SigPhi · Immanuel Kant

Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels

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einander wie 400, 943 und 64 verhalten; ſo waͤre es ungereimt, die Urſache der Abſicht Gottes, welcher fie nach den Graden der Sonnenwärme gemäßigt hat, beyzumeſſen, denn da kann unſere Erde uns zum Gegenbeweiſe dienen, bey der die Sonne nur in eine fo geringe Tiefe unter der Oberfläche durch ihre Stralen wirkt, daß derjenige Theil ihres Klumpens „der dazu einige Be⸗ ziehüng haben muß, bey weitem nicht den millionſten Theil des Ganzen betraͤgt, wovon das übrige in Anſehung dieſer Abſt icht völlig gleichguͤltig iſt. Wenn alſo der Stoff, daraus die Him⸗ Wübkerßer beſtehen, ein ordentliches mit den Lui har.

2) Aus dieſem Grundſatze leitet auch Whiſton die Bildung der Erdkugel und ihrer Atmoſphaͤre her.

b nn tiefere En des inmendigen Klumpen eine eten. 0 „ monitendes Verhaͤltniß gegen einander hat, und die Planeten einander jetzt nicht einſchraͤnken konnen, da ſie nun in leerem Raus me von einander abſtehen; ſo muß ihre Materie ehedem in einem. Zuſtande geweſen ſeyn, da M e in einander gemeinſchaftliche Wir⸗ kung thun konnen, um ſich in die ihrer Schwere proportionirte Oerter einzuſchraͤnken, welches nicht anders hat geſchehen koͤnnen, als daß ihre Theile vor der Bildung in dem ganzen Raume des Syſtems ausgebreitet geweſen, und dem allgemeinen Geſetze der Bewegung gemaͤß, Oerter gewonnen haben, welche ihrer Dich⸗ tigkeit angemeſſen ſind. 1 Das Verhaͤltniß unter der Größe der planetiſchen Maſſen, welches mit den Entfernungen zunimmt, iſt der zweite Grund, der die mechaniſche Bildung der Himmelskoͤrper, und vornaͤmlich unſere Theorie vor derſelben, klaͤrlich beweiſet. Warum nehmen die Maſſen der Himmelskörper ohngefaͤhr mit den Entfernungen zu? Wenn man einer der Wahl Gottes alles zuſchreibenden Lehrart nachgeht; ſo konnte keine andere Abſicht gedacht werden, warum die entferntern Planeten großre Maſſen haben muͤſſen, als damit ſie durch die vorzuͤgliche Staͤrke ihrer Anziehung in ih⸗ rer Sphaͤre einen oder etliche Monde begreifen könnten, welche dienen follen, den Bewohnern, welche fuͤr ſie beſtimmt ſind, den Aufenthalt bequemlich zu machen. Allein dieſer Zweck konnte eben ſowohl durch eine vorzuͤgliche Dichtigkeit in dem Inwendi⸗ gen ihres Klumpens erhalten werden, und warum mußte denn die aus beſondern Grunden fließende Leichtigkeit des Stoffs, 51 welche dieſem Verhaͤltniß entgegen iſt, bleiben und durch den Vorzug des Volumens ſo weit uͤbertroffen werden, daß dennoch die Maſſe der obern wichtiger als der untern ihre wuͤrde? Wenn man nicht auf die Art der natürlichen Erzeugung dieſer Körper Acht hat; ſo wird man ſchwerlich von dieſem Verhaͤltniſſe den Grund angeben konnen: aber in Betrachtung derſelben iſt nichts leichter, als dieſe Beſtimmung zu begreifen. Als der Stoff al⸗ ler Weltkoͤrper in den Raum des planetiſchen Syſtems noch au ⸗ gebreitet war; ſo bildete die Anziehung aus dieſen Theilchen Kugeln, welche ohne Zweifel um deſto groͤßer werden mußten, je weiter der Ort ihrer Bildungsſphaͤre von demjenigen allgemeinen Centralkörper W war, der ans dem 92 des gan⸗ .

zen Raums,; durch eine vorzüglich mie Attraktion diefe Veerkinigung, ſo viel an ihm war, einfehränfte und hinderte.

Man wird die Merkmale dieſer Bildung der Himmelskörper maus dem, im Anfange ausgebreitet geweſenen, Grundſtoffe mit Vergnügen an der Weite der Zwiſchenraͤume gewahr, die ihre Kreiſe von einander ſcheiden, und die nach dieſem Begriffe als die leeren Fächer muͤſſen angeſehen werden, aus denen die Pla⸗ neten die Materie zu ihrer Bildung hergenommen haben. Man ſieht, wie dieſe Zwiſchenraͤume zwiſchen den Kreiſen ein Verhaͤlt⸗ niß zu der Größe der Maſſen haben, die daraus gebildet find. a) Die Weite zwiſchen dem Kreiſe des Jupiters und des Mars iſt ſo groß, daß der darin beſchloſſene Raum die Flaͤche aller untern Planetenkreiſe zuſammengenommen uͤbertrift; allein er iſt des groͤßeſten unter allen Planeten wuͤrdig, desjenigen, der mehr Maſſe hat, als alle uͤbrigen zuſammen. b) Man kann dieſe Entfernung des Jupiters von dem Mars nicht der Abſicht beymeſſen, daß ihre A ttractionen einander ſo wenig als moͤglich hindern ſollten. Denn nach ſolchem Grunde wuͤrde ſich der Pla⸗ net zwiſchen zwei Kreiſen allemal demjenigen am naͤchſten befin⸗ den, deſſen mit der ſeinigen vereinigte Attraction die beiderſeiti⸗ gen Umlaͤufe um die Sonne, am wenigſten ſtoͤhren kann; folg⸗ lich demjenigen, der die kleinſte Maſſe hat. Weil nun nach den richtigen 1 5 Newtons die Gewalt, womit Jupiter in dem Laufe des Mars wirken kann, zu derjenigen, die er in dem Saturn durch die vereinigte Anziehung ausuͤbet, wie 72 12 zu 28. verhält; fo kann man leicht die Rechnung machen, um wie viel Jupiter ſich dem Kreiſe des Mars näher befinden müßte, als des Saturns ſeinem, wenn ihr Abſtand durch die Abſicht ihrer aͤuſ⸗ ſerlichen Beziehung, und nicht durch den Mechanismus ihrer Erzeugung beſtimmt worden wäre, Da dieſes ſich nun aber ganz anders befindet Ne ein Planer" Kreis in Aufepung der zwey 1 20 ©. aber pag, 20. Rote a K b) Andre ſchließen aus dieſer großen Lücke 5 chen de Jupiter und Mars auf das Daſeyn eines noch unentdeckten 5 deſſen muköneazliche Bahn von Herrn Bode auf ſeiner Zeichnung vom Sonnenſyſtem, nach Proportion der ubrigen, durch Pikes bezeichnet worden if.

Kreiſe, die über und unter ihm ſind ſich oft von demjenigen weiter entfernt befindet, in welchem ein kleiner Dlaher läuft, als die Bahn deſſen von größrer Maſſe; die Weite des Raums aber um den Kreis eines jeden Planeten, allemal ein richtiges Ver⸗ haͤltniß zu ſeiner Maſſe hat; ſo iſt klar, daß die Art der Erzeu⸗ 5 gung dieſe Verhaͤltniſſe muͤſſe beſt immt haben, und daß, weil dieſe Beſtimmungen ſo, wie die Urſache und die Folgen derſelben, ver⸗ bunden zu ſeyn ſcheinen, man es wohl am richtigſten treffen wird, wenn man die, zwiſchen den Kreiſen begriffenen Raͤume als die Be⸗ haͤltniſſe desjenigen Stoffes anſieht, daraus ſich die Planeten ge⸗ bildet haben; woraus unmittelbar folgt, daß die Größe der Raͤu⸗ me den Maſſen der Planeten proportionirt ſeyn muß, welches Verhaͤltniß aber bey den entfernten planeten durch die, in dem erſten Zuſtande größere Zerſtreuung der elementariſchen Materie in dieſen Gegenden vermehrt wird. Daher von zwey Planeten, die an Maſſe einander ziemlich gleichkommen, der entferntere ei⸗ nen großern Bildungsraum, d. i. einen groͤßern Abſtand von den beyden naͤchſten Kreiſen haben muß, ſowohl weil der Stoff daſelbſt an ſich ſpeciſiſch leichtrer Art, als auch, weil er zerſtreuter war, als bey dem, ſo ſich naͤher zu der Sonne bildete. Daher obgleich die Erde zuſammt dem Monde der Venus noch nicht an koͤrperli⸗ chem Inhalte gleich zu ſeyn ſcheint, ſo hat ſie dennoch um ſich ei⸗ nen groͤßern Bildungsraum erfordert: weil ſie ſich aus einem mehr zerſtreuten Stoffe zu bilden hatten, als dieſer untere Planet. Vom Saturn iſt aus dieſen Gruͤnden zu vermuthen, daß ſeine Bil⸗ dungsſphaͤre ſich auf der abgelegenen Seite viel weiter wird aus⸗ gebreitet haben, als auf der Seite gegen den Mittelpunkt hin, 0 wie denn dieſes faſt an allen Planeten gilt; ) und daher wird der Zwiſchenraum zwiſchen dem Saturnskreiſe, und der Bahn des dieſem Planeten zu nachſt obern Himmelskörpers „den man über ihm vermuthen kann, viel weiter, als zwiſchen ru demfelben und dem Jupiter, ſeyn. a) a) Die Entdeckung des Uranus beftätigt dee Ban fein umlaufs⸗ kreis iſt faſt noch einmal ſo groß als der des Saturns: ſeine Entfernung von der Sonne beträgt 400 Mill. Meilen und vom Saturn 204 Millionen; er erweitert unſer ire g um das doppelte mehr, als es zuvor bekannt war, Nach Maaßgabe ſei⸗ nes Raums wird er alſo auch wohl at Monde, we; vielleicht guch Ringe haben, als Saturn. 0 Alſo geht alles i in dem pfanetifchen Weltbaue ſtufenweiſe, mit ö richtigen Beziehungen zu der erſten erzeugenden Kraft, die neben dem Mittelpunkte wirkſamer als in der Ferne geweſen „in alle unbeſchraͤnkte Weiten fort. Die Verminderung der eingedruͤckten ſchießenden Kraft, die Abweichung von der genauſten Ueberein⸗ ſtimmung in der Richtung und der Stellung der Kreiſe, die Dich⸗ tigkeiten der Himmelskoͤrper, die Sparſamkeit der Natur in Abe ſehen auf den Raum ihrer Bildung: alles vermindert ſich ſtufen⸗ artig von dem Centro in die weiten Entfernungen: alles zeigt, daß die erſte Urſache an die mechaniſchen Regeln der Bewegung gebunden geweſen, und nicht durch eine freye Wahl gehandelt hat. Allein was ſo deutlich, als irgend ſonſten etwas, die natürliche 3 Bildung der Himmelskugeln aus dem urſpruͤnglich in den Raume des Himmels, der nunmehr leer iſt, ausgebreitet geweſenen Grund⸗ ſtoffe anzeigt, iſt diejenige Uebereinſtimmung, die ich von dem Herr von Bu ffon entlehne, die aber in ſeiner Theorie bey wei⸗ tem nicht den Nutzen hat als in der unſrigen. Denn nach ſeiner Bemerkung, wenn man die Planeten, deren Maſſen man durch 1 Rechnung beſtimmen kann, zuſammen ſummirt: naͤmlich den Sa⸗ turn, den Jupiter, die Erde und den Mond; ſo geben ſie einen Klumpen N deſſen Dichtigkeit der Dichtigkeit des Sonnenkoͤrpers wie 640 zu 630 beykoͤmmt, welche, da es die Hauptſtuͤcke in dem planetiſchen Syſteme ſind, gegen die uͤbrigen Planeten Mars, Venus und Merkur kaum verdienen gerechnet zu werden; fo wird man billig über die merkwürdige Gleichheit erſtaunen, die zwi⸗ ſchen der Materie des geſammten planetiſchen Gebaͤudes, wenn es als in einem Klampen vereiniget betrachtet wird, und zwiſchen der Maſſe der Sonne herrscht. Es waͤre ein unverantwortlicher Leichtſinn, dieſe Analogie einem Ungefähr, zuzuſchreiben „welche unter einer Mannigfaltigkeit ſo unendlich verſchiedner Materien, deren nur allein auf unſrer Erde einige anzutreffen ſind, die 1 tauſendmal an Dichtigkeit von einander uͤbertroffen werden, den⸗ noch im ganzen dem Verhaͤltniß von 1 bis 1 ſo nahe kommen: und man muß zugeben, daß, wenn man die Sonne als ein Menge ſel von allen Sorten Materie, die in dem planetiſchen Gebaͤude von einander geſchieden ſind, betrachtet, alle ins geſammt ſich in einem Raume ſcheinen gebildet zu haben, der urſpruͤnglich mit gesföruig ausgebreitetem Stoffe erfült war und auf dem Cen⸗ tralkoͤrper ſich ohne Unterſchied verſammlet, zur Bildung der pla⸗ neten aber nach Maasgebung der Hoͤhen eingetheilt worden. a) Ich überlaſſe es denen, die die mechaniſche Erzeugung der Welt⸗ koͤrper nicht zugeben aalen, aus den Bewegungsgrunden der Wahl Gottes dieſe ſo beſondere Uebereinſtimmung, wo ſie koͤn⸗ nen, zu erklaͤren. Ich will endlich aufhören, eine Sache von ſo uͤberzer gender Deutlichkeit, als die Entwicklung des Weltgebaͤu⸗ des aus den Kräften der Natur iſt, auf mehr Beweisthuͤmer zu gründen. Wenn man im Stande iſt, bey ſo vieler Ueberführung unbeweglich zu bieiben; 1 muß man entweder gar zu tief in den Feſſeln des Vorurtheils liegen, oder gaͤnzlich unfähig ſeyn, ſich uͤber den Wuſt hergebrachter Meinungen, zu der Betrachtung der allerreinſten Wahrheit, empor zu ſchwingen. Indeſſen iſt zu glau⸗ ben, daß niemand als ein Bloͤdſinniger, auf deſſen Beyfall man nicht rechnen darf, die Richtigkeit dieſer Theorie verkennen könnte, wenn die Uebereinſtimmungen, die der Weltbau in allen ſeinen Verbindungen zu dem Nutzen der vernuͤnftigen Kreatur hat, nicht etwas mehr, als bloße allgemeine Naturgeſetze zum Grunde zu haben ſcheinen. Man glaubt auch mit Recht, daß geſchickte An⸗ ordnungen ‚ welche auf einen wuͤrdigen Zweck abzielen, einen wei⸗ ſen Verſtand zum Urheber haben muͤſſen, und man wird voͤllig befriediget werden 7 wenn man bedenkt, daß, da die Naturen der Dinge keine andern, „ als eben dieſe Urquelle erkennen, ihre we⸗ ſentliche und allgemeine Beſchaffenheiten eine natuͤrliche Neigung zu anſtaͤndigen und unter einander wohl uͤbereinſtimmenden Fol⸗ gen haben muͤſſen. Man wird ſich alſo nicht wundern dürfen, wenn man zum wechſelſeitigen Vortheile der Kreaturen gereichen⸗ de Einrichtungen der Weltverfaſſung gewahr wird, dieſelben ei ⸗ ner natürlichen Folge aus dem allgemeinen Geſetzen der Natur benzumeſſen „denn was aus dieſem herfliche,; iſt nicht die Wir⸗ kung des blinden Zufalls oder der unvernuͤnftigen Nothwendigkeitz es gründet ſich zuletzt doch in der hoͤchſten Weisheit, von der die alle gemeinen Beſchaffenheiten ihre Uebereinſtimmung entlehnen.

Der eine Schluß iſt ganz richtig: Wenn in der Verfaſſun g der Welt, Ordnung und Schoͤnheit n a) Man ſehe oben pag. 39 Note b.

* Re fo. iſt ei n 0 ot t., Alein, der andere. iſt nicht weniger gegrün⸗ det: Wenn dieſe Ordnung aus allgemeinen Natur⸗ geſetzen hat herfließen können; ſo iſt die ganze Natur nothwendig eine Wirkung der hoch ſt en Weis heit. Wenn man es ſich aber durchaus belieben läßt, die unmittel⸗ here Anwendung der goͤttlichen Weisheit in allen Anordnungen der Natur, die unter ſich Harmonie und nützliche Zwecke begrei⸗ ſen, zu erkennen, indem man der Entwicklung aus allgemeinen Bewegungsgeſetzen keine ubereinſtimmenden Folgen zutraut; ſo wollte ich rathen, in der Beſchauung des Weltbaues ſeine Augen nicht auf einen einzigen unter den Himmelskorpern „ſondern auf das Ganze zu richten, um ſich aus dieſem Wahne auf einmal her⸗ aus zu reißen. Wenn die ſchiefe Lage der Erdachſe gegen die Fla. che ihres ‚jährlichen Laufs, durch die beliebte Abwechslung der Jahrszeiten, ein Beweis der unmittelbaren Hand Gottes ſeyn ſoll, ſo darf man nur dieſe Beſchaffenheit bey den andern Himmelskoͤr⸗ pern Dagegen, halten; jo wird man gewahr werden, daß fie bey jedem derſelben abwechſelt, und daß in dieſer Verſchiedenheit es au einige giebt, die fie gar nicht haben: wie z. E. Jupiter, def ſen Achſe far ſenkrecht zu der Ebne ſeines Kreiſes iſt, und Mars deſſen ſeine es auch beynahe iſt, welche beyde keine Verſchiedenheit der Jahrszeiten genießen, und doch eben ſowohl Werke der Weis⸗ heit, als die andern find. Die Begleitung der Monde beym Ura⸗ nus, Saturn, Jupiter und der Erde „wuͤrden beſondere Anord⸗ nungen des Weſens zu ſeyn ſcheinen, wenn die free Abweichung von dieſem Zwecke, durch das ganze Syſtem des Weltbaues, nicht anzeigie, daß die Natur, ohne durch einen außerordentlichen Zwang in ihrem ſreyen Betragen geſtoͤrt zu ſeyn, dieſe Beſtimmungen hervorgabracht habe. Jupiter hat vier Monde „Saturn ſieben, die Erde einen, die uͤbrigen Planeten gar keinen; a) ob es gar ſcheint, daß dieſe, wegen ihrer laͤngern Nächte derſelben beduͤrf⸗ tiger waren, als jene. Wenn man die proportionirte Gleichheit, der den Planeten ein gedrückten Schwungskraͤfte, mit den Central⸗ neigungen ihres Abſtands, als die Urſache „warum dieſe beynahe im Cirkel um die Sonne laufen, und, durch die Gleichmäßige 0 Siehe oben pag · 50, Note.

Zu > * Be der von dieser ertheilten Wärme, „zu Wehuylzzen vervünftiger ö Kreaturen geſchickt werden, bewundert, und fie als den unmittel⸗ baren Finger der Allmacht anſieht; ſo wird man auf einmal auf die allgemeinen Geſetze der Natur zurückgeführt, wenn man waͤgt, daß dieſe planetiſche Beſchaffenheit ſich nach und nach, mit allen Stufen der Verminderung, in der Tiefe des Himmels ver⸗ liert, und daß eben die hoͤchſte Weisheit, welche an der gemaͤßig⸗ ten Bewegung der Planeten ein Wohlgefallen gehabt hat, auch die Maͤngel nicht ausgeſchloſſen habe „ mit welchen ſich das Sy⸗ ſtem endigt, indem es in der voͤlligen Unregelmaͤßigkeit und Unord⸗ nung aufhört. Die Natur, ungeachtet ſie eine weſentliche Be⸗ ſtimmung zur Vollkommenheit und Ordnung hat, faßt i in dem Um⸗ fange ihrer Mannigfaltigkeit alle moͤgliche Abwechſelungen, ſogar bis auf die Maͤngel und Abweichungen, in ſich. Eben dieſelbe unbeſchraͤnkte Fruchtbarkeit derſelben hat die bewohnten Himmels⸗ kugeln ſowohl, als die Kometen, die nuͤtzlichen Berge und die ſchaͤdlichen Klippen, die bewohnbaren Landſchaften und oͤden Wie ſteneyen, die Tugenden und Laſter, a) hervorgebracht.

92 — Siehe unten pag. 133.

* Allgemeine | — Dritter Theil.

Welcher einen Verſuch einer auf die Analogie der Natur gegrün ⸗ deten Vergleichung, zwiſchen den Einwohnern verſchiedner ee i ah enthält. ' 1 Er bh Blick durchs We dringt, Und Welt an Welt gereiht, die Schöpfung ſieht Eın Ganzes werden, weiß wie ein Syſtem Ins and re greift, welch neue Monden, neue Weltkoͤrper andrer Sonnen Bahn umfchweben; Und jedes Sternes en! Bewohner kennt; Nur er ‚allein verſteht. — l Pope.

Von den Bewohnern der Weltkoͤrper. a) We ich dafuͤr halte daß es den Charakter der Weltweisheir entehren heiße, wenn man ſich ihrer gebraucht, mit einer Art von Leichtſinn freye Ausſchweifungen des Witzes, mit einiger Schein⸗ a) Man leſe auch in Bodens Kenntniß des geſtirnten Hine, ed. 1791. von pag. 593 — 597. — Zu welchem Entwecke ſoll⸗ ten Land und Waſſer in unſerm Monde, ſo viele Monde anderer Planeten, jo manche unentdeckte, oder nur durch Fernglaͤſer zu beierkenze Sterne, Planeten, Monden ꝛc. da ſeyn, wenn ne nicht ſeloſt von Kreaturen bewohnt waͤren? Sollten fie blos exiſtiren, ſollte die fo große Sonne deswegen ſo groß ſeyn, um uns Troenmenſchen allein zu leuchten, uns allein durch Schimmer zu beluſtigen? ꝛc. 2c. Herr Kant ſchließt aber oben die Kometen von der Zahl der bewohnbaren erdkoͤrper aus; Doch wer weiß? Kann doch wohl die Sonne ſelbſt ihre Be⸗ wohner haben. 2 barkeit, zu Mhapfeh wenn man ins gleich erklaren wolte, daß es nur geſchaͤhe, um zu beluſtigen; ſo werde ich in gegenwaͤrti⸗ gem Verſuche keine andern Saͤtze anfuͤhren, als ſolche, die zur Erweiterung unſers Erkenntnißes wirklich beytragen koͤnnen, und deren Wahrſcheinlichkeit zugleich fo wohl gegruͤ det iſt, in | man ſich kaum entbrechen kann, ſie gelten zu laſſen.

Ob es gleich ſcheinen mögte, daß in dieſer Art des Geenen des, die Freiheit zu erdichten, keine eigentliche Schranken habe, und daß man in dem Urtheile von der Beſchaffenheit der Ein⸗ wohner entlegner Welten, mit weit großrer Ungebundenheit, der Phantaſie den Zuͤgel ſchießen laſſen koͤnne, als ein Mahler in der Abbildung der Gewaͤchſe oder Thiere unentdeckter Laͤnder, und daß dergleichen Gedanken weder recht erwieſen, noch widerlegt werden konnten; fo muß man doch geſtehen, daß die Entfernun⸗ gen der Himmelskörper von der Sonne gewiſſe Verhaͤltniſſe mit fi, führen, welche einen weſentlichen Einfluß in die verſchiednen Eigenſchaften der denkenden Naturen, nach ſich ziehen, die auf denſelben befindlich ſind, als deren Art zu wirken und zu lei, den, an die Beſchaffenheit der Materie, mit der fi ie verknuͤpft ſind, gebunden iſt, und von dem Maas der Eindruͤcke abhängt, welche die Welt, nach den. Eigenſchaften, der Beziehung ihres Wohnplatzes zu dem Mittelpunkte der Attraction und der Waͤr⸗ me, in ihnen erweckt.

Ich bin der Meinung, daß es eben nicht nothwendig ſey, zu behaupten, alle Planeten müften bewohnt ſeyn, ob es gleich eine Ungereimtheit waͤre, dieſes in Anſehung aller, oder auch nur der meiſten, zu leugnen. Bey dem Reichthume der Natur, da Wel⸗ ten und Syſteme, in Anſehung des Ganzen der Schoͤpfung, nur Sonnenſtaͤubchen find, könnte es auch wohl ode und unbewohnte g Gegenden geben, die nicht auf das genauſte zu dem Zwecke der Natur, nemlich der Betrachtung vernünftiger Weſen genutzt würden. Es waͤre, als wenn man ſich aus dem Grunde der Weisheit Gottes ein Bedenken machen wollte, zuzugeben, daß ſandigte und unbewohnte Wuͤſteneyen große Strecken des Erdbo⸗ dens einnehmen, und daß es verlaßne Inſeln im Weltmeere ge⸗ be, darauf kein Menſch befindlich iſt. Indeſſen iſt ein Planet — # a a viel weniger in Anſehung des Ganzen der Huhu, als eint Wuͤſte, oder Inſel, in Anſehung des Erdbodens.

Vielleicht, daß ſich noch nicht alle eee völig auge gebildet haben; es gehoͤren Jahrhunderte, v vielleicht tauſende von Jahren dazu, bis ein großer Himmelskoͤrper einen feſten Stand ſeiner Materien erlangt hat. Jupiter ſcheint noch in dieſem Streite zu ſeyn. Die merkliche Abwechslung feiner Geſtalt, zu verſchiednen Zeiten hat die Aſtronomen ſchon vorlaͤngſt muth⸗ maßen laſſen, daß er große Umſtürzungen erleiden muͤſſe, und bey weiten fo ruhig auf ſeiner Oberflache nicht ſey, als es ein bewohnbarer Planet ſeyn muß. Wenn er keine Bewohner hat, und auch keine jemals haben ſollte, was vor ein unendlich kleiner Aufwand der Natur waͤre dieſes, in Anfehung der Unermeßlich⸗ keit der ganzen Schoͤpfung? Und waͤre es nicht vielmehr ein Zeichen der Armuth, als des Ueberfluſſes derſelben, wenn fie in jedem Punkte des Raums fo ſorgfältig ſeyn ſollte, alle ihre Reichthuͤmer aufzuzeigen?

Allein, man kann noch mit mehr Befriedigung vermuthen, daß, wenn er gleich jetzt unbewohnt iſt, er dennoch es dereinſt werden wird „wenn die Periode ſeiner Bildung wird vollendet ſeyn. Vielleicht iſt unſere Erde tauſend oder mehrere Jahre vor handen geweſen, ehe ſte ſich in der Verfaſſung befunden hat, Menſchen, Thiere und Gewaͤchſe unterha ten zu koͤnnen. Daß ein Planet nun einige tauſend Jahre ſpaͤter zu dieſer Vollkom⸗ menheit kommt, das thut dem Zwecke ſeines Daſeyns keinen Ab⸗ bruch. Er wird eben um deswillen auch ins zukünftige laͤnger in der Vollkommenheit ſeiner Verfaſſung, wenn er ſie einmal erreicht hat, verbleiben; denn es iſt einmal ein gewiſſes Naturgeſetz: al⸗ les, was einen Anfang hat, naͤhert ſich beſtaͤndig ſeinem Unter⸗ gange, und iſt demſelben um ſo viel naͤher, je bt es ſich von dem Punkte ſeines Anfangs entfernt hat.

Die ſatyriſche Vorſtellung jenes witzigen Kopfes aus dem 2 welcher, wie es in den allgemeinen Nachrichten aus dem Reiche der Wiſſenſchaften angefuͤhrt wird, die Einbildung von der nothwendigen Bevölkerung aller Weltkoͤrper, auf der laͤcherlichen Seite vorzuſtellen wuſte, kann nicht anders, als ge⸗ dilliget werden. „Diejenigen Kreaturen,“ ſprichter: „welche N — » Sa uw „die Wälder uf dem Kopfe eines Bettlers e ee „ ſchon lange ihren Aufenthalt für eine unermeßliche Kugel, und MAL ſelbſt, als das Meifterftüc der Schöpfung, angeſehen, als „einer unter ihnen, den der Himmel mit einer feinern Seele br „ gabt hatte, ein kleiner Fontenelle feines ea ven „Kopf eines Edelmanns unvermuthet gewahr ward. Alsbald Horief er alle witzige Köpfe feines: Quartiers zuſammen, und „ſagte ihnen mit Entzuͤckung: wir ſind nicht die einzigen beleb⸗ „ten Weſen der ganzen Natur: ſehet hier ein neues Land, hier „wohnen mehr Laͤuſe.“ Wenn der Ausgang dieſes Schluſ⸗ ſes ein Lachen erweckt; ſo geſchieht es nicht um des willen, weil er von der Menſchen Art zu urtheilen weit abgeht: ſondern, weil eben derſelbe Irrthum, der bey dem Menſchen eine gleiche Urſache zum Grunde hat, bey Wa mehr e e 5 verdienen ſcheint. 5 Laßt uns ohne Vorurtheil Mthellen Dieſes 88 s 0 ſowohl ſeiner Art zu leben, als auch feiner Veraͤchtlichkeit nach, die Beſchaffenheit der meiſten Menſchen ſehr wohl ausdrückt, kann mit gutem Fuge zu einer ſolchen Vergleichung gebraucht werden. Weil, ſeiner Einbildung nach, der Natur an ſeinem Daſeyn unendlich viel gelegen iſt; ſo haͤlt es die ganze uͤbrige Schoͤpfung fur vergeblich, die nicht eine genaue Abzielung auf feln Geſchlecht, als den Mittelpunkt ihrer Zwecke mit ſich führt. Der Menſch/ welcher gleich unendlich weit von der oberſten Stufe der Weſen abſteht, iſt ſo verwegen, von der Nothwendigkeit ſei⸗ nes Daſeyns, ſich mit gleicher Einbildung zu ſchmeicheln. Die Unendlichkeit der Schöpfung faßt alle Naturen, die ihr über» ſchwenglicher Reichthum hervorbringt, mit gleicher Nothwendig⸗ keit in ſich. Von der erhabenſten Claſſe, unter den denkenden Weſen, bis zu dem verachteſten Inſecte, iſt ihr kein Glied gleich⸗ “gültig; und es kann keins fehlen „ohne daß die Schoͤnheit des Ganzen, welche in dem Zuſammenhange beſteht, dadurch unter⸗ brochen wurde. Indeſſen wird alles durch allgemeine Geſetze beſtimmt, welche die Natur, durch die Verbindung ihrer ur⸗ ſprünglich eingepflanzten Kraͤfte, bewirkt. Weil ſie in ihrem Verfahren lauter Wohlanſtaͤndigkeit und Ordnung hervorbringt; ſo dorf keine einzelne Abſicht ihre Folgen ſtoren und unterbrechen.

1 ie Bey ihrer erſten Bildung war die Erzeugung eines Planeten nur eine unendliche kleine Folge ihrer Fruchtbarkeit; und nun waͤre es etwas ungereimtes, daß ihre ſo wohl gegründeten Geſetze den beſondern Zwecken dieſes Atoms nachgeben ſolten. Wenn die Beſchaffenheit eines Himmelskoͤrpers der Bevoͤlkerung natuͤrliche Hinderniſſe entgegen ſetzt: io wird er unbewohnt ſeyn, obgleich es an und für ſich ſchoͤner waͤre, daß er Einwohner haͤtte. Die Treflichkeit der Schoͤpfung verlieret dadurch nichts: denn das Unendliche iſt unter allen Groͤßen diejenige, welche durch Ent⸗ ziehung eines endlichen Theiles nicht vermindert wird. Es waͤre, als wenn man klagen wollte, daß der Raum zwiſchen dem Jupi⸗ ter und dem Mars ſo unnoͤthig leer ſtehet, und daß es Kometen giebt, welche nicht bevoͤlkert ſind. In der That, jenes Inſect mag uns ſo nichtswuͤrdig ſcheinen, als es wolle, es iſt der Na⸗ tur, da es einmahl da iſt, gewiß an der Erhaltung ſeiner ganzen Claſſe mehr gelegen, als an einer kleinen Zahl vortreflicher Ges ſchoͤpfe, deren es dennoch unendlich viel giebt, wenn ſie gleich ei⸗ ner Gegend, oder eines Orts beraubt ſeyn ſollten. Weil ſie in Hervorbringung beyder unerſchoͤpflich iſt, ſo ſieht man ſie ja gleich unbekuͤmmert, beyde in ihrer Erhaltung und Zerſtoͤrung, den all⸗ gemeinen Geſetzen uͤberlaſſen. Hat wohl jemahls der Beſitzer je⸗ ner bewohnten Waͤlder, auf dem Kopfe des Bettlers, groͤßere Verheerungen unter dem Geſchlecht dieſer Kolonie gemacht, als der Sohn Philipps in dem Geſchlechte feiner. Mitbürger ans richtete, als es ihm ſein boͤſer Genius in den Kopf geſetzt hatte, daß die Welt nur um ſeinetwillen hervorgebracht ſey? Indeſſen ſind doch die meiſten unter den Planeten gewiß be⸗ wohnt, und die es nicht ſind, werden es dereinſt werden. Was für Verhaͤltniße werden nun, unter den verſchiednen Arten Dies ſer Einwohner, durch die Beziehung ihres Orts in dem Weltge⸗ baͤude zu dem Mittelpunkte, daraus ſich die Waͤrme verbreitet, die alles belebt, verurſacht werden? Denn es iſt gewiß, daß dieſe, unter den Materien dieſer Himmelskoͤrper, nach Propor⸗ tion ihres Abſtandes, gewiſſe Verhaͤltniße in ihren Beſtimmungen mit ſich führt: Der Menſch, welcher unter allen vernünftigen Weſen dasjenige iſt, welches wir am deutlichſten kennen, ob uns gleich ſeine innere Beſchaffenheit annoch ein unerforſchtes Pro⸗ N blem blem iſt, muß in dieſer Vergleichung zum Grunde und zum all gemeinen Beziehungspunkte dienen. Wir wollen ihn hier nicht nach feinen moraliſchen Eigenſchaften, auch nicht nach der phya _ - ſiſchen Einrichtung ſeines Baus betrachten: wir wollen nur un⸗ terſuchen, was das Vermögen vernuͤnftig zu denken, und die Be⸗ wegung ſeines Leibes, die dieſem gehorcht, durch die, dem Ab⸗; ſtande von der Sonne proportionirte, Beſchaſſenheit der Mate⸗ rie, an die er geknuͤpft iſt, für Einſchraͤnkungen leide. Des unendlichen Abſtands ungeachtet, welcher zwiſchen der Kraft zu denken, und der Bewegung der Materie, zwiſchen dem vernünfs tigen Geiſte, und dem Koͤrper anzutreffen iſt, ſo iſt es doch ge⸗ wiß, daß der Menſch, der alle ſeine Begriffe und Vorſtellungen von dem Eindrucke her hat, die das Univerſum, vermittelſt des Koͤrpers, in ſeiner Seele erregt, ſowohl in Anſehung der Deutlichkeit derſelben, als auch die Fertigkeit, dieſelbe zu verbin⸗ den und zu vergleichen, welche man das Vermögen zu den⸗ ken nennt, von der Beſchaffenheit dieſer Materie vollig abhaͤngt an die der Schoͤpfer ihn gebunden hat.

Der Menſch iſt erſchaffen, die Eindrücke und Ruͤhrungen, die die Welt in ihm erregen ſoll, durch denjenigen Koͤrper anzuneh⸗ men, der der ſichtbare Theil ſeines Weſens iſt, und deſſen Mate⸗ rie nicht allein dem unfichebaren Geiſte, welcher ihn bewohnt, dient die erſten Begriſſe der äußern Gegenſtaͤnde aufzufaſſen; ſondern 15 auch in der innern Handlung dieſe zu wiederholen, zu verbinden: kurz, zu denken, unentbehrlich iſt “). Nach dem Maaße, als ſein Koͤrper ſich ausbildet, EN die Fähigkeiten feiner den⸗ kenden Natur auch die gehoͤrigen Grade der Vollkommenheit, und erlangen allererſt ein geſetztes und maͤnnliches Vermoͤgen, wenn die Faſern ſeiner Werkzeuge die Feſtigkeit und Dauerhaftigkeit uͤberkommen haben, welche die Vollendung ihrer Ausbildung iſt.

Diejenigen Faͤhigkeiten entwickeln ſich bey ihm früh genug, durch. 55 welchen er dem Beduͤrfniſſe, das die Abhangigkeit von den aͤußer⸗ . Es iſt aus den Gründen der Pſychologie ausgemacht, daß, ver⸗ möge der jetzigen Berfaffung, darinnen die Schöpfung Seele und Leib von einander abhaͤngig gemacht hat, die erſtere nicht allein alle Begriffe des Univer an 6 durch des letztern Bemeinſchaft und Einfluß uͤberkommen muß; ſondern auch die Ausübung feiner Dienkungskraft ſelbſt auf deſſen Verfaſſung ankommt, und von er ſen Beyhuͤlfe die noͤthige Jaͤhigkeit dazu entlehnt.

lichen Dingen ihm zuzieht, genug thun kann. Bey einigen Men⸗ ſchen bleibt es bey dieſem Grade der Auswicklung. Das Vermös gen abgezogene Begriffe zu verbinden, und durch eine frene Ans _ wendung der Einſichten über den Hang der Leidenſchaften zu herr⸗ ſchen, findet ſich ſpaͤt ein, bey einigen niemals in ihrem ganzen Le⸗ ben; bey allen aber iſt es ſchwach: es dienet den untern Kraͤften, über die es doch herrſchen ſollte, und in deren Regierung der Vor⸗ zug ſeiner Natur beſteht. Wenn man das Leben der meiſten Men⸗ ſchen anſieht: ſo ſcheinet dieſe Kreatur geſchaffen zu ſeyn, um wie eine Pflanze Saft in ſich zu ziehen und zu wachſen, ſein Ge⸗ ſchlecht fortzuſetzen, endlich alt zu werden, und zu ſterben. Er erreicht unter allen Geſchoͤpfen am wenigſten den Zweck ſeines Da⸗ ſeyns, weil er ſeine vorzuͤglichen Faͤhigkeiten zu ſolchen Abſichten verbraucht, die die uͤbrigen Kreaturen mit weit mindern, und doch weit ſichrer und anſtaͤndiger erreichen. Er würde auch das Ver⸗ achtungswuͤrdigſte unter allen, zum wenigſten in den Augen der wahren Weisheit, ſeyn, wenn die Hoffnung der Zukunft ihn nicht erhuͤbe, und den in ihm verſchloßnen Kraͤften, nicht die Periode einer völligen Entwicklung bevorſtuͤnde.

Wenn man die Urſache der Hinderniſſe unterſucht, welche die menſchliche Natur in einer ſo tiefen Erniedrigung erhalten; ſo findet ſie ſich in der Grobheit der Materie, darin ſein geiſtiger Theil verſenkt iſt, in der Unbiegſamkeit der Faſern und der Traͤg⸗ heit und Unbeweglichkeit der Saͤfte, welche den Regungen des geiſtigen Theils gehorchen ſollen. Die Nerven und Flüßigkei⸗ ten a) ſeines Gehirns liefern ihm nur grobe und undeutliche Be⸗ griffe; und weil er der Reitzung der ſinnlichen Empfindungen, in dem Inwendigen ſeines Denkungsvermoͤgens, nicht genugſam kraͤftige Vorſtellung zum Gleichgewichte entgegen ſtelen kann; ſo wird er von ſeinen Leidenſchaften hingeriſſen, von dem Getuͤm⸗ mel der Elemente, die ſeine Maſchine unterhalten, uͤbertaͤubt und geſtoͤrt. Die Bemühungen der Vernunft, ſich dagegen zu erhe⸗ ben, und dieſe Verwirrung durch das Licht der Urtheilskraft zu a) Unter welchen, nach Soͤmmerings Beobachtungen, eine übers aus feine, die innern Hoͤhlen des Gehirns bekleidet, und viel⸗ leicht das eigentliche Empfindungsorgan (Sensorium) der Seele ſeyn kan, da ſich die feinſten Enden aller Nerven in ihm zu verliehren ſcheinen.

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