SigPhi · Johann Fichte

Sämmtliche Werke 8 Vermischte Schriften und Aufsätze (German)

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und, sofern Talent vorhanden, auch im Erlernen eines musikalischen Instrumentes: -- des allgemeinen Sinnes durch Gewöhnung an ununterbrochene Aufmerksamkeit und absolutes Nichtdulden des Zerstreutseyns. (Dieser Punct ist wichtiger als er scheint, und ich getraue mir zu behaupten, dass man das Menschengeschlecht mit Einem Streiche von allen seinen übrigen Gebrechen geheilt haben würde, wenn man jeden von dem Zerstreutseyn geheilt, und ihn dahin gebracht hätte, nur allemal seine ganze unzerstreute Aufmerksamkeit auf das zu richten, was er jetzt treibt.)

Täglicher Genuss der frischen Luft, harmonische Ausbildung des Körpers durch gymnastische Uebungen, wie Tanzen, Ringen, Fechten, Reiten, insgesammt auf den Zweck gerichtet, den Körper unter die Herrschaft des Geistes zu bringen und ihn zugleich zum starken, ausdauernden Werkzeuge desselben zu machen, verstehen sich von selber im Ganzen dieses Erziehungsplanes.

9.

Eine ^positive^ moralische Erziehung, d. h. eine solche, die sich den Zweck setze und ihn ausdrücklich ausspreche, den Zögling zur Tugend zu bilden, giebt es nicht; vielmehr würde ein solches Verfahren den inneren moralischen Sinn ertödten und gemüthlose Heuchler und Gleissner bilden.

In der eigenen schamhaften Stille des Gemüthes, ohne Geschwätz und Selbstbespiegelung, muss die Sittlichkeit von selbst aufkeimen, und allmählig höher erwachsen und sich verbreiten, so wie die äusseren Beziehungen sich theils vermehren, theils dem Kinde klarer werden. So muss es seyn, und so wird es ohne alles absichtliche Zuthun allenthalben von selbst erfolgen, ^sofern nur lauter gute Beispiele den Zögling umgeben und alles Schlechte, Gemeine und Niedrige fern von seinem Auge gehalten wird.^ Ausser dieser verhütenden Sorgfalt hat der Erzieher nur noch Folgendes zu thun: wenige, in sich selbst durchaus klare und leicht zu beobachtende positive Gebote aufzustellen, über deren Befolgung, ohne irgend eine Ausnahme und unverbrüchlich, gehalten werde. So wäre denn irgend einmal mit Feierlichkeit das sittliche Gesetz anzukündigen: schlechthin nicht zu lügen, nicht wissentlich und bedächtig gegen sein Bewusstseyn zu reden oder zu handeln. Nach aller Erfahrung ergreift dieses Gesetz mit einer wunderbaren Gewalt den Knaben, erhebt ihn, giebt ihm eine innerliche Fassung, und wird ihm unaustilgbare Quelle der inneren Rechtschaffenheit, die die Mutter aller Tugenden ist und Keinen, der sie besitzt, ohne Rettung fallen lässt.

10.

Innere Religiosität des Gemüthes, das heisst: heilige Ahnung eines über alle Sinnlichkeit Erhabenen, und Hinneigung zu ihm, findet bei innerer Rechtschaffenheit des Gemüthes und zweckmässiger Geistesbildung, wie sie eben beschrieben worden, sich ganz von selbst. Sie planmässig anlehren zu wollen, würde abermals den inneren Sinn dafür ertödten und den Heuchler bilden. -- Die Unterweisungen in der positiven Landesreligion wird, wenn der Zögling in die Jahre kommt, an den Mysterien derselben theilzunehmen, der Geistliche seiner Confession (welches diese sey, ist unserer Erziehung völlig gleichgültig) besorgen, und unser Erziehungsplan wird jeder positiven oder negativen Einmischung und jedes Einflusses in diese Angelegenheit sich mit strenger Gewissenhaftigkeit enthalten.

11.

Die äusseren Mittel zur Erreichung des angegebenen Zweckes werden folgende seyn: Es wird ein Hauslehrer, oder falls eine grössere Anzahl von Zöglingen sich fände, deren zwei gehalten. Die ausschliessenden Bedingungen, durch die man sich bei der Wahl dieser Lehrer leiten lassen wird, werden darin bestehen: zuvörderst, dass ihnen Pädagogik um ihrer selbst willen Geistes- und Herzensangelegenheit sey, und sie daher eine solche Stelle nicht als Mittel für einen fremden Zweck, sondern selbst als nächsten Zweck suchen; -- sodann, dass, wenn sie auch nicht alles, sogar nur weniges von dem, was sie lehren sollen, wissen, sie doch die Geistesfreiheit und Uebung haben, immer mit Leichtigkeit es zu lernen, so wie sie dessen bedürfen, und ebenso die zweckmässigste Methode, es zu lehren, besitzen oder diese sich anzueignen vermögen. Diese Männer werden, abwechselnd mit mir, unter täglich gegenseitiger Rücksprache und Rechenschaftsablegung, lehren und die Zöglinge unter ^ununterbrochener^ Aufsicht behalten.

12.

Fremde Kinder durchaus und ganz wie unser eigenes anzusehen und zu behandeln, dazu müsste uns, selbst wenn es keine höheren Antriebe gäbe, sogar die Klugheit und das Wohlwollen gegen unser eigenes Kind nöthigen, indem das entgegengesetzte Benehmen gerade für es selbst die nachtheiligsten Folgen haben würde.

G.

Bericht über den Begriff der Wissenschaftslehre und die bisherigen Schicksale derselben.

(Geschrieben im Jahre 1806.)

Erstes Capitel.

Ueber den Begriff der Wissenschaftslehre.

Falls etwa der Erkenntniss der Wahrheit durch den Menschen dieses Hinderniss im Wege stände, dass im natürlichen und kunstlosen Zustande diese Erkenntniss sich selber, nach eigenen innern und verborgen bleibenden Gesetzen gestaltete und bildete; diese ihre eigene Gestalt der zu erkennenden Wahrheit, ohne unser Vermerken, mittheilte, und so in der Erkenntniss sich selber in den Weg, und zwischen sich und die reine Wahrheit in die Mitte träte: so würde es auf diese Weise nie zur Wahrheit, und falls diese Selbstmodification der Erkenntniss wandelbar, veränderlich, und in ihrer verschiedenen Gestaltung vom blinden Ohngefähr abhängig seyn sollte, auch nie zu bleibender Einheit und Gewissheit in der Erkenntniss kommen. Diesem Mangel und den nothwendigen Folgen desselben könnte auf keine andere Weise abgeholfen werden, ausser dadurch, dass jene inneren Selbstmodificationen der Erkenntniss aus ihren Gesetzen vollständig erschöpft, und die Producte derselben von der erkannten Wahrheit abgezogen würden; worauf, nach diesem Abzuge, die reine Wahrheit übrigbleiben würde.

So verhält es sich nun in der That; und dem zufolge würden, bis auf Kant, alle Denker und Bearbeiter der Wissenschaft ohne Ausnahme durch den verborgenen Strom jener inneren Verwandlungen der Erkenntniss herumgezogen, und mit sich selber und andern in Widerstreit versetzt.

Kant war der erste, der diese Quelle aller Irrthümer und Widersprüche glücklich entdeckte, und den Vorsatz fasste, auf die einzig wissenschaftliche Weise, durch systematische Erschöpfung jener Modificationen, und, wie er es nannte, durch Ausmessung des ganzen Gebiets der Vernunft, sie zu verstopfen. Die Ausführung blieb jedoch hinter dem Vorsatz zurück, indem die Vernunft oder das Wissen nicht in seiner absoluten Einheit, sondern schon selbst in verschiedene Zweige gespalten, als theoretische, als praktische, als urtheilende Vernunft, der Untersuchung unterworfen; auch die Gesetze dieser einzelnen Zweige mehr empirisch gesammelt, und durch Induction als Vernunftgesetze erhärtet wurden, als dass eine wahre Deduction aus der Urquelle sie erschöpft, und als das, was sie sind, sie dargelegt hätte. Bei diesem Stande der Sachen ergriff die Wissenschaftslehre die durch jene Kantische Entdeckung an die Menschheit gestellte Aufgabe; zeigend, was der Wissenschaftsweg in seiner Einheit sey, sehr sicher wissend und darauf rechnend, dass aus dieser Einheit heraus die besonderen Zweige desselben sich von selbst ergeben, und aus ihr würden charakterisirt werden können.

Wir sind nicht gemeint zu läugnen, dass nicht von einigen jene Wissenschaftslehre einigermaassen gefasst, und ihr Zweck nothdürftig historisch ersehen worden sey, indem von mehreren gestanden worden, dass durch jenes Werk die absolute Nichtigkeit aller Producte des Grundgesetzes des Wissens, der Reflexion, dargethan sey. Nur machte man aus dieser Entdeckung über das Resultat jener Philosophie den Schluss, dass eben um dieses Resultates willen die Wissenschaftslehre nothwendig falsch sey, indem eine Realität denn doch sey, diese Realität aber, weil nemlich diejenigen, die also dachten, für ihre Person dieselbe nicht anders zu erfassen vermochten, nur innerhalb des Gebiets des Reflexionsgesetzes erfasst werden könne. Durch dieselbe Voraussetzung machten sie nun die Wissenschaftslehre, dieselbe mit dem in ihrer Gewalt einig befindlichen Organe fassend, wirklich falsch; indem sie, gar nicht zweifelnd, dass ein objectives Seyn gesetzt werden müsste, und dass von diesem allgemeinen Schicksal der Sterblichkeit auch die Wissenschaftslehre nicht frei seyn werde, meinten, der Fehler dieser Philosophie bestehe darin, dass sie ein subjectives-objectives Seyn, ein wirkliches und concret bestehendes Ich, als das Ding an sich, voraussetze; welchem Fehler sie für ihre Person nun dadurch abzuhelfen vermeinten, dass sie statt dessen ein objectives-objectives Seyn, welches sie mit dem Namen des Absoluten beehrten, voraussetzten. Zwar hat man in Absicht der der Wissenschaftslehre angemutheten Voraussetzung von Seiten derselben nicht ermangelt, wiederholt und in den verschiedensten Wendungen zu protestiren; jene aber bleiben dabei, wie sie denn auch nicht füglich anders können, dass sie besser wissen müssten, was der Verfasser der Wissenschaftslehre eigentlich wolle, als dieser selbst. In Absicht ihrer eigenen Verbesserung ist sonnenklar, und es wird, falls jemals einige Besonnenheit an die Tagesordnung kommen sollte, jedes Kind begreifen, dass dieses ihr Absolute nicht nur objectiv ist, welches das erste Product der stehenden Reflexionsform, sondern zugleich auch, als Absolutes, bestimmt ist durch seinen Gegensatz eines Nicht-Absoluten, welche ganze Fünffachheit, noch überdies mit der im Nicht-Absoluten liegenden ganzen Unendlichkeit, in jener Operation mit dem Absoluten und ihrer Einbildungskraft durch einander verwachsen liegt, und so ihr Absolutes überhaupt gar kein möglicher Gedanke, sondern nur eine finstere Ausgeburt ihrer schwärmenden Phantasie ist, um die Empirie, im Glauben an welche sie fest eingewurzelt sind, zu erklären.

Gegen Erinnerungen, wie die eben gemachte, meinen sie auf folgende Weise sich in Sicherheit bringen zu können. Es hat nemlich die Wissenschaftslehre, freilich nur fürs Erste, und als ein Hausmittel für diejenigen, denen der Zustand der Besonnenheit noch nicht der natürliche geworden ist, sondern in welchen er mit dem der Unbesonnenheit wechselt, vorgeschlagen, dass sie bei dergleichen Producten der stehenden Reflexionsform sich doch nur besinnen möchten, dass sie das Gedachte ja denken. Jene, wohl wissend, dass, wenn sie auf diesen Vorschlag eingehen, ihnen die geliebte Täuschung verschwinde, und das, was sie gern als das Ansich sähen, als ein blosser Gedanke sich gar klar manifestire, versichern, dass man an dieser Stelle sie nie zur Reflexion bringen solle; und berichten, dass gerade durch die consequente Durchführung jener Maxime die Wissenschaftslehre zu einem leeren Reflectirsystem werde, und dadurch eben, wie es sich denn auch wirklich also verhält, die ganze Reflexionsform in absolutes Nichts zerfalle, indem das eben die jenem Systeme verborgengebliebene Kunst sey, an der rechten Stelle die Augen zuzumachen und die Hand auf, um die Realität zu ergreifen. Es entgeht ihnen hierbei gänzlich, dass, völlig unabhängig von ihrem Reflectiren oder Nichtreflectiren auf ihren Denkact, derselbe an sich bleibt, wie er ist, und wie er durch die Form der Beschränkung, in der sie ihn vollziehen, nothwendig ausfällt; und dass es ein schlechtes Mittel ist gegen die Blindheit, vor der Blindheit selber wiederum die Augen zu verschliessen. So bleibt in dem angegebenen Falle ihr Absolutes, von dem sie doch durchaus nicht anders denken können, als dass es sey, immer ein Objectives, aus dem Schauen Hingeworfenes, und demselben in ihm selber Entgegengesetztes, durch sich und in seinem Wesen; ob sie nun den Gegensatz dazu, das Schauen, ausdrücklich hinsetzen oder nicht: und sie haben, wenn sie nicht mehr denn dieses Objectiviren vollzogen haben, nur das Seyn überhaupt, keinesweges aber, wie sie vorgeben, das Absolute gedacht; oder wollen sie doch auch dieses Letztere gedacht haben, so haben sie, innerhalb des Seyns überhaupt, noch durch einen zweiten Gegensatz mit einem nicht absoluten Seyn, eine weitere Bestimmung vollzogen, und ihr Absolutes ist ein besonderes Seyn, innerhalb des allgemeinen, und ihr Denken ist auf eine bestimmte Weise analytisch-synthetisch, weil nur durch ein solches Denken der Begriff, den sie zu haben versichern, zu Stande kommt, sie mögen es nun erkennen oder nicht.

Dieses Alles ist ihnen nun seit dreizehn Jahren oft wiederholt und in den mannigfaltigsten Wendungen gesagt worden, und sie haben es auch recht wohl vernommen. Aber sie wollen es nicht weiter hören, und hoffen, weil wir einige Jahre geschwiegen, und sie nach aller ihrer Lust ihr Wesen haben treiben lassen, desselben auf immer erledigt, und in den ungestörten Besitz der Weisheit, die ihnen gefällt, eingesetzt zu seyn.

Jedoch fehlt gar viel daran, dass dieses ihr Nichtwollen so ganz ein freies sey. Es gründet sich dasselbe vielmehr mit Nothwendigkeit auf die Beschaffenheit ihrer geistigen Natur. Sie vermögen nicht zu thun, was wir ihnen anmuthen, noch zu seyn, wie wir sie haben wollen. Wollen sie bei diesem Stande der Dinge nicht alles Seyn aufgeben und in die völlige Vernichtung fallen, so müssen sie sich auf das ihnen einzig mögliche Seyn stützen, und dasselbe aus aller Kraft aufrecht zu erhalten suchen.

Jenes, oben an einem Beispiele dargestellte analytisch-synthetische Denken ist eine Function der Phantasie, und mischt mit den aus ihr erzeugten Schemen die Realität zusammen; wir aber muthen ihnen das reine und einfache Denken oder die Anschauung an, durch welches allein die Realität, in ihrer Einheit und Reinheit, an sie gelangen könnte. Sie sind des Letzteren durchaus unfähig, und sind darum allerdings genöthigt, falls sie nicht lieber das Denken überhaupt aufgeben wollen, sich der Herrschaft ihrer dunklen und verworrenen Phantasie zu überlassen. Wie sie auch mit ihrem Geiste sich hin- und herbewegen mögen, so werden sie nur auf andere Formen der Phantasie getrieben, aus dieser überhaupt nie herauskommend. Die Form der Phantasie ist allemal zerreissend das Eine: sie gehen nie anders, als mit schon zerrissenem Geiste an die Sache, und es kann darum das Eine nie an sie gelangen, weil sie selbst niemals das Eine sind.

Darum verliert auch an ihnen alle Belehrung ihren Effect, weil dieselbe, um an sie zu kommen, erst durch ihr Organ hindurchgehen muss; in diesem Durchgange aber ihre eigene Form verliert, und die Form ihres Organs annimmt. Wenn man z. B. mit ihnen vom Ich, als der Grundform alles Wissens redet, so vermögen sie dieses Ich gar nicht anders an sich zu bringen, denn als ein objectives, durch ein anderes ihm entgegengesetztes objectives, bestimmtes Seyn, weil diese letztere Form eben die Grundform der Einbildungskraft ist; es ist darum nothwendig, dass sie die Wissenschaftslehre also verstehen, wie das deutsche Publicum sie verstanden hat; und es ist eben dadurch klar, dass gar keine Wissenschaftslehre an sie zu kommen vermag, sondern statt derselben nur ein höchst verkehrtes System, welches sie durch die entgegengesetzte Verkehrtheit berichtigen wollen.

Das einfache Denken ist das innere Sehen; das Phantasiren dagegen ist ein blindes Tappen, dessen Grund dem Tapper ewig verborgen bleibt. Die Wissenschaftslehre war ein Gemälde, auf Licht und Augen berechnet, und wurde in der Voraussetzung, dass dergleichen vorhanden wären, dem Publicum vorgelegt. Man tappte einige Jahre herum auf dem Gemälde, und es fanden sich einige, welche Höflichkeitshalber versicherten, dass sie die angeblich abgezeichneten Gestalten unter dem Finger fühlten. Andere, die mehr Muth hatten, bekannten, dass sie nichts fühlten; dadurch verminderte sich denn auch die Schüchternheit und die falsche Scham der Ersteren, und sie nahmen ihr Wort zurück. Es fand sich indessen Einer, der der allgemeinen Noth sich annahm, und aus allerlei altem Abgange einen Teig zusammenknetete, den er ihnen darbot. Seit der Zeit befleissigt jeder, der Finger hat, sich des Befühlens, und es ist ein öffentliches Dankfest darüber angesagt, dass das Absolute betastbar geworden.

Wo der eigentliche Punct des Streites, den die Wissenschaftslehre gegen sie führt, wahrhaftig liege, weiss unter allen vorgeblich philosophirenden deutschen Schriftstellern Keiner; ich sage mit Bedacht Keiner, und gedenke hierüber dermalen keine Ausnahme zu gestatten. Dass auch dieses System dafür halte, die Betastung sey der einzige innere Sinn, und dass es auch ein blosses, nur etwas wunderbares und von dem ihrigen verschiedenes Betasten sey, darüber regt nirgends sich einiger Zweifel. Ferner halten sie dafür, der Streit sey über objective Wahrheiten, und unser System läugne bloss einige Sätze, die sie behaupten, und wolle dieses durch andere Sätze verdrängen; da doch dieses System eine Bestreitung ihres gesammten geistigen Seyns und Lebens in der Wurzel ist, und ihnen vor allen Dingen Klarheit anmuthet, worauf es sich mit der Wahrheit ohne Weiteres auch geben werde. Nicht darauf kommt es an, was ihr denket, würde die Wissenschaftslehre ihnen sagen; denn euer gesammtes Denken ist schon nothwendig Irrthum, und es ist sehr gleichgültig, ob ihr auf die eine Weise irret, oder auf die andere; sondern darauf, was ihr innerlich und geistig seyd. Seyd das Rechte, so werdet ihr auch das Rechte denken; lebet geistig das Eine, so werdet ihr dasselbe auch anschauen.

Nun aber ist das Erstere nicht ganz leicht, und wir haben keinen Grund, anzunehmen, dass dermalen mehr Geneigtheit und Fähigkeit dazu sich unter den Deutschen vorfinden werde, als ihrer seit dreizehn Jahren, oder wenn wir Kant, von welchem, nur mit etwas grösserem Aufwande des eigenen Scharfsinnes, dasselbe sich hätte lernen lassen, dazu nehmen, als seit fünfundzwanzig Jahren sich dargelegt hat. Dennoch wollen wir die neuerdings vom Publicum bei Seite gesetzte Sache wieder in Anregung bringen; unbekümmert übrigens darum, ob auch diese Anregung in derselben leeren Luft, in welcher seit geraumer Zeit alle Anregungen zum Besseren fruchtlos verhallet sind, gleichfalls ohne Erfolg verhallen werde.

Um vor allen Dingen den Stand der Einstimmigkeit, sowie des Streites der Wissenschaftslehre mit dem Publicum festzustellen, und dadurch unseren eigentlichen dermaligen Zweck zu bestimmen: Das Publicum will -- wir fügen uns vorläufig seiner Sprache, bis wir tiefer unten dieselbe zerstören werden -- das Publicum will Realität, dasselbe wollen auch wir; und wir sind sonach hierüber mit ihm einig.

Die Wissenschaftslehre hat den Beweis geführt, dass die, in ihrer absoluten Einheit erfasst werden könnende, und von ihr also erfasste Reflexionsform keine Realität habe, sondern lediglich ein leeres Schema sey, bildend aus sich selber heraus, durch ihre gleichfalls vollständig, und aus Einem Principe zu erfassenden Zerspaltungen in sich selbst, ein System von anderen ebenso leeren Schemen und Schatten; und sie ist gesonnen, auf dieser Behauptung fest und unwandelbar zu bestehen.

Das Publicum, welches sein geistiges Leben über diese Form nicht hinweg zu versetzen, noch dieselbe von sich abzulösen, und sie frei anzuschauen vermag, hat, eben ohne es selbst zu wissen, seine Realität nur in dieser Form; da es nun aber doch Realität haben muss, so ist es geneigt, jenen von der Wissenschaftslehre geführten Beweis für fehlerhaft zu halten, weil ihm dadurch seine Realität, die es nicht umhin kann, für die einzig mögliche zu halten, vernichtet wird.

Wenn wir nun bei diesem Stande der Sachen einen Augenblick annehmen wollen, dass diesem Publicum geholfen sey, und dass es uns zu verstehen vermöge; so könnte das Erstere nur dadurch geschehen, dass man mit ihm gemeinschaftlich und vor seinen Augen die Form, in der es befangen bleibt, ablöste und ausschiede und neu zeigte, dass zwar seine Realität, keinesweges aber alle Realität vernichtet sey, sondern dass im Hintergrunde der Form, und nach ihrer Zerstörung erst die wahrhafte Realität zum Vorschein komme. Dieses Letztere ist nun diejenige Aufgabe, welche wir zu seiner Zeit durch eine neue und möglichst freie Vollziehung der Wissenschaftslehre, in ihren ersten und tiefsten Grundzügen zu lösen gedenken.

So jemand will, so mag er eine solche Arbeit auch für die Erfüllung des vor langem gegebenen Versprechens einer neuen Darstellung der Wissenschaftslehre nehmen; welcher Erfüllung ich mich übrigens, weil mir immer deutlicher geworden, dass die alte Darstellung der Wissenschaftslehre gut und vorerst ausreichend sey, schon längst entbunden hatte, und jetzt sie weiter hinausschiebe. Wie es mir aus den öffentlichen Aeusserungen dieser Erwartung wahrscheinlich geworden, hoffte man besonders, dass durch die neue Darstellung das Studium dieser Wissenschaft bequemer werden sollte; welcher Hoffnung zu entsprechen ich weder ehemals noch jetzt grosse Fähigkeit oder Geneigtheit in mir verspüre.

Da ich soeben die ehemalige Darstellung der Wissenschaftslehre für gut und richtig erklärt habe, so versteht es sich, dass niemals eine andere Lehre von mir zu erwarten ist, als die ehemals an das Publicum gebrachte. Das Wesen der ehemals dargelegten Wissenschaftslehre bestand in der Behauptung, dass die Ichform oder die absolute Reflexionsform der Grund und die Wurzel alles Wissens sey, und dass lediglich aus ihr heraus Alles, was jemals im Wissen vorkommen könne, sowie es in demselben vorkomme, erfolge; und in der analytisch-synthetischen Erschöpfung dieser Form aus dem Mittelpuncte einer Wechselwirkung der absoluten Substantialität mit der absoluten Causalität; und diesen Charakter wird der Leser in allen unseren jetzigen und künftigen Erklärungen über Wissenschaftslehre unverändert wiederfinden.

Zur vorläufigen Erwägung.

Wenn es nun etwa jemand zu der Einsicht gebracht hätte, dass das Seyn -- ich muss, um die Rede anknüpfen zu können, von diesem Begriffe, den ich demnächst zu zerstören gedenke, ausgehen -- dass das Seyn schlechthin nur Eins, durchaus nicht Zwei, und ein in sich selber Geschlossenes und Vollendetes, eine Identität, keinesweges aber eine Mancherleiheit seyn könnte: so würde von einem solchen billigerweise zu fordern seyn, dass er nach dieser Einsicht nun auch wirklich verführe, nicht aber zur Stunde wiederum gegen sie handelte, dass er demnach, falls er etwa noch überdies ein solches Seyn nicht problematisch an seinen Ort gestellt seyn lassen, sondern positiv und bejahend dasselbe annehmen wollte, dasselbe, treu seinem Grundsatze, eben nur ins positive Seyn selber oder ins Leben setzen, und annehmen müsse, dass es eben nur unmittelbar lebend, und im unmittelbaren Erleben und durchaus auf keine andere Weise sich bewahrheiten könne. Wollte er nun etwa dieses Leben wiederum absolut nennen, wie ihm, wenn er nur dadurch keinen Gegensatz, der ja gegen die angenommene Einheit des Seyns streiten würde, aufstellen, sondern nur soviel sagen wollte, dass dies das Eine in sich vollendete Seyn sey, ausser welchem gar nichts Anderes seyn könne: so würde er annehmen müssen, dass das Absolute nur in dem einzig möglichen innern Leben von sich, aus sich, durch sich sey, und durchaus auf keine andere Weise seyn könne, dass nur im unmittelbaren Leben das Absolute sey, und ausser dem unmittelbaren Leben gar kein anderes Seyn es gebe, und alles Seyn nur gelebt, nicht aber auf andere Weise vollzogen werden könne.

Könnte nun ein solcher auch wohl freilich sich nicht abläugnen, dass er in dieser Operation das Leben doch nur dächte, und objectiv vor sich hinstellte, so müsste sich derselbe nur recht verstehen, um sogleich einzusehen, dass er dennoch nicht diesen ^Gedanken^ seines Lebens und das ^Product^ seines Denkens meine, indem er ja das Leben aus sich und von sich selbst, nicht aber aus seinen Gedanken heraus gedacht zu haben vermeint, sonach an diesem Gedanken sein Denken ausdrücklich zerstört, und durch den Inhalt dieses einzig möglichen wahren Gedankens das Denken, als etwas für sich bedeuten wollend, völlig vernichtet würde.

Geradezu aber würde gegen die vorausgesetzte Einsicht gehandelt werden, wenn jemand das Seyn, und da das Seyn durchaus das Absolute ist, das Absolute, in ein nicht Einfaches, sondern Mannigfaltiges, und in ein sichtbares Erzeugniss und Product eines Andern ausser ihm setzen wollte.

Dergleichen ist nun eben der Begriff des Seyns, von welchem wir die Rede anhoben. Er ist nicht von sich, sondern aus dem Denken, und dieses Seyn ist in sich selbst todt, wie dies auch nicht anders seyn kann, da sein Schöpfer, das Denken, in sich selbst todt ist, und an dem einzigen wahren Gedanken, dem des Lebens, sich also bewährt. Auch bewährt dieses Seyn sich wirklich also todt im Gebrauche, indem es für sich selbst nicht aus der Stelle rückt, und durch mündliche Wiederholbarkeit doch ein Etwas aus ihm herauskommt, sondern erst durch einen zweiten Ansatz des Denkens ihm Leben und Bewegung als ein zufälliges Prädicat ertheilt wird. Alle diese, dem Seyn hinterher noch beigelegten Prädicate sind nun nothwendig willkürliche Erdichtungen, indem, falls das Denken auf eine glaubhafte Weise Bericht vom Leben abstatten sollte, das letztere selber darin eintreten und unmittelbar von sich zeugen müsste; jenes Denken eines Seyns aber gleich ursprünglich das Leben von sich ausgeschieden, und ausser aller unmittelbaren Berührung mit ihm sich gesetzt hat, und darum nicht berichten, sondern nur erdichten kann; an welchem letzteren freilich die Möglichkeit noch besonders zu erklären ist.

Würde nun etwa dennoch in einem gewissen Sinne, der noch näher zu bestimmen seyn würde, angenommen, dass Wir, oder was dasselbe bedeutet, dass Bewusstseyn sey: so wäre dieses, innerhalb der vorausgesetzten Grundeinsicht, nur also zu begreifen, dass das Eine absolute Leben eben das unsrige, und das unsrige das absolute Leben sey, indem es nicht zwei Leben, sondern nur Ein Leben zu geben vermöge, und dass das Absolute auch in uns eben nur unmittelbar lebend, und im Leben, und auf keine andere Weise dazuseyn vermöge, indem es überhaupt auf keine andere Weise dazuseyn vermag; und wiederum, dass nur in uns das Absolute lebt, nachdem es überhaupt in uns lebt, es aber nicht zweimal zu leben vermag.

Inwiefern aber nun ferner angenommen wird, dass wir nicht bloss das Eine Leben, sondern zugleich auch Wir oder Bewusstseyn sind, so würde insofern das Eine Leben in die Form des Ich eintreten. Sollte sich, wie wir aus guten Gründen vorläufig vermuthen, diese Ichform klar durchdringen lassen, so würden wir einsehen, was an uns und unserem Bewusstseyn lediglich aus jener Form erfolge, und was somit nicht reines, sondern formirtes Leben sey; und vermöchten wir nun dieses von unserem gesammten Leben abzuziehen, so würde erhellen, was an uns als reines und absolutes Leben, was man gewöhnlich das ^Reale^ nennt, übrigbliebe. Es würde eine Wissenschaftslehre, welche zugleich die einzig mögliche ^Lebenslehre^ ist, entstehen.

Was insbesondere das erste aufgestellte todte Seyn betrifft, so würde erhellen, dass dieses durchaus nicht das Absolute, sondern dass es nur das letzte Product des in uns in der Form des Ich eingetretenen wahrhaft absoluten Lebens sey; das letzte, sage ich, also dasjenige, in welchem in dieser Form das Leben abgeschlossen, erloschen und ausgestorben, somit in ihm schlechthin gar keine Realität übriggeblieben ist. Es würde einleuchten, dass eine wahrhaft lebendige Philosophie vom Leben fortgehen müsse zum Seyn, und dass der Weg vom Seyn zum Leben völlig verkehrt sey und ein in allen seinen Theilen irriges System erzeugen müsse, und dass diejenigen, welche das Absolute als ein Seyn absetzen, dasselbe rein aus sich ausgetilgt haben. Auch in der Wissenschaft kann man das Absolute nicht ^ausser^ sich anschauen, welches ein reines Hirngespinnst giebt, sondern man muss in eigener Person das Absolute seyn und leben.

Ich füge nur noch folgende zwei Bemerkungen hinzu. Zuvörderst, dass durch diesen Satz alle Philosophie ohne Ausnahme, ausser der Kantischen und der der Wissenschaftslehre, für völlig verkehrt und ungereimt erklärt werde; und wir sprechen dieses bestimmt aus, indem wir niemals irgend eine Ausnahme, welchen Namen sie auch haben möge, zu gestatten gedenken. Sodann, so klar und so handgreiflich einleuchtend die gemachte Bemerkung auch jedem ist, der sie eben versteht, so möchte es doch Leser geben, die gar nicht leicht in dieselbe sich fänden. Der Grund ist der: weil es einiger Anstrengung bedarf, um sich zur Vollziehung der angemutheten Consequenz zu bringen, und dieselbe in seine freie und besonnene Gewalt zu bekommen, zuwider dem natürlichen Hange im Menschen, zum objectivirenden Denken, als dem leichtesten, und jedem ohne alle Mühe und Besonnenheit sich anwerfenden zurückzukehren. Dennoch kann die Vollziehung dieser Einsicht nicht erlassen werden, indem ausserdem es beim blinden Tappen bleibt und kein Sehen erfolgt, und der ganze Unterricht, aus Mangel eines tauglichen Organs der Aufnahme, seines Zweckes verfehlt.

Endlich, dass beim Leben angehoben werden müsse, und von diesem erst zum Seyn fortgegangen werden könne, hat nur vorläufig verständlich gemacht werden sollen, um den dermalen vorhandenen Grund alles Irrthums bei Zeiten aus dem Wege zu bringen. Keinesweges aber haben wir uns dadurch die Möglichkeit abschneiden wollen, falls es nothwendig werden sollte, sogar über das Leben hinauszugehen, und auch dieses als nichts Einfaches und Erstes, sondern als Product einer klar nachzuweisenden Synthesis, nur ja nicht aus dem Seyn, darzustellen. Einer der nächsten Aufsätze dieser Zeitschrift wird sich mit dieser Aufgabe beschäftigen.

Zweites Capitel.

Auskunft über die bisherigen Schicksale der Wissenschaftslehre.

I.

Schilderung des bisherigen Zustandes unserer Literatur überhaupt.

Es ist hier keinesweges unsere Absicht, bloss wieder zu sagen, wie sich das Publicum gegen die Wissenschaftslehre seit der Erscheinung derselben verhalten, sondern dasselbe aus seinen Gründen zu erklären, worauf dann derjenige, der das erstere nicht weiss, aus diesen Gründen selbst es ^a priori^ ableiten, oder auch in den seit jener Zeit erschienenen Schriften und Urtheilen es aufsuchen mag. Nur gründet ohne Zweifel dieses alles sich auf den bisherigen und noch dermalen fortdauernden Zustand der Literatur überhaupt; und es wird daher die begehrte Auskunft auf die von uns gewählte Weise ohne Zweifel gegeben, wenn der erwähnte Zustand gründlich geschildert wird.

Welcher Schmerz übrigens und innige Wehmuth uns ergreife, indem wir aus dem klaren Aether der tiefsten Betrachtung, in welchem wir am liebsten uns aufhalten, herunterzusteigen haben in den Abgrund der intellectuellen und moralischen Verkehrtheit in der Wirklichkeit, thut nicht noth zu beschreiben. Wahrhaftig nicht unsere Neigung führt uns, sondern eine tiefe Unlust begleitet uns zu diesem Geschäfte, welche zu überwinden wir dennoch uns entschlossen haben, indem, so sicher wir auch überzeugt seyn mögen, dass nichts besser werden wird, es dennoch unsere Schuldigkeit ist, zu handeln, als ob es besser werden könnte, ganz sicherlich aber es nicht besser werden kann, bevor nicht das Uebel in seiner ganzen Grösse bekannt worden, und ein beträchtlicher Theil des Publicums darüber in ein heilsames Erschrecken versetzt worden. Und wenn es auch wahr seyn sollte, dass der jetzt ausgebildet lebenden Generation durchaus nicht zu helfen sey, sondern diese, als unverbesserlich, aufgegeben werden müsse: so bliebe es gleichwohl nothwendig, diejenige, welche dermalen entsteht und sich bildet, abzuschrecken, dass sie nicht in die Fusstapfen jener ersten trete, indem, wenn es wirklich besser werden soll, die Besserung doch irgend einmal in der Zeit anheben muss, nichts aber verhindert, dass wir wünschen, dass, inwiefern es möglich ist, diese Zeit eben jetzt sey.

Nur zwei allgemeine Bemerkungen habe ich vorauszuschicken. Die erste ist die folgende: Ob das, was ich als den Charakter unseres gelehrten Publicums angeben werde, durchaus und ohne alle Ausnahme, oder ob es nur von der entschiedenen Majorität gelte, kann vorläufig an seinen Ort gestellt bleiben; und ich will es denjenigen unter meinen wissenschaftlichen Lesern, welche mit Wahrheit sich bewusst sind, dass ihnen niemals, weder in Schriften, noch auf dem Katheder, oder in mündlichen Unterhaltungen dergleichen Aeusserungen, wie wir anführen werden, entfallen sind, von Herzen gönnen; indem es mir wenig Vergnügen macht, mir die Zahl der Schuldigen recht gross zu denken. Gemeint sind nur diejenigen, welche selber, jedoch vor einer Selbstprüfung, in der sie sich nicht schmeicheln, sich getroffen fühlen.

Sodann: die gewöhnliche, auch ehemals schon uns gegebene Antwort auf dergleichen Vorwürfe ist die: man habe übertrieben, oder auch ganz und gar die Unwahrheit gesagt, und sie seyen nicht also, wie wir sie dargestellt hätten. Der hierbei ihnen selbst zwar grösstentheils verborgen bleibende Grund ihrer Täuschung ist der, dass, da sie selber in allen ihren Aeusserungen immer nur sagen, was gesagt worden, und vor dem Worte vom Worte niemals zum Worte von der Sache zu kommen vermögen, sie ebenfalls von uns glauben, wir wollten berichten, wie sie sprechen; und da mag es denn oft wahr seyn, dass sie also, wie wir sie darstellen, sich selber nicht aussprechen. Unser Vorsatz aber war und ist, zu sagen, was sie innerlich und in der That wirklich sind und leben, welches letztere unter andern auch recht gut an demjenigen dargelegt werden kann, was sie seyen, dem jenes, ob sie es nun selber wissen oder nicht, dennoch zur Quelle und Prämisse wirklich und nothwendig dient. Und wenn es sich auch zuweilen zutrüge, dass sie, zur ausdrücklichen und wörtlichen Erklärung über dieselben Verhältnisse kommend, das gerade Gegentheil von dem, was sie nach unserer Behauptung wirklich sind, sagten: so ist doch dieses letztere nicht der Ausdruck ihres wahren Seyns, sondern nur ein auswendig Gelerntes, und eine am Markte erhandelte Maske, mit welcher sie ihre natürliche Haut übel genug verdecken; jenes aber, als Princip eines wirklichen Dafürhaltens im Leben, ist ihr wahres innerliches Leben.

Und nun zur Sache! Dass das Organ für die Speculation, durch welche allein doch alles übrige Wissen begründet, geordnet und klar wird, und ohne welche alle Beschäftigung mit den Wissenschaften nur ein blindes, vom Ohngefähr mehr oder weniger begünstigtes Herumtappen bleibt, den gegenwärtigen Bearbeitern der Wissenschaften gänzlich abgehe, haben wir schon oben gesagt, und, falls jemand fähig seyn sollte, uns zu verstehen, durch unsere eigene Speculation es gezeigt. Nun würde ein Mangel, den unser Zeitalter mit der gesammten Vorwelt gemein hat, nicht jenem allein zum besonderen Vorwurfe gemacht werden können, wenn nicht der grosse Unterschied obwaltete, dass diese Vorwelt von wahrer