SigPhi · Franz Brentano

Psychologie vom empirischen Standpunkte

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läge, nicht aber die Phänomene der Liebe und des Hasses. i)er Gedanken eines Wesens, das mit der Thätigkeit zum Vorstellen die zum Urtheilen verbände, aber ohne jede Re- gung der Liebe oder des Hasses bliebe, enthält keinen Wider- spruch; und wir sind im Stande zu jenen Gesetzen des Vorstellungslaufes, von welchen wir sprachen, einen gewissen Kreis von besonderen Gesetzen des Urtheiles hinzuzufügen, worin noch von allen Phänomenen der Liebe gänzlich Um- gang genommen wird. Anderes gilt dagegen von diesen Erscheinungen, wenn man sie in ihrem Verhältniss zu den Urtheilen betrachtet. Es ist gewiss nicht nöthig, dass der- jenige, welcher etwas liebt, glaubt, dass es existire, oder auch nur existiren könne; aber dennoch ist jedes Lieben ein Lie- ben, dass etwas sei; und wenn eine Liebe die andere erzeugt, weain Eines um des Anderen willen geliebt wird, so geschieht dies nie, ohne dass ein Glauben an gewisse Beziehungen des Einen zum Anderen dabei betheiligt ist. Je nach dem Ur- theile über das Sein oder Nichtsein, die Wahrscheinlichkeit oder UnWahrscheinlichkeit dessen, was man liebt, ist der Act der Liebe bald Freude, bald Trauer, bald Hoffnung, bald Furcht, und nimmt so noch mannigfache andere Formen an. So scheint es in der That undenkbar, dass ein Wesen mit dem Vermögen der Liebe und des Hasses begabt wäre, ohne an dem des Urtheiles Theil zu haben. Und ebenso ist es un- mögüch, irgend welches Gesetz der Aufeinanderfolge für diese Gattung von Phänomenen aufzustellen, welches von den Phä- nomenen des Urtheiles gänzüch absieht. In Bezug auf Un- abhängigkeit, in Bezug auf Einfachheit, und eben darum auch in Bezug auf Allgemeinheit steht also diese Classe der des Urtheiles nach; an Allgemeinheit natürüch nur in dem Sinne, in welchem allein auch bei Vorstellung und Urtheil von einem Unterschiede der Allgemeinheit gesprochen wer- den konnte.

Man erkennt aus dem Gesagten, wie vollständig die- jenigen den wahren Zusammenhang der Thatsachen verken- nen, welche, wie es gerade in unseren Tagen von mehreren Seiten geschieht, den Willen unter allen psychischen Phäno-