SigPhi · Friedrich Engels

Der Briefwechsel zwischen Friedrich Engels und Karl Marx 1844 bis 1883, Erster B

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sie nun in diesen Wochenversammlungen loskriegen, wird Sonntags in den Barriereversammlungen, wo Krethi und Plethi hinkommt, Weib und Kind, durchgepaukt. Hier wird – _abstraction faite de toute espèce de politique_[4] – so etwas „soziale Fragen“ diskutiert. Das Ding ist gut, um neue Leute hinzuzuziehen, denn es ist ganz öffentlich, vor vierzehn Tagen war die Polizei da, wollte Veto einlegen, ließ sich aber beruhigen und hat nichts weiter getan. Oft sind über 200 Leute zusammen. – Wie diese Geschichte jetzt ist, kann sie unmöglich bleiben. Es ist eine gewisse Schläfrigkeit unter den Kerls eingerissen, die aus ihrer Langeweile über sich selbst hervorgeht. Was sie nämlich dem Schneiderkommunismus entgegensetzen, ist weiter nichts als Grünsche menschentümliche Phrasen und vergrünter Proudhon, den ihnen teils Herr Grün höchstselbst, teils ein alter aufgeblasener Schreinermeister und Knecht Grüns, Papa Eisermann, teils aber auch Amicus E[werbeck] mit Mühe und Not eingebleut hat. Das ist ihnen natürlich bald alle geworden, eine ewige Repetition trat ein, und um sie vor dem _Einschlafen_ (buchstäblich, dies riß furchtbar in den Sitzungen ein) zu bewahren, quälte sie Ewerbeck mit spitzfindigen Disquisitionen über den „wahren Wert“ (den ich teilweise auf dem Gewissen habe) und ennuyiert sie mit den germanischen Urwäldern, Hermann dem Cherusker und den scheußlichsten altdeutschen Etymologien nach Adelung, die alle falsch sind.

Übrigens ist nicht Ewerbeck der eigentliche Chef dieser Leute, sondern J[unge], der in Brüssel war; der Kerl sieht sehr gut ein, was geändert werden muß, und könnte sehr viel tun, denn er hat sie alle in der Tasche und zehnmal mehr Verstand wie die ganze Clique, aber er ist zu wackelhaft und macht immer neue Projekte. Daß ich ihn seit beinahe drei Wochen nicht gesehen – er kam nie und ist nirgends zu finden –, ist die Ursache, daß noch so wenig ausgerichtet ist. Ohne ihn sind die meisten schlapp und schwankend. Man muß aber mit den Kerls Geduld haben; zuerst muß der Grün ausgetrieben werden, der wirklich direkt und indirekt einen schauderhaft erschlaffenden Einfluß ausgeübt hat, und dann, wenn man ihnen diese Phrasen aus dem Kopf gebracht, hoffe ich, mit den Kerls zu etwas zu kommen, denn sie haben alle einen großen Drang nach ökonomischer Belehrung. Da ich Ewerbeck, der bei bekannter, jetzt im höchsten Grade blühender Konfusion den besten Willen von der Welt hat, ganz in der Tasche habe, und J[unge] auch vollständig auf meiner Seite ist, so wird sich das bald machen. Wegen der Korrespondenz habe ich mit Sechsen beraten. Der Plan fand, besonders bei J[unge], sehr großen Anklang und wird von hier aus ausgeführt werden. Solange aber nicht durch Zerstörung des persönlichen Einflusses des Grün und Ausrottung seiner Phrasen wieder Energie unter die Leute gebracht ist, so lange ist bei großen materiellen Hindernissen (besonders Engagement fast aller Abende) nichts zu machen. Ich habe ihnen offeriert, dem Grün in ihrer Gegenwart seine persönlichen Schuftereien ins Gesicht zu sagen, und B[ernay]s will auch kommen – Ewerbeck hat auch ein Hühnchen mit ihm zu pflücken –. Dies wird geschehen, sobald sie ihre eigenen Sachen mit Grün abgemacht, das heißt Garantie für das zum Druck des Grünschen Landtagsmistes vorgeschossene Geld bekommen haben. Da J[unge] aber nicht kam und die übrigen sich wie Kinder benahmen gegenüber dem Grün, so ist auch das noch nicht in Ordnung, obwohl bei einiger Energie das Ding in fünf Minuten abgemacht wäre. Das Pech ist, die meisten dieser Kerls sind Schwaben.

2. Jetzt etwas Ergötzliches. Proudhon hat in dem neuen, noch ungedruckten Buche, was Grün verdolmetscht, einen großen Plan, Geld aus Nichts zu machen und allen Arbeitern das Himmelreich nahe zu rücken.

Niemand wußte, was das war. Grün hielt sehr hinter dem Berge, renommierte aber sehr mit seinem Stein der Weisen. Allgemeine Spannung.

Endlich vorige Woche war Papa Eisermann bei den Schreinern, ich auch, und allmählich rückt der alte Zierbengel höchst naiv-geheimnisvoll heraus. Herr Grün hat ihm den ganzen Plan vertraut. Jetzt hört die Größe dieses Welterlösungsplanes: _ni plus ni moins_[5] als die in England längst dagewesenen und zehnmal bankrottierten _Labour bazars_ oder _labour-markets_[6], Assoziationen aller Handwerker aller Zweige, großes Depot, alle von den Associés eingelieferten Arbeiten genau nach den Kosten des Rohproduktes plus der Arbeit taxiert und in anderen Assoziationsprodukten bezahlt, die ebenso taxiert werden. Was mehr geliefert, als in der Assoziation verbraucht wird, soll auf dem Weltmarkt verkauft, der Ertrag den Produzenten ausbezahlt werden. Auf diese Weise, spekuliert der pfiffige Proudhon, umgeht er und seine Mitassociés den Profit des Zwischenhändlers. Daß er dabei auch den Profit auf _sein Assoziationskapital_ umgeht, daß dies Kapital und dieser Profit _genau so groß_ sein müssen wie das Kapital und der Profit der umgangenen Zwischenhändler, daß er also mit der Rechten wegwirft, was die Linke bekommt, daran hat der feine Kopf nicht gedacht. Daß seine Arbeiter nie das nötige Kapital aufbringen können, weil sie sich sonst ebensogut separat etablieren könnten, daß die etwaige, aus der Assoziation hervorgehende Kostenersparnis durch das enorme Risiko mehr als aufgewogen wird, daß die ganze Geschichte darauf hinausläuft, den Profit aus der jetzigen Welt herauszueskamotieren und alle Produzenten des Profits stehen zu lassen, daß sie eine wahre Straubingeridylle ist, die von vornherein alle große Industrie, Bauhandwerke, Ackerbau usw.

ausschließt, daß sie nur die _Verluste_ der Bourgeois zu tragen haben, ohne ihren Gewinn zu teilen, alles das und hundert andere auf platter Hand liegende Einwände vergißt er über dem Glück seiner plausiblen Illusion. Die Geschichte ist zum Totschießen. Familienvater Grün glaubt natürlich an die neue Erlösung und sieht sich schon im Geiste an der Spitze einer Assoziation von _20 000 Ouvriers_ (man will gleich _groß_ anfangen), wobei natürlich seine Familie kostenfrei gespeist, gekleidet und logiert wird. Der Proudhon aber blamiert sich und alle französischen Sozialisten und Kommunisten auf ewig, wenn er damit herausrückt, vor den Bourgeoisökonomen. Daher jene Tränen, jenes Polemisieren gegen die Revolution, weil er ein friedliches Heilmittel _in petto_ hatte. Der Proudhon ist gerade wie der John Watts. Dieser setzt seinen Beruf darein, trotz seines disrespektablen Atheismus und Sozialismus bei den Bourgeois respektabel zu werden; Proudhon bietet alles auf, um trotz seiner Polemik gegen die Ökonomen ein großer anerkannter Ökonom zu werden. _So sind die Sektierer._ Dabei noch so eine alte Geschichte!

3. Jetzt wieder eine höchst kuriose Geschichte. – Augsburger Allgemeine Zeitung vom 21. Juli, Paris 16. Juli. Artikel über die _russische_ Gesandtschaft...„Das ist die offizielle Gesandtschaft – aber ganz außerhalb oder vielmehr über derselben steht ein gewisser Herr von *Tolstoi*, der keinen Titel hat, übrigens als ‚_Vertrauter des Hofes_‘ bezeichnet wird. Früher im Unterrichtsministerium beschäftigt, kam er mit einer _literarischen Mission_ nach Paris, schrieb hier einige Memoirs für sein Ministerium, lieferte einige Übersichten der französischen Tagespresse. Dann schrieb er nichts mehr, tat aber desto mehr. Er macht ein glänzendes Haus, geht zu aller Welt, empfängt alle Welt, beschäftigt sich mit allem, weiß alles und arrangiert vieles. Er scheint mir der _eigentliche russische Botschafter_ in Paris...seine Verwendung bewirkt Wunder“ (alle Polen, die begnadigt sein wollen, adressierten sich an ihn), „auf der Gesandtschaft _beugt sich alles vor ihm, und in Petersburg erfreut er sich großer Rücksichten_.“ – Dieser Tolstoi ist niemand anders als unser Tolstoi, der Edle, der uns vorlog, in Rußland seine Güter verkaufen zu wollen. Der Mann hatte außer seiner einen Wohnung, wo er uns hinführte, noch ein glänzendes Hotel in der Rue Mathurin, wo er die Diplomatie empfing. Die Polen und _viele_ Franzosen haben das längst gewußt, nur die deutschen Radikalen nicht, bei denen er es für besser hielt, sich als Radikalen zu insinuieren. Der obige Artikel ist von einem Polen geschrieben, den Bernays kennt, und sogleich in den _Corsaire-Satan_ und _National_ übergegangen. Tolstoi hat, als er den Artikel las, weiter nichts bemerkt, als sehr gelacht und Witze darüber gerissen, daß er endlich ausgefunden sei. Er ist jetzt in London und wird, da seine Rolle hier ausgespielt ist, dort sein Glück versuchen. Es ist schade, daß er nicht wiederkommt, ich würde sonst einige Witze mit ihm versucht und schließlich in der Rue Mathurin meine Karte abgegeben haben. Daß nach diesem der von ihm empfohlene Annenkow ebenfalls ein russischer Mouchard ist, _c’est clair_.[7] Selbst Bakunin, der die ganze Geschichte _wissen mußte_, da die anderen Russen sie gewußt haben, ist sehr verdächtig. Ich werde mir gegen ihn natürlich nichts merken lassen, sondern Revanche an den Russen nehmen. So ungefährlich diese Spione für uns sind, so darf man ihnen das doch nicht passieren lassen. Sie sind gute Sujets, um an ihnen Intrigenexperimente in _corpore vili_[8] zu machen. Dazu sind sie sonst so übel gar nicht.

4. Vater Heß. Nachdem ich dessen...Gattin hier glücklich der Vergessenheit, das ist dem äußersten Ende des Faubourg Saint-Antoine, wo da ist Heulen und Zähneklappern (Grün und Gesellschaft), überliefert habe, erhalte ich vor einiger Zeit vermittels eines gewissen Reinhardt ein ferneres Wiederanknüpfungsschreiben des Kommunistenpapas. Das Ding ist zum Totlachen. Natürlich als ob nichts vorgefallen wäre, ganz _in dulci jubilo_[9] und dazu ganz der alte Heß. Nachdem er konstatiert hat, daß er mit „der Partei“ wieder einigermaßen ausgesöhnt (das Judde-Gränzchen scheint falliert zu haben) – „auch wieder Lust am Arbeiten hat“ (welches Ereignis mit Glocken eingeläutet werden sollte), folgende historische Notiz (_de dato_ 19. August): „Hier in Köln wär’s vor einigen Wochen _auf ein Haar_ zu einer _blutigen Emeute_ gekommen, es waren schon *sehr viele* bewaffnet (wozu Moses gewiß nicht gehörte).

Das Ding kam nicht zum Ausbruch, weil die Soldaten _sich nicht zeigten_ (enormer Triumph des Kölner Schöppchesphilisters) usw. usw. usw.“ – Dann Moses“, _qua_ Kommunisten „_so vollständig siegten_, daß wir usw. Wir haben zuerst die Geldaristokraten...und dann die kleinen Bourgeois _mit Glanz_ (da sie keine Talente unter sich haben) _aus dem Felde_ geschlagen. Wir _*hätten*_ (!) in den Versammlungen zuletzt _alles durchsetzen können_ (zum Beispiel den Moses zum Oberbürgermeister machen); ein Programm, worauf die Versammlung ihre Kandidaten verpflichtete, ging durch, welches (hört, hört!) _von den englischen und französischen Kommunisten nicht radikaler hätte abgefaßt_ (und von niemandem unsinniger als von Moses aufgefaßt) _werden können_ (!!!)...Sehe (_sic_!) Dich zuweilen nach meiner [Frau] um...und teile dem Ewerbeck zur Herzensstärkung dieses mit.“ Gesegn’ Euch Gott diese „Herzensstärkung“, dies Manna aus der Wüste. Ich ignoriere das Vieh natürlich komplett – jetzt hat er auch an Ewerbeck geschrieben (und zwar bloß, um seiner weiblichen Seite einen Brief auf dessen Kosten zukommen zu lassen) und droht in zwei Monaten herzukommen. Wenn er mich besucht, denk’ ich ihm auch etwas „zur Herzensstärkung“ mitteilen zu können.

Da ich einmal im Zuge bin, so will ich Euch schließlich noch mitteilen, daß [Heinrich] Heine wieder hier ist und ich vorgestern mit Ewerbeck bei ihm war. Der arme Teufel ist scheußlich auf dem Hund. Er ist mager geworden wie ein Gerippe. Die Gehirnerweichung dehnt sich aus, die Lähmung des Gesichts desgleichen. Ewerbeck sagt, er könne sehr leicht einmal an einer Lungenlähmung oder an irgend einem plötzlichen Kopfzufall sterben, aber auch noch drei bis vier Jahre abwechselnd besser oder schlechter sich durchschleppen. Er ist natürlich etwas deprimiert, wehmütig, und was am bezeichnendsten ist, äußerst wohlwollend (und zwar ernsthaft) in seinen Urteilen – nur über Mäurer reißt er fortwährend Witze. Sonst bei voller geistiger Energie, aber sein Aussehen, durch einen ergrauenden Bart noch kurioser gemacht (er kann sich nun den Mund nicht mehr rasieren lassen), reicht hin, um jeden, der ihn sieht, höchst trauerklötig zu stimmen. Es macht einen höchst fatalen Eindruck, so einen famosen Kerl so Stück für Stück absterben zu sehen.

Auch den großen Mäurer habe ich gesehen. „Männlein, Männlein, was wiegen Sie so leicht!“ Der Mann ist wirklich sehenswert, ich habe ihm die größten Grobheiten gemacht, zum Danke nimmt mich der Esel in seine besondere Affektion und sagt mir nach, ich hätte ein sanftes Gesicht. Er sieht freilich aus wie Karl Moor sechs Wochen nach seinem Tode.

Antwortet bald!

Euer E.

Mittwoch, 16. September 1846.

Amüsiert Euch an folgendem: Journal des Économistes, August dieses Jahres, enthält in einem Artikel über die Biedermännischen Artikel...

[über] den Kommunismus folgendes: Erst Heß’ ganzer Unsinn komisch französiert, dann heißt es, der nächste ist M. Marx. „_M. Marx est un _cordonnier_, comme un autre Communiste allemand, Weitling est un tailleur. Le premier (Marx) n’a pas une grande estime pour le communisme français (!) qu’il a été assez heureux d’étudier sur les lieux. M. ne sort du reste non plus_ (erkennst Du an dieser Elsässer Phrase nicht Herrn Fix?) _des formules abstraites_ und _il se garde...bien d’aborder aucune question véritablement pratique. Selon lui_ (gib acht auf den Unsinn) _l’émancipation du peuple allemand sera le signal de l’émancipation du genre humain; la tête de cette émancipation serait la philosophie et son coeur le prolétariat. Lorsque tout sera préparé, le coq gaulois sonnera la résurrection germanique...Marx dit qu’il faut créer en Allemagne un prolétariat universel (!!) afin de réaliser la pensée philosophique du communisme. Signé J. F. (mort depuis)_.“[10] Das war sein letztes Werk. Der vorherige Band brachte eine gleich komische Kritik meines Buches. Das Septemberheft enthält eine Kritik über Julium, die ich noch nicht gelesen.

In der Fraternité ist großer Streit zwischen Materialisten und Spiritualisten gewesen. Die Materialisten, mit 23 gegen 22 überstimmt, sind ausgetreten. Das hindert aber die Fraternité nicht, sehr hübsche Artikel über die verschiedenen Zivilisationsstufen und ihre Fähigkeit, sich zum Kommunismus fortzuentwickeln, zu bringen.

---------- [1] Auf dem laufenden.

[2] Mehr oder weniger.

[3] Wörtlich: vom Ei an, das heißt von den allerersten Anfängen an.

[4] Abgesehen von jeder Art [Tages-]Politik.

[5] Weder mehr noch weniger.

[6] Arbeitsmärkte. Hier im Sinne von: Märkte von Erzeugnissen eigener Arbeit.

[7] Das ist klar.

[8] Am wertlosen Körper.

[9] In seligem Jubel.

[10] Herr Marx ist ein _Schuhmacher_, wie ein anderer deutscher Kommunist, Herr Weitling, ein Schneider ist. Der erstere (Marx) hat keine hohe Meinung vom französischen (!) Kommunismus, den er das Glück hatte, an Ort und Stelle zu studieren. Übrigens geht auch Herr Marx ebensowenig über abstrakte Formeln hinaus und hütet sich...sehr, auf irgendwelche wahrhaft politische Frage einzugehen. Nach ihm wird die Befreiung des deutschen Volkes das Zeichen geben für die Befreiung des Menschengeschlechts, der Kopf dieser Befreiung werde die Philosophie und ihr Herz das Proletariat sein. Wann alles vorbereitet ist, wird der gallische Hahn die deutsche Erhebung einläuten...Marx sagt, daß in Deutschland ein universelles (!!)

Proletariat geschaffen werden muß, um den philosophischen Gedanken des Kommunismus zu verwirklichen. Gezeichnet J. F. [Seitdem verstorben.]

Lieber Marx!

Eine Masse Sachen, die ich Dir privatim schreiben wollte, sind mir in den Geschäftsbrief hereingeraten, weil ich den zuerst schrieb. Diesmal macht es nichts, daß die anderen den Dreck mitlesen. – Die Auszüge aus Feuerbach zu machen, habe ich mich aus einem gewissen Grauen bisher nicht entschließen können. Hier in Paris kommt einem das Zeug vollends lasch [matt] vor. Ich habe das Buch aber jetzt im Hause und setze mich ehestens dran. Daß Dein Geldpech noch immer anhält, ist schändlich. Ich weiß für unsere Manuskripte keinen Verleger außer Leske, den man während der Unterhandlung über die Kritik seines Verlags in Unwissenheit halten müßte. Löwenthal nimmt’s gewiß nicht, er hat dem Bernays eine _sehr gute_ Spekulation (Das Leben des hiesigen Alten, in zwei Bänden, den ersten gleich zu drucken und mit dem Tode des Alten sofort zu expedieren, den zweiten dann gleich folgen zu lassen) unter allerlei lausigen Vorwänden abgeschlagen. Er ist auch feig, er sagt, er könne aus Frankfurt geschaßt werden. Bernays hat Aussicht, bei Brockhaus unterzukommen, der natürlich glaubt, das Buch werde bourgeoismäßig abgefaßt. – Haben die Westfalen die Manuskripte an Daniels geschickt? – Hast Du von dem Kölner Projekt etwas Näheres gehört, wovon Heß schrieb?

Du weißt. – Gottvoll ist aber vor allem der Lüningsche Kohl...Wenn wir ihre ganze Lumperei kritisieren, so erklärt der Edle das für eine „_Selbst_kritik“. Es wird diesen Kerls aber bald widerfahren, was geschrieben steht: „Und wenn er keinen Hintern hat, wo will der Edle sitzen?“ Und Westfalen scheint allmählich zu merken, daß es keinen Hintern hat, oder, um mit Mose zu sprechen, keine „materielle Basis“ für seinen Kommunismus. – Die Londoner Adresse habe ich gestern abend hier bei den Arbeitern bereits gedruckt gelesen. Schund. Adressieren sich an das „Volk“, das heißt die vorausgesetzten Proletarier in Schleswig-Holstein, wo nichts wie plattdeutsche Bauernlümmel und zünftige Straubinger herumstrolchen.

Haben von den Engländern gerade den Unsinn, die totale Ignorierung aller wirklich vorliegenden Verhältnisse, Unfähigkeit, eine historische Entwicklung aufzufassen, gelernt. Statt die Frage zu beantworten, wollen sie, daß das in ihrem Sinne gar nicht dort existierende „Volk“ sie ignorieren, sich friedlich, passiv verhalten soll; sie denken nicht dran, daß die Bourgeois doch tun, was sie wollen. Mit Abzug der ziemlich überflüssigen und gar nicht mit ihren Schlußresultaten im Zusammenhang stehenden Schimpfereien auf die Bourgeois (die ebensogut durch _free-trade_-Phrasen ersetzt werden könnten) könnte die _free-trade-press_ von London, die Schleswig-Holstein nicht im Zollverein sehen will, das Ding erlassen haben. – Die Kölner Bourgeois haben einen Protest gegen die Herren Minister erlassen, der für deutsche Bürger das Mögliche ist. Der arme Berliner Kanzelredner! [Friedrich Wilhelm IV.] Mit allen Stadträten seines Reiches liegt er in den Haaren; erst die Berliner theologische Disputation, dann die Breslauer _item_, jetzt die Kölner Geschichte. Der Bengel gleicht übrigens auf ein Haar dem Jakob dem Ersten von England, den er sich wirklich zum Muster genommen zu haben scheint. Nächstens wird er wohl, wie dieser, auch noch Hexen verbrennen lassen.

Dem Proudhon habe ich im Geschäftsbrief [siehe Brief 8] wirklich himmelschreiendes Unrecht getan. Ich muß es hier redressieren. Ich habe nämlich geglaubt, er habe einen kleinen Unsinn, einen Unsinn innerhalb der Grenzen des Sinnes gemacht. Gestern kam die Sache nochmals und ausführlich zur Diskussion, und da erfuhr ich, daß dieser neue Unsinn wirklich ein _ganz unbegrenzter Unsinn_ ist. Stelle Dir vor: Proletarier sollen kleine Aktien _sparen_. Davon wird (unter 10 000 bis 20 000 Arbeitern fängt man natürlich gar nicht an) zuerst ein oder mehrere Ateliers in einem oder mehreren Handwerken errichtet, ein Teil der Aktionäre dort beschäftigt und die Produkte 1. zum Preise des Rohmaterials plus der Arbeit an die Aktionäre (die so keinen Profit zu zahlen haben) und 2. der etwaige Überschuß zum laufenden Preise im Weltmarkt verkauft. Sowie sich das Kapital der Gesellschaft durch Neuhinzutretende oder durch neue Ersparnisse der alten Aktionäre vermehrt, wird es zur Anlage neuer Ateliers und Fabriken verwandt usf.

usf., bis – _alle_ Proletarier beschäftigt und _alle_ im Lande befindlichen Produktivkräfte aufgekauft und dadurch die in den Händen der Bourgeois befindlichen Kapitalien die Macht verloren haben, Arbeit zu kommandieren und Profit zu bringen! So hebt man dann das Kapital auf, indem man „eine Instanz findet, wo das Kapital, das heißt das Zinswesen“ (Vergrünung des einigermaßen näher ans Tageslicht gerückten _droit d’aubaine_[1] von ehedem) „sozusagen verschwindet“. Du wirst in diesem von Papa Eisermann zahllose Male wiederholten, also von Grün auswendig gelernten Satze die ursprünglichen Proudhonschen Floskeln noch deutlich durchschimmern sehen. Die Leute haben nichts mehr und nichts weniger im Sinne, als einstweilen _ganz Frankreich_, später vielleicht auch die übrige Welt vermöge proletarischer Ersparnisse und unter Verzichtung auf den Profit und die Zinsen ihres Kapitals _aufzukaufen_. Ist so ein famoser Plan je erdacht worden, und ist es nicht ein viel kürzerer Weg, wenn man einmal einen _tour de force_[2] machen will, lieber gleich aus dem Silber–schein des Mondes Fünffrankentaler zu prägen? Und die dummen Arbeiter hier, die Deutschen meine ich, _glauben_ daran; sie, die nicht sechs Sous in der Tasche behalten können, um am Abend ihrer Zusammenkünfte zu einem _marchand de vins_[3] zu gehen, wollen mit ihren Ersparnissen das ganze schöne Frankreich aufkaufen. Rothschild und Konsorten sind wahre Stümper neben diesen kolossalen Akkapareurs. Es ist, um die Schwerenot zu kriegen. Die unsinnigste Phrase hat für sie mehr Sinn als die einfachste, zum ökonomischen Argument vernutzte Tatsache. Daß man gegen solchen barbarischen Unsinn noch pauken muß, ist doch niederträchtig.

Aber man muß Geduld haben, und ich lasse die Kerls nicht laufen, bis ich den Grün aus dem Felde geschlagen und ihnen die verduselten Schädel geöffnet habe. Der einzige klare Kerl, der auch den ganzen Unsinn einsieht, ist unser J[unge], der in Brüssel war. Der Ewerbeck hat ihnen auch den Kopf voll des tollsten Zeugs gesetzt. Er ist jetzt in einer Konfusion und grenzt von Zeit zu Zeit an Wahnsinn und kann, was er gestern mit seinen eigenen Augen gesehen, Dir heute nicht wiedererzählen. Geschweige was er gehört. Wie sehr er aber unter der Fuchtel des Grün gestanden, davon nur dies: Als der Trierer Walth.

vorigen Winter über die Zensur nach allen Seiten hin jammerte, stellte Grün ihn als einen Märtyrer der Zensur dar, der den edelsten und tapfersten Kampf führe usw., und exploitierte Ewerbeck und die Arbeiter dazu, daß sie eine höchst pomphafte Adresse an diesen Esel von Walth.

aufsetzten und unterzeichneten und ihm Dank sagten für seinen Heldenmut im Kampfe für die Freiheit des Wortes!!!! Ewerbeck schämt sich wie ein Mops und ärgert sich wütend über sich selbst; aber der Unsinn ist geschehen, und jetzt hat man ihm und den Arbeitern die paar _Worte_ wieder auszupauken, die er sich selbst mit saurem Schweiß in den Kopf hineinge[quält] und den Arbeitern dann mit ebenso saurem Schweiß eingebleut hat. Denn er versteht nichts, bis er’s nicht auswendig gelernt hat, und dann versteht er’s meist noch falsch. Wenn er nicht den enormen guten Willen hätte und dabei sonst so ein liebenswürdiger Kerl wäre, was er jetzt mehr als je ist, so wäre gar nicht mit ihm fertig zu werden. Es soll mich wundern, wie es mir mit ihm gerät; zuweilen macht er ganz nette Bemerkungen, gleich darauf aber wieder den größten Unsinn – so seine jetzt in Gott ruhenden deutschen Geschichtsvorträge, bei denen man sich wegen der in jedem Worte befindlichen Schnitzer und Tollheiten kaum das Lachen verbeißen konnte. Aber, wie gesagt, enormer Eifer und Eingehen auf alles, mit merkwürdiger Bereitwilligkeit, und ein unverwüstlicher guter Humor der Selbstironie. Ich mag den Kerl, trotz seines Unsinns, besser leiden als je. – Von Bernays ist nicht viel zu sagen. Ich war mehrmals draußen, er einmal hier. Kommt wahrscheinlich im Winter her, fehlt nur an Geld. Ist auch dahin gekommen, über die Parteistreitigkeiten klarere und verständigere Ansichten zu hegen; wegen seiner Meinungen über das Recht ist ihm jetzt nicht gut beizukommen, weil er mit dem Einwurf: Ökonomie, Industrie usw. sei nicht sein Fach, jedesmal abzubrechen sucht und bei den seltenen Zusammenkünften keine ordentliche Diskussion zustande kommt; ich glaube indes schon etwas Bresche geschossen zu haben, und wenn er herkommt, werde ich ihm sein Mißverständnis wohl schließlich nehmen können. – Was machen die Leute dort?

Dein E.

_Query:_ Ist die Geschichte mit dem Tolstoi, die _vollständig richtig_ ist, nicht den Londonern mitzuteilen? Die Deutschen könnten, falls er bei ihnen seine Rolle fortspielte, einmal ein paar Polen scheußlich kompromittieren. Wenn sich der Kerl _auf Dich beriefe_?

Bernays hat eine Broschüre in der Rothschildschen Polemik geschrieben; kommt in der Schweiz deutsch und in einigen Tagen hier französisch heraus.

[2] Kraftstück.

10 Oktober 1846.

Lieber Marx!

Die Geschichte gegen Kr[iege] erhalten. Ist ganz gut. Kriege wird nun zwar, da Du allein unterzeichnet, den absprechenden Ton des ersten Dokumentes auf meine Privatrechnung schreiben und gegen dies zweite zu Kreuze kriechen, aber das ist mir wurst. Er kann mich in seiner Privatmalice den amerikanischen Straubingern so schwarz wie möglich schildern, wenn ihm das Pläsier macht.

Aus dem Komiteebrief wirst Du sehen, wie ich hier bei den Straubingern durchgedrungen. Ich habe sie, hol mich der Teufel, nicht geschont, ich habe ihre ärgsten Vorurteile, sie selbst als gar keine Proletarier attackiert. Aber der Grün arbeitete mir auch zu schön in die Hände.

Frankieren tut um Gottes willen nicht an mich. Wenn mich der verdammte Leske, der mir endlich wegen der dem P[üttmann] geschickten alten Drecke einen nichtsnutzigen Wechsel zuschicken ließ, den ich retournieren mußte – wenn mich Leske nicht im Stiche ließe, schickte ich Euch sogleich 25 Franken für die Komiteekasse. Einstweilen aber übernehme ich die Kosten wenigstens der Korrespondenz mit mir. Wenn ich den vorigen Brief nicht frankierte, so geschah dies, weil es zu spät war und ich ihn nur noch durch Hineinschmeißen in den Briefkasten wegbekam. Sowie der Leske mir das Geld schickt, erhaltet ihr ein Quotum.

Keiner der Straubinger kriegt die Antwort an Kriege zu sehen. Sonst wäre sie vor Grün nicht sicher. Wir müssen namentlich dem Kerl alles vom Halse halten, bis seine Bearbeitung des Proudhonschen Buches, nebst Noten von K. Grün, fertig ist. Dann ist er gefangen. Er revoziert darin vollständig eine Masse früher gesagter Geschichten und überliefert sich mit Leib und Seele dem Proudhonschen Erlösungssystem. Nachher hat es dann mit dem Exploitieren ein Ende, wenn er nicht wieder tournieren will. Ist der Weitling noch in Brüssel?

Mit den Straubingern hier denke ich durchzukommen. Die Kerle sind freilich gräßlich unwissend und durch ihre Lebenslage gar nicht präpariert. Konkurrenz unter ihnen gibt es gar nicht. Der Lohn hält sich immer auf einem und demselben Niveau, der Kampf mit dem Meister dreht sich gar nicht um Lohn, sondern um den Gesellenhochmut usw. Bei den Schneidern wirken jetzt die fertigen Kleiderläden revolutionierend.

Wenn’s nur nicht so ein faules Handwerk wäre.

Der Grün hat scheußlich geschadet. Er hat bei den Kerls alles Bestimmte in bloße Duselei, Menschheitsstreben usw. verwandelt. Unter dem Scheine, den Weitlingschen und sonstigen Systemkommunismus anzugreifen, hat er ihnen den Kopf voll unbestimmter Belletristen- und Kleinbürgerphrasen gesetzt und alles andere für Systemreiterei ausgegeben. Selbst die Schreiner, die nie Weitlingianer gewesen – oder doch nur einzelne – haben eine abergläubische Gespensterfurcht vor dem „Löffelkommunismus“ und schließen sich – wenigstens _vor_ dem durchgesetzten Beschluß – lieber der größten Duselei, friedlichen Beglückungsplänen usw. an, als diesem „Löffelkommunismus“. Es herrscht eine grenzenlose Konfusion hier vor. An Harney habe ich dieser Tage einen leisen Angriff gegen die Friedlichkeit der _fraternal Democrats_[1] geschickt, ihm übrigens geschrieben, daß er mit Euch in Korrespondenz bleiben soll.

Dein E.

---------- [1] Brüderliche Demokraten. [Titel einer von G. Julian Harney geführten Chartistenverbindung internationaler Tendenz.]

Brief an das Brüsseler Komitee. Nr. III.

Über die hiesigen Straubingergeschichten ist wenig zu sagen. Die Hauptsache ist, daß die verschiedenen Streitpunkte, die ich bisher mit den Jungens auszufechten hatte, jetzt entschieden sind: der Hauptanhänger und Schüler Grüns, Papa Eisermann, ist herausgeschmissen, die übrigen sind in ihrem Einfluß auf die Masse vollständig gestürzt, und ich habe einen Beschluß einstimmig gegen sie durchgesetzt.

Der kurze Verlauf ist der: Über den Proudhonschen Assoziationsplan wurde drei Abende diskutiert.

Anfangs hatte ich beinahe die ganze Clique, zuletzt nur noch Eisermann und die übrigen drei Grünianer gegen mich. Die Hauptsache dabei war, die Notwendigkeit der gewaltsamen Revolution [zu beweisen] *und* überhaupt den Grünschen wahren Sozialismus, der in der Proudhonschen Panacee neue Lebenskräfte gefunden, als antiproletarisch, kleinbürgerlich, straubingerisch nachzuweisen.

Zuletzt wurde ich wütend über die ewige Wiederholung derselben Argumente von seiten meiner Gegner und attackierte die Straubinger geradezu, was bei den Grünianern große Entrüstung erregte, wodurch ich aber dem edlen Eisermann einen _offenen Angriff_ auf den Kommunismus entlockte. Darauf deckelte ich ihn so rücksichtslos, daß er gar nicht wiederkam.

Jetzt knüpfte ich an die mir von Eisermann gegebene Handhabe – die Attacke gegen den Kommunismus – an, um so mehr, als Grün in einem fort intrigierte, auf den Ateliers herumlief, Sonntags die Leute zu sich zitierte usw. usw., und den Sonntag nach obiger Sitzung selbst die grenzenlose Dummheit beging, vor acht bis zehn Straubingern den Kommunismus zu attackieren. Ich erklärte also, ehe ich mich auf eine Diskussion einließe, müsse abgestimmt werden, ob wir hier _qua_ Kommunisten zusammenkämen oder nicht. Im ersten Falle müsse Sorge getragen werden, daß Angriffe auf den Kommunismus, wie die von Eisermann, nicht mehr vorkämen, im anderen Falle, wenn sie bloß beliebige Individuen seien, die hier über dies und jenes Beliebige diskutierten, könnten sie mir gestohlen werden und würde ich nicht wiederkommen. Dies erregte großes Entsetzen bei den Grünianern, sie seien hier „für das Wohl der Menschheit“ zusammen, um sich aufzuklären, Männer des Fortschritts und nicht einseitige Systemfänger usw. usw., und solche Biedermänner könne man doch unmöglich „beliebige Menschen“ nennen. Übrigens _müßten sie erst wissen_, was Kommunismus eigentlich sei (sie, die sich seit Jahren Kommunisten genannt haben und bloß durch die Furcht vor Grün und Eisermann abspenstig wurden, nachdem diese sich unter dem Vorwand des Kommunismus bei ihnen eingeschlichen hatten!). Ich ließ mich natürlich nicht durch ihre liebevolle Bitte fangen, ihnen, den Unwissenden, in zwei bis drei Worten zu sagen, was Kommunismus sei. Ich gab ihnen eine höchst simple Definition, die gerade so weit ging wie die vorliegenden strittigen Punkte, die die Friedlichkeit, die Zartheit und Rücksicht gegen die Bourgeois respektive das Straubingertum und endlich die Proudhonsche Aktiengesellschaft nebst beibehaltenem individuellen _Besitz_, und was sich daran knüpft, durch Behauptung der Gütergemeinschaft _ausschloß_, und im übrigen nichts enthielt, was Anlaß zu Abschweifungen und Umgehung der vorgeschlagenen Abstimmung geben könnte. Ich definierte also die Absichten der Kommunisten dahin: 1. die Interessen der Proletarier im Gegensatz zu denen der Bourgeois durchzusetzen; 2. dies durch Aufhebung des Privateigentums und Ersetzung desselben durch die Gütergemeinschaft zu tun; 3. kein anderes Mittel zur Durchführung dieser Absichten anzuerkennen als die gewaltsame, demokratische Revolution. Hierüber zwei Abende diskutiert. Am zweiten ging der beste der drei Grünianer, die Stimmung der Majorität merkend, vollständig zu mir über. Die anderen beiden widersprachen sich fortwährend einer dem anderen, ohne es zu merken. Mehrere Grünianer, die noch nie gesprochen, taten auf einmal das Maul auf und erklärten sich ganz entschieden für mich. Bisher hatte dies nur Junge getan. Einige dieser _homines novi_[1] sprachen, obwohl zitternd vor Todesangst, stecken zu bleiben, ganz nett und scheinen überhaupt ganz gesunden Verstand zu haben. Kurz, als es zur Abstimmung kam, wurde die Versammlung für eine kommunistische im Sinne der obigen Definition erklärt, von 13 Stimmen gegen die beiden der zwei treu gebliebenen Grünianer, von denen einer auch nachträglich erklärt hat, daß er die größte Begierde habe, sich zu bekehren.

Hiermit ist endlich einmal _Tabula rasa_ gemacht und man kann jetzt anfangen, etwas aus den Kerls zu machen, soweit dies geht. Grün, der sich aus seiner Geldgeschichte leicht herausreißen konnte, weil die Hauptgläubiger eben selbige Grünianer waren, seine Hauptanhänger, ist jetzt bei der Majorität und einem Teile seiner Anhänger selbst sehr herunter und trotz aller Intrigen und Experimente (zum Beispiel in der Mütze auf die Barriereversammlungen gehen usw. usw.) mit seiner Proudhonschen Sozietät glänzend durchgefallen. Wäre ich nicht da gewesen, so hätte sich unser Freund Ewerbeck allerdings _tête baissée_[2] dahinein gegeben.

Was der Grün für ein schönes Stratagem hatte! An der Intelligenz seiner Kerls verzweifelnd, repetiert er ihnen seine Geschichten so oft vor, bis sie sie auswendig können. Nach jeder Sitzung – es war natürlich nichts leichter, als so eine Opposition zum Schweigen zu bringen – lief die ganze geschlagene Bande zu Grün, erzählten, was ich gesagt hatte – natürlich alles entstellt –, und ließen sich wieder wappnen. Wenn sie dann das Maul auftaten und zwei Worte gesagt, so wußte man jedesmal den ganzen Satz vorher. Natürlich nahm ich mich bei dieser Zwischenträgerei sehr in acht, den Leuten irgend etwas Allgemeines zu sagen, was Herrn Grün zu neuen Ausschmückungen seines wahren Sozialismus dienen könnte; dennoch aber hat er neulich in der Kölner mit diversen Entstellungen bei Gelegenheit der Genfer Revolution Sachen exploitiert, die ich den Straubingern sagte, während er ihnen hier das Gegenteil einpaukte. Er treibt jetzt Nationalökonomie, der Brave.

Das Buch von Proudhon werdet Ihr angezeigt gesehen haben. Ich werde es dieser Tage bekommen, es kostet 15 Franken, man kann es nicht kaufen, das ist zu teuer.

Das obige Publikum, vor dem die Geschichte aufgeführt worden, besteht aus zirka zwanzig Schreinern, die sonst nur auf der Barriere noch mit allerlei Volks sich versammeln, außer einem Sängerklub keine geschlossene Verbindung, sonst aber teilweise Rudera [Reste] des Bundes der Gerechtigkeit sind. Könnte man sich öffentlich versammeln, so würden wir bald über hundert Kerls aus den Schreinern allein haben. Von den