Geist vornimmt, und sie löst dessen Funktionen in einer Ordnung auf, die zeigt, wie sie aufgebaut waren. Daraus entstand die Trilogie, die ihn bekannt machte — Les maladies de la mémoire (1881), Les maladies de la volonté (1883), Les maladies de la personnalité (1885) — und das noch heute zitierte Ribotsche Gesetz, wonach der Abbau vom Jüngeren zum Älteren, vom Komplexen zum Einfachen, vom Willkürlichen zum Automatischen verläuft, so dass ein versagendes Gedächtnis die vergangene Woche früher verliert als die Kindheit.

Seine späteren Werke, vor allem La psychologie des sentiments (1896) und der Essai sur l'imagination créatrice (1900), wandten sich dem Gefühl und der Erfindung zu, Gebieten, die die Laboratorien seiner Zeit beiseitegelassen hatten, und im ersten davon prägte er den Namen Anhedonie für die Unfähigkeit, Lust zu empfinden. Janet, Binet und Dumas waren seine Schüler oder Erben, und die französische Psychologie lebte zwei Generationen lang in dem Rahmen, den er gesetzt hatte.

1 Werk