Das von Donders erhaltene Resultat ist später von Kessler*) auch noch auf folgende Weise bestätigt worden. Es wurden prismalische Spectra im dunklen Raume mit allen zur Ausschliessung fremden Lichtes erforder- lichen Vorsichtsmassregeln dargestellt, und geprüft, ob solche Individuen, welchen dıe Krystalllinse durch Operalion entzogen war, das Spectrum auf seiner brechbarsten Seite bis zu gleicher Ausdehnung wahrnehmen, wie Per- sonen mit normalem Sehapparate. Es stellte sich kein irgend erheblicher Unterschied heraus. Eine Person, welche wegen seitlich verschobener Kry- stalllinse ein Doppelbild des Spectrum sehen konnte, und zwar unter Zu- hülfenahme einer Linse beide Bilder in gleicher Schärfe, sah das Violet in gleicher Ausdehnung.
2) Von den ultrarothen Stralen gilt nicht dasselbe, als von den ultravioleten; sie haben sich (jenseits der durch die Tabelle S. 241 bezeichneten Gränze) bis jetzt in keiner Weise für das Auge, sondern überhaupt nur durch ihreerwärmenden Wirkungen, wahr- nehmbar machen lassen.
Bei diesen Stralen kann es jedoch noch als zweifelhaft gelten, ob nicht ihr Mangel an Sichtbarkeit blos durch eine starke Ab- sorption Seitens der Augenmedien bedingt wird, oder ob eine mangelnde Perceptionsfähigkeit der Netzhaut dafür mit Antheil hat. Gewiss ist, dass Wasser, Eiweiss und andere durchsichtige Flüssigkeiten von den dunklen Wärmestralen verhältnissmässig weniger als von den leuchtenden durchlassen, im Allgemeinen um so weniger, je niedriger die Temperatur der Wärmequelle ist und je dicker die Schicht ist, durch welche die Stralen zu gehen ha- *, Gräfe’s Arch. 4854. S. 466; hier nach Liebig und Kopp Jahres- E= ben. Jedoch lassen sie von den dunklen ultrarothen Stralen des Sonnenspectrum immerhin einen factisch nicht unerheblichen An- theil durch. Nach den directen Versuchen von Franz*) an den ultrarothen Stralen eines mit einem Flintglasprisma erzeugten Sonnenspectrum, welches sein Wäirmemaximum im Roth hatte, wurde durch Interposition einer (zwischen Glasflächen enthaltenen) Wasserschicht von 63 Mill. Dieke die Temperatur der dem Roth näch- sten dunklen ultrarothen Zone (jede Zone von 3 Mill. Breite) blos von 11,81 auf 5,93, die der folgenden von 8,77 auf 1,66, die der dritten von 6,14 auf 0,83**) erniedrigt, indess die Erniedrigung für das Roth selbst von 15,14 auf 10,00 gieng. (Noch weniger betrug die Reduction im dunklen Theile bei Kochsalzlösung oder Alkohol statt Wasser.) Wonach es schwer fällt, sich zu denken, | dass die wesentlich wässerigen und eiweissartigen Augenmedien bei ihrer viel geringeren Dicke nichts Erhebliches von den ultra- rothen Stralen durchlassen sollten, da zumal nach Melloni’s An- gabe ***) Eiweiss von Wasser in der Diathermanität nicht wesentlich abzuweichen scheint, und in einem Flintglasspectrum die ultra- rothen Stralen durch Absorption Seitens des Glases schon redu- eirt sind. Und hienach würde allerdings eine mangelnde Em- pfindlichkeit der Netzhaut für ultrarothe Stralen als Grund ihrer Unsichtharkeit mit in Anspruch zu nehmen sein; jedoch wird es erst noch directer Versuche über die Durchgängigkeit der Augen- medien für ultrarothes Licht bedürfen, um in dieser Beziehung ein sicheres Urtheil fällen zu können.
Allerdings hat Brück e+) directe Versuche angestellt, nach welchen durch Hornhaut und Linse eines frischen Ochsenauges, einzeln oder in Ver- bindung angewandt, nichts für den Thermomultiplicator Merkliches von der dunklen Wärme durchstralte, welche von einem durch. eine Oellampe ziem- lich hoch, doch bei Weiten nicht zum Glühen erhitzten schwarzen Eisenblechcylinder herrührte, indess das freie Licht der Lampedurch die Hornhaut allein 8° bis 9°, durch die Linse allein 44° (durch beide zusammen Nichts) gab, und indess eine Wasserschicht von 48 Mill. Dicke zwischen ‚Glimmer- platten von der Linse gleichem Querschnitte und ein Kalkspalhkrystall von 3,7 Mill. Dicke mit einander combinirt 2° bei Durchstralung der dunklen Wärme gaben, Allein von dunkler Lampenwärme lässt sich kein bindender Schluss auf Sonnenwärme machen, als welche in anderen Verhältnissen aus **) Die Zahlen sind Grade des Thermomultiplicators. “w*) Pogg. XXXV, 292.
we Et u Da a A wärmenden und leuchtenden Stralen zusammengesetzt ist. Und ein späterer Versuch von Brücke*) mit Sonnenlicht kann ohne genauere Untersuchung der Wirkungsweise der dabei mit zugezogenen dünnen Russschicht, durch welche die Stralen zu dringen hatten, ebenfalls nicht als hinreichend bewei- send gelten.
3) Nach der Bestimmung von Helmholtz**) beträgt der ganze, ohne Hülfe von Fluoreseenz sichtbare, Theil des Sonnen- spectrum vom äussersten Roth bis zum äussersten Violet, bei An- wendung aller Massregeln, welche die directe Sichtbarkeit er- leichtern können, etwa eine Octave plus einer Quarte (vergl. $. 241); und zwar ist nach Helmholtz die Wellenlänge des äussersten sichtbaren Roth (bei einem Spectrum, von dem alles Licht mit Ausnahme des äussersten Roth durch Anwendung von zwei Prismen und zwei Schirmen abgeblendet war) 0,0008124 Mill., die des äussersten Ultraviolets 0,0003047; wozwischen sich die von Esselbach bestimmten Wellenlängen der dunklen Li- nien in der S. 240 angegebenen Weise einreihen.
4) Die neuesten Versuche von J. Müller***) führten densel- ben zuerst zu dem Resultate, dass die Wellenlänge der äussersten ultrarothen Stralen des Sonnenspeetrum 0,001483 Mill. sei, später nach einer anderen Berechnungsweise, dass sie 0,0048 Mill. sei. Und sofern die Wellenlänge der äussersten ultravioleten Stralen 0,0003047 Mill. ist, würde ersteres etwas über 2'/,, letzteres gar 4 Octaven für die Ausdehnung des ganzen Sonnenspeetrum, den sichtbaren und unsichtbaren Theil zusammengenommen, geben. Indess theils die mangelnde Homogeneität des zu den Versuchen dienenden Spectrum, theils der Zweifel über die Triftigkeit des zur Berechnung angewandten Princips+) lassen beide Angaben noch zweifelhaft erscheinen.
5) Man konnte fragen, ob die Sichtbarkeit des ultravioleten Spectrumtheiles ohne künstliche Zuhülfenahme der Fluorescenz nicht vielleicht blos darauf beruhe, dass die Netzhaut selbst durch eine fluorescirende Eigenschaft solche in minder brechbare Stra- len verwandele, da zumal die ultravioleten Stralen eine blaue Farbe zeigen?
Helmholtz+7) hat diese Frage zuerst an der Netzhaut eines * Müller’s Arch, 1846. 382, +) Vgl. hierüber dieBemerkungen von E. Eisenlohr in Pogg. CIX, 240, ++) Pogg. XCIV, 205.
vor 48 Stunden gestorbenen Mannes untersucht, und gefunden, dass die Netzhaut allerdings durch eine ihr zukommende schwache Fluorescenz das auf sie fallende ultraviolete Licht in ein Stralen- gemisch von nicht ganz reiner (grünlich blauer) weisser Farbe verwandelt, welches ausser einem vörhältnissmässig grossen An- theile unveränderten ultravioleten Lichtes auch die wenigerbrech- baren Stralen des Spectrum (mit Ausnahme des Roth) enthält, dass aber diese schwache Fluorescenz, (schwächer, als bei Pa- pier, Leinewand und Elfenbein, stärker als bei Porzellan), nicht hinreicht, die Sichtbarkeit der ultravioleten Stralen von Fluores- cenz abhängig zu halten.
»Die ziemlich gesättigte blaue Farbe der übervioleten Stralen für das lebende Auge und die fast ganz weisse Farbe des dispergir- ten Lichtes der todten Netzhaut waren, sagt er, zu verschieden, als dass die Ansicht haltbar wäre, dass die Netzhaut die übervioleten Stralen nur nach ihrer Verwandlung in minder brechbares Licht empfinde. « Setschenow*) hat an der frischen Netzhaut von Kanin- chen- und Ochsenaugen die von Helmholtz erhaltenen Resul- tate bestätigt gefunden. Ausserdem untersuchte derselbe auch die durchsichtigen Medien derselben Thieraugen auf ihre Fluores- cenz im ultravioleten Lichte. Der Glaskörper zeigte nur Spuren Fluorescenz, die Linse dagegen fluoreseirte stark weissblau, die Cornea viel schwächer, aber in derselben Weise, die wässerige Feuchtigkeitgar nicht. Auch am Auge des lebenden Menschen lässt sich diese Fluorescenz nachweisen, wenn man das Auge in den Brennpunct der ultravioleten Stralen des vom Verf. angewandten Apparates bringt. Cornea und Linse fangen dann an, mit weiss- blauem Lichte zu schimmern, und zwar die Cornea viel stärker, als im ausgeschnittenen Zustande.
Inzwischen kann diese Fluorescenz der durchsichtigen Au- genmedien nichts beitragen, den ultravioleten Theil des Spectrum sichtbar zu machen, sondern eher, diese Sichtbarkeit zu hindern, weil die durchsichtigen Medien das Licht, welches die Fluorescenz inihnen erleidet, nach allen Seiten zerstreuen, dispergiren, als wenn sie selbstleuchtend wären; so dass mittelst dieses disper- girten Lichtes kein Bild des ultravioleten Spectrumtheils im Auge erzeugt werden könnte.
kö Nach Vorstehendem kann es noch nicht als ourch Erfahrung direct entschieden gelten, dass überhaupt Gränzen der Percep- tionsfähigkeit die Netzhaut für Farben mit zu schnellen und zu langsamen Schwingungen statt finden, indem sich nach dem, was S. 243 mitgetheilt ist, die brechbarsten (ultravioleten) Stralen des Sonnenspectrums noch haben direct wahrnehmen lassen, und nach der Erörterung S. 245. die Möglichkeit noch nicht ganz aus- geschlossen ist, dass die mindest brechbaren (ultrarothen) Stralen blos desshalb unsichtbar sind, weil sie nicht in hinreichender Menge durch die Augenmedien durchzudringen vermögen, um sichtbar zu sein.
Dessenungeachtet bleibt eine verschiedene Perceptionsfähig- keit der Netzhaut der Art, dass Farbestralen von gleicher leben- diger Kraft bei verschiedener Schwingungszahl oder Wellenlänge mit ungleicher Leichtigkeit oder Stärke empfunden werden, und über gewisse Gränzen hinaus gar nicht pereipirt werden, über- wiegend wahrscheinlich, einmal, weildie Wirkungder Fluorescenz unter keiner anderen Voraussetzung erklärbar scheint, zweitens, weil man zur Erklärung der abweichenden Vertheilung der Wärme und Helligkeit im prismatischen Speetrum nur die Wahl hat, eine wesentliche Verschiedenheit zwischen dem Principe des Lichts und der Wärme oder eine verschiedene Empfindlichkeit der Netz- haut für Stralen von verschiedener Brechbarkeit zu statuiren; wovon erstere durch die neueren Untersuchungen mehr und mehr unwahrscheinlich geworden ist, wogegen letztere nach allgemei- nen Gesetzen der Schwingungsmittheilung vielmehr die Wahr- scheinlichkeit für sich hat.
Ueber diese Puncte soll noch in etwas nähere Erörterung ein- gegangen werden.
Was den ersten anlangt, so ist Thatsache, dass die ultravio- leten Stralen, wenn auch der Vermittlung der Fluorescenz zur Sichtbarkeit nicht nothwendig bedürfend, doch leichter gesehen werden, wenn sie durch Fluorescenz aus brechbareren in minder brechbare Stralen verwandelt werden, ungeachtet sich nicht annehmen lässt, dass die lebendige Kraft durch Fluorescenz ver- grössert wird.
So fasst es auch Helmholtz*), indem er von den ultravioleten Stralen bemerkt, ihre »objective Helligkeit« sei nicht so gering, als man nach ihrer *, Pogg. XCIV, 43.
geringen Wirkung auf das Auge schliessen möchte; diess beweise sich durch die Fluorescenz, »und obgleich die lebendige Kraft der Lichtschwingungen durch den Process der Fluorescenz gewiss nicht vermehrt werde, afficire das durch sie erzeugte Licht von längerer Schwingungsdauer die Netzhaut leb- haft genug, um gesehen zu werden. « Nun liesse sich allerdings denken, die Erleichterung der Sicht- barkeit durch Fluorescenz beruhe darauf, dass die Stralen inner- halb des gewöhnlich sichtbaren Spectrum leichter durch die Au- . genmedien durchgiengen, als die ultravioleten, und die Versuche Brücke’s (S. 244) schienen diess sogar direct zu beweisen, in- dess widersprechen ihnen sehr bestimmt die S. 244 mitgetheilten Beobachtungen von Donders und Kessler.
Um den zweiten Punct zu erörtern, wird es zuvörderst gel- ten, die nach mehreren Beziehungen für uns wichtige Verschie- denheit in der Vertheilung von Licht und Wärme im Spectrum zu constatiren und, so weit es nach bisherigen Untersuchungen mög- lich ist, näher zu bestimmen.
Das Maximum der Leuchtkraft des Sonnenspeetrum, was durch ein Prisma aus irgend einer farblosen durchsichtigen Sub- stanz erzeugt ist, liegt bekanntlich im Gelb zwischen den Linien D und E*), und die Vertheilung der Intensität ist von Fraun- hofer**) an einem mit einem Flintglasprisma erzeugten Spec- trum aus homogenen Stralen bestimmt worden. Die von ihm an- gegebenen Zahlen drücken jedoch nicht das wahre Intensitätsver- hältniss der im Sonnenlichte enthaltenen Farbenstralen aus, weil dieselben im brechbareren Theile des prismatischen Spectrum ver- hältnissmässig mehr auseinandergezogen und dadurch mehr ver- dünnt sind, als im minder brechbaren, was sich anders in dem durch Interferenz erzeugten Fraunhofer’schen Gitterspec- trum ***) verhält, wo der Abstand jeder Farbe von dem mittleren weissen Streifen proportional der zugehörigen Wellenlänge ist. Um die wahren Intensitätsverhältnisse der Farben im Sonnen- lichte zu haben, müssen daher die Intensitäten des prismatischen Speetrum erst auf diejenigen reducirt werden, welche im Git- terspectrum dafür eintreten würden. Diese Reduction ist von *) »Der hellste Ort — sagt Fraunhofer — liegt um ungefähr ‘/, oder ‘/, der Länge DE von D nach E zu. Genau ist die Lage dieses Ortes nicht anzugeben. « ”**+) Denkschr. d. Münch. Akad. VII.
A. Seebeck*) mit Hülfe einer Interpolation nach den relativen Abständen der dunklen Linien in beiden Spectris vorgenommen. Hienach stellen.sich die Lichtintensitäten des prismatischen Spec- trum nach Fraunhofer unddie danach von Seebeck berechne- ten des Gitterspectrum für die den dunklen Linien entsprechenden Stellen des Sonnenspectrum wie folgt: **) Feste Intensitäten. Wellenlänge Linien. | Prismat.Sp. | Gittersp. | m Mill.
Wohl zu merken bedeuten die Zahlen für die Intensitäten in dieser Tabelle nicht Intensitäten der Empfindung, welche von den verschiedenen Spectrumfarben hervorgerufen werden, sondern objectiv gemessene Intensitäten weissen Lampenlichtes, mit wel- chen die verschiedenen Stellen des Spectrum von gleich starkem Eindrucke auf das Auge gefunden wurden; ein Vergleich, der allerdings etwas schwierig ist, aber doch durch geeignete Ver- suchsmassregeln und Uebung, welche, wie Fraunhofer be- merkt, den Vergleich ungemein erleichtert, möglich geworden ist, und freilich nur eine mässige Sicherheit erlangt hat, wovon sich nach dem Grade der Uebereinstimmung der einzelnen Beobach- tungen (Gilb. LVI, 304) urtheilen lässt, und wonach für die grös- seren Intensitäten sich die Bestimmung verhältnissmässig sicherer findet, als für die kleineren. ***) *) Pogg. LXII, 574.
*) Pogg. LXII, 574.
*#) Die Intensitätscurve des prismatischen Spectrum nach Fraunho- fer findet man bei den Abbildungen desselben (vgl. S.239) mit verzeichnet; die des daraus abgeleiteten Gitterspectrum nach Seebeck in Pogg. LXU.
*“) Für die Linien D, E, F mit einer Summe der Intensitäten = 1,29 findet sich die einfache Fehlersumme nach je 4 Versuchen an jeder Linie im Ganzen 0,676, für dieLinien B, C, G, H miteiner Summeder Intensitäten 0,163 im Ganzen 0,228. ' A Melloni, indem er in einer Abhandlung (Pogg. LXII, 24) ebenfalls der Nothwendigkeit gedenkt, die direct beobachteten Lichtintensitäten des New- ton’schen Spectrum erst auf die des Gitterspectrum zu reduciren, um die richtigen Verhältnisse der Leuchtkraft der verschiedenen Farbenstralen im Sonnenlichte zu erhalten, macht dabei folgende Mittheilung.
»Um diese Verhältnisse zu erhalten, hat Hr. Prof. Masotti die Data be- rechnet, die beitragen zur Bildung der Gitterspectra, worin die Elementar- farben sich vermöge einer blossen Interferenz neben einander ausbreiten, und sonach Räume einnehmen, die alleinig von ihrer Vibrationsperiode oder Undulationslänge abhängen. Für diese, von dem angedeuteten Mangel freien, Spectra hat Hr. Masotti den hellsten Punct genau in der Mitte des Gelb gefunden, und diese wiederum in gleichem Abstande von beiden Enden, so dass die rothe und die violete Gränze die mindest hellen Puncte des Spec- trum sind und beide gleiche Lichtstärke haben. Herr Masotti hat endlich bewiesen, dass die Farben dieser beiden Gränzen aus Aelherwellen bestehen, deren l.ängen in dem Verhältnisse 2: 4 stehen « Leider ist weder angegeben, wo sich die Masotti’sche Arbeit findet, noch auf welche Data sich dieselbe stützt. Ihr Resultat weicht insofern etwas von dem Seebeck’schen nach Fraunhofer’schen Datis ab, als dieser eine gleiche Intensität für Farben findet, deren Wellenlänge im Verhältnisse 41.:4,75 stehen, indess Masotti dafür das Verbältniss 4: 2 giebt.
Was die Vertheilung der Wärme im prismatischen Spectrum anlangt, so ist die Lage des Wärmemaximum veränderlich theils nach der Substanz der Prismen, durch welche man das Spectrum erzeugt, theils nach derDicke desPrisma, durch welche die Stralen hindurchgehen, theils nach der Homogeneität oder Nichthomogenei- tät des Spectrum, theils endlich nach der Natur der etwa auf dem Wege der Stralen noch interponirten durchsichtigen Substanzen. Bei Anwendung eines mit Wasser, Alkohol oder Terpentinöl ge- füllten Hohlprisma hat man es im Gelb gefunden, bei Glasprismen je nach der Glasart und anderen Umständen im Orange, Roth oder jenseits des sichtbaren Roth (im Ultrarotb), mit einem Steinsalz- prisma stets jenseits des Roth. Diese Veränderlichkeit hängt we- sentlich davon ab, dass die ultrarothen dunklen Wärmestralen von den durchsichtigen Substanzen, aus denen die Prismen be- stehen, in anderem und zwar stärkerem Verhältnisse absorbirt werden, als die sichtbaren, dass sich diess Verhältniss nach der Verschiedenheit der durchsichtigen Substanzen und der Dicke, durch welche die Stralen durchzugehen haben, ändert, und dass bei einem nicht homogenen Spectrum (erzeugt durch einen Spalt von irgends erheblicher Breite) dunkle Wärmestralen, welche eigentlich dem Ultraroth angehören, mit in den sichtbaren Theil des Spectrum übergreifen, welche dann je nach der Verschieden- heit der Substanz des Prisma mehr oder weniger absorbirtwerden.
Nach Melloni’s Versuchen ist aber das Steinsalz eine Sub- stanz, welche die dunklen und sichtbaren Wärmestralen gleich. leicht durchlässt; und um massgebende Bestimmungen über die Wärmeintensität des ganzen Spectrum zu haben, sowohl seinem dunklen als hellen Theile nach, muss man daher ein Steinsalz- prisma zur Entwerfung des Spectrum anwenden, was nicht so wesentlich ist, wenn es sich blos darum handelt, die Wärmein- tensität im sichtbaren Theile des Spectrum vom Violet zum Roth zu erhalten, da nach den unten mitzutheilenden Datis die ver- schiedensten durchsichtigen Substanzen eine gleiche Durchgängig- keit für alle Stralen dieses Spectrumtheils zeigen. Ausserdem müsste, streng genommen, eine Homogeneität des Spectrum statt finden, für welche das Dasein der dunklen Linien als charakteri- stisch gilt. Da man aber hiezu ein sehr schmales Lichtbündel anwenden muss, so sind die Wärmewirkungen eines solchen Spectrum bisher zu schwach ausgefallen, um Messungen zuging- lich zu sein*), so dass man noch keine reinen und auf bestimmte dunkle Linien bezogenen Intensitätsbestimmungen der Wärme des Spectrum hat.
Wenn man sich aus Helmholtz’s gegen Brewster geführter Unter- suchung (Pogg. LXXXVI, 501) erinnert, welche wichtige Irrungen das von Unreinigkeiten der Substanz, unvollkommener Politur des Prisma, und mehr- fachen Reflexionen zwischen den Flächen des Prisıma abhängige diffuse Licht in die Beurtheilung der Farbenverhältnisse des Spectrum bringen kann, und in Betracht zieht, dass dasselbe bei einem, mit blos einem Spalt und blos einem Prisma erzeugten Spectrum, wie es den bisherigen Untersuchungen über die Wärmeverhältnisse des prismatischen Spectrum untergelegen hat, gar nicht ausschliessbar ist, am wenigsten bei einem Steinsalzprisma, welches nicht leicht von so vollkommener Politur, und so rein als ein Glasprisma zuer- halten ist, so kann auch hierin eine beachtenswerthe Ursache der Unreinheit des Spectrum und der daran erhaltenen Resultate gesucht werden. Indessen scheint doch, so viel ich übersehen kann, hieraus nur eine nahehin gleich- förmige Abänderung der Temperatur des sichtbaren Spectrumtheils, aber kein Einfluss auf die Lage des Maximum hervorgehen zu können.
Indessen sind folgende Data anzuführen. Unter Anwendung eines Steinsalzprisma liegt das Maximum der Wärmeintensität jedenfalls erheblich jenseits der sichtbaren Gränze des Roth im Ultraroth.
“) Vergl. Franz in Pogg. CI, 50. J. Müller in Pogg. CV, 389.
Nach einer früheren Angabe Melloni's (Pogg. XXVII, 377), »liegt es so weit vom rothen Ende entfernt, dass der Abstand zwischen ihm und dem Roth eben so gross war, als der Abstand zwischen dem Roth und dem Violet, als die ganze Länge des Spectrum.« Nach einer späteren Angabe desselben (Pogg. XXXV, 307) ist der Abstand des Wärmemaximum vom rothen Ende wenigstens so gross, wie der des Grünblau vom Roth, darauf nimmt die Intensität rasch ab, und in einer Entfernung von dieser Stelle, welche einem Dritttheile der Lange des Farbenspectrum gleich ist, hört alle merkliche Wärmewirkung auf. Nach einer drilten Angabe endlich (Pogg. LXII, 22) findet Melloni das Wärmemaximum »ganz abgesondert von den Farben in einer mittleren Entfernung gleich derjenigen, die, nach entgegengeselzter Seite, zwischen dem Roth und Gelb vorhanden ist.« Die neuen Beobachtun- gen von J. Müller*) ergaben ein, mit der zweiten dieser Angaben hinsicht- lich derMaximumlage übereinstimmendes Resultat, d. i. »den Abstand desMa- ximum von der Gränze des Roth ungefähr eben so gross wie den Abstand des Ueberganges von Grün zu Blau von der rolhen Gränze des Spectrum;« die thermische Verlängerung des Sonnenspectrum über das Roth aber einen Raum einnehmend, welcher nahezu eben so lang war, als das ganze ge- wöhnlich sichtbare Spectrum zum Violet. Ausserdem fand er, dass ein Crownglasprisma in dieser thermischen Verlängerung mit dem Steinsalzprisma übereinstimmte, aber ein näher an Roth liegendes Maximum gab. Die Linie B lag bei dem Crownglasspectrum ungefähr in der Mitte zwischen dem vio- leten Ende des Spectrum und den äussersten dunklen Wärmestralen desselben.
Massbestimmungen über die Intensität in den einzelnen Theilen des (freilich nicht homogenen) Spectrum haben Franz **) und J. Müller***) gegeben, der erstere unter Anwendung eines Flintglasprisma und Interposition einer Glasflasche, um verglei- chende Versuche mit und ohne Transmission der Stralen durch Flüssigkeiten anzustellen, der zweite unter vergleichender An- wendung eines Crownglas- und eines Steinsalzprisma. Unter Anwendung des Steinsalzprisma fand der Letztere folgende In- tensitäten der Wärme (Kräfte, womit sie auf den Thermomulti- plicator wirkt), wobei die Angabe 1”’, 2” u.s. w. für das Ultraroth den Abstand von dem sichtbaren rothen Ende bezeichnet.
Mitte von Ultraroth Blau Gelb Roth ah Sa u. a M it dem Crownglasprisma wurden (wegen grösserer Reinheit dieses Prisma) im sichtbaren Theile des Spectrum absolut stärkere, aber merklich gleiche, Verhältnisse für die verschiedene Farben zeigenden Zahlen erhalten, nämlich (bei Reduction auf den glei- chen Werth bei Roth) Mitte von i; Ultraroth tn PER N Te. Blau Gelb Roth A 27”) 4 6 indess, wie man sieht, die Verhältnisse im unsichtbaren Ultraroth sehr von denen des Steinsalzprisma abwichen. **) Auch bei diesen, an einem prismatischen Spectrum gemach- ten, Bestimmungen ist nun aber in Rücksicht zu ziehen, dass die Wärmestralen im brechbareren Theile des Spectrum mehr verdünnt sind, und also, um ihr wahres Intensitätsverhältniss, in dem sie im Sonnenstrale enthalten sind, zu haben, erst eine Reduction auf das Gitterspectrum nöthig, wie sie von Seebeck bezüglich der Helligkeit statt gefunden hat. Nach einer solchen Reduction eines prismatischen Steinsalzspectrum findet J. Müller das Ma- ximum der Intensität der Wärme, eben so wie es für das Licht gilt, im Gelb liegend, und diese Bestimmung erhält um so mehr Gewicht dadurch, dass Draper***) schon früher dasselbe durch directe Versuche an einem ohne Zuziehung dioptrischer Medien durch Reflexion erzeugten Gitterspectrum gefunden. Jedoch wird damit die Vertheilung der Wärme im Spectrum keineswegs über- einstimmend mit der Vertheilung der Helligkeit (wie Draper an- nimmt), wie schon von selbst daraus folgt, dass die Helligkeit, aber nicht die Wärme jenseits des Roth verschwindet; und auch aus dem Vergleiche von Seebeck’s Helligkeitscurve ($.251) mit Muller’s Wärmecurve für das Gitterspectrum+) hervorgeht, wor- auf unten zurückzukommen. ' Fragt man nun nach dem Grunde dieser verschiedenen Ver- theilung von Licht und Wärme im Spectrum, so liegt es auf der Hand, dass, wenn man Licht und Wärme als wesentlich verschie- dene Agentien ansieht, nichts hindert, zu denken, dass die Inten- 7 *, Beim Steinsalzprisma steht hier 3”. Wahrscheinlich ist 2’ ver- druckt. **) Die vergleichenden Curven des Steinsalz- und Crownglasprisma s. Pogg. CV. Taf. III. Fig. 1. +) Pogg. CV. Taf. Ill. Fig. 4.
sitäten des Lichtes und der Wärme von gleicher Brechbarkeit im Speetrum einander nicht proportional gehen. Inzwischen kann die Ansicht der wesentlichen Identität von Licht und Wärme, wenn auch noch nicht als schlechthin erwiesen gelten, doch nur noch schwachen Zweifeln begegnen, und jene Verschiedenheit der Vertheilung von Licht und Wärme im Spectrum eben desshalb keinen bindenden Gegengrund dagegen geben, weil sie theils von verschiedener Durchgängigkeit der Stralen verschiedener Brech- barkeit durch die Augenmedien, theils verschiedener Empfind- lichkeit der Netzhaut dafür abhängig gemacht werden kann.
Melloni, der die ausgedehntesten Untersuchungen in die- sem Felde angestellt hat, nachdem er sich früher gegen die Iden- tität von Licht und Wärme erklärt*) und mehrere Thatsachen als entschiedene Beweise dagegen angeführt hatte, ist durch spätere Untersuchungen selbst dahin gelangt, alle von ihm beobachteten Thatsachen mit der Identitätsansicht vereinbar zu halten, und hat sich ehen so entschieden für diese Ansicht erklärt.**) Nicht min- der pflichten Masson und Jamin***), nach ihren Versuchen dieser Ansicht bei.
Alleneueren Thatsachen zusammengefasst, scheint sich in der That der ganze Unterschied der dunkeln, durch kein Mittel sicht- bar zu machenden, Wärmestralen von sichtbaren Stralen darauf zu redueiren, dass jene eine ‚geringere Brechbarkeit und mithin Vibrationsschnelligkeit, grössere Undulationslänge, besitzen, wo- mit eine geringere Durchgängigkeit durch die meisten Medien in Beziehung steht; und es scheint nicht, dass Stralen von identi- scher Brechbarkeit noch als Licht- und Wärmestralen unterschie- den werden können. Nicht nur befolgen die dunklen Wärme- stralen die allgemeinen Gesetze der Fortpflanzung, Reflexion, einfachen und Doppelbrechung, Polarisation, Interferenz, Absorp- tion desLichts, sondern Melloni+) findet auch neuerdings, » dass die Farben des Spectrum so innig an ihre Temperatur geknüpft seien, dass sie beim Durchgange durch nicht ganz klare Substan- | *, Pogg. XXXVII, 486. **) Pogg. LVIL, 300. LXI, 18, so wie sein Werk: »Lä thermochrose ***) Compt. rend. XXXI, 44. +) Pogg. LXII, 28.
zen eben so viel Wärme als Licht verlieren, so dass das Verhält- niss dieser beiden Agentien immer ungestört dasselbe bleibt. « Auf dasselbe führen die neuen Untersuchungen von Franz *) über die Dia- thermansie gefärbter Flüssigkeiten. »Ueberall, wo eine Absorption des Lich- tes erkennbar ist, ist auch eine Abnahme der Wärmeintensität nachweisbar...Das Minimum des Lichtverlustes bei Stralung des Spectrum durch eine Flüssigkeit muss — so schliesst er seine Abhandlung — mit dem Mini- mum des Wärmeverlustes in derselben Zone beobachtet werden, sonst ist die Identität von Wärme und Licht unmöglich. In der That zeigen die blauen Lösungen von schwefelsaurem Kupferoxyd das Minimum des Wärmeverlu- stes nach der Stralung eines Spectrum durch dieselben in der blauen Zone, die grünen Lösungen von schwefelsaurem Eisenoxydul in der grünen Zone. Bei Anwendung von rothen Lösungen zeigt sich, dass von allen durch rothe Lösungen dringenden farbigen Stralen die rothen Stralen am wenigsten Licht und Wärme verlieren, zum Theil sind aber rothe Lösungen für dunkle Wärme von geringerer Brechbarkeit als das Roth diathermaner als das Wasser.« Was für den ersten Anblick der #ntensitätgansicht gänzlich entgegen scheint, und von Melloni früher (Pogg. XXXVII, 486) als schlagend dagegen geltend gemacht wurde, ist der oben be- rührte Umstand, dass, je nachdem man ein Prisma aus Steinsalz, Flintglas, Crownglas, Wasser anwendet, oder auch das durch ein Steinsalzprisma erzeugte Spectrum durch dieses oder jenes durch- sichtige Medium oder verschieden dicke Schichten desselben Me- dium hindurchstralen lässt, sich die Lage des Wärmemaximum und die Wärmevertheilung überhaupt, mithin das Intensitätsver- hältniss der Wärmestralen des Spectrum ändert, während das Intensitätsverhältniss der Farbenstralen ungeändert bleibt; wi- drigenfalls diese Substanzen farbig im durchgehenden Lichte er- scheinen müssten. Aber nach den späteren Versuchen Mel- loni’s**) gilt diess blos für nichthomogene Spectra, in denen sich dunkle Wärmestralen noch den farbigen Stralen am rothen Ende beigemischt finden; wogegen er »bei möglichster Vermei- dung aller Fehlerquellen...die Temperaturen der prismati- schen Farben beständig die höchste Temperatur am rothen Ende behaupten sahe, von welcher Beschaffenheit die farblose Sub- stanz auch sein mochte, die man anwendete, entweder in Prismen- form, um das Sonnenlicht in seine Elementarstralen zu zerlegen, **) Pogg. LVII, 302. LXII, 28.
Fechner, Elemente der Psychophysik. II. 17 e—. a oder in Plattenform, um die absorbirenden Wirkungen des Körpers auf diese Stralen zu erforschen. « Nicht minder ziehen Masson und Jamin*) aus ihren Unter- suchungen den Schluss, dass durch Steinsalz, Bergkrystall, Alaun, Glas und Wasser alle Wärmestralen zwischen Roth und Violet gleichmässig hindurchgehen, also die beträchtlichen Unterschiede in der Diathermanität dieser Substanzen nur in der verschiedenen Absorption der dunklen Stralen ihren Grund haben. Endlich sind auch die obigen Resultate der vergleichenden Versuche von J. Müller mit einem Crownglas- und Steinsalzprisma**) in dem- selben Sinne. Wonach diese Verhältnisse anstatt Gegenbeweise gegen die Identitätsansicht zu liefern, vielmehr zu den wichtig- sten Beweisen für dieselbe zu zäblen sind.
So viel ieh übersehe, liegt nur noch eine Klasse von That-. sachen vor, welche schwierig mit der Identitätsansicht vereinbar scheint, dass es nämlich Licht von erheblicher Leuchtkraft giebt, oder durch besondere Verfahrungsweisen hergestellt werden kann, was eine kaum merkliche oder gar keine merkliche Wärmewir- kung zeigt. Schon das Mondlicht ist Licht, dessen Wärme nur durch die empfindlichsten Apparate nachgewiesen werden kann. Besonders frappant aber ist folgender Versuch, welchen Mellon i***) früherhin als einen Cardinalversuch gegen die Identitätsansicht angeführt hat, bezüglich auf den Durchgang von Sonnenlicht, so wie irdischem Feuerlicht durch ein System, bestehend aus einer Wasserschicht zwischen Glasplatten, die durch Kupferoxyd grün gefärbt sind.
»Das reine Licht, sagt Melloni, welches zu diesem Systeme ausfährt, viel Gelb enthält, aber dennoch eine blaugrtine Farbe besitzt, wirkt nicht wärmend auf die empfindlichsten Thermo- skope, selbst wenn man es durch Linsen so concentrirt, dass es eben so glänzend ist, wie das dunkle Sonnenlicht. « Es ist zu bedauern, dass Melloni nach seiner Bekehrung zur Identitätsansicht nicht auf die Discussion dieses, von ihm über- haupt nur kurz angeführten Versuches zurückgekommen ist, eben so wenig ist er meines Wissens bis jetzt von Anderen wiederholt *) Compt. rend. XXXI, 44. ”**) Pogg. XXXVII, 486.
a w 4 p BE We worden, wenn schon er überall als ein Haupteinwand gegen die Iden- titätsansicht angeführt wird; nur muss man eben daraus, dass er Melloni nicht gehindert hat, sich später zur Identitätsansicht zu wenden, schliessen, dass ihm dieser Versuch später nicht mehr so beweisend erschienen ist, wie früher.
Durchschlagend gegen die Identitätsansicht könnten derartige Thatsachen überhaupt nur sein, wenn sie von, auf die Frage be- sonders gerichteten, Massbestimmungen begleitet wären, wie sol- che aber bis jetzt nicht vorliegen. Denn hinreichend erwiesen ist jedenfalls, dass die Wärme des Sonnenlichtes so wie der irdischen Feuer zum bei Weitem grössten Theile aus dunkler Wärme be- steht, welche durch durchsichtige Medien leichter absorbirbar ist, als durch sichtbare, so dass, wenn man alle dunklen Stralen und noch überdiess einen grossen Theil der leuchtenden absorbirt hat, wie es in Melloni’s Cardinalversuche geschahe, der Rest nur noch eine sehr geringe Wärmewirkung überhaupt äussern kann; wenn schon es immer unerwartet bleibt, dass sie auch nach Con- centrirung durch eine Linse bis zu starker Leuchtkraft nicht sollte haben bemerklich werden können. Jedenfalls ist bei dem übrigen Genügen der Identitätsansicht auf einzelne widersprechende, nicht gehörig constatirte und aus Mangel an Massbestimmungen nicht gehörig discutirbare Thatsachen um so weniger grosses oder gar entscheidendes Gewicht zu legen, als der Urheber derselben selbst später ein solches nicht mehr darauf gelegt hat.
Kann nun Vorstehendem zufolge die ungleiche Vertheilung des Lichtes und der Wärme im Spectrum nicht mit Wahrschein- lichkeit von einer Nichtidentität des Lichtes und der Wärme ab- hängig gemacht werden, so liesse sich von anderer Seite denken, dass durch die ungleiche Absorption der Stralen verschiedener Brechbarkeit Seitens der Augenmedien ein anderes Intensitätsver- hältniss der im Auge als leuchtend wahrgenommenen als der aus- serhalb des Auges thermometrisch gemessenen Theile des Spectrum entstände. Eine solche ungleiche Absorption findet nun auch un- streitig statt, wenn man die sichtbaren und unsichtbaren Wärme- stralen vergleicht, und ist in Rücksicht zu ziehen. Allein nach den oben erwähnten Versuchen von Melloni, Masson, Jamin und J. Müller findet innerhalb des sichtbaren Theiles des Spectrum vom Violet zum Roth keine ungleichförmige Absorption verschie- dener Farbestralen durch farblos durchsichtige Medien statt; oder wenigstens ist eine solche insofern ganz unwahrscheinlich, als die verschiedensten durchsichtigen Medien bei sehr ungleicher abso- luter Absorptionsfähigkeit für die Wärme doch gleiche Wärmever- hältnisse der hindurchgehenden Spectrumstralen finden lassen.
Auch ist schon oben S. 246 bemerkt worden, dass nach den vorliegenden Thatsachen sehr unwahrscheinlich die ultrarothen Stralen des Sonnenlichtes ganz von den Augenmedien absorbirt werden.