SigPhi · Johann Fichte

Sämmtliche Werke 8 Vermischte Schriften und Aufsätze (German)

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dem Felsen rieselte, und brachte milde Früchte, die sie selbst gezogen hatte. -- »Erquickt euch, Fremdling; sagte sie zu ihm, mit dem wenigen, was ich euch geben kann; und nehmet dann dieses Lager ein. Ich werde schon auch einen Platz finden. Wer wollte sich durch eine falsche Anständigkeit abhalten lassen, die Pflichten der Menschlichkeit zu erfüllen, wenn es nicht gegen unser eigenes Geschlecht ist?« Der Ritter war durch alles, was er sah und hörte, wie betäubt. Erst nachdem er von seiner Entkräftung sich ein wenig erholt, und einer ruhigen Besinnung mächtig war, fing die Neugierde und Verwunderung an, an die Stelle dieser Betäubung zu treten; aber seine Unbekannte, die allein sie hätte befriedigen können, war verschwunden. Wunderbare Ahnungen strömten durch seine Seele; noch konnte er sich nicht überreden, ein sterbliches Weib gesehen zu haben: aber bald wurden alle seine Zweifel durch einen festen Schlaf gefesselt.

Das Erste, was seine Sinne traf, als er wieder erwachte, war die Melodie des Liedes, das die arme Maria gesungen hatte. Es war ihm, als ob ein Traum ihn wieder in die Gärten des Emir versetzte; er brauchte Zeit, um sich zu überzeugen, er wache; er horchte und horchte genauer; der Gesang kam vom Eingange der Grotte her. Die Unbekannte sass an der Morgensonne, und sang mit der rührendsten Stimme jenes Lied. Seine ganze Seele lauschte auf ihren Gesang: wie wär' es ihm möglich gewesen, sich selbst durch Muthmaassungen und Untersuchungen zu unterbrechen! -- Das Lied schloss und die Stimme schwieg. Eben war er im Begriff, sich seinem Erstaunen und seiner Begierde, sich diese Begebenheiten alle zu erklären, von neuem zu überlassen, als ein anderer Vorfall seine Betrachtungen unterbrach.

[Fußnote 40: »Voltairisch!« (Randglosse des Verfassers.)]

»Bist du es wirklich, meine Tochter?« sagte die Unbekannte zu einem jungen Frauenzimmer, das sich sprachlos und schluchzend in ihre Arme warf, und ihr weinendes Gesicht an ihrem Busen verbarg; -- »schenkt die heilige Jungfrau die als todt Beweinte mir wieder? -- Ja, du bist es, ich fühls an dem starken Schlagen deines Herzens gegen das meinige, an deinem freudigen Zittern in meinen Armen. Wer, als meine holde Maria, könnte mich so lieben? Aber, sieh mich an; lass mich dies so lang entbehrte Antlitz wieder sehen; lass michs auch in deinen Augen, in allen den wohlbekannten Zügen deines Gesichts lesen, dass du es bist, die mich so liebt. -- So sollte ich denn auch diese Freude noch auf der Erde haben, dich wieder zu sehen; sollte noch nicht von allem Irdischen mein Herz losreissen! Ich hatte auch diesen Wunsch daraus vertilgt, dich wieder zu haben; das ward mir schwer. -- Heiliger Gott, und du, gnadenvolle Mutter desselben, diese Belohnung meiner Leiden wagte ich nicht zu hoffen. Ich dankte dir für den Seelenfrieden und die Heiterkeit, die du mir gabst, meinen letzten und härtesten Verlust zu ertragen. Aber jetzt hilf mir die Freude tragen, dass sie mein Herz nicht von dir abziehe; und -- sieh auf mich herab, -- wenn du mir die Holde wieder nehmen willst, oder wenn ich sie nicht mehr rein und nur dir treu wiedergefunden hätte: hier bin ich, -- ich ergebe mich in deinen Willen! -- Und jetzt, liebe Tochter, erzähle mir: wo warst du seit jenem traurigen Tage, der dich von mir trennte, und was trennte dich von mir?« »Du warst, seitdem meine gute erste Mutter gestorben war, gütige Cölestina!« -- hörte der Ritter jene Stimme sagen, die er schon in den Gärten zu Medina gehört hatte, -- »nicht mehr immer so ganz heiter, als du es vorher warest. Ich bemerkte zuweilen, dass, wenn du mich an dein Herz drücktest, du plötzlich dich abwandtest, und dann kam es mir vor, als ob du eine Thräne unterdrücktest. Du gingest dann hinaus auf meiner Mutter Grab, und betetest, und bliebst oft lange; und wenn du zurückkamst, war so ein Glanz und so eine Heiterkeit in deinem Gesichte, und du warst so sanft und so feierlich froh, und mir war so wehmüthig wohl an deiner Seite, dass mich dünkte, du seyest auf dem Grabe verklärt worden, und seyest nicht mehr meine Mutter Cölestina, sondern ein heiliger Engel. -- Doch vernimm das Schicksal, das mich von dir getrennt hat. Einst an einem Morgen -- du ruhtest noch -- war ich ausgegangen, Blumen zu suchen, und meiner Mutter Grab damit zu schmücken. Ich hatte mich wohl zu weit entfernt, denn plötzlich erschienen die Räuber der Wüste, die mich mit Gewalt fortschleppten, und als ich schrie, damit du mir helfen solltest, mir den Mund verstopften. Sie hörten nicht auf mein Weinen noch Bitten, sondern brachten mich durch lange Wüsteneien in eine Stadt. Die Stadt hiess Medina, wie ich nachher erfuhr. Hier bedeckten sie mein Angesicht mit einem Schleier, bis sie mich zu einem reichen Manne brachten, der den Räubern Geld gab, und mich seinen Weibern übergab.« »Heilige Mutter Gottes! was waren dies für Weiber! Schön waren sie; einige dünkten mich noch schöner, als du, meine Mutter; aber doch sah ich sie nicht gern, und es war mir nie recht wohl, wenn sie mir ins Gesicht sahen. Man sah es nicht, ob sie mich liebten, oder ob sie sich untereinander liebten. Sie liebten mich wohl auch nicht? -- Wenn ich redete, so lachten sie. Ich musste ihre Sprache lernen; und ich lernte sie so gerne und so fleissig, damit ich mit ihnen reden könnte, und damit sie meine Freundinnen würden. -- Kaum lernte ich sie verstehen, so hörte ich, dass sie nichts vom Weltheilande und von seiner Mutter wussten; und als ich ihnen davon sagen wollte, und ihnen erzählen, wie gütig und huldreich sie wären, verlachten sie mich abermals, und redeten dagegen viel von einem grossen Propheten, der wohl ein falscher Prophet seyn muss, weil du mir nichts von ihm gesagt hast. -- Endlich kam einst jener reiche Mann wieder, der den Männern, die mich geraubt hatten, Geld gegeben hatte, und verlangte, ich sollte ihn lieben; und das konnte ich doch nicht: denn er sah so wild und grausam, und wusste ebensowenig vom Weltheilande, als seine Weiber, und that allerhand Dinge mit mir, die wohl schändlich seyn müssen, weil er sie that, und weil er so verstört dazu aussah. Ich stiess ihn zurück: die Mutter Gottes gab mir eine Kraft, die ich nie gefühlt hatte, dass ich Schwache dem starken Manne Widerstand leisten konnte. Ich weinte bitterlich; da ward der Mann sehr zornig, und sagte mir mit wildem Gesichte: er würde diese Nacht wiederkommen, und da würde mich nichts vor ihm retten.« »Mir war sehr eng ums Herz. Ich betete inbrünstig zur Mutter Gottes, mich zu erleuchten, was ich thun sollte; und wie ich feuriger betete, wurde ich immer muthiger. Es war, als ob eine geheime Stimme mir ins Herz flüsterte, es sey schändlich und sehr schändlich, was dieser Mann mit mir thun wolle, und ich müsse eher sterben, ehe ich es ertrüge. Ich wusste, dass eine meiner Gespielinnen ein Werkzeug hatte, -- sie nannte es einen Dolch -- wovon sie mir einst sagte, man könne jemand damit tödten. Damit kann man ja wohl auch sich selbst tödten, dachte ich. -- Sage mir, liebste Mutter, that ich unrecht, dass ich es ihr heimlich wegnahm? Sie konnte es ja dann immer wieder haben, glaubte ich.« -- »Erzähle weiter,« sagte Cölestina. -- »Der Entschluss mich zu tödten, ehe ich mich der Gewaltthätigkeit des Mannes überliesse, wurde nun immer fester in mir; und nachdem ich ihn der heiligen Jungfrau vorgetragen hatte, wurde mir innerlich wohl dabei, und ich glaubte gewiss, dass sie mir für diese That Gnade bei Gott erflehen werde; als plötzlich jemand unter dem Fenster rief: er wolle mich retten, und einige Leitern zusammenband, wie ich hörte. Gleich darauf aber vernahm ich, dass er ergriffen und unter tausend Verwünschungen weggeführt wurde. War es ein Sterblicher, -- er musste es ja wohl seyn, weil er sich ergreifen und fortführen liess, und mich nicht retten konnte, -- wie wird es dem Armen ergangen seyn, der um meinetwillen sich in diese Gefahr stürzte! Wie er ergriffen wurde, verschwand meine Ruhe. Sein Schicksal hat seitdem mir mehr Kummer gemacht, als das meinige.« »Er ist gerettet« -- rufte der Ritter, der jetzt erst es wagte, Theil an der Unterredung zu nehmen, weil er sich unter alten Bekannten zu seyn dünkte; -- »und hatte seit jener Nacht den ersten angenehmen Augenblick, da er auch dich gerettet sah.« Maria warf einen schüchternen, aber dankbaren Blick auf den Ritter, um sich -- schien es -- von der Wahrheit dessen zu überzeugen, was er sagte: und Alfonso erblickte ein Gesicht, auf welchem alle Reize der aufblühenden Jugend sich vereinigten, den reinsten Abdruck ihres unschuldigen Herzens darzustellen.

Cölestina reichte ihm die Hand: »Seyd mir nochmals willkommen, edler Fremdling! -- aber erzähle weiter, du meine Tochter.« »Wunderbare Hülfe ward mir gesandt: erzählte sie; ich blieb diese Nacht über unbeunruhigt.« -- »Ja, sagte der Ritter, denn der Emir hat sie bei einer anderen neu angekommenen Schönen des Serail zugebracht, die ihn mit dem ersten Blicke gefesselt hatte, und die ihm weniger Schwierigkeiten entgegenstellte.« -- »Ich fühlte mich sogar nach einigen Stunden so ruhig, dass ein sanfter Schlaf auf mich herabsank. Ich wurde am Morgen durch ein Getümmel im Hofe des Serail aufgeweckt.« -- »Es war das Volk, das sich versammelte, mich verbrennen zu sehen;« sagte der Ritter. -- »Euch verbrennen wollte man? und der Todesgefahr, die Ihr ausgestanden, sollte ich meine Rettung verdanken? Doch, Gott Lob, dass Ihr gerettet seyd! -- das Getümmel nahm ab; es entstand eine lange, fürchterliche, erwartende Stille« -- »Alzire, so hiess die neue Favorite des Emir, sagte der Ritter, bat um mein Leben. Der Emir begnadigte mich, und liess mich sogleich über die Grenze bringen; daher entstand wahrscheinlich diese Stille.« -- »Jetzt erhob sich ein Gemurmel, fuhr Maria fort; nun ward es lauter; nun brausete es, wie das tobende Meer.

-- Wie? dem Hunde von Franken das Leben schenken? Er soll nicht verbrannt werden? Wir sind vergebens hieher geladen worden? Leidet es nicht! schienen einige Stimmen, die das Getümmel überschrien, zu sagen.

Der Aufruhr verbreitete sich über die ganze Stadt: alles lief zu den Waffen. Die Wachen verliessen die Thüren des Serail, und stürzten sich bewaffnet gegen das Volk. -- War es ein unsichtbares Wesen, das mir den Entschluss eingab, mich jetzt durch die Flucht zu retten? ich fand alle Zugänge unbesetzt; ich drängte mich durch das Volk, das nichts sahe, als die Gegenstände seiner Rache. Ich kam -- ob ich mich noch dunkel des ehemaligen Weges erinnerte, oder ob unsichtbar Engel mich leiteten, -- ich kam durch die lange Wüste wieder zu deiner Grotte, theuerste Mutter; bin wieder dein, um mich nimmer von dir zu trennen.« »Gott sey gelobt, dass ich dich wieder habe, meine Tochter, sagte Cölestina, und dass ich dich so wieder habe, wie ich dich verlor. Und er sey gelobet, dass er auch Euch erhielt, edler Fremdling! und Euch hieher brachte, dass ich Euch für den Antheil danken kann, den Ihr an dieser Unschuldigen nahmt.« »Schon lange scheint eine Frage auf Eurer Lippe zu schweben, und es ist billig, dass ich Eure Neugier befriedige, insoweit ich darf. Ich bin ein Weib, welches einst in der Welt sehr glücklich war. Aber vielleicht hatte ich mein Herz zu sehr in diesem Erdenglück verloren: Gott entzog es mir, um mir zu zeigen, dass nur Er es sey, in welchem man befriedigende und dauerhafte Glückseligkeit finde. -- Ich trennte mich von der Welt und von dem, der in ihr mein Abgott war. In der Stunde der Begeisterung, da ich dieses Opfer, das Tugend und Ehre und mein eigenes wahres Wohl heischte, begann, schien es mir so leicht, und nachdem es geschehen war, wollte mein Herz brechen. Ich suchte Trost und Ruhe an den heiligen Oertern, wo uns allen die Seligkeit erworben wurde. Da traf ich die Gesellin meiner Leiden, mit diesem ihrem Kinde. Ich hatte sie durch mein Elend glücklich machen wollen. Auf die Art, wie ich es mir gedacht hatte, sollte es nicht seyn. Wir sollten beide durch längeres Leiden zu einer reineren Glückseligkeit eingehen.« »Wir waren beide für die Welt, und sie für uns, auf immer verloren. In der heiligen Stadt und in ihrer Nähe waren wir kaum den sarazenischen Räubern entgangen. Wir beschlossen, uns in diese Wüsten, durch welche Gott einst sein auserwähltes Volk führte, zu begeben, und kamen in die Nähe des Gebirges, das Ihr hier vor Euch erblickt. Es ist das Gebirge Sinai.« -- »Gott hatte uns den Platz unserer Ruhe schon bereitet. Wir fanden hier diese Grotte, und dort das Gärtchen; zwar damals verwildert, aber durch eine geringe Arbeit war es wieder in Stand gesetzt. Vielleicht dass ohnlängst hier ein frommer Einsiedler sein Gott geweihtes Leben beschlossen hatte.« »Hier haben wir geweint und gelitten. -- So lange noch eine geliebte Freundin gleiche Leiden mit mir litt, wurden die meinigen mir leichter.

Ich stärkte meine Kräfte, um ihren Kummer tragen zu helfen, und vergass des meinigen, um Trost in ihre Seele zu giessen, und fand ihn dadurch selbst. Aber sie schlummerte bald in eine bessere Ruhe hinüber, und liess mich allein. Ich segnete ihr Geschick; aber -- du hattest es wohl gesehen, meine Tochter, -- das meinige ward mir schwerer. Nur die Zärtlichkeit gegen dich, und deine kindliche Liebe zu mir, holdes Kind, hielten mich aufrecht. Aber du konntest meine Leiden nicht mit mir fühlen.« »Noch hing mein Herz an etwas Irdischem; es hing an dir. Du musstest mir genommen werden. Musste durch so rauhe Wege Gott mich zu meinem Heile führen? -- Nichts war mir nun übrig, als Er. Nur in sein Herz konnte ich meine Empfindungen ausgiessen; nur von ihm Gegenliebe erwarten. O, hätte ich es doch eher gewusst, welchen süssen Frieden dies über mein Herz ausgiesset, wie völlig dies eine Seele befriedigt! -- welch eine Menge von Leiden hätte ich mir ersparen können!« »Aber verzeiht, guter Fremdling! dass ich so flüchtig über die näheren Umstände meiner Geschichte hinwegeilen musste. Es ist nicht Mistrauen.

Wer so lange, als ich, sich nur mit Gott unterhalten hat, kennt dieses nicht; und in ein Antlitz, wie das Eurige, setzt es niemand. -- Ich habe Ruhe gefunden: aber noch lebt vielleicht Einer, der mir einst nur zu theuer war. Kann ich ihm den Seelenfrieden nicht geben, wenn er ihn noch nicht errungen hat, so will ich ihm doch denselben auch nicht nehmen, wenn er ihn etwa errungen hätte. Ihr kehrt in die Welt zurück, und seyd, wenn mich nicht Alles täuscht, von eben dem Stande und aus eben den Ländern, in denen er lebte. Ihr könntet ihn antreffen; ihn vielleicht antreffen, ohne ihn zu kennen. Gutherzigkeit oder ein von ohngefähr entfahrendes Wort könnte alle die Kämpfe in seiner Seele erneuern, die er vielleicht längst ausgekämpft hat.« »Ich muss freilich wieder von Euch weg, und in die Welt zurück: sagte der Ritter; aber Verehrung gegen Euch wird mich allenthalben begleiten, und Euer Wille wird immer mein Gesetz seyn.« Er sagte das Erstere so, als ob ihn dieser Entschluss etwas koste.

Die Lage, in der er Marien in den Gärten von Medina zuerst gefunden, hatte so etwas Romantisches; Mitleiden und Theilnehmung an ihrem Schicksale hatten sich sogleich seines ganzen Herzens bemächtigt. Seine Phantasie hatte nicht gezögert, sie, die er nur gehört, nie gesehen hatte, in einen Körper zu kleiden; sie hatte ihn freigebig mit allen Reizen, die ihrer Silberstimme angemessen wären, ausgeschmückt. Er sah sie jetzt; und sie war weit über das Bild erhaben, das er sich von ihr gemacht hatte. Die blühende Wange, das sanfte Auge, das weiche, wallende Haar konnte er seinem Bilde geben; aber nicht jenen lebendigen Ausdruck der Unschuld, der Treue, der kindlichen Zärtlichkeit, weil es ihm dazu am Urbilde fehlte. Er sah sie jetzt, und sah sie in aller Freude des Wiedersehens an den Busen derjenigen, die ihr das Theuerste auf der Welt war, hingegossen; sah, wie sie in stummen Gefühlen an ihren Augen hing, gleichsam um alle die geliebten Züge wieder zu spähen, und die alte Vertraulichkeit mit ihnen zu erneuern. War es ein Wunder, dass seine Seele von eben den Gefühlen ergriffen wurde, deren reizendsten Abdruck er vor sich sah, und dass er sie mit der zu theilen wünschte, die ihm zuerst das schönste Bild derselben darstellte?

Maria hatte den Unbekannten, der sich für sie in Lebensgefahr stürzte, bedauert, und, wie sie gewissenhaft war, sich den Vorwurf gemacht, die Ursache seines Todes zu seyn. Diese Empfindung allein hatte die Freude über ihre Errettung getrübt. Hier fand sie ihn unvermuthet wieder, an dem Orte, der ihr der liebste auf der Erde war. Nun erst getraute sie sich, sich ganz dem Gefühle, dass sie ihrer Pflegemutter wiedergegeben sey, zu überlassen; und es ist möglich, dass die Freude über seine Gegenwart unvermerkt einigen Antheil an dem stärkeren Ausdrucke ihrer Zärtlichkeit gegen ihre Pflegemutter hatte; und dass sie, ohne es zu wissen, einen Theil dessen, was sie bloss für Cölestinen zu empfinden glaubte, für Alfonso empfand.

»Aber, kann ich, darf ich zurückkehren -- fuhr der Ritter fort -- ohne Trost für die Seele des armen Rinaldo gefunden zu haben? Ich hoffte doch gewiss am heiligen Grabe --« »Rinaldo? fiel Cölestina ihm in die Rede. Wer ist dieser Rinaldo? was wisst Ihr von ihm?« Alfonso erzählte, was er von seinem geängsteten Geiste selbst an seiner Gruft gehört hatte; erzählte die Bedingungen, unter welchen seine Qualen enden sollten; Cölestina hörte seine Erzählung mit stummer Betrübniss, und Maria mit Thränen an.

»O möchten sie enden, die Qualen der unglücklichen Seele! und vielleicht sind sie schon grösstentheils geendet, sagte Cölestina. Maria hat ihre Leiden längst beschlossen; sie war die Freundin, die mir hier starb; sie ruht unter jenem Hügel. Das ist ihre und Rinaldo's Tochter. -- Ich habe aufgehört zu leiden. Ich habe die Wege der Vorsehung erkannt; sie waren nichts als Güte. -- Ich bin Laura: Maria wollte mich nicht anders als Cölestina nennen; drum habt Ihr mich hier so nennen hören.« »Und die letzte Bedingung seiner Erlösung -- sagte Alfonso -- möchte doch auch sie erfüllt werden! -- Ja, edle würdige Frau, ich darf es Euch sagen; -- ich habe nie geliebt; aber seitdem ich die Stimme dieses holden Geschöpfes gehört, seitdem ich sie hier an Eurem Herzen gesehen habe, -- entweder ich weiss nicht, was Liebe ist, oder ich liebe sie über Alles. Lasst mich -- o, Ihr seyd ja auch ihre Mutter, lasst mich sie an meinem Arme an die Gruft ihres Vaters führen; der Anblick wird den Geist erlösen.« Maria verbarg ihr Gesicht an Laurens Busen. Ihr Herz schlug stärker.

»Fremdling, sagte Laura -- nehmt nicht etwa eine flüchtige Rührung, ein mattes Wohlbehagen, einige sich unwillkürlich Euch aufdringende Wünsche sogleich für Liebe. -- Ihr habt nie geliebt, sagt Ihr; -- Euer Herz ist unerfahren und leicht zu bewegen. Ihr habt dieses Kind im Leiden gesehen, und habt gewünscht, habt Euch bemüht, sie zu retten. Ihr seyd durch den Antheil, den Ihr an ihr nahmt, in Gefahr gekommen. Das kettet edle Seelen an den Gegenstand ihrer Grossmuth: aber diese Anhänglichkeit ist noch nicht Liebe. Ihr habt sie hier in allen Rührungen der zärtlichen Tochter gesehen; das hat sich Euch mitgetheilt. Uebereilet Euch nicht, edler Fremdling.« »Grossmüthige Frau, versetzte der Ritter, was ich fühle, fühl' ich so wahr und so stark, dass ich für die ewige Dauer desselben gut bin. Es ist wie mit Flammenschrift in mein Herz geschrieben, dass diese Mein seyn muss, dass sie Mir bestimmt ist, und dass ohne sie es kein Glück mehr auf der Erde für mich giebt.« »Ich glaube Euch, edler Mann, sagte Laura: Ihr scheint wahr und gut; ich glaube, dass Ihr mich nicht täuschen wollt: aber weder ich, noch selbst Ihr könnt wissen, ob Ihr nicht vielleicht Euch selbst täuschet. Erwartet es, bis Eure Empfindungen sich Euch selbst aufklären und entwickeln; und kommt Ihr dann, und sagt noch eben das, so ist sie Euer.« »Verzeiht, edle Frau, versetzte der Ritter: wie könnte ich in dem, was ich so innig und so warm fühle, mich täuschen? Täusche ich mich vielleicht auch, wenn ich mein Daseyn empfinde? -- Aber, ich soll warten, soll Euch verlassen, in Länder gehen, die weite Meere von Euch trennen? Wie werde ich das ertragen?« »Ihr sollt nicht allein gehen, sagte Laura. Dunkle Ahnung einer höheren Glückseligkeit, ein geheimes Verlangen, auf dem Grabe Rinaldo's zu seyn, durchströmt meine Seele. Ihr werdet mich und diese dahin begleiten, und dann -- wenn Ihr dann noch so denkt, ist diese Euer.« Sie hatten keine langen Zubereitungen zur Abreise zu machen. Es waren noch einige Juwelen von denen, die Maria bei ihrer Abreise aus Paris mit sich genommen hatte, vorhanden. -- »Hätte ich glauben können, dass ihr noch einst einen Werth für mich haben würdet?« sagte Laura, als sie sie zu sich nahm.

Sie zogen unbeschädigt durch Arabien und Palästina, und setzten sich zu Damaskus auf ein Schiff. Ein günstiger Wind leitete sie; sie landeten bald an der europäischen Küste.

In einer angenehmen Sommernacht kamen sie zu Rinaldo's Grabe. Ein sanfter Wind säuselte: Rosenduft erfüllte die Lüfte. Ruhe und Heiterkeit im Gesichte, glänzend und verklärt entstieg der Geist seiner Gruft.

»Sey mir gesegnet, Alfonso! sagte er; du hast dein heiliges Gelübde gehalten. Du bist seiner werth, meine Tochter. In heiligeren Gefilden sehen wir uns wieder. -- Deine unglückliche Mutter hat ihre Leiden beschlossen; ihr Leib ruht weit von dem meinigen, aber ihr Geist ist bei mir: und du, meine Laura, wirst sie bald beschliessen.« Der Geist verschwand. Laura sank in süsser Wehmuth auf das Grab, und schlummerte in ein besseres Leben hinüber.

Sanfte Trauer erfüllte Mariens und Alfonso's Seele. Die Klagen über den Verlust der Glückseligen wurden ihnen süss.

Sie lebten in diesen Gegenden das Leben der Zärtlichkeit und der Liebe.

Jeder Unglückliche segnete ihr Haus; es war Zuflucht jedes Hülfslosen.

Am fünfzigsten Gedächtnisstage ihrer Vermählung, nachdem sie schon die Kinder ihrer Enkel zu ihren Füssen hatten spielen sehen, sassen sie in stummer Zärtlichkeit auf der Gruft, und das Andenken der Begebenheiten ihres Lebens ging vor ihrer Seele vorüber. Ein sanfter Schauer überfiel sie, sie umarmten sich, und ihre Seelen gingen vereint in das Vaterland der Liebe.

Die Hirten fanden sie erstarrt auf dem Grabe liegen, und begruben sie nebeneinander, da, wo sie lagen. Rosenstöcke und Vergissmeinnicht und Tausendschön entsprossten dem Boden um das Grab herum und blühten.

Ahnungen von Wiedersehen der Freunde erfüllten die Seelen der Hirten.

Ihren Augen enttröpfelten Thränen. Sie gingen, und als sie hinter sich sahen, sahen sie fünf Flämmchen auf dem Grabe blinken. Hinter ihnen schloss sich das Thal. Sie hatten den Weg dahin nicht wieder gefunden.

Sie nannten es das Thal der Liebenden.

B.

Kleinere Gedichte.

Idylle.

(Musenalmanach von A. W. Schlegel und L. Tieck, Tübingen 1802, S.

170.)

Was regst du, mein Wein, in dem Fass dich?

»Es brachten die Lüfte mir Kunde Von der Inbrunst meines Erzeugers, Das regte das Inn're mir auf!« »Ich möchte die Bande zersprengen, Die von ihm ferne mich halten, Und zerfliessen und in den Düften Zusammenströmen mit ihm!« So bringen heimliche Stimmen Der Geister Psychen die Kunde Von der unendlichen Liebe Im Unendlichen, ihrem Erzeuger; Und es dehnet sich ihr das Herz aus In unbeschreiblicher Wehmuth, In unaussprechlicher Sehnsucht, Bis die irdische Hülle zerreisst.

Sonette.

1.

Wenn dir das inn're Götterwort wird spruchlos, Verblasset auch die äussere Verspürung, Was dich umgiebt, verlieret die Verzierung, Was von dir ausgeht, wird nur schnöd' und ruchlos.

Die Blüthe deines Lebens steht geruchlos, Was andre leitet, das wird dir Verführung; Denn du bist ausserhalb des Alls Berührung, Darum wird dir der äuss're Laut auch spruchlos.

Das innen Todte glänze noch so scheinsam, Doch treibt dich fort zu ungemess'ner Wehmuth, Die unaufhaltsam schon dich griff, die Brandung. -- Drum bleib' ich in mir selber still und einsam Und pflege fort mit kindergleicher Demuth Das Unterpfand der einst'gen frohen Landung.

2.

Was meinem Auge diese Kraft gegeben, Dass alle Misgestalt ihm ist zerronnen, Dass ihm die Nächte werden heitre Sonnen, Unordnung Ordnung, und Verwesung Leben?

Was durch der Zeit, des Raums verworr'nes Weben Mich sicher leitet hin zum ew'gen Bronnen Des Schönen, Wahren, Guten und der Wonnen, Und drin vernichtend eintaucht all' mein Streben? -- Das ist's. Seit in Urania's Aug', die tiefe Sich selber klare, blaue, stille, reine Lichtflamm', ich selber still hineingesehen; Seitdem ruht dieses Aug' mir in der Tiefe Und ^ist^ in meinem Seyn, -- das ewig Eine, ^Lebt^ mir im Leben, ^sieht^ in meinem Sehen.

3.

Nichts ist denn Gott, und Gott ist nichts denn Leben; Du weissest, ich mit dir weiss im Verein; Doch wie vermöchte Wissen dazuseyn, Wenn es nicht Wissen wär' von Gottes Leben!

»Wie gern' ach! wollt' ich diesem hin mich geben, Allein wo find' ich's? Fliesst es irgend ein In's Wissen, so verwandelt's sich in Schein, Mit ihm vermischt, mit seiner Hüll' umgeben.« Gar klar die Hülle sich vor dir erhebet, Dein Ich ist sie; es sterbe, was vernichtbar, Und fortan lebt nur Gott in deinem Streben.

Durchschaue, was dies Streben überlebet, So wird die Hülle dir als Hülle sichtbar, Und unverschleiert siehst du göttlich' Leben!

Vorbereitung zur gemeinschaftlichen Andacht.

Die Gemeine.

Müde von des Lebens Leiden, Müder von des Lebens Freuden, Flüchten wir in eure Stille, Ob uns hier Erquickung quille.

Frohseyn ist uns nie gelungen, Wie wir eifrig auch gerungen, Und wir sind des Treibens müde, Suchen Ruhe, wünschen Friede.

Die Pfleger.

Kommt Belad'ne zur Erquickung, Kommt Erschöpfte zur Entzückung!

Neue Stärke soll die Matten Ueberschwänglich überschatten; Nur dass draussen ihr versenken Wollet euer Thun und Denken, Abthun euer altes Streben, Sterben ab dem eig'nen Leben.

Die Gemeine.

Und was habt ihr uns zu geben, Zum Ersatz für unser Leben?

Die Pfleger.

Solch' ein Leben, das gegründet In sich selber, nimmer schwindet, Nimmer wandelt, selbst sich gnüget.

Dieses hier euch offen lieget.

Aber nur von euch geschieden Geht ihr ein in seinen Frieden!

Dem 15. März 1810.[41] Du edler Keim, der aus der kalten Erde Sich unaufhaltsam in das Lichtreich drängte, Du sinn'ge Blume, die, die Sonne fühlend, Mit allen Regungen nach ihr sich wandte: Wir streben beide, doch in anderm Sinne Jedwedes, liebend nach demselben Ziele, Und mehr als andres, eint uns dieses Streben, Und weiht mich dir mit inniger Ergebung.

Nimm diese Früchte, die dasselbe Streben, Auf dir verschwistertem Stamme hat getrieben!

Vielleicht, dass auch aus uns'rer Lieb' ein Zweig entsteht, Der einstens zeug' von unsrer höhern Liebe.

Philomele.

Meine Stimme von Staub spricht dich gefällig an?

Aber möchtest du erst hören der Sphären Klang!

Ich zwar sing' in dem Chore gezwungen und gerne. Das Ganze Fasset allein der sinnige Mensch.

Jenseit des Aethers ström' eine Quelle Des Tones, der Schönheit, -- diese sind Eins, -- Also lehrete mich mein Meister, Selber er tonlos, doch schlägt er den Tact!

[Fußnote 41: Der Gattin zum Geburtstage, mit dem Geschenke von Klopstocks Werken, des Oheims derselben.]

Prolog zur »Vesta.«[42] (Ungedruckt.)

Die Herausgeber, ein Pränumerant.

Die Herausgeber.

Euer Edlen sind, hören wir, ein braver Mann, Nehmen sich auch der leidenden Menschheit an; So kommen wir denn von gleichem Triebe Beseelt und bitten Sie um die Liebe, Dass Sie doch möchten pränumeriren Ein Thaler quartaliter auf ein Journal: Wir werden's Vesta nennen zumal, Womit wir nächstens die Welt wollen zieren.

Der Pränumerant.

Ihr Journal und die Menschheit in Leiden, Wie hängen denn zusammen die beiden?

Die Herausgeber.

Die Armen sollen haben ohne Verdruss Von unserm Gewinne den Ueberschuss!

Der Pränumerant.

Ich verstehe! -- Doch nach welchem Plan oder Geist Werden Sie denn schreiben allermeist?

Nach welchem wählen die Genossen?

Die Herausgeber.

Nach keinem: -- »Keiner ist ausgeschlossen, Und jeder Freund der Wahrheit, Anmuth und Kraft Ist uns willkommen« -- sofern er uns was schafft!

Der Pränumerant.

Ich verstehe ganz: -- ein Allerlei Von Sauer und Süss mit Façon dabei!

Die Herren, so denk' ich mir's, jucket der Kitzel Gedruckt zu sehen ihre Papierschnitzel.

Kein Verleger mag sie; für eigenes Geld Sich drucken zu lassen ihnen auch nicht gefällt.

Da muss die Noth helfen aus der Noth: Nun können sie eher, ohne zu werden roth, Antragen auf Pränumeration, Und den Willigen wünschen ein Gotteslohn!

Wer auch ihres Schreibsels nicht begehrt, Denkt, es sey den Armen ein Almosen beschert.

Kann's leiden, dass man das Heft mir bringt; Niemand ist ja, der's zu lesen zwingt.

Indess stehen die Herrn schon schwarz auf weiss, Mehr wollten sie nicht und sie haben ihren Preis.

Drum genug, ihr Herrn! Hier ist mein Thaler, Wünsch' Ihnen recht viele und reichliche Zahler, Damit Ihre geistige Armuth und Noth Den leiblich Armen schaff' ein Stück Brot!

[Fußnote 42: Zeitschrift, erschienen zu Königsberg 1807.]

Die Herausgeber.

So muss man es durchaus nicht anseh'n, Obwohl wir selber, wie uns gescheh'n Nicht recht zu wissen gern bekennen.

Wir wollen für hohe Zwecke entbrennen, Eingreifen gewaltig in's Rad der Zeit, Dem Bedürfniss, dem Niemand Hülfe beut, Auch keiner als wir es kennt, reichen die Hand!

Der Pränumerant.

Ei sieh, Ihr seyd wohl gar auch arrogant?

Die Herausgeber.

Das wollen wir hoffen; -- dies gilt bei den Leuten, Succurs und Beifall sich zu bereiten!

Drum darf auch die Zeitschrift sich nicht schämen, Irgend ein Erhab'nes zum Vorwand zu nehmen.

»Wer für den Staat auch nicht die Waffen trägt, Der ist durch heil'ge Bürgerpflicht bewegt, Dass er ableite des Volkes Aufmerksamkeit Von dem die Kriege begleitenden Leid, Damit er dessen Blicke wende Von dem unvermeidlichen Kriegselende.« Der Pränumerant.

Elend nur sieht und er nur sieht das Elend, Wer selber elend ist im Innersten; Denn seiner Leere, seines tiefen Grams, Seiner Zerrüttung Bild steigt aus dem Herzen In's Aug' empor und lagert ihm sich hin Ueber der Dinge breite Oberfläche; Sie geben stets ihm nur ihn selbst zurück!

So auch wer in sich klar und mit sich Eins ist, Er bleibt gewiss der ew'gen Harmonie Im trüben, wildverschlungenen Gewirre Ird'scher Erscheinung; und ihm leuchtet hell Im Jammer selbst die immer nahe Hülfe! -- -- Ein Herausgeber (ihm nachsehend).

Der Mensch ist ein seltsam Kunstproduct, Vorweltlich, in alt ogygischem Stil!

Der andere.

Sey ruhig, Herr Bruder, wir sind ja gedruckt; Das Andre bedeutet uns nicht so viel!

Und wo wär' Etwas von eigenem Werth, Wogegen sich nicht die Misgunst kehrt?

Beide.

Das ist der plausibelste Trost in der Welt, Dass man stets sich selber am Besten gefällt!

Am 18. Januar 1812.[43] Ehrwürd'ge deutsche christliche Gesellschaft, Edle, biedere Tischgenossenschaft!

Indem ich, als bestellt zum Sprechen, Zum erstenmale das Schweigen will brechen, Bitt' ich, dass man es günstig verspüre, Wenn ich im Knittelvers haranguire; Denn eingefasst von Rindfleisch und Braten Dürfte die Prosa zu vornehm gerathen!

* * * * * Zuvörderst sollt' ich mit zierlichen Worten, Wie es gebräuchlich aller Orten, Mit Bezeugung schuldiger Devotion Ihnen danken für die Decoration, Die Sie durch dieses Amt mir verlieh'n.

Doch: danke durch Thaten, spricht deutscher Sinn!

Wie hoch ich es schätze im Herzensgrunde, Mit Ihnen zu bleiben im freundlichen Bunde, Und allen Ihren Wunsch und Willen Auch meinerseits gern mag erfüllen: Beweise, dass mit Herzlichkeit Ich Ihrem Wunsche mich geweiht; Beweise, wie ich die Geschäfte, So lang's verstatten meine Kräfte Und meine sonst besetzte Zeit, Werd' immer führen mit Heiterkeit.

Was Sie an Gelde mir werden geben, Das werd' ich sorgfältig aufheben Und treulich bewahren und verwalten.

Auch über die Gesetze will ich halten, Ohn' alles Anseh'n der Person.

Zeigt gute Laune sich oder Liederton, Will ich, so gut ich kann, mitsingen.

Auch die Gesundheiten will ich ausbringen; Und erscheint einst der festliche Pokal, Geziert mit dem Juden Simson zumal, So werd' ich um weitere Vorschrift bitten, Und diese sey nie überschritten.

[Fußnote 43: Ueber die Veranlassung zu dieser Rede in Versen hat ihr Einsender uns zugleich Folgendes mitgetheilt: »A. v. Arnim hatte in Berlin eine christlich deutsche Gesellschaft errichtet, deren Vorsitz Fichte an jenem Tage übernahm. Bei dieser Veranlassung hielt er einen Vortrag in Knittelversen, welcher damals ungemein ansprach und auch, wie ich bestimmt weiss, noch jetzt in Ehren gehalten wird. Da ich das Tagblatt besitze, worin dieser Vortrag aufgeschrieben ist, so macht es mir ein grosses Vergnügen, Ihnen denselben mittheilen zu können.«] * * * * * Im Uebrigen kann ich von meinem Sprechen In voraus eben nicht viel versprechen.

Zum Beispiel: Witzig zu seyn aus heiler Haut Ist ein Talent, nicht Jedem anvertraut; So selten fast als reine Vernunft, ist reiner Witz, Und beide, denk' ich, sind gleich viel nütz'.

Wer witzig ist, ist's über Was und nebenbei, Denn Witz ist ja nicht Gold, noch Silber, noch Zinn, noch Blei, Sondern von Allem nur die Façon!

So Jemand den Witz recht wollte pflegen und nähren, Der müsst' ihm nur reichlichen Stoff gewähren Durch tolle Streich' und Narrheiten viel, Und nur ihn treiben lassen sein Spiel, Und ja sich hüten, was übel zu nehmen.

Zu dem Ersten wird die ehrbare Gesellschaft sich nie bequemen; So muss sie denn eben ohne Witz vorlieb nehmen!

Zudem sind die bisherigen Stoffe verbraucht; Nicht Jude, nicht Philister mehr taugt, Um an ihnen zu finden ein Körn'chen Spass, Das nicht schon einigemale dawas! --