Google to make the world's books discoverablc online.
It has survived long enough for the Copyright to expire and the book to enter the public domain. A public domain book is one that was never subject to Copyright or whose legal Copyright term has expired. Whether a book is in the public domain may vary country to country. Public domain books are our gateways to the past, representing a wealth of history, cultuie and knowledge that's often difficult to discover.
Marks, notations and other maiginalia present in the original volume will appear in this flle - a reminder of this book's long journcy from the publisher to a library and finally to you.
Usage guidelines Google is proud to partner with libraries to digitize public domain materials and make them widely accessible. Public domain books belong to the public and we are merely their custodians. Nevertheless, this work is expensive, so in order to keep providing this resource, we have taken Steps to prcvcnt abuse by commercial parties, including placing lechnical restrictions on automated querying. We also ask that you: personal, non-commercial purposes.
+ Refrain fivm automated querying Do not send automated queries of any sort to Google's System: If you are conducting research on machinc translation, optical character recognition or other areas where access to a laige amount of text is helpful, please contact us. We encouragc the use of public domain materials for these purposes and may be able to help.
+ Maintain attributionTht GoogXt "watermark" you see on each flle is essential for informingpcoplcabout this projcct and hclping them lind + Keep it legal Whatever your use, remember that you are lesponsible for ensuring that what you are doing is legal. Do not assume that just because we believe a book is in the public domain for users in the United States, that the work is also in the public domain for users in other countries. Whether a book is still in Copyright varies from country to country, and we can'l offer guidance on whether any speciflc use of anywhere in the world. Copyright infringement liabili^ can be quite severe.
discover the world's books while hclping authors and publishers rcach ncw audicnccs. You can search through the füll icxi of ihis book on the web Google IJber dieses Buch Dies ist ein digitales Exemplar eines Buches, das seit Generationen in den Realen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von Google im Rahmen eines Projekts, mit dem die Bücher dieser Welt online verfugbar gemacht werden sollen, sorgfältig gescannt wurde. Das Buch hat das Uiheberrecht überdauert und kann nun öffentlich zugänglich gemacht werden. Ein öffentlich zugängliches Buch ist ein Buch, das niemals Urheberrechten unterlag oder bei dem die Schutzfrist des Urheberrechts abgelaufen ist. Ob ein Buch öffentlich zugänglich ist, kann von Land zu Land unterschiedlich sein. Öffentlich zugängliche Bücher sind unser Tor zur Vergangenheit und stellen ein geschichtliches, kulturelles und wissenschaftliches Vermögen dar, das häufig nur schwierig zu entdecken ist.
Gebrauchsspuren, Anmerkungen und andere Randbemerkungen, die im Originalband enthalten sind, finden sich auch in dieser Datei - eine Erin- nerung an die lange Reise, die das Buch vom Verleger zu einer Bibliothek und weiter zu Ihnen hinter sich gebracht hat.
Nu tzungsrichtlinien Google ist stolz, mit Bibliotheken in Partnerschaft lieber Zusammenarbeit öffentlich zugängliches Material zu digitalisieren und einer breiten Masse zugänglich zu machen. Öffentlich zugängliche Bücher gehören der Öffentlichkeit, und wir sind nur ihre Hüter. Nie htsdesto trotz ist diese Arbeit kostspielig. Um diese Ressource weiterhin zur Verfügung stellen zu können, haben wir Schritte unternommen, um den Missbrauch durch kommerzielle Parteien zu veihindem. Dazu gehören technische Einschränkungen für automatisierte Abfragen. Wir bitten Sie um Einhaltung folgender Richtlinien: + Nutzung der Dateien zu nichtkommerziellen Zwecken Wir haben Google Buchsuche Tür Endanwender konzipiert und möchten, dass Sie diese Dateien nur für persönliche, nichtkommerzielle Zwecke verwenden.
+ Keine automatisierten Abfragen Senden Sie keine automatisierten Abfragen irgendwelcher Art an das Google-System. Wenn Sie Recherchen über maschinelle Übersetzung, optische Zeichenerkennung oder andere Bereiche durchführen, in denen der Zugang zu Text in großen Mengen nützlich ist, wenden Sie sich bitte an uns. Wir fördern die Nutzung des öffentlich zugänglichen Materials fürdieseZwecke und können Ihnen unter Umständen helfen.
+ Beibehaltung von Google-MarkenelementenDas "Wasserzeichen" von Google, das Sie in jeder Datei finden, ist wichtig zur Information über dieses Projekt und hilft den Anwendern weiteres Material über Google Buchsuche zu finden. Bitte entfernen Sie das Wasserzeichen nicht.
+ Bewegen Sie sich innerhalb der Legalität Unabhängig von Ihrem Verwendungszweck müssen Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst sein, sicherzustellen, dass Ihre Nutzung legal ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass ein Buch, das nach unserem Dafürhalten für Nutzer in den USA öffentlich zugänglich ist, auch für Nutzer in anderen Ländern öffentlich zugänglich ist. Ob ein Buch noch dem Urheberrecht unterliegt, ist von Land zu Land verschieden. Wir können keine Beratung leisten, ob eine bestimmte Nutzung eines bestimmten Buches gesetzlich zulässig ist. Gehen Sie nicht davon aus, dass das Erscheinen eines Buchs in Google Buchsuche bedeutet, dass es in jeder Form und überall auf der Welt verwendet werden kann. Eine Urheberrechtsverletzung kann schwerwiegende Folgen haben.
Über Google Buchsuche Das Ziel von Google besteht darin, die weltweiten Informationen zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen. Google Buchsuche hilft Lesern dabei, die Bücher dieser We lt zu entdecken, und unterstützt Au toren und Verleger dabei, neue Zielgruppcn zu erreichen. Den gesamten Buchtext können Sie im Internet unter |http: //books. google.coiril durchsuchen.
ERSTER BAND.
^iti LEIPZIG VERLAG VON DDNCKER & HÜMBLOT.
Das Becht der üebersetznng wie alle anderen Bechte yorbehalten.
Die Yexlagshandlang.
Vorwort.
Die Aufschrift, die ich meinem Werke gegeben, kenn- zeichnet dasselbe nach Gegenstand und Methode. Mein Standpunkt in der Psychologie ist der empirische; die Er- fahrung allein gilt mir als Lehrmeisterin: aber mit Anderen theile ich die Ueberzeugung, dass eine gewisse ideale An- schauung mit einem solchen Standpunkte wohl vereinbar ist. Näher wird sich die Weise, wie ich die Methode der Psycho- logie auffasse, in dem ersten der sechs Bücher zu erkennen geben, in welche das Werk zerfällt. Dieses Buch bespricht die Psychologie als Wissenschaft, das nächste die psychischen Phänomene im Allgemeinen; und ihnen werden der Eeihe nach folgen ein Buch, welches die Eigenthümlichkeiten und Gesetze der Vorstellungen, ein anderes, welches die der ür- theile und wieder eines, welches die der Gemüthsbewegungen und des Willens im Besonderen untersucht. Das letzte Buch endlich soll von der Verbindung unseres psychischen mit un- serem physischen Organismus handeln, und dort werden wir uns auch mit der Frage beschäftigen, ob ein Fortbestand des psychischen Lebens nach dem Zerfalle des Leibes denk- bar sei.
,H So umfasst der Plan des Werkes die verschiedenen -i Hauptgebiete der Psychologie sämmtlich.
r Seine Absicht ist aber nicht die, ein Compendium der Psychologie zu sein, obwohl es Klarheit und Fasslichkeit auch fttr einen weiteren Kreis derjenigen, die sich für philosophische 1 ■i I } VI Vorwort.
Forschungen interessiren, anstrebt. Es verweilt oft bei der einzelnen Frage mit nicht geringer Ausführlichkeit und ist nicht so sehr auf Vollständigkeit im Ausbau als auf Sicher- heit in der Grundlage bedacht. Dabei mag es geschehen, dass Manchem meine Sorgfalt übertrieben und lästig scheint. Aber ich höre diesen Vorwurf lieber als den, dass ich meine Behauptungen nicht genug zu rechtfertigen mich bemüht habe. Nicht sowohl Vielheit und Allseitigkeit in den Lehr- sätzen als Einheit in der Ueberzeugung ist was auf psychi- schem Gebiet uns zunächst Noth thut. Wir müssen hier das zu gewinnen trachten, was die Mathematik, Physik, Chemie und Physiologie, die eine früher, die andere später, schon er- reicht haben; einen Kern allgemein anerkannter Wahrheit, an welchen dann bald, durch das Zusammenwirken vieler Kräfte, von allen Seiten her neue Krystalle anschiessen wer- den. An die Stelle der Psychologieen müssen wir eine Psychologie zu setzen suchen.
Auch eine specifisch nationale Psychologie — und wenn es sogar eine deutsche wäre — darf es so wenig geben, als es eine specifisch deutsche Wahrheit gibt. Und darum habe ich in meinem Werke die hervorragenden Leistungen der modernen englischen Philosophen nicht minder als die der deutschen berücksichtigt.
Durch Compromisse freilich nach den verschiedenen Sei- ten hin wäre der Wissenschaft schlecht gedient. Sie würden der Einheit und U.ebereinstimmung der Lehrenden die Ein- heit und Einheitlichkeit der Lehre in sich selbst zum Opfer bringen. Auch hat nie etwas Anderes mehr als der Eklek- ticismus zu einer Zersplitterung der philosophischen Ansichten geführt.
Wie auf dem Gebiete der Politik, so ist auf dem der Wissenschaft eine Einigung ohne Krieg kaum durchführbar; nur soll es sich freiüch bei den wissenschaftlichen Kämpfen am Allerwenigsten darum handeln, dass die Meinung dieses oder jenes Forschers, sondern nur darum, dass die Wahrheit siege. Keine Herrschbegier, sondern das Verlangen nach gemeinsamer Unterordnung unter die eine Wahrheit soll Vorwort. VII I Vorwort. VII I dazu treiben. Wenn ich darum rücksichtslos darauf ausging die Ansichten Anderer zu widerlegen und zu beseitigen, wo immer ich sie als irrig zu erkennen glaubte: so werde ich es doch auch gerne und dankbar annehmen, wenn ich statt dessen meinerseits von ihnen eine Berichtigung erfahre. Wenn man aber findet, dass gerade die angesehensten Forscher, wie Mill und Bain, Fechner, Lotze, Helmholtz und andere in diesen oder den noch folgenden Untersuchungen häufiger oder nachdrücklicher bekämpft werden: so möge man darin nicht ein Streben erkennen, ihr Verdienst herabzusetzen, oder die Macht ihrer Einwirkung zu schwächen; im Gegentheile ist es ein Zeichen, dass, wie Andere, auch ich ihren Einfluss in besonderem Maasse erfahren habe und, nicht bloss wo ich ihre Lehre annahm, sondern auch da wo ich zur Bestreitung ihrer Ansicht geführt wurde, mich durch sie gefördert fühlte. Wie ich, so wünschte ich darum, dass auch Andere aus der eingehenden Prüfung derselben Gewinn ziehen möchten.
Manchmal allerdings wird sich meine Polemik gegen Mei- nungen wenden, denen ich in sich selbst kein so hohes In- teresse zugestehen kann. Und was mich dazu trieb, auch auf sie weitläufiger einzugehen, waren nur eine ungebührliche Verbreitung und ein beklagenswerther Einfluss, welchen sie gegenwärtig auf ein Publicum gewonnen haben, das in Sachen der Psychologie weniger noch als anderwärts auf wissenschaft- liche Strenge Anspruch zu machen gelernt hat.
Mehr als einmal wird man finden, dass ich bisher un- erhörte Behauptungen aufstellte. Doch wird man, glaube ich, in jedem Falle sich auch leicht überzeugen, dass Neuerungs- sucht nicht im Geringsten dabei betheiligt war. Im Gegen- theile wich ich nur ungern, aber durch die überwiegende und, für mich wenigstens, überwältigende Macht der Gründe ge- nöthigt, hin und wieder in solcher Weise von allen herge- brachten Auffassungen ab. Indessen wird man selbst da, wo ich am Meisten als Neuerer auftrete, gewöhnlich bei näherer Betrachtung erkennen, dass meine Ansicht, wenigstens von der einen oder anderen Seite her, schon angebahnt war. Ich habe nicht unterlassen, auf solche Vorbereitungen hinzuweisen, VIII Vorwort.
und auch dann, wenn sich meine Anschauung ohne jeden Zusamjnenhang mit einer früheren, ihr ähnlichen entwickelt hatte, versäumte ich nicht dieser Erwähnung zu thun, weil es mir nicht darauf ankam, als der Erfinder einer neuen, sondern als der Vertreter einer wahren und gesicherten Lehre zu erscheinen.
Wenn sich uns aber die seitherigen Annahmen zuweilen nur als die Anbahnung einer richtigeren Lehre erweisen wer- den: so kann, was ich gebe, natürlich auch nicht mehr sein, als eine schwache Vorbereitung künftiger Leistungen von grösserer Vollkommenheit. Eine Philosophie, die sich in un- seren Tagen für einen Augenblick 4as Ansehen eines Ab- schlusses aller Wissenschaft zu geben wusste, wurde sehr bald, nicht als unübertrefflich, wohl aber als unverbesserlich erkannt. Jede wissenschaftliche Lehre, die keine weitere Entfaltung zu vollkommenerem Leben zulässt, ist ein todtge- borenes Kind. Die Psychologie aber insbesondere ist gegen- wärtig in einem Zustande, bei welchem diejenigen eine ge- ringere Kenntniss von ihr verrathen, welche viel in ihr zu wissen behaupten, als jene, welche mit Sokrates bekennen: „ich weiss nur Eines; nämlich — dass ich nichts weiss."
Doch die Wahrheit liegt in keinem der Extreme. Es sind Anfänge einer wissenschaftlichen Psychologie vorhanden, unscheinbar in sich selbst, aber sichere Zeichen für die Mög- lichkeit einer volleren Entwickelung, die, wenn auch späten Geschlechtern, einst reiche Früchte bringen wird.
Aschaffenburg, am 7. März 1874.
INHALTSVEEZEICHNISS.
Erstes^ einleitendes Buch.
Von der Psychologie als Wissenschaft.
Seite.
Erstes CapiteL lieber Begriff und Aufgabe der psy- chischen Wissenschaft 3 §. 1. Definition der Psychologie als der Wissenschaft von der Seele 4 §. 2. Definition der Psychologie als der Wissenschaft von den psychischen Phänomenen 10 §. 3. Eigenthümlicher Werth der Psychologie 24 Zweites Capitel. Ueber die Methode der Psychologie, insbesondere die Erfahrung, welche für sie . die Grundlage bildet 34 §. 1. Besonderes Interesse, welches sich an die Betrachtung der Methode der Psychologie knüpft 34 §. 2. Die innere Wahrnehmung als Quelle psychologischer Er- fahrung. Sie darf nicht mit innerer Beobachtung ver- wechselt werden ' 35 §. 3. Betrachtung früherer psychischer Phänomene im Ge- dächtnisse 42 §. 4. Indirecte Erkenntniss fremder psychischer Phänomene aus ihren Aeusserungen 45 §. 5. Studium eines Seelenlebens, das einfacher ab das unserige ist 49 §. 6. Betrachtung krankhaften Seelenlebens 51 §. 7. Studium hervorragender Thatsachen im Leben Einzelner wie in dem der Völker 52 ^ Drittes CapiteL Fortsetzung der Untersuchungen über i die Methode der Psychologie. Von der Ini duction der höchsten psychischen Gesetze. 55 §.1. Die inductive Feststellung der allgemeinsten Eigenthüm- ' lichkeiten setzt nicht die Erkenntniss der mittleren Ge- setze voraus 55 §. 2. Unentbehrlichkeit einer Bestimmung der Grundclassen der psychischen Erscheinungen. Umstände, die sie möglich machen und er leichtem 55 §. 3. Eine der ersten und allgemein wichtigsten Untersuchungen ist die über die psychischen Elemente 57 / X Inhaltsverzeichniss.
Seite.
§. 4. Die höchsten Gesetze der Succession psychischer Phäno- mene, zu welchen die Induction aus innerer Erfahrung führt, sind streng genommen empirische Gesetze...58 §. 5. lieber den Versuch von Horwicz, die Psychologie auf Physiologie zu gründen 60 §. 6. Ueber die Gründe, um derentwillen Maudsley die Erfor- schung der psychischen Phänomene nur auf physiolo- gischem Wege für möglich hält 68 §. 7. Ob es bei dem gegenwärtigen Stande der Physiologie räthlich sei, auf Grund ihrer Data eine Bückführung der Succession psychischer Phänomene auf eigentliche Grundgesetze anzustreben? 82 Viertes CapiteL Fortsetzung der Untersuchungen über die Methode der Psychologie. Ungenauig- keit ihrer höchsten Gesetze. Deduction und Verification 85 §. 1. Ohne die Messung der Intensität der psychischen Phäno- mene können exacte Gesetze ihrer Aufeinanderfolge nicht gefunden werden 85 §. 2. Ueber die Versuche von Herbart und Fechner Maassbe- stimmungen dafür zu finden 87 §. 3. Von der Ableitung besonderer Gesetze der Aufeinander- folge psychischer Erscheinungen mittels der deductiven und der sogenannten umgekehrten deductiven Methode 93 §. 4. Von dem Verfahren, welches bei der Untersuchung über die Unsterblichkeit einzuhalten ist 95 Zweites Buch. Von den psychischen Phänomenen im All- gemeinen.
Erstes CapiteL Von dem Unterschiede der psychischen und physischen Phänomene 101 § 1. Nothwendigkeit eingehenderer Untersuchung der Frage.. 101 §. 2. Erläuterung des Unterschiedes di:^rch Beispiele...102 §. 3. Die psychischen Phänomene sind Vorstellungen oder haben Vorstellungen zur Grundlage 104 §. 4. Bestimmung der psychischen Phänomene durch-den Mangel der AusdehnuDg. Widerspruch, der sich gegen diese Bestimmung erhebt 111 §. 5. Charakteristisch für die psyohischen Phänomene, ist die Beziehung auf ein Object 115 §. 6. Psychische Phänomene können nur durch inneres Be- wusstsein wahrgenommen werden; für physische ist nur äussere Wahrnehmung möglich US Inhaltsverzeichniss. XI Seite.
§. 7. Physische Phänomene können nur phänomenal, psychische auch in Wirklichkeit existix-en.120 §. 8. Ob, und in welchem Sinne etwa, es richtig sei, dass von psychischen Phänomenen immer nur eines nach dem anderen, von physischen viele zugleich bestehen...122 §. 9. Rückblick auf die Begriffsbestimmungen der physischen und psychischen Wissenschaft 126 Zweites CapiteL. Vom inneren Bewusstsein 131 §. 1. In welchem Sinne wir uns des Wortes „Bewusstsein" be- dienen 131 §. 2. Gibt es ein unbewusstes Bewusstsein? Uneinigkeit der Philosophen. Scheinbare Unmöglichkeit, die Frage zu entscheiden 1 33 §. 3. Vier Wege, auf welchen der Nachweis eines unbewussten Bewusstseins versucht werden kann 137 §. 4; Versuche durch Schluss von der Wirkung auf die Ur- sache die Existenz eines unbewussten Bewusstseins dar- zuthun und ihr Misslingen 138 §. 5. Versuche durch Schluss von der Ursache auf die Wir- kung dasselbe zu erreichen. Auch sie erweisen sich als ungenügend.151 §. 6. Versuch, welcher sicli auf ein functionelles Verhältniss zwischen dem bewussten psychischen Phänomene und dem darauf bezüglichen Bewusstsein stützt. So weit ein solches erkennbar ist, spricht es vielmehr gegen die Annahme. 156 §. 7. Versuch, welcher sich darauf stützt, dass die Annahme, jedes psychische Phänomen sei Object eines psychischen Phänomens, zu einer unendlichen Verwickelung führe. 159 §. 8. Vorstellung und Vorstellung von der Vorstellung sind in ein und demselben Acte gegeben 166 ^ §. 9. Warum keine innere Beobachtung möglich sei, und warum die Annahme, jedes psychische Phänomen sei bewusst, zu keiner unendlichen Verwickelung führe...168 §. 10. Bestätigung des Gesagten durch das übereinstimmende Zeugniss verschiedener Psychologen 170 §. 11. Warum man gemeiniglich glaubt, die begleitende Vor- stellung sei mit der begleiteten von gleicher Intensität. 1 74 §. 12. Einwand, der sich auf die Wahrnehmung des Nichthörens stützt, und Lösung des Einwandes 176 §. 13. Es gibt keine unbewusste psychische. Thätigkeit...178 Drittes Capitel. Weitere BetrachtungenliBTr das in- nere Bewusstsein 181 §. 1. Mit den psychischen Acten ist oft ein darauf bezügliches Urtheil verbunden. 182 * Xn Inhaltsverzeichniss.
Seite.
§. 2. Die begleitende innere Erkenntniss ist in dem begleiteten Acte selbst beschlossen..: 182 §. 3. Das begleitende innere Ürtheil zeigt nicht eine Zasammensetzang aus Subject und Prädicat. 185 §. 4. Jeder psychische Act wird innerlich wahrgenommen.. 187 §. 5. Häufig besteht in uns ausser der Vorstellung und Er- kenntniss noch eine dritte Art von Bewusstsein des psychischen Actes, ein Gefühl, das sich auf ihn bezieht und ebenfalls in ihm selbst enthalten ist 188 §. 6. Auch diese Art des inneren Bewusstseins begleitet aus- nahmslos alle unsere psychischen Thätigkeiten...193 §. 7. Rückblick auf die Ergebnisse der beiden letzten Capitei 202 Viertes CapiteL Von der Einheit des Bewusstseins.. 204 §. 1. Stellung der Frage...'. 204 §. 2. Unsere gleichzeitigen psychischen Thätigkeiten gehören sämmtlich zu 6iner realen Einheit 206 §. 3. VTas besagt die Einheit des Bewusstseins, und was besagt ^ sie nicht? 214 §. 4. Die Eiuwände von C. Ludwig und A. Lange gegen die Einheit des Bewusstseins und gegen den Beweis, der uns dieser Thatsachen versichert 22 1 Fttnftes Capitei. üeb^rblick über die vorzüglichsten Versuche einer Classification der psychi- schen Phänomene 233 §. 1. Platon's Unterscheidung eines begierlichen, zornmüthigen und vernünftigen Seelentheiles 233 §. 2. Die (rrundeintheilungen der psychischen Phänomene bei , Aristoteles 236 §. 3. Nachwirkung der Aristotelischen Classificationen. Wolff.
Hume. Reid. Brown 238 §. 4. Die Dfeitheilung in Vorstellung, Gefühl und Begehren. Tetens. Mendelssohn. Kant. Hamilton. Lotze. Wel- ches war das eigentlich maassgebende Princip?...239 §. 5. Annahme der drei Glieder der Eintheilung von Seiten der §. 6. Die Eintheilungen von Bain 252 §. 7. Bückblick auf die zum Behuf einer Grundeintheilung an- gewandten Principien 255 Sechstes Capitei./ Eintheilung der Seelenthätigkeiten in Vorstellungen, Urtheile und Phänomene der Liebe und des Hasses 256 §. 1. Verwerfung der Grundeintheilungen, die nicht aus dem Studium der psychischen Erscheinungen hervorgehen. 256 Inhal tsverzeichniss. XIII Seite.
§. 2. Eine Grundeintheilung, welche die verBcbiedene Weise der Beziehung zum immanenten Objecte zum Principe nimmt, ist gegenwärtig jeder anderen vorzuziehen 257 §. 3. Die drei natürlichen Grundclassen sind: Vorstellungen, Urtheile und Phänomene der Liebe und des Hasses 260 §. 4. Welches Verfahren zur Bechtfeii;igung und Begründung dieser Eintheilung einzuschlagen sei 263 Siebentes Capitel. Vorstellung und Urtbeil zwei ver- schiedene Grundclassen 266 §. ]. Zeugniss der inneren Erfahrung 266 §. 2. Der Unterschied zwischen Vorstellung und Urtbeil ist ein Unterschied in den Thätigkeiten selbst 267 §. 3. Er ist kein Unterschied der Intensität 270 §. 4. Er ist kein Unterschied des Inhaltes 271 §. 5. Es ist nicht richtig, dass die Verbi;idung von Subject und Prädicat oder eine andere derartige Combination zum Wesen des Urtheils gehört. Dies zeigt erstens die Betrachtung des affirmativen und negativen Existentialsatzes; 276 §. 6. zweitens bestätigt es sich im Hinblicke auf die Wahr- nehmungen, und insbesondere auf die Bedingungen der ersten Wahrnehmungen; 277 §. 7. drittens ergibt es sich aus der Bückführbar keit aller Aussagen auf Existentialsätze 279 §. 8. Es bleibt hienach nichts übrig als die Eigenthümlichkeit des Urtheils in der besonderen Beziehungsweise auf seinen Inhalt zu erkennen ' 289 §. 9. Alle Eigenthümlichkeiten, die anderwärts den fundamen- talen Unterschied in der Weise der Beziehung zum Gegen- stande kennzeichnen, finden sich auch in unserem Falle 290 §. 10. Rückblick auf die dreifache Weise der Begründung.. 295 §. 11. Die irrige Auffassung des Verhältnisses von Vorstellung und Urtbeil wurde dadurch veranlasst, dass in jedem Acte - des Bewusstseins eine Erkenntniss beschlossen ist.. 295 §. 12. Dazu kamen sprachliche Gründe der Täuschung: einmal die gemeinsame Bezeichnung als Denken; 298 §.13. dann der Ausdruck in Sätzen 299 §. 14. Polgen der Verkennung der Natur des Urtheils für die Metaphysik, 300 §. 16. für die Psychologie 305 Achtes Capitel. Einheit der Grundclasse für Gefühl und Willen 306 i 4 XIV Inhaltsverzeichniss.
Seite §. 1. Die innere Erfahrung lehrt die Einheit der Grundclasse für Gefühl und Willen; einmal, indem sie uns mittlere Zustände zeigt, durch welche zwischen ihnen ein all- mäliger, continuirlicher Uebergang gebildet wird;.. 306 §, 2. dann, indem sie uns den übereinstimmenden Charakter ihrer Beziehungen auf den Inhalt erkennen lässt...31J §. 3. Nachweis, dass jedes Wollen und Begehren auf etwas als gut oder schlecht gerichtet ist. Die Philosophen aller Zeiten sind darin einig...314 §. 4. Nachweis, dass hinsichtlich der Gefühle dasselbe gilt. 3 Iß §. 5. Charakter der Classenunterschiede innerhalb des Gebie- tes von Gefühl und Willen: Definirbarkeit mit Hülfe der zu Grunde liegenden Phänomene; 323 §. 6. untergeordnete Verschiedenheiten der Beziehungsweise zum Objecte 326 §. 7. Keine von den Eigenthümlichkeiten, welche in anderen Fällen die fundamentale Verschiedenheit in der Weise der Beziehung zum Gegenstande kennzeichnen, charak- terisirt den Unterschied von Gefühl und Willen...328 .§. 8. Rückblick auf die vorangegangene dreifache Erörterung. 333 §. 9. Die vornehmsten Ursachen, welche die Täuscjiung über 'das Verhältniss von Gefühl und Willen veranlassten, waren folgende: Erstens die besondere Vereinigung des inneren Bewusstseins mit seinem Objecte war leicht mit einer besonderen Weise des Bewusstseins zu verwechseln 334 §. 10. Zweitens setzt das Wollen eine aus dem Vermögen der Liebe unableitbare Fähigkeit des Wirkens voraus.. 336 §.11. Dazu kam ein sprachlicher Anlass: die ungeeignete Bezeich- nung der gemeinsamen Classe mit dem Namen Begehren 339 §. 12. Auch förderte die Verkennung des Verhältnisses von Vor- stellung und Urtheil die Täuschung über jenes von Gefühl und Willen. Beziehung der drei Ideen des Schönen, Wahren und Guten zu den drei Grundclassen...340 INeantes Capitel. Vergleich der drei Grundclassen mit dem dreifachen Phänomen des inneren Be- wusstseins. Bestimmung ihrer natürlichen Ordnung 346 §., 1. Je eiaes der drei Momente des inneren Bewusstseins ent- spricht einer der drei Classen der psychischen Phänomene. 346 §. 2. Die natürliche Ordnung der drei Grundclassen ist diese: erstens Vorstellung, zweitens Urtheil, drittens Liebe. 348 I* I» il PSYCHOLOGIE ERSTER BAND.
VON DER PSYCHOLOGIE ALS WISSENSCHAFT» Brentano, Psychologie. I.
Erstes Capitel.
lieber Begriff nnd Aufgabe der psychischen Wissenschaft.
Was im Anfang, wohlbekannt und offenbar, für das Ver- borgne die Erklärung schien, und was später, vor Anderem geheimnissvoll, Staunen und Wissbegier erweckte; woran die grossen Denker des Alterthums am Meisten mit Eifer sich abmühten, und worüber Eintracht und Klarheit noch heute am Wenigsten erzielt sind: das sind die Erscheinungen, die auch ich wieder forschend betrachtete, und von deren Eigen- thümlichkeiten und Gesetzen ich hier, in allgemeinen Zügen, ein berichtigtes Bild zu geben suche. Kein Zweig des Wissens hat geringere Früchte für Natur und Leben getragen, und keiner ist, von welchem wesentUchere Bedürfnisse ihre Befrie- digung hoffen. Kein Theil ist — die Metaphysik allein aus- genommen —, auf welchen die Mehrzahl mit grösserer Ver- richtung zu blicken pflegt, und keiner doch ist, welcher von Einzelnen so hoch und werth gehalten wird. Ja das gesammte Reich der Wahrheit würde Manchem arm und verächtlich scheinen, wenn es nicht auch dieses Gebiet mitzuumfassen bestimmt wäre; und alles andere Wissen glaubt er vorzüg- lich darum ehren zu sollen, weil es zu diesem Wissen die Wege bahnt. Andere Wissenschaften sind in der That der Unterbau; diese gleicht dem krönenden Abschlüsse. Alle be- reiten sie vor; von allen hängt sie ab. Aber auf alle soll sie 4 Buch I. Die Psychologie als Wissenschaft auch wieder ihrerseits die kräftigste Rückwirkung üben. Das ganze Leben der Menschheit soll sie erneuern; den Fort- schritt beschleunigen und sichern. Und wenn sie darum einerseits wie die Zinne am thurmartigen Gebäude der Wissen- schaft erscheint, so hat sie andererseits die Aufgabe, Grund- lage der Gesellschaft und ihrer edelsten Güter, und somit auch Grundlage aller Bestrebungen der Forscher zu werden.
§. 1. Der Namen Psychologie besagt: Wissenschaft von der Seele. Wirklich gab Aristoteles, der zuerst die Wissenschaft gliederte und besondere Zweige in besonderen Schriften darlegte, einem seiner Werke die Ueberschrift: ^bqI ipvxrjg. Er verstand unter Seele die Natur oder, wie er sich mit Vorliebe ausdrückte, die Form, die erste Wirklichkeit,, die erste Vollendung^) eines Lebendigen. Lebendig aber nannte er das, was sich nährt, wächst und zeugt, und empfindend und denkend sich bethätigt, oder auch nur zu irgend einer von diesen Leistungen fähig ist. Weit davon entfernt, einer Pflanze Bewusstsein zuzuschreiben, erklärte er doch auch das Pflanzenreich für lebendig und beseelt. Und so behandelt denn das älteste psychologische Werk nach Feststel- lung des Begriffs der Seele die allgemeinsten Eigenthümlichkei- ten, die sowohl in Bezug auf die vegetativen wie in Bezug auf die sensitiven und intellectiven Bethätigungen den Dingen, die an diesen Thöil haben, zukommen.
Das war der Kreis der Fragen, den die Psychologie ur- sprünglich umschloss. Später hat sich ihr Gebiet wesentlich verengt. Von den vegetativen- Thätigkeiten sprach der Psycho- loge nicht mehr. Das ganze Reich der Pflanzen, wenn anders hier das Bewusstsein fehlt, gehörte nicht mehr in die Grenzen seiner Forschung, und auch das Reich der animaUschen Wesen, so weit diese, wie Pflanze und unorganischer Körper,. Gegenstand äusserer Wahrnehmung sind, lag ihm ausserhalb seiner Sphäre. Dies galt auch da noch, wo solche Erscheinun- *) Die, griechischen Ausdrücke sind: yrcr/f, fxogtfi^t nqmri Mgyua, Capitel 1. Begriff und Aufgabe. 5 gen in nächste Beziehung zum sensitiven Leben treten, wie dies bei dem System der Nerven und Muskeln der Fall ist. Nicht der Psychologe, der Physiologe >yar es, dem von nun an die Untersuchung darüber zufiel.
Die Beschränkung war keine willkürliche. Im Gegen- theil, sie erscheint als eine offenbare Berichtigung, geboten durch die Natur der Sache selbst. Denn nur dann sind ja die Grenzlinien der Wissenschaften richtig gezogen ^ und nur dann ist ihre Eintheilung dem Fortschritte der Erkenntniss dienlich, wenn das Verwandtere verbunden, das minder Ver- wandte getrennt wurde. Und verwandt in vorzüglichem Maasse «ind die Erscheinungen des Bewusstseins. Dieselbe Weise der Wahrnehmung gibt uns von ihnen allen Kenntniss, und höhere und niedere sind duixh zahlreiche Analogien einander nahe gerückt. Was aber die äussere Wahrnehmung uns von den lebenden Wesen zeigt, das sehen wir, wie von einer an- dern Seite, so auch in einer ganz anderen Gestalt, und die allgemeinen Thatsachen, welche wir hier finden, sind theils dieselben, theils ähnliche Gesetze wie die, welche wir die unorganische Natur beherrschen sehen.
Man könnte auch nicht ohne Grund sagen, dass Aristo- teles selbst bereits eine Andeutung der neueren und berich- tigten Umgrenzung der Psychologie gegeben habe. Und wer ihn kennt, der weiss, wie häufig sich bei ihm mit der- Dar- legung einer minder vorgeschrittenen Lehre solche Ansätze zu. einer abweichenden und richtigeren Anschauung verbinden. Sowohl seine Metaphysik als auch seine Logik und Ethik liefern dafür Belege. Im dritten Buche von der Seele also, da wo er von der willkürlichen Bewegung handelt, entschlägt er sich der Forschung nach den vermittelnden Organen zwischen dem Begehren und dem Gliede auf dessen Bewegung das Begehren gerichtet ist. Denn diese aufzusuchen, sagt er, in- dem er ganz wie ein moderner Psychologe spricht, sei nicht Sache dessen, der über die Seele, sondern dessen, der über den Leib forsche^). Doch dies nur ganz im Vorübergehen, 6 Buch I. Die Psychologie als Wissenschaft.
um vielleicht den einen oder andern der begeisterte» Anhän- ger^ die Aristoteles auch noch in unsern Tagen zählt, leichter zu überzeugen.
Wir sahen, wie das Gebiet der Psychologie sich enger zu- sammenzog. Gleichzeitig aber verengte sich der Begrifif des Lebens, oder, wenn nicht dieser — denn gerade die Männer der Wissenschaft gebrauchen das Wort noch meist in dem alten,, weiten Sinne —, so doch jedenfalls der Begriff der Seele in ziemlich analoger Weise.
Unter Seele versteht nämlich der neuere Sprachgebrauch den substantiellen Träger von Vorstellungen und andern Eigen- schaften, welche ebenso wie die Vorstellungen nur durch innere Erfahrung unmittelbar wahrnehmbar sind, und für welche Vorstellungen die Grundlage bilden; also den sub- . stantiellen Träger einer Empfindung z. B., einer Phantasie, • eines Gedächtnissactes, eines Actes von Hoffnung oder Furcht^ von Begierde oder Abscheu pflegt man Seele zu nennen.
Auch wir gebrauchen den Namen Seele in diesem Sinne, Und es scheint darum nichts im Wege zu stehen, wenn wir, trotz der veränderten Fassung, den Begriff der Psycho- logie auch heute noch mit den gleichen Worten wie einst Aristoteles bestimmen, indem wir sagen, sie sei die Wissen- schaft von der Seele. Aehnlich wie die Naturwissenschaft, welche die Eigenthümlichkeiten und Gesetze der Körper, auf die unsere äussere Erfahrung sich bezieht, zu erforschen hat, erscheint dann sie als die Wissenschaft, welche die Eigen- thümlichkeiten und Gesetze der Seele kennen lehrt, die wir in uns selbst unmittelbar durch innere Erfahrung finden und durch Analogie auch in Andern erschliessen.
So scheinen bei dieser Fassung die beiden genannten Wissenszweige das Gebiet der allgemeinen Erfahrungswissen- schaften gänzlich unter sich zu theilen und in scharfer Grenze sich von einander zu sondern.
Dennoch ist das Erste wenigstens nicht der Fall. Es gibtThatsachen, welche auf dem Gebiete der äussern und innern Erfahrung in gleicher Weise nachweisbar sind. Und diese umfassenderen Gesetze werden, gerade wegen ihres weiten Capitel 1. BegrifP und Aufgabe. 7 Umfanges, weder dem Gegenstande der Naturwissenschaft noch dem der Psychologie eigenthümlich sein. Indem sie mit glei- chem Rechte der einen wie der andern Wissenschaft zuge- hören, zeigt es sich, dass sie vielmehr zu keiner von beiden zu rechnen sind. Auch sind sie zahlreich und bedeutend ge- nug, um filr sich einen besondern Zweig der Forschung zu beschäftigen, und dieser Zweig ist es, den wir als Metaphysik von Naturwissenschaft und psychischer Wissenschaft zu unter- scheiden haben.
Aber auch die Sonderung der beiden minder allgemeinen unter den drei grossen Wissensgebieten ist keine vollständige. Wie anderwärts, wo zwei Wissenschaften sich berühren, so kann es auch hier an Grenzfragen zwischen Natur- und psy- chischer Wissenschaft nicht fehlen. Denn die Thatsachen^ welche der Physiologe, und diejenigen, welche der Psychologe betrachtet, stehen, bei aller Verschiedenheit des Charakters, doch in der innigsten Wechselbeziehung. Zu ein und der- selben Gruppe finden wir physische und psychische Eigen- schaften verbunden. Und nicht bloss werden physische Zu- stände von physischen, psychische von psychischen hervorge- rufen, sondern auch physische haben psychische und psychische physische zur Folge.
Manche haben eine eigene Wissenschaft untei-schieden, welche sich mit diesen Fragen zu beschäftigen habe. So ins- besondere Fechner, welcher dieses Gebiet des Wissens Psycho- physik und das von ihm dafür aufgestellte, berühmt gewor- dene Grundgesetz das „psycho - physische Grundgesetz" ge- nannt hat. Andere haben der minder glücklichen Bezeich- nung „physiologische Psychologie" den Vorzug gegeben^).
Hiedurch wäre den Grenzstreitigkeiten zwischen Psycho-