des Gegenstandes in Händen zu haben.
Und dies läuft schließlich in eine aügemeine Erscheinung aus, die man das Superadditum des Reichtums nennen und dem unearned Profit der Bodenrente vergleichen könnte. Der Reiche genießt Vor- teile, noch über den Genuß desjenigen hinaus, was er sich für sein Geld konkret beschaffen kann. Der Kaufmann handelt mit ihm solider und billiger als mit dem Armen, jedermann, auch der gar nichts von seinem Reichtum profitiert, begegnet ihm zuvor- ommender, als dem Armen, es schwebt eine ideale Sphäre fragloser Bevorzugtheit um ihn. Allenthalben kann man beobachten, wie dem Käufer der kostspieligeren Warengattung, dem Benutzer der höheren Eisenbahnklasse usw. allerhand kleine Bevorzugungen eingeräumt werden, mit dem von ihm bezahlten Sachwert haben diese eigentlich so wenig zu tun, wie das freundlichere Lächeln, mit dem der Kauf¬ mann die teurere Ware verkauft, mit dieser, sondern sie bilden eine Gratisbeilage, die nur dem Konsumenten des Billigeren versagt bleibt, ohne daß er doch — und das ist gewissermaßen das Härteste dabei — über sachliche Übervorteilung zu klagen berechtigt wäre Am eigentümlichsten vielleicht zeigt dies eine an sich sehr minime Erscheinung. In den Trambahnen einiger Städte gibt es zwei Klassen die verschiedene Preise kosten, ohne daß die höhere irgendeinen sachlichen Vorteil oder größere Bequemlichkeit böte. Allein man r erkauft mit dem höheren Preise das ausschließliche Zusammensein mit Personen, die einen solchen nur anlegen, um von den billiger Fahrenden abgeschlossen zu sein. Hier kann sich der Wohlhabendere einen Vorteil ganz unmittelbar dadurch, daß er mehr Geld bezahlt — nicht erst vermöge eines sachlichen Äquivalents für seinen Auf¬ wand — verschaffen. Äußerlich genommen liegt damit das Gegenteil des Superadditums vor, denn es wird dem Wohlhabenden für sein Geld nicht relativ mehr, sondern relativ weniger geleistet als dem Armen. Allein dennoch ist das Superadditum des Geldes hier sozu¬ sagen in negativer, aber besonders reiner Gestalt gegeben: der Wohl¬ habende gewinnt seinen Vorteil ohne Umweg über eine Sache und ausschließlich dadurch, daß andere nicht so viel Geld aufwenden können wie er. Ja sogar als eine Art moralischen Verdienstes gilt der Reichtum; was sich nicht nur in dem Begriff der Respectability oder in der populären Bezeichnung wohlhabender Leute als »an¬ ständiger«, als »besseres Publikum« ausdrückt, sondern auch in der Korrelaterscheinung: daß der Arme behandelt wird, als hätte er sich etwas zuschulden kommen lassen, daß man den Bettler im Zorne davonjagt, daß auch gutmütige Personen sich zu einer selbstver¬ ständlichen Überlegenheit über den Armen legitimiert glauben. Wenn für die Straßburger Schlossergesellen im Jahr 1536 bestimmt wird, der Montag Nachmittag solle für alle die arbeitsfrei sein, die über acht Kreuzer Lohn hätten, so wird damit den materiell besser Situ¬ ierten eine Wohltat erwiesen, die nach der Logik der Moral gerade den Dürftigen hätte zukommen sollen. Aber gerade zu so perversen Erscheinungen steigert sich mehr als einmal das Superadditum des Reichtums: der praktische Idealismus, etwa äußerlich unbelohnter wissenschaftlicher Arbeit, wird für gewöhnlich an einem reichen Manne mit größerem Respekt betrachtet, als ethisch hervorragender verehrt, als an einem armseligen Schulmeister I Dieser Wucherzins des Reichtums, diese Vorteile, die er seinem Besitzer Zuwachsen läßt, ohne daß dieser etwas dafür aufzuwenden hätte, ist an die Geldform der Werte geknüpft. Denn alles dies ist offenbar Ausdruck oder Reflex jener unbegrenzten Freiheit der Verwendung, die das Geld allen anderen Werten gegenüber auszeichnet. Hierdurch kommt zu¬ stande, daß der Reiche nicht nur durch das wirkt, was er tut, sondern auch durch das, was er tun könnte: weit über das hinaus, was er nun wirklich mit seinem Einkommen beschafft, und was andere davon profitieren, wird das Vermögen von einem Umkreis zahlloser Ver¬ wendungsmöglichkeiten umgeben, wie von einem Astralleib, der sich über seinen konkreten Umfang hinausstreckt: darauf weist un¬ zweideutig hin, daß die Sprache erheblichere Geldmittel als »Vermögen« — d. h. als das Können, das Imstandesein schlechthin — bezeichnet. Alle diese Möglichkeiten, von denen freilich nur ein ganz geringer Teil Wirklichkeit werden kann, werden dennoch psycho¬ logisch saldiert, sie gerinnen zu dem Eindruck einer nicht genau bestimmbaren, jede Festlegung ihres erreichbaren Erfolges ab¬ lehnenden Macht, und zwar in um so umfänglicherer und eindrucks- volierer Art, je beweglicher das Vermögen, je leichter es zu jedem möglichen Zweck verfügbar ist, d. h. also, je vollständiger jeder Ver- mogensbestand Geld oder in Geld umsetzbar ist und je reiner das Geld selbst zum Werkzeug und Durchgangspunkt ohne jede eigene S °/SCH1 Qualifikation wird. Die reine Potentialität, die das Geld darsteHt insofern es bloß Mittel ist, verdichtet sich zu einer nherthchen Macht- und Bedeutungsvorstellung, die auch als kon- wird- Bedeutun|( ^gunsten des Geldbesitzers wirksam Tnhali T?111 W1C dCm ReiZC eineS Kunstwerkes nicht nur sein seelbchenRetkf"“* No^endigkeit damit verbundenen seelischen Reaktionen zugerechnet werden, sondern all die zufälligen dividuellen, indirekten Gefuhlskombinationen, die es, hier so und or anders, anklingen laßt und deren unbestimmte Summe doch erst schreibt1126 SemeS S Und SCiner Bedeutsamkeit für uns um- In dem Wesen dieses Superadditums, wenn es so richtig gedeutet ist, liegt es, daß es um so stärker hervortreten muß, je volfsfändiger jene Chance und Wahlfreiheit seiner Verwendung vermöge der Ge- samtlage seines Besitzers realisierbar wird. Dies ist am wenigsten bei dem Armen der Fall: denn dessen Geldeinkommen ist weil es nur für die Notdurft des Lebens ausreicht, von vorn herein deter miniert und läßt der Auswahl unter seinen Verwendungsmöghch- keiten nur einen verschwindend kleinen Spielraum. Derselbe er¬ weitert sich mit steigendem Einkommen, so daß jeder Teil des den da^S"Peradditum ^ dem Maß erwirbt, in dem er von den zur Befriedigung des Notdürftigen, Generellen und Vorher¬ bestimmten erforderlichen Teilen absteht; d. h. also ieder zu der bereits bestehenden Einnahme hinzukommende Teil’ besitzt einen höheren Zusatz jenes Superadditums - natürlich unterhalb dner sehr hoch gelegenen Grenze, oberhalb welcher jeder Einkommens teil in dieser Hinsicht gleichmäßig qualifiziert ist An diesem P^kte kann man die fragliche Erscheinung in einer speziellen iZslZenl rgreifen und zwar auf Grund einer, wie mir scheint, auch sonst folgenreichen Überlegung. Viele Güter sind in solcher Masse vor^ handen, daß sie von den zahlungsfähigsten Elementen der Gesell¬ schaft nicht konsumiert werden können, sondern, um überhaupt abgesetzt zu werden, auch den ärmeren und ärmsten Schichten an- geboten werden müssen. Deshalb dürfen derartige Waren nicht teurer sein, als diese Schichten im äußersten Falle zu zahlen im- stände sind. Dies könnte man als Gesetz der konsumtiven Preis¬ begrenzung bezeichnen: eine Ware kann niemals teurer sein, als die unbemitteltste soziale Schicht noch bezahlen kann, der sie wegen ihrer vorhandenen Menge noch angeboten werden muß. Man möchte hierin eine Wendung der Grenznutzentheorie aus dem Individuellen in das Soziale erblicken: statt des niedrigsten Bedürfnisses, das noch mit einer Ware gedeckt werden kann, wird hier das Bedürfnis des Niedrigsten für die Preisgestaltung maßgebend. Diese Tatsache bedeutet einen ungeheuren Vorteil für den Wohlhabenden. Denn dadurch stehen auch ihm nun gerade die unentbehrlichsten Güter zu einem weit niedrigeren Preise zur Verfügung, als er dafür erlegen würde, wenn man es ihm nur abverlangte; dadurch, daß der Arme die einfachen Lebensmittel kaufen muß, macht er sie für den Reichen billig. Wenn dieser selbst einen proportional ebenso großen Teil seines Einkommens an die primärsten Bedürfnisse (Nahrung, Woh¬ nung, Kleider) wenden müßte, wie der Arme, so würde er noch immer, absolut genommen, mehr für Luxuswünsche übrig behalten als dieser. Allein er hat dazu noch den additionellen Vorteil, daß er seine nötigsten Bedürfnisse mit einem relativ viel kleineren Teil seines Einkommens decken kann. Mit dem darüber hinausreichen¬ den nun hat er die Wahlfreiheit in der Verwendung des Geldes, die ihn zum Gegenstand jener, sein tatsächliches ökonomisches Können überragenden Achtung und Bevorzugung macht. Die Geldmittel des Armen sind nicht von dieser Sphäre unbegrenzter Möglichkeiten um¬ geben, weil sie von vornherein ganz unmittelbar und zweifellos in sehr bestimmte Zwecke einmünden. In seiner Hand sind sie also gar nicht in demselben reinen und abstrakten Sinne »Mittel«, wie in der des Reichen, weil der Zweck schon sogleich in sie hinein¬ reicht, sie färbt und dirigiert, weshalb denn auch unsere Sprache sehr feinfühlig erst den mit erheblichen Geldmitteln Ausgestatteten überhaupt als »bemittelt« bezeichnet. Die mit diesen verbundene Freiheit führt noch nach anderen Seiten hin zu einem Superadditum. Wo öffentliche Funktionäre nicht besoldet werden, ist der Erfolg der, daß nur wohlhabende Leute führende Stellen bekleiden können; so mußte etwa der General des achäischen Bundes nicht weniger als — wenigstens bis vor kurzem — ein englisches Parlamentsmitglied ein wohlhabender Mann sein, und so bildet sich in Ländern, die ihre Beamten sehr niedrig bezahlen, oft eine völlige Plutokratie, eine Art Erblichkeit der hohen Ämter in wenigen Familien heraus. Während die Unbesoldetheit der Stellungen das Geldinteresse von dem Inter¬ esse des Dienstes scheint lösen zu sollen, wird so gerade die Be¬ amtenstellung mit allen Ehren, Macht und Chancen, die sie bietet* zu einem Annex des Reichtums. Und daß sich dies an die Geld¬ form desselben knüpft, liegt nahe, weil nur diese wegen ihrer teleo¬ logischen Indifferenz der Persönlichkeit die ganz freie Disposition über ihre Zeit, Aufenthaltsort und Betätigungsrichtung läßt. Wenn der Reichtum, wie wir oben sahen, an sich schon Ehrungen erwirbt und, den Doppelsinn des »Verdienstes« mißbrauchend, sich einer Art moralischer Schätzung erfreut, so verdichtet sich dies bei unbe¬ soldeten Staatsfunktionen zu dem, dem Armen unerreichbaren, Machtbesitz der führenden Ämter. Und mit diesen ist nun wieder das weitere Superadditum des Ruhmes patriotischer Aufopferung ver- unden, der sicher oft verdient ist, aber auch auf ganz andere als ethische Motive hin dem bloßen Geldbesitz sozusagen auf rein techni- schem Wege zu Gebote steht. Das Gleiche noch eine Stufe höher hinaufverfolgend, sehen wir, wie Ende des Mittelalters, z. B. in Lübeck, wohlhabende Leute sich gern an mehreren Bruderschaften beteiligten, um dadurch um so sichrer für ihr Seelenheil zu sorgen. Die mittelalterliche Kirche stellte auch für den Gewinn der reli¬ giösen Guter technische Wege zur Verfügung, die nur für den Reichen gangbar waren und zunächst einmal noch jenseits ihres “TS Quantum irdischen Ansehens und Vorteils, wie jene Teilhaberschaft an mehrerlei Bruderschaften, als ihre un¬ bezahlte Zugabe mit sich brachten. Mehr nach einer rein psycho- ogischen Seite hm zeitigt das Überschreiten der vorhin bezeichneten Vermogensgrenze das folgende Superadditum. Bei einem oberhalb ihrer stehenden Vermögen spielt die Frage, was ein begehrter Gegen¬ stand kostet m vielen Fallen überhaupt keine Rolle mehr. Da/be- sagt viel mehr und tieferes, als der gewöhnliche Sprachgebrauch mit esem Ausdruck verbindet. So lange nämlich das Einkommen noch in der angedeuteten Weise irgendwie für bestimmte Verwendungen festgelegt ist ist jede Ausgabe unvermeidlich mit dem Gedanken der für sie erforderten Geldaufwendung belastet; für die Mehrzahl der Menschen schiebt sich zwischen Wunsch und Befriedigung noch die Frage, was kostet es? und bewirkt eine gewisse Materialisierung der Dinge, die für den wirklichen Geldaristokraten ausgeschaltet ist. Wer Geld über ein bestimmtes Maß hinaus besitzt, gewinnt damit noch den zusätzlichen Vorteil, es verachten zu können. Die Lebens- u rung, die nach dem Geldwert der Dinge überhaupt nicht zu fragen braucht, hat einen außerordentlichen ästhetischen Reiz, sie kann sich über Erwerbungen nach nur sachlichen, ausschließlich von dem Inhalt und der Bedeutung der Objekte abhängigen Gesichtspunkten entscheiden. In so vielen Erscheinungen die Herrschaft des Geldes auch die Eigenartigkeit der Dinge und deren Bewußtsein herab¬ setzen mag, so sind doch auch die anderen unverkennbar, in denen das Geld diese steigert: Qualitäten der Objekte haben mindestens die psychologische Chance — so selten sie realisiert sein mag — um so individueller hervorzutreten, je mehr das ihnen Gemeinsame, der ökonomische Wert, auf ein außer ihnen stehendes Gebilde proji¬ ziert und in ihm lokalisiert ist. Indem nun jene Lebensführung nach dem Geld nicht fragt, entgeht sie den Ablenkungen und den Schatten, die der rein sachlichen Qualität und Wertung der Dinge durch die dieser innerlich ganz fremde Beziehung auf ihren Geldpreis kommen. Wo also selbst der etwas weniger Bemittelte denselben Gegenstand kaufen kann, wie der ganz Reiche, genießt dieser noch das psycho¬ logische Superadditum einer Leichtigkeit, Unmittelbarkeit, Unab- gelenktheit des Erwerbes und Genusses, die jenem durch die vor- und mittönende Geldopferfrage getrübt wird. Wenn wir nachher sehen werden, daß die Blasiertheit gerade umgekehrt die Ab • stumpfung gegen die Besonderheiten und sachlichen Reize der Dinge zum Schatten des Geldreichtums macht, so ist dies kein Beweis gegen jenen Zusammenhang, sondern nur einer für das Wesen des Geldes: durch seine Entfernung von jeder eigenen Bestimmtheit die völlig entgegengesetzt verlaufenden Fäden des inneren und äußeren Lebens aufzunehmen und jedem in der ihm eigenen Richtung ein Werkzeug entschiedenerer Herausbildung und Darstellung zu sein. Darin liegt die unvergleichliche Bedeutung des Geldes für die Ent¬ wicklungsgeschichte des praktischen Geistes; mit ihm ist die bisher äußerste Verminderung der Besonderheit und Einseitigkeit aller empirischen Gebilde erreicht. Was man die Tragik der mensch¬ lichen Begriffsbildung nennen könnte: daß der höhere Begriff die Weite, mit der er eine wachsende Anzahl von Einzelheiten umfaßt, mit wachsender Leere an Inhalt bezahlen muß, gewinnt im Gelde sein vollkommenes praktisches Gegenbild, d. h. die Daseinsform, deren Seiten Allgemeingültigkeit und Inhaltslosigkeit sind, ist im Geld zu einer realen Macht geworden, deren Verhältnis zu aller Entgegengesetztheit der Verkehrsobjekte und ihrer seelischen Um¬ gebungen gleichmäßig als Dienen wie als Herrschen zu deuten ist. Das Superadditum des Geldbesitzes ist nichts als eine einzelne Er¬ scheinung dieses, man möchte sagen, metaphysischen Wesens des Geldes, daß es über jede Einzelverwendung seiner hinausreicht und, weil es das absolute Mittel ist, die Möglichkeit aller Werte als den Wert aller Möglichkeiten zur Geltung bringt.
Aus dem Wirkungsbereich dieses Verhältnisses will ich nur noch eine zweite Reihe herausheben. Die über alle spezifischen Zwecke erhabene Mittelsbedeutung des Geldes hat zur Folge, daß es das Interessenzentrum und die eigentliche Domäne solcher Individuen und Klassen wird, deren soziale Stellung sie von vielerlei persönlichen und spezifischen Zielen ausschließt. Daß den römischen Frei- gelassenen die volle bürgerliche Stellung mit allen ihren Chancen fehlte, bewirkte es, daß sie sich mit Vorliebe auf das Geldgeschäft Zf SCh°n m Athen hatte’ bei dem ersten Aufkommen reinen LaSn'il “Lt Jah/h“"d<i«. reichste Bankier, Pasion, sein. Laufbahn als Sklave begonnen. In der Türkei sind die Armenier Und °ft Verfol^ter Volksstamm, vielfach die Händle^ Mim?!? »7 gfrade WiC CS in Spanien unter ähnlichen Ver¬ hältnissen die Moriskos waren. In Indien sind diese Erscheinungen mh scheuer6?6113 5"? ^ Sehr zu™<*gedrängten und sonst oL t? Zuruckhaltung auftretenden Parsen meistens Wechsler cZJ wZZ an.dr7seits> m manchen Teilen Südindiens, sind die Geldgeschäfte und Reichtümer in den Händen der Tschettis einer Mischkaste, die wegen mangelnder Kastenreinheit ein sehr geringes Ansehen hat. So warfen sich die Hugenotten in ihrer exponierten und eingeengten Stellung mit größter Intensität auf den Gelderwerb Elfrd- als solchem kl“ weil eben alle moghchen Wege gleichmäßig zu ihm führen am wenigsten jemanden prinzipiell ausschließen Vom reinen Ge^ P7 *f feShalb ni^ht> wei1 es weniger technischer Vorbedingungen bedarf, als jeder andere Erwerb, und sich deshalb leichter der Kon inderR* Eingriff entzieht» und zudem, weil der Geldbedürftige verachtete P^rsönh^k^ a ^ schließlich aa<* die sonst Winkel aufsucht Und 7“? de° S°nSt Semiedensten Schlupf¬ winkel aufsucht. Und weil der in irgendeinem Sinne Rechtlose Ge¬ rade vom Gebiet der bloßen Geldinteressen nicht fernzuhalten St teh fhth2W1phT bClden Bestimmungen eine Assoziation, die in Moßen reüt ^ng?. Wirksam wird: 50 droht einerseits dem bloßen Geldmenschen leicht eine soziale Deklassierung, deren Fühlund to ^ °d nU" durch Sdne Macht und Unentbehrlichkeit entgeh und so wurde andrerseits den fahrenden Leuten des Mittelalters5 die allenthalben schlechtes Recht hatten, doch in Geldsachen unpartti- lch Recht gemessen. Eben derselbe Erfolg muß eintreten wenn die Ausschließung sozialer Elemente von den Rechten und Genüssen ierteVR bprger dUI"Ch luristische oder ihnen sonst oktroy- “TsUdTo Tderl dU7h freiwiUigen Verzickt ihrerseits geschieht. Als die Quaker schon die volle politische Gleichberechtigung* hatten, schlossen sie sich selbst von den Interessen der anderen aus: sie schwuren nicht, konnten also keine öffentlichen Ämter über¬ nehmen, sie verschmähten alles, was mit dem Schmuck des Lebens zusammenhängt, sogar den Sport, sie mußten sogar den Landbau aufgeben, weil sie den Kirchenzehnten verweigerten. So waren sie, um überhaupt noch ein äußeres Lebensinteresse zu haben, auf das Geld hingewiesen, als auf das einzige, zu dem sie sich den Zugang nicht versperrt hatten. Ganz entsprechend hat man über das herren- huterische Leben bemerkt, daß ihm aller ideale Gehalt von Wissen¬ schaften, Künsten, heiterer Geselligkeit fehle, und es so neben dem religiösen Interesse nur noch die nackte Erwerbslust als praktischen Impuls bestehen lasse. Die Betriebsamkeit und Habsucht vieler Herrenhuter und Pietisten sei deshalb kein Anzeichen von Heuchelei, sondern von einem kranken, vor den Kulturinteressen flüchtigen Christentum, von einer Frömmigkeit, die nichts irdisch Hohes neben sich duldet, sondern eher noch ein irdisch Niedriges. Ja selbst für die entgegengesetzten Stufen der sozialen Skala bleibt es verhängnis¬ voll, daß nach Wegfall aller anderen Interessen das am Gelde noch immer als letzte, zäheste, überlebendste Interessenschicht beharrt.
Daß der französische Adel des ancien r£gime sich von seinen sozialen Pflichten zurückzog, lag an der wachsenden Zentralisierung des Staates, der die Verwaltung des bäuerlichen Gebietes selbst in die Hand genommen hatte. Indem der Staat dem Adel alle inhaltlich wertvollen Herrschaftsfunktionen abnahm, hatte für diesen der Güterbesitz keine andere Bedeutung mehr, als: möglichst viel Geld herauszuschlagen. Dies war der letzte, ihm nicht wegzunehmende Interessenpunkt, und auf ihn reduzierte sich deshalb alles, was sonst an lebendiger Verbindung zwischen Adel und Bauer bestanden hatte und wovon der erstere nun abgedrängt war. Macht aber jene nicht zu raubende Möglichkeit schon das Geldgeschäft zur ultima ratio sozial benachteiligter und bedrückter Elemente, so wirkt für sie positiv noch die Macht des Geldes, Stellungen, Einfluß, Genüsse noch da zu gewinnen, wo man von gewissen direkten Mitteln des sozialen Ranges: der Beamtenqualität, bestimmten, ihnen vorenthaltenen Berufen, der Persönlichkeitsentfaltung, ausgeschlossen ist. Denn weil das Geld zwar bloßes Mittel, dieses aber auch in absolutem Maße ist, und so jede Präjudizierung durch irgendeine sachliche Bestimmt¬ heit ablehnt, so ist es ebenso der unbedingte terminus a quo zu allem hin, wie es der unbedingte terminus ad quem von allem her ist. Darum treten ganz entsprechende Erscheinungen auf, wo kein Aus¬ schluß einer Gruppenabteilung von den Zweckreihen der anderen vorliegt, sondern die gleiche teleologische Formung sich auf die ganze Gruppe erstreckt. Von den Spartanern, denen alle eigentlich ökonomischen Interessen untersagt waren, wird doch eine auffallende Geldgier berichtet. Es scheint, daß die Leidenschaft nach einem Besitz, dessen Verteilung die lykurgische Verfassung unpraktisch ge¬ ordnet hatte, gerade da herausbrach, wo er am wenigsten spezifischen Charakter trug und seine Einschränkung also am undurchführbarsten war. Auch wird erwähnt, daß in bezug auf den realen Genuß des Besitzes in Sparta lange kein Unterschied zwischen Arm und Reich war, daß die Reichen nicht besser lebten als die Armen: um so mehr mußte sich die Pleonexie auf den bloßen Besitz des Geldes werfen I Auf ganz andere Momente hin ist die gleiche Grundkonstellation wirk¬ sam, wenn ein Fragment des Ephoros besagt, Ägina wäre deshalb ein solcher Haupthandelsplatz geworden, weil die Unfruchtbarkeit des Bodens die Einwohner auf den Handel hingewiesen hätte — und Agina war die erste Stelle im eigentlichen Hellas, wo überhaupt Geldmünzen geprägt wurden! Weil das Geld der gemeinsame Schnitt¬ er1^* der Zweckreihen ist, die von jedem Punkt der ökonomischen Welt zu jedem anderen laufen, so nimmt es jeder von jedem. Zu der Zeit, als der Fluch der »Unehrlichkeit« am schwersten auf be¬ stimmten Berufen lastete, nahm man dennoch Geld sogar vom Henker, wenngleich man möglichst einen Ehrlichen suchte, von dem man es zuerst anfassen ließ! Von der Einsicht in diese alles u erwindende Macht aus verteidigte Macaulay die Emanzipation der Juden damit, daß es ein Widersinn wäre, ihnen die politischen Rechte vorzuenthalten, da sie vermöge ihres Geldes die Substanz derselben doch besäßen. Sie könnten Wähler kaufen, Könige lenken, als Gläubiger ihre Schuldner beherrschen, so daß politische Rechte nichts als die formale Vollendung von dem wären, was sie schon hatten. Um ihnen das politische Recht wirklich zu nehmen, müßte man sie ermorden und berauben; ließe man ihnen aber ihr Geld so we may take away the shadow, but we must leave them the sub- stance - ein für die teleologische Drehung des Geldbegriffes höchst charakteristischer Ausdruck; denn rein inhaltlich möchte man die soziale, politische, personale Position doch als einen realen und sub¬ stanziellen Wert, das Geld aber, die an sich leere Symbolisierung anderweitiger Werte, als den bloßen Schatten bezeichnen!
Es braucht nicht betont zu werden, daß jene ganze Korrelation zwischen Zentralität des Geldinteresses und sozialer Gedrücktheit an den Juden ihr umfänglichstes Beispiel hat. Ich will deshalb in Hin¬ sicht ihrer nur zwei Gesichtspunkte bezeichnen, als für die hier fragliche Wesensbedeutung des Geldes besonders erheblich Weil der Reichtum der Juden in Geld bestand, waren sie ein so besonders gesuchtes und fruchtbares Ausbeutungsobjekt; denn kein anderer Besitz läßt sich so schnell, einfach und verlustlos mit Beschlag be¬ legen. Wie man die wirtschaftlichen Güter in Hinsicht ihres Er¬ werbes durch Arbeit in eine Skala größerer oder geringerer Zweck¬ mäßigkeit reihen kann, so in Hinsicht ihres Erwerbes durch Raub. Wenn man jemandem sein Land fortnimmt, so kann man den Vorteil davon — außer wenn man es eben gleich wieder in Geld umsetzt — nicht ohne weiteres realisieren, Zeit, Mühe, Aufwendungen werden erfordert. Praktischer verhalten sich natürlich schon Mobilien, so viele hier wirksame Unterschiede auch unter ihnen bestehen: im mittelalterlichen England war z. B. die Wolle in dieser Hinsicht das zweckmäßigste, sie war a sort of circulating medium, in dem das Parlament den Königen Auflagen bewilligte, und an das diese sich zuerst hielten, wenn sie von den Kaufleuten Geld erpressen wollten. Das Geld bildet den äußersten Punkt dieser Skala. Derselbe von aller spezifischen Bedingtheit gelöste Charakter, der das Geld den Juden in ihrer Pariastellung zum geeignetsten und am wenigsten versagbaren Erwerbszwecke machte, ließ es auch zum geeignetsten und unmittelbarsten Anreiz werden, sie auszuplündem. Es ist durch¬ aus kein Gegenbeweis, sondern zeigt die auf Grund eben dieser Züge dem Gelde zuwachsende Macht nur von der anderen Seite, wenn wir von den mittelalterlichen Judenaustreibungen hören, in einigen Städten seien es die reichen Juden, in anderen aber gerade die armen gewesen, auf die sich die Verfolgung richtete.