ſein ſollen, En bei allen Staatsformen zu Grunde, und das gemeine Weſen, welches, ihr gemäß, durch reine Ver⸗ nunftbegriffe gedacht, ein platoniſches Ideal heißt (res- publica noumenon), ift nicht ein leeres Hirngeſpinnſt, ſon⸗ dern die ewige Norm für alle bürgerliche Verfaſſung über⸗ haupt und entfernet allen Krieg. Eine dieſer gemäß orga⸗ niſirte bürgerliche Geſellſchaft iſt die Darſtellung derſelben nach Freiheitsgeſetzen durch ein Beiſpiel in der Erfahrung (respublica phaenomenon), und kann nur nach mannich⸗ faltigen Befehdungen und Kriegen mühſam erworben wer⸗ den; ihre Verfaſſung aber, wenn ſie im Großen einmal errungen worden, qualificirt ſich zur beſten unter allen, um den Krieg, den Zerſtörer alles Guten, entfernt zu halten; mithin iſt es Pflicht in eine ſolche einzutreten, vorläufig aber (weil jenes nicht fo bald zu Stande kommt) Pflicht der Monarchen, ob ſie gleich autokratiſch herrſchen, den⸗ noch republikaniſch (nicht demokratiſch) zu regieren, d. i., das Volk nach Prineipien zu behandeln, die dem Geiſt der Freiheitsgeſetze (wie ein Volk mit reifer Vernunft ſie ſich ſelbſt vorſchreiben würde) gemäß ſind, wenn gleich dem Buchſtaben nach es um ſeine Einwilligung nicht befragt würde.
9. Welchen Ertrag wird der Fortſchritt zum Beſ— ſeren dem Menſchengeſchlecht abwerfen?
Nicht ein immer wachſendes Quantum der Moralität in der Geſinnung, ſondern Vermehrung der Producte ihrer Befehl, wenn er fagt: es ſoll Krieg fein, ſofort Krieg iſt. — Was iſt dagegen ein eingeſchränkter Monarch? Der, welcher vorher das Volk befragen muß, ob Krieg ſein ſolle oder nicht, und ſagt das Volk, es ſoll nicht Krieg ſein, ſo iſt kein Krieg. — Denn Krieg iſt ein Zuſtand, in welchem dem Staatsoberhaupte alle Staatskräfte zu Gebot ſtehen müſſen. Nun hat der großbritanniſche Monarch recht viel Kriege ge⸗ führt, ohne dazu eine Einwilligung zu ſuchen. Alſo iſt dieſer König ein abſoluter Monarch, der er zwar der Conſtitution nach nicht ſein ſollte; die er aber immer vorbei gehen kann, weil er eben durch jene Staatskräfte, nämlich daß er alle Aemter und Würden zu vergeben in ſeiner Macht hat, ſich der Beiſtimmung der Voltsrepräſentanten verſichert halten kann. Dieſes Beſtechungsſyſtem muß aber freilich nicht Publi⸗ eität haben, um zu gelingen. Es bleibt daher unter dem ſehr durch⸗ ſichtigen Schleier des Geheimniſſes. (A 154-56). (K 383-54). (Ha 293-94; b 404-405). (K 126-27).
112 2. Abſch. Der Streit der philoſophiſchen Legalität in pflichtmäßigen Handlungen, durch welche Triebfeder ſie auch veranlaßt ſein mögen; d. i., in den guten Thaten der Menſchen, die immer zahlreicher und beſſer ausfallen werden, alſo in den Phänomenen der ſitt⸗ lichen Beſchaffenheit des Menſchengeſchlechts wird der Er⸗ trag (das Reſultat) der Bearbeitung deſſelben zum Beſſeren allein geſetzt werden können. — Denn wir haben nur em⸗ piriſche Data, (Erfahrungen) worauf wir dieſe Vorher⸗ ſagung gründen: nämlich auf die phyſiſche Urſache unſerer Handlungen, in ſofern fie geſchehen, die alſo ſelbſt Erſchei⸗ nungen ſind, nicht die moraliſche, welche den Pflichtbegriff von dem enthält, was geſchehen ſollte, und der allein rein, a priori, aufgeſtellt werden kann.
Allmählich wird der Gewaltthätigkeit von Seiten der Mächtigen weniger, der Folgſamkeit in Anſehung der Ge⸗ ſetze mehr werden. Es wird etwa mehr Wohlthätigkeit, weniger Zank in Prozeſſen, mehr Zuverläſſigkeit im Wort⸗ halten u. ſ. w., theils aus Ehrliebe, theils aus wohlver⸗ ſtandenem eigenen Vortheil im gemeinen Weſen entſpringen, und ſich endlich dies auch auf die Völker im äußeren Ver⸗ hältniß gegen einander bis zur weltbürgerlichen Geſellſchaft erſtrecken, ohne daß dabei die moraliſche Grundlage im Men⸗ ſchengeſchlechte im mindeſten vergrößert werden darf; als wozu auch eine Art von neuer Schöpfung (übernatürlicher Einfluß) erforderlich ſein würde. — Denn wir müſſen uns von Menſchen in ihren Fortſchritten zum Beſſeren auch nicht zu viel verſprechen, um nicht in den Spott des Politikers mit Grunde zu verfallen, der die Hoffnung des erſteren gerne für Träumerei eines überſpannten Kopfs halten möchte. ) 10. In welcher Ordnung allein kann der Fort- ſchritt zum Beſſeren erwartet werden?
Die Antwort iſt: nicht durch den Gang der Dinge von unten hinauf, ſondern den von oben herab. — Zu er⸗ *) Es iſt doch ſüß, ſich Staatsverfaſſungen auszudenken, die den Forderungen der Vernunft (vornehmlich in rechtlicher Abſicht) ent⸗ ſprechen: aber vermeſſen, fie vorzuſchlagen, und ſtraf bar das Volk zur Abſchaffung der jetzt beſtehenden aufzuwiegeln. (A 156-58). (K 354-55). (Ha 294-98: b 405-406). (K 128-29).
Facultät mit der juriſtiſchen. 113 warten, daß durch Bildung der Jugend in häuslicher Un⸗ terweiſung und weiterhin in Schulen, von den niedrigen an bis zu den höchſten, in Geiſtes⸗ und moraliſcher, durch Religionslehre verſtärkter Kultur, es endlich dahin kommen werde, nicht blos gute Staatsbürger, ſondern zum Guten, was immer weiter fortſchreiten und ſich erhalten kann, zu erziehen, iſt ein Plan, der den erwünſchten Erfolg ſchwer⸗ lich hoffen läßt. Denn nicht allein, daß das Volk dafür hält, daß die Koſten der Erziehung ſeiner Jugend nicht ihm, ſondern dem Staate zu Laſten kommen müſſen, der Staat aber dagegen ſeinerſeits zu Beſoldung tüchtiger und mit Luſt ihrem Amte obliegender Lehrer kein Geld übrig hat (wie Büſching klagt), weil er alles zum Kriege braucht: ſondern das ganze Maſchinenweſen dieſer Bildung hat kei⸗ nen Zuſammenhang, wenn es nicht nach einem überlegten Plaue der oberſten Staatsmacht, und nach dieſer ihrer Ab⸗ ſicht entworfen, ins Spiel geſetzt, und darin auch immer gleichförmig erhalten wird; wozu wohl gehören möchte, daß der Staat ſich von Zeit zu Zeit auch ſelbſt reformire, und, ſtatt Revolution, Evolution Aab be an zum Beſſeren be⸗ ſtändig fortſchreite. Da es aber doch auch Menſchen ſind, welche dieſe Erziehung bewirken ſollen, mithin ſolche, die dazu ſelbſt haben gezogen werden müſſen: ſo iſt, bei dieſer Gebrechlichkeit der menſchlichen Natur, unter der Zufällig⸗ keit der Umſtäude, die einen ſolchen Effect begünſtigen, die Hoffnung ihres Fortſchreitens nur in einer Weisheit von oben herab (welche, wenn ſie uns unſichtbar iſt, Vorſehung heißt) als poſitiver Bedingung, für das aber, was hierin Plato's Atla tica, Morus Utopia, Harringtons Oceana und Allais Severambia, find nach und nach auf die Bühne gebracht, aber nie, (Cromwells verunglückte Mißgeburt einer despotiſchen Republik ausgenommen), auch nur verſucht worden. — Es iſt mit dieſen Staatsſchöpfungen wie mit der Weltſchöpfung zugegangen: kein Menſch war dabei zugegen, noch konnte er bei einer ſolchen gegenwärtig ſein, weil er ſonſt ſein eigener Schöpfer hätte ſein müſſen. Ein Staats⸗ product, wie man es hier denkt, als dereinſt, ſo ſpät es auch ſei, als vollendet zu hoffen, iſt ein ſüßer Traum; aber ſich immer zu näheren, nicht allein denkbar, ſondern, ſo weit es mit dem moraliſchen Ge⸗ ſetze zuſammen beſtehen kann, Pflicht, nicht der Staatsbürger, ſon⸗ dern des Stagatsoberhaupts.
8 114 2. Abſch. Der Streit der philoſophiſchen Facultät ꝛc.
von Menſchen erwartet und gefordert werden kann, blos negative Weisheit zur Beförderung dieſes Zwecks zu er- warten, nämlich daß ſie das größte Hinderniß des Mora⸗ liſchen, nämlich den Krieg, der dieſen immer zurückgängig macht, eeſtlich nach und nach menſchlicher, darauf ſeltener, endlich, als Angriffskrieg, ganz ſchwinden zu laſſen ſich ge⸗ nöthigt ſehen werden, um eine Verfaſſung einzuſchlagen, die, ihrer Natur nach, ohne ſich zu ſchwächen, auf ächte Rechts⸗ 1 gegründet, beharrlich zum Beſſern fortſchreiten ann.
Beſchluß.
Beſchluß.
Ein Arzt, der ſeinen Patienten von Tag zu Tag auf baldige Geneſung vertröſtete: den einen, daß der Puls beſſer ſchlüge, den anderen, daß der Auswurf, den dritten, daß der Schweiß Beſſerung verſpräche u. ſ. w., bekam einen Beſuch von einem ſeiner Freunde. Wie gehts, Freund, mit eurer Krankheit? war die erſte Frage. Wie wirds gehen? Ich ſterbe vor lauter Beſſerung! — Ich verdenke es Keinem, wenn er in Anſehung der Staatsübel an dem Heil des Menſchengeſchlechts und dem Fortſchreiten deſſelben zum Beſſeren zu verzagen anhebt; allein ich ver⸗ laſſe mich auf das heroiſche Arzneimittel, welches Hume anführt und eine ſchnelle Kur bewirken dürfte. — „Wenn ich jetzt (ſagt er) die Nationen im Kriege gegen einander be⸗ griffen ſehe, fo iſt es, als ob ich zwei beſoffene Kerle ſähe, die ſich in einem Porzellauladen mit Prügeln herumſchlagen. Denn nicht genug, daß ſie an den Beulen, die ſie ſich wech⸗ ſelſeitig geben, lange zu heilen haben, ſo müſſen ſie hinter⸗ her noch allen den Schaden bezahlen, den fie aurichteten.“ Sero sapiunt Phryges. Die Nachwehen des gegenwärti⸗ gen Krieges aber können dem politiſchen Wahrſager das Geſtändniß einer nahe bevorſtehenden Wendung des meuſch⸗ lichen Geſchlechts zum Beſſeren abnöthigen, das ſchon jetzt im Proſpeet iſt.
Dritter Abſchnitt.
Der Streit der philoſophiſchen Facultät mit der mediciniſchen.
Von der Macht des Gemüths durch den bloßen Vorſatz 1 1 Gefühle Meiſter zu fein.
Ein Antwortſchreiben an Herrn Hofrath und Profeſſor Hufeland.
Daß meine Dankſagung, für das den 12. Dec. 1796 an mich beſtellte Geſchenk, Ihres lehrreichen und angeneh⸗ men Buchs „von der Kunſt, das menſchliche Leben zu verlängern“ ſelbſt auf ein langes Leben berechnet ge⸗ weſen ſein dürfte, möchten Sie vielleicht aus dem Datum dieſer meiner Antwort vom Januar dieſes Jahres zu ſchließen Urſache haben; wenn das Altgewordenſein nicht chon die öftere Vertagung (procrastinatio) wichtiger Be⸗ chlüſſe bei ſich führete, dergleichen doch wohl der des Todes iſt, welcher ſich immer zu früh für uns anmeldet, und den man warten zu laſſen an Ausreden unerſchöpflich iſt.
Sie verlangen von mir „ein Urtheil über Ihr Beſtreben, das Phyſiſche im Meuſchen moraliſch zu behandeln; den ganzen, auch phyſiſchen, Menſchen als ein auf Moralität erechnetes Weſen darzuſtellen, und die moraliſche Kultur als unentbehrlich zur phyſiſchen Vollendung der überall nur in der Anlage vorhandenen Menſchennatur zu zeigen“, und ſetzen hinzu: „wenigſtens kann ich verſichern, daß es keine vorgefaßte Meinungen waren, ſondern ich durch die 116 8. Abſch. Der Streit der philoſophiſchen Arbeit und Unterſuchung ſelbſt unwiderſtehlich in dieſe Be⸗ handlungsart hinein gezogen wurde.“ — — Eine ſolche Anſicht der Sache verräth den Philoſophen, nicht den blo⸗ ßen Vernunftkünſtler; einen Mann, der nicht allein, gleich einem der Directoren des franzöſiſchen Convents, die von der Vernunft verordneten Mittel der Ausführung (tech⸗ niſch), wie ſie die Erfahrung darbietet, zu ſeiner Heilkunde mit Geſchicklichkeit, ſondern, als geſetzgebendes Glied im Corps der Aerzte, aus der reinen Vernunft hernimmt, welche zu dem, was hilft, mit Geſchicklichkeit, auch das, was zugleich an ſich Pflicht iſt, mit Weisheit, zu verord⸗ nen weiß: ſo, daß moraliſch⸗praktiſche Philoſophie zugleich eine Univerſalmediein abgiebt, die zwar nicht Allen für Alles hilft, aber doch in keinem Recepte mangeln kann.
Dieſes Univerſalmittel betrifft aber nur die Diätetik, d. i., es wirkt nur negativ, als Kunſt, Krankheiten ab⸗ zuhalten. Dergleichen Kunſt aber ſetzt ein Vermögen voraus, das nur Philoſophie, oder der Geiſt derſelben, den man ſchlechthin vorausſetzen muß, geben kann. Auf dieſen bezieht ſich die oberſte diätetiſche Aufgabe, welche in dem Thema enthalten iſt: Von der Macht des Gemüths des Menſchen über ſeine krankhaften Gefühle durch den bloßen feſten Vor ſatz Meiſter zu a Die, die Möglichkeit dieſes Ausſpruchs beſtätigenden Beiſpiele kann ich nicht von der Erfahrung Anderer her⸗ nehmen, ſondern zuerſt nur von der an mir ſelbſt auge⸗ ſtellten; weil ſie aus dem enge hervorgeht, und ſich nachher allererſt Andere fragen läßt: ob es nicht auch ſie eben ſo in ſich wahrnehmen. — Ich ſehe mich alſo ge⸗ nöthigt, mein Ich laut werden zu laſſen; was im dog⸗ matiſchen Vortrage?) Unbeſcheidenheit verräth; aber Ver⸗ zeihung verdient, wenn es nicht gemeine Erfahrung, ſon⸗ *) Im dogmatiſch⸗praktiſchen Vortrage, z. B. derjenigen Beobach⸗ tung ſeiner ſelbſt, die auf Pflichten abzweckt, die Jedermann angehen, ſpricht der Kanzelredner nicht durch Ich, ſondern Wir. In dem er⸗ zählenden aber, der Privatempfindung (der Beichte, welche der Patient ſeinem Arzte ablegt), oder eigener Erfahrung an ſich ſelbſt, muß er durch Ich reden.
Facultät mit der medleiniſchen. 117 dern ein inneres Experiment oder Beobachtung betrifft, welche ich zuerſt an mir ſelbſt angeſtellt haben muß, um etwas, was nicht Jedermann von ſelbſt, und ohne darauf geführt zu ſein, beifällt, zu ſeiner Beurtheilung vorzulegen. — Es würde tadelhafte Anmaßung ſein, Andere mit der inneren Geſchichte meines Gedankenſpiels unterhalten zu wollen, welche zwar ſubjective Wichtigkeit (für mich), aber keine objective (für Jedermann geltende) enthielte. Wenn aber dieſes Aufmerken auf ſich ſelbſt und die daraus her⸗ vorgehende Wahrnehmung nicht ſo gemeint iſt, ſondern, daß Jeder dazu aufgefordert werde, eine Sache iſt, die es bedarf und verdient, ſo kann dieſer Uebelſtand mit ſeinen Privatempfindungen Andere zu unterhalten, wenigſtens ver⸗ ziehen werden.
Ehe ich nun mit dem Reſultat meiner, in Abſicht auf Diätetik angeſtellten, Selbſtbeobachtung aufzutreten wage, muß ich noch etwas über die Art bemerken, wie Herr Hufeland die Aufgabe der Diätetik, d. i. der Kunſt ſtellt, Krankheiten vorzubeugen, im Gegenſatz mit der Therapeutik, ſie zu heilen.
Sie heißt ihm „die Kunſt das menſchliche Leben zu ver⸗ längern.“ Er nimmt ſeine Benennung von demjenigen her, was die Menſchen am ſehnſüchtigſten wünſchen, ob es gleich vielleicht weniger ine e ſein dürfte. Sie möchten zwar gern zwei Wünſche zugleich thun: nämlich lange zu leben und dabei geſund zu ſeinz aber der erſtere Wunſch hat den letzteren nicht zur nothwendigen Bedingung: ſon⸗ dern er iſt unbedingt. Laßt den Hoſpitalkranken Jahre lang auf ſeinem Lager leiden und darben, und ihn oft wünſchen hören, daß ihn der Tod je eher je lieber von dieſer Plage erlöſen möge; glaubt ihm nicht, es iſt nicht ſein Ernſt. Seine Vernunft ſagt es ihm zwar vor, aber der Naturinſtinet will es anders. Wenn er dem Tode, als feinem Befreier (Jovi liberatori) winkt, jo verlangt er doch immer noch eine kleine Friſt, und hat immer irgend einen Vorwand zur Vertagung (procrastinatio) ſeines peremtoriſchen Decrets. Der in wilder Entrüſtung gefaßte Entſchluß des Selbſtmörders, ſeinem Leben ein Ende zu 118 3. Abſch. Der Streit ber philoſophiſchen machen, macht hievon keine Ausnahme: denn er iſt die Wirkung eines bis zum Wahnſinn exaltirten Affects. — Unter den zwei Verheißungen für die Befolgung der Kin⸗ despflicht (zauf daß dir es wohlgehe, und du lange lebeſt auf Erden“) enthält die letztere die ſtärkere Triebfeder, ſelbſt im Urtheile der Vernunft, nämlich als Pflicht, deren Beobachtung zugleich verdienſtlich iſt.
Die Pflicht, das Alter zu ehren, gründet ſich näm⸗ lich eigentlich nicht auf die billige Schonung, die man den Jüngeren gegen die Schwachheit der Alten zumuthet: denn die iſt kein Grund zu einer ihnen ſchuldigen Achtung. Das Alter will alſo noch für etwas Verdie nſtliches an⸗ geſehen werden; weil ihm eine Verehrung zugeſtanden wird. Alſo, nicht etwa weil Neſtorjahre zugleich durch viele und lange Erfahrung erworbene Weisheit, zu Leitung der jüngeren Welt, bei ſich führen, ſondern blos weil, wenn nur keine Schande daſſelbe befleckt hat, der Mann, welcher ſich ſo lange erhalten hat, d. i. der Sterblichkeit, als dem demüthigendſten Ausſpruch, der über ein vernünftiges We⸗ ſen nur gefällt werden kann („du biſt Erde und ſollſt zur Erde werden“) ſo lange hat ausweichen und gleichſam der Unſterblichkeit hat abgewinnen können, weil, ſage ich, ein ſolcher Mann ſich fo lange lebend erhalten und zum Bei⸗ ſpiel aufgeſtellt hat.
Mit der Geſundheit, als dem zweiten natürlichen Wun⸗ ſche, iſt es dagegen nur mißlich bewandt. Man kann ſich geſund fühlen, (aus dem behaglichen Gefühl ſeines Lebens urtheilen) nie aber wiſſen, daß man geſund ſei. — Jede Urſache des natürlichen Todes iſt Krankheit: man mag ſie fühlen oder nicht. — Es giebt viele, von denen, ohne ſie eben verſpotten zu wollen, man ſagt, daß ſie vor immer Kränkeln nie krank werden können; deren Diät ein im⸗ mer wechſelndes Abſchweifen und wieder Einbeugen ihrer Lebensweiſe iſt, und die es im Leben, wenn gleich nicht den Kraftäußerungen, doch der Länge nach, weit bringen. Wie viel aber meiner Freunde oder Bekannten habe ich nicht überlebt, die ſich bei einer einmal angenommenen ordent⸗ lichen Lebensart einer völligen Geſundheit rühmten: indeſſen daß der Keim des Todes (die Krankheit) der Entwickelung Facultät mit der mebicinifchen, 119 nahe, unbemerkt in ihnen lag, und der, welcher ſich geſund fühlte, nicht wußte, daß er krank war; denn die Urſache eines natürlichen Todes kann man doch nicht anders als Krankheit nennen. Die Cauſalität aber kann man nicht fühlen, dazu gehört Verſtand, deſſen Urtheil irrig ſein kann; indeſſen daß das Gefühl untrüglich iſt, aber nur dann, wenn man ſich krankhaft fühlt, dieſen Namen führt; fühlt man ſich aber ſo auch nicht, doch gleichwohl in dem Men⸗ ſchen verborgenerweiſe und zur baldigen Entwickelung bereit liegen kann; daher der Mangel dieſes Gefühls keinen an⸗ dern Ausdruck des Menſchen für ſein Wohlbefinden ver⸗ ſtattet, als daß er ſcheinbarlich geſund ſei. Das lange Leben alſo, wenn man dahin zurückſieht, kann nur die ge⸗ noſſene Geſundheit bezeugen, und die Diätetik wird vor allem in der Kunſt das Leben zu verlängern (nicht es zu genießen) ihre Geſchicklichkeit oder Wiſſenſchaft zu be⸗ weiſen haben; wie es auch Herr Hufeland ſo ausgedrückt haben will.
Grundſatz der Diätetik.
Auf Gemächlichkeit muß die Diätetik nicht berechnet werden; denn dieſe Schonung ſeiner Kräfte und Gefühle iſt Verzärtelung, d. i. fie hat Schwäche und Kraftloſigkeit zur Folge, und ein allmähliches Erlöſchen der Lebenskraft, aus Mangel der Uebung; 1 wie eine Erſchöpfung derſelben durch zu häufigen und ſtarken Gebrauch derſelben. Der Stoi⸗ zismus, als Prineip der Diätetik, (sustine et abstine), gehört alſo nicht blos zur praktiſchen Philoſophie, als Tugendleh re, ſondern auch zu ihr als Heilkunde. — Dieſe iſt alsdann philoſophiſch, wenn blos die Macht der Vernunft im Menſchen, über ſeine ſinnlichen Gefühle durch einen ſich ſelbſt gegebenen Grundſatz Meiſter zu ſein, die Lebensweiſe beſtimmt. Dagegen, wenn ſie dieſe Em⸗ findungen zu erregen oder abzuwehren die Hilfe außer ſich in körperlichen Mitteln (der Apotheke, oder der Chi⸗ rurgie) ſucht, ſie blos empiriſch und mechaniſch iſt.
Die Wärme, der Schlaf, die ſorgfältige Pflege des nicht Kranken ſind ſolche Verwöhnungen der Ge⸗ mächlichkeit.
120 3. Abſch. Der Streit der philoſophiſchen 1) Ich kann, der Erfahrung an mir ſelbſt gemäß, der Vorſchrift nicht beiſtimmen: „man ſoll Kopf und Füße warm halten.“ Ich finde es dagegen gerathener, beide kalt zu halten (wozu die Ruſſen auch die Bruſt zählen); gerade der Sorgfalt wegen, um mich nicht zu verkälten. — Es iſt freilich gemächlicher im laulichen 1 ſich die Füße zu as als es zur Winterszeit mit beinahe eis⸗ kaltem zu thun; dafür aber entgeht man dem Uebel der Erſchlaffung der Blutgefäße in ſo weit vom Herzen ent⸗ legenen Theilen; welches im Alter oft eine nicht mehr zu hebende Krankheit der Füße nach ſich zieht. — Den Bauch, vornehmlich bei kalter Witterung, warm zu halten, möchte eher zur diätetiſchen Vorſchrift, ſtatt der Gemächlichkeit ge⸗ hören; weil er Gedärme in ſich ſchließt, die einen langen Gang hindurch einen nicht-flüffigen Stoff forttreiben ſollen, wozu der ſogenannte Schmachtriemen (ein breites den Un⸗ terleib haltendes und die Muskeln deſſelben unterſtützendes Sn) bei Alten, aber eigentlich nicht der Wärme wegen, ehört. — ehört. — 5 2) Lange oder (wiederholentlich, durch Mittagsruhe) viel ſchlafen iſt freilich eben fo viel Erſparniß am Un⸗ emache, was überhaupt das Leben im Wachen unvermeid⸗ ich bei ſich führt, und es iſt wunderlich genug, ſich ein langes Leben zu wünſchen, um es größtentheils zu ver⸗ ſchlafen. Aber das, worauf es hier eigentlich ankommt, dieſes vermeinte Mittel des langen Lebens, die Gemächlich⸗ keit, widerſpricht ſich in ſeiner Abſicht ſelbſt. Denn das wechſelnde Erwachen und wieder Einſchlummern in langen Winternächten, iſt für das ganze Nervenſyſtem zermal⸗ mend und in täuſchender Ruhe krafterſchöpfend: mithin die Gemächlichkeit hier eine Urſache der Verkürzung des Lebens. — Das Bett iſt das Neſt einer Menge von Krankheiten.
3) Im Alter ſich zu pflegen oder pflegen zu laſſen, blos um ſeine Kräfte, durch die Vermeidung der Ungemächlich⸗ keit (z. B. des Ausgehens in ſchlimmem Wetter,) oder überhaupt die Uebertragung der Arbeit an Andere, die man ſelbſt verrichten könnte, zu ſchonen, ſo aber das Leben zu ver⸗ längern, dieſe Sorgfalt bewirkt gerade das Widerſpiel, näm⸗ lich das frühe Altwerden und Verkürzung des Lebens. — — Facultät mit der medieintſchen. 121 Auch daß ſehr altgewordene mehrentheils verehe⸗ lichte Perſonen geweſen wären, möchte ſchwer zu beweiſen ſein. — In einigen Familien iſt das Altwerden erblich, und die Paarung in einer ſolchen kann wohl einen Fami⸗ lienſchlag dieſer Art begründen. Es iſt auch kein übles politiſches Princip zu Beförderung der Ehen, das gepaarte Leben als ein langes Leben anzupreiſen; obgleich die Er⸗ fahrung immer verhältnißweiſe nur wenig Beiſpiele davon an die Hand giebt, von ſolchen, die neben einander vor⸗ züglich alt geworden ſind; aber die Frage iſt hier nur vom phyſiologiſchen Grunde des Altwerdens, — wie es die Na⸗ tur verfügt, nicht vom politiſchen, wie die Convenienz des Staats die öffentliche Meinung ſeiner Abſicht gemäß, ge⸗ ſtimmt zu fein verlangt. — Uebrigens iſt das Philoſo— phiren, ohne darum eben Philoſoph zu ſein, auch ein Mittel der Abwehrung mancher unangenehmer Gefühle und doch zugleich Agitation des Gemüths, welches in ſeine Beſchäftigung ein Intereſſe bringt, das von äußern Zu⸗ fälligkeiten unabhängig, und eben darum, obgleich nur als Spiel, dennoch kräftig und inniglich iſt, und die Lebens⸗ kraft nicht ſtocken läßt. Dagegen Philoſophie, die ihr Intereſſe am Ganzen des Endzwecks der Vernunft (der eine abſolute Einheit iſt) hat, ein Gefühl der Kraft bei ſich führt, welches die körperlichen Schwächen des Alters in gewiſſem Maße durch vernünftige Schätzung des Werths des Lebens wohl vergüten kann. — Aber neu ſich eröffnende Ausſichten zu Erweiterung ſeiner Erkenntniſſe, wenn ſie auch gerade nicht zur Philoſophie gehörten, leiſten doch auch eben daſſelbe, oder etwas dem Aehnliches; und ſofern der Mathe⸗ matiker hieran ein unmittelbares Intereſſe (nicht als an einem Werkzeuge zu anderer Abſicht) nimmt, ſo iſt er in ſofern auch Philoſoph, und 1 die Wohlthätigkeit einer ſolchen Erregungsart ſeiner Kräfte in einem verjüngten und ohne Erſchöpfung verlängerten Leben.
Aber auch bloße Tändeleien in einem ſorgenfreien Zu⸗ ſtande leiſten, als Surrogate, bei eingeſchränkten Köpfen faſt eben daſſelbe, und, die mit Nichtsthun immer vollauf zu thun haben, werden gemeiniglich auch alt. — Ein ſehr bejahrter Mann fand dabei ein großes Intereſſe, daß die 122 8. Abſch. Der Streit der philoſophiſchen vielen Stutzuhren in ſeinem Zimmer immer nach einander, keine mit der andern zugleich, ſchlagen mußten; welches ihn und den Uhrmacher den Tag über genug beſchäftigte, und dem letztern zu verdienen gab. Ein Anderer fand in der Abfütterung und Kur ſeiner Sangvögel hinreichende Be⸗ ſchäftigung, um die Zeit zwiſchen ſeiner eigenen Abfütte⸗ rung und dem Schlaf auszufüllen. Eine alte begüterte Frau fand dieſe Ausfüllung am Spinnrade, unter dabei einge⸗ miſchten unbedeutenden Geſprächen, und klagte daher in ihrem ſehr hohen Alter, gleich als über den Verluſt einer guten Geſellſchaft, daß, da ſie nunmehr den Faden zwiſchen den Fingern nicht mehr fühlen könnte, ſie vor langer Weile zu ſterben Gefahr liefe.
Doch damit mein Discurs über das lange Leben Ihnen nicht auch lange Weile mache, und eben dadurch gefährlich werde, will ich der Sprachſeligkeit, die man als einen Feh⸗ ler des Alters zu belächeln, wenn gleich nicht zu ſchelten pflegt, hiemit Grenzen ſetzen.
1. Von der Hypochondrie.
Die Schwäche, ſich ſeinen krankhaften Gefühlen über⸗ haupt, ohne ein beſtimmtes Object, muthlos zu überlaſſen, (mithin ohne den Verſuch zu machen über ſie durch die Vernunft Meiſter zu werden,) — die Grillenkrankheit, (hypochondria vaga)*) welche gar keinen beſtimmten Sitz im Körper hat, und ein Geſchöpf der Einbildungskraft iſt, und daher auch die dichtende heißen könnte, — wo der Patient alle Krankheiten, von denen er in Büchern lieſt, an ſich zu bemerken glaubt, iſt das gerade Widerſpiel jenes Vermögens des Gemüths über ſeine krankhaften Gefühle Meiſter zu ſein, nämlich Verzagtheit, über Uebel, welche Menſchen zuſtoßen könnten, zu brüten, ohne, wenn ſie kämen, ihnen widerſtehen zu können; eine Art von Wahn⸗ ſinn, welchem freilich wohl irgend ein Krankheitsſtoff (Blähung oder Verſtopfung) zum Grunde liegen mag, der aber nicht unmittelbar, wie er den Sinn afficirt, gefühlt, ) Zum Unterſchiede von der topiſchen (hypochondria intesti- nalis).
Facultät mit der medieiniſchen. 123 ſondern als bevorſtehendes Uebel von der dichtenden Ein⸗ bildungskraft vorgeſpiegelt wird; wo dann der Selbſtquäler, (heautontimorumenos) ſtatt ſich ſelbſt zu ermannen, ver⸗ geblich die Hilfe des Arztes aufruft; weil nur er ſelbſt, durch die Diätetik feines Gedankenſpiels, beläſtigende Vor⸗ ſtellungen, die ſich unwillkührlich einfinden, und zwar von Uebeln, wider die ſich doch nichts veranſtalten ließe, wenn ſie ſich wirklich einſtellten, aufheben kann. — Von dem, der mit dieſer Krankheit behaftet, und ſo lange er es iſt, kann man nicht verlangen, er ſolle ſeiner krankhaften Gefühle durch den bloßen Vorſatz Meiſter werden. Denn, weun er dieſes könnte, ſo wäre er nicht hypochondriſch. Ein vernünftiger Menſch ſtatuirt keine ſolche Hypochondrie: ſondern, wenn ihn Beängſtigungen anwandeln, die in Gril⸗ len, d. i., ſelbſt ausgedachte Uebel ausſchlagen wollen, ſo fragt er ſich, ob ein Object derſelben da ſei. Findet er keines, welches gegründete Urſache zu dieſer Beängſtigung abgeben kann, oder ſieht er ein, daß, wenn auch gleich ein ſolches wirklich wäre, doch dabei nichts zu thun möglich ei, um ſeine Wirkung abzuwenden, ſo geht er mit dieſem uſpruche feines inneren Gefühls zur Tagesordnung, d. i., er läßt ſeine Beklommenheit (welche alsdann blos topiſch ift) an ihrer Stelle liegen (als ob fie ihm nichts auginge) und richtet ſeine Aufmerkſamkeit auf die Geſchäfte, mit denen er zu thun hat.
Ich habe wegen meiner flachen und engen Bruſt, die für die Bewegung des Herzens und der Lunge wenig Spiel⸗ raum läßt, eine natürliche Anlage zur Hypochondrie, welche in früheren Jahren bis an den Ueberdruß des Lebens grenzte. Aber die Ueberlegung, daß die Urſache dieſer Herzbeklemmung vielleicht blos mechaniſch und nicht zu heben ſei, brachte es bald dahin, daß ich mich an ſie gar nicht kehrte, und während deſſen, daß ich mich in der Bruſt be⸗ klommen fühlte, im Kopf doch Ruhe und Heiterkeit herrſchte, die ſich auch in der Geſellſchaft, nicht nach abwechſelnden Launen (wie Hypochondriſche pflegen), ſondern abſichtlich und natürlich mitzutheilen nicht ermangelte. Und da man des Lebens mehr froh wird durch das, was man im freien Gebrauch deſſelben thut, als was man genießt, ſo kön⸗ 124 3. Abſch. Der Streit ber philoſophiſchen nen Geiſtesarbeiten, eine andere Art von befördertem Le⸗ bensgefühl, den Hemmungen entgegen ſetzen, welche blos den Körper angehen. Die Beklemmung iſt mir geblieben; denn ihre Urſache liegt in meinem körperlichen Bau. Aber über ihren Einfluß auf meine Gedanken und Handlungen bin ich Meiſter geworden, durch Abkehrung der Aufmerk⸗ ſamkeit von dieſem Gefühle, als ob es mich gar nicht anginge.
2. Vom Schlafe.
2. Vom Schlafe.
Was die Türken, nach ihren Grundſätzen der Prädeſti⸗ nation, über die Mäßigkeit ſagen: daß nämlich im Anfange der Welt jedem Menſchen die Portion zugemeſſen worden, wie viel er im Leben zu eſſen haben werde, und wenn er ſeinen beſchiedenen Theil in großen Portionen verzehrt, er auf eine deſto kürzere Zeit zu eſſen, mithin zu fein ſich Rechnung machen könne: Das kann in einer Diätetik, als Kinderlehre (denn im Genießen müſſen auch Männer von Aerzten oft als Kinder behandelt werden), auch zur Regel dienen: nämlich daß jedem Menſchen von Anbeginn her vom Verhängniſſe ſeine Portion Schlaf zugemeſſen worden, und der, welcher von ſeiner Lebenszeit in Manns⸗ jahren zu viel (über das Dritttheil) dem Schlafen einge⸗ räumt hat, ſich nicht eine lange Zeit zu ſchlafen, d. i., zu leben und alt zu werden verſprechen darf. — Wer dem Schlaf als ſüßen Genuß im Schlummern (der Sieſta der Spanier) oder als Zeitkürzung (in laugen Winternächten) viel mehr als ein Dritttheil ſeiner Lebenszeit einräumt, oder ihn ſich auch theilweiſe (mit Abſätzen), nicht in einem Stück für jeden Tag, zumißt, verrechnet ſich ſehr in Anſehung 51 Lebensquantum, theils dem Grade, theils der änge nach. — Da nun ſchwerlich ein Menſch wünſchen wird, daß der Schlaf überhaupt gar nicht Bedürfniß für ihn wäre, (woraus doch wohl erhellet, daß er das lange Leben als eine lange Plage fühlt; von dem ſo viel er ver⸗ ſchlafen, eben jo viel Mühſeligkeit zu tragen er ſich erſparet hat) ſo iſt es gerathener, fürs Gefühl ſowohl als für die Vernunft, dieſes genuß- und thatleere Drittel ganz auf eine Seite zu bringen, und es der unentbehrlichen Natur⸗ (A 181-82). (R 370-7). (Ha 307-308; b 416-17). (K 141).
Facultät mit der medieiniſchen. 125 reſtauration zu überlaſſen: doch mit einer genauen Abge⸗ meſſenheit der Zeit, von wo an und wie lange ſie dauern ſoll.
Es gehört unter die krankhaften Gefühle, zu der be⸗ ſtimmten und gewohnten Zeit nicht ſchlafen, oder auch ſich nicht wach halten zu können; vornehmlich aber das erſtere; in dieſer Abſicht ſich zu Bette zu legen und doch ſchlaflos zu liegen. — Sich alle Gedanken aus dem Kopf zu Schlagen, iſt zwar der gewöhnliche Rath, den der Arzt giebt: aber ſie, oder andere an ihre Stelle, kommen wieder und erhalten wach. Es iſt kein anderer diätetiſcher Rath, als beim inneren Wahrnehmen oder Bewußtwerden irgend ei⸗ nes ſich regenden Gedanken die Aufmerkſamkeit davon ſo⸗ fort abzuwenden (gleich als ob man mit geſchloſſenen Au⸗ gen dieſe auf eine andere Seite kehrte): wo dann durch das Abbrechen jedes Gedanken, den man inne wird, all⸗ mählich eine Verwirrung der Vorſtellungen entſpringt, da⸗ durch das Bewußtſein ſeiner körperlichen (äußeren Lage aufgehoben wird, und eine ganz verſchiedene Ordnung, näm⸗ lich ein unwillkürliches Spiel der Einbildungskraft (das im geſunden Zuſtande der Traum iſt) eintritt, in welchem, durch ein bewundernswürdiges Kunſtſtück der thieriſchen Organi⸗ ſation, der Körper für die animaliſchen Bewegungen ab⸗ geſpannt, für die Vitalbewegung aber innigſt agitirt wird, und zwar durch Träume, die, wenn wir uns gleich derſelben im Erwachen nicht erinnern, gleichwohl nicht haben ausbleiben können: weil ſonſt bei gänzlicher Ermangelung derſelben, wenn die Nervenkraft, die vom Gehirn, dem Sitze der Vorſtellungen, ausgeht, nicht mit der Muskelkraft der Eingeweide vereinigt wirkte, das Leben ſich nicht einen Au⸗