Laokoon, oder Über die Grenzen der Malerei und Poesie
- Language:
- German
- Status:
- Complete work
- Authorship:
- Written by the author
VORREDE. ARGUMENT. Painting and Poetry, thoügh they have the same object, — to delight OS through the Imitation of reality, — differ greatly in character. This difference, arising from the difference of the material in which they vvork and from the different manner in which they proceed, has been frequently overlooked both by critics and artists. The former applied the same Standard to the productions of the two arts and produced thereby a lamentable confusion injurious to those arts themselves ; the latter, led astray by a false criticism, feil into grievons errors ; painters especially into a rage for allegory, poets into a rage for description. To attempt to assign to each of these two arts its proper sphere is the object of this treatise. Der erste, welcher die Malerei und Poesie mit einander verglich, war ein Mann von feinem Gefühle, der von beiden Künsten eine ähnliche Wirkung auf sich verspürte. Beide, empfand er, stellen uns abwesende Dinge als gegenwärtig, den Schein als Wirklichkeit vor; beide täuschen, und beider 5 Täuschung gefällt. Ein zweiter suchte in das Innere dieses Gefallens einzu- dringen, und entdeckte, dass es bei beiden aus einerlei Quelle fliesse. Die Schönheit, deren Begriff wir zuerst von körper- lichen Gegenständen abziehen, hat allgemeine Regeln, die 10 sich auf mehrere Dinge anwenden lassen; auf Handlungen, auf Gedanken, sowohl als auf Formen. 4 LAOKOON. Ein dritter, welcher über den Werth und über die Verthei- lung dieser allgemeinen Regeln nachdachte, bemerkte, dass einige mehr in der Malerei, andere mehr in der Poesie herrschten ; dass also bei diesen die Poesie der Malerei, bei 5 jenen die Malerei der Poesie mit Erläuterungen und Bei- spielen aushelfen könne. Das erste war der Liebhaber; da
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