SigPhi · Georg Wilhelm Friedrich Hegel

Phänomenologie des Geistes (German)

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für sein Bewußtsein selbst sei.--Dieser sein Begriff wird durch sein Tun zu seinem Gegenstande; sein Selbst erfährt es also vielmehr als das Unwirkliche, und die Unwirklichkeit als seine Wirklichkeit. Es ist also nicht eine zufällige und fremde Individualität, sondern eben dieses Herz nach allen Seiten in sich das Verkehrte und Verkehrende.

Indem aber die unmittelbar allgemeine Individualität das Verkehrte und Verkehrende ist, ist nicht weniger diese allgemeine Ordnung, da sie das Gesetz aller _Herzen_, das heißt, des Verkehrten ist, selbst an sich das Verkehrte, wie die tobende Verrücktheit es aussprach.

Einmal erweist sie sich in dem Widerstande, welchen das Gesetz eines Herzens an den andern Einzelnen findet, _Gesetz_ aller Herzen zu sein.

Die bestehenden Gesetze werden gegen das Gesetz eines Individuums verteidigt, weil sie nicht bewußtlose, leere und tote Notwendigkeit, sondern geistige Allgemeinheit und Substanz sind, worin diejenigen, an denen sie ihre Wirklichkeit hat, als Individuen leben, und ihrer selbst bewußt sind; so daß, wenn sie auch über diese Ordnung, als ob sie dem innern Gesetze zuwiderlaufe, klagen und die Meinungen des Herzens gegen sie halten, in der Tat mit ihrem Herzen an ihr als ihrem Wesen hängen; und wenn diese Ordnung ihnen genommen wird, oder sie selbst sich daraussetzen, sie alles verlieren. Indem hierin eben die Wirklichkeit und Macht der öffentlichen Ordnung besteht, erscheint also diese als das sich selbst gleiche allgemein belebte Wesen, und die Individualität als die Form derselben.--Aber diese Ordnung ist ebenso das Verkehrte.

Denn darin, daß sie das Gesetz aller Herzen ist, daß alle Individuen unmittelbar dieses Allgemeine sind, ist sie eine Wirklichkeit, welche nur die Wirklichkeit der _für sich seienden_ Individualität, oder des Herzens ist. Das Bewußtsein, welches das Gesetz seines Herzens aufstellt, erfährt also Widerstand von andern, weil es den _ebenso einzelnen_ Gesetzen ihres Herzens widerspricht, und diese tun in ihrem Widerstande nichts anders als ihr Gesetz aufstellen und geltend machen. Das _Allgemeine_, das vorhanden ist, ist daher nur ein allgemeiner Widerstand und Bekämpfung aller gegeneinander, worin jeder seine eigene Einzelnheit geltend macht, aber zugleich nicht dazu kommt, weil sie denselben Widerstand erfährt, und durch die andern gegenseitig aufgelöst wird. Was öffentliche _Ordnung_ scheint, ist also diese allgemeine Befehdung, worin jeder an sich reißt, was er kann, die Gerechtigkeit an der Einzelnheit der Andern ausübt und die seinige festsetzt, die ebenso durch andere verschwindet. Sie ist der _Weltlauf_, der Schein eines bleibenden Ganges, der nur eine _gemeinte Allgemeinheit_, und dessen Inhalt vielmehr das wesenlose Spiel der Festsetzung der Einzelnheiten und ihrer Auflösung ist.

Betrachten wir beide Seiten der allgemeinen Ordnung gegeneinander, so hat die letztere Allgemeinheit zu ihrem Inhalte die unruhige Individualität, für welche die Meinung oder die Einzelnheit Gesetz, das Wirkliche unwirklich und das Unwirkliche das Wirkliche ist. Sie ist aber zugleich die _Seite der Wirklichkeit_ der Ordnung, denn ihr gehört das _Für-sich-sein_ der Individualität an.--Die andere Seite ist das _Allgemeine_ als _ruhiges_ Wesen, aber eben darum nur als ein _Inneres_, das nicht gar nicht, aber doch keine Wirklichkeit ist, und nur durch Aufhebung der Individualität, welche sich die Wirklichkeit angemaßt hat, selbst wirklich werden kann. Diese Gestalt des Bewußtseins, sich in dem Gesetze, in dem _an sich_ Wahren und Guten nicht als die Einzelnheit, sondern nur als _Wesen_ zu werden, die Individualität aber als das Verkehrte und Verkehrende zu wissen, und daher die Einzelnheit des Bewußtseins aufopfern zu müssen, ist die _Tugend_.

c. Die Tugend und der Weltlauf In der ersten Gestalt der tätigen Vernunft war das Selbstbewußtsein sich reine Individualität, und ihr gegenüber stand die leere Allgemeinheit. In der zweiten hatten die beiden Teile des Gegensatzes jeder die _beiden_ Momente, Gesetz und Individualität, an ihnen; der eine aber, das Herz, war ihre unmittelbare Einheit, der andere ihre Entgegensetzung. Hier, im Verhältnisse der Tugend und des Weltlaufs, sind beide Glieder, jedes Einheit und Gegensatz dieser Momente, oder eine Bewegung des Gesetzes und der Individualität gegeneinander, aber eine entgegengesetzte. Dem Bewußtsein der Tugend ist das _Gesetz_ das _Wesentliche_ und die Individualität das Aufzuhebende, und also sowohl an ihrem Bewußtsein selbst als an dem Weltlaufe. An jenem ist die eigne Individualität in die Zucht unter das Allgemeine, das an sich Wahre und Gute, zu nehmen; es bleibt aber darin noch persönliches Bewußtsein; die wahre Zucht ist allein die Aufopfrung der ganzen Persönlichkeit, als die Bewährung, daß es in der Tat nicht noch an Einzelnheiten festgeblieben ist. In dieser einzelnen Aufopfrung wird zugleich die Individualität an _dem Weltlaufe_ vertilgt, denn sie ist auch einfaches beiden gemeinschaftliches Moment.--In diesem verhält sich die Individualität auf die verkehrte Weise, als sie am tugendhaften Bewußtsein gesetzt ist, nämlich sich zum Wesen zu machen, und dagegen das _an sich_ Gute und Wahre sich zu unterwerfen.--Der Weltlauf ist ferner ebenso für die Tugend nicht nur dies durch die _Individualität verkehrte_ Allgemeine; sondern die absolute _Ordnung_ ist gleichfalls gemeinschaftliches Moment, an dem Weltlaufe nur nicht als _seiende Wirklichkeit_ für das Bewußtsein vorhanden, sondern das _innere Wesen_ desselben. Sie ist daher nicht erst durch die Tugend eigentlich hervorzubringen, denn das Hervorbringen ist, als _Tun_, Bewußtsein der Individualität, und diese vielmehr aufzuheben; durch dieses Aufheben aber wird dem _An-sich_ des Weltlaufs gleichsam nur Raum gemacht, an und für sich selbst in die Existenz zu treten.

Der allgemeine _Inhalt_ des wirklichen Weltlaufs hat sich schon ergeben; näher betrachtet, ist er wieder nichts anders als die beiden vorhergehenden Bewegungen des Selbstbewußtseins. Aus ihnen ist die Gestalt der Tugend hervorgegangen; indem sie ihr Ursprung sind, hat sie sie vor sich; sie geht aber darauf, ihren Ursprung aufzuheben, und sich zu realisieren, oder _für sich_ zu werden. Der Weltlauf ist also einerseits die einzelne Individualität, welche ihre Lust und Genuß sucht, darin zwar ihren Untergang findet, und hiemit das Allgemeine befriedigt. Aber diese Befriedigung selbst sowie die übrigen Momente dieses Verhältnisses ist eine verkehrte Gestalt und Bewegung des Allgemeinen. Die Wirklichkeit ist nur die Einzelnheit der Lust und des Genusses, das Allgemeine aber ihr entgegengesetzt; eine Notwendigkeit, welche nur die leere Gestalt desselben, eine nur negative Rückwirkung und inhaltsloses Tun ist.--Das andere Moment des Weltlaufs ist die Individualität, welche an und für sich Gesetz sein will, und in dieser Einbildung die bestehende Ordnung stört; das allgemeine Gesetz erhält sich zwar gegen diesen Eigendünkel, und tritt nicht mehr als ein dem Bewußtsein Entgegengesetztes und Leeres, nicht als eine tote Notwendigkeit auf, sondern als _Notwendigkeit in dem Bewußtsein selbst_. Aber wie es als die _bewußte_ Beziehung der absolut widersprechenden Wirklichkeit existiert, ist es die Verrücktheit; wie es aber als _gegenständliche_ Wirklichkeit ist, ist es die Verkehrtheit überhaupt. Das Allgemeine stellt sich also wohl in beiden Seiten als die Macht ihrer Bewegung dar, aber die _Existenz_ dieser Macht ist nur die allgemeine Verkehrung.

Von der Tugend soll es nun seine wahrhafte Wirklichkeit erhalten, durch das Aufheben der Individualität, des Prinzips der Verkehrung; ihr Zweck ist, hiedurch den verkehrten Weltlauf wieder zu verkehren und sein wahres Wesen hervorzubringen. Dies wahre Wesen ist an dem Weltlaufe nur erst als sein _An-sich_, es ist noch nicht wirklich; und die Tugend _glaubt_ es daher nur. Diesen Glauben geht sie zum Schauen zu erheben, ohne aber der Früchte ihrer Arbeit und Aufopferung zu genießen. Denn insofern sie _Individualität_ ist, ist sie das _Tun_ des Kampfes, den sie mit dem Weltlaufe eingeht; ihr Zweck und wahres Wesen aber ist die Besiegung der Wirklichkeit des Weltlaufs; die dadurch bewirkte Existenz des Guten ist hiemit das Aufhören ihres _Tuns_, oder des _Bewußtseins_ der Individualität.

--Wie dieser Kampf selbst bestanden werde, was die Tugend in ihm erfährt, ob durch die Aufopferung, welche sie über sich nimmt, der Weltlauf unterliege, die Tugend aber siege--dies muß sich aus der Natur der lebendigen _Waffen_ entscheiden, welche die Kämpfer führen.

Denn die Waffen sind nichts anderes als das _Wesen_ der Kämpfer selbst, das nur für sie beide gegenseitig hervortritt. Ihre Waffen haben sich hiemit schon aus dem ergeben, was an sich in diesem Kampfe vorhanden ist.

Das _Allgemeine_ ist für das tugendhafte Bewußtsein im _Glauben_ oder _an sich_ wahrhaft; noch nicht eine wirkliche, sondern eine _abstrakte_ Allgemeinheit; an diesem Bewußtsein selbst ist es _als Zweck_, an dem Weltlaufe als _Inneres_. In eben dieser Bestimmung stellt das Allgemeine sich auch an der Tugend für den Weltlauf dar; denn sie _will_ das Gute erst ausführen, und gibt selbst es noch nicht für Wirklichkeit aus. Diese Bestimmtheit kann auch so betrachtet werden, daß das Gute, indem es in dem Kampf gegen den Weltlauf auftritt, damit sich darstellt als seiend _für ein Anderes_; als etwas, das nicht _an und für sich selbst_ ist, denn sonst würde es nicht durch Bezwingung seines Gegenteils sich erst seine Wahrheit geben wollen. Es ist nur erst _für ein Anderes_, heißt dasselbe, was vorher von ihm in der entgegengesetzten Betrachtung sich zeigte, nämlich es ist erst eine _Abstraktion_, welche nur in dem Verhältnisse, nicht an und für sich, Realität hat.

Das Gute oder Allgemeine, wie es also hier auftritt, ist dasjenige, was die _Gaben, Fähigkeiten, Kräfte_ genannt wird. Es ist eine Weise des Geistigen zu sein, worin es als ein Allgemeines vorgestellt wird, das zu seiner Belebung und Bewegung des Prinzips der Individualität bedarf, und in dieser seine _Wirklichkeit_ hat. Von diesem Prinzip, insofern es am Bewußtsein der Tugend ist, wird dies Allgemeine _gut angewendet_, von ihm aber, insofern es am Weltlauf ist, _mißbraucht_; --ein passives Werkzeug, das von der Hand der freien Individualität regiert, gleichgültig gegen den Gebrauch, den sie von ihm macht, auch zur Hervorbringung einer Wirklichkeit mißbraucht werden kann, die seine Zerstörung ist; eine leblose, eigner Selbstständigkeit entbehrende Materie, die so oder auch anders, und selbst zu ihrem Verderben geformt werden kann.

Indem dies Allgemeine dem Bewußtsein der Tugend, wie dem Weltlaufe auf gleiche Weise zu Gebote steht, so ist nicht abzusehen, ob so ausgerüstet die Tugend das Laster besiegen werde. Die Waffen sind dieselben; sie sind diese Fähigkeiten und Kräfte. Zwar hat die Tugend ihren Glauben an die ursprüngliche Einheit ihres Zweckes und des Wesens des Weltlaufes in den Hinterhalt gelegt, welche dem Feinde während des Kampfes in den Rücken fallen, und _an sich_ ihn vollbringen soll; so daß hiedurch in der Tat für den Ritter der Tugend sein eignes _Tun_ und Kämpfen eigentlich eine Spiegelfechterei ist, die er nicht für Ernst nehmen _kann_, weil er seine wahrhafte Stärke darein setzt, daß das Gute _an und für sich selbst_ sei, d.h.

sich selbst vollbringe,--eine Spiegelfechterei, die er auch nicht zum Ernste werden lassen _darf_. Denn dasjenige, was er gegen den Feind kehrt, und gegen sich gekehrt findet, und dessen Abnutzung und Beschädigung er sowohl an ihm selbst als seinem Feinde daran wagt, soll nicht das Gute selbst sein; denn für dessen Bewahrung und Ausführung kämpft er; sondern was daran gewagt wird, sind nur die gleichgültigen Gaben und Fähigkeiten. Allein diese sind in der Tat nichts anderes als eben dasjenige individualitätslose Allgemeine selbst, welches durch den Kampf erhalten und verwirklicht werden soll.

--Es ist aber zugleich durch den Begriff des Kampfs selbst unmittelbar _bereits verwirklicht_; es ist das _An-sich_, das _Allgemeine_; und seine Verwirklichung heißt nur dieses, daß es _zugleich für ein Anderes_ sei. Die beiden oben angegebenen Seiten, nach deren jeder es zu einer Abstraktion wurde, _sind nicht mehr getrennt_, sondern in und durch den Kampf ist das Gute auf beide Weisen zumal gesetzt.--Das tugendhafte Bewußtsein tritt aber in den Kampf gegen den Weltlauf als gegen ein dem Guten Entgegengesetztes; was er ihm hierin darbietet, ist das Allgemeine, nicht nur als abstraktes Allgemeines, sondern als ein von der Individualität belebtes und für ein Anderes seiendes, oder das _wirkliche Gute_. Wo also die Tugend den Weltlauf anfaßt, trifft sie immer auf solche Stellen, die die Existenz des Guten selbst sind, das in alle Erscheinung des Weltlaufs, als das _An-sich_ des Weltlaufs, unzertrennlich verschlungen ist, und in der Wirklichkeit desselben auch sein Dasein hat; er ist also für sie unverwundbar. Ebensolche Existenzen des Guten, und hiemit unverletzliche Verhältnisse, sind alle Momente, welche von der Tugend selbst an ihr darangesetzt und aufgeopfert werden sollten. Das Kämpfen kann daher nur ein Schwanken zwischen Bewahren und Aufopfern sein; oder vielmehr kann weder Aufopferung des Eignen noch Verletzung des Fremden stattfinden. Die Tugend gleicht nicht nur jenem Streiter, dem es im Kampfe allein darum zu tun ist, sein Schwert blank zu erhalten, sondern sie hat auch den Streit darum begonnen, die Waffen zu bewahren; und nicht nur kann sie die ihrigen nicht gebrauchen, sondern muß auch die des Feindes unverletzt erhalten und sie gegen sich selbst schützen, denn alle sind edle Teile des Guten, für welches sie in den Kampf ging.

Diesem Feinde dagegen ist nicht das _An-sich_, sondern die _Individualität_ das Wesen; seine Kraft also das negative Prinzip, welchem nichts bestehend und absolut heilig ist, sondern welches den Verlust von allem und jedem wagen und ertragen kann. Hiedurch ist ihm der Sieg ebensosehr an ihm selbst gewiß als durch den Widerspruch, in welchen sich sein Gegner verwickelt. Was der Tugend _an sich_ ist, ist dem Weltlaufe nur für _ihn_; er ist frei von jedem Momente, das für sie fest und woran sie gebunden ist. Er hat ein solches Moment dadurch, daß es für ihn nur als ein solches gilt, das er ebensowohl aufheben als bestehen lassen kann, in seiner Gewalt; und damit auch den daran befestigten tugendhaften Ritter. Dieser kann sich davon nicht als von einem äußerlich umgeworfenen Mantel loswickeln und durch Hinterlassung desselben sich frei machen; denn es ist ihm das nicht aufzugebende Wesen.

Was endlich den Hinterhalt betrifft, aus welchem das _gute An-sich_ dem Weltlaufe listigerweise in den Rücken fallen soll, so ist diese Hoffnung an sich nichtig. Der Weltlauf ist das wache seiner selbst gewisse Bewußtsein, das nicht von hinten an sich kommen läßt, sondern allenthalben die Stirne bietet; denn er ist dieses, daß alles _für ihn_ ist, daß alles _vor ihm_ steht. Das gute _An-sich_ aber, ist es _für_ seinen Feind, so ist es in dem Kampfe, den wir gesehen haben; insofern es aber nicht _für ihn_, sondern _an sich_ ist, ist es das passive Werkzeug der Gaben und Fähigkeiten, die wirklichkeitslose Materie; als Dasein vorgestellt, wäre es ein schlafendes und dahinten, man weiß nicht wo, bleibendes Bewußtsein.

Die Tugend wird also von dem Weltlaufe besiegt, weil das abstrakte, unwirkliche _Wesen_ in der Tat ihr Zweck ist, und weil in Ansehung der Wirklichkeit ihr Tun auf _Unterschieden_ beruht, die allein in den _Worten_ liegen. Sie wollte darin bestehen, durch _Aufopferung der Individualität_ das Gute zur _Wirklichkeit_ zu bringen, aber die Seite der _Wirklichkeit_ ist selbst nichts anders als die Seite der _Individualität_. Das Gute sollte dasjenige sein, was _an sich_ und dem, was _ist_, entgegengesetzt ist, aber das _An-sich_ ist, nach seiner Realität und Wahrheit genommen, vielmehr das _Sein selbst_.

Das _An-sich_ ist zunächst die _Abstraktion des Wesens_ gegen die Wirklichkeit; aber die Abstraktion ist eben dasjenige, was nicht wahrhaft, sondern nur _für das Bewußtsein_ ist; das heißt aber, es ist selbst dasjenige, was _wirklich_ genannt wird; denn das Wirkliche ist, was wesentlich _für ein Anderes_ ist, oder es ist das _Sein_.

Das Bewußtsein der Tugend aber beruht auf diesem Unterschiede des _An-sich_ und des _Seins_, der keine Wahrheit hat.--Der Weltlauf sollte die Verkehrung des Guten sein, weil er die _Individualität_ zu seinem Prinzip hatte; allein diese ist das Prinzip der _Wirklichkeit_; denn eben sie ist das Bewußtsein, wodurch das _Ansichseiende_ ebensosehr _für ein Anderes_ ist; er verkehrt das Unwandelbare, aber er verkehrt es in der Tat aus dem _Nichts der Abstraktion in das Sein der Realität_.

Der Weltlauf siegt also über das, was die Tugend im Gegensatze gegen ihn ausmacht; er siegt über sie, der die wesenlose Abstraktion das Wesen ist. Er siegt aber nicht über etwas Reales, sondern über das Erschaffen von Unterschieden, welche keine sind, über diese pomphaften Reden vom Besten der Menschheit und der Unterdrückung derselben, von der Aufopferung fürs Gute und dem Mißbrauche der Gaben; --solcherlei ideale Wesen und Zwecke sinken als leere Worte zusammen, welche das Herz erheben und die Vernunft leer lassen; erbauen, aber nichts aufbauen; Deklamationen, welche nur diesen Inhalt bestimmt aussprechen, daß das Individuum, welches für solche edle Zwecke zu handeln vorgibt und solche vortreffliche Redensarten führt, sich für ein vortreffliches Wesen gilt,--eine Aufschwellung, welche sich und andern den Kopf groß macht, aber groß von einer leeren Aufgeblasenheit.--Die antike Tugend hatte ihre bestimmte sichere Bedeutung, denn sie hatte an der _Substanz_ des Volks ihre Gutes zu ihrem Zwecke; sie war daher auch nicht gegen die Wirklichkeit als eine _allgemeine Verkehrtheit_ und gegen einen _Weltlauf_ gerichtet. Die betrachtete aber ist aus der Substanz heraus, eine wesenlose Tugend, eine Tugend nur der Vorstellung und der Worte, die jenes Inhalts entbehren.--Diese Leerheit der mit dem Weltlaufe kämpfenden Rednerei würde sich sogleich aufdecken, wenn gesagt werden sollte, was ihre Redensarten bedeuten;--sie werden daher _als bekannt vorausgesetzt_. Die Forderung, dies Bekannte zu sagen, würde entweder durch einen neuen Schwall von Redensarten erfüllt, oder ihr die Berufung auf das Herz entgegengesetzt, welches _innerhalb_ es sage, was sie bedeuten, das heißt, die Unvermögenheit, _es in der Tat_ zu sagen, würde eingestanden.--Die Nichtigkeit jener Rednerei scheint auch auf eine bewußtlose Art für die Bildung unsers Zeitalters Gewißheit erlangt zu haben; indem aus der ganzen Masse jener Redensarten und der Weise, sich damit aufzuspreizen, alles Interesse verschwunden ist; ein Verlust, der sich darin ausdrückt, daß sie nur Langeweile machen.

Das Resultat also, welches aus diesem Gegensatze hervorgeht, besteht darin, daß das Bewußtsein die Vorstellung von einem _an sich_ Guten, das noch keine Wirklichkeit hätte, als einen leeren Mantel fahren läßt. Es hat in seinem Kampfe die Erfahrung gemacht, daß der Weltlauf so übel nicht ist, als er aussah; denn seine Wirklichkeit ist die Wirklichkeit des Allgemeinen. Es fällt mit dieser Erfahrung das Mittel, durch _Aufopferung_ der Individualität das Gute hervorzubringen, hinweg; denn die Individualität ist gerade die _Verwirklichung_ des Ansichseienden; und die Verkehrung hört auf, als eine Verkehrung des Guten angesehen zu werden, denn sie ist vielmehr eben die Verkehrung desselben als eines bloßen Zwecks in die Wirklichkeit; die Bewegung der Individualität ist die Realität des Allgemeinen.

In der Tat ist hiemit aber ebenso dasjenige besiegt worden und verschwunden, was als _Weltlauf_ dem Bewußtsein des Ansichseienden gegenüberstand. Das _Für-sich-sein_ der Individualität war daran dem Wesen oder Allgemeinen entgegengesetzt, und erschien als eine von dem _An-sich-sein_ getrennte Wirklichkeit. Indem aber sich gezeigt hat, daß die Wirklichkeit in ungetrennter Einheit mit dem Allgemeinen ist, so erweist sich das _Für-sich-sein_ des Weltlaufs ebenso, wie das _An-sich_ der Tugend nur eine _Ansicht_ ist, auch nicht mehr zu sein.

Die Individualität des Weltlaufs mag wohl nur _für sich_ oder _eigennützig_ zu handeln meinen; sie ist besser, als sie meint, ihr Tun ist zugleich _ansich_seiendes, _allgemeines_ Tun. Wenn sie eigennützig handelt, so weiß sie nur nicht, was sie tut, und wenn sie versichert, alle Menschen handeln eigennützig, so behauptet sie nur, alle Menschen haben kein Bewußtsein darüber, was das Tun ist.--Wenn sie _für sich_ handelt, so ist dies eben die Hervorbringung des nur erst _Ansich_seienden zur Wirklichkeit; der Zweck des _Für-sich-seins_ also, der dem An-sich sich entgegengesetzt meint--seine leere Pfiffigkeit, sowie seine feinen Erklärungen, die den Eigennutz überall aufzuzeigen wissen, sind ebenso verschwunden als der Zweck des _An-sich_ und seine Rednerei.

Es ist also _das Tun und Treiben der Individualität Zweck an sich selbst; der Gebrauch der Kräfte, das Spiel ihrer Äußerungen ist es_, was ihnen, die sonst das tote An-sich wären, Leben gibt, das An-sich nicht ein unausgeführtes, existenzloses und abstraktes Allgemeines, sondern es selbst ist unmittelbar diese Gegenwart und Wirklichkeit des Prozesses der Individualität.

C. Die Individualität, welche sich an und für sich selbst reell ist Das Selbstbewußtsein hat itzt den Begriff von sich erfaßt, der erst nur der unsrige von ihm war, nämlich in der Gewißheit seiner selbst alle Realität zu sein, und Zweck und Wesen ist ihm nunmehr die sich bewegende Durchdringung des Allgemeinen--der Gaben und Fähigkeiten--und der Individualität.--Die einzelnen Momente dieser Erfüllung und Durchdringung _vor der Einheit_, in welche sie zusammengegangen, sind die bisher betrachteten Zwecke. Sie sind als Abstraktionen und Chimären verschwunden, die jenen ersten schalen Gestalten des geistigen Selbstbewußtseins angehören, und ihre Wahrheit nur in dem gemeinten Sein des Herzens, der Einbildung und der Reden haben, nicht in der Vernunft, die itzt an und für sich ihrer Realität gewiß, sich nicht mehr als Zweck im _Gegensatze_ gegen die unmittelbarseiende Wirklichkeit erst hervorzubringen sucht, sondern zum Gegenstande ihres Bewußtseins die Kategorie als solche hat.--Es ist nämlich die Bestimmung _des für sich seienden_ oder _negativen_ Selbstbewußtseins, in welcher die Vernunft auftrat, aufgehoben; _es fand_ eine _Wirklichkeit_ vor, die das Negative seiner wäre, und durch deren Aufheben es erst sich seinen _Zweck_ verwirklichte. Indem aber _Zweck_ und _An-sich-sein_ als dasselbe sich ergeben hat, was das _Sein_ für _Anderes_ und die _vorgefundene Wirklichkeit_ ist, trennt sich die Wahrheit nicht mehr von der Gewißheit; es werde nun der gesetzte Zweck für die Gewißheit seiner selbst, und die Verwirklichung desselben für die Wahrheit, oder aber der Zweck für die Wahrheit, und die Wirklichkeit für die Gewißheit genommen; sondern das Wesen und der Zweck an und für sich selbst ist die Gewißheit der unmittelbaren Realität selbst, die Durchdringung des _An-sich-_ und _Für-sich-seins_, des Allgemeinen und der Individualität; das Tun ist an ihm selbst seine Wahrheit und Wirklichkeit, und die _Darstellung_ oder das _Aussprechen der Individualität_ ist ihm Zweck an und für sich selbst.

Mit diesem Begriffe ist also das Selbstbewußtsein aus den entgegengesetzten Bestimmungen, welche die Kategorie für es und sein Verhalten zu ihr als beobachtendes und dann als tätiges hatte, in sich zurückgegangen. Es hat die reine Kategorie selbst zu seinem Gegenstande, oder es ist die Kategorie, welche ihrer selbst bewußt geworden. Die Rechnung ist dadurch mit seinen vorherigen Gestalten abgeschlossen; sie liegen hinter ihm in Vergessenheit, treten nicht als seine vorgefundne Welt gegenüber, sondern entwickeln sich nur innerhalb seiner selbst als durchsichtige Momente. Doch treten sie noch in seinem Bewußtsein als eine _Bewegung_ unterschiedner Momente auseinander, die sich noch nicht in ihre substantielle Einheit zusammengefaßt hat. Aber in _allen_ hält es die einfache Einheit des Seins und des Selbsts fest, die ihre _Gattung_ ist.-Das Bewußtsein hat hiemit allen Gegensatz und alle Bedingung seines Tuns abgeworfen; es geht frisch _von sich_ aus, und nicht auf _ein Anderes_, sondern _auf sich selbst_. Indem die Individualität die Wirklichkeit an ihr selbst ist, ist der _Stoff_ des Wirkens und der _Zweck_ des Tuns an dem Tun selbst. Das Tun hat daher das Ansehen der Bewegung eines Kreises, welcher frei im Leeren sich in sich selbst bewegt, ungehindert bald sich erweitert, bald verengert, und vollkommen zufrieden nur in und mit sich selbst spielt. Das Element, worin die Individualität ihre Gestalt darstellt, hat die Bedeutung eines reinen Aufnehmens dieser Gestalt; es ist der Tag überhaupt, dem das Bewußtsein sich zeigen will. Das Tun verändert nichts, und geht gegen nichts; es ist die reine Form des Übersetzens aus dem _Nichtgesehenwerden_ in das _Gesehenwerden_, und der Inhalt, der zutage ausgebracht wird, und sich darstellt, nichts anderes, als was dieses Tun schon an sich ist. Es ist _an sich_--dies ist seine Form als _gedachter_ Einheit; und es ist _wirklich_--dies ist seine Form als _seiender_ Einheit; es selbst ist _Inhalt_ nur in dieser Bestimmung der Einfachheit gegen die Bestimmung seines Übergehens und seiner Bewegung.

a. Das geistige Tierreich und der Betrug,oder die Sache selbst Diese an sich reale Individualität ist zuerst wieder eine _einzelne_ und _bestimmte_; die absolute Realität, als welche sie sich weiß, ist daher, wie sie derselben sich bewußt wird, die _abstrakte allgemeine_, welche ohne Erfüllung und Inhalt, nur der leere Gedanke dieser Kategorie ist.--Es ist zu sehen, wie dieser Begriff der an sich selbst realen Individualität in seinen Momenten sich bestimmt, und wie ihr ihr Begriff von ihr selbst in das Bewußtsein tritt.

Der Begriff dieser Individualität, wie sie als solche für sich selbst alle Realität ist, ist zunächst _Resultat_; sie hat ihre Bewegung und Realität noch nicht dargestellt, und ist hier _unmittelbar_ als _einfaches An-sich-sein_ gesetzt. Die Negativität aber, welche dasselbe ist, was als Bewegung erscheint, ist an dem _einfachen An-sich_ als _Bestimmtheit_; und das _Sein_ oder das einfache An-sich wird ein bestimmter Umfang. Die Individualität tritt daher als ursprüngliche bestimmte Natur auf--als _ursprüngliche_ Natur, denn sie _ist an sich_; als ursprünglich _bestimmte_, denn das Negative ist am _An-sich_, und dieses ist dadurch eine Qualität. Diese Beschränkung des Seins jedoch kann _das Tun_ des Bewußtseins _nicht beschränken_, denn dieses ist hier ein vollendetes _Sich-auf-sich-selbst_-beziehen; die Beziehung auf Anderes ist aufgehoben, welche die Beschränkung desselben wäre. Die ursprüngliche Bestimmtheit der Natur ist daher nur einfaches Prinzip--ein durchsichtiges allgemeines Element, worin die Individualität ebenso frei und sich selbst gleich bleibt, als sie darin ungehindert ihre Unterschiede entfaltet, und reine Wechselwirkung mit sich in ihrer Verwirklichung ist. Wie das unbestimmte Tierleben etwa dem Elemente des Wassers, der Luft oder der Erde, und innerhalb dieser wieder bestimmtern Prinzipien seinen Odem einbläst, alle seine Momente in sie eintaucht, aber sie jener Beschränkung des Elements ungeachtet in seiner Macht und sich in seinem Eins erhält, und als diese besondere Organisation dasselbe allgemeine Tierleben bleibt.

Diese bestimmte ursprüngliche _Natur_ des in ihr frei und ganz bleibenden Bewußtseins erscheint als der unmittelbare und einzige eigentliche _Inhalt_ dessen, was dem Individuum Zweck ist; er ist zwar _bestimmter_ Inhalt, aber er ist überhaupt _Inhalt_ nur, insofern wir das _An-sich_-sein isoliert betrachten; in Wahrheit aber ist er die von der Individualität durchdrungene Realität; die Wirklichkeit, wie sie das Bewußtsein als einzelnes an ihm selbst hat, und zunächst _als seiend_, noch nicht als tuend gesetzt ist. Für das Tun aber ist einesteils jene Bestimmtheit darum nicht Beschränkung, über welche es hinauswollte, weil sie als seiende Qualität betrachtet die einfache Farbe des Elements ist, worin es sich bewegt; andernteils aber ist die Negativität _Bestimmtheit_ nur am Sein; aber das _Tun_ ist selbst nichts anderes als die Negativität; an der tuenden Individualität ist also die Bestimmtheit aufgelöst in Negativität überhaupt, oder den Inbegriff aller Bestimmtheit.

Die einfache ursprüngliche Natur nun tritt in dem _Tun_ und dem Bewußtsein des Tuns in den Unterschied, welcher diesem zukommt. Es ist _zuerst_ als Gegenstand, und zwar als _Gegenstand_, wie er noch dem _Bewußtsein_ angehört, als _Zweck_ vorhanden, und somit entgegengesetzt einer vorhandenen Wirklichkeit. Das _andere_ Moment ist die _Bewegung_ des als ruhend vorgestellten Zwecks, die Verwirklichung als die Beziehung des Zwecks auf die ganz formelle Wirklichkeit, hiemit die Vorstellung des _Überganges_ selbst, oder das _Mittel_. Das _dritte_ ist endlich der Gegenstand, wie er nicht mehr Zweck, dessen das Tuende unmittelbar als des _seinigen sich_ bewußt ist, sondern wie er aus ihm heraus und _für es_ als ein _Anderes_ ist.--Diese verschiedenen Seiten sind nun aber nach dem Begriffe dieser Sphäre so festzuhalten, daß der Inhalt in ihnen derselbe bleibt, und kein Unterschied hereinkommt, weder der Individualität und des Seins überhaupt, noch des _Zwecks_ gegen die _Individualität_ als _ursprüngliche Natur_, noch gegen die vorhandne Wirklichkeit, ebenso nicht des _Mittels_ gegen sie als absoluten _Zweck_, noch der _bewirkten Wirklichkeit_ gegen den Zweck oder die ursprüngliche Natur oder das Mittel.

Vors erste also ist die ursprünglich bestimmte Natur der Individualität, ihr unmittelbares Wesen noch nicht als tuend gesetzt, und heißt so _besondere_ Fähigkeit, Talent, Charakter u.s.f. Diese eigentümliche Tinktur des Geistes ist als der einzige Inhalt des Zwecks selbst, und ganz allein als die Realität zu betrachten.

Stellte man sich das Bewußtsein vor als darüber hinausgehend und einen andern Inhalt zur Wirklichkeit bringen wollend, so stellte man es sich vor als _ein Nichts_ in _das Nichts_ hinarbeitend.--Dies ursprüngliche Wesen ist ferner nicht nur Inhalt des Zwecks, sondern an sich auch die _Wirklichkeit_, welche sonst als _gegebener_ Stoff des Tuns, als _vorgefundene_ und im Tun zu bildende Wirklichkeit erscheint. Das Tun ist nämlich nur reines Übersetzen aus der Form des noch nicht dargestellten in die des dargestellten Seins; das An-sich-sein jener dem Bewußtsein entgegengesetzten Wirklichkeit ist zum bloßen leeren Scheine herabgesunken. Dies Bewußtsein, indem es sich zum Handeln bestimmt, läßt sich also durch den Schein der vorhandenen Wirklichkeit nicht irre machen, und ebenso hat es sich aus dem Herumtreiben in leeren Gedanken und Zwecken auf den ursprünglichen Inhalt seines Wesens zusammenzuhalten.--Dieser ursprüngliche Inhalt ist zwar erst _für_ das Bewußtsein, _indem es ihn verwirklicht hat_; der Unterschied aber eines solchen, das _für das_ Bewußtsein nur _innerhalb seiner_, und einer außer ihm an sich seienden Wirklichkeit ist hinweggefallen.--Nur daß _für es_ sei, was es _an sich_ ist, muß es handeln, oder das Handeln ist eben das Werden des Geistes _als Bewußtsein_. Was es _an sich_ ist, weiß es also aus seiner Wirklichkeit. Das Individuum kann daher nicht wissen, was _es ist_, eh es sich durch das Tun zur Wirklichkeit gebracht hat.

--Es scheint aber hiemit den _Zweck_ seines Tuns nicht bestimmen zu können, eh es getan hat; aber zugleich muß es, indem es Bewußtsein ist, die Handlung vorher als die _ganz seinige_, das heißt als _Zweck_ vor sich haben. Das ans Handeln gehende Individuum scheint sich also in einem Kreise zu befinden, worin jedes Moment das andere schon voraussetzt, und hiemit keinen Anfang finden zu können, weil es sein ursprüngliches Wesen, das sein Zweck sein muß, _erst aus der Tat_ kennenlernt, aber um zu tun, _vorher den Zweck_ haben muß.

Ebendarum aber hat es _unmittelbar_ anzufangen und, unter welchen Umständen es sei, ohne weiteres Bedenken um _Anfang, Mittel_ und _Ende_ zur Tätigkeit zu schreiten; denn sein Wesen und _ansich_seiende Natur ist alles in einem, Anfang, Mittel und Ende.

Als _Anfang_ ist sie in den _Umständen_ des Handelns vorhanden, und das _Interesse_, welches das Individuum an etwas findet, ist die schon gegebene Antwort auf die Frage: ob und was hier zu tun ist.

Denn was eine vorgefundene Wirklichkeit zu sein scheint, ist an sich seine ursprüngliche Natur, welche nur den Schein eines _Seins_ hat--einen Schein, der in dem Begriffe des sich entzweienden Tuns liegt--, aber als _seine_ ursprüngliche Natur sich in dem _Interesse, _ das es an ihr findet, ausspricht.--Ebenso ist das _Wie_ oder die _Mittel_ an und für sich bestimmt. Das _Talent_ ist gleichfalls nichts anders als die bestimmte ursprüngliche Individualität, betrachtet als _inneres Mittel_, oder _Übergang_ des Zwecks zur Wirklichkeit. Das _wirkliche_ Mittel aber und der reale Übergang ist die Einheit des Talents, und der im Interesse vorhandenen Natur der Sache; jenes stellt am Mittel die Seite des Tuns, dieses die Seite des Inhalts vor, beide sind die Individualität selbst, als Durchdringung des Seins und des Tuns. Was also vorhanden ist, sind vorgefundene _Umstände_, die _an sich_ die ursprüngliche Natur des Individuums sind; als denn das Interesse, welches sie eben als das _seinige_ oder als _Zweck_ setzt; endlich die Verknüpfung und Aufhebung dieses Gegensatzes im _Mittel_. Diese Verknüpfung fällt selbst noch innerhalb des Bewußtseins, und das soeben betrachtete Ganze ist die eine Seite eines Gegensatzes. Dieser noch übrige Schein von Entgegensetzung wird durch den _Übergang_ selbst oder das _Mittel_ aufgehoben,--denn es ist _Einheit_ des Äußern und Innern, das Gegenteil der Bestimmtheit, welche es als _innres_ Mittel hat, es hebt sie also auf und setzt sich, diese Einheit des Tuns und des Seins ebenso als _Äußeres_, als die wirklich gewordene Individualität selbst; d.i. die _für sie selbst_ als das _Seiende_ gesetzt ist. Die ganze Handlung tritt auf diese Weise weder als die _Umstände_ noch als _Zweck_ noch _Mittel_ noch als _Werk_ aus sich heraus.

Mit dem Werke aber scheint der Unterschied der ursprünglichen Naturen einzutreten; das Werk ist wie die ursprüngliche Natur, welche es ausdrückt, ein _bestimmtes_, denn vom Tun frei entlassen als _seiende Wirklichkeit_, ist die Negativität als Qualität an ihm. Das Bewußtsein aber bestimmt sich ihm gegenüber als dasjenige, welches die Bestimmtheit als Negativität _überhaupt_, als Tun, an ihm hat; es ist also das Allgemeine gegen jene Bestimmtheit des Werks, kann es also mit andern _vergleichen_ und hieraus die Individualitäten selbst als _verschiedene_ fassen; das in seinem Werke weiter übergreifende Individuum entweder als stärkere Energie des Willens, oder als reichere Natur, das heißt eine solche, deren ursprüngliche Bestimmtheit weniger beschränkt ist,--eine andere hingegen als eine schwächere und dürftigere Natur. Gegen diesen unwesentlichen Unterschied der _Größe_ würde das _Gute_ und _Schlechte_ einen absoluten Unterschied ausdrücken; aber hier findet dieser nicht statt.

Was auf die eine oder andere Weise genommen würde, ist auf gleiche Weise ein Tun und Treiben, ein Sich-darstellen und Aussprechen einer